Vor 60 Jahren brach der Koreakrieg aus

Ein Krieg bricht nicht plötzlich aus und endet plötzlich, sondern der Frieden geht in den Krieg, dieser in den Frieden über. Deshalb schon schrieb der alte chinesische Kriegsphilosoph Sunzi: „Im Frieden bereite dich auf den Krieg vor, im Krieg bereite dich auf den Frieden vor. “ 1.

Zum Verständnis  nicht nur des Koreakrieges müssen primär die politischen Aktivitäten vor seinem Ausbruch studiert werden, bis die Widersprüche so weit antagonisierten, dass die Politik allein sie friedlich nicht mehr lösen konnte. Lenin betonte die fundamentale Bedeutung der Erkenntnis des preußischen Generalmajors Carl von Clausewitz (1780 – 1831): „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ 2.  Lenin schrieb über Clausewitz, dass dieser „…das bei Philistern und Ignoranten gängige Vorurteil bekämpft ( habe), das man den Krieg von der Politik der entsprechenden Regierungen, der entsprechenden Klassen loslösen könne.“ 3. Jede halbwegs sorgfältige Analyse einer beliebigen Epoche von Kriegen bestätige Clausewitz. Die Politik „….während langer Jahrzehnte vor dem Krieg muß in ihrer Gesamtheit studiert und verstanden werden. Täten wir das nicht, würden wir nicht nur die Grundforderungen des wissenschaftlichen Sozialismus und jeder Gesellschaftswissenschaft überhaupt vergessen, wir würden uns auch der Möglichkeit berauben, überhaupt irgend etwas vom gegenwärtigen Krieg zu verstehen.“ 4. Von allen wissenschaftlichen Geistern verlassen schreibt die Ignorantin Petra Kolonko in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum 60. Jahrestag des Ausbruchs des Koreakrieges so mir nichts dir nichts: „Am 25. Juni 1950 überquerten Truppen des kommunistischen Nordkorea den 38. Breitengrad und begannen einen Eroberungszug in Südkorea“ 5. Hier haben wir ein Musterbeispiel eines primitiven Glaubensbekenntnisses, einer Unfähigkeit, den Krieg als Prozess zu denken und natürlich  muss sie dann den kommunistischen Norden  der Aggressivität bezichtigen. Der Norden hat den Süden einfach überfallen, wie in einem Wildwestfilm. Nous verrons. Den Krieg als Prozess denken allein ist noch nicht ausreichend, man/frau muß auch so weise sein, nicht voreilig Schlüsse zu ziehen, wo allseitige Orientierung und allseitiges Kalkül erforderlich ist. Grundsätzlich sind stets die Fragen zu stellen: welche Klassen führen den Krieg und welchen sozialen Inhalt hat er ? Hätte Petra Kolonko den Koreakrieg in seiner Gesamtheit studiert, wäre sie nich zu so primitiven Aussagen gekommen wie: „Der Korea-Krieg war vor allem (dieses vor allem ist allzu köstlich) das Werk zweier skrupelloser Diktatoren.“ 6. Sie meint: Kim Il Sung und Mao Tse tung, (der im Koreakrieg seinen Sohn verloren hatte), als ob Männer Geschichte machen, was ein halbwegs gebildeter Mensch seit der französischen Revolution, seit dem Ende des Sonnenkönigtums wohl nicht mehr behauptet. Sie hat vom Koreakrieg nichts verstanden, kann sich aber trösten, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreiben viele über Kriege, ohne diese verstanden zu haben.7. Nicht jede/r, die/der in der FAZ schreibt, ist auch ein kluger Kopf. Ich habe ihren Artikel extra noch mal mit der Lupe gelesen, Arbeiter, Bauern, Volksmassen kommen in ihm nicht vor. Aber Kriege sind heute Massenkriege und der Vormarsch nordkoreanischer Truppen hatte neben der Niederwerfung der bürgerlichen Ausbeuterklasse einen primär sozialen Inhalt.

Es wird unendlich viel darüber gestritten, wer die Schuld am Ausbruch des Krieges gehabt habe, aber das ist eine sekundäre Frage, es ist nicht wichtig, wer angefangen hat, sondern welche Politik, welche Klassen, welche Staatensysteme haben auf den Krieg hingewirkt. Selbst ein bürgerlicher US-amerikanischer Geschichtsprofessor  namens Bruce Cumings 8.kommt in seiner Analyse des Koreakrieges zu der Erkenntnis, dass man nicht sagen kann, wer diesen Krieg angefangen  genau sowenig man die Frage beantworten kann, wer den Bürgerkrieg in den USA begonnen habe. Aber über den Charakter des Krieges wird man Aussagen treffen können.

1950 bildeten sich in ganz Korea Volkskomittees für die demokratische Umgestaltung, die aber im Süden von US-Imperialisten aufgelöst wurden, so dass sich das Regime Syngman Rhee (Li Syngman) etablieren konnte, das im Grund nichts anderes war als ein schikanöses Polizeiregime, um den Katholikem Rhee , der sich die meiste Zeit seines Lebens im Ausland, vorwiegend in den USA, herumgetrieben hatte, versammelte sich ein zutiefst reaktionärer Klüngel, der dann selbst dem amerikanischen Präsidenten Truman zuwider war. Dieser faschistische Polizeiklüngel war dann auch die treibende Kraft hinter den Provokationen am 38. Breitengrad, der die Truppen Marschall Kim Il Sungs  zu einem Befreiungskrieg veranlassten. Es ist bekannt, wie kläglich das Polizeiregime im Süden zusammenbrach, wobei auch südkoreanische Partisanen, die sich unter Rhee im Untergrund gebildet hatten, einen hohen Anteil beitrugen. Nur die  Hafenstadt Pusan wurde noch von faschistischen Truppen gehalten und nun begann auf diesem Stützpunkt die Landung us-amerikanischer Truppen unter dem Kommando des demokratiefeindlichen Generals Douglas Mc Arthur 9. getarnt unter der Flagge der UNO- es waren aber nicht nur die USA, kurz: es begann eine internationale imperialistische Verschwörung von 16 Räuberstaaten gegen das koreanische Volk.  Dazu gab es amphibische Landeoperationen an den Küsten Koreas, sehr gewagt, aber erfolgreich war die von Mc Arthur konzipierte Landung bei Incheon. Gegen die Werktätigen Koreas sollte die Fahne des Kapitalismus in ganz Korea aufgerichtet werden, was bekanntlich auch mit Unterstützung  rotchinesischer Verbände 10. mißlang, aber bis heute das Ziel der blutsaugenden Millionäre in Seoul bleibt.  Diese imperialistische Aggression, in der die USA gnadenlos Napalm einsetzten 11., kostete mehr als drei Millionen Menschen das Leben, 500 000 koreanische, 36 000 amerikanische und 400 000 chinesische Soldaten kamen auf militärischer Seite ums Leben.

1. Sunzi, Die Kunst des Krieges, Knaur Verlag, 1988,159

2.Carl von Clausewitz: Vom Kriege, R. Dümmler Verlag Bonn 1980, 210

3.Lenin, Krieg und Revolution, LW 24,379

4.a.a.O.,399f.

5. Tod am 38. Breitengrad, Vor 60 Jahren brach der Korea-Krieg aus, von Petra Kolonko, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. Juni 2010, Seite 10

6.a.a.O.

7.Diese saubere Zeitung forderte auch nach der Nazidemo am 1. Mai 2010 in Berlin, die Faschisten unter Minderheitenschutz zu  stellen. Das ist allerliebst, die Kapitalisten fordern Minderheitenschutz. Siehe: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 4.5.2010: Schauspieler, Seite 8. Selbst ein Schüler mit mittlerer Reife würde in einem Zeitungsartikel mehr über die Ursachen des Koreakrieges darlegen…die Dame Kolonko soll aber an der Universität Hannover studiert haben.

8. Siehe: google: bruce cumings

9. Dieser General war  zweifellos ein Antikommunist wie er im Buche steht, er forderte in aller Öffentlichkeit die Ausweitung des Krieges nach China und den Abwurf von Atombomben auf das Reich der Mitte. Dazu gibt es ein mittlerweile ins Internet gestelltes FBI Dokument 100 HQu – 93216 serial 461 Auskunft. Es ist weiterhin bekannt, dass die us-amerikanische Atomenegie Kommission (AEC)  schon 1948 durch Dr. Paul Mc Daniel ein „Gremium zur Prüfung von Möglichkeiten radioaktiver Kriegführung“ ins Leben rief. Trotz mehrfacher Ankündigung des Verlages ist das Buch Mc Arthurs „The Korea War“ noch immer nicht in deutscher Übersetzung erhältlich, für die militärgeschichtliche  Aufarbeitung des Koreakrieges sicher eine Lücke. In seinen Memoiren schreibt Mac Arthur selbst, dass er im Koreakrieg die US-Regierung ersucht habe, ihre Zustimmung zum Nukleareinsatz zu geben, um durch die radioaktive Verseuchung des nordkoreanischen Territoriums jede Möglichkeit eines Truppendurchmarsches zu nehmen.

10.Als in den Wochenschauen der Kinos die Bilder von rotchinesischen Soldaten gezeigt wurden, die us-amerikanische Offiziere in die Kriegsgefangenschaft abführten, dämmerte es, dass ein Riese in Asien erwacht ist. Es war ein Schock für alle Reaktionäre, Rassisten und Faschisten.

11. Vergleiche Klaus Kellman, Stalin Eine Biographie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005, 254. Der Antikommunist Kellman bemüht sich in seiner Biografie krampfhaft, Stalin zu kriminalisieren, sein Hinweis auf den us-amerikanischen Napalmeinsatz scheint mir deshalb glaubhaft. Ich habe mich mit Kelmman kritisch auseinandergesetzt in meinem Artikel: Stalin  Ein großer Freund des deutschen Volkes, (siehe: google: lenin unser aller lehrer stalin ein großer freund des deutschen volkes).

Heinz Ahlreip

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