Archive for Dezember 2010

Nachruf auf Hans Göke

28. Dezember 2010

An einem trüben Herbstabend 1998 besuchte mich Hans und legte mir die Frage vor, was ich von der „Lehre von der Denkweise“ halte ? Diese „Lehre“ gibt die MLPD als eine, als ihre Weiterentwicklung des Marxismus aus. Ich kannte Hans schon von früher, von Demos und Veranstaltungen, auch von Veranstaltungen der MLPD. Ich erläuterte meine Auffassung, dass es sich bei dieser „Lehre“ um eine Verballhornung des Marxismus handele. Aber beim bloßen Marxisieren wollte es Hans  nicht bewenden lassen, er wollte gesellschaftlich praktisch revolutionieren mit dem Endzweck: Liquidierung des Kapitalismus, wie Lenin es in „Staat und Revolution“ als Aufgabe der Arbeiterbewegung formulierte: völlige Vernichtung der Bourgeoisie, ohne die es nicht zum Einschlafen der Demokratie kommen kann.  Gemeinsam wurde eine Broschüre verfasst, deren Titel als Frage formuliert wurde: „Führt die Lehre von der Denkweise die Arbeiter zum Kommunismus ?“ (siehe; google: lenin unser aller lehrer denkweise MLPD). Die in der Broschüre gegebene Antwort war eine verneinende. Ein Manuskript dieser Broschüre gelangte vor ihrer Veröffentlichung in die Hände der Hannoverschen MLPD Oberen und so kann ich hier den Schluß des Vorwortes der Broschüre zitieren mit der kurzen Vorbemerkung, dass man Hans sofort aus der MLPD ausgeschlossen hatte: „Parteiausschluß…scheint das letzte Auskunftsmittel der Partei des weisen Denkens zu sein gegen Mitglieder, die ihre Fähigkeit zum kritischen Denken noch nicht eingebüßt haben. Die Parteioberen treten auf nicht nur als Ankläger und Richter in einer Person, sondern auch als Ankläger ohne Anklageschrift und als Richter ohne Urteilsbegründung. Parteiausschluß innerhalb von 24 Stunden. Ohnehin hätte die Anklageschrift im vorliegenden Fall nur in einer inhaltlichen Widerlegung dieser Broschüre liegen können. Die Partei hütete sich davor- eine Widerlegung dieser Broschüre wäre einer Widerlegung des Marxismus Leninsmus gleichgekommen. So wurde lediglich gefordert: „Das Papier muss vom Tisch !“ Es ist das alte Lied ! Auch der Papst forderte bereits: Die Lehre Galileo Galileis müsse vom Tisch…“

Im praktischen und theoretischen Wirken von Hans zog sich wie ein roter Faden die Dialektik von Revolution und Konterrevolution. Er hatte nicht vergessen, dass es sogar ein Buch von Friedrich Engels mit dem Titel gibt: Revolution und Konterrevolution in Deutschland. Bezeichnend war eine Szene in einem Buchladen in Hannover, der Stadt, in der Hans zusammen mit seiner Frau Herta die zweite Lebenshälfte verbrachte, als man diskutierte, ob dieser oder jener Parasit der bessere Kanzler für Deutschland sei ? Hans hörte aufmerksam zu, um im richtigen Augenblick den Satz einzuwerfen: Es gehe doch um die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ! (Damit war er weiter als die große Mehrzahl der sogenannten Politikwissenschaftler, die bei der Idee ihrer Wissenschaft fehlten:Politik liegt die Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen zu Grunde, keineswegs liegt sie diesen zu Grunde. Schon der junge Engels kritisierte 1844 in seiner ersten ökonomischen Schrift „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“, dass die Politik nicht daran denke, „die Voraussetzungen des Staates an und für sich zu prüfen“. ). Das war den Leuten im Laden, die sich ihren politischen Horizont von Redakteuren der BILD Zeitung oder der Frankfurter Allgemeinen „erweitern“ lassen, gar nicht gegenwärtig.

Wenn ich ihn besuchte, lagen in seiner Leseecke im Grunde immer Werke der gleichen Autoren: Marx, Engels, Lenin, Stalin, Hoxha und sein literarisch über alles geliebter Bert Brecht. Der Leninismus war für ihn praktische Anleitung zum Handeln und Quelle der Authentizität der proletarischen Revolution, scharf konnte er reagieren, wenn er Abweichungen vom Leninismus feststellte.

In den letzten Monaten machte er sich zunehmend Gedanken über die Organisierung des Proletariats in einer Diktatur des Proletariats und es ist nicht zufällig, dass er am Ende seines Lebens noch einmal, wieder einmal die Schrift von Karl Marx über die Pariser Kommune (Der Bürgerkrieg in Frankreich) studierte. Von diesem Werk ausgehend, bemerkte er in dem achtseitigen Flugblatt des Roten Oktober zur vorgezogenen Bundestagswahl, das „Kritik an der Anbiederung“ betitelt wurde, und in dem viel linker Radikalismus steckte, dem er in gewissen Passagen der Kritik  an den sich kommunistisch nennenden Parteien jedoch zustimmte, doch eine gewisse sprachliche Schludrigkeit. Marx gebrauchte im Bürgerkrieg in Frankreich kräftige, drastische Formulierungen: Schmarotzerauswurf, Parasitenpack, Zigeunerbande, der Staat…das nationale Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit…etc. Die Sprache im Flugblatt war ihm zu milde, zu politikwissenschaftlich. Ich glaube, Hans hatte Recht. Warum soll man Politikaster nicht Blutsauger nennen ? Und von diesen Blutsaugern am Körper der Arbeiterklasse kann diese Klasse sich nur selbst befreien. In der Vorbereitung dieses zwangsläufigen Erdbebens hat Hans zeitlebens ohne sich zu schonen sein Bestes gegeben und einen wertvollen Beitrag geleistet. Ohne sich zu schonen allerdings. Stunden vor seinem Tod besuchte ich ihn abends noch im Krankenhaus, auf seinem Nachttisch lag ein Buch von dem Mann, unter dessen Führung nach dem Versuch der  Pariser Kommune der Durchbruch gegen das kapitalistische Ausbeutersystem gelang: Lenins Ausgewählte Werke.

Heinz Ahlreip

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Die Bundeswehr und Polizei als Überwachungsinstrument der Massen (Fußballweltmeisterschaft 2006)

24. Dezember 2010

Fußballweltmeisterschaft und Putschpläne der Bundeswehr

In den heutigen bürgerlichen Staaten wird die Macht der Bourgeoisie in letzter Instanz durch das stehende Heer und durch die Polizei gesichert. Es gibt in der Geschichte nur zwei Gewalten: die Polizei und das stehende Heer des Staates und die unorganisierte elementare Gewalt der Volksmassen. Es ist staatliche Aufgabe, das bürgerliche Privateigentum an Produktionsmitteln zu schützen. In der Regel ist die Bourgeoisie bis an die Zähne bewaffnet, während die Arbeiter und Arbeiterinnen, Bauern und Bäuerinnen unbewaffnet sind.

Aber die Bourgeoisie kommt nicht umhin, ihre Herrschaft durch die per allgemeine Wehrpflicht in die Soldatenröcke gepressten Arbeiter- und Bauernsöhne/töchter zu schützen, die in jeder kommenden proletarischen Revolution eine wichtige Rolle spielen und in denen die Erkenntnis reift, dass sie für ihre eigenen Klasseninteressen das Gewehr gegen die Bourgeoisie umdrehen müssen. Die imperialistische Bourgeoisie kämpft gegen die konkurrierenden Bourgeoisien anderer Länder , muss aber zugleich im Inneren das Proletariat überwachen und unterdrücken. Dazu müssen ihre bewaffneten Kräfte  in ständiger Kampfbereitschaft gehalten werden, ständig wird die Schlagkraft der Truppe erhöht.

Ein so großes, alle Sportveranstaltungen übertreffendes Ereignis wie die Fußball Weltmeisterschaft stellt einen willkommenen Anlass dar, unter dem Vorwand der Bekämpfung von Hooliganismus und „Terrorismus“ den Bürgerkrieg zu proben. Angefangen mit Plänen dazu seitdem die FIFA die Weltmeisterschaft nach Deutschland vergeben hatte. Am Ende wurde ein Abschlußbericht der Bundesregierung zur Weltmeisterschaft von Innenminister Schäuble vorgelegt, zusammen mit Franz Beckenbauer, ein den Einsatz der Bundeswehr im Innern befürwortender Multimillionär. Aufbeboten sind insgesamt eine Viertelmillionen Polizisten, davon 30 000 Mann/Frau Bundespolizei, 15 000 private Sicherheitskräfte, 7 ooo Soldaten der Bundeswehr, 5 800 Rote Kreuz Helfer, sowie 15 000 Zivilhelfer. Diesen ganzen Aufwand tragen die Werktätigen durch ihre Steuern. Die Bundeswehr hat ABC  Einheiten in der Nähe aller Stadien konzentriert, um angeblich mit dem Spürpanzer Fuchs nach ABC – Waffen zu suchen, AWACS Überwachungs- und Spionageflugzeuge werden eingesetzt. Zentral gesteuert wird dieses konterrevolutionäre Großmanöver von der NICC (dem Nationalen Informations- und Cooperations Centrum im Bundesinnenministerium). Dort sitzen dreißig Vertreter von Ministerien, Polizei, Geheimdienste, Katastrophenschutz, Organisationskomitee der Weltmeisterschaft, Europol und Interpol zusammen. Und dies alles nur, behalten wir das alles immer im Auge, aus Anlaß von neunzigminütigen Fußballspielen mit zweiundzwanzig Mann, vier Schiedsrichtern und einem Ball. Dass es allerdings gar nicht um Fußball geht, auch nicht um die Sicherstellung eines Grundnahrungsmittels  („Der Fußball ist ein Grundnahrungsmittel der Deutschen“, so der hessische Polizeipräsident Norbert Necela), wird schon durch die Forderung des bayrischen Innenministers Beckstein (CSU) deutlich: die Bundeswehr solle während der Weltmeisterschaft die Einflugschneisen von Flughäfen bewachen.

Oder man nehme die Forderung des hessischen  Innenministers Bouffier (CDU), Bundeswehreinheiten sollen amerikanische Kasernen bewachen. Beckstein ist es auch, der Änderungen am Grundgesetz forderte, so dass man die Bundeswehr während der Weltmeisterschaft einsetzen könne wie in einem Spannungsfall des kalten Krieges. Nehmen wir die Äußerung des militärischen Kommandeurs des Einsatzes Generalleutnant Kersten Lahl hinzu, so ist das alles doch gar kein Problem: „Nur die Auslandskräfte sind gebunden, alles andere steht zur Verfügung“. Das ist durchaus ernst gemeint: alles andere…das ist der Gesamtumfang der Soldaten im derzeitigen aktiven Truppendienst und alles zur Verfügung stehende Waffenmaterial. Die Aussage „alles andere“ könnte auch Reservisten einschließen. Ohnehin bleibt die Übung nicht auf den nationalen Bereich beschränkt, vielmehr ist das Mega Sportereignis Anlaß zum bisher größten Polizeieinsatz der Weltgeschichte: 323 Polizisten aus zwölf EU Staaten und aus der Schweiz sind zusätzlich im Einsatz (Sicherung von Bahnhöfen, Flug- und Seehäfen, Überwachung der Fangruppen ihrer Länder, auch mit dem Recht, Personen zu verhaften, womit eben die deutsche Polizei ihre Hoheitsrechte aufgegeben hat).

Internationale Zusammenarbeit von Polizei  und Truppenverbänden der Bourgeoisie ist aus der Geschichte gut bekannt, so bei der Niederwerfung der Pariser Commune (preußische Soldaten gehen gemeinsam mit der konterrevolutionären Sodateska  gegen Paris vor. Marx konstatierte: „Die Klassenherrschaft ist nicht länger imstande, sich unter einer nationalen Uniform zu verstecken; die nationalen Regierungen sind eins gegenüber dem Proletariat!“ 1.). So bei dem gescheiterten Versuch, mit vierzehn ausländischen Truppenkontingenten die weißgardistischen Kriegsparteien in Rußland beim Versuch, die Oktoberrevolution zu ersticken, zu unterstützen. In Deutschland darf heute nicht übersehen werden, dass die 1968 vom Bundestag verabschiedeten Notstandsgesetze juristisch voll in Kraft stehen, was bei diesen internationalen Großübungen natürlich nicht erwähnt wird. Entlarvend sind die Worte des Inspekteurs der Streitkräfte Vizeadmiral Kühn, der militärische Abteilungsleiter für den Weltmeisterschaftseinsatz auf der Hardthöhe: „Der Minister (gemeint ist Kriegsminister Jung) hat mit Recht gesagt: Die Bundeswehr steht zur Gänze zur Verfügung, wenn es zu einem Großschadensereignis kommt.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Juni 2006) Als Probelauf für komplexe Einsätze der Bundeswehr im Innern will Kühn die Weltmeisterschaft nicht ansehen, man lese: „Den Probelauf machen wir seit fünfzig Jahren“. (a.a.O.) Und das heißt laut Notstandsgesetzgebung: die Verfassung suspendieren, Parlamente auflösen, die Zivilgerichtsbarkeit der Militärgerichtsbarkeit unterstellen, Ausnahmezustand, Belagerungszustand.

Die Weltmeisterschaft dient dazu, die Soldaten der Bürgerkriegsarmee Bundeswehr, Vizeadmiral Kühn wird uns diese Formulierung gestatten,  mit dem Einsatz außerhalb der Kasernen vertraut zu machen. 2.

1. Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Marx Engels Ausgewählte Werke Band IV, Dietz Verlag Berlin, 1972,1oo.

2. Aufschlußreich hierzu schon eine Schrift aus dem Jahr 1774 von Jean Paul Marat: Die Ketten der Sklaverei, insbesondere das Kapitel: Das Volk muß an Militär gewöhnt werden. (Siehe: Jean Paul Marat. Die Ketten der Sklaverei, Andreas Achenbach Verlag, Gießen Lollum, 1975,130ff.).

Wort über Lenin 1990

8. Dezember 2010

von Heinz Ahlreip, 1990

Am 20. April wäre der große Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin 120 Jahre alt geworden. Auf allen Kontinenten dachten die um ihre Befreiung kämpfenden Menschen an den Organisator und Führer der Oktoberrevolution. In Moskau selbst aber fand aus diesem Anlaß eine offizielle, man möchte sagen makabere Festveranstaltung der KPdSU statt, auf der Gorbatschow eine Rede hielt, die er „Wort über Lenin“ titulierte. Es sind auch nur Worte über Lenin herausgekommen.

Vor welcher Schwierigkeit stand Gorbatschow ?

In einer Zeit, da die sowjetische Wirtschaft den Kurs auf einen vollwertigen Markt steuert, da in Kürze damit gerechnet wird, Millionen Frauen und Männer mit ihren Arbeitsfertigkeiten und Fähigkeiten in die russischen Weiten gefegt zu sehen, die Verelendung der Massen fast zaristische Formen angenommen hat, Hungersnöte bereits an die Pforte klopfen und Panikkäufe die Gesellschaft an den Rand des Chaos bringen, in dieser Zeit mußte Generalsekretär Gorbatschow eine Rede über Lenin halten und den Genius der Oktoberrevolution mit seiner nur konterrevolutionären Leichengestank verbreitenden Perestroikaideologie in Verbindung bringen. Verbal ist dies recht einfach. Gorbatschows Wort über Lenin lautet: „Die Perestroika entdeckt uns den wahren Lenin.“ 1. Untersucht man aber die Schwerpunkte seiner Rede eingehender – die Frage der NEP, die Rolle der revolutionären Gewalt und die Bedeutung der demokratischen Massenmobilisierung – so zeigt sich, dass sich in allen diesen Punkten die Wege Michail Gorbatschows und die Wege Wladimir Iljitsch Lenins trennen.

Die NEP

Nachdem sich die Perestroika als letzter Eiterausfluß der bürgerlichen Restauration lähmend auf die russichen Völker niedergelassen hatte, konnte es nicht ausbleiben, dass sich bürgerliche und sozialdemokratische Ideologen mit wahrem Heißhunger auf die ganze Thematik der NEP stürzten. Hier hofften sie am einfachsten in den Leninismus einzudringen und mit einem „Wort über Lenin“ ihr Gedankengut in ihm zu verbreiten. In der NEP-Politik sieht ihr Ziehvater Gorbatschow einen realistischen Weg zu einer neuen Gesellschaft. „Deshalb haben wir vor allem die letzten Arbeiten Lenins herangezogen, als wir die Perestroika planten und einleiteten. Wir haben dort Zuversicht geschöpft, daß wir einen richtigen, wenn auch schwierigen Weg einschlagen.“ 2. Gleichwohl wird sich zeigen, daß die Verwesung des Leichnams schon so weit vorangeschritten ist, daß eine Distanzierung auch und selbst von der NEP nötig ist, verfolgt doch die Gorbatschowsche NEP einen ganz anderen Zweck als ihr klassisches „Vorbild“, er sagt selbst: wir schaffen jetzt einen vollwertigen Markt, denn dem Sozialismus ist der Markt „…nicht kontraindiziert . Denn der Sozialismus bedeutet Freiheit, lebendiges Schaffen des Volkes, soziale Gerechtigkeit und Geborgenheit, Wohlstand des Volkes. Somit verändern wir weitgehend unsere Vorstellungen von einer sozialistischen Gesellschaft und verstehen zunehmend das Wesen des Sozialismus.“ 3. Die Aufzählung schmeckt nicht schlecht, versuchen wir aber zunächst zu verstehen ! Nach diesen Ausführungen bedeutet Sozialismus zunehmende Herrschaft des Produkts über den Produzenten, sozialistische Gerechtigkeit, dass man teurer verkauft als man eingekauft hat und eine Volksmasse dem Elend preisgibt. Und das Wesen des Kapitalismus ? Es müßte demnach bedeuten: Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmittel vermittels „…despotischer Eingriffe in die bürgerlichen Produktionsverhältnisse. “ 4. Um Marx, Engels und vor allem Lenin in Vorkämpfer für den Perestroikamarkt zu präparieren, greift das neue Denken neben der recht schmackhaften sozialdemokratischen Phrasenanhäufung noch zu einem anderen Winkelzug. Sowohl die NEP als auch die Perestroika seien eine „Revolution in der Revolution“. 5. Ohne Zweifel ein liebliches Wortgeklingel, ich möchte es ultrarevolutionär nennen. Was immer diese Gedankenverrenkung auch beinhalten soll – Sinn hätte dieser Ausdruck doch nur, um innerhalb eines revolutionären Prozesses eine über ihn hinausgreifende, höhere Stufe seiner selbst zu markieren. Bekanntlich bezeichnete Lenin die NEP aber, historisch gesehen, als einen Schritt zurück. „Ein Rückzug ist eine schwierige Sache, besonders für Revolutionäre, die anzugreifen gewohnt sind…“ 6. Mit der NEP, warnt Lenin, wachse die Gefahr der Konterrevolution. Um den Totalausverkauf des Sozialismus zu cachieren, und ein Totalausverkauf ist nach den Marktprinzipien nichts Außergewöhnliches, ist jetzt also ein Wort über Lenin gehalten und gedruckt worden. Das Wort muß offenbar eine magische Kraft haben, denn es verwandelt jeden Rückzug vor dem Weltkapitalismus nicht in eine nur einfache, sondern in eine sogar ins Quadrat erhobene Revolution. Was man mit Worten doch alles anstellen kann. Nach diesem Glockengeläute muß sich Gorbatschow allerdings mit der Auskunft beeilen: „Niemand hat natürlich die Absicht, die Aufgaben, die Lenin in seinen letzten Lebensjahren aufspürte und erblickte, auf die Perestroika zu übertragen, und seine Gedanken als direkte Anweisungen für uns zu betrachten.“ 7.

Indem die spezifische Eigenart der Gorbatschowschen Entdeckung des wahren Lenin darin besteht, die Gedanken des Revolutionärs nicht als direkte Anleitungen für unser Handeln aufzufassen, wird deutlich, daß sich die Wege Michail Gorbatschows und die Wege Wladimir Iljitsch in der Frage der NEP trennen. Die NEP im Original wurde initiert, um eine durch den ersten Weltkrieg und sich diesem anschließenden Bürgerkrieg Rot gegen Weiß völlig am Boden liegende Volkswirtschaft überhaupt erst wieder in Gang zu bringen, alle späteren Berufungen auf die NEP sind deshalb fragwürdig, auch Crutschow berief sich auf sie, aber die durch den zweiten Weltkrieg hart getroffene Volkswirtschaft regenerierte sich noch zu Lebzeiten Stalins in erstaunlichem Tempo. Die NEP diente sowohl Crutschow als auch Gorbatschow als Maske, um durch Berufung auf Lenin in der Theorie eine antileninistische Politik der Abkehr von kollektiven Arbeitsformen zu, wie man es nannte: „mehr Eigeninitiative“ in der Praxis durchzusetzen. Gegen „mehr Eigeninitiative“ ist nichts einzuwenden, wenn sie aufs Kollektiv und nicht auf die Egoität ausgerichtet ist.

Die revolutionäre Gewalt

Stets bezeugten Marx, Engels, Lenin und Stalin der revolutionären Gewaltanwendung aufbegehrender Massen hohen Respekt. (Marx nannte noch am Vorabend der Pariser Kommune einen bewaffneten Aufstand eine verzweifelte Torheit, als dieser aber ausbrach, war er sofort bereit, von den Massen zu lernen).  Dialektik galt ihnen immer als eine Methode der Konfliktaustragung durch die Extreme hindurch und nicht zur Rechtfertigung der Kooperation und der faulen Kompromisse mit dem Klassengegner. Aus Gorbatschows Mund hören wir daher zur Gewaltfrage Merkwürdiges. „Lenin bleibt uns als Beispiel eines Revolutionärs, der zu einem entschlossenen und unabänderlichen Schritt in der schwierigsten – wenn das Land vor einer Revolution steht und sie fürchtet, wenn gewaltige und mächtige Volkskräfte zum Ausbruch kommen, um die Geschichte mit ihrem Aufbauwerk zu bereichern. Aber sie können auch zu einer zerstörenden Elementarkraft werden“. 8. Furcht vor der Revolution ? Diese Formulierung darf nicht aus dem Munde eines Revolutionärs kommen, in einer proletarischen Revolution erheben sich gerade Millionen geknechteter und getretetener Menschen. Wie hat nun Lenin, der immer der urwüchsigen Primitivität der Volksmassen vertraute 9., wirklich das Verhältnis zwischen destruktiven und konstruktiven Kräften des Volkes gesehen ? Als Dialektiker hat er es glänzend verstanden, die anfängliche revolutionäre Destruktivität der emanzipativen Massenerhebungen mit der dann folgenden Konstruktivität eben dieser sich befreienden Volksmassen zu verbinden. Während jede wirkliche Revolution nur diese Reihenfolge unter unvermeidbaren Brüchen kennt, finden wir bei dem Marxisten in Potenz ein depotenzierendes „Aber“ – als ob man die Revolution mit ihren zerstörerischen Elementargewalten fürchten müsse ! – er sagt selbst, dass die Perestroika aufpassen müsse, nicht in revolutionären Sprüngen zu verfahren, „…die außerordentlich gefährlich sind“. 10. Und nun halte man es zusammen: das stolze Wort von der „Revolution in der Revolution“ und die philiströse Warnung vor den revolutionären Sprüngen – das sind die Komponenten, aus denen die Weiterentwicklung des Marxismus  in Gestalt des Neuen Denkens gezeugt wurde. Ein höchst origineller Wechselbalg, saugt mal die Muttermilch überschäumender Worte, mal die der staatsmännischen Umsicht – aber hat men denn nicht gemerkt, dass es sich von Anfang an um eine Totgeburt handelte ? Ist es noch verwunderlich, wenn Gorbatschow Lenin „Versuche“ unterjubelt, „Einvernehmen mit jenen anzustreben, die die Oktoberrevolution abgelehnt hatten. Daraus resultiert die Orientierung auf Koexistenz, Zusammenleben mit der „Partei des Friedens“ im bürgerlichen Lager des Westens. Auf selbe Weise kann man den „Gedanken des Bürgerfriedens“ interpretieren, von dem Lenin 1921 gesprochen hat, und den er nicht lediglich mit der Entwicklungsperspektive des Landes, sondern auch mit der Weltpolitik verknüpfte.“ 11. Verfolgen wir genauer, wie Lenin die Frage: `Krieg und Frieden´ mit der Weltpolitik verknüpfte. „Hat es denn in der Geschichte auch nur eine große Revolution gegeben, die nicht mit Krieg verbunden gewesen wäre ? Natürlich nicht ! Wir leben nicht nur in einem Staat, sondern in einem System von Staaten, und die Existenz  der Sowjetrepublik neben den imperialistischen Staaten ist auf die Dauer undenkbar. Am Ende wird entweder das eine oder das andere siegen. Und bis dieses Ende eintritt, ist eine Reihe furchtbarster Zusammenstöße zwischen der Sowjetrepublik und den bürgerlichen Staaten unvermeidbar.“ 12. (…furchtbarster Zusammenstöße, der Zweite Weltkrieg, vom deutschen Monopolkapital primär zur Auslöschung des jüdischen Bolschewismus geführt, hat es gezeigt).

Indem die spezifische Eigenart der Gorbatschowschen Entdeckung des wahren Lenin darin besteht, den Revolutionär in einen Dutzendpazifisten zu pervertieren, wird deutlich, daß sich die Wege Michail Gorbatschows und die Wege Lenins in der Frage der revolutionären Gewalt trennen.

Die Demokratie der Massen

Zu diesem allseits beliebten  Thema überschlagen sich die Schmeichler und Volksverführer förmlich in der Anhäufung zuckersüßer Worte. „Die Revolution und der Sozialismus – das ist, um mit Lenin zu sprechen, das lebendige Schaffen der Massen selbst.“ 13. Verbal verbeugt sich Gorbatschow hier vor der Lebendigkeit der Massen, sein wahrer Demokratismus  kommt indes in derselben Rede an einer anderen Stelle zum Vorschein, und in diesen wenigen, kurzen Sätzen auch sein Umgang mit Lenin. „Zumal haben noch nicht alle in den neuen Sowjets begriffen, daß die anhaltenden Wahlen und Kundgebungsfeldzüge vorbei sind. Die Menschen erwarten Entscheidungen und konkrete Maßnahmen. Wir müssen eine schwierige Arbeit leisten, um – so Lenin – „den stürmischen wie Hochwasser im Frühjahr über alle Ufer brandenden Versammlungsdemokratismus der werktätigen Massen zu verbinden mit der eisernen Disziplin  während der Arbeit.“ 14. Ist nur noch zu ergänzen, daß für die heutigen Machthaber in Moskau auch noch etwas anderes vorbei ist. „Die stürmische, widersprüchliche, heroische und dramatische Zeit ist vergangen.“ 15. So richtig einerseits diese Aussage das Bewußtsein der Bürokratenclique widerspiegelt, grundfalsch ist die Auffassung über die Wahlen und die Kundgebungsfeldzüge in ihrer Beziehung zur revolutionären Arbeit der sowjetischen Leitung, Offenkundig liegt ein zweifaches Demokratieverständnis vor. Während für einen stets mit den Massen gehenden Dialektiker Lenin alles darauf ankommt, den Versammlungsdemokratismus der werktätigen Massen mit disziplinierter Arbeit zu verbinden, erklärt „Volksfreund“ Gorbatschow imStile des Kaisers Napoleon die Revolution für beendet 16. und dieser Winkelzug wird in Worte gekleidet…um mit Lenin zu sprechen…so Lenin… Abschließend sei nur auf die wirklich heroischen Worte von Lenin hingewiesen: dass eine kommunistische Gesellschaft nicht mit reiner Demokratie gleichzusetzen ist, sondern dass in dieser die Demokratie ABSTIRBT !! Das ist der zentrale Gedanke wann immer man über die Demokratie der Massen „philosophiert“.

Indem die Manipulierung des Leninismus bereits die Grenze zur Schamlosigkeit überschritten hat, wird deutlich, dass sich die Wege Michail Gorbatschows und die Wege Lenins in der Frage der demokratischen Massenbewegungen trennen.


1. Michail Gorbatschow, Wort über Lenin, in: Sowjetunion heute, Beilage zur Ausgabe Mai 1990, Nr 5, Seite 1 der Beilage

2. a.a.O.,5

3.a.a.O.

4.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4,481

5. Michail Gorbatschow, Wort über Lenin, in: Sowjetunion heute, Beilage zur Ausgabe Mai 1990, Nr 5, Seite 4f. der Beilage

6.Lenin, Politischer Bericht des ZK der KPR (B) vom 27. März 1922, in: Lenin Werke Band 33,267

7. Michail Gorbatschow, Wort über Lenin, in: Sowjetunion heute, Beilage zur Ausgabe Mai 1990, Nr 5, Seite 5 der Beilage

8.a.a.O.,1

9. Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1971,319

10. Rede Michail Gorbatschows bei der Schlußsitzung der XIX. Unionskonferenz der KPdSU am 1. Juli 1988, in: XIX. Unionskonferenz der KPdSU, Dokumente und Materialien, APN Verlag Moskau, 1988,121

11. Michail Gorbatschow, Wort über Lenin, in: Sowjetunion heute, Beilage zur Ausgabe Mai 1990, Nr. 5, Seite 4 der Beilage

12. Lenin, Bericht des ZK auf dem VIII. Parteitag der KPR (B), Lenin Werke Band 29, 138f. Auch Marx war Anhänger eines revolutionären Weltkrieges, Vergleiche Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, Marx Engels Werke Band 6,397f.

13.Michail Gorbatschow, Wort über Lenin, in: Sowjetunion heute, Beilage zur Ausgabe Mai 1990, Nr 5, Seite 2 der Beilage

14.a.a.O., Seite 5

15.a.a.O., Seite 2

16.Am 15. Dezmeber 1799 erklärte Napoleon I. die französische Revolution für beendet, Bereits nach dem Sturz Robespierres (1794) zeichnete sich ab, dass das Rousseau´sche Ideal des fprtwährend auf den öffentlichen Plätzen versammelten Volkes vorbei ist. (Jean Jacques Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, Röderberg Verlag Frankfurt am Main, 1978,123) Dieses Volk von 1789 – zukünftig hatte es fortwährend massenhaft auf den Schlachtfeldern Europas im Interesse der Direktorial- und Napoleonthermidorianer zu verbluten.


Gorbatschows frei atmende Menschen

4. Dezember 2010

Von Heinz Ahlreip, 1990

In seiner auf dem 28. Parteitag gehaltenen Rede „Den Weg der Perestroika weitergehen“ hat Michail Gorbatschow einen Satz von bewundernswerter Klarheit formuliert: „Das Stalinsche Sozialismus Modell wird durch eine Gesellschaft freier Menschen abgelöst.“ 1. Offenbar gehört zur Freiheit eines Perestroikamenschen aber nicht die Kenntnis historischer Tatsachen, wenn der Oberherr dieser Menschen als Ursache der tiefen ökologischen Krise in der Sowjetunion angibt: „Handelt es sich bei dem beklagenswerten Zustand unserer Wälder und Flüsse etwa um Missetaten der letzten Jahre ? Ist die schwere ökologische Situation – mehr als 100 Städte befinden sich in einer Notstandszone, über 1000 Betriebe mußten aus diesem Grund stillgelegt werden, das Drama des Baikal-, des Aral- und des Ladoga Sees sowie des Assowschen Meeres; Tschernobyl und andere Havarien, Katastrophen an Eisenbahnen und Gaspipelines – ist all das etwa nicht auf die Politik zurückzuführen, die jahrzehntelang betrieben wurde ?!“2. Prüfen wir also die Frage, welche Verantwortung und Schuld der „Barbar“ Stalin für Tschernobyl, für Katastrophen an Gaspipelines trägt !

Michail Gorbatschow wird es uns gestatten, zunächst nach der Politik zu fragen, die jahrzehntelang vor der Oktoberrevolution betrieben wurde. Man weiß, wie der Zarismus mit den Naturschätzen Rußlands umging. Zum Beispiel führte exzessiver Holzexport und der Holzbedarf beim Ausbau des Eisenbahnschienennetzes zu einer regelrechten Entwaldung weiter Gebiete; die Petersburger Adelsclique beschäftigte sich mit mehr oder minder schöngeistigen Dingen statt mit dem Gedanken der planmäßigen Wiederaufforstung der Kahlschläge. Schon Friedrich Engels hatte 1893 in seiner Schrift „Kann Europa abrüsten ?“ auf die verheerenden Folgen dieses Raubbaus hingewiesen: Regen- und Schneewasser wurde nicht aufgesogen, Bäche und Ströme schwollen an zu Überschwemmungen. Im Sommer aber sank die Bodenfeuchtigkeit , so daß sie für die Wurzeln der Getreidehalme unerreichbar wurden. Hungersnöte in weiten Gebieten waren die Folge, erinnert sei nur an das sogenannte „böse Jahr“ 1891, in dem der Viehbestand der Bauern rapide abnahm. 3.  „Zerschluchtung und Abschwemmung des fruchtbaren Schwarzerdebodens, Flugsandbildung, Senkung des Grundwasserspiegels führten zur Zerstörung der traditionell fruchtbaren Gebiete im Südwesten…zu periodisch wiederkehrenden Dürren, Mißernten und damit Hungersnöten. Der Vormarsch der Steppe schien unaufhaltsam.“ 4. Durch die fehlenden Waldgebiete konnten die trockenen Winterwinde aus Sibirien ungehindert die schützende Schneedecke der Wintersaat wegfegen, so daß die Durchtränkung der Erde durch das Schmelzwasser im Frühjahr ausblieb. Im Sommer waren die Felder gegen die heißen, aus den Steppen Mittelasiens kommenden Ostwinde ohne Schutz.

Schon vor 1917 hatte Dokutschajew (1846 bis 1903) Experimente mit Waldschutzstreifen unternommen. Aber erst die Sowjetmacht gab seine Schriften neu heraus und setzte seine Pläne in die Praxis um. „Mit der Anlage der Waldschutzstreifen wurde eine Waffe geschaffen, um die Heftigkeit der Winde zu brechen, wurde ein riesiges natürliches Wasserreservoir angelegt, das einerseits den zerstörerischen Abfluß plötzlicher Regengüsse verhinderte, andererseits als ausgleichender Wasserspeicher fungierte.“ 5. Auf Feldern, die der Wald schützte, konnte schon bald eine Ernte erzielt werden, die drei- bis viermal höher war als auf Fluren ohne Schutzstreifen. Hier haben wir eine der Missetaten des Stalinschen Sozialismus Modells ! Ich will schon gar nicht reden von der schweren Missetat, daß im Jahr 1949 allein 70 000 Spezialisten für Waldanpflanzungen ausgebildet wurden. Neben der Entwaldung war die zunehmende Versteppung und systematische Verschlechterung des Bodens eine Erblast des Zarismus. Der Boden war besonders durch Staubstürme und Zerschluchtung (Ovragi) gefährdet. Seit Liebig glaubte man, dass sinkende Bodenfruchtbarkeit allein auf den Entzug mineralischer Substanzen zurückzuführen sei. Auch ein Wechsel der Frucht halte die Abnahme der Fruchtbarkeit nicht auf. Der Moskauer Agarwissenschaftler W. Wiljams stellte diese überlieferte Thematik einer Autorität in Frage. Er fand heraus, dass die Bodenbildung nicht nur das Produkt eines geografisch-klimatischen Prozesses ist, sondern auch von der Evolution und Tätigkeit lebender Organismen, besonders Pflanzen, abhängt. Er entwickelte das „Grasfeldersystem“ (travopolnaja sistema), bei dem die allgemeine Fruchtfolge durch die Aussaat mehrjähriger Gräser unterbrochen wurde. Deren biologisches Verhalten und Wurzelsystem förderte die Humusbildung und hielt die Versteppung auf. 6. Hier haben wir eine weitere Missetat des Stalinschen Sozalismus Modells. Aber wo liegen die Wurzeln dieses Übels ? Sind es Spezialisten wie Dokutschajew und Willjams allein ? Schon Descartes hatte durch das Heraufkommen der neuzeitlichen Naturwissenschaften eine Zukunft erblickt, in der die Bauern bessere Wissenschaftler und Philosophen abgeben werden als die Scholastiker der Akademie. Unter der Diktatur der Arbeiterklasse hatte sich ein vertrauensvolles Zusammenwirken von Bauern und Spezialisten herausgebildet, der gigantische Reichtum der bäuerlichen Naturbeobachtung und wissenschaftliche Fachkenntnisse befruchteten sich wechselseitig. Das Geheimnis des Stalinschen Sozialismus Modells ist deshalb einfach: Man muß die reichen Erfahrungen der Bauernmassen wissenschaftlich zusammenfassen. Und der einfachste Weg dahin ? Schickt Bauernkinder auf proletarische Universitäten.

Bauernkinder in den Universitäten ? In den Dokumenten des XXVIII: Parteitages wird dieser Gedanke mit keiner Silbe erwähnt. Ausgelöscht werden soll die Erinnerung an den Großen Stalin Plan zur Umgestaltung der Natur, den der Ministerrat der UdSSR am 28.10. 1948 annahm. Der Plan sah die Anlage von Waldschutzpflanzungen, die Verankerung des Fruchtfolgesystems, die Anlage von Teichen und Kanälen zur Sicherung höherer und stabiler Ernten in den Steppen- und Waldsteppengebieten des europäischen Teils der UdSSR vor. Das war ein Gebiet von 160 Millionen Hektar. Und dieser Plan wurde anfangs in die Tat umgesetzt. Die staatlichen Schutzwaldgürtel zogen sich in einer achtfachen Staffelung in einer Gesamtlänge von 5 300 Kilometer zwischen Ural und Kaspisenke hin. Die Wolga wurde zu einem See von 600 Kilometer Länge und 33 Kilometer Breite aufgestaut. Bis 1952 war ein Drittel des Waldaufforstungsplans erfüllt, am 31.5.1952 wurde der Wolga Don Kanal eröffnet. Man kennt bisher noch keinen Plan der Perestroika, der die Massen ergriffen hätte, jedes hochtrabende Vorhaben teilt das traurige Schicksal des Tennessee-Planes von Roosevelt. Die Wasserstände des Tennesseeflußes  (mit einer Länge von 1600 km der größte Nebenfluß des Ohio, zum Vergleich die Länge des Rheins: 1300 km) wiesen bei starken Regenfällen erhebliche Schwankungen auf und extreme Überschwemmungen richteten große Schäden für cirka viereinhalb Millionen Menschen an. Der Plan sah Flußregulierungen, Staudämme zur Energiegewinnung, eine von Regenperioden unbeeinflußte Schiffahrt, vor allem aber die Aufforstung gegen Bodenerosion vor, zumal die durch kapitalistischen Raubbau bedingte Entholzung  dazu geführt hatte, dass die feineren Bodenbestandteile durch Regen herausgespült werden  konnten, „…das Land wurde unfruchtbar, und der Grundwasserspiegel senkte sich. In den Trockenzeiten konnte der Wind ungehindert weitere Krume verwehen…“ 7. In gewisser Weise wies dieser Roosevelt Plan etwas für eine kapitalistische Proftimaximierungswirtschaft atypisches auf: er umfasste das Gebiet mehrerer Bundesstaaten und war auf 15 Jahre (1933 bis 1948)  mit bis zu 40 000 Arbeitskräften unter der Leitung der Tennessee Valley Authority veranschlagt. In der kapitalistischen USA aber konnte sich dieser TVA- „Kollektivismus“  nicht durchsetzen, das Gesetz der Profitmaximierung erwies sich als stärker. Nach der Umstellung auf die Kriegswirtschaft im Jahr 1941 „schluckten“ große Konzerne den Rahm des Tennessee Valley ab. Formal blieb die Tennessee Valley Authority zwar bestehen, aber die Krafterzeugung ging zum Beispiel in den Machtbereich der General Electric Company über. Und an den Staudämmen prangte immer noch die Inschrift: „Gebaut für das Wohl der Vereingten Staaten“. „Während ursprünglich die T.V.A. dafür sorgte, dass die Ausbeutung der Bodenschätze in die komplexe Entwicklung und Umgestaltung  des Gebietes hineinpaßte und daß keine Schädigungen der natürlichen Verhältnisse mehr erfolgten, sind seit der Übernahme des Bergbaues durch die Rüstungskonzerne vielfach wieder die alten kapitalistischen Raubbaumethoden eingerissen…“ 8 Ein Vergleich zwischen den Plänen Stalins und Roosevelts verdeutlicht, was bewußtes Handeln im Kollektiv leistet und zu welchem Dilettantismus die Anarchie der Produktion führt. Dieses Urteil fällen nicht alle „Marxisten“ ! Sicherlich sind die führenden Industriestaaten in der Lage, in bedeutendem Umfang Umweltschutzmaßnahmen in ihren Ländern durchzuführen. Sie sind auf jeden Fall in höherem Maße dazu in der Lage als es je ein sozialistisches Land war.“ 9. Sicherlich und auf jeden Fall kennt Gysi Leistungen von Industriestaaten, die die der Werktätigen des Stalingrader Bezirkes in den Schatten stellen, die die auf fünfzehn Jahre berechneten Waldschutzpflanzungen in sieben Jahren anlegten.

Der Stalin-Plan sollte bis 1965 verwirklicht werden. Aber nach 1956 ist die Fähigkeit zum sinnvollen Umgang mit der Natur so ziemlich den Bach heruntergegangen. Es fing bereits an mit den sogenannten Crutschowschen Experimenten zur Neulandgewinnung in Mittelasien. Zwar brachte das Jahr 1958 eine Rekordernte, doch in der kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik , dem Hauptgebiet der Neulandexperimente, ist es versäumt worden, Waldschutzgürtel anzulegen, so daß der dünne Humusboden der mittelasiatischen Steppen ständig aufbrach, was zu unvermeidlichen Erosionen führte. Als rettender, aber von vornherein zum Scheitern verurteilter Manager wurde der Sekretär des Zentralkomitees Beljajew in die Problemzone gesandt. (Siehe die Prawda vom 14. November 1958), um am 20. Januar 1960 als Sündenbock zurückgerufen zu werden. (Er wird noch für fünf Monate als Sekretär des Kreisparteikomitees  nach Stawropol geschickt und gilt seit dem 25. Juni 1960 als verschollen. „Er ist einer der ersten Mitglieder des Parteipräsidiums und Sekretäre des Zentralkomitees unter Crutschow, der als Sündenbock sang- und klanglos verschwindet.“ 10.).

Aus dem komplexen und nicht leicht nachzuvollziehenden Übergang zum Kapitalismus in der Sowjetunion will ich zwei Aspekte deutlicher markieren. Noch in den 50er Jahren gingen etliche Agrarökonomen mit dem Gedanken schwanger, die staatlichen Maschinen-Traktor-Stationen aufzulösen und die wichtigsten Produktionsinstrumente an die Kollektivbauern zu verkaufen. In seiner Polemik gegen die genossen sanina und Wensher wandte sich Stalin scharf gegen diese Vorschläge. „Daraus würde sich die Erweiterung des Wirkungsbereichs der Warenzirkulation ergeben, denn ungeheure Mengen von Produktionsinstrumenten der Landwirtschaft würden in die Bahn der Warenzirkulation geraten…Kann die Erweiterung des Wirkungsbereiches der Warenzirkulation unsere Entwicklung zum Kommunismus fördern ? Wäre es nicht richtiger zu sagen, daß sie unsere Entwicklung zum Kommunismus nur hemmen kann ?“ 11. Und wie wurde die Entwicklung zum Kommunismus nach Stalins Tod gehemmt ? Durch die Auflösung der Maschinen Traktor Stationen, durch Hineinwerfen ungeheurer Mengen in die Warenzirkulation. Das waren erste Schritte auf dem Weg der Perestroika, erste Schritte zur Rückbildung zu einer profanen warenproduzierenden Gesellschaft, in der die Produzenten unter der Kontrolle der Produkte stehen, statt sie zu kontrollieren. Wiederholt hatte Stalin betont, daß das Bewußtsein der Menschen hinter ihrer tatsächlichen Lebenslage zurückbleiben kann. Objektiv waren zum Beispiel die Kollektivbauern Kollektivisten, aber ihr Bewußtsein kann noch lange das von Privateigentümern sein. Auch die Revisionisten machten sich über diese Ausführungen Stalins Gedanken. Den Rest der  zu seinen Lebzeiten bereits vorliegenden  und zum größten Teil aufgedeckten noch vorrätigen konterrevolutionären Ansätze fortsetzend, sammelten und konzentrierten sie alle noch auffindbare feudal-klerikale und kapitalistische Denkweise, um durch Mästung des tendenziell rückständigen Überbaus die Entwicklung zum Kommunismus zu hemmen. So lebte zum Beispiel die bürgerliche Soziologie wieder auf, die indiziert, daß die Formen der Beziehungen unter den Menschen zunehmend entfremdeten Charakter annehmen. Wie die Religion das Verhältnis Mensch : der wahre Gott reflektiert, so die Soziologie das Verhältnis der Ware Mensch zur Ware Mensch. (Eine warenproduzierende Gesellschaft wird immer mit dem mittelalterlichen Makel der Religion behaftet sein und erst in der warenfreien Produktion bricht der Atheismus sich die Bahn seiner Vollendung und Aufhebung). Und so nimmt auch ihr Verhältnis zur Natur einen entfremdeten Charakter an, in einer warenproduzierenden Gesellschaft verlieren die Menschen die Übersicht über ihre Beziehungen, ihre Denkweise wird statt dialektisch metaphysisch und ihre metaphysischen Begriffe sind, was schon der materialistische Aufklärer Holbach herausgearbeitet hatte, relativ auf den Stand der Naturbeherrschung. „Wenn der einzelne Fabrikant oder Kaufmann die fabrizierte oder eingekaufte Ware nur mit dem üblichen Profitchen verkauft, so ist er zufrieden, und es kümmert ihn nicht, was nachher aus der Ware und deren Käufer wird. Ebenso mit den natürlichen Wirkungen derselben Handlungen. Die spanischen Pflanzer in Kuba, die die Wälder an den Abhängen niederbrannten und in der Asche Dünger genug für eine Generation höchst rentabler Kaffeebäume vorfanden, – was lag ihnen daran, daß nachher die tropischen Regengüsse die nun schutzlose Dammerde herabschwemmten und nur nackten Felsen hinterließen. Gegenüber der Natur wie der Gesellschaft kommt bei der heutigen Produktionsweise vorwiegend nur der erste , handgreifliche Erfolg in Betracht; und dann wundert man sich noch, daß die entfernteren Nachwirkungen die hierauf gerichteten Handlungen ganz andere, meist ganz entgegengesetzte sind“. 12. Man muß sich also nicht wundern, wenn die Pläne Gorbatschows herabgeschwemmt werden wie schutzlose Dammerde und der Mann in seiner ganzen intellektuellen Nacktheit zurückbleibt, daß in der Peerstroika immer etwas ganz anderes herauskommt, als er sich ursprünglich vorgenommen hat. Ist es jetzt noch verwunderlich, wenn dieser Mann auch die Ursachen für den beklagenswerten Zustand der Wälder und Flüsse in der Sowjetunion im sogenannten Stalinismus sucht ? Warum befinden sich über hundert Städte in einer Notstandszone ? Weil „….jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit ist“.13.

Und so stehen die Völker der Sowjetunion auf ihrem geschichtlichen Weg vor einer einfachen Alternative: entweder auf die von Gorbatschow verheißene „Freiheit“ zu verzichten und sich dem zuzuwenden, was er „Stalinsches Sozialismus Modell“ nennt oder aber den Weg der Perestroika weitergehen, um in nur wenigen Jahren auf einem Territorium zu leben, das dann sein wird – ein einziges stinkendes Notstandsgebiet.

1. Michail Gorbatschow, Den Weg der Perestroika weitergehen, in: Dokumente und Materialien, XXVIII: Parteitag der KPdSU, Novosti Moskau 1990,6

2.a.a.O.,6

3. Friedrich Engels, Kann Europa abrüsten, MEW 22, 390

4 Der Große Stalin Plan zur Umgestaltung der Natur,in: Dem Volke dienen 4/1976,30

5.a.a.O.,31

6.Vergleiche Erich Buchholz; Der Kampf gegen die Dürre in der Sowjetunion, Hamburg Reinbek 1950,21

7. Arnulf Sieber, Das Tennessee-Projekt – und das kapitalistische Wirtschaftssystem, in: Urania, Zeitschrift über Natur und Gesellschaft, Jahrgang 16, Heft 7, Juli 1953, 241. Dieser Aufsatz enthält eine sehr kenntnisreiche und detaillierte Darstellung des Projektes.

8.a.a.O.,246f.

9. Gregor Gysi, Rede auf dem 2. Parteitag der PDS. in: Neues Deutschland vom 28.1.1991,7

10. Werner Scharndorff, Moskaus permanente Säuberung, olzog verlag, München und Wien, 1964,325

11. Josef Stalin, Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR, Stalin Werke Band 15, Dortmund,340

12.Friedrich Engels, Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, MEW 20,455. Als einer der ersten Sozialisten hatte Charles Fourier auf Probleme der Umweltzerstörung durch die Zivilisation hingewiesen. was „Wasser und Wälder anlangt, stehen wir sogar weit unter den Wilden, denn wir beschränken uns nicht wie sie darauf, die Wälder in ihrem Urzustand zu belassen, sondern rüclen ihnen mit Keilen zu leibe und verwüsten sie, woraus Bergrutsche und Klimaverschlechterung resultieren, Dieses Laster führt auf zweifache Weise zur Unordnung des Wassersystems, indem es Quellen zerstört und Unwetter auslöst. Unsere Flüsse, die zwischen extremer Trockenheit und plötzlichen Überschwemmungen wechseln, verursachen periodenweise Schäden und können nur sehr wenige Fische ernähren … Wir sind also völlig barbarisch in unserem Umgang mit Wäldern und Gewässern. Wie viele unserer Nachkommen werden nicht die Zivilisation verfluchen, wenn si so viele kahl gewordene Berge sehen…“. (Charles Fourier, Théorie d  Unité Universelle, Band 4, 159f.). „Man ist über die Armseligkeit der Landwirtschaft unter der „Zivilisation“ erstaunt, wenn man die Berichte antiker Dichter über die Freuden des Landlebens liest…“ (a.a.O.,499).

13. Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,528

ZUR DDR

3. Dezember 2010

Die Herausbildung beider deutschen Staaten nach 1945 ergab sich aus dem Endverlauf des Zweiten Weltkrieges. Gegen Hitlerdeutschland kämpfte eine Koalition heterogener Mächte, eine sozialistische Republik (UdSSR) zum Beispiel zusammen mit England, einer konstitutionellen Monarchie. So kam es zu keinem einheitlichen Verwaltungssystem im besiegten Deutschland, sondern je nach Einflußsphären, die durch die Armeen erkämpft wurden, ergab sich ein prosozialistisches System im Osten und ein kapitalistisches im Westen. Stalins Vorschlag in der sogenannten Stalin Note von 1952, ein einheitliches neutrales Deutschland mit freien Wahlen auf demokratischer Grundlage zu bilden, wurde vom Westen hintertrieben. Nach Stalins Tod 1953 vertrat noch der Geheimdienstchef Berija eine Stalins Idee fortsetzende nationale Position für Deutschland, er wollte keine Spaltung, wurde aber auf Grund innerer Machtkämpfe mit revisionistischer Weichenstellung am 23. Dezember 1953 in Moskau erschossen. Im kalten Krieg einigten sich spd-bürgerliche und revisionistische Volksfeinde darauf, den Körper des deutschen Volkes zweizuteilen. Der 68er SDS zum Beispiel forderte die Aufnahme normaler (!?) Völkerrechtsbeziehungen. Im Programm der am 1. Januar 1919 gegründeten KPD hieß es noch: Schaffung einer einheitlichen deutschen sozialistischen Republik, was konsequent an das Kommunistische Manifest anknüpfte. Fünfzehn Tage später wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit Unterstützung der SPD ermordet.

Ein großer Nachteil der DDR bestand darin, dass sie, verkürzt formuliert, durch die Rote Armee gegründet wurde, sie ergab sich nicht aus einer großen Volksrevolution, schon gar nicht aus einer unter Führung der Arbeiterklasse. 1. Anton Ackermann, der ab 1933 die Untergrundorganisation der KPD in Berlin geleitet hatte, veröffentlichte im Februar 1946 eine Broschüre: „Gibt es einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus ?“, in der er einen Kurs unabhängig von der Sowjetunion vorschlug, mit dem er sich aber nicht durchsetzen konnte. Diese Abhängigkeit von der UdSSR war Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil die UdSSR nach dem Krieg wichtige Güter als Reparationen abtransportierte, was nach den Verwüstungen der Wehrmacht in Russland verständlich war, (indeß war die Grundversorgung der ostdeutschen Bevölkerung unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Hitlerfaschismus wieder vorbildlich), aber diese Reparationssache ist etwas Sekundäres, es bleibt für den Gesamtverlauf der DDR entscheidend die politische und militärische Abhängigkeit von Moskau, der Segen bestand darin, dass die „Gruppe sowjetischer Streitkräfte“ 2. in der DDR deren Sicherheit vor einem Angriff aus  dem Westen und Übernahme durch ihn überhaupt erst garantierte. So geht dann auch der Kollaps der DDR Hand in Hand mit dem Zusammenbruch des Revisionismus in der UdSSR. In ihren letzten Lebenstagen sträubte sich die DDR Führung gegen den Einfluß der dekadenten Gorbatschowideen, deren reaktionärer Charakter für fast jeden Ochs und jeden Esel erkennbar waren, konnte sich aber gegen ihren Sog letztendlich nicht mehr wehren. Der sanftlebende protestantische Pfaffe bereitete im kirchlichen Untergrund die kleinbürgerliche Volksverhetzung, den nach seiner Auffassung endgültigen Triumph Martin Luthers über Thomas Müntzer vor. „Man soll sie totschlagen wie tolle Hunde“ geiferte Luther gegen die aufrührerischen Bauern, also gegen das deutsche Volk.Denn der Anteil der Bauern an der damaligen Bevölkerung betrug über 90 Prozent. Von hier läuft eine gewisse Parallele zu Hitlers Nerobefehl, das deutsche Volk für immer aus der Weltgeschichte auszulöschen. Dann steht es aber einem Mann, der an der Spitze einer Arbeiter- und Bauernrepublik figuriert, schlecht an, bereits im Juni 1980 den Vorsitz des staatlichen (!) Martin-Luther-Komittees zu übernehemen für den 500. Geburtstag des Reformators im Jahre 1983. Als ob er es gar nicht abwarten konnte. Man schlägt die Hände über den Kopf zusammen, wenn man nachliest, was Marx über Luther geschrieben hatte: Luther hatte alle Deutschen in Mönche verwandelt. Damit war die SED Müntzer in den Rücken gefallen. Zu fragen ist, ob mit dem Empfang Erich Honeckers in Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. am 24. April 1985 die SED nicht sogar Martin Luther in den Rücken gefallen war. Ja der CDU Chef der DDR, der Mönch Gerald Götting, verstieg sich sogar zu dem Ausspruch, dass das biblische Arbeitsethos mit den Prinzipien sozialistischer Arbeitsmoral aufs engste verwandt sei. Damit war nun alles verdreht worden: die christliche Bibel diente dem faulen Pfaffenpack doch historisch dazu, vom Zehnten zu schmarotzen. Warum dürfen wir „de Pfaffe net totschlage“, sang zum Beispiel der Hegauer Haufe, man sieht, wie rückständig nicht nur die DDR CDU war. Das Lied des Hegauer Haufens wird eines Tages den christlichen Fettbonzen noch stark in den Ohren dröhnen. Wollen doch nicht hinter das Niveau des Frühaufklärers Meslier zurückfallen, der schon am Anfang des 18. Jahrhunderts hoffte, „…daß alle Großen und Vornehmen der Erde mit den Gedärmen der Pfaffen aufgehängt und erdrosselt würden.“ 3. Der Kampf gegen die Religion ist heute aber stets ein vom Klassenkampf des Proletariats abzuleitender und ihm unterzuordnender. Darin besteht ja gerade der Fortschritt der marxistischen Religionskritik gegenüber dem radiaklen bürgerlichen Atheismus. Heute ist die Wurzel der Religion die Herrschaft des Kapitals, unter der die Produzenten den Produktionsprozess nicht beherrschen. Die Spaltung des Arbeitsprodukts in nützliches Ding und Wertding, also als Ware, macht die gesellschaftlichen Beziehungen nebelhaft und undurchsichtig. „Der religiöse Widerschein der wirklichen Welt kann überhaupt nur verschwinden, sobald die Verhältnisse des praktischen Werkeltagslebens den Menschen tagtäglich durchsichtig vernünftige Beziehungen zueinander und zur Natur darstellen. Die Gestalt des gesellschaftlichen Lebensprozesses, d.h. des materiellen Produktionsprozesses, streift nur ihren mystischen Nebelschleier ab, sobald sie als Produkt frei vergesellschafteter Menschen unter deren bewußter planmäßiger Kontrolle steht.“ 4. Die Gewichtigkeit der Religion im Sozialismus ist relativ auch und gerade zum Grad der Überwindung der Warenproduktion.

Zunächst stand in der am 7. Oktober 1949 gegründeten DDR primär nicht der Aufbau des Sozialismus auf der Tagesordnung, sondern eine antifaschistische demokratische Politik. Nach dem Krieg kam aus Moskau die „Gruppe Ulbricht“,  das waren zehn Mann, es fehlten kommunistische Kader, denn 50 % der alten KPD Mitglieder aus der Weimarer Zeit waren durch den Naziterror getötet worden. Aber auch in den Säuberungen Ende der dreißiger Jahre in der UdSSR wurden emigrierte deutsche Kommunisten getötet. Man half sich nach der Vereinigung von KPD und SPD zur SED am 22. April 1946 auch mit Sozialdemokraten,also mit gemäßigten Faschisten, aus. 5. Wer hätte auf dem Höhepunkt der französischen Revolution daran gedacht, Jakobiner und Girondins zu vereinigen, nicht nur der Mord an Marat zeigte, dass es Todfeinde waren. Aber in Deutschland gehen die Uhren langsamer. Der Sozialismus sollte Schritt für Schritt in einer Reihe von Übergangsstufen  aufgebaut werden. Es gab noch keine verminte Zonengrenze und keine Mauer durch Berlin, die erst am 13. August 1961 errichtet wurde. Viele tausend Fachkräfte, Ärzte, Lehrer, Ingenieure gingen in den Westen, wo sie besser verdienten. Also einerseits fehlten alte erfahrene KPD Funktionäre und Teile der Intelligentsia wanderten ab. Nach 1848 und 1918 hatte wiederum eine nationale Intelligentsia (für eine Handvoll schäbiger West Mark)  politisch versagt. Die Besserbezahlung von Spezialisten im Sozialismus ist problematisch und, nimmt man Lenin genau, mit ihm unvereinbar: „Unser nächstes Ziel ist, die gesamte Volkswirtschaft nach dem Vorbild der Post zu organisieren, und zwar so, daß die unter Kontrolle und Leitung des bewaffneten Proletariats stehenden Techniker, Aufseher , Buchhalter sowie ALLE (kursiv von Lenin) beamteten Personen ein den „Arbeiterlohn“ nicht übersteigendes Gehalt beziehen.“ 6. Für den Aufbau des Sozialismus kam es zunächst zu im Ansatz richtigen Entscheidungen: während sich die Bundesrepublik mit Nazis und mit Hilfe der USA kapitalistisch wieder hochpäppelte, die ein antikommunistisches Bollwerk errichten wollten, gab es in der DDR einen antifaschistischen Kurs und nur wenige Nazis kamen in Führungspositionen. Die Verstaatlichung der Großbetriebe und die unter der Parole: „Junkerland in Bauernhand“ ablaufende Gründung von landwirtschaftlichen Produktiongenossenschaften gingen in die richtige Richtung. Im Oktober 1948 tauchte dann auch ein deutscher Stachanow auf: der Bergmann Adolf Hennecke erhöhte die Arbeitsnorm um 100 %, die höhere Arbeitsproduktivität im Vergleich zur kapitalistischen ist nach Lenin letztendlich entscheidend für die Überlegenheit des sozialistischen Systems.

1956 kam es zu einer Wende in der Politik des „Großen Bruders“ der DDR durch Crutschow auf dem XX. Parteitag, Stalin galt auf einmal als Verbrecher und die DDR machte diese Wendung mit. 7. Entscheidend für die Entartung des Sozialismus in Osteuropa nach 1956 sind Fehlentwicklungen in der Ökonomie, das sozialistische Wirtschaftssystem steht und fällt mit der Fähigkeit, die Warenproduktion einzudämmen und letztendlich die Warenwirtschaft zu überwinden, denn Ware bedeutet, das ihr Erwerb an Geld, an accumulierte Arbeit gebunden ist, dass dann aber die Menschen ihre eigenen Beziehungen unter der Warenentwicklung nicht mehr kontrollieren können. 1958 wurden in der UdSSR die Maschinen-Traktor-Stationen aufgelöst, in ihnen konnten sich die landwirtschaftlichen Kolchosen alle Geräte ausleihen. Diese Produktionsmittel kamen nun in die Warenzirkulation und damit wurde die sozialistische Planwirtschaft aufgeweicht. Die ganzen Jahrzehnte nach Stalins Tod sehen wir im östlichen Sozialismus immer wieder in der Wirtschaft Versuche, Elemente der Marktwirtschaft in den Plan zu integrieren. Das Konzept hierzu hatte der sowjetische Ökonom Liberman entwickelt. So wurde die Postion der Fabrikdirektoren gestärkt, die über ein gewisses Budget verfügten, mit dem sie Waren einkaufen konnten. Man bezog sich bei dieser Planwirtschaft mit kapitalistischen Elementen auf Lenin, der bei der Gründung der UdSSR eine ähnliche Politik verfolgte, die sogenannte NEP Politik: Neue Ökonomische Politik. Aber durch die NEP sollte eine daniederliegende Volkswirtschaft (erster Weltkrieg und russischer Bürgerkrieg) überhaupt erst wieder auf die Beine gestellt werden. Konnte man sich 1960 noch auf die NEP berufen ? Wenn doch Crutschow den Sozialismus schon als so weit entwickelt darstellte, dass er den baldigen Übergang zum Kommunismus in Aussicht stellte. Auch in der DDR wurden diesbezüglich 1962 „Libermansche“ Versuche unternommen, man sprach von dem NÖSPL (Neuen Ökonomischen System der Planung und Leitung). In diesen sogenannten Reformen steckte der Teufel im Detail, in der Kleinproduktion. Die NEP und die Neo NEPS förderten die Kleinproduktion, die zu Resultaten führte,  die Bourgeosie im restaurativen Sinne brauchte. Die Bourgeoisie hat schon die halbe Miete, wenn nur ordentlich eine Eigentümeratmosphäre entsteht. Es ist der Kleinproduzent, der die bürgerliche Restauration vorbereitet.

Als ein grundsätzliches Problem des untergegangenen Sozialismus ist der materielle Anreiz zu sehen. Um die Produktion zu steigern, wurden für besondere Leistungen Sondervergütungen vergeben. Hat das nicht Konkurrenzdenken und kleinbürgerliche Denk- und Verhaltensweisen gefördert ? Kader können gelockt durch materielle Anreize dann ein Privilegiensystem aufbauen, wenn nicht politisch ideologisch ein Korrektiv erfolgt, denn trotz einer sozialistischen Planwirtschaft kann das Bewußsein
der Produzenten immer noch ein asozialistisches bzw. asoziales sein. Es bildete sich eine kleinbürgerliche Verhaltensweise des Organisierens von begehrten Luxusgütern heraus, eine Schattenwirtschaft und eine Nischengesellschaft. „Ich reiße an mich, was ich kann, alles andere ist mir Schnuppe“, in diesem Satz spiegelt sich nach Lenin die kleinbürgerliche Mentalität wider. Die DDR hatte zudem den Nachteil, eine Westgrenze mit einem konkurrierenden Wirtschaftssystem zu haben, in dem diesselbe Sprache gesprochen und verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, es bildete sich eine falsche Vorstellung von einem „Goldenen Westen“ heraus, die Jugend war verrückt nach westlicher irrationaler Popmusik, schließlich wurde diese Musik mit infantlisierender Wirkung auch in der DDR hoffähig und zugelassen, von den Texten her ohne sozialistischen und/oder antikapitalistischen Inhalts. (Ton, Steine, Scherben waren da weiter). Das Gift der bürgerlichen Ideolgie zeigte Wirkung, Lenin machte uns darauf aufmerksam, dass bürgerliche Ideologie viel älter und vielseitiger entwickelt sei und über mehr Mittel zur Verbreitung verfüge.8. Es gab zu wenig Sozialismus in den Köpfen, das „sozialistische Bewußtsein der Arbeitermassen“ ist die einzige Grundlage,“die uns den Sieg verbürgen kann.“ 9. Selbst Lenin übte in der Schrift „Was tun ?“ Selbstkritik, dass er auf dem Gebiet der marxistischen Schulung, in seiner Zirkelarbeit in Petersburg 1893 bis 1895 noch mangelhaft arbeite. „…denn soweit es sich um mangelnde Schulung handelt, beziehe ich es vor allem auf mich selber.“10.

Vor welcher Aufgabe standen die Ökonomen in der DDR ? Kurz geantwortet, über zwei Entwicklungsphasen ZUSAMMEN MIT DEN VOLKSMASSEN den Kommunismus zu verwirklichen. Zusammen mit den Volksmassen – das ist das Entscheidende, um einer Bürokratisierung entgegenzuwirken. Die extrem schwierige Beherrschung dialektischer Prozessualität war die hohe Anforderung an die Kader,  der systematische Aufbau einer Planwirtschaft darf nicht versiegen lassen, dass dialektische Prozesse grelle Resultate tätigen und dass sie eine tiefe innerliche Unruhe vorantreibt. Lenin sprach von phantastischen Zickzackbewegungen in der Geschichte, die, füge ich hinzu, erst im Kommunismus zum Stillstand kommen werden, der als Indiz einer erfolgten  inneren und äußeren Naturbeherrschung angesehen werden kann.  Die Kader  mussten immer Lenins Aussage über die erste Phase, den Sozialismus, im Hinterkopf behalten: „Die gesamte Gesellschaft wird ein Büro und eine Fabrik  mit gleicher Arbeit und gleichem Lohn sein.“ 11. Gleiche Arbeit und gleicher Lohn  deuten darauf hin, dass Lenin hier noch nicht vom Kommunismus spricht, in dem nach Marx und Engels sich jeder in einem beliebigen Zweige ausbilden kann, „…morgens zu jagen,
nachmittags fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“ 12. Dieses Ziel kann man nicht administrativ erreichen, sondern setzt ein hohes Maß an kommunistischem Bewußtsein und strengste Disziplin voraus. Die DDR, ja mehr noch, der Sozialismus ist neben der primären ökonomischen Fehlentwicklung auch gescheitert, weil zuwenig Kommunismus in den Köpfen der Parteimitglieder war. Lenin sprach wiederholt davon, dass die Partei hinter den Massen zurückbleiben kann und dass das allgemeine Unglück die mangelnde marxistische Schulung der Parteikader sei. 13. Lenin wies wiederholt darauf hin, dass neben dem sozialistsichen Bewußtsein der Arbeitermassen es auch auf die richtige Beziehungen zwischen Industrie- und Agrararbeitern ankommt. Stimmen diese nicht, kann der Sozialismus zusammenbrechen. Ostberlin wurde tourismusmäßig herausgeputzt. Auf Kosten wievieler Dörfer ? „Denkt daran, daß die Mauern in den Städten nur aus den Trümmern der Bauernhäuser errichtet werden. Bei jedem Palais, das in der Hauptstadt erbaut wird, glaube ich die Häuser eines ganzen Landstrichs verfallen zu sehen.“ 14.

Die UdSSR und die DDR sind untergegangen, bis jetzt aber nicht die Volksrepublik China, die Mao am 1. Oktober 1949 ausgerufen hatte, deren Gesichtszüge aber heute einen sehr verschwommenen sozialistischen Charakter tragen, und Nordkorea. Könnte man daraus Erkenntnisse gewinnen. ? Die Maoisten kritisierten am Crutschowschen Gulaschkommunismus die Verbürokratisierung des Systems, dass die politische Geheimpolizei, in der DDR die Stasi, die Widersprüche im Volk löste, nicht aber Fehler in Massenversammlungen besprochen wurden, wie es in der chinesischen Kulturrevolution geschah. Es war immer die Frage: wirtschaftliche Effizienz und dabei hatte die Partei dann immer Recht (so ein SED-Slogan 15., was Blödsinn ist, eine Partei besteht aus Menschen und die machen Fehler 16. )  oder Massenmobilisierung und Schulung des sozialistsichen Bewußtseins auch durch Einbußen in der Produktion ? Als Gorbatschow im Mai 1989 China einen Staatsbesuch abstattete, kam es in Peking zu zahlstarken Studentendemonstrationen, die für China ebenfalls eine Öffnung (russ.: Glasnost) forderten und die auch das Parteimonopol in Frage stellten. Gegen diese anschwellenden Demonstrationen wurde schließlich das Kriegsrecht verhängt, sie wurden im Gegensatz zur DDR blutig niedergeschlagen, in der weder sowjetische noch NVA Panzer gegen die Montagsdemonstranten anrollten.

Nach 1956 öffnete sich die UdSSR dem Westen und es gab eine Intensivierung der Handelsbeziehungen. Geriet man dadurch in die Abhängigkeit vom Westen ? „Sobald Dinge aber einmal im auswärtigen, werden sie auch rückschlagend im innern Gemeinleben zu Waren.“ 17. Dieser versuchte zudem durch ein Wettrüsten die UdSSR totzurüsten. Auch die DDR erhielt noch kurz vor ihrem Kollaps einen Milliardenkredit vom Westen, den Franz Josef Strauß eingefädelt hatte. Auf dem Rückflug von Ostberlin sagte Strauß zu seinen Begleitern ungefähr: jetzt haben wir sie abhängig gemacht. Anders Nordkorea: Marschall Kim Il Sung schottete das Land total gegenüber dem südlichen Korea, total gegen jeglichen Kapitalismus (keinerlei Handelsbeziehungen, oder diese soweit wie möglich vermeiden), gegen die kulturelle Barbarei des Internets ab. Die Grenze BRD DDR war im Vergleich zum 38. Breitengrad wirklich porös. Interessanterweise hat aber Nordkorea den Gedanken der nationalen Einheit nicht aufgegeben, aber die DDR hatte dies getan, sie fand sich mit der Existenz zweier deutscher Staaten ab, was im Widerspruch zum Marxismus stand (Einheit der Nation und zentrale Regierung). Das war auch eine Folge der ideologischen Fehler Crutschows auf dem XX. Parteitag: er verkündete die friedliche Koexistenz zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Man richtete sich also auf Dauer auf ein Nebeneinander der Systeme ein, in Deutschland auf ein Zwei-Staaten-System. Des weiteren wurde die Theorie des Volksstaates vertreten, die UdSSR,die DDR seien  Staaten des ganzen Volkes, richtig ist aber nach Marx Engels und Lenin der Ausdruck „Diktatur des Proletariats“, die bis zum Übergang zum Kommunismus bestehen bleibt. 18. Der Ausdruck Volksstaat verdeckte eklatante Widersprüche zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung (auch durch eine Führungskaste), so dass das System von innen implodierte. Die Öffnung der Mauer kam auch für die namhaftesten bürgerlichen DDR-Experten völlig überraschend. Ausschlaggebend waren ökonomische Gründe für den Zusammenbruch, man falle nicht auf den Schwindel einer sogenannten friedlichen Revolution hinein. Eine friedliche Revolution ist eine Unding, denn alle großen Fragen im Leben der Völker und Klassen werden mit Gewalt gelöst.  Zu einer tragischen Person wurde zum Beispiel die Kunstmalerin Bärbel Bohley, sie erstrebte mit ihrer Gruppe in der Auflösungsphase der DDR einen Sozialismus mit menschlichen Anlitz. (Heute werden sich die ehemaligen DDR Bewohner schweren Gemüts an das Lied Brechts vom Haifisch erinnern, der Zähne mitten im Gesicht hat. Man muss nur hinschauen, sie sind nicht zu übersehen). Aber beim Handeln der Individuen in der Weltgeschichte kommt noch etwas anderes heraus, als sie unmittelbar wissen und so unmittelbar wollen, dieser Satz Hegels liegt wie ein zentnerschwerer Stein auf dem Grab, dessen Inschrift lautet: Wir sind das Volk ! Der inflationäre und irreführende Gebrauch des Wortes „Revolution“ lag ja schon bei der Perestroika vor, die lediglich den Verfaulungsprozess des Revisionismus in seinem letzten Stadium wiedergab. Diese Kloake wurde von Gorbatschow in folgender Ausführung schmackhaft gemacht: „Wir hatten viel Zeit dafür aufwenden müssen, die Gesellschaft, in der wir leben, die Vergangenheit, in der viele heutige Erscheinungen wurzeln, die uns umgebende Welt und unsere Wechselbeziehungen zu ihr zu begreifen. All das mußte aufgefaßt werden, damit wir nicht in revolutionären Sprüngen verfahren, die außerordentlich gefährlich sind…“ 19. Das ist ein Schlag mitten ins Gesicht der revolutionären Arbeiterbewegung ! In allen großen Revolutionen ergibt sich ein sprunghaftes Anwachsen der Aktivität der unterdrückten Massen, das für die Gemäßigten und Reaktionäre mitunter völlig überraschend kommt, weil sie nicht begreifen, das in revolutionären Situationen die Formen sehr rasch wechseln. Gerade im  Nichterfassen der Sprünge und der raschen Wechsel  liegt begründet, dass viele ehemals fähige Genossen und Genossinnen, die der Arbeiterbewegung unvergessene Dienste erwiesen hatten, die Oktoberrevolution nicht verstanden (zum Beispiel Kautsky und Otto Bauer).

Die DDR ist kampflos untergegangen. Auch das widerspricht der marxistischen Militärdoktrin 20., wenn man bedenkt, dass Marx die Niederlage des gewaltsamen Pariser Kommuneaufstandes dahin wertete, dass die Niederlage eines bewaffneten Aufstandes nicht so schlimm sei als die kampflose Aufgabe, die Demoralisation für die Arbeiterbewegung sei dann viel schlimmer. Die DDR ist nicht proletarisch heldenhaft untergegangen, sondern in einem kleinbürgerlichen Katzenjammer und man ist geneigt, die Ausführungen von Marx und Engels im Kommunistischen Manifest zur Erklärung dieses Versagens zu Rate zu ziehen: „In Deutschland bildet das vom 16. Jahrhundert her überlieferte  und seit der Zeit in verschiedener Form hier immer neu wieder auftauchende Kleinbürgertum die eigentliche gesellschaftliche Grundlage der bestehenden Zustände. Seine Erhaltung ist die Erhaltung der bestehenden deutschen Zustände.“ 21. Offensichtlich hat die SED daran wenig gerührt. Ohne Zweifel hat der kampflose Zusammenbruch der DDR die deutsche und internationale Arbeiterbewegung zurückgeworfen, eingedenk der Worte des SED Vorsitzenden Erich Honeckers kurz vor dem vorläufigen Ende des „Sozialismus“ auf deutschem Boden: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“ Der Verlust des Ansehens des Sozialismus ist tragisch zu nennen, bedenkt man, dass Engels in seiner Schrift „Die Umwandlung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ einen bereits von Saint-Simon angedachten  Gesellschaftszustand ausmalte, in dem die Herrschaft über Personen ersetzt wird durch die Verwaltung von Sachen und Leitung von Produktionsprozessen. Indeß: der gleiche Engels sagt: hat man einmal verloren, so muß man wieder von vorn beginnen. 22.  In der Niederlage liegen die Keime zukünftiger Siege. Gerade Niederlagen sind die besten Lehrmeister und erteilen eine Lektion in geschichtlicher Dialektik, 23. gerade geschlagene Armeen lernen gut. 24. Die Weltgeschichte geht nicht glatt und gleichmäßig vor sich, „…ohne manchmal Riesenschritte rückwärts zu machen.“ 25. Riesenschritte rückwärts – man darf die Dialektik eben nicht nur als Vorwärts- bzw. Höherentwicklung denken.

1. Vergessen wir nicht die verkorkste revolutionäre Tradition in Deutschland. Die „Revolution“ hatte keine tiefen Wurzeln im Volk, vieles galt als administrativ. Zur Militärparade zum  Jahrestag der DDR kamen Revisionisten aus Ostberlin freiwillig, aber es wurde eben auch Teilnehmer zu politischen Feierlichkeiten abgeordnet, die die dann eher erduldeten. Zur Militärparade zum Ehrentag der bürgerlichen französischen Revolution am 14. Juli kommen keine Abordnungen, denn sie war eine aus dem Volk geborene Revolution. Indeß sollte der Bourgeois darüber nicht jubeln, schon die Teilnahme der Fremdenlegion bei der Militärparade am Jahrestag der Revolution zeigt, wessen geistiges Kind er eigentlich ist. Schon die erste bürgerliche Verfassung, welche die Menschenrechte anerkannte, die us-amerikanische, war ja mit dem unauslöschbaren Makel behaftet,  in gleichem Atemzug die bestehende Sklaverei der Farbigen zu bestätigen. Und dann zeige man mir eine bürgerliche Revolution, die ohne Rückschläge ausgekommen ist. Der Zusammenbruch des Sowjetsystems ist ein Rückschlag für die kommunistische Weltbewegung, keine definitive Niederlage. In Moskau regiert heute eine mafiaähnliche Abart von „Fremdenlegionären“, die den deutschen Ex-Kanzler Schröder wie einen alten Kumpel in die Arme schloß.  Diese mafiaähnlichen Strukturen haben sich seit dem Crutschowschen Revisionismus herausgebildet. Im Grunde waren beide deutsche Staaten künstlich und die BRD ist es noch heute: Die Bundeswehr hat bis heute ihr Kardinalproblem keine vom Volk geliebte Armee zu sein.  Und sich nun durch die Aussetzung der Wehrpflicht ganz von ihm zu verabschieden. Das Ideal ist natürlich eine aus einer breiten Volksrevolution herausgeborene Armee, die Bundeswehr aber wurde dem „Westvolk“ künstlich übergestülpt, was nicht gut gehen kann. Kann denn eine Zusammenkunft von nazigedienten Offizieren im Kloster Himmerod  etwas anderes zur Welt bringen als eine klösterliche Zwergmißgeburt ?

2. Dazu gehörte auch die 120 000 Matrosen starke baltische Rotbannerflotte in der Ostsee.

3. Siehe: Marxistische Arbeiter Schulung 2. Kursus Heft 1 Die Große Französische Revolution, Verlag für Literatur und Politik Berlin, Seite 10

4. Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin 1975,94

5. An den Händen der deutschen Sozialdemokraten klebt ja nicht nur das Blut von Rosa Luxemburg und  Karl Liebknecht, sie hat außer Karl Liebknecht bei der Frage der Zustimmung zu den Kriegskrediten versagt und trägt Mitschuld am Völkergemetzel des ersten Weltkrieges. Rosa Luxemburg hatte tausendmal Recht, als sie diese Partei am 4. August 1914 als stinkenden Leichnam bezeichnete. In einer seiner letzten Schriften, in der „Einleitung zu den Klassenkämpfen in Frankreich von Karl Marx“, in der Engels einen Weltkrieg und die Eventualität faschistischer Reaktion skizzierte, hat Engels auf Grund der raschen Zunahme der Wahlerfolge der Sozialdemokraten Hoffnungen auf Wahlen gesetzt. Aber selbst dieser Text wurde von den sozialdemokratischen, im Kern faschistischen Spießern der Sozialdemokratie zensiert ob der Stellen, in denen Engels vom bewaffneten Aufstand spricht. Als dann aber 1914 die Abstimmung zu den Kriegskrediten anstand, da haben diese gewählten „klugen“ und „marxbelesenen“ Leute bis auf eine Ausnahme total versagt. Lenin bezeichnete die Sozialdemokraten als Girondisten ( „Diese (bolschewistische/ Zusatz von Heinz Ahlreip) Armee wird ihre Reihen immer enger schließen, trotz allen Zickzackkursen und allen Schritten, trotz den opportunistischen Phrasen der Girondisten der heutigen Sozialdemokratie…“ Lenin, Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück, f) Einiges über Dialektik, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Band I, Dietz Verlag Berlin, 1973,818) und in der Tat zieht sich eine Blutspur von Corday zu Krull, Kannegießer und Kaplan. In der Frage der Zustimmung zu den Kriegskrediten ist ein Vergleich mit den von Lenin erzogenen Sozialdemokraten in Rußland aufschlußreich: die bolschewistische Fraktion in der Duma trat gegen den Kriegseintritt Rußlands und gegen die Kredite auf und wanderte nach Sibirien. Die Verhaftungen erfolgten im November1914 und im Februar 1915 folgte ihre Verurteilung zu lebenslänglicher Deportation nach Ostsibirien.

6.Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25,440

7. Stalinstadt wurde in Eisenhüttenstadt umbenannt. Immerhin haben die Pariser und Pariserinnen ihre nach der Heldenstadt Stalingrad benannte Metrostadion bis heute namentlich so gelassen.

8. Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, 1955,397

9.a.a.O.,363

10.a.a.O.,483

11.Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25,488

12. Marx, Engels: Die deutsche Ideologie, MEW 3,33

13. Vergleiche: Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1960,409

14. Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam 1970,100

15. Die SED wurde am 20./21. April 1946 gegründet.

16. An seinem Lebensende, im Jahr 1895, weist Engels sogar auf die Notwendigkeit des Fehlermachens hin, wenn man sich mit Tagesgeschichte befasst, man wird nicht imstande sein, „bis auf die LETZTEN (kursiv von Engels) ökonomischen Ursachen“ (Friedrich Engels, Einleitung zu den Klassenkämpfen in Frankreich, 1848 bis 1850  von Karl Marx (1895) , in Marx, Engels: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,669) zurückgehen zu können, und darin liegt eine unvermeidliche Fehlerquelle. „Für die Politik und für die Parteien gilt – mit entsprechenden Änderungen – dasselbe, was für einzelne Personen gilt. Klug ist nicht, wer keine Fehler macht. Solche Menschen gibt es nicht und kann es nicht geben. Klug ist, wer keine allzu wesentlichen Fehler macht und es versteht, sie leicht und rasch zu korrigieren.“ (Lenin, Der „linke Radikalsimus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin 1959,207

17. Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1975,102

18.Auch auf dem Gebiet der Philosophie kam es in einer Rechtswendung zu revisionistischen Auffassungen. Zu verdeutlichen ist das am Verhältnis der Gesellschaftswissenschaften zu den Naturwissenschaften. Marx
führte dazu aus, dass die Wissenschaft von dem Menschen und die Naturwissenschaften in einer vom Geld befreiten Gesellschaft kongruent sind. (Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW Ergänzungsband I,544). Dagegen steht die Bestimmung dieses Verhältnisses im Philosophischen Wörterbuch der DDR Stichwort „Wissenschaft“, „….dass die Verwandlung der Wissenschaft in eine unmittelbare Produktivkraft der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft keine Angelegenheit der
Naturwissenschaften allein ist, sondern im Zusammenwirken von Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften erfolgt.“ (Manfred Buhr, Georg Klaus: Philosophisches Wörterbuch, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig, Stichwort Wissenschaft 1965,615f.) Die Sache hat nur den Haken, dass es im Kommunismus keine Gesellschaftswissenschaften mehr gibt. Nehmen wir zum Beispiel Jura, die Wissenschaft, die sich mit abweichendem Verhalten befasst. Lenin sagt, dass es im Kommunismus keinen systematischen Kampf zwischen Klassen gibt, es kann aber zu Ausschreitungen einzelner Personen kommen. Kommt es zu einem Gerichtsprozess ? Nein, „…das wird das bewaffnete Volk selbst mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit bewerkstelligen, mit der eine beliebige Gruppe zivilisierter Menschen sogar in der heutigen Gesellschaft Raufende auseinanderbringt oder eine Frau vor Gewalt schützt.“ (Lenin, Staat und Revolution, LW 25,478). Endgültig Aufschluß über die Dialektik von Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften gibt die Marxsche Analyse der Ware, durch die zugleich erläutert werden kann , warum die bürgerliche Gesellschaft für Marx nur ein Spezialfall der Dialektik ist. Die bürgerliche Ökonomie hat zwar Epoche gemacht mit der Entdeckung, dass die Arbeitsprodukte als Werte bloß sachliche Ausdrücke der in ihrer Produktion verausgabten menschlichen Arbeit sind, löst aber nicht das Geheimnis des Fetischcharakters der Ware. Die bürgerliche Gesellschaft erscheint den in der Befangenheit der Warenproduktion verhafteten Gesellschaftswissenschaftlern als ebenso endgültig, „als daß die wissenschaftliche Zersetzung der Luft in ihre Elemente die Luftform als eine physikalische Körperform bestehen läßt.“ (Karl Marx, Das Kapital, Dietz Verlag Berlin, 1975,88) Damit wäre die bürgerliche warenproduzierende Gesellschaft und auch die gesellschaftswissenschaftlich im Sinne der Bürgerlichkeit und der Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft tätigen Menschen auf ewig als bürgerliche verankert, wenigstens solange, als die warenproduzierenden und gesellschaftswissenschaftlich tätigen Menschen dazu die Luft zum Atmen brauchen. Die revolutionäre Aufhebung der kapitalistischen Ausbeutung und der menschlichen Arbeitskraft als Ware setzt die bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften, für die die bürgerliche Gesellschaft kein Spezialfall der Dialektik ist und sein darf, an die frische Luft. Ist aber die bürgerliche Gesellschaft kein Spezialfall der Dialektik, so resultiert aus diesem ideolgisch befangenen in sich kreisenden Denken die für die bürgerliche Ideolgie typische Stagnation. Marx veranschaulicht das an der Gleichgültigkeit der politischen Ökonomie an der Wertform, selbst bei ihren besten Repräsentanten Adam Smith und David Ricardo, nachdem der Inhalt der Form annähernd erkannt worden war. Die Wertform des Arbeitsprodukts ist die allgemeinste Form der bürgerlichen Produktionsweise und verwandelt sich auf Grund dieser Allgemeinstheit unter der Hand zur ewigen „Naturalform gesellschaftlicher Produktion“ (Karl Marx, a.a.O.,95) Eine besondere historisch vorübergehende Produktionsform wird eine endgültige. (a.a.O.,88). So galt den Ökonomen des klassischen Kapitalismus die freie Konkurrenz als Naturgesetz dieser Produktionsweise, Marx wies schon im dritten Band des Kapitals eine gewisse Tendenz zum Monopol nach: mit den Banken sei „die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form“. (Karl Marx, Das Kapital, Band III, Dietz Verlag, Berlin 1959,655). Im Gegensatz zur gängigen, oben bereits auf dem Gebiet der Philosophie von Manfred Buhr und Georg Klaus skizzierten Lehrmeinung der DDR über das Verhältnis von Natur- und Gesellschaftswissenschaften im Kommunismus hatte Rosa Luxemburg, die 1913 ihr ökonomisches Hauptwerk: „Die Accumulation des Kapitals“ veröffentlicht hatte, Recht, als sie in den vor dem ersten Weltkrieg an der Parteihochschule der deutschen Sozialdemokratie  gehaltenen Vorlesungen über politische Ökonomie nicht nur richtig herausgearbeitet hatte, dass Marx die politische Ökonomie aus einem Herrschaftsmittel der Bourgeoisie in eine Waffe des Klassenkampfes für die Befreiung des Proletariats verwandelt habe, sondern auch, dass sich der Marxismus nach der Befreiung des Proletariats im Kommunismus aufhebe. (Rosa Luxemburg, Einführung in die Nationalökonomie, Ausgewählte Reden und Schriften, Dietz Verlag Berlin, 1951, 491f.). Es ist absurd, wenn die Herausgeber der zweibändigen Luxemburgausgabe in der DDR aus dem Jahr 1951 ihr unterstellen, sie habe eine fundamentale Aussage von Friedrich Engels über die politische Ökonomie im Anti Dührung nicht verstanden, nur um unterzubringen, dass Stalin die politische Ökonomie von Marx weiterentwickelt habe ((a.a.O.,405f. Anmerkungen zu Rosa Luxemburg: Einführung in die Nationalökonomie von Marx Engels Lenin, Institut beim ZK der SED). Kurz: es läuft darauf hinaus, wie konnte sich Rosa Luxemburg vor dem ersten Weltkrieg unterstehen, den Marxismus wenigstens schon in der Theorie verschwinden zu lassen, wo doch Stalin noch erst kommen sollte. (Siehe auch: google: lenin unser aller lehrer: ist der marxismus zeitlich begrenzt ?, dort wird ausgeführt, dass es eine dynamische und eine metaphysische Auffassung über die Endzeit des Marxismus gibt. In der dynamischen liegt ihr Finale.

19. Rede Michail Gorbatschows bei der Schlußsitzung der Konferenz  am 1. Juli 1988, in: XIX. Unionskonferenz der KPdSU, Dokumente und Materialien, APN-Verlag, Moskau 1988,121

20. Die revisionistische Entartung der NVA konnte man an der seit 1980 in militärwissenschaftlichen Fachkreisen stattfindenden Aufwertung des preußisch-royalistischen Militärphilosophen Carl von Clausewitz ablesen, den Stalin nach dem Zweiten Weltkrieg nicht als Lehrer des Proletariats empfahl. So zielte zum Beispiel Clausewitzens Lehre von den „moralischen Faktoren“ darauf ab, die Volksmassen zum Krieg für die verbrecherischen Ziele der preußischen Junker zu mobilisieren. (siehe: Olaf Rose, Carl von Clausewitz, Wirkungsgeschichte seines Werkes in Rußland und der Sowjetunion von 1836 bis 1995, Oldenbourg Verlag 1995,209). Den preußischen Gestank ist die DDR nach ihrer guten Anfangsphase (Denkmäler von Blücher und Friedrich dem Großen wurden entfernt) dann nicht mehr losgeworden, im Gegenteil, die SED errichtete sogar das Reiterstandbild des Alten Fritz wieder an zentraler Stelle in Berlin (Unter den Linden, ausgerechnet vor der Humboldt Universität), nachdem „kluge Menschen“ aufgetreten waren, die alles dialektisierten, die selbst Friedrich progressive Züge anfrisierten. Die Werke von Marx und Engels haben einen Wahrheitsgehalt und man sollte sie lesen, wie Arbeiter/innen sie lesen, ohne philosophische Brille. Liest man nach, was Marx und Engels über das reaktionäre Preußentum und über diese Type geschrieben haben, so war die Wiedererrichtung ein Akt der Perversion. Statt dilettantischer Dialektisiererei, die zu nur schlecht zu verdauenden Biografien über Luther (von Gerhard Brendler 1983, man beachte auch schon das fehlerhafte Luther Buch von Gerhard Zschäbitzsch (Martin Luther Größe und Grenze) aus dem Jahr 1967), Friedrich (Ingrid Mittenzwei 1983) und Bismarck (Ernst Engelberg 1985) führten, hätte man sich einfach an die Bilderstürmerei aus dem Bauernkrieg erinnern sollen. Am 20. März 1852 äußerte sich Bismarck in einer Rede vor der Zweiten Kammer des preußischen Landtages, das das wahre preußische Volk, er meinte seine Krautjunker, die Großstädte, sollten sie sich wieder einmal erheben, zum Gehorsam zu zwingen wisse, „und sollte sie es vom Erdboden tilgen“. In den Großstädten vermutete der Junker zu Recht revolutionäre Bestrebungen, nach dem Deutsch Französischen Krieg 1870/71 konnte er das von der bürgerlichen Konterrevolution gegen die Communarden in Schutt und Asche gelegte Paris sehen, Marx schrieb dazu: „Er (Bismarck/H.A.) schaut zufrieden auf die Leichen des Pariser Proletariats.“ (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Marx Engels Ausgewählte Werke, Band IV, Dietz Verlag Berlin, 1972,99). Durch General von Colditz kam Hitler nicht in diesen Genuß. ( Die Engelberg Biografie wurde auffälligerweise gleichzeitig im Akademie Verlag und im konservativen Siedler Verlag in Berlin West veröffentlicht. Dass sich die Extreme berühren, ist doch eigentlich hübsch dialektisch…eigentlich..Aber wer einen Staatsmann lobt, der zufrieden auf die Leichen des Pariser Proletariats schaut, der wird auch bald zufriden auf die Leiche des Staates DDR schauen.). Natürlich denkt die in der Tradition der preußischen Junker stehende Bundesregierung nicht daran, den längst überfälligen Schritt der Sprengung des Reiterstandbildes Friedrichs II. vorzunehmen, dies wird indeß im Verlauf der proletarischen Revolution in Deutschland geschehen.

21. Karl Marx, Friedrich Engels: Das Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984,62

22. Wenn ich mit Arbeitskollegen/innen auch besonders aus der Ex-DDR diskutiere und bemerke, dass wir ohne den Leninismus den Kapitalismus nicht in die Knie zwingen können, höre ich sehr oft, dass mit ihm die Niederlage sowieso vorgezeichnet sei. Der entscheidende Bruch in der Entwicklungsgeschichte der Oktoberrevolution, die Einhüllung konterrevolutionären Gedankenguts in eine marxistisch leninistische Toga durch Crutschow, scheint mir der Punkt zu sein, an dem eine immense marxistische Aufklärungsarbeit an- und einsetzen muss. Diese Arbeit setzte ja auch in der Tat gleich nach der sogenannten Geheimrede ein. Wir haben die Werke von Marx Engels Lenin und Stalin, die aufklären, damit haben wir eine Waffe, mächtiger als alle waffenmäßigen Kriegsungeheuer der Bürger, die Engels aus eigener Erfahrung immer als feig bezeichnet hat, denn diese Waffe wirkt durch die Köpfe und kann nicht vernichtet werden. Wer den Marxismus Leninismus vernichten will, muss die produktive Klasse, die uns alle ernährt, vernichten.

23. Vergleiche: Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1971,570

24.a.a.O.

25. Lenin. Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag 1960,315