Manchesterkapitalismus in Bangladesh, Kambodscha und in der BRD

1844 weilte Friedrich Engels 21 Monate unter den Textilarbeiter/innen in Manchester und mußte feststellen, dass sie sich in einer vertierenden Lage befanden. 1. Heute von einer vertierenden Lage der arbeitenden Klassen in England zu sprechen, da ja England das klassische Land der Arbeiteraristokratie ist, bestochen und priviligiert durch Kolonialausplünderung auf Kosten der vielen Hundert Millionen Menschen der armen Länder 2., mag manchen bürgerlichen penny-a-liners obsolet vorkommen, sie ist aber im Kern vorhanden und wird solange vorhanden sein, als die Produkte des kapitalistischen Wirtschaftsorganismusses  die Produzenten beherrschen, solange das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer ihnen existierendes Verhältnis von Gegenständen. 3. Gedenkt man zudem noch ein, dass das Proletariat heute mehr denn je als nur WELTGESCHICHTLICHES existieren kann, so ist die Schrift von Friedrich Engels: „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ von 1844 hochaktuell.

In der Mitgliederzeitschrift der IG Metall vom August 2010 wird von Protesten der Textilarbeiter/innen in Bangladesh berichtet, die in diesem Land in der Tat wie Tiere gehalten werden, und die deutlich machen, dass der Kapitalismus das Problem der Massenverelendung zwar global hin – und herschieben, aber mit keiner Pore lösen kann, weder lokal noch national, weder kontinental noch global.

In den 4 500 Textilfabriken wird die Belegschaft zu 85 Prozent aus Frauen gebildet. Fast drei Millionen Frauen arbeiten in der Textilbranche, 20 Millionen Menschen hängen von ihr ab. Die Ausfuhr von Textilien macht fast 80 %  des Exports aus. Nach Schätzungen von Mc Kinsey wird sich der Export bis 2020 verdreifachen. Ein 14 Stunden Tag ist gang und gäbe, ebenso eine Siebentagewoche und das alles zu einem Monatslohn von 19 Euro. „19 Euro sind nicht mal halb soviel, wie sie brauchen, um (über-)leben zu können. Mindestens 58 Euro fordern sie. Den Firmen würde das kaum weh tun, denn die Löhne machen nur 0,5 Prozent der Verkaufspreise aus.“ 4. Viele Arbeiterinnen sind gezwungen, 14 bis 16 Stunden zu malochen, die Schicht endet um drei Uhr nachts, um 7 uhr 30 müssen sie schon wieder aufstehen.Dass Frauen von ihren Vorgesetzten geschlagen und sexuell belästigt werden, den Feuertod bei recht häufigen Bränden erleiden, weil die Fluchttüren geschlossen waren, sind weitere Elemente, die einem Manchesterkapitalismus eigen sind. 5. Den meisten Frauen wird der Mutterschaftsurlaub versagt. Oft bleiben nicht einmal sechs Stunden zum Schlafen, eine ausreichende Ernährung ist bei diesen Hungerlöhnen nicht möglich. Die hygienischen Verhältnisse in den Produktionsstätten sind sehr oft miserabel, Frauen klagen über Mißhandlungen. Wer sich gewerkschaftlich organisiert, muss mit einer auf den Fuß folgenden Kündigung rechnen. Der kapitalistische Wolf wittert natürlich sofort die Gefahr, die in dem Wort organisieren steckt. Im April 2012 ist der Arbeiterführer und Chef des Centre for Worker´s Solidarity, Aminul Islam,  ermordet aufgefunden worden. Auf seiner Leiche fand man Folterspuren. Die Täter laufen frei herum. Ist es da verwunderlich, dass die Arbeiter Straßen blockieren und Fabriken verwüsten ? im Juni 2012 schlossen 300 Textilfabriken in Ashulia vor den Toren Dhakkas für eine Woche. Und die Eurokrise führt zu Abnahmeeinbußen. Im Juni 2012 lag die Ausfuhr zum ersten Mal unter dem Monatswert des Vorjahres.

Die Forderung von 58 Euro im Monat kann aber nur ein Durchgangsstadium sein. Der Aufbau starker schlagkräftiger Massengewerkschaften, vor allem aber einer auf den Grundlagen des Marxismus Leninismus basierenden Kommunistischen Massenpartei muss Priorität haben, denn das Millionen Münder zählende Hungerproletariat in Bangladesh kann sich den perversen Ausbeuterabschaum ohne eine gewaltsame Revolution nicht vom Halse schaffen, die gewaltsame proletarische Revolution zerbricht ja nicht nur die Macht der Blutsauger, der Volksausplünderer, während dieser Ausrottungsrevolution richten sich die bisher geschundenen Lohnsklaven/innen zugleich auch auf. Engels sagt im Antidühring, statt matten saft- und kraftlosen Predigerweisheiten revolutionäre Selbsttätigkeit des Proletariats, auf dass es zu einem hohen politischen und moralischen Aufschwung der Volksmassen komme. Und Lenin schrieb: „…wenn gerade Millionen getretener Menschen zu Verstand und Vernunft erwachen…“ 6.

In der bürgerlichen französischen Revolution sind durch den Volksterror nur 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung umgekommen. „Bis wie lange noch wird man die Wut der Despoten Gerechtigkeit, und die Gerechtigkeit des Volkes Barbarei oder Empörung nennen ? Wie zärtlich man doch zu den Unterdrückern, und wie unerbittlich man gegen die Unterdrückten ist.“ 7. Imperialistische Schwindelmedien putschen die Todesquote in Pol Pots Kambodscha auf 20 Prozent hoch, als ob der Anteil der Ausbeuter 20 Prozent des Volkes betragen könnte. Wie zärtlich man doch zu den Folterknechten des Marschalls Lon Nol ist ! „Nur auf den Knochen der Unterdrücker kann die Volksfreiheit errichtet werden, nur mit dem Blut der Unterdrücker kann der Boden für die Selbstherrschaft des Volkes gedüngt werden.“ 8. Wie ist denn heute die aktuelle Lage der arbeitenden Klassen in Kambodscha ? Bleiben wir beim Beispiel der Textilindustrie, die in Kambodscha am Stadtrand von Phnom Penh konzentriert ist und  in der 350 000 kambodschanische Bürger/innen  beschäftigt sind. Dort muss für einen Stundenlohn von zwei Dollar an einem neunstündigen  Arbeitsttag für Adidas, GAP oder Levis geschuftet werden, also für 0,22 Dollar die Stunde bei einer durchschnittlichen Zimmermiete für 30 Dollar plus Strom- und Wassergeld. Den einfachen arbeitenden Menschen werden täglich und stündlich „tausendmal mehr entsetzliche Leiden und unmenschlichste Qualen bereitet“, als es „irgendwelche außergewöhnlichen Ereignisse wie Kriege und Erdbeben“ 9. können. Es ist noch sehr die Frage, welcher Terror der größere ist, der kurzguillotinistische von Pol Pot oder der lebenslange Terror der heutigen kapitalistischen Blutsauger und Machthaber. Mitte September folgten cirka 60 000 Beschäftigte der Textilindustrie einem Streikaufruf der Gewerkschaften für einen Mindestlohn von 93 Dollar. Als der Verband der Textilfabriken (GMA) Verhandlungsbereitschaft signalisierten, wurde dieser ausgesetzt. Dann allerdings machten  die menschenverachtenden Blutsauger eine Entschuldigung von den Werktätigen für den Streik zur Bedingung von Aufname von Verhandlungen, die natürlich bis heute ausblieb.  In der Zwischenzeit verfolgt die Regierung kämpferische Gewerkschaftler und wirft diese wegen Diffamierung und Aufwiegelung  in Gefängnisse. „Von einer unabhängigen Justiz kann in Kambodscha keine Rede sein, wie auch unbotmäßige Journalisten und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen schon erleben mussten.“ 10.

Fest steht aber, dass man ohne revolutionären Volksterror in Bangladesh und Kambodscha nicht auskommen kann, damit aus Arbeitstieren Menschen werden. Sei es drum. Man grolle nicht den Khmer Rouge, die modernen großen Städte müssen beseitigt, die Bevölkerung möglichst gleichmäßig über das ganze Land verteilt werden. 11. Das Weltproletariat ruft den kämpfenden Genossen und Genossinen zu: Friede den Hütten, Krieg den Palästen. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch ! „Ist die Konkurrenz der Arbeiter unter sich gestört, sind alle Arbeiter entschlossen, sich nicht mehr durch die Bourgeoisie ausbeuten zu lassen, so ist das Reich des Besitzes am Ende. Der Arbeitslohn ist ja bloß deshalb von dem Verhältnisse von Nachfrage und Angebot, von der zufälligen Lage des Arbeitsmarktes abhängig, weil die Arbeiter sich bisher gefallen ließen,  als Sache, die man kauft und verkauft, behandelt zu werden. Beschließen die Arbeiter, sich nicht mehr kaufen und verkaufen zu lassen, treten sie bei der Bestimmung, was denn eigentlich der Wert der Arbeit sei, als MENSCHEN (kursiv von Friedrich Engels) auf, die neben der Arbeitskraft auch einen Willen haben, so ist es aus mit der ganzen heutigen Nationalökonomie und den Gesetzen des Lohnes.“ 12.

Und man glaube nicht, Bangladesh liege weit weg. Es wird dort zum Beispiel für Hennes & Mauritz, Lidl, Adidas, Wal-Mart, Tesco und Zara produziert. Die „Kampagne für saubere Kleidung“ will nun wenigstens durchsetzen, dass Unternehmen zur Veröffentlichung  von bestimmten Informationen verpflichtet werden, nicht nur über die Inhaltsstoffe der Produkte, sondern durch Erweiterung des Verbraucherinformationsgesetzes auch wo und unter welchen Bedingungen diese hergestellt worden sind. Das kann durch die Verbraucher zu einem gewissen Druck auf die Unternehmen führen. Das sind kaum mehr als kleine Hilfsmittel wie überhaupt sich bei solchen Verhältnissen immer ein ganzer Rattenschwanz von zwielichtigen Menschenrechtsorganisationen bildet.  Und haben wir nicht auch in der BRD Kündigungen wegen Maultaschen, Frikadellen, Akkuaufladung für 1,8 cent und Pfandbons ? Auch wir haben unsere Manchesterkapitalisten, und die sitzen nur allzu oft in den Arbeitsgerichten selbst. Laut der Präsidentin des Bundesarbeitsgerichtes Ingrid Schmidt in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung gibt es keine Bagatellen.13. „Wenn der Begriff des Verbrechens die Strafe, so verlangt die Wirklichkeit des Verbrechens ein Maß der Strafe, das wirkliche Verbrechen ist begrenzt. Die Strafe wird schon begrenzt sein müssen, um wirklich, sie wird nach einem Rechtsprinzip begrenzt sein müssen, um gerecht zu sein.“ 14.

1. Vergleiche Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Ausgewählte Werke Marx Engels Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,165. Auch schon während der französischen Revolution beschwerten sich die Arbeiter, dass sie von ihren Vorgesetzten mißhandelt wurden. Sie schrieben an Jean Paul Marat Beschwerden, die er in seiner Zeitung „Ami du Peuple“ veröffentlichte: „Unsere Blutsauger hingegen bewohnen prachtvolle Häuser, trinken die auserlesensten Weine, betten sich auf Daunen und werden in goldenen Kutschen gefahren. Bei all dem Überfluß und all den freuden vergessen sie unsere Armut und weigern sich häufig, der Familie eines mittags verunglückten oder ums Leben gekommenen Arbeiters den Lohn für den Vormittag zu zahlen.“ (Jean Paul Marat, Die Namen der Blutsauger sind bekannt, in: Ami du Peuple vom 12. Juni 1791, in: Jean Paul Marat, Ich bin das Auge des Volkes, Ein Portrait in Reden und Schriften, Herausgegeben von Aglaia I. Hartig, Wagenbach Verlag Berlin, 1987,147f.).

2 “ Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.“ (Engels: Brief an Kautsky vom 12.September 1882) Lenin zitiert diese Briefstelle in seiner Schrift: Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus (Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957, 109), die sehr gutes informatives Material zur verbürgerlichten Arbeiterbewegung speziell in England enthält.

3. Vergleiche Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1974, 86

4. Sylvia Koppelberg, Die große Wut der Textilarbeiter, in: metallzeitung August 2010,4f. Der Mangel dieses Artikels besteht darin, dass er nur trade-unionistisch ist, mit der Enthüllung von Mißständen allein ist es noch nicht getan. Diese Enthüllung ist nicht einmal das Hauptsächliche, sondern dies ist die „politische Erziehung der Arbeiterklasse, die Entwicklung ihres politischen Bewußtseins…“ (Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bwegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1955,413).

5. Bereits im Februar 2010 brannte es beim H & M Zulieferer Garib & Garib, ohne dass daraus Lehren gezogen wurden. Am 14. Dezember sind bei einem Fabrikbrand im neunten und zehnten Stock von „That´s  Sportswear Ltd“  außerhalb von Dhaka mindestens 28 Menschen gestorben, die Zahl der Verletzten liegt wesentlich höher. Die Arbeiter und Arbeiterinnen erstickten, wurden niedergetrampelt oder sprangen aus den Fenstern. Seit Jahren weist die „Kampagne für saubere Kleidung“ (CCC) vergeblich auf gravierende Sicherheitsmängel hin. (siehe: google: Kampagne für saubere Kleidung).

6. Lenin, Geschichtliches zur Frage der Diktatur (Notizen), in: Ausgewählte Werke Lenin Band V,Dietz Verlag Berlin, 1982,726. Lenin wies darauf hin, dass trotz aller Qualen die Kapitalisierung der Lebensverhältnisse progressiv ist, dass die Frauen nicht zurücksollen zu Handwerk und Hausarbeit. „Es ist Sache der Bourgeoisie, die Trusts zu fördern, Kinder und Frauen in die Fabriken zu jagen, sie dort zu matern, zu korrumpieren, unsäglichem Elend preiszugeben. Wir „unterstützen“ diese Entwicklung nicht, wir „fördern“ so etwas nicht, wir kämpfen dagegen. Aber wie kämpfen wir ? Wir erklären, die Trusts und die Fabrikarbeit der Frauen sind PROGRESSIV (kursiv von Lenin). Wir wollen nicht zurück zum Handwerk, zum vormonopolistischen Kapitalismus, zur Hausarbeit der Frauen. Vorwärts über die Trusts usw. hinaus und durch sie zum Sozialismus.“ (Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution,in: Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957, 77).

7. Maximilien Robespierre, Über die Prinzipien der politischen Moral, Reden der französischen Revolution, dtv Text-bibliothek, München 1974,349

8. Josef Stalin, An alle Arbeiter, Stalin Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1950,165

9. Lenin, Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion, in: Lenin, Marx-Engels-Marxismus, Grundsätzliches aus Schriften und Reden, Dietz Verlag Berlin, 1967, 261 f.

10. Michael Lenz, „Ein Kotau wird verlangt“, Gewerkschaften sollen sich für Streik entschuldigen, in: Verdi Publik 12/2010,8

11. Vergleiche Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band IV, Dietz Verlag Berlin, 1972, 228 und 270. An gleicher Stelle auch der interessante Hinweis, daß schon Liebig in seinen Schriften über die Chemie des Ackerbaus die Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land gefordert hatte.

12. Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Ausgewählte Werke BandI, Dietz Verlag Berlin, 1974,173

13. siehe: google: Bundesarbeitsgericht Präsidentin Schmidt Bagatelle

14. Karl Marx, Verhandlungen des 6. rheinischen Landtages, Von einem Rheinländer, Debatte über das Holzdiebstahlsgesetz, Marx Engels Werke Band I, Dietz Verlag Berlin 1957,114. Dort kann man nicht nur ausführlich nachlesen, was Marx über juristische Bagatellen geschrieben hat, sondern dass die Armen ein Recht haben, und zwar ein Okkupationsrecht „…also dem Okkupationsrecht der Klasse anheimfallen, welche eben durch das Okkupationsrecht von allem anderen Eigentum ausgeschlossen ist…“ (a.a.O.,118). Erheben wir also das Schwert Dzerschinskijs, um die Okkupanten und ihre Handlangerin Ingrid Schmidt zu richten.

Heinz Ahlreip 21.8.10

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