Archive for Februar 2010

AUGUST BEBEL „Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaftsordnung bleiben…“

22. Februar 2010

Heute vor 170 Jahren erblickte August Bebel als Sohn des armen preußischen Unteroffiziers Johann Gottlieb Bebel und dessen Frau Wilhelmine Johanna (geb. Simon) in Köln das Licht der Welt. Er verlor seine Eltern früh, den Vater, als er vier, die Mutter als er dreizehn Jahre alt war. Seine Jugend war hart und stählte ihn, er war, wie Stalin es formulierte,  im Kampf  mit der Not aufgewachsen. 1. Viele Intellektuelle übersehen die Bedeutung dieses wichtigen Punktes. Im Rheinland war die Bevölkerung republikanisch gesinnt, doch in der Volksschule bekannte sich der junge Bebel mit einem weiteren Klassenkameraden zur Monarchie und wurde daraufhin verprügelt, Ironie der Geschichte, der alte Bebel wurde im Volksmund gern Kaiser Bebel oder Arbeiterkaiser genannt.

Bebels politisches Wirken fiel hauptsächlich in die Periode der Herausbildung sozialistischer Massenparteien. In den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts machte sich der gelernte Drechsler von preußischen Kasernenhofvorurteilen frei und wurde zunächst Anhänger des Liberalismus „und kämpfte gegen den Sozialismus“ 2. Durch Broschüren Lassalles, aber insbesondere durch Wilhelm Liebknecht, der aus dem Londoner Exil zurückkam, wurde er Sozialist, und zwar ein zum lebenslangen Lernen bereiter Sozialist, auch in Gefängnissen.3.  Zusammen mit Liebknecht trug er entscheidend dazu bei, dass die beiden Arbeiterparteien (Eisenacher und Lassalleaner) sich auf marxistischer Grundlage vereinten. Nach der Gründung des deutschen  Reichstags wurde Bebel bereits mit 27 Jahren ins Parlament gewählt und gehörte diesem bis zu seinem Tod ohne Unterbrechung an. Zusammen mit Liebknecht enthielt er sich 1870 bei der Bewilligung der Kredite für den Deutsch Französischen Krieg der Stimme, was Marx und Engels rügten. Gab es 1870 lediglich zwei Stimmenthaltungen, so war es immerhin Liebknechts Sohn Karl, der am zweiten Dezember 1914 ganz im marxistischen Sinn gegen die Kriegskredite stimmte. Lenin ging 1914 von einer Stimmenthaltung der gesamten SPD aus und hielt Zeitungsmeldungen über die fast einhellige Zustimmung für Fälschungen der Geheimdienste.  In der Verfolgungszeit unter dem Sozialistengesetz kämpfte er gegen opportunistische Strömungen, fiel allerdings auch für kurze Zeit auf den Systemphilosophen Professor Eugen Dühring  herein, ja es ging sogar soweit, dass auf einem Parteitag ein Antrag eingebracht wurde, die Kritik von Friedrich Engels an  Professor Dühring im Zentralorgan der Partei nicht mehr zuzulassen. Bebel selbst unterlief die Eselei, einen Brief von Friedrich Engels von 1875 anläßlich des Gothaer Programms mit  einer wertvollen Aussage, Lenin spricht von der vielleicht bemerkenswertesten Betrachtung in den Werken von Marx und Engels über den Staat, 36 Jahre, von 1875 bis 1911,  in der Schublade liegengelassen zu haben. Neben dem sehr wichtigen Hinweis von Engels, daß das Proletariat den Staat in der Revolution nicht im Interesse der Freiheit gebraucht, sondern zur Niederhaltung seiner Gegner, ist es vor allem die Ausführung, daß man das Wort „Staat“ fallenlassen und durch das Wort „Gemeinwesen“ ersetzen sollte, die also lange Zeit vor der Öffentlichkeit verschlossen blieben und erst im zweiten Teil der 1911 erschienenen Memoiren Bebels „Aus meinem Leben“ zugänglich wurden. Zwei wichtige Publikationen von Bebel waren in diesem Zeitraum zu verzeichnen: 1875 veröffentlichte er ein Werk: „Der deutsche Bauernkrieg mit Berücksichtigung der hauptsächlichsten sozialen Bewegungen des Mittelalters“ und 1879 seine Hauptschrift: „Die Frau und der Sozialismus“, deren immenser Einfluß auf das Bewußtsein proletarischer Massen nicht unterschätzt werden darf. Die Anregungen zu diesem Buch, das zuerst unter dem Tarntitel: „Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ erschien, holte sich Bebel durch das Studium der französischen sozialistischen Utopisten, insbesondere Fouriers. Das Werk über den Bauernkrieg verfasste Bebel während seiner Festungshaft im Landesgefängnis Zwickau, ohne dass ihm die Schrift von Friedrich Engels über diesen Krieg vorlag. Er sprach sich schon hier für ein Bündnis mit den Bauern aus, sie sollten sich „die Hände reichen und gemeinsam den schönsten und größten Befreiungskampf kämpfen, den die Welt je gesehen.“ 4. Die beiden Bauernkriegswerke von Engels und Bebel stießen der Obrigkeit auf und wurden während des Sozialistengesetzes von der „Königlichen Regierung zu Schleswig“ am zweiten November 1878 verboten.  Nach dem Fall des Sozialistengesetzes 1890 wurde die Sozialdemokratische Partei zu einer wirklichen Massenpartei und in ihr war Bebel in seinem Element und wurde ihr allseitig anerkannter, „am meisten geliebte Führer.“ 5. Mitte der 90er Jahre hatte er unbedingt gegen Kautsky Recht in einer bündnispolitischen Frage, er sprach sich für ein Bündnis mit den kleinen und mittleren Bauern aus, konnte sich in diesem Punkt aber nicht durchsetzen. Unvergessen ist seine Rede auf dem Dresdner Parteitag 1903: „Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen.“ Ein Satz, den sich alle sogenannten „Sozialdemokraten“ von Bernstein und Vollmar – gegen beide kämpfte Bebel noch 1903 auf dem Parteitag in Dresden 6. – über Ebert, Scheidemann, Noske, Brandt, Schmidt, Schröder, der Kanzler der Bosse…u.s.w. hinter die Löffel hätten schreiben sollen, es ist eine tiefe Tragik für die deutsche Arbeiterbewegung, ja für das ganze deutsche Volk, dass der Kopf an diesen abscheulichen Verrätern drangeblieben ist, dass sie Bebel nicht als den nahmen, als den Lenin ihn bezeichnete: ein „Vorbild eines Arbeiterführers….eines Repräsentanten und Mitkämpfers der Lohnsklaven des Kapitals in ihrem Massenkampf für eine bessere Ordnung der menschlichen Gesellschaft.“7. (In der Schrift „Was tun ?“ von 1905 äußerte Lenin den Wunsch, dass als Ergebnis seiner in ihr dargelegten Konzeption eines Parteiaufbaus viele russische Bebels aus der Arbeiterklasse emporsteigen mögen 8. ). „Sobald die Prinzipienfrage bei unserer praktischen Tätigkeit in den Hintergrund tritt…vielleicht geradezu verleugnet wird, verlässt die Partei den festen Boden, auf dem sie steht und wird eine Fahne, die sich dreht wie der Wind weht. Der prinzipelle Maßstab muss allen unseren Forderungen auch in der Praxis angelegt werden, er muß der Prüfstein bilden, ob wir auf den richtigen Weg sind oder nicht. “ 9. Aber nach Bebels Tod wurde die SPD eine Partei ohne die Prinzipien des wissenschaftlichen Sozialismus, die sich drehte wie der Wind zur Konterrevolution wehte. Bebel wird ja auch das abgewandelte Bibelwort zugeschrieben: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Die Arbeiterbeamten, die Arbeiterbürokraten, die Arbeiteraristokraten, die opportunistischen Gewerkschaftsbonzen, sie alle erweisen sich als widerwärtige Schmarotzer am Körper der werktätigen Menschen in Deutschland. Seinen letzten Kampf führte Bebel gegen den Revisionismus Bernsteins. „Man versuchte, die Partei der Arbeiterklasse zu einer kleinbürgerlichen Partei sozialer Reformen zu machen. Unter den Beamten der Arbeiterbewegung, unter den Intellektuellen fand die neue opportunistische Seuche zahlreiche Anhänger.“ 10. Heute allerdings ist die SPD eine kleinbürgerliche Partei. Die Dialektik der Geschichte ist so verlaufen, dass sie, um es mit den Worten von Bebel zu sagen,  „gefährliches Unkraut unter dem  Volksweizen ist, das ausgerottet werden muss.“ 11.

Bebel, den Eduard Bernstein die Verkörperung der Partei nannte, starb im Alter von 73 Jahren am 13. August 1913 in Passung in der Schweiz während eines Sanatoriumsaufenthalts an Herzversagen. Er hatte leider nicht Recht behalten, dass er die sozialistische Revolution noch erleben werde. Seine Beisetzung fand unter sehr großer Anteilnahme der Massen auf dem Friedhof Sihlfeld statt.

Nach Bebels Tod schlug die SPD einen Weg des Verrats und der Schande ein und mutierte zu einer konterrevolutionären Partei,  die Bebel in der Frage der Kriegkredite, die Bebel in der Novemberrevolution, die Bebel  1921 bei der Ermordung von mehr als 150 Leuna Arbeitern 12., die Bebel am ersten Blutmai 1929, die Bebel mit dem Godesberger Programm, die Bebel mit den Berufsverboten, die Bebel mit ihrem Terrorismus gegen die RAF, die Bebel mit Hartz IV  verriet. Die SPD ist heute nicht mehr die Partei Bebels, sie ist eine Partei Noskes und Hörsings, eine Partei der Bluthunde des Kapitals. Man vergleiche Bebels stolze Worte: „Ich will ein Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft bleiben…“ mit der Auffassung der heutigen Generalsekretärin der Partei, Andrea Nahles: der SPD ging es immer um einen Deal mit dem Kapital zum Wohle der kleinen Leute. 13. Diese Aussage ist natürlich historisch falsch: Karl Marx hat das „Kapital“ geschrieben, damit die Arbeiterbewegung es überwindet, darauf hinwirkt, dass das Kapital einer Welt von gestern angehört. Karl Marx hat es nicht geschrieben, damit eine Andreas Nahles mit ihm dealt.Der heutige Deal der SPD mit dem Kapital zieht die Ketten der Lohnsklaverei enger um den Körper der „kleinen Leute“, kurz: bei der Arschkriecherei der SPD ins Kapital kann nur A.Nahles herauskommen.

1. Stalin, August Bebel – der Führer der deutschen Arbeiterschaft, in: Lenin Stalin über August Bebel, mit einem Geleitwort von Otto Grotewohl, Dietz Verlag Berlin, 1948,16. Der Aufsatz Stalins über Bebel erschien am 23. März 1910 auch als Flugblatt des Bakuer Komitees der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

2. Lenin, August Bebel, Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin 1962, 286

3. Man betrachte einmal die (gekürzte)  Liste der Bücher, die Bebel im Gefängnis Hubertusburg studierte: von Marx das „Kapital“, Engels: Lage der arbeitenden Klasse in England, Lassalles System der erworbenen Rechte, Platons Staat, Aristoteles: Politik, Machiavelli „Der Fürst“, Liebigs „Chemische Briefe“…usw…usf.

4. August Bebel, Deu deutsche Bauernkrieg unter Berücksichtigung der hauptsächlichsten sozialen Bewegungen des Mittelalters, Braunschweig 1876,230

5. Lenin, August Bebel, Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin 1962, 285

6. Ein Jahr später greift er auf dem Internationalen Sozialistenkongress in Amsterdan, an dem auch Rosa Luxemburg teilnimmt, den internationalen Führer der Gemäßigten, Jean Jaurès, an.

7. Lenin, August Bebel, Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin 1962,291

8. Vergleiche: Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1955,529

9.Ernst Schraepler, August Bebel, Sozialdemokrat im Kaiserreich, Göttingen 1966, 40

10. Lenin, August Bebel, Weke Band 19, Dietz Verlag Berlin, 1962,290

11.August Bebel: Die moderne Kultur ist eine antichristliche, Alibri Verlag 2007,61

12. Die Parole der Leuna Kumpel lautete: „Dass unsere Wohnstätte kein Gelände der Konterrevolution wird, dafür kämpfen wir.“

13. So in ihrem Buch: Andrea Nahles, Frau gläubig links. Pattloch Verlag München, 2009.


Advertisements

Über den Personenkult

16. Februar 2010

„Marx stand höher, sah weiter, überblickte mehr und rascher als wir andern alle. Marx war ein Genie, wir andern höchstens Talente.“ 1.

Natur, Gesellschaft, Denken entwickeln sich gegenseitig gesetzmäßig konstituierend und durch das menschliche Denken diese Prozesse in ihrer Gesetzmäßigkeit auch selbstreflexiv widerspiegelnd. In dieser reflexiven Widerspiegelung aus der immanenten Prozessualität der dialektischen Entwicklungsgesetze ergeben sich diese als ineinander sich wechselseitig durchdringende. Diese Widerspiegelung ist selbst widersprüchlich gebrochen (sonst gäbe es nicht die richtig-falsche formale Logik), das Genialische läge dann in der richtigen Widerspiegelung dialektischer Prozesse als Knotenpunkte der Selbsterfassung universell historischer Entwicklungsgesetze. Das Genialische ist daher nicht primär etwas Subjektives, sondern Expression objektiver unendlicher Prozesse. Die in Klassenkämpfen emanzipativ avantgardistisch Kämpfenden geben eineTheorie 2. der Anleitung zum revolutionären Handeln für diejenigen, die diese Entwicklungsgesetze nicht in ihren klaren Konturen widerspiegeln können und umgekehrt, die Dominanz des Personenkultes zeugt von einer ungenügenden Widerspiegelung objektiv vorhandener Entwicklungsgesetze, aus denen Taktik und Strategie der Revolutionäre abzuleiten wären. Die Arbeiterbewegung braucht keinen Napoleon, der für alle denkt, es wäre schlecht um ihre Emanzipation bestellt. Es waren die utopischen Sozialisten, die die Erlösung von  Ausbeutung und Unterdrückung durch die aus genialischer  Welterkenntnis resultierende Erfindung der perfekten Gesellschaft erwarteten, weil sie nicht die gesellschaftlich geschichtlichen Bedingungen einer proletarischen Massenrevolution berücksichtigten und auf dem damaligen gesellschaftlichen Entwicklungsstand auch nicht berücksichtigen konnten, das Proletariat nur als leidendste, nicht als politisch aktive Klasse von ihnen gesehen wurde.  „Es fehlte eben der geniale einzelne Mann, der jetzt aufgetreten und der die Wahrheit erkannt hat; daß er jetzt aufgetreten, daß die Wahrheit grade jetzt erkannt worden ist, ist nicht ein aus dem Zusammenhang der geschichtlichen Entwicklung mit Notwendigkeit folgendes, unvermeidliches Ereignis, sondern ein reiner Glücksfall. Er hätte ebensogut 500 Jahre früher geboren werden können und hätte dann der Menschheit 500 Jahre Irrtum; Kämpfe und Leiden erspart.“ 3. Die Fixierung des Marxismus Leninismus in ein Genie ist also kein Fortschritt, sondern ein Rückfall. Im Personenkult findet etwas Widersinniges statt: Genie und Menschheit werden verwechselt. So versuchte zum Beispiel der deutsche idealistische Philosoph Hegel, eine Art „Napoleon der Theorie“, die inneren objektiven Entwicklungsgesetze der Geschichte der Menschheit in seinem Denken widerzuspiegeln, als Selbsterfassung Gottes, in religiösen Formulierungen betrachtete er seine Philosophie als die Gedanken Gottes vor der Schöpfung der Welt und eines endlichen Wesens. Für Friedrich Engels hatte Hegel, den er im Anti-Dühring als Fieberphantasten bezeichnet,  diese Aufgabe aber lediglich gestellt, nicht gelöst, nicht lösen können deshalb, weil kein einzelner sie je wird lösen können. Ein Genie kann nicht zur Lösung bringen, „was nur die gesamte Menschheit in ihrer fortschreitenden Entwicklung leisten kann.“ 4. Das einzelne Denken weist für Friedrich Engels mehr „Verbesserungsfähiges als Nichtverbesserungsfähiges“ 5. auf, schon von daher verbietet es sich, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt in ein Subjekt zu projizieren, habe es auch noch so überragende geistige Fähigkeiten und perfekte Eigenschaften. Im Kommunistischen Manifest meinen Marx und Engels nicht nur sich selbst, wenn sie ausführen, dass in Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung nähert, ein Teil der Bourgeoisie zum Proletariat übergeht, „und namentlich ein Teil der Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.“ 6. Der wissenschaftliche Sozialismus hat sich wechselseitig  aus  Massenbewegungen und kollektiven theoretischen Bewegungen herausgebildet und basiert auf objektiv heranreifenden  Bedingungen der Klassenentwicklungen.

Ein Personenkult darf niemals Ergebnis einer proletarischen Revolution sein, so wie es nach der bürgerlichen 1789 war: Napoleon sagte auf dem Schlachtfeld: Ich bin 100 000 Mann wert. Wir wären nicht weiter als das Sonnenkönigtum von Versailles: L`´etat c´est moi. 7. Tatsächlich begriff sich Ludwig der XIV. als die Sonne, um die sich alles dreht. Diese Sonnenführer strahlen aber ihre Untertanen nicht als  Sterne an, die mit ihr  aufleuchten, sondern diese definieren sich zum Führer als im Grunde nichtig. “ Voyez ces  crapauds !“ soll Napoleon beim Anblick auf das Gewimmel  ertrinkender Soldaten in der Beresina gesagt haben 8. und Roland Freisler schrie die Widerstandskämpfer vom 20. Juli an: „Deutsch sein“, heißt: dem Führer treu zu sein, alles andere ist Verrat an Deutschland“. Nach einer proletarischen Revolution sollten Worte wie Führer/in, Kanzler/in, Minister/in aus dem Wortschatz gestrichen werden, Lenin war Vorsitzender eines Rates von Volkskommissaren, aber hinter diesen standen die Sowjets „…als die Vorboten  des „Absterbens“ jedes Staates.“9., und als Totengräber der bürgerlichen Demokratie.

Der Gegenbegriff zum proletarischen Genie, der die tief innerliche ruhelose Dialektik zum Ausdruck bringt, wäre der bürgerliche Diktator, der sich vergeblich dieser Entwicklung als ruhender Pol – als den Hitler sich selbst sah-entgegenstellt (bekanntlich beendigte sich für  den größten Feldherrn aller Zeiten der Führerkult durch Selbstmord). Im Kommunismus erübrigt sich jegliche Prozesswiderspiegelung, die in bürgerlichen Gesellschaften als Gesellschaftwissenschaften zusammengefasst wird, die nur Ausdruck der Klassenspaltung der Gesellschaft sind, von daher ist es verständlich, warum für Marx die Dialektik der bürgerlichen Gesellschaft nur ein Spezialfall der Dialektik insgesamt war.

Es ist vor dem Abfassen von Texten, die im Geiste des Marxismus Leninismus verfasst sein sollen, vielleicht ratsam, sich an einige Äußerungen der Klassiker zu ihrem Schaffen zu erinnern. Das Lebensmotto von Marx lautete: An allem ist zu zweifeln.Der alte Engels verwies rückblickend auf den fundamentalen Fehler auch der proletarischen Revolutionäre der 48er Revolution, nach deren Niederschlagen mit einer neuen in Kürze zu rechnen. „Wir haben uns damals alle gründlich geirrt.“ Auch der „große“ Friedrich Engels beging also Selbstkritik. Die Schriften von Marx und Engels nach 1848 sind voll mit diesem Irrtum. Auch sprachen Marx und Engels 1848 im Kommunistischen Manifest vom Wert und Preis der Arbeit, erst ab 1859 datiert die wissenschaftliche richtige Fassung: Wert und Preis der Arbeitskraft: der Arbeiter verkauft dem Kapitalisten nicht Arbeit, sondern die besondere Ware Arbeitskraft, die Quelle des Mehrwertes ist. Auch ist von Marx die Aussage überliefert: ich für mein Teil bin kein Marxist und gar Lenin erst kam nach dem Studium der hegelschen Logik zu der Einsicht, dass man ohne diese Logik das Kapital nicht verstehen könne und dass folglich in den letzten 50 Jahren kein Marxist das Kapital verstanden hätte 10., das Buch, das Engels zur Bibel der Arbeiterbewegung erklärte. Schon von daher verbietet es sich, Theoretiker der Arbeiterbewegung heroisierend in den Himmel zu heben, wo dialektische und historische Materialisten auch nicht hingehören. „…die Souveränität des Denkens verwirklicht sich in einer Reihe höchst unsouverän denkender Menschen, die Erkenntnis, welche unbedingten Anspruch auf Wahrheit hat, in einer Reihe von relativen Irrtümern.“ 11.

Im Personenkult wird die Arbeiterbewegung einer sogenannten „großen Person“ untergeordnet. Nach Marx ist es der kleinbürgerliche 12. „doctrinäre Socialismus,…der an die Stelle der gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Produktion die Hirnthätigkeit des einzelnen Pedanten setzt…“ 13. Personenkult und Geniekult sind ineinander verwoben. Immer wieder ist die Arbeiterbewegung an ihrem Verhältnis zu den sogenannten „großen Autoritäten“ zu überprüfen, die der Marxismus im Grunde gar nicht anerkennt. Engels sagt einmal gegen die Anarchisten, die Revolution ist das autoritärste Ding, das es gibt. Und die proletarische Revolution ist eine wahre Autorität. Die sogenannten „großen Autoritäten“ sind keineswegs nur Erzieher der Arbeiter und Bauern und haben sich auch nie als solche verstanden, sondern auch und gerade im Marxismus gilt, dass der Erzieher selbst erzogen werden muss. Das Proletariat  wird einerseits geschult, geeint und organisiert durch den kapitalistischen Produktionsprozess, andererseits wird sozialistsiches Bewußtsein in es durch eine Avantgardepartei von außen hineingetragen, liest man Lenins Schrift „Was tun ?“ aufmerksam. so wird man feststellen, daß dieser Lernprozess nicht einseitig ist. Hätte Lenin Marx nur als große Autorität angebetet, wäre es nicht zur Weiterentwicklung des Marxismus in der Phase des Imperialismus gekommen. 14. Marx und Engels gingen zur Zeit der 48er Revolution noch von einer nur international möglichen proletarischen Revolution aus (England besonders, Frankreich, Deutschland..), Lenin kam auf Grund seiner Imperialismusanalyse zu der Erkenntnis, dass auf Grund der Ungleichmäßigkeit der öconomischen und politischen Entwicklung unter dem Imperialismus diese Revolution auch nur in ein einem einzelnen Land möglich ist (darum ging es dann im Kampf gegen Trotzki, der auf dem 1848er Niveau stehenblieb). An Autoritäten klammern sich nur schwache Individuen, die keine innere marxistische Substanz haben, im Personenkult kippt Aufklärung um in Religion. Zwar endet die Kritik der Religion mit dem Satz, dass für den Menschen der Mensch das Höchste aller Wesen ist, wie Feuerbach es erarbeitet hat und der abstrakte Mensch, der angebetet wird, die Vergöttlichung des Menschen, ist im Grunde konstitutiv für eine atheistische Religion im Sinne Feuerbachs.  Marxens Kritik am Abstraktum Mensch in den Feuerbachthesen, die im Keim den historischen und dialektischen Materialismus enthalten,  überwindet jegliches Anbeten des Menschen durch den Menschen. Bezeichnete Malenkow am 9. März 1953 in seiner Trauerrede Stalin noch als den größten Genius der Menschheit, so wurde dieses Bild drei Jahre später in zugegeben revisionistischer Intention gekippt. Man tat damit Stalin unrecht, denn Stalin lehrte uns, dass die werktätigen Menschen, die Millionen Arbeiter und Bauern die wahren Helden der Geschichte sind. Ein Hauptkritikpunkt des Führerphilosophen Friedrich Nietzsche am Sozialismus bestand ja gerade darin, dass er keine großen Männer mehr aufkommen lasse. Bezeichnend ist die Szene, die der Hauer Alexej Stachanow in seiner Autobiografie „Mein Lebensweg“ über eine Begegnung der 71jährigen Weberin Kawanina mit Stalin schildert: „Das Großmütterchen wandte sich an Stalin, drückte ihm fest die Hand und sagte: Du liebe Zeit, endlich habe ich unseren großen weisen Führer zu sehen bekommen. Sie konnte vor Freude nicht sprechen. Genosse Stalin lächelte, und, indem er der Alten die Hand drückte, sagte er: Ein ganz gewöhnlicher Mensch.“15. Ein ganz gewöhnlicher Mensch. Hierin liegt die Weisheit, dass das Kollektiv entscheidend ist, jenseits des Kollektivs liegt das Strafgesetzbuch oder der Selbstmord. In dem akollektivistischen Ansatz bürgerlicher Stalinforschung liegt die Extremisierung eines negativen Personenkultes, wie Robespierre für die feudale Geschichtsforschung muss Stalin für die bürgerliche ein Ungeheuer sein, Stalin als gewöhnlicher Mensch läßt den Kommunismus als  zu wahrscheinlich erscheinen.

Dagegen war die bolschewistische Partei in der Sowjetunion nach Lenins Tod bemüht, dessen Genialität herauszustreichen, sogar der Berliner Professor und Spezialist für Gehirnforschung Oskar Vogt wurde eingeladen, das Gehirn nach seiner zytoarchitektonischen Methode zu untersuchen. Ausdrücklich heißt es in der Prawda vom 15.11.1927, Professor Vogt habe klar den scharfen Unterschied zwischen Lenins Gehirnstruktur und der gewöhnlicher Menschen herausgearbeitet 16., so lag eine sehr hohe Assoziationsfähigkeit vor, Wirklichkeitssinn (die richtige Widerspiegelung der Wirklichkeit)  und Kontrolle der Wahrnehmungen waren überdurchschnittlich, auch lag die Genialität Lenins nach Vogt in seiner Fähigkeit, sich in komplizierten Situationen rasch zu orientieren und generell schnell zu handeln. Es lagen ohne Zweifel alle Voraussetzungen vor, nach dem gründlichen Studium der hegelschen Logik, diese Logik nach Marx das Geld des Geistes,  das „Kapital“  zu verstehen. Die Thematik ist jedoch umfassender als sie nur auf die individuelle Genialität Lenins zuzuleiten, es liegt die widersprüchliche Spannung zwischen der proletarischen Massenbewegung und einer Avantgardepartei vor, in der die bewußtesten und am höchsten entwickelten, intelligentesten Führer sich konzentrieren. Marx und Engels haben sich dazu im Kommunistischen Manifest dezidiert geäußert: die Kommunisten sind keine besondere Partei gegenüber den andern Arbeiterparteien, sie haben gegenüber dem Proletariat keine getrennten Interessen, sie stellen keine besonderen Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen, sie vertreten „nur“ den Internationalismus , „…sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“ 17. Der Unfehlbarkeit des genialen Führers entspräche der Slogan: Die Partei hat immer Recht, beides hat mit dem Marxismus nichts gemein, wie oft forderte Lenin Selbstkritik, und nicht zu übersehen des öfteren sein Hinweis, dass die Massen bereits weiter seien als die Partei. Es ist eine bittere Konsequenz des Personenkultes, dass bei dem Trauermarsch am aufgebahrten Stalin c.a. 1 500 Menschen auf dem zu engen Trubnajaplatz zu Tode getrampelt worden sind.

Der von Lenin als Philosoph geachtete, als Politiker kritisierte Materialist Plechanow spricht in seiner Studie: „Über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte“ von einer gewissen optischen Täuschung, deren Opfer wir werden angesichts der großen historischen Persönlichkeiten und ihrer Bedeutung. Man beachtet nicht den Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Beziehungen und schreibt den Einzelsubjekten die ganze gesellschaftliche Kraft zu. Auch bei Marx und Engels findet man Studienmaterial zur Frage des Personenkultes, der insbesondere um den sich beweihräuchernlassenden Ferdinand Lassalle getrieben wurde. Persiflierend könnte man mit einem Bild abschließen, das Marx im „Kapital“ gezeichnet hat: den „Verein freier Menschen“, in dem sich alle Bestimmungen der Einzelarbeit eines Robinsons wiederholen, „nur gesellschaftlich statt individuell“. Aus einem Meer von roten Fahnen erhebt sich der Angebete – ein Robinson unter Massen. Personenkult und Sozialismus sind unvereinbar.



1. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, Dietz Verlag Berlin 1975, 292. Insbesondere auch: „Sowohl Marx wie ich sind von jeher gegen alle öffentlichen Demonstrationenen gewesen, die sich an einzelne Personen knüpfen, es sei denn im Fall ein großer Zweck dadurch erreicht werden kann; und am allermeisten gegen solche Demonstrationen, die sich zu unsern Lebzeiten um unsre eignen Personen drehen würden.“ (MEW 22,264).

2. Ohne Marx „wäre die Theorie heute bei weitem nicht das, was sie ist. Sie trägt daher auch mit Recht seinen Namen.“ (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgabg der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, Dietz Verlag Berlin 1975,292)

3. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,419

4.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassichen deutschen Philosophie, Marx Engels Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975, 270

5. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in:Marx Engels Ausgewählte Werke Band V, Dietz Verlag Berlin 1972, 97

6. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984,29

7. Es mag hier allerdings angeführt werden, was Vera Sassulitsch empfand, als sie Lenins Organisationsstatut studierte: „Für Lenin ist die Partei sein Plan, sein Wille steht im Dienste der Verwirklichung dieses Planes. Es ist die Idee Louis XIV.: L´état c´est moi – die Partei, das bin ich, Lenin !“, in: Werner Scharndorff, Moskaus permanente Säuberung, olzog verlag, München und Wien, 1964,21

8. Vergleiche Karl Marx, Marx an Ruge Köln im Mai 1843, Briefe aus den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“, Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957, 339. Bertolt Brecht pflegte zu fragen, ob die großen Feldherren keine Köche bei sich hatten ? Für Treitschke waren diese uninteressant und wenn man sich mit den weltgeschichtlich hochinteressanten Personen Lenin Stalin Trotzki usw. als Historiker, besonders auch als marxistischer, beschäftigt, sollte die Brecht´sche Frage gegen die Gefahr eines (marxistischen) Treitschkismus stets präsent sein.

9.Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution; LW 24,72

10. „Man kann das Kapital von Marx und besonders das erste Kapitel nicht volständig begreifen, ohne die GANZE Logik von Hegel durchstudiert und begriffen zu haben. Folglich hat nach einem halben Jahrhundert nicht ein Marxist Marx begriffen.“ (Lenin Werke Dietz Verlag Berlin Band 38, 170)

11. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Bnad V, Dietz Verlag Berlin 1972,97f.

12. Rousseau als Theoretiker der Kleinbourgeoisie schrieb im Gesellschaftsvertrag: „Niedrige Seelen glauben nicht an große Menschen…“ (Jean Jacques Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag Stuttgart, 1974,98). Und ein sogenannter großer Mensch ist ja dann auch als Folge der französischen Revolution quer durch Europa gezogen mit Menschen, die er seinem Kult opferte.Nach der Megakatastrophe des Russlandfeldzuges wird erst im Bulletin Nummer 29 gegenüber dem französischen Volk die Niederlage eingestanden. Legt man die Zahlen der toten Soldaten zugrunde, so hätte man mehrere europäische Großstädte gründen können, und doch endet das berüchtigte Bulletin mit der Botschaft, dass die Gesundheit seiner Majestät niemals besser gewesen sei.

13. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,191. Da der kleinbürgerliche Sozialismus die treibende Motorik des Klassenkampfes zwischen Lohnarbeit und Kapital nicht als einen Massenkampf begreift, verfällt er auf einen Geniekult, in dem sich der Progress von Natur, Gesellschaft und Denken genial widerspiegeln soll. Exemplarisch hat das der junge Marx am Fall Proudhon demonstriert. Statt eine neue Vernunft zu erfinden, die Proudhon Vernunft der Gesellschaft als Person nennt, er spricht auch von der Menschheit als Subjekt oder vom Genius der Gesellschaft oder von der Menschheit als Vernunft, die in Wirklichkeit „die individuelle Vernunft des Herrn Proudhon“ (Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin,1974,294) ist, komme es für die Proletarier darauf an, die Wissenschaft nicht mehr in ihrem Kopf zu suchen, „sie haben nur sich Rechenschaft abzulegen von dem, was sich vor ihren Augen abspielt, und sich zum Organ desselben zu machen.“ (a.a.O.,302).

14.Ein Beispiel, wie fruchtbar es sein kann, eine Autorität zu stürzen, gibt der Moskauer Agarwissenschaftler W. Wiljams. Seit Liebig glaubte man, daß sinkende Bodenfruchtbarkeit allein auf den Entzug mineralischer Substanzen zurückzuführen sei. Auch ein Wechsel der Frucht halte die Abnahme der Fruchtbarkeit nicht auf. Wiljams fand heraus, daß die Bodenbildung nicht nur das Produkt eines geografisch-klimatischen Prozesses ist, sondern auch von der Evolution und Tätigkeit lebender Organismen, besonders Pflanzen, abhängt. Er entwickelte das „Grasfeldersystem“ (travopolnaja sistema), bei dem die allgemeine Fruchtfolge durch die Aussaat mehrjähriger Gräser unterbrochen wurde. Deren biologisches Verhalten und Wurzelsystem förderte die Humusbildung und hielt die Versteppung in der UdSSR auf. (vgl. E. Buchholz: Der Kampf gegen die Dürre in der Sowjetunion, Hamburg Reinbek 1950,21)

15. Alexej Stachanow: Mein Lebensweg, Verlag Kommunistischer Texte, Münster 1975,65

16.Jochen Richter: Rasse, Elite, Pathos. Eine Chronik zur medizinischen Biografie Lenins und zur Geschichte der Elitegehirnforschung in Dokumenten, Centaurus Verlag Herbolzheim 2000, 187f.

17.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984, 36

„Schlechtwetter“ Über die bürgerliche Organisation von Nichtarbeit

12. Februar 2010

Im Krieg zwischen Lohnarbeit und Kapital kann es auf grund höherer Gewalt zu Phasen kommen, in denen die Konsumtion der Arbeitskraft durch das Kapital bei Aufrechterhaltung des Arbeitsvertrages unterbrochen ist und die Arbeiter/innen den Produktionsstätten fernbleiben. Es tritt dann der widersinnige Normalfall: Wenn der Mensch arbeitet, ist er nicht zu Hause und wenn er zu Hause ist arbeitet er nicht. 1. in einen Ausnahmezustand über: Lohnarbeit realisiert sich phasenweise nicht.

Diese Situation bleibt für das Kapital solange ungefährlich, als die Arbeiter/innen isoliert voneinander auf kleinbürgerliche Art bürgerliche Ideologie (Kapital und Lohnarbeit sind ewige fixe Kristallisationspunkte des menschlichen Arbeitsprozesses) über TV,PC 2…etc. konsumieren. Wenn schon nicht ihre Arbeitskraft konsumiert wird, so ist durch die bürgerlich monopolisierten Massenmedien dafür gesorgt, dass akollektiv ausgerichtete Massendiversifikation  stattfindet und die Produzenten in ihrer arbeitsprozessfreien Zeit nicht über gesellschaftliche Zusammenhänge, insbesondere über die von Lohnarbeit und Kapital nachdenken sollen. Auf dieser Stufe ergäbe  sich Kollektivität nur wieder nach Beendigung des Ausnahmezustandes durch den kapitalistischen Produktionsprozess in einem Ausbeutungszusammenhang. „Massenhaftes Zusammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer eigenen Vereinigung, sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeoisie…“ 3. Über eine sogenannte Freizeitindustrie wird das massenhafte Zusammenhalten der Arbeiter/innen untergraben, denn ihr bewußtes massenhaftes Zusammenhalten wäre der Tod der kapitalistischen Gesellschaft.

Lenin lehrte uns, dass eine versklavte Klasse, die nicht danach strebt, Waffen zu ihrer eigenen Befreiung zu sammeln, nur wert ist, als Sklave be- und mißhandelt zu werden. In diesem Sinne muß die Schlechtwetterzeit ausgenutzt werden nach der Devise von Wilhelm Liebknecht: studieren – propagieren – organisieren. So nützlich das private Studium der Gewerkschafts- der Arbeitslosen-, der Arbeiter/innenbewegung und des Marxismus Leninismus ist, es fruchtet wenig, wenn die Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums dieses isoliert voneinander betreiben. Sie müssen regelmäßige periodische Zusammenkünfte organisieren um kollektiv ihr revolutionäres Wissen zu vertiefen und sich ein klares Feindbild 4. unter Herausbildung eines gesunden Klassenhasses erarbeiten. Sie müssen ihre alltäglichen Erfahrungen im kapitalistischen Produktionsprozess wissenschaftlich zusammenfassen.Hier fällt revolutionären Betriebsräten eine Aufgabe zu, bei wochenweisen Freistellungen kann ihre organisierende Tätigkeit beginnen (zum Beispiel zwei mal in der Woche Seminartage auf freiwilliger Basis). „Der dialektische Prozeß der Entwicklung bringt wirklich schon im Schoße des Kapitalismus Elemente der neuen Gesellschaft hervor, sowohl materielle als auch gesitige Elemente.“ 5.

Auch  (bzw. besser:) gerade in Schlechtwetterzeiten können zum Beispiel die streikenden Kollegen im öffentlichen Dienst unterstützt werden, die Solidarität mit den arbeitslosen Kollegen auf den Montagsdemos muß hergestellt werden  , Obdachlose müssen vor dem Tod durch Erfrieren dadurch gerettet werden, dass notfalls gewaltsam die inaktiven Produktionsstätten zu ihrem Quartier gemacht werden, auch Beschlagnahmung von Villen, die alle überflüssigen Wohnraum haben; schon hier deutet sich die Notwendigkeit einer bewaffneten proletarischen Garde an.

Es liegt auf der Hand, dass das Kapital möglichst rasch danach strebt, den durch höhere Gewalt bedingten Verlust  nach Wiedereintritt der Konsumtionsmöglichkeit von Arbeitskraft durch Erhöhung der Arbeitsintensität zunächst zu egalisieren. Das steht konträr zur Humanmedizin, die eindeutig darlegen kann, dass es der Gesundheit abträglich ist, wenn nach einer außergewöhnlichen Arbeitsunterbrechung abrupt mit Höchstleistungen eingesetzt wird, durch massenhaftes Zusamenhalten  kann auch hier eine Übergangszeit erkämpft werden, in der proportional zur Zeit der Arbeitsunterbrechung zunächst nur halbtags gearbeitet wird (bei vollem Lohnausgleich).

Das Kapital und seine sozialdemokratischen Spießgesellen können sich drehen und wenden wie sie wollen, sie können die Arbeiterklasse nicht von ihrer historisch unabwendbaren Kardinalaufgabe abbringen und ablenken: die bürgerliche Gesellschaft und die in ihr vorherrschende Organisation der Lohnarbeit mit Feuer und Schwert auszurotten und niederzubrennen, der Bürgerkrieg zwischen Lohnarbeit und Kapital, der „Bürgerkrieg in seiner fürchterlichsten Gestalt“ 6. , ist unvermeidbar. Denn das Proletariat kann sehr wohl ohne Bourgeoisie leben, nicht umgekehrt, die unproduktiven Klassen sind immer auf die produktiven angewiesen. Überhaupt hat die bürgerliche Republik den Zweck, mit der Herrschaft des Kapitals die Sklaverei der Arbeit zu verewigen. Insofern ist aber der Arbeiter durch die bürgerliche Gesellschaft unbesiegbar , „…weil seine Existenz die Bedingung ihres eigenen Lebens ist…“. 7.Unter den Fittichen des Bundesadlers verbirgt sich ein kolossaler Klassenkrieg.

Die Sozialdemokratie tritt auf Druck der Arbeiterklasse für geringfügige Verbesserungen ein,  was auch die Nazis taten,  die aber natürlich die Grundkonstellation Lohnarbeit und Kapital und deren Wechselverhältnis unberührt lassen. Da die Einteilung der Menschen in lohnabhängige Untermenschen und kapitalistische Herrenmenschen ein bzw. der fundamentale Bestandteil sozialdemokratischer Ideologie ist, nimmt es nicht wunder, dass gerade der kleinbürgerlich-spießige Antikommunismus fanatischte Züge annehmen kann. „Und niemand fanatisierte sich mehr gegen die angeblichen Machinationen der Kommunisten als der Kleinbürger…“ 8. Für die Sozialdemokratie ist der Kommunismus eine Weltpest und der Marxismus Leninismus, um es mit den Worten von Goebbels zu sagen, eine „teuflische Anschauung,“ 9. Die SPD muss vernichtet werden. „Was ist erforderlich, damit die Proletarier…siegen können ? Vor allem Glauben an die eigene Kraft, das Bewußtsein, dass die Arbeiterklasse ohne die Bourgeoisie auskommen kann, dass die Arbeiterklasse fähig ist, nicht nur das Alte niederzureißen, sondern auch Neues zu erbauen, den Sozialismus zu errichten. Die ganze Arbeit der Sozialdemokratie besteht darin, den Arbeitern Skeptizismus, Unglauben an die eigene Kraft, Unglauben an die Möglichkeit einzuflößen, mittels Gewalt den Sieg über die Bourgeoisie zu erringen.“ 10. Ein Musterbeispiel sozialdemokratischer intellektueller Verwahrlosung findet man in dem neuesten Buch der SPD Generalsekretärin Andrea Nahles: „Frau gläubig links“ (Pattloch Verlag 2009), in dem die gläubige Katholikin als Basis ihres politischen Engagements die „Axiome“ setzt: es gibt immer Arme und immer Einkommensuterschiede. Sie hat ganz offensichtlich weder die Bibel noch „Das Kapital“ verstanden. 147 Jahre habe die SPD einen erfolgreichen Deal mit dem Kapital betrieben zum Wohle der kleinen Leute. Nun hat aber Marx das Kapital nicht geschrieben, damit eine Andrea Nahles mit ihm dealt, sondern damit die Arbeiterklasse es überwindet.

1. Vgl. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, Felix Meiner Verlag Hamburg 2005,59

2.Die modernen Kommunikationsmittel können aber umgekehrt auch sehr fruchtbar für den gesellschaftlichen Fortschritt sein: Kommunismus ist Rätemacht plus Internetisierung des ganzen Landes.

3.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984, 25

4. Für die wirklichen kommunistischen Revolutionäre bleibt der Satz von August Bebel gesprochen auf dem Dresdner Parteitag 1903 unvergessen: „Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen.“ Wie oft hat die SPD Bebel auf das Schändlichste verraten! Die Chronik der Verrätereien würde ganze Bücher füllen.

5.Lenin, Das letzte Wort der „iskristischen“ Taktik, LW 9,370

6. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin,138. Diese tiefste Revolution in der Geschichte der Menschheit muss natürlich den Terror als Volksjustiz auf die Tagesordnung setzen. „Weit entfernt, den sogenannten Excessen, den Exempeln der Volksrache an verhaßten Individuen oder öffentlichen Gebäuden, an die sich nur gehässige Erinnerungen knüpfen, entgegen zu treten, muß man diese Exempel nicht nur dulden, sondern ihre Leitung selbst in die Hand nehmen.“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde an den Bund der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977, 259) Es gibt in der deutschen Geschichte diesbezüglich Ruhmesblätter, angefangen mit der Schleifung der Marienkapelle zu Mellerbach bei Allstedt 1525 im deutschen Bauernkrieg, auf dem letzten steht der Name: RAF !

7.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,139

8.a.a.O., 134

9.Sportpalastrede des Reichsministers Dr. Goebbels vom 18. Februar 1943, in: Joachim Wieder: Stalingrad, Büchergilde Gutenberg 1963, 329

10. J.W. Stalin, Der XIV. Parteitag der KPdSU (B), Stalin Werke Band 7, Dietz Verlag Berlin 1952,304

Andrea Nahles…mein zweiter Name ist Maria…da weitere Verwahrlosung droht

1. Februar 2010

„Und die SPD muß wieder Demokratie wagen…“ 1.

„Jeder für sich, Gott für uns alle“ ist eine bei Lehrern beliebte  Floskel, um dem Abschreiben bei Klassenarbeiten vorzubeugen. Im Pattloch Verlag erschien Ende 2009 ein Buch der amtierenden Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, das einem wie eine Sammlung von Schulaufsätzen vorkommt: „Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist.“ Schon im Vorwort beginnt die Tochter eines Maurermeisters mit einem dicken Patzer, indem sie dem deutschen Volk aufschwatzen will: wir brauchen Parteien. „Für mich jedenfalls gehören die Parteien nach wie vor zu den wichtigsten Instrumenten des Wandels.“ 2. Mann/Frau fragt sich natürlich zu welchem Wandel ?  Schon mit ihrer Ausgangslage, dass Parteien existieren müssen, bindet sie sich so fest an den Kapitalismus, der dann auch im ganzen Buch in keiner Weise in Frage gestellt wird. Rein logisch ist zunächst zu fragen, inwiefern denn reaktionäre, faschistische und konservativ-beharrende Parteien welchen Wandel fördern ? Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass in der heutigen spätkapitalistischen Gesellschaft die Volksmassen in Klassen geteilt sind, und dass diese Klassen von Parteien geführt, die wiederum von den intelligentesten und autoritativsten Politikern geführt werden. 3. Und im Wandel von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft hebt die revolutionäre Arbeiterpartei durch die Volksmassen die Klassen, damit die Parteien und auch sich selbst auf. Die ideologische Akzeptanz einer Parteienpluralität durch die Arbeiterklasse käme einer Verewigung ihrer ökonomischen Knechtschaft gleich. Die dialektische Anlage zur Selbstnegation ist denn auch das Schiboleth, an dem sich revolutionäre und konterrevolutionäre Parteien scheiden.

Der Ansatz von Andrea Nahles, die in Bonn neben Germanistik allerdings Politikwissenschaft studiert hat, ist ein subjektivistischer, wie denn überhaupt alle kleinbürgerlichen Parteien stets einen solchen haben: der Mensch, ja der Mensch. „…weil ich glaube (!!), dass wir den Schlüssel zu einer guten Gesellschaft nur(!!) in uns selbst finden können.“ 4. Glauben ist eine Sache, Gesellschaftswissenschaft eine andere. Die Gesellschaft entwickelt sich bekanntlich nach den drei dialektischen Grundgesetzen: Einheit und Kampf der Gegensätze (Bourgeoisie/ Proletariat), Umschlag von Quantität in Qualität, Abbrechen der Allmählichkeit, revolutionäre Sprünge und Negation der Negation (staatenlose Urgesellschaft, Gesellschaften, die auf verschiedenen Formen des Privateigentums an Produktionsmitteln beruhen, und Sozialismus/Kommunismus). Bei der adialektischen Betrachtungsweise der Bewegung  “ bleibt die Selbstbewegung, ihre treibende Kraft, ihre Quelle, ihr Motiv im Dunkel (oder diese Quelle wird nach außen verlegt – Gott, Subjekt etc.)“ 5. Da nun Andrea Nahles obendrein noch gläubig ist, bedankt sich die Arbeiterklasse für diesen himmlischen Schlüssel, für diese himmlische Segnung.  Der Kleinbürger macht gerade vor der objektiven Dialektik der Selbstbewegung halt und verfällt in Subjektivismus, aus dem heraus er den Widerspruch vergöttlicht. (Was Marx schon bei Proudhon feststellte).  „Die ersten Sätze des Godesberger Programms üben auf mich wie auf Hunderttausende andere Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus: „Das ist der Widerspruch unserer Zeit, dass der Mensch die Urkraft des Atoms entfesselte und sich jetzt vor den Folgen fürchtet…“ 5. Und so geht es im Godesberger Programm weiter:,,,dass der Mensch. dass der Mensch…Auch im am 20. Dezember 1989 verabschiedeten Berliner Grundsatzprogramm der SPD findet Nahles das schönste Bekenntnis zur Demokratie, das ihr „…in der sonst ja oft drögen politischen Sprache jemals begegnet ist: Der Mensch weder zum Guten noch zum Bösen festgelegt, ist lernfähig und vernunftfähig. Daher ist Demokratie möglich…“ Das alles ist mehr als erbärmlich und ein Armutszeugnis 6., nicht der Mensch macht Geschichte, oder soganannte große Männer und Frauen, sondern die Volksmassen, die Volksklassen und die treibende Kraft ist die Arbeiterklasse. Andrea Nahles geht als gläubige Katholikin noch heute regelmäßig in die Kirche und in der Onanie inniger Gebete kommt es dann wohl zu diesen abstrusen weltfremden Gedankenergüssen.7. Hegel führt in der Vorrede zur Rechtsphilosophie aus, dass man von der Natur zugebe, dass Gesetze in ihr regieren, dass man aber über die Gesellschaft, so wie man gerade gehe und stehe, den Stein der Weisen schon in der Tasche habe 8….und, fügen wir hinzu, den Schlüssel in sich. Der sozialdemokratische Revisionismus kommt immer wieder auf die anthropologische Fragestellung Kants zurück: Kant gab dem Philosophieren vier Fragen vor: Was kann ich wissen ? Was darf ich tun ? Was soll ich hoffen ? Und in unserer Fragestellung vor allem: Was ist der Mensch ? Da liege ja der Schlüssel, würde Andrea Nahles sagen. Rainer Blasius begeht in seiner sehr oberflächlichen Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1. 2010 (9.) den Fehler, den subjektivistischen Ansatz von Nahles nicht zu erkennen, so sagt er zwar einerseits ganz richtig, sie verbreite allgemeine Botschaften („Die Menschen wollen Sinn und nicht Spin“ 10.), findet aber gerade die biografischen Einblicke interessant, die sie gibt. Nicht darum geht es, sondern um ihre christlich-linkssozialdemokratische Botschaft, dass es immer Arme geben werde und dass es immer Einkommensunterschiede geben soll. Das sehen die Armen natürlich ganz anders. Unter der Diktatur der Arbeiterklasse herrscht gleicher Arbeitszwang für alle 11. und zur Besserung gehört die Generalsekretärin der SPD in ein Arbeitskollektiv, damit sie zur Lösung gesellschaftswissenschaftlicher Schlüsselfragen gelangt. Der Aktenvermerk müßte lauten: …da weitere (subjektivistische) Verwahrlosung droht.

Diese intellektuelle Verwahrlosung wird nun gerade auch und besonders im Kapitel: „Von der Würde der Arbeit“ sichtbar. Mit dem Slogan „Gute Arbeit für guten Lohn“ ging schon der frühere Arbeitsminister Olaf Scholz im letzten Bundestagswahlkampf betteln und hausieren. Nahles bekundet zunächst, daß das Wissen um den Wert der Arbeit „….tief in mir verwurzelt ist.“ 12. Aber ist dieses Wissen auch richtig ? Wissenschaftlich richtig muß es heißen: Wert der Arbeitskraft, aber das nur nebenbei. Selbstkritisch gibt sie zu, daß sich Sozialdemokraten zu wenig um die Bedingungen kümmern, „…unter denen die Menschen tagtäglich ihr Brot verdienen.“ 13. Ja was mögen denn das für Bedingungen sein !? Sie zitiert das Hamburger Programm der SPD: „Arbeit gehört zum menschenwürdigen Leben, aber sie muß auch menschenwürdig sein. (soweit das Programm/H.A…ja hier kreist der abstrakte Mensch wieder in sich.) Weiter sagt sie: „Schlichter als im Hamburger Programm kann man es nicht ausdrücken.“ 14. Ja, das ist schlicht und ergreifend —falsch !!, denn menschenwürdige Arbeit kann es unter kapitalistischen Bedingungen nicht geben. Wie alle kryptofaschistischen Parteien huldigt auch die SPD einem Kult der Arbeit und der Disziplin, der ideologisch das Privateigentum an Produktionsmitteln zementiert. Marx sah diesen Fehler schon im Gothaer Programm von 1875, die SPD hat also 135 Jahre !!! Zeit gehabt, den Fehler zu korrigieren. Im Gothaer Programm lag eine abstrakte Trennung von menschlicher Arbeitskraft und den kapitalistischen Bedingungen ihrer Anwendung vor, dass nämlich die Arbeiter/innen außer ihren eigenen Arbeitskräften kein Eigentum an den Produktionsbedingungen besitzen: „…denn gerade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein anderes Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der anderen Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben.“15. Aus dem kleinbürgerlich verkürzten Arbeitsbegriff der SPD resultieren dann alle schlichten Fehler, die Nahles naiv aneinanderreiht: „Arbeit öffnet dem Einzelnen (nanu ? gibt es keine Arbeiterklasse ? /H.A.) die Türen zur vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“ 16..muß heißen: zur lohnabhängigen Teilnahme am kapitalistischen Ausbeutungsprozess.  „Arbeit …ermöglicht den Wohlstand unserer (!?) Gesellschaft.“ 17…muß heißen: den ständig steigenden Wohlstand der kapitalistischen Klasse. Oder hat sich die menschgewordene Jesuitin (siehe Anmerkung 7) nicht mit der Weisheit des Volksmundes beschäftigt, dass die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden ? „Für mich heißt das Ziel nach wie vor Vollbeschäftigung.“ 18.Das ist aber nicht das Ziel der Arbeiterbewegung, sondern die volle Emanzipation der Arbeitskraft von ihrem Warencharakter, wie Engels im Anti-Dühring schrieb.19. Man muß Frau Nahles aber auch dankbar sein für dieses Buch, ich halte es für ein Musterbeispiel, wie sich die SPD als Arzt am Krankenbett des Kapitalisten profilieren möchte. Sie wolle für die gesellschaftliche Integration durch Arbeit, die bekanntlich frei macht,  kämpfen, also den Lohnsklaven bis zur Vergasung an das kranke marode krisengeschüttelte kapitalistische System binden. Man muß auch immer fragen: wo hinein soll denn integriert werden ? Ein staatliches Basiseinkommen lehne sie ab, stattdessen plädiere sie für eine Neubestimmung des Sozialstaates,“…der individuelle Erwerbsbiografien partnerschaftlich begleitet..“20. Über das Wesen des Staates ist von und über Aristoteles, Platon, Hobbes, Kant, Hegel, Marx und Lenin…u.a.  viel Tiefsinniges geschrieben worden, aber noch keine/r kam auf die Naivität, ihn als Partner zu bezeichnen. Das ist ja gerade die Tragik in der Antigone von Sophokles.  Die lesenden Arbeiter und Arbeiterinnen, die lesenden Bauern und Bäuerinnen, letztere läßt Nahles in gut menschewistischer Tradition außer Acht, finden bei Karl Marx die zentrale Deutung des neuzeitlichen bürokratischen Staates als eines nationalen Kriegswerkzeugs des Kapitals gegen die Arbeit 21…oder ist etwa nicht wahr, dass die Ermordung der Arbeiterführer Liebknecht und Luxemburg durch die Reichswehr nur mit partnerschaftlicher Beihilfe der Berliner SPD erfolgen konnte…oder ist etwa nicht wahr, daß die SPD durch ein von „Genosse“ Hörsing 1921 organisiertes Polizeimassaker  der Ermordung von über 150 Leuna Arbeitern präsidierte (die unter der Parole kämpften: „Dass unsere Wohnstätte kein Gelände der Konterrevolution wird)…oder ist etwa nicht wahr, dass der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin Zörrgibel 1929 partnerschaftlich auf eine unbewaffnete 1.Mai Demonstration schießen ließ mit über 30 Toten und Hunderte Verletzte…oder ist etwa nicht wahr, dass unter der Federführung des von Nahles angehimmelten Willy Brandt Zehntausende von fortschrittlichen Lehrern partnerschaftlich unter das Berufsverbot gesetzt wurden, also erst gar keine Erwerbsbiografie beginnen konnten, damit mittelalterliche Dunkelmänner in den Schulen weiterhin Minderjährige geistig verführen. Als Nazikolonnen am 31. Januar 1933 triumphierend durch das Brandenburger Tor marschierten, sagte der Maler Max Liebermann: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen muß. Das Gleiche stößt einem bei der Lektüre des hier besprochenen Buches auf. Die SPD hat so viele Stimmen eingebüßt, weil die arbeitenden, lesenden und denkenden Menschen immer mehr mit ihrer Vernunft erkennen, wessen Partner die SPD ist.  „Durch Verführtsein von dem Zeitgeist / Waldursprünglich Sansculotte / Sehr schlecht tanzend, doch Gesinnung…Kein Talent, doch ein Charakter.“ Heinrich Heine: Atta Troll Kaputt 24″.
Läßt man ihre Aussage Revue passieren, sie sei  Christin gewesen, bevor sie Sozialdemokratin geworden sei, so drängt sich einem ja völlig von selbst die Vermutung auf, dass sie sich in ihrem 20 semestrigen Politikstudium wohl mehr mit den Kirchenvätern Thomas von Aquin und Augustinus als mit Marx und Engels beschäftigt habe. „Den Seinen  gibt er´s schlafend, ist auf die Wissenschaft angewendet worden, und damit hat jeder Schlafende sich zu den Seinen gezählt, was er so im Schlafe der Begriffe bekommen, war denn freilich auch Ware danach.“ 22. Hegel sprach in diesem Zusammenhang vom „Brei des Herzens“ , vom einfachen Hausmittel des Gefühls.23. ( Ein ähnlich übles Machwerk ist das Buch von Oskar Lafontaine: Mein Herz schlägt links).In ihrer Analyse über das schlechte Wahlergebnis der SPD kommt Genossin Nahles zu dem Schluß, die SPD habe es zwischen 2003 und 2005 versäumt, die Menschen im Lande emotional anzusprechen. „Der amerikanische Psychologe Drew Westen bringt es auf den Punkt: Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“ 24. Wenn man den Schlußsatz  der Schrift von Friedrich Engels: „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ bedenkt, dass die deutsche Arbeiterbewegung die Erbin der deutschen klassischen Philosophie sei 25. , so bringt die Bezugnahme auf einen dahergelaufenen us-amerikanischen Psychologen einmal mehr die intellektuelle Verwahrlosung der Frau Nahles auf den Punkt. Um nun sogleich in einem us-amerikanischen Slang zu bleiben, so sieht und begreift Nahles die SPD und sich als Dealerin mit dem Kapital, 147 Jahre habe die SPD mit dem Kapital einen erfolgreichen Deal betrieben zum Ausgleich und zum Wohl der kleinen Leute. Zum Wohl der kleinen Leute ? Durch diesen Deal ist doch Deutschland zweimal zum Ausgangspunkt eines Weltkrieges geworden zum Wohl von über 80 Millionen Toten. 1914 wurde mit Ausnahme von Karl Liebknecht mit dem Kapital um die Kriegskredite gedealt mit sehr großem Erfolg für das Kapital und es ist in der historischen Forschung ausgemacht, dass die Ergebnisse des ersten Weltkrieges bereits den Keim des zweiten in sich trugen. Bereits im März 1850 warnten Marx und Engels in der Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten, dass die demokratischen Kleinbürger den Arbeitern weit gefährlicher seien als  die liberalen Bourgeois von 1848 und dass eines ihrer Hauptanliegen die „Vertuschung des Klassenkampfes“ sei.26. Bei dem Deal der SPD mit dem Kapital, sprich: bei deren Arschkriecherei,  ist für die Werktätigen dann immer auch nur A.Nahles herausgekommen.

In ihrem Buch präsentiert sich Andrea einmal  als sozialdemokratische Barbiepuppe (….daß auch der Konsum von TV-Seifenopern den Menschen dabei helfe, „….sich in der Gesellschaft zu orientieren…und letztlich ihr individuelles Verhalten an den Normen einer gut funktionierenden Gesellschaft auszurichten.“ 27. – der Leser, der es nicht glaubt, schaue bitte auf S. 85 !! -), also liegt der Schlüssel zu einer guten Gesellschaft dann doch nicht nur in uns, sondern auch in Seifenopern. Dann aber auch wieder als Politikerin mit einem philosophischen Anspruch  und bekennt sich in dieser Hinsicht eindeutig zur Aufklärung, was nach dem Lob für Seifenopern aber nicht weit her sein kann. „Zurück zu Kant“ war und ist die Devise des Revisionismus und auch hier wieder ein Danke schön für die Offenherzigkeit: „Aus gutem Grund bin ich Sozialdemokratin und nicht Kommunistin. Mir liegt der aufklärerische Begriff der Emanzipation von selbstverschuldeter Unmündigkeit näher als die Idee einer kollektiven Zwangsbeglückung. Für mich ist das Anliegen der Aufklärung die Grundlage moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten.“ 28. Stellenweise fast wörtlich angelehnt an die Aufklärungsschrift von Kant aus dem Jahre 1783. Indeß ist fraglich, ob die katzenbuckelnde Haltung Kants gegenüber der Obrigkeit, der man bei Strafe 29. gehorchen muß, wirklich als Vorbild für Demokraten zu werten ist. Kant sah sich sehr vor, an dem Mechanismus von  Befehl und Gehorsam überhaupt zu rühren, der Bürger, der Offizier…usw. könne aber nach Dienstschluß als Feierabendphilosoph und Mitglied der weltbürgerlichen Gesellschaft  in Aufsätzen für Fachzeitschriften Verbesserungsvorschläge machen, wie ein Gelehrter, „…der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet.“ 30. Diese biedere Grundhaltung ist doch sehr angenehm für unsere sozialdemokratischen Käuzchen. Für Kant war die bürgerliche Republik ein Postulat der praktischen Vernunft, das man nie erreichen wird, das man aber als Ziel anstreben und in der Gesinnung festhalten soll.  31. Marx und Engels wiesen uns stets darauf hin, dass die Arbeiterklasse organisiert und bewaffnet sein müsse. „Die Bewaffnung des ganzen Proletariates mit Flinten, Büchsen, Geschützen und Munition muß sofort durchgesetzt, die Wiederbelebung  der alten, gegen die Arbeiter gerichteten, Bürgerwehr muß entgegengetreten werden.“ 32. Das ist die Grundlage „moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten“.

Wenn, wie hier, der seltene Fall vorliegt, dass eine Politikerin 20 Semester Politikwissenschaft im universitären Ghetto studiert hat, so erstaunt es schon, dass Blasius in seiner Buchbesprechung vom 11.1. 2010 in der FAZ nicht auf den Politikbegriff von Nahles eingeht, den sie durch ihr demokratisches Menschenbild geprägt sieht. Demokratisches Menschenbild ? Da haben wir wieder die Unfähigkeit, politische Zusammenhänge in Massen und Klassen zu denken.  Marx und Engels bemerkten in der „Heiligen Familie“, dass es sich nicht darum handele, was der einzelne Proletarier einstweilen denkt, sondern was das ganze Proletariat als Klasse gezwungen sein wird zu tun. Wieder ein fundamentaler sozialdemokratischer Fehler: Politik an ein Menschenbild zu koppeln und damit Politik als anthropologische Konstante zu kristallisieren frei nach dem Motto: wo Menschen sind gibt es auch Politik. Denkt man die Hauptlosung selbst der bürgerlichen Revolution: „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ zu Ende, so ist diese im Kern politikfrei. „Alles fließt“, hinterließ der griechische Philosoph Heraklit der Nachwelt und so ist auch Politik, der zu keiner Zeit irgendein Menschenbild zugrunde lag, sondern die ökonomische Unterdrückung von Klassen durch Klassen, etwas historisch Vorübergehendes. Lenin lehrte uns, dass mit dem Staat auch die Demokratie abstirbt. Durch seinen ersten Manchesteraufenthalt (1842 – 1844) erkannte Friedrich Engels, dass Politik als etwas von der Ökonomie Ableitbares begriffen werden muss. Marx entwickelte diesen Gedanken weiter und schrieb der Politik im proletarischen Emanzipationskampf nur noch eine Sekundanzfunktion zu: „Die Revolution überhaupt, der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg.“ 33. Dieses Fortschleudern der Politik muß im marxistischen Bewußtsein immer präsent sein, sonst bekommen wir diese sozialdemokratischen Politschmarotzer nie vom Halse mit ihren Kathederweisheiten: „Jede Form von Politik ist geprägt durch das Menschenbild ihrer Akteure. In Demokratien ist es das Leitbild des rational handelnden, die Alternativen prüfenden und schließlich abwägend entscheidenden Staatsbürgers, das die Politik bestimmen sollte.“ 34. Je nach Bedarf scheint die Politikerin Nahles vor der Alternative zu stehen: rational handelnder Staatsbürger oder der Weisheit des us-amerikanischen Psychologen Drew Westen folgend: „Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“35. Des weiteren schreibt sie, daß Gott verrückt sei. Dann aber sind rational denkende Atheisten am besten geeignet zur Demokratie…usw…usf. Vor allem verbreitet sie auch über ihre Vertuschung des Klassenkampfes Illusionen über  eine Potenz der Politik, wirtschaftliche Prozesse nach ihren Vorgaben zu steuern, sie meint dieses natürlich nicht im Sinne einer sozialistischen Planwirtschaft. Diese angebliche Fähigkeit der Politik ist besonders in Wahlkämpfen ein sehr beliebtes Gaukelbild zum Stimmen- und Dummenfang. In einem kapitalistischen Staatshaushalt kommt es notwendig zur Staatsverschuldung, „…und mit der Staatsverschuldung nothwendig die Herrschaft des Staatsschuldenhandels, der Staatsgläubiger, der Bankiers, der Geldhändler, der Börsenwölfe.“ 36.

1. Andrea Nahles, Frau gläubig links, Pattloch Verlag 2009,236

2.a.a.O.,8

3.Vgl. W.I.Lenin, Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Progress Verlag Moskau 1975,582

4.Nahles.a.a.O.,8

5.Lenin, Zur Frage der Dialektik, Lenin Werke Band 38, 338f.

6. In diesem Zusammenhang ist auch die Kritik Marxens an Feuerbach interessant: Feuerbach bedenkt nicht, „…daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.“ (Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,7)

7. „Immer wenn ich von meinen täglichen politischen Auseinandersetzungen in eine Kirche komme oder bete, wird so einiges in meinem Kopf und in meiner Seele wieder gerade gerückt“ (S.103) Da haben wir die Jeanne d´Arc der SPD… und in der Tat muß einiges gerade gerückt werden: Schon rührend ist die Entblößung, wie sie zu ihrem gesellschaftlichen Engagement gekommen sei: durch einen Satz des früheren Bischofs von Limburg Franz Kamphaus: „Mache es wie Jesus, werde Mensch !“  August Bebel hatte tausend mal Recht mit seiner Aussage: „…jeder Religionslehrer ist ein Feind des wahren Fortschritts der Menschheit, er ist gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen, das ausgerottet werden muß.“  (August Bebel: Die moderne Kultur ist eine antichristliche, Alibri Verlag 2007,61) Die Dialektik der Geschichte hat nun diesen Verlauf genommen, daß heute die GESAMTE SPD gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen ist, das ausgerottet werden muß. Diese Versumpfung der deutschen Sozialdemokratie hatte schon Engels gegen Ende des 19.  Jahrhunderts festgestellt, als die Formel: „Erklärung der Religion zur Privatsache“ völlig verräterisch auch auf die Partei des revolutionären Proletariats ausgedehnt wurde. (Siehe seine Einleitung zum Bürgerkrieg in Frankreich). Die Partei verzichtete damit nach Lenin auf den Kampf gegen das volksverdummende Opium Religion. (Siehe Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960, 464)

8.Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorrede zur Rechtsphilosophie, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Bd. 7, Frankfurt am Main 1970, 15f. Dies gilt auch für „Marxisten“, die den Sozialismus nicht wie eine Wissenschaft studieren wollen, die meinen, es genüge sich zu bekennen. Brecht sagte, der Kommunismus ist das Einfache, das so schwierig zu machen sei.

9.Rainer Blasius: Maria hilft, Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1.2010.S.6

10. Nahles, a.a.O.,45

11.Marx Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 69

12.Nahles,S.54

13.a.a.O.,58

14.a.a.O.

15.Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1953, 11

16. Nahles,58

17.a.a.O.

18.a.a.O.,62

19. Vgl. Friedrich Engels, Anti-Dühring, in: Marx,Engels: Ausgewählte Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1972,221

20. Nahles,a.a.O.,66

21. Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, MEAW, Progress Verlag Moskau 1975,300

22. G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, Vorrede, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Band 7, Frankfurt am Main 1970, 18

23.a.a.O.,19

24.Nahles,a,a,O.,45

25.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,307

26. Vgl. Karl Marx/Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in MEGA I,10. Dietz Verlag Berlin 1977, 254 ff. „Es kann sich für uns nicht um eine Veränderung des Privateigenthums handeln, sondern um seine Vernichtung, nicht um die Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um die Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um der Gründung einer neuen.“(S.258) Ein Musterbeispiel für die Vertuschung des Klassenkampfes findet der Leser auf S. 95: Der illegalen Bespitzelung der Arbeiter/innen durch die Kapitalisten will sie was entgegensetzen ? Nicht etwa die Bestrafung der Kapitalisten, sondern: wir müssen die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Sozialdemokratin möchte ich sehen, die bei Straftaten von Arbeiter/innen ebenfalls sagt: nicht bestrafen, sondern die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Kapitalisten haben völlige Straffreiheit, denn sie sind ja in der gesamtgesellschaftlichen Solidarität auch mit eingeschlossen. Die Vertuschung des Klassenkampfes durch Andrea Nahles läuft darauf hinaus, die Kapitalisten außerhalb des Gesetzes zu stellen. Asoziales ergänzt sich zu Asozialem.

27. Nahles, a.a.O., 85

28. a.a.O.,81

29. „…sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal  (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden.“ Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung ?, in: Was ist Aufklärung, Reclam Verlag  Stuttgart 2008, 12

30. a.a.O.

31. Vgl. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,180

32. Karl Marx, Friedrich Engels, Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977,260

33.Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1,409

34. A. Nahles, a.a.O., 82

35.a.a.O., 45

36. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin, 1977,181

Andrea Nahles erwarb nach 20 Semestern Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm Universität in Bonn bei Professor Jürgen Fohrmann ihre Magistra artium. (Meisterin der freien Künste). Aber auch diese Meisterinnen sollten sich  an eine gewisse Disziplin des Denkens gebunden fühlen.

Heinz Ahlreip, 1.2.2010