„Gutes Geld für Gute Arbeit“- eine menschewistische Mogelpackung

Am 20. August 2009 fand im Freizeitheim Hannover-Linden unter dem Thema: „Gutes Geld für Gute Arbeit“eine SPD-Wahlkampfveranstaltung statt, die von Edelgard Bulmahn eingeleitet wurde und auf der der Bundesarbeitsminister Olaf Scholz eine Rede hielt, die den historischen Charakter der kapitalistischen Lohnarbeit nicht erfasste. „Gutes Geld für Gute Arbeit“ ist übrigens ein recht alter Hut, im 19. Jahrhundert lautet der konservative Slogan: „Ein gerchter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk“. Schon Friedrich Engels hatte es Anfang 1847  als borniert bezeichnet, gutes Geld für gute Arbeit zu fordern.  Diese Forderung beschränke  “ … die Arbeiter darauf, ihr Interesse in dem ihrer Arbeitgeber zu sehen …“ ( 1.) Scholz stellte die Lohnarbeit als das Nonplusultra dar,  ja mehr noch, die Arbeit sei die Quelle allen Reichtums, was a) falsch ist, denn die Natur birgt schon in sich ungeheure Reichtümer, und b) diese These endet in einen präfaschistischen Kult der Arbeit. Der Arbeitsminister versprach, dafür Sorge tragen zu wollen, dass in der BRD „in Würde“ gearbeitet werden könne. Selbst wenn man die Lohnarbeit favorisiert und auch dafür eintritt, dass das Grundgesetz auch in der Arbeitswelt greife, selbst in diesem illusorischen Rahmen hatte der Minister drei wesentliche Punkte außer Acht gelassen. Erfreulich an diesem Abend war immerhin, dass aus dem Publikum die notwendigen Ergänzungen kamen. Nicht angesprochen wurde vom Minister die eklatante Menschenrechtsverletzung an Frauen, die in der BRD sehr oft noch nicht den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhielten. (2.)Aus dem Publikum wurde vorgetragen, dass bei diesen Menschenrechtsverletzungen Geldstrafen nicht ausreichen, sondern diese „würdevollen“ Kapitalisten hinter Schloß und Riegel gehören. Wie bei Menschewisten üblich wurde der Bereich der Landwirtschaft völlig übersehen. Die Arbeiterbewegung muß aber immer schauen, was macht ihr Bundesgenosse, der Landarbeiter, der Kleinbauer, der landwirtschaftliche Kleinhändler, wir sind mit ihm dadurch vereint daß die bürokratisch-militärische Staatsmaschinerie uns knechtet, bedrückt und ausbeutet. (3.) Auch dort geht es wenig würdevoll zu, sondern nicht nur die Milchbauern kämpfen um ihre nackte Existenz. Einem weiteren Bundesgenossen der Arbeiterbewegung wurde keine Beachtung geschenkt, und zwar dem Bündnis und der Solidarität zwischen Lohnarbeitern und Erwerbslosen. Es waren aber auch Hartz IV Empfänger im Raum, die sich zu Recht bemerkbar machten. Das Kapital will gerade Erwerbslose und Beschäftigte spalten, gegeneinander ausspielen, durch deren Konkurrenz die Löhne drücken. Es wurde darauf hingewiesen, dass sich auf der seit 5 Jahren in Hannover stattfindenden Montagdemo gegen Sozialabbau noch kein SPDler, noch kein Gewerkschaftler hat blicken lassen, geschweige denn eine Rede gehalten hat. Am Ende der Veranstaltung wurde Edelgard Bulmahn direkt gefragt, warum sie der Bethlehemgemeinde in Hannover 400 000 € hat zukommen lassen ? Vor Publikum ignorierte sie diese Frage einfach, am Ausgang zwischen Tür und Angel- zur Rede gestellt – dann: die Gemeinde leiste eine hervorragende Kinder- und Jugendarbeit. Aber Genossin Edelgard ! Lenin bezeichnete die Religion als eine Art geistigen Fusels. Wie kann denn die Verabreichung von Fusel an Kindern und Jugendlichen hervorragende Arbeit sein ? Diese jungen Menschen werden vielmehr ihrer Würde beraubt, ideologisch verstümmelt, mit mittelalterlichem Gedankengut für eine wissenschaftliche Lebensgestaltung und Weltaneignung unfruchtbar gemacht. Erinnern wir die Genossin Edelgard an eine Aussage von August Bebel: „…jeder Religionslehrer ist ein Feind des wahren Fortschritts der Menschheit, er ist gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen, das ausgerottet werden muß.“ (August Bebel: Über materialistische Geschichtsauffassung, in: Augsut Bebel: Die moderne Kultur ist eine antichristliche, Alibri Verlag 2007,61). Ganz Recht, Genosse Bebel. Leider ist deine SPD heute auch gefährliches menschewistisches Unkraut, das ausgerottet werden muß. Siehe auch die Autobiographie von Andreas Nahles: Frau, gläubig, links. Sie gehe noch regelmäßig zur Kirche und glaube an die göttliche Kraft in unserem Leben. Ein fürwahr perverses Früchtchen. (Pattloch Verlag München 2009, 238 S.) Überhaupt die Konjunktion Politik und Arbeit. Dass es Politik gibt und dass sie heute noch notwendig ist, deutet schon darauf hin, dass die gesellschaftliche Arbeit entfremdet, klassenmäßig geteilt ist, dass es noch unproduktive Elemente gibt, zu denen auch die Politiker zählen, mögen sie nun gute Poltik betreiben oder schlechte. Gute, gerecht aufgeteilte gesellschaftliche Arbeit erübrigt jegliche politische Betätigung von Menschen. Wer also die Begriffe Politik und Arbeit zusammenbringt im positiven Sinne, versteht von beides nichts. Unter kapitalistsichen Bedingungen sind Politik und Arbeit etwas zutiefst Negatives, es sind die Ausbeutungsverhältnisse, die das gesamte deutsche Volk lähmen und vergiften, quälen und krank machen. Karl Marx schrieb in den Pariser Manuskripten 1844, dass die Arbeit wie die Pest geflohen wird, wenn kein physischer Zwang mehr da ist. Olaf Scholz ist nicht der Mann, der diese Pest besiegen kann, nicht einmal ein Nobelpreisträger für Ökonomie könnte das, diese Pest kann nur durch den Gesamtarbeiter, der Arbeiterklasse, besiegt werden. Die gegen diese Pest kämpfen, müssen wissen:  Sozialdemokratische Politik dient der Aufrechterhaltung der Kapitalherrschaft über Arbeit.  Das Ende der kapitalistischen Exploition der Arbeit ist das Ende der Politik.

1,) Friedrich Engels, Der Status quo in Deutschland, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1977,49

2.) Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gab für das IV. Quartal 2008 folgende Zahlen bekannt: Im Staatsdienst verdienen Frauen 7 % weniger, in der Privatwirtschaft gar 23 %. Verdienen Männer hier im Durchschnitt 19,50 € die Stunde, so Frauen nur 15,08 €. Nur in Zypern, Holland, Estland und in der Slowakei ist der Unterschied noch größer. Es bewahrheitet sich 2009 der Hinweis, den Lenin 1922 gegeben hat, „…daß sich die moderne bürgerliche Demokratie selbst in den demokratischsten bürgerlichen Republiken…gerade als Fürsprecherin der Leibeigenschaft gegenüber der Frau…erweist.“ (Lenin, Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus, Ausgewählte Werke Progress Vlg. 1971,731) Durch bürgerliche, durch kleinbürgerliche, durch SPD-Politik kommt hier keine Veränderung. Die proletarischen Frauen müssen selbst ihr Recht erkämpfen und der gleiche Lohn für gleiche Arbeit darf nur ein Zwischenergebnis im proletraischen Emanzpationskampf zur Abschaffung der Lohnarbeitssklaverei sein.

3.Vgl. Lenin: Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960, 429

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