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Zum 140. Geburtstag Lenins: Der Kampf ist absolut

17. April 2010

Am 22. April erblickte vor 140 Jahren ein außergewöhnlicher Mensch in Simbirsk das Licht der Welt, dessen Außergewöhnlichkeit aber weniger Anlaß zu einem Personen- oder Geniekult geben sollte, weil sein Schaffen  zusammen mit den werktätigen Massen der Befreiung eben dieser aus der kapitalistischen Lohnsklaverei gewidmet war, an deren Spitze  er stand und denen er den Weg der gewaltsamen Emanzipation gegen die kapitalistischen Ausbeuter und imperialistischen Unterdrücker wies. Der Gedanke der gewaltsamen Revolution der Arbeiter und Bauern zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk des Genossen Lenin.

Alle großen Fragen im Leben der Völker werden durch Gewalt gelöst, und gibt es heute eine größere Frage als die Zerschlagung des kapitalistischen Ausbeutersystems ? Auch durch sein theoretisches und praktisch-revolutionäres Wirken ist den fortgeschrittenen arbeitenden Menschen heute bewußter denn je, dass die Kernfrage ihres gesellschaftlichen Daseins nicht mehr lauten kann, ob das kapitalistische Geldsystem zerschlagen werden muss, sondern allein wie dies geschehen soll ? Lenin wies uns darauf hin, dass es primär nicht darauf ankommt, sich mit politischen Einzelpersonen zu beschäftigen, sondern dass es vielmehr gilt, die objektiven Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Warenproduktion zu studieren, in deren Prozesszusammenhängen die verschiedenen gesellschaftlichen Klassen (so und nicht anders) handeln. Schon Marx und Engels hatten im Kommunistischen Manifest den Personenkultlern ins Stammbuch geschrieben: „Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind. Sie sind nur allgemeine Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unseren Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung.“ 1. So sind denn auch die Werke Lenins nur die Widerspiegelung der zu seiner Zeit vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung und er überprüfte immer mit strengstem Maßstab, ob seine Schriften die soziale Wirklichkeit richtig widerspiegeln. Und in der Tat liegt es auf der Hand, dass alle sozialistischen Theoretiker, die in dieser Frage leichtfertig handeln, zum historischen Scheitern verurteilt sind.

An Lenin spalten sich die Geister, während der bewußteste Teil der Lohnsklav/inn/en ihn nicht nur tief in seinem Herzen trägt, sondern auch eifrig studiert, aus seinem Werk Kraft im Klassenkampf gegen die Konterrevolution  und Anleitung zum revolutionären Handeln gegen die Ausbeuter schöpft, hassen diese diesen glühenden Revolutionär, können aber heute nur ohnmächtig konstatieren, dass sowohl seine wissenschaftliche als auch seine praktisch revolutionäre Tätigkeit das Leben aller Völker der Erde tangiert. Er hat Recht behalten mit seiner Vorhersage, daß ALLE (kursiv von Lenin) Länder in einigen sehr wesentlichen Fragen unvermeidlich dasselbe werden durchmachen müssen, was Rußland durchgemacht hat. 2. Auf allen Kontinenten fordern heute die Lohnsklaven, die leibeigenen Bauern ihr Recht, Mensch zu sein. Das öconomische System des Imperialismus, die daraus entspringenden imperialistischen Kriege und die Oktoberrevolution haben das Blatt der Weltgeschichte in gewisser Weise gewendet. Die Mehrheit der Weltbevölkerung, die Völker des Ostens, sind seit Beginn des XX. Jahrhunderts zum politischen Leben erwacht. Ein Aufbruch, den bereits Kautsky 1902 in seinem in der „Iskra“ veröffentlichte Aufsatz „Die Slawen und die Revolution“ („Das revolutionäre Zentrum wandert von West nach Ost“) und 1909 in seinem Werk „Der Weg zur Macht“  richtig erfasste, er datierte das revolutionäre Zeitalter ab 1905. Auf der anderen Seite sehen wir den Niedergang des alten Europas, der Weltbourgeoisie, „…die sich bei der imperialistischen Ausplünderung und Unterdrückung der Mehrheit der Erdbevölkerung überfressen hat.“ 3. Deutschland, einst die Blüte der bürgerlichen Weltkultur (Kant, Fichte, Hegel, Schelling, Goethe, Schiller…) ist heute unter der kulturellen Hegemonie des US-Imperialismus eines der rückständigsten Länder der Welt, statt Aufklärung mediale Massenverdummung, von Kopf bis Fuß nur noch Dekadenz und Panamaskandale ausschwitzend. China, das kämpferische Nepal, Nordkorea, Indien, wo die Naxaliten, (benannt nach dem Dorf Naxalbari in Westbengalen) gegen den Staatsterrorismus kämpfen, sind heute kulturell viel höher entwickelt.( In Lenins  Schrift: „Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx“  kann man diese Entwicklung sehr gut nachlesen.) Ich verweise auf die vorzügliche, Stalin gewidmete Studie des Inders Harpal Brar über den Zusammenbruch der Sowjetunion: Perestrojka Der vollständige Zusammenbruch des Revisionismus (Herausgeber offensiv, Zeitschrift für Sozialismus und Frieden 2002) In dem einst theoretisch so hochstehenden Land der Dichter und Denker sind massenhaft Studien über den Zusammenbruch des sowjetischen Sozialismus erschienen, die zu dem fadenscheinigen Argument der Verschwörungstheorie Zuflucht nahmen, ohne zu beachten, dass der Erklärungsschlüssel in der Ökonomie zu suchen ist, ohne zu bedenken, das schon Friedrich Engels nach dem Scheitern der 48er Revolution es für wenig sinnvoll hielt, die Erfolge der Konterrevolution darin zu suchen, „Herr X oder Bürger Y habe das Volk verraten.“ 4.

Marx und Engels nahmen aktiv nur an einer Revolution teil, der bürgerlich demokratischen Revolution 1848 in Deutschland, und erst ein Jahr (!) nach der Herausgabe der „Neuen Rheinischen Zeitung“ zu Köln, die sie „Organ der Demokratie“ nannten, wandten sich die Kommunisten Marx und Engels der Organisierung einer besonderen Arbeiterpartei zu. „Marx hat erst aus den Erfahrung der demokratischen Revolution, fast ein Jahr nachher, praktisch diese Schlußfolgerung gezogen, so spießig, so kleinbürgerlich war damals die ganze Atmosphäre in Deutschland. Für uns ist diese Schlußfolgerung eine seit langem feststehende, aus der halbhundertjährigen Erfahrung der internationalen Sozialdemokratie gezogene Erkenntnis – eine Erkenntnis, mit der wir BEGONNEN (kursiv von Lenin, H.A.) haben, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Rußlands zu organisieren.“ 5.

Lenin nahm schon aktiv an der bürgerlich demokratischen Revolution 1905 in Rußland teil und zog in ihr die Schlußfolgerung: „Das Proletariat muß die demokratische Umwälzung zu Ende führen, indem es die Masse der Bauernschaft an sich heranzieht, um den Widerstand der Selbstherrschaft mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bourgeoisie zu paralysieren. Das Proletariat muß die sozialistische Umwälzung vollbringen, indem es die Masse der halbproletarischen Elemente der Bevölkerung an sich heranzieht, um den Widerstand der Bourgeoisie mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bauernschaft und der Kleinbourgoisie zu paralysieren.“ 6. (Im Vorbeigehen bemerke ich für „unsere“ deutsche LINKE, daß  hier zweimal das Wort Gewalt vorkommt).

Die Revolution wurde blutig niedergeschlagen und gegen alle Wankelmütigkeit, Verzagtheit (Pornografie statt Politik) und Kapitulationen, Irrationalismus, Gottbildnertum (Lunatscharski), es setzte eine Massenflucht aus der Partei ein, nicht nur von Intellektuellen, sondern auch von Arbeitern – in den finsteren Jahren der Reaktion zeigte sich Lenins ganze Stärke – und er sollte Recht bekommen: die Revolution von 1905 erwies sich als die Generalprobe für die Große Sozialistische Oktoberrevolution, die bis heute insofern der entscheidende Wendepunkt in der Weltgeschichte ist (und deren Genius Lenin war), weil sie den Völkern die Parole der bürgerlichen französischen Revolution FREIHEIT GLEICHHEIT BRÜDERLICHKEIT als historisch einlösbar nur jenseits des Privateigentums an den Produktionsmitteln aufzeigt, während jede bürgerliche Revolution dieses juristisch politisch ideologisch und militant polizeilich festschreibt. Die vom jungen Marx in seiner Schrift „Zur Judenfrage“ herausgearbeitete Differenz  zwischen menschlicher und politischer Revolution hat sich in jeder Arbeiter- und Bauernrevolution zu bewahrheiten. Das Humanistische liegt jenseits des Politischen. Die Oktoberrevolution 1917 fand selbstredend noch in einem politischen Gewand statt, kann aber von ihrem ganzen Ansatz und ihrer ganzen Intention her als die nach der Pariser Kommune zweite menschliche Revolution in der Weltgeschichte bezeichnet werden. „Die Revolution überhaupt, der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politsiche Hülle weg.“ 7.

Bekanntlich bezeichnete Friedrich Engels die primär von Marx entwickelte materialistische Dialektik als „…unser bestes Arbeitsmittel und unsere schärfste Waffe.“ 8. Lenin schärfte diese Waffe, vertiefte die Marx´sche Dialektik, wies besonders in der Schrift „Empiriokritizismus und Materialismus“  nach, dass die neuesten Ergebnisse der Naturwissenschaften die materialistische Dialektik glänzend bestätigten. Er kehrte also keineswegs nur zur Marxdialektik  zurück, wie Bucharin meinte. 9. Dialektisches Denken spiegelt Prozesse der Natur und der Gesellschaft wider als entwicklungsbedingt durch deren inneren Kampf von Gegensätzen unter Einschluß ihrer relativen Einheit (zum Beispiel Wirkung und Gegenwirkung in der Mechanik, Lohnarbeiter/innen gegen Kapitalist/inn/en in der bürgerlichen Gesellschaft). Prozesse bedürfen keinen Anstoß durch eine „höhere Instanz“, sondern sind selbstbewegt durch deren immanente Widersprüchlichkeit. Der Kampf zwischen Altem und Neuem, ohne den Prozesse weder möglich noch denkbar sind, vollzieht sich durch Abbruch der Allmählichkeit, durch Sprünge, dadurch, dass die Gegensätze ineinander umschlagen. Besonders arbeitete Lenin heraus, dass die Anzahl der Seiten dialektischer Erkenntnis ewig zunimmt, also keineswegs durch irgendein absolutes Wissen zum Abschluß kommt, wie Hegel meinte. „Die menschliche Erkenntnis ist nicht (resp. beschreibt nicht) eine gerade Linie, sondern eine Kurve, die sich einer Reihe von Kreisen, einer Spirale UNENDLICH (kursiv/H.A.) annähert.“ 10. Wir müssen in der Frage der Dialektik primär  beachten, dass die Einheit der Gegensätze unbedingt relativ ist, denn natürlich erkennen auch die Revisionisten Gegensätze und deren Kampf an, stellen aber zum Beispiel den Klassenkampf  so dar, dass dieser relativ, die Einheit zwischen den Klassen aber absolut sei (parlamentarische Koalitionen, friedliche Koexistenz, wie sie auch der sozialistische Utopist und Schüler Fouriers, Considérant, in seinem „Demokratischen Manifest“ vertrat, siehe auch den Fehler Bucharins, dass die Kulaken in den Sozialismus hineinwachsen, dargelegt in seiner Schrift: „Der Weg zum Sozialismus“.  Stalin sagte dazu: „Kapitalisten in Stadt und Land, Kulaken und Konzessionäre, die in den Sozialismus hineinwachsen – bis zu einer solchen Dummheit hat sich Bucharin verstiegen.“ (Stalin: Über die rechte Abweichung in der KPdSU, Rede auf dem Plenum  des ZK und der ZKK der KPdSU (B) im April 1929, Stalin Werke Dietz Verlag Berlin, 1954,26). „Die Einheit (Kongruenz, Identität, Wirkungsgleichheit) der Gegensätze ist bedingt, zeitweilig, vergänglich, relativ. Der Kampf der einander ausschließenden Gegensätze ist absolut, wie die Entwicklung, die Bewegung absolut ist.“ 11. Also kommt es im Klassenkampf darauf an, die Kapitalistenklasse, die Bankiers…etc. mit ihren ganzen Anhängseln von Politikern, Juristen und Polizisten, diese perverse, gebildete, arbeitsscheue und  blutsaugende Minderheit am Körper der Völker mit Feuer und Schwert gewaltsam-diktatorisch niederzuhalten.  In diesem letzten Gefecht verlangte Lenin zur Erkenntnis der Klassenkriegslage  alle Seiten, alle Zusammenhänge zu erfassen und zu erforschen. „Wir werden das niemals vollständig erreichen, die Forderung der Allseitigkeit wird uns aber  vor Fehlern und vor Erstarrung bewahren.“ 12.

Wenn Lenin das Streben nach Allseitigkeit in der Erkenntnis gesellschaftlicher Prozesse forderte, so konnte man bei der Marx´schen Analyse des sogenannten klassischen Manchesterkapitalismus nicht stehenbleiben, man mußte neue Entwicklungen im Wirtschaftsleben aufmerksam verfolgen und berücksichtigen, dass bereits der späte Engels Formen des Übergangs von der Konkurrenz zum Monopol entdeckt hatte. Der Kapitalismus ging ab 1900 dialektisch (die Gegensätze schlagen ineinander um: Konkurrenz wird zum Monopol) in sein höheres Stadium, den Imperialismus über. Die von Lenin dargelegte Imperialismusanalyse kommt bis heute der Allseitigkeit der imperialistischen Entwicklung am nächsten, er sprach von einem besonderen historischen Stadium des Kapitalismus. „Diese Besonderheit ist eine dreifache: der Imperialismus ist 1. monopolistischer Kapitalismus; 2. parasitärer Kapitalismus; 3. sterbender Kapitalismus. Die Ablösung der freien Konkurrenz durch das Monopol ist der ökonomische Grundzug, das WESEN (kursiv von Lenin/H.A.) des Imperialismus.“ 13.

Wenn Lenin das Streben nach Allseitigkeit in der Erkenntnis gesellschaftlicher Prozesse forderte, so konnte man bei der von Marx und Engels entwickelten Theorie des internationalen Charakters der proletarischen Revolution nicht stehenbleiben,  man mußte die internationale Entwicklung des Imperialismus aufmerksam verfolgen und neue Widersprüche in den Kräfteverhältnissen berücksichtigen. Lenin entwickelte während des ersten Weltkrieges in polemischer Auseinandersetzung mit dem Pseudointernationalismus Trotzkis die Theorie, daß die Front des Imperialismus auf Grund der Ungleichmäßigkeit der politischen und ökonomischen Entwicklung im Imperialismus sogar in einem einzelnen, kapitalistisch wenig entwickelten Land durchbrochen werden kann unter Fortbestand höherentwickelter kapitalistischer Länder. „Die Entwicklung des Kapitalismus geht höchst ungleichmäßig in den verschiedenen Ländern vor sich. Das kann nicht anders sein bei der Warenproduktion. Daraus die unvermeidliche Schlußfolgerung: Der Sozialismus kann nicht gleichzeitig in ALLEN (kursiv von Lenin/H.A.) Ländern siegen. Er wird zunächst in einem oder einigen Ländern siegen, andere werden für eine gewisse Zeit bürgerlich oder vorbürgerlich bleiben.“ 14.

So hatte aber der Marxismus nach 66 Jahren ein ganz anderes Gesicht bekommen, denn 1845/46, in „Die deutsche Ideologie“ sahen Marx und Engels die proletarische Revolution noch als eine ultrainternationalistische an: „Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden Völker „auf einmal“ und gleichzeitig möglich, was die universelle Entwicklung der Produktivkraft und den mit ihm zusammenhängenden Weltverkehr voraussetzt. “ 15.  1847 verwies Engels in den „Grundsätzen des Kommunismus“ auch noch auf den Weltmarkt und sah eine gleichzeitige Revolution in allen zivilisierten Ländern, „d.h.  wenigstens in England, Amerika, Frankreich und Deutschland“16.  kommen.  1850 sah Marx nach der Analyse der Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, daß nicht das klassische Land der bürgerlichen Revolution der Ausgangspunkt der internationalen proletarischen Revolution sein kann, da das höchstentwickelte kapitalistische Land England sei. “ Sie wird nicht in Frankreich gelöst, sie wird in Frankreich proclamirt. Sie wird nirgendwo gelöst innerhalb der nationalen Wände, der Klassenkrieg innerhalb der französischen Gesellschaft schlägt um in einen Weltkrieg, worin sich die Nationen gegenübertreten. Die Lösung, sie beginnt erst in dem Augenblick, wo durch den Weltkrieg  das Proletariat an die Spitze des Volkes getrieben wird, das den Weltmarkt beherrscht, an die Spitze Englands.“ 17. Diesen Gedanken  hatte Karl Marx 1850 in den „Klassenkämpfen in Frankreich 1848 bis 1851“ entwickelt, es war gerade der Fehler des sich  (zusammen mit Sinowjew) zum bewaffneten Oktoberaufstand attentistisch verhaltenden Kamenews, unter Versteifung auf diese Frankreichschrift von Marx die Aprilthesen Lenins als zu radikal zurückzuweisen. Darüber hinaus sprach er sich sogar für eine Zusammenarbeit mit den Menschewiki aus. 18. Also diesen interessanten verschlungenen Lauf hat die kommunistische Weltbewegung genommen: Von der Weltrevolution  „auf einmal und gleichzeitig“  zum Aufbau des Sozialismus in einem Lande. Marx und Engels erwarteten von der komunistischen Revolution, dass sie  Geschichte in Weltgeschichte verwandele, daß die universelle Entwicklung der Produktivkräfte es ausschließe, dass der Kommunismus nur als eine Lokalität existiere. 19. Dass diese auf dem Gebiet eines Sechstels der Erde geschah, ändert nichts am lokalen Charakter.

Und so weist uns kein anderer als Lenin selbst darauf hin, dass es nicht darauf ankommt, Zitate auswendig zu lernen und Szenen vergangener Klassenkämpfe als Parodie zu kopieren, sondern den aktuellen Klassenkrieg möglichst allseitig  zu anaylsieren, den kapitalistischen Wolf genau und scharf im Auge zu behalten unter Berücksichtigung, dass zum Abschlachten  dieses Blutsaugers die Bewaffnung der Arbeiter und Bauern unbedingt erforderlich ist.  Man kann den Leninismus nicht innerleninistisch weiterentwickeln, sondern man kann ihn nur weiterentwickeln, wenn man die Revolution der Arbeiter und Bauern vorbereitet, und umgekehrt, man kann diese nicht vorbereiten, wenn man nicht den Leninismus weiterentwickelt. 20.

Aus ihren eigenen Eingeweiden schleudert die bürgerliche Gesellschaft fortwährend Augenblicksgötzen auf die politische Bühne, weil sie zur Unterdrückung der Lohnarbeiter eines politischen Überbaus bedarf, in weltgeschichtlicher Hinsicht Eintagsfliegen, im Vergleich zum Giganten Lenin wahre Nullen. Warum ? Man könnte antworten, dass Lenin einen wesentlich höheren Intelligenzquotienten hatte. Und so zutreffend auch diese Feststellung ist, immerhin wurde Lenins Gehirn zwei Jahre nach seinem Tod von dem führenden Gehirnforscher Professor Oskar Vogt nach der zytoarchitektonischen Methode  untersucht und diese Vermutung  wissenschaftlich bestätigt 21., der Kern der Sache ist ein anderer. Lenin lehrte uns, dass sich die Revolutionäre bis zu einem gewissen Grad mit den Massen verschmelzen müssen 22. Mit den Massen bis zu einem gewissen Grad verschmelzen sich auch die bürgerlichen Politikaster regelmäßig vor den Wahlen, um sie nach diesen wie eine Weihnachtsgans auszuschlachten. Die von Lenin inspirierte Oktoberrevolution schlug einen anderen Weg ein: „Die Diktatur des Proletariats und der revolutionären Bauernschaft…ist eine offene Diktatur, eine Diktatur der Massen, die weder des Betrugs in der Innenpolitik noch der Geheimdiplomatie in der Außenpolitik bedarf.“ 23. Deshalb verehren die Massen diesen revolutionären Titanen. Er brachte ihnen eine viel höhere Form des Demokratismus als es der bürgerliche Parlamentarismus je bringen wird. Im Grunde hält dieser die Massen von der Demokratie fern. Das von Lenin ausgearbeitete  Dekret des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees über das Abberufungsrecht von Deputierten (datiert vom 4. Dezember /21.November 1917) beginnt denn auch mit dem Satz: „Jedwede gewählte Körperschaft oder Vertreterversammlung kann als wirklich demokratisch und als wirkliche Vertretung des Willens des Volkes nur dann gelten, wenn das Recht der Wähler, ihre Abgeordneten ABZUBERUFEN (kursiv/H.A.), anerkannt wird und dieses Recht Anwendung findet.“ 24. Die heute unter dem bürgerlichen Parlamentarismus entmündigten Massen können nur frei atmen, wenn sie diesen zerschlagen. Die Augenblicksgötzen, die politischen Eintagsfliegen, die Nullen täuschen sich, wenn sie den Marxismus-Leninismus für vernichtet halten. Den Marxismus-Leninismus kann man nur vernichten, wenn man die Arbeiterklasse vernichtet. Das kann die Bourgeoisie nicht, aber umgekehrt geht es. Das historische Schicksal des Marxismus-Leninismus kann dann auch nicht sein, von einem Klassenfeind vernichtet zu werden, er stirbt mit dem Staat ab.

Von Lenin verfasst worden ist auch die „Deklaration der Rechte des werktätigen und ausgebeuteten Volkes“ (angenommen vom Dritten Gesamtrussischen Sowjetkongress 25. (12.) Januar 1918). Sozialisierung des Grund und Bodens, Arbeiterkontrolle in der Produktion, Übergang aller Banken in das Eigentum des Arbeiter- und Bauernstaates, allgemeine Arbeitspflicht gegen die parasitären Schichten der Gesellschaft – das sind nur einige Stichworte aus der Deklaration, die als Ziel vorgibt, „…die Menschheit den Klauen des Finanzkapitals und des Imperialismus zu entreißen.“ 25. Das  – abgesehen von den fundamentalen Texten der Klassiker –  wohl wichtigste Dokument der Weltgeschichte ist heute in Vergessenheit geraten. In einer vom Kapital beherrschten Gesellschaft kann es auch gar nicht anders sein. Die dem Kapital (ge-) hörigen Massenmedien verbreiten heute stündlich täglich millionenfach die Deklaration der Rechte des parasitären und ausbeuterischen Kapitalistenpacks in Permanenz. Wir Kommunisten müssen diese ersten, hauptsächlich von Lenin und Stalin ausgearbeiteten Dekrete der Sowjetmacht wie einen Augapfel hüten, sie enthalten die Grundlagen für die Errichtung eines Arbeiter- und Bauernstaates. Angesichts der vom Kapital angelegten wildwuchernden Medienlandschaft  ist dies einem Marsch durch einen dichten, noch nie von Menschen durchschrittenen Dschungel vergleichbar, der kontinentale Ausmaße hat.

Für Lenin war entscheidend, daß der Kommunismus den Arbeitermassen als ihr eigenes Anliegen eingehen muß. 26.  Seine Genialität bestand darin, mit einfachen Mitteln, mit dem „Kleingedruckten“ zu arbeiten. Deshalb hielt er die Parteikader an, auf Versammlungen genauestens auf die Kritik gerade der „einfachen“ Arbeiter und Bauern zu achten, aufmerksam auch die lokalen Zeitungen zu studieren, einen regen Briefwechsel mit den Arbeitern und Bauern zu führen, das Netz der bolschewistischen Zeitungen mit ihren Arbeiter- und Bauernkorrespondenten immer engmaschiger zu knüpfen, die Zeitung als kollektiver Organisator, bei Massenveranstaltungen Gespräche zu führen, jedes Flugblatt genau zu analysieren, alle Beschwerden Ernst zu nehmen. „Sehr aufmerksam verhielt sich Lenin zu den Zetteln, die er auf den verschiedenen Versammlungen, Kundgebungen, Konferenzen und Tagungen erhielt. Am 20. März 1921 übersandt er seinem Sekretär eine Menge solcher Zettel und gab ihm den Auftrag: Alles sammeln, nach Themen gliedern, ein Verzeichnis machen, mir zeigen.“ 27. Statt hochtrabender Reden Mitarbeit am Subbotnik, die Jugend muß lernen lernen lernen, aber nicht auf alte Art. „Nur in der gemeinsamen Arbeit mit den Arbeitern und Bauern kann man ein wahrer Kommunist werden.“ 28. Ein einfacher Satz – und doch enthält er die Genialität Lenins. Ein Revolutionär, der nicht von den Massen lernt, ist verloren. Auch Marx lernte mit ihnen im Kampf. 29. Lenin vertraute dem proletarischen Klasseninstinkt im Gegensatz zu den belesenen und „hochgebildeten“, in der Geschichte der Revolution bewanderten Bolschewiki. „Von den Massen lernen, den Sinn ihres Handelns erfassen, die praktische Erfahrung des Kampfes der Massen sorgfältig studieren….In den Tagen der Wendepunkte der Revolution blühte er gleichsam auf, wurde zum Hellseher, erriet die Bewegung der Klassen und die wahrscheinlichen Zickzackwege der Revolution, sah sie ganz klar vor sich. Nicht umsonst heißt es in unseren Parteikreisen, daß „Iljitsch in den Wellen der Revolution zu schwimmen versteht wie der Fisch im Wasser.“ 30. Man sagt, Lenin sei ein pragmatischer Politiker durch und durch gewesen und sein Pragmatismus spiegele sich besonders in der „knochentrockenen“ Schrift: Was tun ? wider. 31. Aber gerade in dieser Schrift wirft er den Bolschewiki selbstkritisch vor, dass sie zu wenig träumen. Ein Revolutionär, der nicht auch träumt, kommt über den alten Weltzustand nicht hinaus. 32.


1. Marx, Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 60. Die Volksmassen machen die Geschichte. „Wenn es also darauf ankommt,…die eigentlich letzten Triebkräfte der Geschichte auszumachen, so kann es sich nicht so sehr um die Beweggründe bei einzelnen, wenn auch noch so hervorragenden Menschen handeln, als um diejenigen, welche große Massen, ganze Völker, und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen in Bewegung setzen.“ (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, 298).

2. Lenin, Der „linke Radiakalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,572

3.Lenin, Zum Zehnjährigen Jubiläum der Prawda, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971, 734. Schopenhauer hat die Hinwendung zum Osten philosophisch vorgeahnt, aber natürlich mit Spinnereien (Upanischaden…etc). Carl Schmitt wiederum deutet die revolutionäre Entkernung Europas, geht man von Engels Schwerpunktlegung: „England Frankreich Deutschland“ in den Grundsätzen des Kommunismus von 1847 aus, so kann man diesen Ausdruck getrost in Anwendung bringen, aus militärischer Sicht an Hand der nach seiner Auffassung das 20. Jahrhundert prägenden und von Lenin totalisierten neuen Gestalt des Weltgeistes, den Partisanen, aus. „Das Bündnis der Philosohie mit dem Partisanen, das Lenin geschlossen hat, entfesselte unerwartete neue , explosive Kräfte. Es bewirkte nicht weniger als die Sprengung der ganzen europa-zentrischen Welt, die Napoleon zu retten und die der Wiener Kongreß zu restaurieren gehofft hatte.“ (Carl Schmitt, Thorie des Partisanen, Duncker & Humblot Verlag Berlin, 2006,57). Der Kardinalfehler Carl Schmitts, der seiner Lenindarstellung zu Grunde liegt, ist offenbar: Lenin deutet gesellschaftliche Phänomene nie von der Philosophie, sondern immer von der Ökonomie aus, der wissenschaftlichen Disziplin, in der der Schlüssel zum Verständnis  gesellschaftlicher Entwicklungen liegt. Ebenso unsinnig ist die Unterstellung, Lenin hätte ein Bündnis Hegelischer Geschichtsphilosophie mit entfesselten Massenkräften zustande gebracht. (a.a.O.,58) Mit solchen schwachen Kräften ist Lenin nicht ins Feld  der Weltrevolution gezogen, denn die Hegelsche Geschichtsphilosophie gab nach seiner Beurteilung der Menschheit „sehr,sehr wenig…Hier ist Hegel am meisten veraltet und antiquiert.“ (Lenin, Konspekt von Hegels „Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte“, in: Lenin, Über Hegelsche Dialektik, Ausgewählte Texte, Reclam Verlag Leipzig, 1968,228). Er führt hier die Linie der Hegelkritik aus der Deutschen Ideologie von Marx und Engels fort: „Die Hegelsche Geschichtsphilosophie ist die letzte, auf ihren „reinsten Ausdruck“ gebrachte Konsequenz dieser Gesamten Deutschen Geschichtsschreibung…(der) Hirngespinste.“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,39f.) Carl Schmitt ist nicht allein mit seiner Philosophielastigkeit, es ist überhaupt ein Grundübel, den Marxismus immer wieder mit Philosophie zu revisionieren. „Die selbständige Philosophie verliert mit der Darstellung der Wirklichkeit ihr Existenzmedium.“ (Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,27). Das ist das Todesurteil  nicht nur der klassischen deutschen idealistischen Philosophie. Sowohl für den kleinen als auch für den großen Krieg kann man deshalb zum Beispiel heute nicht mehr bei den für Schmitt vorbildlichen  Clausewitz in die Schule gehen, wie dies offensichtlich Kapitän zur See Professor Dr. Wolfgang Scheler tut, der in seinem Aufsatz „Clausewitz und das militärtheoretische Denken in der DDR“ bei Clausewitz die Verbindung von Erfahrung und Philosophie für das wissenschaftliche Denken als befruchtend deutet. (siehe: google: Scheler Clausewitz DDR).

4.Friedrich Engels, Revolution und Konterrevolution in Deutschland, in: Ausgewählte Werke in 6 Bänden, Band II, Dietz Verlag Berlin, 184

5.Lenin: Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution, Lenin Werke Band 9,128f.

6.a.a.O.,90

7.Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1,409. Ähnlich wie mit der Politik verhält es sich auch mit der Gewaltfrage. Zur Zerschlagung des kapitalistischen Systems ist unbedingt Gewalt erforderlich, wo aber der Sozialismus seine aufbauende Tätigkeit beginnt, da beinhaltet die Diktatur des Proletariats nicht hauptsächlich Gewalt, sondern stellt einen „höheren Typus der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit“ dar. (Vergleiche: Lenin, Die große Initiative, Leinin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,529).

8.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, Dietz Verlag Berin 1975,293

9.Siehe: M. Mitin, Ergebnisse der philosophischen Diskussion,in: Wilhelm Goerdt: Die Sowjetphilosophie Wendigkeit und Bestimmtheit, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1967,258

10. Lenin, Über Hegelsche Dialektik, Zur Frage der Dialektik, Reclam Leipzig 1986,46. Hegel hingegen gestaltet in seiner „Logik“ das Denkbild: die sich als Kreis erreicht habende Linie.

11.a.a.O.,44. „Die Erkenntnis, dass diese Gegensätze und Unterschiede in der Natur  zwar vorkommen, aber nur mit relativer Gültigkeit, dass dagegen jene ihre vorgestellte Starrheit und absolute Gültigkeit erst durch unsre Reflexion in die Natur hineingetragen ist – diese Erkenntnis macht den Kernpunkt der dialektischen Auffassung der Natur aus. “ (Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels, Ausgewählte Werke, Band V, Dietz Verlag Berlin, 1972, 20) Und auf dem Gebiet der Geschichte sagt  Friedrich Engels, dass zum Beispiel  der Staat das Eingeständnis ist, dass diese Gesellschaft sich in UNVERSÖHNLICHE (kursiv/H.A.) Gegensätze gespalten hat. In seiner Schrift „Staat und Revolution“ stellte Lenin heraus, dass es besonders kleinbürgerliche Ideologen philiströs dazu treibt, den Staat als Organ der Klassenversöhnung darzustellen. In der historisch politischen Praxis haben das die Sozialrevolutionäre und Menschewiki „mit einem Schlag“ gezeigt. In der Theorie ist Kautsky geschickter vorgegangen: aus der anerkannten Unversöhlichkeit der Klassen wird nicht die Schlußfolgerung gezogen, auf die Notwendigkeit der Vernichtung des Staatsapparates hinzuwirken. (Vergleiche: Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1960, 399f.).

12.Lenin, Noch einmal über die Gewerkschaften, die gegenwärtige Lage und die Fehler Trotzkis und Bucharins, LW 32, Dietz Verlag Berlin, 1961,85

13. Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, LW 23, Dietz Verlag Berlin, 1978,102

14. Lenin; Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, LW 23, Dietz Verlag Berlin 1957,74. Was also Hans Kalt in seinem Buch: „In Stalins langem Schatten Zur Geschichte der Sowjetunion und zum Scheitern des sowjetischen Modells“ als eine Erkenntnis aus dem Zusammenbruch des Sowjetsystems entwickelt, die dazu zwingt, „…die Vorstellungen von einer Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus neu zu überdenken. Diese wird wahrscheinlich nicht als eine , schließlich die ganze Welt erfassende revolutionäre Welle erfolgen.“ (Hans Kalt, In Stalins langem Schatten, Papy Rossa Verlag, Köln, 2010, 255. I, Kapitel: Wo Marx irrte), ist von Lenin im Grunde schon vor seinem Entstehen dargelegt worden.

15. Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974, 226.

16. Friedrich Engels, Grundsätze des Kommunismus, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1976,349

17.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,182

18: Siehe: Jürg Ulrich: Kamenew: Der gemäßigte Bolschewik Das kollektive Denken im Umfeld Lenins,  VSA Verlag Hamburg 2006, 96f.

19. Vergleiche  Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,226

20. Lenin ist deshalb mehr als nur ein Ratgeber, der uns in allen künftigen Klassenkämpfen begleitet. (Siehe: Prof. Dr. Götz Dieckmann: Lenin – Fanal, nicht Ikone, Rotfuchs 13. Jg. , Nr. 147, April 2010,3) Wir dürfen an Lenin nicht so herantreten wie, sagen wir, bürgerliche Offiziere an Clausewitz herantreten, als Ratgeber in allen Kriegslagen. Wir müssen den Leninismus an Hand der real vor sich gehenden Klassenkämpfe überprüfen, so wie Lenin die Werke von Marx und Engels einer ständigen Überprüfung an den realen Klassenkämpfen unterwarf und diese Werke auch korrigierend weiterentwickelte. Ganz im Sinne von Karl Marx, der das menschliche Denken der Kritik unterworfen und an der Arbeiterbewegung überprüft hatte. (Vergleiche Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,670) Insbesondere sind heute die ökonomischen Fehlentwicklungen der sowjetischen Wirtschaft zu analysieren, zum Beispiel, dass entegen der Warnung Stalins durch die Auflösung der Maschinen-Traktor-Stationen ungeheure Mengen von Produktionsinstrumenten der Landwirtschaft in die Bahn der Warenzirkulation geworfen, die Warenzirkulation schließlich Überhand nahm.  (Siehe Harpal Brar:  Perestrojka Der vollständige Zusammenbruch des Revisionismus (Herausgeber offensiv, Zeitschrift für Sozialismus und Frieden 2002, 212ff.) und Heinz Ahlreip, Aufstieg und Fall der Sowjetunion, Über den wissenschaftlichen Charakter des Marxismus, Eigenverlag, 48 ff.)

21. Siehe Dokument Nr. 18: Das Gehirn W.I. Lenins, in: Jochen Richter: Rasse, Elite, Pathos. Eine Chronik zur medizinischen Biographie Lenins und zur Geschichte der Elitegehirnforschung in Dokumenten, Centaurus Verlag Herbolzheim 2000, 187 f. Lenin hatte einen überragenden, nicht nur marxistischen Wissensschatz, aber auch sein Wissen konnte natürlich nicht allseitig sein. Eine kleine Anmerkung: 1919 lehrte er uns, dass man zum Sieg über den Kapitalismus „Hunderte und Tausende neuer Methoden, Verfahren, Kampfmittel“ ausprobieren müsse, um die geeignetsten zu finden, so wie ein japanischer Gelehrter im Kampf gegen die Syphilis 605 Präparate ausprobierte und erst das 606. (Salvarsan) den Durchbruch brachte. (Vergleiche: Lenin, Die große Initiative, in: Lenin, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,535). Diese medizinische Glanztat vollbrachte aber kein japanischer Gelehrter, sondern der deutsche Arzt Paul Ehrlich. Man kann daraus ersehen, dass weder die bei konservativen Ideologen beliebte Kriminalisierung von Revolutionären, sie seien verschwörerische Drahtzieher im Hintergrund von Revolutionen, noch ihre Verzerrung ins Übermenschliche, zwei Kehrseiten einer Medaille sind: Lenin war ein außergewöhnlicher Mensch, aber immer doch ein Mensch.

22. Vergleiche Lenin, Der Linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Progress Verlag Moskau, 1971,567

23.J.W.Stalin, Die Regierung der bürgerlichen Diktatur, in: Stalin Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin 1951, 291

24. W.I. Lenin, Die ersten Dekrete der Sowjetmacht, Ausgabe zur Lenin-Hundertjahrfeier, herausgegeben von Juri Achapkin, Berlin Verlag 1970,46

25.a.a.O.,89

26. Lenin, Rede auf der Gesamtrussischen Konferenz der Ausschüsse für politisch-kulturelle Aufklärung bei den Gouvernements- und Kreisabteilungen für Volksbildung 3. November 1920, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971, 693

27. B.Jakowlew, Lenin über die operative Beweglichkeit in der organisatorischen Arbeit, in: M. Glasser, A. primakowski, B. Jakowlew: Studieren Propagieren Organisieren, Drei Texte zu den Arbeitsmethoden von Marx, Engels, Lenin uns Stalin, Verlag Olga Benarioa und Herbert Baum, 156

28. Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1917,681

29. Vergleiche Lenin, Vorwort zur russischen Übersetzung der Briefe von K. Marx an L. Kugelmann, Lenin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin, 1959, 103

30. Stalin, Über Lenin, Stalin Werke Band 6, Dietz Verlag Berlin 1952, 54 f. Wenn ich schrieb, seine Genialität bestand darin, mit einfachen Mitteln, mit dem Kleingedruckten zu arbeiten, so macht dies doch nur die halbe Genialität Lenins aus. Lenin wäre wohl ein herausragender Politiker gewesen, wenn nicht noch eine andere Komponente der Genialität hinzukäme. Man könnte sagen, eine „klassische“ Komponente, wie sie der englische Dichter Edward Young prägte (die bestimmend wurde für den Geniebegriff der Klassik in der Literatur, siehe auch: Jochen Schmidt, Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750 – 1945, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1985): „Regeln sind wie Krücken, eine notwendige Hilfe für den Lahmen, aber ein Hindernis für den Gesunden. Ein Homer wirft sie von sich.“ (H.A. und E. Frenzel: Daten deutscher Dichtung, dtv 1969, Bd. II, 202 f.) Plechanow hatte so Unrecht nicht, als er die Aprilthesen eine „Fieberphantasie“ nannte, mit der er alles aufs Spiel setzte und als sich wenige Tage nach der Oktoberrevolution der Oberbefehlshaber der russischen Vierzehnmillionenarmee General Duchonin weigerte, einen Befehl des Rates der Volkskommissare auszuführen (unverzüglich Waffenstillstandsverhandlungen mit den Deutschen aufzunehmen), setzte Lenin in einem Sonderbefehl über die Köpfe des Kommandeurskorps Duchonin ab und an seine Stelle den blutjungen Matrosen Krylenko ein und richtete einen Aufruf an die Soldaten, die Generale zu verhaften. „Es war ein Sprung ins Ungewisse. Aber Lenin fürchtete diesen Sprung nicht…“ (J.W. Stalin, Über Lenin, Stalin Werke Band 6,Dietz Verlag Berlin 1952,57) In diese Richtung geht auch Stalins Äußerung in seinem Referat vom 1. November 1926; „Über die Gefahr der sozialdemokratischen Abweichung in unserer Partei“: „Engels würde sich, wenn er noch lebte, nicht an die alte Formel (alte Formel aus den Grundsätzen des Kommunismus von 1847: es kann keinen Sozialismus in einem Lamd geben/H.A,) klammern, sondern er würde im Gegenteil unsere Revolution aus vollem Herzen begrüßen und sagen: „Zum Teufel mit allen alten Formeln, es lebe die siegreiche Revolution in der UdSSR.“ (J.W. Stalin, Werke Band 8, Dietz Verlag Berlin 1952, 271)

31. In seiner Schrift: Der „linke Radikalismus“, die Kinderkranheit im Kommunismus“ kritisiert Lenin die linken Kommunisten Englands wegen ihrer mangelhaften Parlamentarismuskritik, läßt aber die Beantwortung der Frage, ob sich die Kommunisten der Arbeiterpartei anschließen sollen offen, da er zuwenig Material über diese Frage habe. (Vergleiche Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,624) Daohne ist alles Schwafelei. Das unterscheidet den Wissenschaftler vom Politikaster.

32. Träumen im Sinne von Pissarew (Fehlschlüsse eines unreifen Gedankens, Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Band II).

Heinz Ahlreip
22.4.2010

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Die Leninsche Weiterentwicklung der Marx`schen Theorie der internationalen proletarischen Revolution Trotzkis Irrtümer

12. April 2010

„Die gesamten theoretischen Werke des Genossen Stalin sind ein flammender Beweis für seine Treue zu dem genialen Lehrer, dem großen Lenin und des Leninismus. Stalin kämpfte für die Rechte der Arbeiterklasse und der Werktätigen in der ganzen Welt, er kämpfte mit großer Folgerichtigkeit bis zuletzt für die Freiheit der Völker…“ 1. REVOLUTION UND KONTERREVOLUTION IN RUSSLAND Die russische Geschichte weist zwei entscheidende Wendepunkte im XX. Jahrhundert auf, an denen sich die Richtung der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung entschied: a) Im Oktober 1917 wurde durch die Zerschlagung der kapitalistischen Ausbeuterordnung die Grundlage für die ökonomische Emanzipation der Arbeit gelegt und das Erbe der Pariser Kommunarden eingelöst. Einschneidend despotisch griff man in die alten Eigentumsverhältnisse ein und stellte die Großproduktion unter die Kontrolle der Arbeiter. Zum ersten Jahrestag der Revolution führte Lenin unter anderem aus, dass „der erste grundlegende Schritt, der nicht nur für jede sozialistische, sondern für jede Arbeiterregierung obgligatorisch ist…die Arbeiterkontrolle“ 2. sein müßte. Die Oktoberrevolution, die zunächst eine Befreiung der russischen Arbeiter, eine Befriedigung des bäuerlichen Landhungers und die Sehnsucht der russischen Massen nach Frieden brachte, konnte aber nicht unter rein nationalen Aspekten gesehen werden. Sie war eine proletarische Revolution, und nur der Form nach national 3., ihr Inhalt wies über die nationalen Schranken hinaus – sie mußte nach eigenem Selbstverständnis die Ouvertüre für eine internationale Revolution sein,und, falls diese sich hinauszögert, die Basis oder Stütze für die Befreiung der Werktätigen aller Länder aufbauen. Noch im Vorwort zur ersten Auflage von „Staat und Revolution“ ging Lenin im August 1917 davon aus, dass die russische Revolution nur „ein Glied in der Kette der sozialistischen proletarischen Revolutionen“ 4. ist. Deren Ausbleiben durch die Stabilisierung des Kapitalismus im Westen führte zum Kampf um den Aufbau des Sozialismus in einem Lande. In der theoretischen Aufarbeitung der Thematik in der bürgerlichen und revisionistischen Literatur wird- abgesehen von der trivalen Thorie der persönlichen Rivalität um die Kremlmacht zwischen Stalin und Trotzki – die ideologische Auseinandersetzung in den Jahren zwischen 1924 (im Dezember soll nach einer Aussage Trotzkis auf der XV. Parteikonferenz Stalin zum ersten Mal „seine“ Theorie des Aufbaus in einem Lande aufgestellt haben) und 1929 (Exilierung des Volksfeindes Trotzki) weitgehend gesehen als ein Kampf zwischen rechtem Nationalkommunismus, den angeblich Stalin vertreten haben soll, der die proletarische Weltrevolution bremste, und linkem Internationalismus, der den Schwung der Oktoberrevolution mit allen Kräften auch in die westlichen Industrieländer „exportieren“ wollte, was allein die Entartung der russischen Revolution (sprich: Stalinismus oder stalinistischer Thermidor) verhindert hätte. Dabei wird die schlichte Tatsache übersehen, dass die Thorie des Sozialismus in einem Lande keine Erfindung Stalins ist, sondern eine von Lenin 1915 ausgearbeitete Theorie, von Lenin, der Trotzkis Theorie der permanenten Revolution originell und absurd nannte. (10 Jahre früher, während der Revolution von 1905, hatte  Lenin in der Schrift: Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution noch den wechselseitigen Zusammenhang zwischen russischer und westlicher Revolution betont). Dabei wird weiterhin nicht beachtet, dass es gerade Stalin war, der in seinen Artikeln , Aufsätzen und Reden nachwies, dass Trotzkis Theorie der permanenten Revolution nicht nur nicht mit dem Leninismus vereinbar ist, sondern gerade die Revolutionierung des Weltproletariats untergräbt und den Aufbau des Sozialimus in Russland ohnehin bei Weiterexistenz eines konservativen Europas für ausgeschlossen hält. Der Trotzkismus galt mithin zunächst als eine Abart des Menschewismus, später, ab 1936, nachdem die Stalinsche Linie, die Linie der Volksmassen sich durchgesetzt hatte und der sozialistsiche Aufbau gesichert war, wurde eine Zusammenarbeit der Trotzkisten mit Himmlers Gestapo regisitriert, um den Kapitalismus in Russland zu restaurieren und das Territorium der SU zu zerstückeln. So wurde der faschistisch-terroristische Charakter der Trotzkisten in den Moskauer Prozessen aufgedeckt, in denen Sinowjew den Trotzkismus selbst als eine „Abart des Faschismus“5. bezeichnete. Manche zarten Intellektuellen halten sich angesichts der auch blutig ausgetragenen Klassenkämpfe in der Sowjetunion das Schnupftuch vor Augen, es werden nun aber mal alle großen Fragen in der Geschichte der Völker mit Gewalt gelöst und hatte nicht schon Marx in den „Klassenkämpfen in Frankreich 1848 bis 1850“ das jetzige Geschlecht zum Untergang verdammt, „…um den Menschen Platz zu machen, die einer neuen Welt gewachsen sind.“ 6. Diese Überlegung scheint mir wichtiger zu sein als diffuses, mit Nullen wucherndes statistisches Material über sogenannte Terroropfer. b) Eine Wende in der russischen Politik brachte der XX. Parteitag der KPdSU 1956, in dessen Folge  wesentliche Errungeschaften des Sozialismus zerstört wurden, die sogenannte Entstalinisierung oder auch Kampf gegen den Personenkult genannte Politik zerschlug die revolutionäre Justiz und amnestierte zahlreiche unter Stalin verurteilte Volksfeinde (u.a. Solschenyzin, Sohn des fünftgrößten Großgrundbesitzers vor 1917). Immer mehr wurde die Diktatur des Proletariats abgebaut und ein „Staat des Volkes“ errichtet, wie er auch verfassungsmäßig festgeschrieben wurde. Ebensogut hätte man den ganzen Rousseau abschreiben können. 7. DER MARXISMUS IST KEIN DOGMA, SONDERN EINE ANLEITUNG ZUM HANDELN „Engels würde unsere Revolution aus vollem Herzen begrüßen und sagen: Zum Teufel mit allen alten Formeln, es lebe die siegreiche Revolution in der UdSSR“ (Beifall) 8. Wenn man die Geschichte als ein Spiel des Geistes mit sich selbst auffasst oder als eine wirre Begebenheit menschlicher Handlungen tragischkomischer Art, eine Betrachtungsweise, die Hegel der abstrakten Verstandesreflexion zuschreibt, ohne wissenschaftlich klar zu analysierende Entwicklungslinien in den Produktionsumwälzungen, so kann man nach vergeblichen Grübeleien der Auffassung verfallen, sie schlage zuweilen Kapriolen, witzige Streiche gegen Absichten und Zwecke, die sich die Menschen in ihr setzen, denn das Resultat eines Prozesses stellt alles auf den Kopf und bringt das Gegenteil dessen hervor, was am Anfang erwartungsvoll in Angriff genommen wurde. In den „Grundsätzen des Kommunismus“ von 1847 streicht Engels eindeutig den internationalen Charakter einer proletarischen Revolution heraus. Katechistisch wird dort die Frage aufgeworfen, ob die Revolution in einem einzigen Lande allein vor sich gehen könne ? „Nein. Die große Industrie hat schon dadurch, dass sie den Weltmarkt geschaffen hat, alle Völker der Erde, und namentlich die zivilisierten in eine solche Verbindung miteinander gebracht, dass jedes einzelne Volk davon abhängig ist, was bei einem anderen geschieht. Sie hat ferner in allen zivilisierten Ländern die gesellschaftliche Entwicklung so weit gleichgemacht, dass in allen diesen Ländern Bourgeois und Proletariat die beiden entscheidenden Klassen der Gesellschaft, der Kampf zwischen beiden der Hauptkampf des Tages geworden. Die kommunistische Revolution wird daher keine bloß nationale, sie wird eine in allen zivilisierten Ländern, d.h. wenigstens in England, Amerika, Frankreich und Deutschland gleichzeitig vor sich gehende Revolution sein…Sie ist eine universelle Revolution und wird daher auch ein universelles Terrain haben.“ 9. Am 3. November 1926 hält Stalin in Russland sein berühmtes Schlußwort zu dem Referat „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“, in dem er verkündet, dass bereits 9/10 des von Engels in den oben erwähnten Grundsätzen aufgestellten Programms der proletarischen Revolution erfüllt seien. Obwohl also die russische Revolution in nationaler Isoliertheit ablaufen musste, wurde dennoch das für eine internationale proletarische Revolution aufgestellte Programm zu 9/10 erfüllt, darunter: Expropriationen, Progressivsteuern, Konfiskationen (Stalin:“Sie wissen, daß wir bereits genug und übergenug konfisziert haben, so daß man gar nicht weiter gehen kann“ 10.), gleicher Arbeitszwang, Zentralisation von Kredit und Transportwesen usf. Es müßte demnach also geklärt werden, welche neuen historischen Fakten, welche neuen Entwicklungen des Weltkapitalismus zwischen 1847 und 1917 aufgetreten sind, die der Schlußfolgerung, der Aufbau des Sozialismus sei auch in einem einzigen Lande möglich, eine Berechtigung gibt, so dass es keinen Zweck hat, sich an dem Engels-Zitat festzulesen, wei dies die sozialdemokratischen Klammeraffen 11. taten, um den Bolschewiki einen baldigen Untergang ihrer Revolution ins Ohr zu raunen. Nicht weit von dieser sozialdemokratischen Position ist Trotzki entfernt, der schon den Todesvogel rufen hörte, als Folgerevolutionen im fortgeschritteneren Westeuraopa nach 1917 ausblieben. Man darf aber nicht sklavisch an den Buchstaben des Marxismus kleben und sie wiederkäuen, auswendig lernen heißt nicht inwendig wissen, sondern muss sein Wesen begreifen. Lenin erkannte die neuen Möglichkeiten der proletarischen Revolution unter den Entwicklungsbedingungen des monopolistischen Kapitalismus, Entwicklungsbedingungen, die die Theoretiker zur Zeit des vormonopolistischen Kapitalismus noch nicht erkennen konnten. Zwischen dem theoretischen Wirken von Marx und Engels einerseits und Lenin liegen Jahre, in denen der Kapitalismus seinen Charakter grundlegend änderte. Deshalb ist der Leninismus auch der Marxismus in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution, der Theorie und Taktik der Diktatur des Proletariats im besonderen.“ 12. „Von diesem Weg abweichen, heißt in den Sumpf des Opportunismus geraten. Von diesem Weg abgleiten heißt in das Schlepptau der Sozialdemokratie geraten…“ 13. DIE PERIODE DES VORMONOPOLISTISCHEN KAPITALISMUS In dieser Periode, die durch die technisch-industrielle Revolution einen immensen Aufschwung erfuhr, befand sich der Kapitalismus in aufsteigender Linie, dieser alte Kapitalismus war in gewisser Weise „kulturell“ und „progressiv“, es war nach der Guillotinierung Robespierres eine Periode der friedlichen allmählichen Entwicklung des Kapitalismus, die „Bourgeoisorgie“ 14., deren politischen Vertreter den Freihandel und die freie Konkurrenz proklamierten. DIE PERIODE DES IMPERIALISMUS, DER EIN KAPITALISMUS IN ABSTEIGENDER LINIE IST Diese Periode ist dadurch charakterisiert, dass gewaltige monopolistische Kapitalistenverbände die freie Konkurrenz verdrängen, die Anarchie der Produktion einer planmäßigen kapitalistischen Organisation der Arbeit weicht unter umfassender Vergesellschaftung der Arbeit, bei der Tendenz zur politischen Reaktion, dass der Warenexport abglöst wird durch Kapitalexport, dass das „progressive“ Kapital durch das in sich immer mehr verwesende Finanzkapital ersetzt wird, dass eine dynamische Sprunghaftigkeit die bisherige friedliche-gradatime Entwicklung abbricht, die unter den alten Kapitalisten bereits aufgeteilte Welt, die keinen weißen Fleck mehr hatte, jeder Mensch und jeder Bodenschatz bereits vermarktet war, neu verteilt werden mußte, so daß in der imperialistischen Phase militärische Zusammenstöße zwischen den hochentwickelten kapitalistischen Ländern unvermeidbar sind, weil das Kapital seine Kolonien nicht mehr ungehindert von anderen imperialistischen Räubern ausdehnen kann. Diese Produktionsweise treibt durch ihre eigene Entwicklung dem Punkt zu, wo sie sich selbst unmöglich macht, schrieb bereits Friedrich Engels im Anti-Dühring.(15.) LENINS LEHRE VON DER UNGLEICHMÄSSIGKEIT DER POLITISCHEN UND ÖKONOMISCHEN ENTWICKLUNG DES KAPITALISMUS Lenin entdeckte dieses Gesetz vor allem während des Studiums des ersten imperilaistischen Krieges, der zum erstenmal praktisch die Frage der Neuaufteilung der Welt aufwarf. Während Marx England noch als das Land bezeichnete, in dem stets der ursprüngliche Prozess stattfindet, den aber alle durchlaufen müssen (de te fabula narratur…) 16., findet unter den Bedingungen des Imperialismus eine blutige Konkurrenz unter den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern statt, wobei einige überholt werden und die wirtschaftlich Zurückgebliebenen ein ganz berechtigtes Streben haben, die alte Stellung wieder zu erlangen. „So war es zum Beispiel mit Deutschland, das vor einem halben Jahrhundert im Vergleich zu Frankreich und England ein zurückgebliebenes Land war. Dasselbe gilt von Japan im Vergleich zu Russland. Es ist jedoch bekannt, dass schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Deutschland und Japan einen so weiten Vorsprung hatten, dass es ersterem gelungen war, Frankreich zu überholen, es begann England auf dem Weltmarkt zu bedrängen, Japan gelang das gleiche gegenüber Russland. Aus diesen Widersprüchen entstand auch bekanntlich der jüngste imperialistische Krieg.“ 17. Lenin ging bei der Erarbeitung dieses Gesetzes von folgenden historischen Tatsachen aus: 1.Der klassische Kapitalismus ist zu einem Weltsystem universeller Repression geworden. Die große Mehrheit der Weltbevölkerung wird von einer Handvoll bis an die Zähne bewaffneter Räuber ausgeplündert. 2.Diese Räuber müssen die Beute neu aufteilen und reißen alle Länder in ihre blutig-imperialistische Weltspur. 3.Die Widersprüche des imperialistischen Weltsystems machen die Weltfront des Imperialismus leicht verwundbar. Die Front kann in einzelnen Ländern durchbrochen werden. 4.Der Durchbruch dürfte am schwächsten Kettenglied des Imperialismus erfolgen. 5. „Infolgedessen ist ein Sieg des Sozialismus in einem einzelnen Lande, selbst wenn dieses Land kapitalistisch weniger entwickelt ist, unter Fortbestand des Kapitalismus in den anderen Ländern, selbst wenn diese Länder kapitalistischer entwickelter sind, durchaus möglich und wahrscheinlich.“ 18. UNGLEICHMÄSSIGKEIT DER POLITISCHEN UND ÖCONOMISCHEN ENTWICKLUNG BEI GLEICHZEITIGER NIVELLIERUNG DES ENTWICKLUNGSNIVEAUS Die Ungleichmäßigkeit der politischen und ökonomischen Entwicklung darf nicht mit der gleichzeitig stattfindenden Angleichung des Entwicklungsniveaus der entwickelten kapitalistischen Länder verwechselt werden. Obwohl der Unterschied im Entwicklungsniveau der wirtschaftlichen Lage der verschiedenen kapitalistischen Länder immer mehr schrumpft, nimmt die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus zu. Früher waren die Differenzen im Niveau der Wirtschaftslage größer, England zum Beispiel war allen kontinentalen Ländern weit voraus, es war der „Demiurg des bürgerlichen Kosmos“ 19. Im XX. Jahrhundert haben diese Länder aber mächtig aufgeholt, England teilweise überflügelt. Dennoch darf man nicht folgern, dass die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung vor 1900 größer war als unter dem Imperialismus. „Von einer solchen Verwechslung ausgehend, kam die Opposition damals zu dem völlig falschen Schluß, dass die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung früher größer war als unter dem Imperialismus. Gerade deshalb hat Trotzki auf der XV. Parteikonferenz gesagt, dass diese Ungleichmäßigkeit im 19. Jahrhundert größer war als im 20. Jahrhundert (Siehe die Rede Trotzkis auf der XV. Parteikonferenz der KPdSU (B)). Dasselbe erklärte damals auch Sinowjew mit seiner Behauptung: „…es stimmt nicht, daß die Ungleichmäßigkeit der kapitalistischen Entwicklung zu Beginn der imperialistischen Epoche geringer war.“ (siehe die Rede Sinowjews auf der XV. Parteikonferenz der KPdSU (B).“ 20. a) Verschärft sich die Wirksamkeit des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit in der Periode des Imperialismus oder schwächt sie sich ab ? „Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker vrschwinden mehr und mehr schon in der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse.“ 21. Das Entwicklungsniveau der kapitalistischen Länder nivelliert sich immer weiter, aber dies widerspricht dennoch nicht der Verschärfung der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus, sondern die Nivellierung ist geradezu die Bedingung für die Verschärfung der ungleichen Entwicklung. „Im Gegenteil, die Nivellierung ist der Hintergrund und die Basis, auf der die gesteigerte Wirksamkeit der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperilaismus möglich ist. Nur Menschen, die das ökonomische Wesen des Imperialismus nicht verstehen, wie zum Beispiel unsere Oppositionellen, können die Nivellierung dem Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus entgegenstellen. Gerade deshalb, weil die zurückgebliebenen Länder ihre Entwicklung beschleunigen und sich mit den fortgeschrittenen Ländern nivellieren – gerade deshalb verschärft sich der Kampf um die Überholung der einen Länder durch die anderen, gerade deshalb entsteht für die einen Länder die Möglichkeit, die anderen Länder zu überholen und aus den Märkten zu verdrängen…“22. Unter imperialistischen Bedingungen erfolgt die Verdrängung eines Landes vom Weltmarkt durch einen Konkurrenten nicht mehr auf dem Evolutionswege und ohne Sprünge, wie Marx es noch kannte, sondern durch kriegerische Zusammenstöße im Weltmaßstab, so daß es zu keinem kautskyschen Ultraimperialismus kommen kann. Aus dem Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder leitete Lenin 1915 die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern direkt ab: „Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt (von mir hervorgehoben – J. Stalin), daß der Sieg des Sozialismus unrsprünglich in wenigen oder selbst in einem einzeln genommenen kapitalistischen Lande möglich ist.“23. LENINS THEORIE DES AUFBAUS DES SOZIALISMUS IN EINEM LANDE „Man muß anerkennen, Genossen, daß gerade Lenin und kein anderer es war, der die Wahrheit entdeckte, daß der Sieg des Sozialismus in einem Lande möglich ist. Man darf Lenin nicht absprechen, was ihm zu Recht gebührt…“ 24. Lenin war von allen Marxisten seiner Zeit die tiefgründigste Analyse des Imperialismus gelungen. Die sich dadurch ergebenden Erkenntnisse wertete er positiv für die proletarische Revolution aus und warf die Frage der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande unter anderem auch durch eine Auseinandersetzung mit Trotzki auf, der den Proletariern die Losung „Vereinigte Staaten der Welt“ – entsprechend dem im Manifest ausgedruckten Satz: „Vereinigte Aktion, wenigstens der zivilisierten Länder ist eine der ersten Bedingungen der proletarischen Befreiung.“ 25. – empfehlen wollte. Über diese Losung schrieb Lenin 1915: „Als selbständige Losung wäre jedoch die Losung „Vereinigte Staaten der Welt“ kaum richtig, denn erstens fällt sie mit dem Sozialismus zusammen, zweitens könnte sie die falsche Auffassung von der Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande und von den Beziehungen eiens solchen Landes zu den übrigen aufkommen lassen…Nach Enteignung der Kapitalisten und Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande würde sich das siegreiche Proletariat dieses Landes gegen die übrige kapitalistische Welt  erheben, die unterdrückten Klassen der anderen Länder für sich gewinnen, in diesen Ländern den Aufstand gegen die Kapitalisten anfachen und im Notfall sogar mit Waffengewalt gegen die Ausbeuterklassen und ihre Staaten vorgehen, denn die freie Vereinigung der Nationen im Sozialismus ist unmöglich ohne einen mehr oder weniger langwierigen, hartnäckigen Kampf der sozialistischen Republiken gegen die zurückgebliebenen Staaten.“ 26. Entscheidende Bedeutung gewann in dieser Beziehung die russische Doppelrevolution, die bereits ab Februar 1917 zwei wichtige Bedingungen des Sozialismus herstellte: in ihrer Auswirkung mußte sie als Möglichkeit Russland ökonomisch aus einem zweitrangigen Industrieland mehr nach vorne schieben (unterstützt durch eine Kulturrevolution) und politisch brachte sie den Demokratismus, Russland war ab Februar 1917, erst recht ab Oktober 1917 das freieste Land auf Erden. Drei Monate vor der Februarrevolution dachte Lenin eher noch in den traditionellen Bahnen von Friedrich Engels: in der Auseinandersetzung mit Pjatakow ( P.Kijewski) ruft er einen Brief von Engels an Kautsky vom 12. September 1882 ins Gedächtnis, dass für den Sozialismus nur die fortgeschrittenen Länder des Westens und Nordamerika reif seien und, so Lenin, Russland zähle nicht dazu. Er unterschied im Oktober 1916 in der Schrift „Über eine Karikatur auf den Marxismus“ drei verschiedene Typen von Ländern: die fortgeschrittenen im Westen Europas (und in Amerika), die in seinem Osten und die Halbkolonien und Kolonien. Ausgemacht war zu dieser Zeit für Lenin lediglich, dass der Sozialismus nur durch „eine Minderheit von Ländern verwirklicht“ wird, „der Ländern nämlich, die die Entwicklungsstufe des fortgeschrtittenen Kapitalismus erreicht haben“ 27. Lenin hatte also zwei Konzepte einer internationalen Revolution, eines, von der Imperialismusanalyse herrührendes, das erst einmal nur auf ein singuläres Land beschränkt blieb und ein, wenn man so will, internationalistisches, das, wenn man so will,  „konservativ“ ausgerichtet war an internationalen Konstallationen, die eher für den klassischen Konkurrenzkapitalismus typisch waren. Im „Militärprogramm der proletarischen Revolution“, das Lenin im September 1916 geschrieben hatte, sind beide Optionen in einem Satz genannt: der Sozialismus „wird zuerst in einem oder einigen Ländern siegen…“ 28. , wobei hier wohl nur hochentwickelte kapitalistische Länder gemeint waren. In revolutionären Situationen ist es sehr schwer, mit den Ereignissen Schritt zu halten, noch mehr gilt dies für eine unter dem Gesetz der Negation der Negation stehenden Doppelrevolution. Wann Lenin auf Grund der Entwicklung der Volksmassen und der internationalen Entwicklung seine Entscheidung für die erste Varaiante genau getroffen hat, bleibt einer Detailstudie vorbehalten. Die Wahlen zu den Sowjets 1917 machten jedenfalls deutlich, dass die Volksmassen trotz ihrer „kulturellen Rückständigkeit“ das Wesen des Bolschewismus erfasst hatten und insofern reif waren für den Aufbau des Sozialismus in einem Land. Die Schriften Lenins nach der Oktoberrevolution zu diesem Thema gaben dann Stalin die Waffen in die Hand, die er zur Überführung Trotzkis brauchte, dass dieser an etwas Veraltetem festhielt. Wie sehr Lenin vor der Februarrevolution noch gedanklich experimentierte, wird deutlich in dem im Dezember 1916 geschriebenen Aufsatz: „Prinzipielles zur Militärfrage“, in dem Lenin im Schweizer Exil Überlegungen anstellte, dass auch ein Aufstand in der kleinen Schweiz das Signal zur „Entflammung der Revolution in ganz Europa“ 29. geben könnte. Auch nach der Oktoberrevolution hatte sich auf der internationalen Ebene eine unerwartete Ungleichmäßigkeit der Entwicklung herausgebildet: der Sozialismus reifte durch die aus der Niederlage Deutschlands im ersten imperialistischen Krieg resultierende Ausbeutung durch die Siegermächte nicht gleichmäßig in den fortgeschrittensten westlichen Ländern heran, was Lenins schon während des ersten Weltkrieges ausgearbeitete Theorie der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande einmal mehr bestätigte, zumal jetzt sogar noch die Widersprüche zwischen den kapitalistischen Staaten von der Sowjetunion ausgenutzt werden konnten. Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung der Länder in der Ära des Imperialismus führte also im Osten zur revolutionären Herausbildung einer sozialistischen Sowjetinsel und im Westen lag für den Verlierer des Weltkrieges eine Insellage unter imperialistischer Ausbeutung vor. Man überlegte sich schon recht bald eine nähere Zusammenarbeit. a) Trotzkis Einwand gegen Lenins Theorie Trotzki bestreitet in seinem Antwortartikel (in „Nasche Slowo“ – Unser Wort – Pariser Zeitschrift 1915) keineswegs die Ungleichmäßigkeit der politischen und ökonomischen Entwicklung, macht aber die Diktatur des Proletariats abhängig von der Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“. „Daß die kapitalistische Entwicklung der verschiedenen Länder ungleichmäßig ist, ist völlig unbestreitbar. Aber diese Ungleichmäßigkeit selbst ist äußerst ungleichmäßig.“ 30.  Trotzki differenziert in seiner Theorie zwischen den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern, die zwar auch ein unterschiedliches Entwicklungsniveau haben und den Ländern Afrikas und Asiens, so daß die krasse Entwicklungsdifferenz zwischen dem alten Kontinent und den Kolonialländern und Kolonialkontinenten letzthin die nur geringfügigen Differenzen unter den fortgeschrittenen-zivilisierten Ländern einebnet. „Im Vergleich mit Afrika und Asien bilden aber alle diese Länder zusammen das kapitalistische Europa, das für die soziale Revolution reif ist.“ 31. Entscheidend für die ganze kommende theoretische Auseinandersetzung wird dann Trotzkis Schlußfolgerung, daß nur eine andere Länder mitreißende Revolution wirklich siegreich sein kann und dem Sozialismus Bestand verschaffen kann. . „Ohne andere Länder abzuwarten, beginnen wir den Kampf und führen ihn auf nationaler Grundlage, in der festen Überzeugung, daß unsere Initiative dem Kampfe in den anderen Ländern einen Anstoß geben wird. Sollte dies aber nicht eintrten, dann wäre es zwecklos zu glauben – das beweisen sowohl die Erfahrungen der Geschichte als auch theoretische Erwägungen – daß sich zum Beispiel ein revolutionäres Russland einem konservativen Europa gegenüber behaupten könnte oder daß ein sozialistisches Deutschland, umgeben von einerkapitalistischen Welt isoliert bleiben könnte.“ 32. Es versteht sich von selbst, daß dieses Zitat von Stalin in seinem Kampf gegen die trotzkistische Abweichung in der KPdSU (B) immer und immer wieder vorgetragen wird, um den Gegensatz zwischen dem trotzkistischen „Internationalismus“ , den er als eine Abart des Menschewismus oder Sozialdemokratismus brandmarkt, und der Lenin-Stalin-Generallinie von der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande herauszustreichen. Trotzki hielt die Organisierung einer sozialistischen Produktion im Rahmen einer nationalen Revolution für absurd, da ein konservatives Europa den Krater der Revolution zuschütten würde. b) K. Renner (österreichischer Sozialdemokrat) über die internationalen Perspektiven der proletarischen Revolution. Renner stellt in seinem Buch „Die Wirtschaft als Gesamtprozess und die Sozialisierung“ (Dietz Verlag Berlin 1924,581 f.) die Frage, wieweit die Sozialisierung gehen kann, wenn das Proletariat nur EINE Diktatur errichtet hat. Er kommt, „dank dem grandiosen, wenn auch so vielfach verfehlten Experimente Russlands“ 33. zu der Feststellung, daß eine wirkliche Sozialisierung einer künftigen Internationale vorbehalten bleiben muß. Er versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß sich auf Grund der internationalen ökonomischen Verflechtung kein nationales Wirtschaftsgebiet vom „Ganzen des Weltmarktes“ loslösen könnte. Diese Loslösung würde nicht ohne Strafe bleiben. Werden damit die Bolschewiki nicht aufgefordert, der russischen Bourgeoisie die Macht zurückzugeben, denn bis 1939 kannte man nur ein Weltsystem, und dieses war kapitalistischer Natur. Und in der Tat, verfault nicht nach Trotzku und Renner die russische Revolution auf dem Halme, wenn die junge Sowjetunion in revolutionärer Isoliertheit bleibt, umkreist von lauernden imperialistischen Wölfen ? Folgende Ausführungen Renners weichen auf Schritt und Tritt vom Leninismus ab: „Und also ist Sozialisierung im Einzelstaate, auch bei vollster proletarischer Beherrschung desselben nur insoweit möglich, als die Formen und Einrichtungen der Zirkulation des Weltmarktes dies zulassen ! Diese Formen und Einrichtungen sind der Hauptsache nach nur in den Verkehrszentren der großen Weltmarktimperien zu erfassen, politisch angreifbar und zu ändern. Darum hängt der volle Sieg des Sozialismus, die Möglichkeit einer vollen Sozialisierung des Wirtschaftslebens vor allem von dem Siege des Proletariats in den Vorländern des Kapitalismus ab und er kann sich nicht auswirken ohne Herstellung der politischen Internationale der Welt. Man sieht – die Bedingungen wie die Aufgaben des Sozialismus umspannen heute den Erdball ! 34. Anmerkung: Auf die Problematik des Zusammenhangs zwischen einem kapitalistischen Weltwirtschaftssystem und der sich im Aufbau befindlichen sozialistischen Wirtschaft im stalinistischen Russland gehe ich später ein. Die sich international und revolutionär gebärdende Theorie der permanenten Revolution trotzkistischer Machart ist in Wirklichkeit eine Verkürzung des revolutionären Ansatzes der proletarischen Emanzipation. Für Lenin würde das siegreiche Proletariat eines Landes eine Basis für die Weltrevolution sichern und die Genossen in anderen Ländern notfalls mit Waffengewalt zu Hilfe kommen. Nationale und internationale Aufgaben verschmelzen hier, ohne wechselseitige Hilfe wäre der Sozialismus in Rußland verloren und der internationalen Revolution die Basis genommen. „Daraus folgt aber, daß die Interessen und die Aufgaben des Proletariats der UdSSR sich mit den Interessen und Aufgaben der revolutionären Bewegung in allen Ländern ständig verflechten und unlösbar mit ihnen verbunden sind,und umgekehrt, daß die Aufgaben der revolutionären Proletarier aller Länder unlösbar verbunden sind mit den Aufgaben und Erfolgen der Proletarier der UdSSR an der Front des sozialistsichen Aufbaus.“ 35. Trotzki dagegen traut einem nationalenProletariat diese internationalistsiche Solidarität nicht zu, er sieht es als eine halbpassive Kraft, die nach Siegen in anderen Ländern verlangt, um überleben zu können. „Nun, wenn aber kein sofortiger Sieg der Revolution in den anderen Ländern eintritt, was dann ? Dann heißt es einpacken. (Zuruf: „Und ins Gebüsch!“) Ja, ins Gebüsch. Das ist durchaus richtig. (Heiterkeit)“ 36. Während die Linie des ZK der KPdSU die Proletarier aufruft, sich für die kommende Revolution zu munitionieren, aufmerksam die Ereignisse zu verfolgen, bezweckt die Linie der Opposition Defaitismus, nährt den Unglauben am Aufbau des sowjetischen Sozialismus, da sie sich nur nach der kleinbürgerlich-anarchistischen Maxime: Alles oder nichts ! Weltrevolution mit einem Schlag oder ab ins Gebüsch ausrichtet. Die Stalinisten aktivieren die Proletarier der einzelnen Länder, betrachten den Sieg in einem Lande nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel der Weltrevolution, die Trotzkisten dagegen schwächen den Willen zur Revolution. Folgende Worte scheinen geradezu auf Lenin gemünzt: „Ich weiß, daß es Neunmalweise gibt, die sich für sehr klug halten, sich sogar Sozialisten nennen und versichern, daß man die Macht solange nicht ergreifen soll als in allen Ländern die Revolution nicht ausgebrochen ist. Sie ahnen nicht, daß sie durch diese Worte von der Revolution abrücken und ins Lager der Bourgeosie abschwenken. Warten, bis die werktätigen Klassen die Revolution im internationalen Maßstabe durchführen bedeutet, daß alle in Erwartung erstarren sollen. Das ist Unsinn.“ 37. INNERE UND ÄUSSERE GEGENSÄTZE – Die Bauernfrage und der Unterschied zwischen dem Aufbau des Sozialismus und seinem endgültigen Sieg a) Innere Gegensätze: Stalin arbeitet in seinem Werk „Probleme des Leninismus“ zwei Gruppen von Gegnsätzen heraus, die als Fundamentalfragen für die Existenz der russischen Revolution zu bezeichnen sind. Er bezeichnet den ersten Gegensatz als den inneren zwischen Proletariat und Bauernschaft, den zweiten als den zwischen der Sowjetunion und der kapitalistischen Umwelt, also den außenpolitischen Gegensatz. Ohne Zweifel gibt es zwischen den Proletariern und der Bauernschaft, der Klasse der Privateigentümer, Gegensätze. Nur wenn man diese überwindet, kann man auch den Sozialismus aus eigener Kraft aufbauen. Die Überwindung dieser Gegensätze ist aber dadurch möglich, daß es neben ihnen noch eine ganze Reihe von größeren gemeinsamen Interessen gibt. Diese Interessenangleichung ist auch die Grundlage für eine feste proletarische Diktatur, die die Bauern führt. Wenn es der sozialistischen Revolution in Rußland gelingt, den Wohlstand der bäuerlichen Majorität systematisch zu heben, so findet das Proletariat auf dem Lande eine feste Stütze in seinem Kampf gegen die russische Bourgeoisie und die Kulaken. Denn dann würde der Bauer den Sozialismus zu seiner eigenen Sache machen. „Die Diktatur des Proletariats ist eine besondere Form des Klassenbündnisses zwischen dem Proletariat, der Avantgarde der Werktätigen, und den zahlreichen nichtproletarischen Schichten der Werktätigen (Kleinbürgertum, Kleineigentümer, Bauernschaft, Intelligenz usw.) oder deren Mehrheit, eines Bündnisses gegen das Kapital, eines Bündnisses zum völligen Sturz des Kapitals, der völligen Unterdrückung des Widerstandes der Bourgeoisie und ihrer Restaurationsversuche, eines Bündnisses zum Zwecke der endgültigen Errichtung und Festigung des Sozialismus.“ 38. a) Trotzkis Behandlung der Bauernfrage – Bereits im Jahr 1905 vergaß Trotzki in seiner Losung: „Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung“ völlig die revolutionäre Kraft der Bauern. Selbst Radek, ein eifriger Verteidiger der „Permanenten Revolution“ musste zugeben, dass Trotzkis Theorie damals ein „Luftsprung“ war. -Im Jahr 1915 vertritt Trotzki in seinem Artikel „Der Kampf um die Macht“ die Auffassung, dass sich die revolutionäre Rolle des Bauern unter dem Imperialismus verringern müsse und die Losung der Bodenkonfiskation kaum noch eine Wirkung erzielen werde. Lenin warf ihm damals die Negierung der Rolle der Bauernschaft vor. „Die originelle Theorie Trotzkis übernimmt von den Bolschewiki den Appell zum entschlossenen revolutionären Kampf des Proletariats und zur Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, von den Menschewiki aber die Negierung der Rolle der Bauernschaft. Die Bauernschaft sei in Schichten zerfallen, habe sich differenziert, ihre mögliche revolutionäre Rolle sei immer geringer geworden, in Rußland sei eine nationale Revolution unmöglich: „Wir leben in der Epoche des Imperialismus, der Imperialismus aber stellt nicht die bürgerliche Nation dem Alten Regime entgegen, sondern das Proletariat der bürgerlichen Nation entgegen.“ 39. -Im Jahr 1922 schreibt Trotzki ein Vorwort zu dem Buch „Das Jahr 1905“ und äußert sich über die permanente Revolution darin folgendermaßen: „Gerade in der Zeitspanne  zwischen dem 9. Januar und dem Oktoberstreik 1905 haben sich bei dem Verfasser die Ansichten über den Charakter der revolutionären Entwicklung Russlands herausgebildet, die die Bezeichnung „Theorie der permanenten Revolution“ erhielten. Diese hochgelehrte Bezeichnung brachte den Gedanken zum Ausdruck, dass die russische Revolution wohl unmittelbar vor bürgerlichen Zielen steht, jedoch bei ihnen nicht wird stehenbleiben können. Die Revolution wird ihre nächsten bürgerlichen Aufgaben nicht anders lösen können als dadurch, dass sie das Proletariat an die Macht bringt. Dieses aber wird, nachdem es die Macht erobert hat, sich nicht auf den bürgerlichen Rahmen der Revolution beschränken können. Im Gegenteil, gerade zur Sicherung ihres Sieges wird die proletarische Avantgarde schon in der ersten Zeit ihrer Herrschaft tiefgehendste Eingriffe nicht nur in das feudale, sondern auch in das bürgerliche Eigentum vornehmen müssen. Hierbei wird sie in feindliche Zusammenstöße nicht nur mit allen Gruppierungen der Bourgeoisie geraten, die sie im Anfang ihres revolutionären Kampfes unterstützt haben, sondern auch mit den breiten Massen der Bauernschaft, mit deren Beihilfe sie zur Macht gekommen ist. Die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung werden nur im internationalen Maßstab, in der Arena der Weltrevolution des Proletariats ihre Lösung finden können.“ 40. Während also die leninsche Politik die Proletarier und Bauern zum Bündnis bringen will, geht Trotzki von feindlichen Zusammenstößen zwischen den Ausgebeuteten selbst aus.  „Nach Lenin schöpft die Revolution ihre Kräfte vor allem unter den Arbeitern und Bauern Rußlands selbst. Bei Trotzki dagegen ergibt sich, dass man die notwendigen Kräfte nur in der Weltrevolution des Proletariats schöpfen kann.“ 41. Da nach Trotzkis Theorie die Frage über Sein und Nichtsein der russischen Arbeiter- und Bauernregierung nicht von der revolutionären Initiative der Massen selbst abhängt, sondern nur in der Weltarena gelöst wird, gibt es keinen Hoffnungsschimmer, wenn sich das Tempo der Weltrevolution verlangsamen würde, falls sich der Kapitalismus stabilisieren könnte und die internationale Revolution für eine gewisse Zeit ausbliebe.  „Nach diesem Plan verbleibt unserer Revolution nur die eine Perspektive; in ihren eigenen Widersprüchen fortzuvegetieren und in Erwartung der Weltrevolution auf dem Halm zu verfaulen.“ 42. Ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland ist nach Trotzkis Überlegung erst nach dem Siege des Proletariats in den „wichtigsten“ Ländern Europas möglich. Der Leninismus aber vertritt die These, dass die Schwierigkeiten aus eigener Kraft zu lösen sind, etwa wenn man Lenins Worte aus dem Jahr 1921 liest: „10 – 20 Jahre richtige Beziehungen zur Bauernschaft und der Sieg ist im Weltmaßstabe (sogar bei Hinauszögerung der proletarischen Revolutionen, die anwachsen) gesichert.“ 43. Die innersowjetischen Gegensätze sind auch intern lösbar, ganz eindeutig unterstrich dies Lenin 1922: „In der Tat, alle großen Produktionsmittel im Besitze des Staates, die Staatsmacht in den Händen des Proletariats, das Bündnis dieses Proletariats mit den vielen Millionen Klein- und Zwergbauern, die Sicherung der Führerstellung dieses Proletariats gegenüber der Bauernschaft usw. – ist das nicht alles, was man braucht, um aus den Genossenschaften, allein aus den Genossenschaften, die wir früher als krämerisch hingestellt haben und die wir in gewisser Hinsicht auch jetzt unter der NEP noch so zu behandeln gerechtfertigt sind -ist das nicht alles, was notwendig ist, um eine vollständige sozialistische Gesellschaft zu errichten ? Das ist noch nicht die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft, aber das ist alles, was zu dieser Errichtung notwendig und hinreichend ist.“ 44. In diesem Zusammenhang muß der von westeuropäischen und russischen Sozialdemokraten im Chor vorgebrachte Einwand abgewiesen werden, dass die spezifische Rückständigkeit Rußlands einen sozialistischen Aufbau aus eigener Kraft zweifelhaft erscheinen lasse. Eine solche Skepsis ist mit dem Sozialismus unvereinbar: „Grenzenlos schablonenhaft ist bei diesen Leuten ein Argument, das sie während der Entwicklung der westeuropäischen Sozialdemokratie auswendig gelernt haben und das darin besteht, dass wir den Sozialismus noch nicht reif seien, dass bei uns – wie sich verschiedene „gelehrte“ Herren unter ihnen ausdrücken – die objektiven ökonomischen Voraussetzungen für den Sozialismus nicht gegeben seien.“ 45. Wenn diese Überlegungen der gelehrten Sozialdemokraten Allgemeingut der russischen Revolutionäre geworden wären, so wäre es ohne Zweifel im Oktober 1917 richtiger gewesen, auf die Macht zu verzichten. b) Die äußeren Gegensätze Der Grundkern der leninistischen-trotzkistischen Debatte, die Stalin mit Trotzki fortführt, beinhaltet die Fragestellung, ob es möglich ist, die vollständige sozialistische Gesellschaft auf 1/6 der Erde in einem von kapitalistischen Staaten umzingelten Land der Arbeiter und Bauern aufzubauen. Aus der gegebenen internationalen Situation ergibt sich sofort, dass die Gefahr einer imperialistischen Intervention ständig akut ist, dass man nicht einen Augenblick den Wolfshunger der europäischen Reaktion vergessen darf, die die alte politische Ordnung restaurieren will. Es ist leicht verständlich, dass dieser Gegensatz von der Sowjetunion allein nicht aufgehoben werden kann. Je mächtiger die Arbeiterdiktatur wurde, um so hysterischer reagierten die Reste der zerschlagenen Bourgeoisie, deshalb war man vor der Gefahr einer Intervention nie vollkommen sicher. Verglichen mit den inneren Gegensätzen können diese äußeren nur auf internationaler Ebene gelöst werden, wozu der Sieg in einigen Ländern nötig ist. Unter dem endgültigen Sieg versteht Stalin die volle Garantie gegen Interventionsversuche. „Solange unsere Sowjetrepublik ein alleinstehendes Randgebiet der ganzen kapitalistischen Welt ist, wäre es ganz lächerliche Phantasie und Utopismus…an das Verschwinden dieser oder jener Gefahren zu denken.“ 46. Schon zwei Jahre früher, 1918, sagte Lenin zum gleichen Thema: „…endgültig siegen kann man nur im Weltmaßstabe und nur durch die gemeinsamen Anstrengungen der Arbeiter aller Länder.“ 47. Endgültiger Sieg des Sozialismus also – um trotzkistische Vokabeln zu gebrauchen – nur in der Weltarena, nur durch gemeinsame proletarische Anstrengungen. Unter den damaligen internationalen Bedrohungen konnte der Sozialismus nicht endgültig siegen, aber sein Aufbau konnte nicht nur, sondern mußte unbedingt begonnen werden. „Das Gefährlichste in unserer politischen Praxis wäre der Versuch, das siegreiche proletarische Land als etwas Passives zu betrachten, das bis zum Erscheinen  der Hilfe seitens der siegreichen Proletarier der anderen Länder nur imstande ist, auf der Stelle zu treten. Angenommen, dass in fünf bis zehn Jahren die Revolution im Westen noch nicht gesiegt haben wird, angenommen, dass  unsere Republik während dieser Periode dennoch fortbesteht als eine Republik, die unter den Verhältnissen der NEP die sozialistische Wirtschaft aufbaut, glauben sie denn, dass sich unser Land während dieser fünf bis zehn Jahre mit Wassertreten und nicht mit Organisierung der sozialistischen Wirtschaft beschäftigen wird ? Es genügt, diese Frage zu stellen, um die ganze Gefährlichkeit der Theorie der Leugnung des Sieges des Sozialismus in einem einzelnen Lande zu begreifen. Bedeutet das aber, dass dieser Sieg ein vollständiger, endgültiger sein wird ? Nein, das bedeutet es nicht, denn solange die kapitalistische Umgebung besteht, wird immer die Gefahr der Intervention vorhanden sein. “ (Januar 1925) 48. INNENPOLITISCHE WIRTSCHAFTSFRAGEN Die falschen wirtschaftspolitischen Auffassungen der trotzkistischen Opposition Da der Trotzkismus in seiner Theorie den Charakter und die Perspektiven der russischen Revolution mißversteht, herrschen bei den Oppositionellen auch fehlerhafte Anschauungen über die Industrialisierung des Landes und in der Frage des Verhältnisses zur Bauernschaft vor.  Während die Partei die Idee des Zusammenschlusses der sozialistischen Industrie mit der bäuerlichen Wirtschaft, bei Realisierung der Hegemonie des Proletariats, vertritt, geht der Oppositionsblock von einer Entgegensetzung von Industrie und Landwirtschaft aus, er will die Industrialisierung gegen die Bauern durchsetzen. Eine richtige revolutionäre Linie betrachtet die Landwirtschaft als die Basis, auf der sich die Industrie entwickelt. Daher tritt die bolschewistische Partei auch für die Senkung der Preise für Industriewaren ein und für eine Minderung der Steuerlasten für die Bauern, um die proletarisch-bäuerliche Zusammenarbeit, nach Lenin „A & O der Sowjetmacht“ aufrechtzuerhalten. Einen ganz anderen Weg wollen Trotzki und Co einschlagen. Sie betrachten die bäuerliche Wirtschaft – sage und schreibe – als „Kolonie“, die der Staat ausbeuten müsse, wollen also kapitalistische Industrialisierungsmethoden anwenden. „Je rückständiger in ökonomischer Hinsicht, je kleinbürgerlicher, je bäuerlicher dieses oder jenes Land ist, das zu einer sozialistischen Organisierung der Produktion übergeht…um so mehr wird sich die sozialistische Akkumulation auf die Ausbeutung der vorsozialistischen Wirtschaftsformen stützen müssen…Und umgekehrt, je entwickelter in ökonomischer und industrieller Hinsicht dieses oder jenes Land ist, in dem die soziale Revolution siegt…je notwendiger es für das Proletariat des betreffenden Landes ist, die Nichtäquivalenz des Austausches seiner Produkte gegen die Produkte der Kolonien  zu vermindern, das heißt die Ausbeutung derselben zu vermindern, um so mehr wird sich das Schwergewicht der sozialistischen Akkumulation auf die Produktionsgrundlage der sozialistischen Formen hin verlagern, d.h. um so mehr wird sich die sozialistische Akkumulation auf das Mehrprodukt der eigenen Industrie und der eigenen Landwirtschaft stützen.“ 49. In diesem Zusamenhang fürchtet Trotzki auch eine gute Ernte, die ein Faktor zur Desorganisierung der sowjetischen Wirtschaft sei. „Unter diesen Verhältnissen (Trotzki spricht von der gegenwärtigen Disproportion/ J. Stalin) kann eine gute Ernte, das heißt die potentielle Zunahme der Warenüberschüsse der Landwirtschaft zu einem Faktor werden, der das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung in der Richtung zum Sozialismus nicht beschleunigt, sondern umgekehrt die Ökonomik desorganisiert, der die Beziehungen zwischen Stadt und Land und, innerhalb der Stadt selbst, zwischen dem Konsumenten und dem Staat zuspitzt. Praktisch kann eine gute Ernte – bei Mangel an Industriewaren – bedeuten, dass das getreide in zunehmenden Maße für die Herstellung von Hausbranntwein verwandt wird und die Schlangen vor den Geschäften in der Stadt wachsen. Politisch wird das den Kampf des Bauern gegen das Außenhandelsmonopol, d.h. gegen die sozialistische Industrie bedeuten.“ 50. Das russische Proletariat hatte also zwischen zwei Formen des wirtschaftlichen Aufbaus zu wählen. Nur eine Politik der Nationalisierung des Grund und Bodens, des massenhaften genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Bauernschaft, eine im Interesse der Zusammenarbeit von Stadt und Land betriebene Steuerpolitik kann auch den Differenzierungsprozess innerhalb der Bauernschaft bremsen. Ohne Zweifel konnte man auf dem ländlichen Sektor so negative Erscheinungen wie das Anwachsen des privaten Kleinkapitals beobachten – eine die proletarische Diktatur zersetzende Tendenz, der man allein mit einer forcierten Entwicklung der sozialistsichen Industrie begegnen konnte. Über diese nicht gefahrlose privatkapitalistische Tendenz braucht man allerdings nicht in Panik geraten. „…das ist die Hauptsache – wird das Anwachsen des privaten Kleinkapitals im Dorfe durch ein so entscheidendes Moment aufgewogen und mehr als aufgewogen, wie es die Entwicklung unserer Industrie ist, die die Positionen des Proletariats und der sozialistischen Wirtschaft festigt und das wirksame Gegengift  gegen das Kapital ist“. 51. Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass die Feinde der Diktatur des Proletariats ihre Hoffnungen unter anderem  auf eine Divergenz zwischen Proletariat und Bauernschaft setzen. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass die Opportunisten, bürgerliche Emigranten und Agenten der internationalen Bourgeoisie die russische Opposition loben und auf ein Auseinanderbrechen des Bündnisses nicht nur spekulieren, sondern hinarbeiten. Ein bekannter Arbeiterverräter in Deutschland, Paul Levi, äußert sich in der „Leipziger Volkszeitung“ vom 30.Juli 1926 folgendermaßen: „Wir waren der Auffassung, dass die besonderen Arbeiterinteressen, letzten Endes des Sozialismus, mit der Existenz des bäuerlichen Besitzes in Widerspruch stehen, dass die Identität zwischen Bauern- und Arbeiterinteressen Schein sei, und dass die Weiterentwicklung  der russischen Revolution diesen Gegensatz verschärfen und sinnlich wahrnehmbar darstellen werde…Wenn der Marxismus überhaupt einen Schein von Berechtigung hat, wenn die Geschichte dialektisch arbeitet, mußte dieser Gegnsatz die Koalitionsidee in Rußland zerschalgen…Für uns aber, die wir die Dinge in Westeuropa mehr aus der Ferne sehen, ist eins klar: unsere Stellung ist bei der Opposition…Die Tatsache besteht, dass in Rußland wieder eine selbständige, antikapitalistische, klassenkämpferische Arbeiterbewegung einsetzt.“ 52. Der russische Sozialismus hat zwei Bündnispartner verschiedenrangiger Bedeutung: der wichtigste Partner ist das Weltproletariat, der zweite ist die eigene Bauernschaft. Die Oktoberrevolution gab der ganzen internationalen Bewegung einen mächtigen Auftrieb, wie andererseits die deutsche Novemberrevolution von 1918 eine Hilfe für die junge Sowjetunion bedeutete. Der Sieg über die Weißgardisten wäre ohne internationale Hilfe  (Aktionsausschüsse / Weigerung für die konterrevolutionären Generäle Waffen zu transportieren) ganz unmöglich gewesen. Die westeuropäischen Arbeiter errichteten auch weiterhin eine Schranke gegen eine Intervention und verschafften dem sozialistischen Aufbau eine gewisse „Atempause“. Die trotzkistische Opposition  aber sieht nur eine mögliche Form des Bündnisses, die allein den Sieg des Sozialismus sichern würde – das wäre die „direkte staatliche Unterstützung“, eine Bündnisform, die damals nicht in Aussicht stand. Wenn also die proletarische Machtergreifung im Westen ausbleibt und von dort keine direkte Hilfe kommt, verdunkelt sich die sozialistische Zukunft zusehens. Folgerichtig sieht Trotzki die Gefahr eines Zusammenwachsens der russischen mit der Weltwirtschaft. Er begreift die Periode der 20er Jahre als eine des Übergangs vom isolierten Kriegskommunismus zu einem Verwachsen mit der Weltwirtschaft. „Danach würde also unsere Volkswirtschaft, in der kapitalistische und sozialistische Elemente miteinander ringen, mit der kapitalistischen Weltwirtschaft verwachsen. Ich sage kapitalistische Weltwirtschaft, da eine andere Weltwirtschaft gegenwärtig nicht existiert. Das stimmt nicht, Genossen. Das ist absurd. Da ist Trotzkis Fraktionsgeist mit ihm durchgegangen.“ 53. Stalin stellt der These des Verwachsens die der gegenseitigen Abhängigkeit entgegen. Die Kapitalisten im Westen brauchen den großen russischen Absatzmarkt (1/6 der Erde), ebenso russisches Erdöl, Getreide, Holz, Kohle usf. Sie können auf diese oder jene Verbindung mit dem russischen „Markt“ nicht verzichten, umgekehrt dürfen sich die Bolschewiki nicht vom Weltmarkt abkapseln. „Das bedeutet aber noch nicht, dass unser Land damit seine Selbständigkeit verloren hat oder verliert, dass es seine Selbständigkeit nicht behaupten kann, dass es sich in ein Schräubchen der internationalen kapitalistischen Wirtschaft verwandeln muss.“ 54. Wenn die russische und die internationale Wirtschaft immer mehr verwachsen würden, hätte die Sowjetunion keine Möglichkeit, die sozialistische Industrie, das Außenhandelsmonopol, das nationale Verkehrswesen, das nationale Kreditwesen und die planmäßige Wirtschaftführung zu behaupten. Da Trotzki aber davon ausgeht, dass die russische Wirtschaft immer unselbständiger wird, prophezeit er, dass die Arbeiterrepublik bald dauernd unter der Kontrolle der Weltwirtschaft stehen werde.  Stalin bezeichnet diese Vision als einen „Traum der kapitalistischen Haie, der niemals in Erfüllung gehen wird.“ 55. Kontrolle im Mund von Kapitalisten ist kein leeres Wort, sondern bedeutet Denationalisierung.  „Kapitalistische Kontrolle heißt vor allem Finanzkontrolle. Aber sind unsere Banken etwa nicht nationalisiert, arbeiten sie vielleicht unter der Leitung der eiropäischen kapitalistischen Banken ?“ 56. Kapitalistische Kontrolle hieße auch Durchbrechung des bolschewistischen Außenhandelsmonopols – seit seiner Existenz ein Dorn im Auge des internationalen Kapitals. Nebend er Amalgamierungstheorie versteigt sich Trotzki auch auf eine „Prophezeiung“, in der er alle Perspektiven und Begriffe verwirrt.: „Es handelt sich darum, unter den Bedingungen der Umkreisung durch die kapitalistsiche Weltwirtschaft einen isolierten sozialistischen Staat zu errichten. Das kann nur dadurch erreicht werden, daß die Produktivkräfte dieses isolierten Staates größer werden als die Produktivkräfte des Kapitalismus, denn in der Perspektive, nicht auf ein Jahr oder Jahrzehnt, sondern auf ein halbes Jahrhundert, ja sogar auf ein Jahrhundert, kann sich nur derjenige Staat, diejenige neue Gesellschaftsform konsolidieren, deren Produktivkräfte mächtiger sein werden, als die Produktivkräfte des alten Wirtschaftssystems.“ 57. Um diese „Perspektive“  zu widerlegen, greift Stalin auf Ablösungsprozesse von ökonomischen Wirtschaftsformationen in der Geschichte zurück, die immer raschere Vermehrung der Produktivkräfte berücksichtigend. Brauchte zum Beispiel der Feudalismus cirka 200 Jahre, um über das Wirtschaftssystem der Sklaverei zu siegen, so brauchte das kapitalistische System nur noch 100 Jahre gegenüber dem Feudalismus. Es ist also eine geschichtliche Gesetzmäßigkeit, dass sich die Fristen durch das schnellere Entwicklungstempo und der besseren Technologie immer mehr verkürzen. Nicht nur hat die Entwicklung sozusagen ein rasendes Tempo angenommen, sondern die sozialistische Wirtschaft ist auch die konzentrierteste überhaupt, zudem planmäßig betrieben, so dass sich die Überlegenheit gegenüber dem durch Widersprüche zerfressenen Kapitalismus kurzfristiger als nach Trotzkis Prognose durchsetzen muss. „Ist etwa die Tatsache, dass an der Spitze unserer Produktion nicht Schmarotzer, sondern die Produzenten selbst stehen werden – ist diese tatsache etwa nicht ein gewaltiger Faktor, der davon zeugt, dass das sozialistische Wirtschaftssystem alle Chancen haben wird, um die Wirtschaft mit Siebenmeilenstiefeln vorwärtszubringen und seine Überlegenheit über das kapitalistische Wirtschaftssystem in kürzester Zeit zu beweisen…? Ist es nach alledem nicht klar, dass hier mit einer Perspektive von 50 oder 100 Jahren operieren heißt, den Aberglauben des erschreckten Spießers teilen und an die Allmacht des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu glauben ? (Zuruf: Sehr richtig !) “ 58. Stalin zieht aus seiner bisherigen Argumentation gegen die Opposition zwei Schlußfolgerungen: a) Nachdem die trotzkistische Opposition vergebens auf die inneren Widersprüche zwischen Proletariat und Bauernschaft spekulierte, versucht sie mit Hilfe der äußeren Widersprüche zwischen sozialistischer Volkswirtschaft und kapitalistischer Weltwirtschaft Boden zu gewinnen. Trotzki gibt damit aber die Unhaltbarkeit seiner alten Argumente zu. b) Die „Keule Lenins“, wie man Trotzki einmal nannte, verfällt zusehends dem verroteten Sozialdemokratismus, wenn er mit hundertjährigen Perspektiven jongliert. Dahinter steckt die revisionistische Auffassung, dass ein ökonomisch rückständiges Land für den sozialistischen Aufbau zu ohnmächtig sei. Diese Position vertritt auch der Menschewik Suchanow. SINOWJEW ZITIERT MARX ENGELS UND LENIN WIE EIN SCHULJUNGE Beim Zitieren aus Werken der sozialistischen Klassiker kommt es darauf an, stets den lebendigen Zusammenhang mit der klassenkämpferischen Situation zu beachten und die Zitate nicht aus dem Zusammenhang zu reißen. Eine materialistische Theorie ist kein abgeschlossenes Gebilde, sondern muß ständig weiterentwickelt werden. sie bekommt mit jeder Erkenntnis ein neues Gesicht, ist Ausdruck und Verallgemeinerung der Erfahrungen des Proletariats in einem real vor sich gehenden Klassenkampf. Sie tritt der Welt nicht doktrinär mit einem Prinzip entgegen: „Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder ! Wir entwickeln der Welt aus den Prinzipien der Welt neue Prinzipien.“ 59.  Man muß also beachten, dass die Klassiker, so geniale und weitsichtige Denker und vor allem tätige Revolutionäre sie auch waren, nicht alle Zickzackbewegungen der Geschichte kennen und erahnen, nicht völlig mit ihrer Theorie die ganze Wirklichkeit abdecken konnten. „Jetzt gilt es, sich die unbestreitbare Wahrheit zu eigen zu machen, dass der Marxist mit dem lebendigen Leben, mit den exakten Tatsachen der Wirklichkeit rechnen muß, statt sich an die Theorie von gestern zu klammern, die, wie jede Theorie bestenfalls nur das Grundlegende, Allgemeine aufzeigt und die Kompliziertheit des Lebens nur annähernd erfasst.“ 60. In seiner Polemik gegen die Theorie vom Aufbau des Sozialismus in einem Lande aber begeht Sinowjew gleich reihenweise Fehler, wenn er sich orthodox auf Ausführungen der Klassiker aus den 50er Jahren des vorletzten Jahrhunderts stützt. Er führt zum Beispiel ein Zitat aus den „Klassenkämpfen in Frankreich“ an, in dem Marx sagt, „…dass die Aufgabe des Arbeiters (es handelt sich um den Sieg des Sozialismus/J.St.) …nirgendwo gelöst wird innerhalb der nationalen Wände…“ 61. Er hat auch eine Briefstelle parat, in der Marx 1858 an Engels schreibt: „Die schwierige question für uns ist die: auf dem Kontinent ist die Revolution imminent (62.) und wird auch sofort einen sozialistischen Charakter annehmen, wird sie in diesem kleinen Winkel nicht notwendig gecrusht (63.) werden, da auf viel größerm Terrain das movement der bürgerlichen Gesellschaft noch ascendent (64.) ist.“ 65. Aus diesen Zitaten folgt allerdings nicht automatisch, dass die Frage des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern für alle Perioden des Kapitalismus negativ beantwortet werden muß. Zur Zeit des Erscheinens des ganze Bände aufwiegenden „Kommunistischen Manifestes“ entwickelte sich die bürgerliche Gesellschaft noch überall in aufsteigender Linie, sie befindet sich aber nach 1900 jetzt fast überall in Instabilität. also ist es ganz unzweckmäßig, in der Frage des Sieges in einigen Ländern oder in einem Land mit einer mechanistischen Marxzitation gegen die Lenin-Stalinsche Generallinie zu operieren. Die Gedanken von Marx sind für die Phase des vormonopolistischen Kapitalismus völlig richtig, früher mußte die Frage des Aufbaus in einem Land negativ beantwortet werden, heute, in der Periode des Imperialimus kann sie positiv beantwortet und gelöst werden. „Sie sehen, daß Sinowjew Marx zitiert wie ein Schuljunge, der sich ohne Marx´ Standpunkt zu berücksichtigen, an einzelne Zitate von Marx klammert, diese Zitate aber nicht wie ein Marxist anwendet, sondern wie ein Sozialdemokrat.“ 66. Es gilt also, den Leninsmus nicht nach einzelnen Zitaten zu studieren, sondern in sein Wesen einzudringen, ihn ernsthaft und gründlich, ohne Unterlaß, zu studieren.

1. Enver Hodscha, Gesammelte Werke, Band 19, Dortmund 1976,271

2. Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 317

3.Vergleiche Kommunistisches Manifest, MEW 4, 473

4. Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin,1960,396. In dem 1920 in Berlin erschienenen Aufsatz: „Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse“ hielt Bogdanow den Aufbau des Sozialimus in einem Lande für nicht realisierbar. (Vergleiche: A. Bogdanow, Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse, makol Verlag  Frankfurt am Main, 1971,43)

5.Prozessbericht über die Strafsache des trotzkistisch-sinowjewistischen terroristisches Zentrum, Moskau 1936,127

6.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850. MEGA I/10,182

7.Vgl. Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, MEW 19,16

8.J.W. Stalin, Schlußwort zu dem Referat „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, Stalin Werke, 8,271

9.Friedrich Engels, Grundsätze des Kommunismus, MEW 4,374f. In der Vorbemerkung zum deutschen Bauernkrieg von 1870, die Franz Mehring in seiner Bauernkriegsausgabe 1908 mit abgedruckt hat, finden sich allerdings auch schon bei Engels Nuancierungen: der Punkt der proletarischen Erhebung muss nicht überall gleichzeitig eintreten. (Vergleiche: Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Franz Mehring, Buchhandlung Vorwärts Berlin 1908,23). Nebenbei bemerkt: Schon 1814 sprach sich der utopische Sozialist Saint Simon für eine Koaltion Englands, Frankreichs und Deutschlands aus. Sodann kann man in der marxistischen Theorie auch weiter zurückgehen, Schon in der 1845/46 geschriebenen „Deutschen Ideologie“ ist der Kommunismus Angelegenheit einer universellen Revolution: „Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden Völker „auf einmal“ und gleichzeitig möglich, was die universelle Entwicklung der Produktivkraft und den mit ihr zusammenhängenden Weltverkehr voraussetzt. „. (Karl Marx, Friedrich: Engels: Deutsche Ideologie, Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1978,35). 

10.J.W. Stalin, Schlußwort zum Referat: „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, Stalin Werke Band 8,273

11. a.a.O.,266

12.J.W.Stalin, Grundlagen des Leninismus, Peking 1972,3

13.J.W.Stalin, Schlußwort zum Referat „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ Stalin Werke 8,273

14. Brief von Engels an Kautsky, MEW 37,156

15.Friedrich Engels, Anti-Dühring, MEW 20,182f.

16.Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,12

17.J.W.Stalin, Probleme des Leninismus, Moskau 1924,125f.

18.a.a.O.

19.Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,14

20.J.W,Stalin, Über die Opposition, in: Leninismus, Kleine Bücherei des Marxismus Leninismus, Moskau,1935, Heft 2, 70f.

21. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4,479

22.J.W.Stalin, Über die Opposition,in: Leninismus, Kleine Bücherei des Marxismus Leninsmus, Heft 2,70f.

23.a.a.O.,73. Dagegen schreibt Werner Scharndorff in seinem Buch „Moskaus permanente Säuberung“, dass Lenin die Grundlage dieser „fälschlich Stalin zugeschriebenen“ Theorie erst wenige Jahre nach 1918 gelegt habe. (Vergleiche Werner Scharndorff, Moskaus permanente Säuberung, olzog verlag, München und Wien, 1964,55).

24.a.a.O.,72

25.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4,479

26.Lenin, Über die Losung der Vereinigten Staaten Europas, LW 18,399. Eine eigentümliche Parallelität zwischen bürgerlicher und proletarischer Revolution öffnet sich: nach Marx und Engels konzentrierte sich die bürgerliche Revolution bedingt durch die gegen Holland gerichtete Cromwellsche Navigationsakte aus dem Jahr 1651 auf „Ein Land“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, Dietz Verlag Berlin, 1978,58), auch die proletarische Revolution konzentrierte sich auf „Ein Land“.

27. Lenin, Über eine Karikatur auf den Marxismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,52 28. Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,74 29. Lenin, Prinzipielles zur Militärfrage, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,158 30.Leo Trotzki: Das Friedensprogramm, Moskau 1917, in: Leninsmus, Kleine Bücherei des Marxismus-Leninismus/Heft 4,4 31.a.a.O. 32.a.a.O. 33.Karl Renner, Die Wirtschaft als Gesamtprozess und die Sozialisierung, Dietz Verlag Berlin 1924, 581f. 34.a.a.O. 35.J.W.Stalin, Rede auf dem VII. erweiterten Plenum der EKKI, Stalin Werke Band 9,25 36.J.W.Stalin, Über die Opposition, in: Leninsmus Heft 4,6 37.Lenin, zit in: Leninsmus Heft2,75 38. Lenin, zitiert in: Stalin: Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten, Stalin Werke 8,325 39. Lenin, Über die zwei Linien der Revolution, in: Lenin über Trotzki, zusammengestellt von Schleifstein/von Heiseler. Verlag Marxistische Blätter Frankfurt 1969,118 40. Trotzki: Das Jahr 1905 (Vorwort) zit. in: Stalin Werke Band 6,327f. 41.Stalin, Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten, Stalin Werke Band 6,328 42.a.a.O.,329 43. Lenin, Plan und Konspekt der Broschüre: „Über die Naturalsteuer“, Lenin Werke Band 26,404 44.Lenin, Über das Genossenschaftswesen, in: Lenin: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971, 758 45.Lenin, Über unsere Revolution, in: Lenin, Ausgewählte Werke  Progress Verlag Moskau, 1971,765. Aufschlußreich bezüglich der sogenannten russischen Rückständigkeit gegenüber dem Westen ist die Vorrede zur zweiten russischen Ausgabe des Kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels  aus dem Jahre 1882 (die erste, von Bakunin übersetzte Ausgabe  erschien 1869 in Genf): galt diese erste Ausgabe im Westen nur als ein literarisches Kuriosum, so bildet Rußland 1882 „die Vorhut der revolutionären Aktion von Europa“. (Karl Marx, Friedrich Engels: Vorrede zur zweiten russischen Ausgabe von 1882, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,14). 46. Lenin, Bericht auf dem YIII. Sowjetkongress 1920, Lenin Werke Band 26,36 47.Lenin, Rede über die internationale Lage am 14.5.1918, Lenin Werke Band 23,9. Keineswegs war die aus der außenpolitischen Not geborene Isiolierung und Konzentrierung der Weltrevolution auf ein Land, also darauf, zunächst den Sozialismus in einem Lande aufzubauen – und in dem „zunächst“ glimmte ja das Feuer  der Weltrevolution unauslöschlich weiter – als eine weltrevolutionäre Generaldemobilisierung zu werten. Die Politik des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande war aus der Not geboren, denn insbesondere die Hoffnung auf eine Bolschewisierung Deutschlands erfüllte sich nicht. Das Ideal war natürlich eine novemberliche Parallelrevolution zum roten Oktober gewesen und wir wissen von der Schuld der deutschen Sozialdemokratie, die als Rettererin der alten kapitalistischen Mächte brutal (Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts) in Erscheinung trat. Ein Vormarsch der Roten Armee, um die Revolution gen Westen zu tragen, scheiterte schon vor Warschau und ein Versuch Karl Radeks zur Nationalbolschewisierung Deutschlands brachte ebenfalls keinen Erfolg. Die Rapallopolitik brachte vordergründig Vorteile für beide Seiten, jedoch nicht für das weltrevolutionäre Hauptanliegen der Sowjetunion, vielmehr stütze diese Politik die sich ab 1924 herauskristallisierende Stabilisierung der Weimarer Republik. 48.Stalin, Probleme des Leninismus, zit. in: Leninismus Heft 4,14 49. J. Preobraschenski, Das Grundgesetz der sozialistischen Akkumulation, Wjestnik Komakadenii, 1924, Nr. 8 zitiert in: J.W. Stalin, Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, Werke Band 8, 257f. 50. Leo Trotzki, Stenographisches Protokoll der Sitzungen des Aprilplenums des ZK, Abänderungsanträge Trotzkis zu Rykows Resolutionsentwurf, Seite 164, zitiert in: Stalin, Über die Gefahr der sozialdemokratischen Abweichung in unserer Partei, Werke Band 8,258f. 51. J.W. Stalin, Über die Gefahr der sozialdemokratischen Abweichung in unserer Partei, Stalin Werke Band 8, 260 52. J.W. Stalin, Rede auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, Stalin Werke Band 9, 112 53. a.a.O,,115 54.a.a.O.,116 55.a.a.O.,117 56.a.a.O. 57. Trotzki, Stenogramm der Rede Trotzkis auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, zitiert in: Stalin, Rede auf demselben Plenum, Stalin Werke Band 9,119 58.J.W. Stalin, Rede auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, Stalin Werke Band 9,126 59. Karl Marx, Briefe aus den deutsch französischen Jahrbüchern, MEW 1,345 60. Lenin, Briefe über die Taktik, zitiert in: Peking Rundschau 29/78,11 61. Karl Marx, Klassenkämpfe in Frankreich, zitiertin : Stalin Werke Band 9,76 62. bevorstehend 63.erdrückt 64. aufsteigend 65. Karl Marx an Friedrich Engels, zitiert in: Stalin Werke Band 9,76 66. J.W. Stalin, Rede auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, Stalin Werke Band 9,78. Bertolt Brecht schreibt über Stalin:  „In der Frage, ob der Aufbau der ORDNUNG (kursiv von Bertolt Brecht) in einem Land geschehen könne, nahm er den Standpunkt ein, daß der Aufbau in einem Land begonnen und durch den Aufbau in anderen Ländern vollendet werden müsse. Der Aufbau in einem Lande war ebenso eine Bedingung des Aufbaus in anderen Ländern als dieser eine Bedingung für die Fertigstellung des Aufbaus in einem Lande.“ (Bertolt Brecht, Zur Stalinfrage, Broschüre o.J.,o.O., Seite 20)

„Der Leninismus hat also eine Rückzugslinie für den Fall, dass die Weltrevolution sich nicht verwirklicht, während sie dem Trotzkismus fehlt“. (Arthur Rosenber, Geschichte des Bolschewismus, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, 1969,105).

Engels in einem Brief an Paul Lafargue vom 27. 6. 1893: “ … weder Franzosen noch Deutsche noch Engländer werden den Ruhm genießen, den Kapitalismus allein gestürzt zu haben; wenn Frankreich – vielleicht –  das Signal gibt, wird in Deutschland, dem Lande, das am gründlichsten vom Soz erfaßt worden ist und in dem die Theorie am gründlichsten in die Massen gedrungen ist, der Kampf entschieden werden; und trotzdem werden weder Frankreich noch Deutschland endgültig den Sieg sichern können, solange England in den Händen der Bg bleibt. Die Befreiung des Prol kann nur eine internat Aktion sein …“ die letzte bemerkung des klassischen Marx vor der Wende – 1900 – zum Imp mew 39,89

Heinz Ahlreip

ZUM 1. MAI

11. April 2010

In der Staatsfrage: gab es in der Geschichte schon immer Staaten, warum gibt es heute Staaten, warum existiert ein Staat ?.etchat Lenin in seinen Vorlesungen an der Swerdlow Universität darauf hingewiesen, daß diese Frage absichtlich oder unabsichtlich von der buntscheckigen Schar der Ideologen verdreht und verfälscht wird, das Wichtigste dieser Frage sei, dass ein Staat nur existieren kann bei einer Überschußproduktion, das ist der Kern, das Wesentliche der Sache.

Auch in der Frage der Gesellschaft – Klassenkampf, Krieg und Frieden, Ausbeutung, Lohnsklaverei…etc. – kommt es darauf an, den zentralen Kern aller gesellschaftlichen Widersprüche und Klassenkonflikte festzuhalten. Die Kommunisten heben die Eigentumsfrage an den Produktionsmitteln als die Grundfrage der Bewegung hervor. Was der Volksmund schon ganz richtig ausdrückt: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, hat seine tiefere Ursache am Privateigentum an den Produktionsmitteln, „…das die Arbeit der vielen in den Reichtum der wenigen verwandelt.“ 1.

Also kommt es in einer proletarischen Revolution darauf an, dieses Privateigentum an den Produktionsmitteln zu vergesellschaften. Das ist aber kein einfacher shematsich zu handhabender Akt, sondern ein Prozeß, der die Herausbildung einer revolutionären Kampfpartei des Proletariats erforderlich macht.

Diese Partei hat mit den kleinbürgerlichen und bürgerlichen Parteien nichts gemein, im Gegensatz zu diesen korrupten Banden politischer Spekulanten, die die bürgerliche Diktatur über das ausgebeutete Volk zementieren wollen, ist die Partei des Proletariats eine sich im revolutionären Prozess der Überwindung der bürgerlichen Gesellschaft und der Klassenherrschaft selbst negierende. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Diktaturparteien strebt die Partei der Arbeiterklasse die Diktatur des Proletariats an, durch die allein die Bourgeoisie dem Proletariat untertan gemacht werden kann. Der Zweck der Diktatur besteht in der Liquidierung der Kapitalisten als Klasse. Und was ein Kapitalist ist, läßt sich genau definieren: sein Kapital ist ausreichend, um durch Ankauf der Ware Arbeitskraft Lohnarbeiter auszubeuten.  Der Zweck der kapitalistischen Produktion ist nicht der Lebensunterhalt, sondern die Vermehrung des Reichtums. 2.

Die Kommunisten sind trotz aller multimedialen Gehirnwäsche gegen den Humanismus, der Anbetung des Chaotisch-Irrationalen und der Negierung der Kollektivität, der Verherrlichung krimineller Handlungen, der offen oder versteckten Einflößung faschistischer Ideologie in den Massenmedien in der Lage, den Feind genau und scharf ins Auge zu fassen, sie sind die Totengräber der bürgerlichen Gesellschaft.

Man kann die Kommunisten auch als Jakobiner des 20. und  21. Jahrhunderts bezeichnen. Die bürgerlichen Jakobiner liquidierten feudale Stände, die proletarischen werden bürgerliche Klassen liquidieren.

1.Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Marx Engels Werke Band 17, Seite 342

2. Nicht jede beliebige Geld- und Wertsumme verwandelt sich in Kapital, schreibt Marx in seinem Hauptwerk und erläutert, dass zum Beispiel ein Geldbesitzer, der nur zwei Arbeiter 12 Stunden  arbeiten läßt, davon 4 für ihn, grob gesprochen gerade einmal den Lebensstandard seiner Arbeiter hat. (Vergleiche Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der  Wissenschaft, in: Marx Engels Werke Band V, Dietz Verlag 1972,139f.)

Heinz Ahlreip

STALIN Zum ersten Mai 1917

11. April 2010

„Es sind bald drei Jahre vergangen, seitdem die raubgierige Bourgoisie der kriegführenden Länder die Welt in ein blutiges Gemetzel gestürzt hat.

Es sind bald drei Jahre vergangen, seitdem die Arbeiter aller Länder gestern noch leibliche Brüder, heute aber in den Soldatenrock gesteckt, einander als Feinde gegenüberstehen, einander verstümmeln und töten – zur Genugtuung der Feinde des Proletariats.

Massenhafte Vernichtung der lebendigen Kräfte der Völker, massenhafter Ruin und Elend, Trümmer einstmals blühender Städte und Dörfer, massenhafte Hungersnot und Verwilderung – dies alles, damit ein Häuflein gekrönter und ungekrönter Räuber fremde Gebiete plündere und schwindelerregende Millionengewinne zusammenraffen – dahin führt der jetzige Krieg.

Die Welt beginnt in der einsernen Umklammerung des Krieges zu verröcheln…

Die Völker Europas sind am Ersticken, und sie erheben bereits das Haupt gegen die kriegslustige Bourgeoisie.

Die russische Revolution schlägt als erste eine Bresche in die Mauer, die die Arbeiter voneinander trennt. Im Augenblick des allgemeinen „patriotischen“ Taumels proklamieren die russischen Arbeiter als erste die in Vergessenheit geratene Losung: „Proletarier aller Länder,  vereinigt euch !“

Unter dem Donnergrollen der russischen Revolution erheben sich auch die Arbeiter des Westens aus ihrem Schlaf. Streiks und Demonstrationen in Deutschland, Manifestationen in Österreich und Bulgarien, Streiks und Kundgebungen in den neutralen Ländern, eine immer stärker werdende Gärung in England und Frankreich, Massenverbrüderungen an den Fronten – das sind die ersten Schwalben der anwachsenden sozialistischen Revolution.

Und unser heutiger Festtag, der Festtag des 1. Mai – ist er etwa kein Anzeichen dafür, daß in den Strömen von Blut neue Bande der Brüderlichkeit zwischen den Völkern geschmiedet werden ?

Den kapitalistischen Räubern brennt der Boden unter den Füßen, denn von neuem steigt über Europa das rote Banner der Internationale empor.

So möge der heutige Tag, der 1. Mai, an dem hunderttausende Arbeiter Petrograds den Arbeitern der ganzen Welt brüderlich die Hand entgegenstrecken, als Unterpfand für die Geburt einer neuen, revolutionären Internationale dienen !

Möge die Losung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch !“, die heute auf den Plätzen Petrograds erklang, die Welt durchfliegen und die Arbeiter aller Länder im Kampf für den Sozialismus vereinigen !

Über die Köpfe der kapitalistischen Räuber hinweg, über die Köpfe ihrer räuberischen Regierungen hinweg reichen wir den Arbeitern aller Länder die Hand und rufen:

Es lebe der 1. Mai !

Es lebe die Brüderlichkeit der Völker !

Es lebe die sozialistsiche Revolution !

Prawda Nr 35, 18. April 1917

in: STALIN WERKE Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1951,34f.