Archive for August 2009

ZUR BUNDESTAGSWAHL 2009

24. August 2009

St. Just: „Ein Volk hat nur einen gefährlichen Feind – das ist seine Regierung“

Lenin lehrte uns, dass man bürgerliche Politiker, und natürlich auch proletarische, nicht nach ihren Worten, sondern nach ihren Taten beurteilen soll. Dieser Hinweis ist auch für die kommende Bundestagswahl hochaktuell.

Ich beobachte diese bürgerlichen Schmarotzerparteien schon seit 40 Jahren, vor der Wahl werden paradiesische Zustände versprochen, nach der Wahl wird die Hauptkunst, ihre wahre Meisterschaft wirklich sichtbar: wie schon der große Aufklärer Voltaire einen Wesenszug der Politik in der Kunst sah, das Geld aus den Taschen einer Klasse in die einer anderen zu überführen. Am Ende gibt es paradiesische Zustände für eine verschwindend kleine Handvoll von Parlamentariern (598 Abgeordnete) – Not, Elend, Steuerplackerei, ohne 10 € keine ärztliche Behandlung, Hartz IV…u.s.w. für die Volksmassen.

Natürlich verurteilt der bürgerliche Parlamentarismus die Menschen zum Sklavendasein, die Sklavenhalter angeblich demokratisch legitimiert. Die spießbürgerliche Enge des Parlamentarismus liegt in der Tatsache, dass angeblich freie Bürger Sklavenhalter wählen, es ist eine infantile Herr-Knecht-Borniertheit: Bürger könnten ohne Bürgermeister nicht leben, Bundesbürger nicht ohne Kanzler/in. Es ist der rückständigste Etatismus. der sich in diesen Wahlen artikuliert. (1.)Gerade im deutschen Volk, das keine erfolgreiche Revolution, sondern alle erfolgreichen Konterrevolutionen mitgemacht hat (2.), sitzt ein perverser politischer Masochismus: Führer befiehl, wir folgen Dir. Der deutsche Spießer ist politisch so entmündigt worden, dass er glaubt, ohne Führer und Bundeskanzler/in nicht leben zu können. Insofern haben die Wahlverweigerer ein höheres politisches Bewußtsein als die tauben Aktivbürger, die auf die Bourgeoisie hereinfallen und durch ihre Naivität das ganze Volk versklaven. Stell Dir vor: es sind Wahlen und keiner geht hin. Wenn zum Beispiel statt eines kleinen „erlauchten“ Kreises von Kardinälen alle Katholiken den Papst wählen könnten, so blieben diese doch vor wie nach  mittelalterlicher Abschaum, lediglich „demokratisierter“. Will sagen: freie Menschen werden durch Wahlen unmündige Bürger. Soweit ist die Bundestagswahl eine große Veranstaltung zur Volksentmündigung. „Politische Freiheit ist Scheinfreiheit, die schlimmste Art von Sklaverei, der Schein der Freiheit und deshalb die schlimmste Knechtschaft.“ (3.) Nicht aufgeworfen wird zum Beispiel die Frage: Gibt es eine gesetzmäßige Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und demzufolge auch eine Gesellschaftswissenschaft ? Diese Frage muß man unbedingt bejahen, dann aber auch die Schlußfolgerung, daß alle bürgerlichen Parteien eine schiefe Stellung zu ihr einnehmen. Sind die bürgerlichen Parteien nur auf die Macht fixiert, egal mit welchen schmutzigen lügenhaften Mitteln man sie auch erreicht, so wird dem Wahlbürger Staatssouveränität suggeriert, einmal in vier Jahren „Große Politik“, während er in Wirklichkeit „demokratische“ Sandkastenspiele betreibt. Würden die Politiker es ehrlich mit dem Volk meinen, so würden sie von ihren politischen Wahlalbernheiten ablassen und sich den ernsten Gesellschaftswissenschaften zuwenden. Aber ablassen können sie davon nicht, denn die Menschen machen, wie der materialistische Philosoph Plechanow bemerkte, Geschichte aus dem Bestreben, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, und das Bestreben des Kapitals und seiner politischen Handlanger ist es eben, das Proletariat zu blutsaugen und deshalb auch politisch zu unterdrücken. „Die Kapitalisten können auf ihre Interessen ebensowenig verzichten, wie ein Mensch sich selbst an seinen Haaren hochziehen kann.“ (4.) Man schlage ein beliebiges Handbuch des deutschen Bundestages auf und man wird feststellen, daß Friedrich Engels völlig Recht hatte, als er am Beginn des deutschen Parlamentarismus (5.) den Abgeordneten der Frankfurter Paulskirche bescheinigte, daß ihre Mehrheit „obskurante Lebensläufe“ aufweise. Es war auch verfehlt von dem KPD-Abgeordneten des Deutschen Bundestages Kurt Müller bei seinem Verhör durch General Mielke im Ministerium für Staatssicherheit, darauf hinzuweisen, daß er unter westdeutschen parlamentarischen Schutz stünde. Mielke antwortete: „…das interessiert uns hier nicht, ich bin erst dann zufrieden, wenn ich den ganzen Bonner Laden hier bei mir sitzen habe.“ (Brief Kurt Müllers an Otto Grotewohl vom 31.5.1956)

Und doch gibt es eine Dialektik des Parlamentarismus,  die historisch wohl nie so deutlich wurde wie in der russischen Oktoberrevolution, Wahl zur Duma und kurz darauf deren Auflösung. Diese Auflösung war notwendig, denn das Parlament ist natürlich ein schwerer Hemmschuh gegen die Entwicklung zum Kommunismus. Man sollte sich bezüglich der Frage eines Wahlboykotts solcher bürgerlichen Parlamente nicht festlegen, unter Lenins Führung sprach sich die SDAPR vor 1917 einmal für die Teilnahme an der Dumawahl aus, einmal dagegen.

Der höchste demokratische Ausdruck des Parlaments besteht in der Möglichkeit  der Parteien des arbeitenden und ausgebeuteten Volkes, den Reifegrad des Proletariats zu erkennen.  Das Parlament kann eine Tribüne sein, den Marxismus Leninismus zu propagieren, es gibt aber keinen parlamentarischen Weg zum Sozialismus. Haben die proletarischen Parteien die Mehrheit der Wähler hinter sich, dürfen die Revolutionäre mit der Zerschlagung des Parlaments nicht einen Tag warten. Wie Lenin ihn in Russland zerschlug und damit einen Leuchtturm für die gesamte gegen den Kapitalismus kämpfende Menschheit errichtete ! Ein Wahlsieg des Proletariats mit anschließender Auflösung des Parlaments verändert die Dialektik zwischen Revolution und Konterrevolution erheblich: primär ist nicht mehr die Frage: welche Bande politischer Spekulanten koaliert mit welcher gegen das Volk, sondern Proletariat gegen Bourgeoisie: wer wen ? Verläuft die proletarische Revolution in aufsteigender Linie, so werden zwangsläufig alle verbliebenen bürgerlichen Parteien von den Volksmassen nach und nach zu kriminellen Vereinigungen erklärt. Die ideologische Akzeptanz einer Parteienpluralität von Schmarotzern durch die Arbeiterklasse käme einer Verewigung ihrer kapitalistischen Knechtschaft gleich.

Größe, Grenze und Elend des Parlamentarismus liegen im Politischen. „Die politische Emanzipation ist allerdings ein großer Fortschritt, sie ist zwar nicht die letzte Form der menschlichen Emanzipation überhaupt, aber sie ist die letzte Form der menschlichen Emanzipation innerhalb der bisherigen Weltordnung.“ (6.) Im Parlamentarischen liegt nicht der Ausbruch aus der bisherigen Weltordnung, das Parlament blockiert die letzte Form der menschlichen Emanzipation. Der Ausbruch aus der bisherigen Weltordnung ist ohne Tabu- und Milieubruch nicht möglich, beide Brüche sind in parlamentarischen Wahlen ausgeschlossen: man kann ohnehin nur zugelassene Parteien wählen und gewählt wird ohnehin aus dem Milieu heraus. Auch das ist eine Form des parlamentarischen Kretinismus. Mit den Kugelschreibern in den Wahlurnen wird nun einmal nicht Weltgeschichte geschrieben.

Man schlage heute beliebige bürgerliche Zeitungen auf, schon Wochen vor der Wahl finden wir das Jonglieren mit Prozentzahlen, das Spekulieren über Koalitionen, wer mit wem nach der Wahl ins „Hurenbett der Republik“ steigt. Wie Lenin schreibt, ein Wechsel der Personen, ein Wechsel der Institutionen, ein Wechsel der Parteien ändert nichts am kapitalistsichen System. (7.)Die Zahlen vom Wahlabend sind bald vergessen, bei den Gewählten sowieso, die bereit sind jedes Versprechen zu brechen, für die Wähler sind aber die Prozentrelationen sekundär. Die Zahlen vom Wahlabend sind nicht das Essentielle, aber das deutsche Volk muß sich eine Zahl besonders merken. Am 27. August 2009 erschien im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein unscheinbarer Artikel mit dem Untertitel: Nur 1 Prozent der Deutschen „sorgenfrei reich“. Im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat der Bremer Soziologieprofessor Olaf Groh-Samberg eine Studie erstellt, deren Ergebnis wir uns leicht einprägen können: Mehr als 50 % des deutschen Volkes leben in finanzieller Hinsicht nie sorgenfrei, NUR 1 % des Volkes lebt wirklich sorgenfrei, sorgenfrei in dem Sinne, daß er oder sie „…von dem Zwang entbunden ist, sich und gegebenenfalls ökonomisch abhängige Familienmitglieder über seine eigene Arbeit und Anstrengung am Leben zu erhalten.“ Da haben wir die perverse Realität der spätbürgerlich kapitalistischen Gesellschaft, da haben wir ein Musterbeispiel, wie uns bürgerliche Ideolgie die kapitalistische Knechtschaft von 99 % des Volkes als „Demokratie“ andrehen will. Vor der französischen Revolution betrug der Anteil des schmarotzenden Klerus und  Adels an der Gesamtbevölkerung immerhin noch 2,8 %. Wenn es denn zutrifft, dass der bürgerliche Staat nach Karl Marx das nationale Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit ist, so sind alle, die in diesem perversen bürgerlichen Staat Dienst gegen 99 % des Volkes verrichten, vor dem deutschen Volk schon gerichtet. Die Tuchatschewskis der Bundeswehr, die Blüchers der Bundespolizei, die Jegorows der Landespolizeien haben vor den Volks- und Sowjettribunalen keine Gnade zu erwarten. Lenin hatte völlig Recht, als er Friedrich Engels interpretierend feststellte, daß die Diktatur der Bourgeoisie eine besondere Repressionsgewalt der Bourgeoisie gegen das Proletariat darstellt, „…einer Handvoll reicher Leute gegen die Millionen der Werktätigen…“ (8.)

In der Sowjetunion fanden Wahlen statt, denen sich auch Stalin stellen mußte. Es ist überliefert, dass in seinem Wahlbezirk bei einer Wahlversammlung eine Automechanikerin auf das Dach eines Wagens stieg und ausrief: „Genossen ! Wir wählen am Sonntag den Genossen Stalin, weil er uns von Sieg zu Sieg führt, und weil dies die ganze Welt sieht.° …weil er uns von Sieg zu Sieg führt und weil dies die ganze Welt sieht. Man kann es den Kandidaten der bürgerlichen Parteien nicht einmal zum Vorwurf machen, dass sie damit nicht mithalten können. Der Kapitalismus, den sie repräsentieren, ist, lax gesprochen,  stinkend, faul und parasitär. (9.) Und in diesem Klima gedeihen keine Genies. Als Stalin nach seinem Tod im Moskauer Gewerkschaftshaus aufgebahrt war, nahmen 5 Millionen von ihm Abschied, 1 500 wurden auf dem zu engen Trubnajaplatz an Hauswänden und Laternenpfählen zu Tode gequetscht. Nehmen wir einmal an, in der BRD stirbt ein bürgerlicher Spitzenpolitiker, der am Brandenburger Tor aufgebahrt sein würde. Würden 5 Millionen strömen, würden 1 500 auf dem Pariser Platz sterben ? Es gibt heute in der BRD keinen Politiker, den man neben Stalin stellen könnte. Man soll den Kandidaten die Stimme geben, die sich Stalin wenigstens annähern. Also wem ? Den Kandidaten, die furchtlos sind im Klassenkampf, WIE STALIN. Die schonungslos sind im Kampf gegen Volksfeinde, WIE STALIN. Die frei sind von jeder Panik, ja von jedem Hauch von Panik. falls am Horizont Gefahr auftaucht, WIE STALIN. Die so weise sind und nicht voreilig Schlüsse ziehen, wo allseitige Orientierung angebracht ist und allseitiges Kalkül, WIE STALIN. Die so wahrhaftig und ehrlich sind, WIE STALIN.

1.“Die demokratische Republik ist die denkbar beste politische Hülle des Kapitalismus, und daher begründet das Kapital, nachdem es…von dieser Hülle Besitz ergriffen hat, seine Macht derart zuverlässig, derart sicher, daß kein Wechsel, weder der Personen noch der Institutionen noch der Parteien der bürgerlich demokratischen Republik, diese Macht erschüttern kann.“ Lenin: Staat und Revolution, LW 25,405

2. Vgl. Karl Marx: Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung, in: MEW 1, 379

3. Friedrich Engels: Fortschritte der Sozialreform auf dem Kontinent, MEW 1, 481

4.Lenin, Briefe aus der Ferne, LW 23,350

5. Das erste Parlament auf deutschem Boden gab es in der Mainzer Republik.

6. Karl Marx: Zur Judenfrage,MEW 1,Dietz Vlg. Berlin  1957, 356

7. Vgl. Lenin: Staat und Revolution, LW 25,405

8.a.a.O., 409

9. Die genaue Formulierung bei Lenin lautet: „Der Imperialismus ist ein besonderes historisches Stadium des Kapitalismus. Diese Besonderheit ist eine dreifache: der Imperialismus ist: 1. monopolistischer Kapitalismus; 2. parasitärer oder faulender Kapitalismus; 3. sterbender Kapitalismus.“ (Lenin: Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus,in: LW 23,102).

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Gesine Schwans „persönlich-maßvolle“ Beziehung zu Karl Marx

22. August 2009

Die Kandidatur von Gesine Schwan zum Amt der Bundespräsidentin sollte Anlaß genug sein, ihre vor 35 Jahren erschienene Habilitation über „Die Gesellschaftskritik von Karl Marx, Politökonomische und philosophische Voraussetzungen“ (1.) genauer unter die Lupe zu nehmen. Da es sich um eine komplexe Habilitationsthematik handelt, bitte ich Leser/innen vorweg um Verständnis für (zuviel?) Zitiererei. Ein Schwerpunkt der Habilitation von Gesine Schwan ist das Verhältnis des Marxismus zur Philosophie.

Sie rechtfertigt eine weitere „philosophische“ Schrift zum Marxismus mit dem Hinweis auf die zunehmende Komplexität hochindustrieller Gesellschaften, in denen viele Beziehungen in die Brüche gingen, so dass viele, vorwiegend junge Menschen bei Marx Ordnung im Chaos suchten. (2.) Na ja !! Als Ergebnis einer chaotischen Ehescheidung greifen beide hinterher zum „Kapital“ !?

Der Marxismus entwickelt bekanntlich die Lehre von den Bedingungen der Befreiung des Proletariats von der Lohnarbeit und vom Kapital, wie denn auch diese Dialektik durch alle oberflächlich komplizierten Chaosgebilde der spätkapitalistischen Gesellschaft hindurch als roter Faden im Auge zu behalten ist (3.) Für Lenin war der Marxismus „….die allerrevolutionärste Doktrin der Welt.“ (4.)

Das Verhältnis des Marxismus zur Philosophie ist seit der Spätschrift von Friedrich Engels: „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ (1888) geklärt: „Die Frage des Verhältnisses des Denkens zum Sein, des Geistes zur Natur, die höchste Frage der gesamten Philosophie hat also, nicht minder als alle Religion, ihre Wurzel in den bornierten und unwissenden Vorstellungen des Wildheitszustandes.“ (5.) Der Marxismus, führt Engels weiter aus, „…entschloß sich, die wirkliche Welt- Natur und Geschichte- so aufzufassen, wie sie sich selbst einem jeden gibt, der ohne vorgefaßte idealistische Schrullen an sie herantritt; man entschloß sich, jede idealistische Schrulle unbarmherzig zum Opfer zu bringen, die sich mit den in iihren eignen Zusammenhang, und in keinem phantastischen, aufgefaßten Tatsachen nicht in Einklang bringen ließ. Und weiter heißt Materialismus überhaupt nichts.“ (6.) Auf diese Schlüsselschrift, die vor Lenins Empiriokritizismus das durchdachteste philosophische Werk des Marxismus ist, geht Gesine Schwan nicht ein einziges mal (!) ein ! Dafür aber um so mehr und um so ausführlicher auf einen unausgereiften Text des jungen Marx, den dieser vom April bis August 1844 im Pariser Exil schrieb und der jahrzehntelang im Berliner Archiv der SPD lagerte.

Erst 1932 erschienen erstmals vollständig in deutscher Sprache die Pariser Manuskripte des jungen, 26jährigen Marx, denen man den Titel: „Ökonomisch Philosophische Manuskripte“ gab. Diese nicht zur Veröffentlichung, sondern zur Selbstverständigung, zudem fragmentarischen Manuskripte (7.) trugen noch einen geringen idealistischen und einen grösseren anthropologischen Charakter. Und es konnte nicht ausbleiben; gerade auf diese beiden Schwachstellen des Werkes stürzten sich die Revisionisten wie eine lechzende Meute, allen voran Herbert Marcuse. (8.) Nun sei Marx doch überwiegend ein Philosoph gewesen (9.), seine Theorie habe eine durchgehende philosophische Basis, ja eine Korrektur am späten Engels sei notwendig, Marx habe „…die innere Verbundenheit der revolutionären Theorie mit der Philosophie Hegels in aller Deutlichkeit ausgesprochen. “ (10.) Vergessen offensichtlich Marxens präzise Aussage im Nachwort zur zweiten Auflage des Kapitals, dass seine dialektische Methode „…der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil…“ (11.) sei. Die idealistische Dialektik Hegels ist nach Engels „unbrauchbar“ (12.), denn politisch lief sie bei Hegel auf eine ständische Monarchie hinaus, diese Dialektik kann die Arbeiterklasse in der Tat nicht gebrauchen. Und Gesine Schwan, die sich offen zur „philosophischen“, fast möchte man sagen hegelschen Tradition im (!) Marxismus bekennt (13.), radikalisiert Marcuse noch weiter nach rechts, geht noch weiter in die alte philosophische Wildnis zurück. „Marcuse…räumt immerhin ein, dass die Philosophie mit dem Aufweis der Möglichkeit der Entfremdung aus dem Wesen des Menschen ihre Grenze erreicht habe und das Aufzeigen des realen Ursprungs der Entfremdung Sache der ökonomisch-historischen Analyse sei. Ich kann ihm darin nicht zustimmen.“ (14.) Da Marx die Entfremdung intransingent aufheben will, deren Ursache der Philosoph Marx wie alle anderen Philosophen nie richtig geklärt habe, falle seine Theorie der Unglaubwürdigkeit anheim. (15.) Was Gesine Schwan auf keinen Fall möchte, ist eine radikale Weltveränderung der kapitalistsichen Ausbeuterordnung und so beschäftigt sie sich vornehm philosophisch mit dem Marxismus, sie schreibt ihren philosophsichen Unsinn hinter das Marx´sche Original, um den Marxismus förmlich zu entmannen. Oder, wenn man will: den Marxismus zu entwaffnen. Friedrich Engels bezeichnete gerade die materialistische Dialektik „…als unser bestes Arbeitsmittel und unsere schärfste Waffe…“ (16.) , denn nur sie erfasst die schroffen Wendungen und Sprünge, Blitze in der Geschichte. Die Aprilthesen von Lenin waren 1917 gerade so ein Gedankenblitz, der die neue Welt mit einem Male hinstellte.  (Weshalb sie der alte materialistische Gelehrte G.W. Plechanow, der die Oktoberrevolution nicht verstand, als „Fieberphantasie“ abtat). Von solchen Fieberphantasien ist auch Frau Schwan weit entfernt: „Aber wir können den bedeutenden Hinweis aufgreifen, mit dem Marx auf Zusammenhänge zwischen der Arbeitswelt und den übrigen Daseinsweisen des Menschen zeigt. Diese Zusammenhänge…zu orten, wäre ein wichtiges Feld für die Wissenschaft, die sich in den Dienst einer praktsichen Politik stellt mit dem Ziel der schrittweisen Befreiung des Menschen von allen Unterordnungen, die er nicht selbstbewußt eingeht….“ (17.) Der Schlußsatz ihrer Habilitation kann nunmehr kaum noch überraschen: „Wer den Wert der Marxschen Theorie nicht daran mißt, ob sie als Heilslehre in ihren Jüngern innere Sicherheit, Selbstbestätigung und Überlegenheitsbewußtsein zu nähren vermag, sondern daran, welchen Beitrag sie für die Lösung der sozialen Probleme der konkreten Menschen hier und jetzt leistet, der wird zu dem Schluß kommen: Karl Marx-aber mit Maßen.“ (18.)

Hier ist nun jegliche Dialektik, egal ob materialistisch oder idealistisch, über Bord geworfen worden. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel packen. (19.)

Sollte Frau Schwan Bundespräsidentin werden, darf man gespannt sein auf ihren Beitrag zur schrittweisen Verbesserung der komplexen hochindustriellen Gesellschaft, zur schrittweisen Befreiung des Menschen von allen Unterordnungen, Schon ihre Kandidatur widerspricht dem, denn zur radikalen Befreiung des Menschen gehört die Überwindung des Staates, konkret: die Axt an die Wurzel der bürgerlichen Staatsmaschinerie legen, sie aber strebt ja gerade den allerhöchsten Repräsentanzposten der Diktatur der Bourgoisie an.

1. Gesine Schwan: Die Gesellschaftskritik von Karl Marx, Politökonomische und philosophische Voraussetzungen, Kohlhammer Vlg. 1975

2.a.a.O.,7

3. Vgl. auch: W.I. Lenin: Staat und Revolution: „Auf die Frage, warum besondere über die Gesellschaft gestellte und sich ihr entfremdende Formationen bewaffneter Menschen (Polizei, stehendes Heer) nötig geworden seien, ist der westeuropäische und russische Philister geneigt, mit ein paar bei Spencer und Michailowski entlehnten Phrasen zu antworten, auf die Komplizierung des öffentlichen Lebens, die Differenzierung der Funktionen u. dgl. m. hinzuweisen. Ein solcher Hinweis hat den Anschein der „Wissenschaftlichkeit“ und schläfert den Spießbürger vortrefflich ein. da er das Wichtigste und Grundlegende vertuscht: die Spaltung der Gesellschaft in einander unversöhnlich feindliche Klassen. (W.I. Lenin: Ausgewählte Werke, Progress Vlg. Moskau 1971, 292)

4.W.I. Lenin: Über den Partisanenkrieg, LW 11,210

5.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,275

6.a.a.O.,292

7. In der Vorbemerkung zu „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ gibt uns Friedrich Engels einen interessanten Hinweis zum Umgang mit marxistischen Frühschriften, selbst das Feuerbach-Kapitel aus der „Deutschen Ideologie“ von 1845 sei für seine Schrift über Feuerbach 1888 unbrauchbar gewesen, über 40 Jahre muß er auch feststellen, dass die „Deutsche Ideologie“ zeige, „…wie unvollständig unsere damaligen Kenntnisse der ökonomischen Geschichte damals noch waren.“ (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach, a.a.O.,264) Bürgerliche und kleinbürgerliche Intellektuelle haben die Neigung, alle Werke großer Denker zu Klassikern zu machen,  eben weil sie Geistesschaffende sind (der Geist in sich selbst verliebt), sie gehen nicht vom Aspekt der Verwertbarkeit für die rauhe proletarische Revolution aus. Vom letzteren aber allein kann die Weiterentwicklung der Theorie ausgehen, denn man kann den Marxismus nicht weiterentwickeln, wenn man nicht die Revolution der Arbeiter und Bauern vorbereitet und umgekehrt.

8.Frei nach dem Sinnspruch des Blaise Pascal aus seinen Pensées: Der Philosophie spotten, das heißt wahrhaft philosophieren. (Blaise Pascal: Grösse und Elend des Menschen, Klett Vlg. Stuttgart 1947,52) Karl Korsch vertrat zum Beispiel die Auffassung, Marx sei in seinem Spätwerk immer philosophischer geworden. Die für bürgerliche Ideologie charakteristische Trennung von Theorie und Praxis habe Marx aufgehoben, das Bürgertum wollte die separierte Wirklichkeit nach Ideen verbessern. (siehe: Karl Korsch: Marxismus und Philosophie, Frankfurt Wien 1966,151 f.)

9.Siehe auch: Erich Fromm: Das Menschenbild bei Marx, Frankfurt/M. 1963. Neuerdings auch wieder Barbara Zehnpfennig: Einleitung zu Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, Felix Meiner Vlg. Hamburg 2005. Die Manuskripte hätten für Marx einen bestimmenden Einfluß auf sein Gesamtwerk ähnlich wie Platons Frühdialoge und Nietzsches „Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ für deren Gesamtwerk. (a.a.O., VIII f.) Die Reaktion verwässert gern den Marxismus philosophisch. So kommt der Jesuit Pater Calvez nach seinem Studium des Kapitals zu der Einsicht, diese ökonomische Theorie sei eine ganz und gar von Philosophie durchdrungene. (Vergleiche Jean-Yves Calvez SJ., Karl Marx. Darstellung und Kritik seines Denkens, Olten und Freiburg/Br. 1964,280).

10. Herbert Marcuse: Neue Quellen zur Grundlegung des Historischen Materialismus, Interpretation der neuveröffentlichten Texte von Marx, in: Die Gesellschaft, Jg. 9, 1932,174. Vergleiche dagegen Heinrich Heine: „Unsere philosophische Revolution ist beendet. Hegel hat ihren großen Kreis geschlossen.“ (Heinrich Heine: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland). Engels weist darauf hin: „Was aber weder dieRegierungen noch die Liberalen sahen, das sah bereits 1833 wenigstens ein Mann, und der hieß allerdings Heinrich Heine.“ (Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach…a.a.O.,265) Knapp 100 Jahre später hat Marcuse das noch nicht gesehen.

11.Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,27

12.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach…a.a.O.,292

13.Schwan,a.a.O.,10

14.Schwan,a.a.O.,145

15.Vgl. a.a.O.

16.Friedrich Engels, a.a.O.,293

17.Schwan, a.a.O.,134

18.Schwan, a.a.O.,135. Gesine Schwan erinnert mich an Joan Robinson, die die Marxschen Theoreme mit exakteren und verfeinerten Methoden moderner Analyse neu überprüfen wollte, um die schwachen von  den starken Seiten seiner Theorie zu trennen. Zu einem Ergebnis kam sie zum Beispiel beim Wertgesetz, das sie in den Bereich der Metaphysik ansiedelt. (Vergleiche Joan Robinson, An Essay on Marxian Economics, London (2. Auflage) 1947, Seite V f. und: Doktrinen der Wirtschaftswissenschaft, München 1965,50. Vergleiche auch: Ernst Theodor Mohl, Anmerkungen zur Marxrezeption, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, edition suhrkamp 226, 1967, 18).

19.Karl Marx, Zur Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie / Einleitung, MEW 1,385

Wie links ist DIE LINKE ?

8. August 2009

Lenin lehrte uns, dass Revolutionen die Klassen in Aktion zeigen.

In der französischen Revolution begriffen sich sowohl die Jakobiner als auch die Girondisten als revolutionär, und doch war es die Girondistin Charlotte Corday, die den großen Volksfreund Marat ermordete. Marat, der schon in der französischen Revolution zu der Einsicht kam: „Setzt Euch für die Interessen der Arbeiter ein, die den gesündesten, den nützlichsten Teil des Volkes ausmachen, ohne die die Gesellschaft nicht einen Tag existieren könnte.“ Auch heute noch werden Menschen deshalb  weltweit politisch ermordet, weil sie diese unumstößliche Wahrheit vertreten.

In der 48er Revolution machte der Abgeordnete von Glogau Wilhelm Wolff  im Frankfurter Parlament den völlig richtigen Vorschlag, den verhassten Reichsverweser für vogelfrei zu erklären, da brüllte ihn die GESAMTE demokratische Linke nieder. Karl Marx hat das „Kapital° Wilhelm Wolff gewidmet und damit diesen großen kommunistischen Kämpfer unsterblich gemacht.

Ekelhaft und konterrevolutionär widerwärtig war das Verhalten der linken SPD 1914 gegen Karl Liebknecht, der als einziger eine Politik der Arbeiterklasse in der Frage der Kriegsanleihen vertrat.

Im August 1918 verübte die linke (!!) Sozialrevolutionärin Fanny Kaplan das Attentat auf Lenin.

Heute zeichnen sich in der BRD gewisse Physiognomien bei der Partei DIE LINKE ab, die in einer revolutionären Situation diese Partei sehr rasch ins konterrevolutionäre Fahrwasser treiben wird.

„Armut bekämpfen“  ist eine widersinnige Parole, wenn man wenigstens schreiben würde: Friede den Hütten, Krieg den Palästen ! Es ist die Aufgabe der proletarischen Revolutionäre, die Kleinen und Schwachen zu schützen, aber hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen zu sein. Hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen ?  Bei den LINKEN keine Spur davon. Sondern vielmehr: „Die Starken müssen die Schwachen stützen- und davon profitieren am Ende alle.“ ( so Michael Höntsch, Kandiadat der LINKEN aus Hannover -Wahlkreis 42- in: hallo Sonntag, Hannover, 23.8.2009,10).Wie wird denn Armut effektiv bekämpft ? Für die Armen gibt es keinen anderen Ausweg, als hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen zu sein, DIESE Armen müssen sich emanzipieren, sie brauchen dazu keine linken Politiker, die Armen können selbst kämpfen, so wird denn auch die Armut am besten bekämpft. Professoren beobachten die Armen sehr genau und fertigen sehr detaillierte Statistiken an, Regierungen veröffentlichen Armutsberichte. Was nützt es den Armen ?

Aufschlußreich ist auch eine Studie des Bremer Soziologieprofessors Olaf  Groh-Samberg für das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), (siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. August 2009, S.12: Nur 1 Prozent der Deutschen „sorgenfrei reich“.) Nach den Umfragen leben mehr (!) als 50 % der Bevölkerung nie ohne Sorgen, nur 1 % lebt wirklich sorgenfrei in dem Sinne, daß er dauerhaft ein so hohes Einkommen hat, daß er vollkommen von dem Zwang entbunden ist, „…sich und gegebenfalls ökonomisch abhängige Familienmitglieder über seine eigene Arbeit und Anstrengung am Leben zu erhalten…“ (FAZ,a.a.O.). Und diese derart perverse spätbürgerliche Gesellschaft wird von den Politikern als das letzte Wort der Weltgeschichte angepriesen. Die Rechnung dieser schäbigen Canaillen wird nicht aufgehen, die soziale Revolution MUSS sie hinwegfegen. Denn sie alle sind Anhänger der Diktatur der Bourgeoisie über das Proletariat, „…einer Handvoll reicher Leute gegen die Millionen Werktätigen…“ (1.)

„Menschen vor Profite“ ist im Kapitalismus nicht möglich, „…in einer Produktionsweise, worin der Arbeiter für die Verwertungsbedürfnisse vorhandner Werte, statt umgekehrt der gegenständliche Reichtum für die Entwicklungsbedürfnisse des Arbeiters  da ist. “  (2.). Profit ist eine bestimmte ökonomische Form für die historische Periode des Kapitalismus, es hat kapitalistischen Profit nicht immer gegeben und es wird ihn nicht immer geben. Produzierende Menschen gibt es immer, der kapitalistische Profit ist aber nicht ewig, und sei es auch als zweites Glied, an den Menschen gekettet…und überhaupt hat die Arbeiterklasse gar kein Interesse,  abstrakte Menschen vor Profite zu stellen, sondern das Interesse, Profite abzuschaffen, gegen den kapitalistischen asozialen Ausbeuterabschaum, der das ganze deutsche Volk lähmt und vergiftet, quält und krank macht, mit allen, auch gewaltsamen, Mitteln vorzugehen. Ja mehr noch: Suizidexperten sind sich einig: die Selbstmordrate wird deutlich steigen, nicht nur Manager, auch Arbeiter sind betroffen. „Wir haben für Deutschland für 2008 noch keine Zahlen, aber in Frankreich haben es die Statistiken für das vergangene Jahr schon gezeigt“, sagte der Vorsitzende des Nationalen Suizid- Präventionsprogrammes, Armin Schmidtke. Die Zeitarbeiter seien besonders gefährdet, sie hofften auf einen festen Job.  (wiwo.de Montag 7.9.2009) Lenin schrieb kurz vor der Oktoberrevolution, im Mai 1917, „…den Millionären 80 – 90 % der Einkünfte wegnehmen, das kann man…“ (3.). 80 – 90 % der Einnahmen, hier haben wir für den Wahlkampf von einem Genie einen Maßstab bekommen, um insbesondere die linken Parteien zu prüfen. Über das sich von der Arbeit des Volkes mästende, mit Euros voll- und übersattgefressene Bürgertum muß ein fürchterliches Strafgericht hereinbrechen, daß es nach diesem kein schäbiger Lump auch nur wagt, für einen cent ein Gramm Arbeitskraft anzukaufen.(4.) „Menschen vor Profite“— man denkt unwillkürlich an die neunte These über Feuerbach von Karl Marx: „Das Höchste, wozu der anschauende Materialismus kommt, d.h. der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen und der bürgerlichen Gesellschaft.“ (5.) Das ist der beschränkte Horizont der LINKEN, den sie nicht überschreiten kann.

Gysi vertritt die These, das Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital muß wieder stimmen in Deutschland…sagt er etwas anderes als: Die Ausbeutung muß wieder stimmen in Deutschland ? Es gilt, das Kapitalverhältnis (Lohnarbeiter auf der einen Seite, Kapitalisten auf der anderen),  das Ausbeutungsverhältnis von Kapital und Arbeit überhaupt aufzuheben, die Arbeitskraft von ihrer Stellung als Ware zu emanzipieren, wie Engels im Anti-Dühring schrieb. (6.) Gysi vertritt voll und ganz Sozialdemokratismus, Sozialdemokraten teilen die Menschen in Herren- und Untermenschen ein: kapitalistische Herrenmenschen und lohnabhänhige Untermenschen, sie sind der gemäßigte Flügel des Faschismus. Vergessen wir nicht, dass das Polizeimassaker 1921 gegen die Arbeiter von Leuna unter der Regie des SPD-Genossen Hörsing stattfand. Vergessen wir nicht, daß es der sozialdemokratische Polizeipräsident Karl Zörgiebel war, der 1929 die Berliner Polizei in die unbewaffnete 1.Mai Demonstration schießen ließ. Es gab über 30  tote Arbeiter und Hunderte Verletzte. (7.) Nicht umsonst bezeichnet der Volksmund die SPD als Arzt am Krankenbett des Kapitalismus, Rosa Luxemburg nannte die SPD völlig zu Recht einen stinkenden Leichnam.

Steinmeier verspricht 4 Millionen Arbeitsplätze, da hat er nach Ministerart den Mund zu voll genommen. Achtet einmal bei den Wahlprogrammen der bürgerlichen Parteien, ob bei ihnen der Gedanke der Solidarität, des Zusammenschlusses, der Zusammenarbeit der Arbeitslosen und der Arbeiterklasse vorkommt. Auf diesen Zusammenschluß muß man hinarbeiten, denn die Kapitalistenklasse braucht gerade diese Spaltung, um Beschäftigte und Unbeschäftigte gegeneinander auszuspielen, um die Löhne zu drücken. Jeder Zusammenhalt zwischen Beschäftigten und Unbeschäftigten stört die Kapitalistenklasse. (8.)

Sarah Wagenknecht äußerte sich gegenüber einem Bankangestellten, der um seinen Job fürchtet, die Linke setze sich für den Erhalt der Sparkasse ein. (siehe: AdHocNews 3.9.0/ Internetseite von Sarah Wagenknecht). Aus diesem ganzen Sparkassen- und Bankensystem, insbesondere aus deren Metropole Frankfurt steigt ein Pesthauch auf und legt sich lähmend über die ganze Republik. Genossin  Sarah sollte einmal schauen, wie Marx in seiner Schrift über die Pariser Kommune, im „Bürgerkrieg in Frankreich“ die Kommunarden hinsichtlich ihrer Sparkassenpolitik kritisiert, ihr Fehler war, die Banken nicht anzutasten. Sarah Wagenknecht hat es weder in der Eisenhüttenstadt-DDR noch in der BRD zum Tabu- und Milieubruch geschafft, obwohl ihr die Aussage von Bertold Brecht bekannt ist: was ist ein Banküberfall im Vergleich zur Gründung einer Bank ?  Stalin zum Beispiel organisierte Bank- und Sparkassenüberfälle zur Aufbesserung der Parteikasse. Das hat auch die RAF ganz richtig gemacht. Zwischen Wagenknecht und dem militanten revolutionären Leninismus liegen also Lichtjahre.

Sahra Wagenknecht führt über Stalin aus, dass mit seinem Namen jedenfalls nicht Niedergang und Verwesung verbunden sind, sondern die Entwicklung eines um Jahrhunderte zurückgebliebenen Landes in eine moderne Großmacht während eines weltgeschichtlich einzigartigen Zeitraums. Das Gleiche sagt auch Winston Churchill: „Er übernahm das Rußland des Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.“ Das ist nicht der Kern der Sache. Vor Stalin zitterte die Konterrevolution und man sieht leicht ein, dass von einem Aufbau des Sozialismus ohne Niederhaltung der bürgerlich kapitalistischen Konterrevolution keine Rede sein kann. Indeß ist ja das nach den Anfangsschwierigkeiten der NEP Periode rasante Anwachsen der Produktivkräfte nicht einzelnen Personen zuzuschreiben, sondern letztendlich der Tatsache, dass es industrielle und landwirtschaftliche Expropriationen im großen Umfang gegeben und wie Lenin es vorausgesagt hatte: „Diese Expropriation wird eine enorme Entwicklung der Produktivkräfte ermöglichen. Und wenn wir sehen, wie schon jetzt der Kapitalismus in unglaublicher Weise diese Entwicklung aufhält, wie vieles auf Grund der heutigen, bereits errichteten Technik vorwärtsgebracht werden könnte, so sind wir berechtigt, mit voller Überzeugung zu sagen, dass die Expropriation der Kapitalisten unausbleiblich eine gewaltige Entwicklung der Produktivkräfte der menschlichen Gesellschaft zur Folge haben wird.“ 9. Der Aufbau des Sozialismus kann nur das Werk von Millionen und Abermillionen Massen sein, nicht von einzelnen Individuen, mögen diese auch noch so genial sein. „Wenn es also darauf,…die eigentlich letzten Triebkräfte der Geschichte auszumachen, so kann es sich nicht so sehr um die Beweggründe bei einzelnen, wenn auch noch so hervorragenden Menschen handeln, als um diejenigen, welche große Massen, ganze Völker und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen in Bewegung setzen.“ 10.

In ihrer Magisterarbeit: Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritk des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch-materialistischen Wissenschaftsmethode, vertritt sie die These, die glänzende Hegelkritk in den „Ökonomisch philosophischen Manuskripten“ von Marx, in denen Hegel der Lüge 11.überführt wird, stelle einen methodologischen und ontologischen Rückfall hinter die Hegelsche Philosophie dar. Was liegt aber hinter der Hegelschen Philosophie ? 12. Hinter der hegelschen Philosophie liegen in der Geschichte der Philosophie unvollkommene Vorformen  dialektischen Denkens, die erst in der Hegelschen Logik ihre Vollendung in idealistischer, falsch widergespiegelter Form enthielten. In die Pariser Manuskripte fallen Würdigung und Korrektur Hegels gleichermaßen meisterhaft.  Die Negation der Negation bestätigt für Hegel nur das Scheinwesen, „…oder die Verneinung dieses Scheinwesens als eines gegenständlichen… Wesens “ 13. ganz im Sinne einer idealistischen Ontologie. Allen Ernstes behauptet Wagenknecht, Marx sei 1844 noch ein unvollkommener Dialektiker gewesen. So fügt sich bei ihr ein revisionistischer Stein zum anderen.

Lafontaine vertritt die These. Sozialismus bedeutet Mitbestimmung in den Betrieben.  3 x NEIN !!! Das ist Louis-Blanc-Politik schlimmster Art ! Sozialismus bedeutet DIKTATUR DES PROLETARIATS, unter der das Bürgertum überhaupt nichts mehr zu bestimmen hat, sondern der Arbeiterklasse unter dem gleichen Arbeitszwang für alle gehorchen muß. Wie will denn Lafontaine nach einer proletarischen Revolution  ohne Diktatur die Vernichtung der Überbleibsel der alten Institutionen bewerkstelligen ? Schon diese Frage zeigt, dass der Menschewist Lafontaine ein Feind der proletarischen Revolution und der Arbeiterklasse ist. Beachten wir den interessanten Hinweis Lenins, dass es besonders in Deutschland neben der Bourgeoisie Kerenski-Elemente gibt.14. Unter den Wahlplakaten Lafontaines steht „Reichtum für alle“.  Reichtum definiert sich nur über Armut, sind alle reich, ist keiner reich. Kurz: Es gibt Linke und Linke. Der Arbeiter heißt Arbeiter, weil er arbeitet, der Unternehmer heißt Unternehmer, weil er etwas unternimmt, wenn der Arbeiter etwas unternimmt, muß der Unternehmer bald arbeiten.

Lenin lehrte uns, dass man bürgerliche Politiker, und natürlich auch proletarische, nicht nach ihren Worten beurteilen soll, sondern nach ihren Handlungen. Es ist nicht die Art der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Politiker zu sagen was sie tun und zu tun was sie sagen. Dieser Hinweis ist auch für die kommende Bundestagswahl hochaktuell. Ich beobachte diese bürgerlichen Schmarotzerparteien schon seit 40 Jahren, vor der Wahl wird das Blaue vom Himmel versprochen, nach der Wahl wird ihre Hauptkunst, ihre wahre Meisterschaft wirklich sichtbar: wie schon der große Aufklärer Voltaire einen Wesenszug der Politik in der Kunst sah, das Geld aus den Taschen einer Klasse in die einer anderen zu überführen. Die Kapitalisten sind interessiert zu  regieren, und dabei zu plündern – und zu plündern, und dabei zu  regieren. 15.

1)Lenin, Staat und Revolution, LW 25,409

2)Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, 649

3)Lenin, Krieg und Revolution, LW 24, 413

4)“Das Eigentum ist abscheulich“…schrieb schon 1755 Morelly in seinem Gesetzbuch der Natur,“…und wer es wieder einzuführen versucht, soll wie ein rasender Narr und Feind der Menschheit zeitlebens eingesperrt werden.“ (Siehe: Alexis de Tocqueville: Der alte Staat und die Revolution, rororo klassiker, Rowohlt Verlag Hamburg 1969,143) Ein interessanter, über 250 Jahre alter Hinweis von Morelly, aber hochaktuell. Die kapitalistischen Herrensöhnchen in Sicherheitsverwahrung stecken…eine völlig legitime Methode der Revolution. Zwei Weltkriege mit über 80 Millionen Toten sind genug. 80 Millionen Tote, da wird die faschistische Fratze des Bürgertums mehr als deutlich. Die bürgerliche Revolution in Frankreich hatte trotz der großen aufklärerischen Vorabeit einen engen sozialen Horizont, der Jakobiner St. Just, Sohn eines kleinen Grundbesitzers, bezeichnet es sehr genau: „Das Eigentum der Patrioten ist heilig, aber die Güter der Konspirateure stehen den Unglücklichen zur Verfügung.“  (zit. in: Jakobinismus und Volksbewegung zur Zeit der Französischen Revolution, Dem WirkenWalter Markows gewidmet, Akademie Verlag 1991, 29. Vortrag von Manfred Kossok: Jakobinismus als Herausforderung des Historikers, Zum 80. Geburtstag von Walter Markow) Auf dem Agrarsektor verfuhren die jakobinistischen Kleinbürger so, daß sie feudales Landgut an kleinbürgerliche Bauern gaben, so dass das Landproletariat bestehen blieb, das Landgut aus der Zeit des Ancien Regimes wurde also keineswegs Staatsgut nach einem Kollektivplan zu bewirtschaften. (Vgl. Karl Marx, Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10. Dietz Verlag Belin, 1977,261 f.)

5)Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,9

6) Friedrich Engels, Anti-Dühring, in: Marx Engels Ausgewählte Werke, Band V, Dietz Vlg. Berlin, 1972, 221.

7) Sein Stellvertreter war übrigens, der Jude Bernhard Weiß, der Gobbels mit über 40 Gerichtsprozessen überzog. Goebbels trug in sein Tagebuch ein: „Der muß zur Strecke gebracht werden“.

8) siehe Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,669f.

9) Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, 482f.

10) Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie. MEW 21,298

11) Vergleiche Karl Marx: Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I,2 Dietz Verlag Berlin, 1982,411

12) Sarah Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch-materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag, Bonn 1997

13) Karl Marx: Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I,2 Dietz Verlag Berlin 1982,411

14.)Vergleiche Lenin, Rede auf der Gesamtrussischen Konferenz der Ausschüsse für politisch-kulturelle Aufklärung bei den Gouvernements- und Kreisabteilungen für Volksbildung 3. November 1920, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971, 688

15.) Vergleiche Lenin, Wie soll man den Wettbewerb organisieren ?, in: Lenin Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin, 1961, 407