ZUR DDR

Die Herausbildung beider deutschen Staaten nach 1945 ergab sich aus dem Endverlauf des Zweiten Weltkrieges. Gegen Hitlerdeutschland kämpfte eine Koalition heterogener Mächte, eine sozialistische Republik (UdSSR) zum Beispiel zusammen mit England, einer konstitutionellen Monarchie. So kam es zu keinem einheitlichen Verwaltungssystem im besiegten Deutschland, sondern je nach Einflußsphären, die durch die Armeen erkämpft wurden, ergab sich ein prosozialistisches System im Osten und ein kapitalistisches im Westen. Stalins Vorschlag in der sogenannten Stalin Note von 1952, ein einheitliches neutrales Deutschland mit freien Wahlen auf demokratischer Grundlage zu bilden, wurde vom Westen hintertrieben. Nach Stalins Tod 1953 vertrat noch der Geheimdienstchef Berija eine Stalins Idee fortsetzende nationale Position für Deutschland, er wollte keine Spaltung, wurde aber auf Grund innerer Machtkämpfe mit revisionistischer Weichenstellung am 23. Dezember 1953 in Moskau erschossen. Im kalten Krieg einigten sich spd-bürgerliche und revisionistische Volksfeinde darauf, den Körper des deutschen Volkes zweizuteilen. Der 68er SDS zum Beispiel forderte die Aufnahme normaler (!?) Völkerrechtsbeziehungen. Im Programm der am 1. Januar 1919 gegründeten KPD hieß es noch: Schaffung einer einheitlichen deutschen sozialistischen Republik, was konsequent an das Kommunistische Manifest anknüpfte. Fünfzehn Tage später wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit Unterstützung der SPD ermordet.

Ein großer Nachteil der DDR bestand darin, dass sie, verkürzt formuliert, durch die Rote Armee gegründet wurde, sie ergab sich nicht aus einer großen Volksrevolution, schon gar nicht aus einer unter Führung der Arbeiterklasse. 1. Anton Ackermann, der ab 1933 die Untergrundorganisation der KPD in Berlin geleitet hatte, veröffentlichte im Februar 1946 eine Broschüre: „Gibt es einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus ?“, in der er einen Kurs unabhängig von der Sowjetunion vorschlug, mit dem er sich aber nicht durchsetzen konnte. Diese Abhängigkeit von der UdSSR war Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil die UdSSR nach dem Krieg wichtige Güter als Reparationen abtransportierte, was nach den Verwüstungen der Wehrmacht in Russland verständlich war, (indeß war die Grundversorgung der ostdeutschen Bevölkerung unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Hitlerfaschismus wieder vorbildlich), aber diese Reparationssache ist etwas Sekundäres, es bleibt für den Gesamtverlauf der DDR entscheidend die politische und militärische Abhängigkeit von Moskau, der Segen bestand darin, dass die „Gruppe sowjetischer Streitkräfte“ 2. in der DDR deren Sicherheit vor einem Angriff aus  dem Westen und Übernahme durch ihn überhaupt erst garantierte. So geht dann auch der Kollaps der DDR Hand in Hand mit dem Zusammenbruch des Revisionismus in der UdSSR. In ihren letzten Lebenstagen sträubte sich die DDR Führung gegen den Einfluß der dekadenten Gorbatschowideen, deren reaktionärer Charakter für fast jeden Ochs und jeden Esel erkennbar waren, konnte sich aber gegen ihren Sog letztendlich nicht mehr wehren. Der sanftlebende protestantische Pfaffe bereitete im kirchlichen Untergrund die kleinbürgerliche Volksverhetzung, den nach seiner Auffassung endgültigen Triumph Martin Luthers über Thomas Müntzer vor. „Man soll sie totschlagen wie tolle Hunde“ geiferte Luther gegen die aufrührerischen Bauern, also gegen das deutsche Volk.Denn der Anteil der Bauern an der damaligen Bevölkerung betrug über 90 Prozent. Von hier läuft eine gewisse Parallele zu Hitlers Nerobefehl, das deutsche Volk für immer aus der Weltgeschichte auszulöschen. Dann steht es aber einem Mann, der an der Spitze einer Arbeiter- und Bauernrepublik figuriert, schlecht an, bereits im Juni 1980 den Vorsitz des staatlichen (!) Martin-Luther-Komittees zu übernehemen für den 500. Geburtstag des Reformators im Jahre 1983. Als ob er es gar nicht abwarten konnte. Man schlägt die Hände über den Kopf zusammen, wenn man nachliest, was Marx über Luther geschrieben hatte: Luther hatte alle Deutschen in Mönche verwandelt. Damit war die SED Müntzer in den Rücken gefallen. Zu fragen ist, ob mit dem Empfang Erich Honeckers in Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. am 24. April 1985 die SED nicht sogar Martin Luther in den Rücken gefallen war. Ja der CDU Chef der DDR, der Mönch Gerald Götting, verstieg sich sogar zu dem Ausspruch, dass das biblische Arbeitsethos mit den Prinzipien sozialistischer Arbeitsmoral aufs engste verwandt sei. Damit war nun alles verdreht worden: die christliche Bibel diente dem faulen Pfaffenpack doch historisch dazu, vom Zehnten zu schmarotzen. Warum dürfen wir „de Pfaffe net totschlage“, sang zum Beispiel der Hegauer Haufe, man sieht, wie rückständig nicht nur die DDR CDU war. Das Lied des Hegauer Haufens wird eines Tages den christlichen Fettbonzen noch stark in den Ohren dröhnen. Wollen doch nicht hinter das Niveau des Frühaufklärers Meslier zurückfallen, der schon am Anfang des 18. Jahrhunderts hoffte, „…daß alle Großen und Vornehmen der Erde mit den Gedärmen der Pfaffen aufgehängt und erdrosselt würden.“ 3. Der Kampf gegen die Religion ist heute aber stets ein vom Klassenkampf des Proletariats abzuleitender und ihm unterzuordnender. Darin besteht ja gerade der Fortschritt der marxistischen Religionskritik gegenüber dem radiaklen bürgerlichen Atheismus. Heute ist die Wurzel der Religion die Herrschaft des Kapitals, unter der die Produzenten den Produktionsprozess nicht beherrschen. Die Spaltung des Arbeitsprodukts in nützliches Ding und Wertding, also als Ware, macht die gesellschaftlichen Beziehungen nebelhaft und undurchsichtig. „Der religiöse Widerschein der wirklichen Welt kann überhaupt nur verschwinden, sobald die Verhältnisse des praktischen Werkeltagslebens den Menschen tagtäglich durchsichtig vernünftige Beziehungen zueinander und zur Natur darstellen. Die Gestalt des gesellschaftlichen Lebensprozesses, d.h. des materiellen Produktionsprozesses, streift nur ihren mystischen Nebelschleier ab, sobald sie als Produkt frei vergesellschafteter Menschen unter deren bewußter planmäßiger Kontrolle steht.“ 4. Die Gewichtigkeit der Religion im Sozialismus ist relativ auch und gerade zum Grad der Überwindung der Warenproduktion.

Zunächst stand in der am 7. Oktober 1949 gegründeten DDR primär nicht der Aufbau des Sozialismus auf der Tagesordnung, sondern eine antifaschistische demokratische Politik. Nach dem Krieg kam aus Moskau die „Gruppe Ulbricht“,  das waren zehn Mann, es fehlten kommunistische Kader, denn 50 % der alten KPD Mitglieder aus der Weimarer Zeit waren durch den Naziterror getötet worden. Aber auch in den Säuberungen Ende der dreißiger Jahre in der UdSSR wurden emigrierte deutsche Kommunisten getötet. Man half sich nach der Vereinigung von KPD und SPD zur SED am 22. April 1946 auch mit Sozialdemokraten,also mit gemäßigten Faschisten, aus. 5. Wer hätte auf dem Höhepunkt der französischen Revolution daran gedacht, Jakobiner und Girondins zu vereinigen, nicht nur der Mord an Marat zeigte, dass es Todfeinde waren. Aber in Deutschland gehen die Uhren langsamer. Der Sozialismus sollte Schritt für Schritt in einer Reihe von Übergangsstufen  aufgebaut werden. Es gab noch keine verminte Zonengrenze und keine Mauer durch Berlin, die erst am 13. August 1961 errichtet wurde. Viele tausend Fachkräfte, Ärzte, Lehrer, Ingenieure gingen in den Westen, wo sie besser verdienten. Also einerseits fehlten alte erfahrene KPD Funktionäre und Teile der Intelligentsia wanderten ab. Nach 1848 und 1918 hatte wiederum eine nationale Intelligentsia (für eine Handvoll schäbiger West Mark)  politisch versagt. Die Besserbezahlung von Spezialisten im Sozialismus ist problematisch und, nimmt man Lenin genau, mit ihm unvereinbar: „Unser nächstes Ziel ist, die gesamte Volkswirtschaft nach dem Vorbild der Post zu organisieren, und zwar so, daß die unter Kontrolle und Leitung des bewaffneten Proletariats stehenden Techniker, Aufseher , Buchhalter sowie ALLE (kursiv von Lenin) beamteten Personen ein den „Arbeiterlohn“ nicht übersteigendes Gehalt beziehen.“ 6. Für den Aufbau des Sozialismus kam es zunächst zu im Ansatz richtigen Entscheidungen: während sich die Bundesrepublik mit Nazis und mit Hilfe der USA kapitalistisch wieder hochpäppelte, die ein antikommunistisches Bollwerk errichten wollten, gab es in der DDR einen antifaschistischen Kurs und nur wenige Nazis kamen in Führungspositionen. Die Verstaatlichung der Großbetriebe und die unter der Parole: „Junkerland in Bauernhand“ ablaufende Gründung von landwirtschaftlichen Produktiongenossenschaften gingen in die richtige Richtung. Im Oktober 1948 tauchte dann auch ein deutscher Stachanow auf: der Bergmann Adolf Hennecke erhöhte die Arbeitsnorm um 100 %, die höhere Arbeitsproduktivität im Vergleich zur kapitalistischen ist nach Lenin letztendlich entscheidend für die Überlegenheit des sozialistischen Systems.

1956 kam es zu einer Wende in der Politik des „Großen Bruders“ der DDR durch Crutschow auf dem XX. Parteitag, Stalin galt auf einmal als Verbrecher und die DDR machte diese Wendung mit. 7. Entscheidend für die Entartung des Sozialismus in Osteuropa nach 1956 sind Fehlentwicklungen in der Ökonomie, das sozialistische Wirtschaftssystem steht und fällt mit der Fähigkeit, die Warenproduktion einzudämmen und letztendlich die Warenwirtschaft zu überwinden, denn Ware bedeutet, das ihr Erwerb an Geld, an accumulierte Arbeit gebunden ist, dass dann aber die Menschen ihre eigenen Beziehungen unter der Warenentwicklung nicht mehr kontrollieren können. 1958 wurden in der UdSSR die Maschinen-Traktor-Stationen aufgelöst, in ihnen konnten sich die landwirtschaftlichen Kolchosen alle Geräte ausleihen. Diese Produktionsmittel kamen nun in die Warenzirkulation und damit wurde die sozialistische Planwirtschaft aufgeweicht. Die ganzen Jahrzehnte nach Stalins Tod sehen wir im östlichen Sozialismus immer wieder in der Wirtschaft Versuche, Elemente der Marktwirtschaft in den Plan zu integrieren. Das Konzept hierzu hatte der sowjetische Ökonom Liberman entwickelt. So wurde die Postion der Fabrikdirektoren gestärkt, die über ein gewisses Budget verfügten, mit dem sie Waren einkaufen konnten. Man bezog sich bei dieser Planwirtschaft mit kapitalistischen Elementen auf Lenin, der bei der Gründung der UdSSR eine ähnliche Politik verfolgte, die sogenannte NEP Politik: Neue Ökonomische Politik. Aber durch die NEP sollte eine daniederliegende Volkswirtschaft (erster Weltkrieg und russischer Bürgerkrieg) überhaupt erst wieder auf die Beine gestellt werden. Konnte man sich 1960 noch auf die NEP berufen ? Wenn doch Crutschow den Sozialismus schon als so weit entwickelt darstellte, dass er den baldigen Übergang zum Kommunismus in Aussicht stellte. Auch in der DDR wurden diesbezüglich 1962 „Libermansche“ Versuche unternommen, man sprach von dem NÖSPL (Neuen Ökonomischen System der Planung und Leitung). In diesen sogenannten Reformen steckte der Teufel im Detail, in der Kleinproduktion. Die NEP und die Neo NEPS förderten die Kleinproduktion, die zu Resultaten führte,  die Bourgeosie im restaurativen Sinne brauchte. Die Bourgeoisie hat schon die halbe Miete, wenn nur ordentlich eine Eigentümeratmosphäre entsteht. Es ist der Kleinproduzent, der die bürgerliche Restauration vorbereitet.

Als ein grundsätzliches Problem des untergegangenen Sozialismus ist der materielle Anreiz zu sehen. Um die Produktion zu steigern, wurden für besondere Leistungen Sondervergütungen vergeben. Hat das nicht Konkurrenzdenken und kleinbürgerliche Denk- und Verhaltensweisen gefördert ? Kader können gelockt durch materielle Anreize dann ein Privilegiensystem aufbauen, wenn nicht politisch ideologisch ein Korrektiv erfolgt, denn trotz einer sozialistischen Planwirtschaft kann das Bewußsein
der Produzenten immer noch ein asozialistisches bzw. asoziales sein. Es bildete sich eine kleinbürgerliche Verhaltensweise des Organisierens von begehrten Luxusgütern heraus, eine Schattenwirtschaft und eine Nischengesellschaft. „Ich reiße an mich, was ich kann, alles andere ist mir Schnuppe“, in diesem Satz spiegelt sich nach Lenin die kleinbürgerliche Mentalität wider. Die DDR hatte zudem den Nachteil, eine Westgrenze mit einem konkurrierenden Wirtschaftssystem zu haben, in dem diesselbe Sprache gesprochen und verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, es bildete sich eine falsche Vorstellung von einem „Goldenen Westen“ heraus, die Jugend war verrückt nach westlicher irrationaler Popmusik, schließlich wurde diese Musik mit infantlisierender Wirkung auch in der DDR hoffähig und zugelassen, von den Texten her ohne sozialistischen und/oder antikapitalistischen Inhalts. (Ton, Steine, Scherben waren da weiter). Das Gift der bürgerlichen Ideolgie zeigte Wirkung, Lenin machte uns darauf aufmerksam, dass bürgerliche Ideologie viel älter und vielseitiger entwickelt sei und über mehr Mittel zur Verbreitung verfüge.8. Es gab zu wenig Sozialismus in den Köpfen, das „sozialistische Bewußtsein der Arbeitermassen“ ist die einzige Grundlage,“die uns den Sieg verbürgen kann.“ 9. Selbst Lenin übte in der Schrift „Was tun ?“ Selbstkritik, dass er auf dem Gebiet der marxistischen Schulung, in seiner Zirkelarbeit in Petersburg 1893 bis 1895 noch mangelhaft arbeite. „…denn soweit es sich um mangelnde Schulung handelt, beziehe ich es vor allem auf mich selber.“10.

Vor welcher Aufgabe standen die Ökonomen in der DDR ? Kurz geantwortet, über zwei Entwicklungsphasen ZUSAMMEN MIT DEN VOLKSMASSEN den Kommunismus zu verwirklichen. Zusammen mit den Volksmassen – das ist das Entscheidende, um einer Bürokratisierung entgegenzuwirken. Die extrem schwierige Beherrschung dialektischer Prozessualität war die hohe Anforderung an die Kader,  der systematische Aufbau einer Planwirtschaft darf nicht versiegen lassen, dass dialektische Prozesse grelle Resultate tätigen und dass sie eine tiefe innerliche Unruhe vorantreibt. Lenin sprach von phantastischen Zickzackbewegungen in der Geschichte, die, füge ich hinzu, erst im Kommunismus zum Stillstand kommen werden, der als Indiz einer erfolgten  inneren und äußeren Naturbeherrschung angesehen werden kann.  Die Kader  mussten immer Lenins Aussage über die erste Phase, den Sozialismus, im Hinterkopf behalten: „Die gesamte Gesellschaft wird ein Büro und eine Fabrik  mit gleicher Arbeit und gleichem Lohn sein.“ 11. Gleiche Arbeit und gleicher Lohn  deuten darauf hin, dass Lenin hier noch nicht vom Kommunismus spricht, in dem nach Marx und Engels sich jeder in einem beliebigen Zweige ausbilden kann, „…morgens zu jagen,
nachmittags fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“ 12. Dieses Ziel kann man nicht administrativ erreichen, sondern setzt ein hohes Maß an kommunistischem Bewußtsein und strengste Disziplin voraus. Die DDR, ja mehr noch, der Sozialismus ist neben der primären ökonomischen Fehlentwicklung auch gescheitert, weil zuwenig Kommunismus in den Köpfen der Parteimitglieder war. Lenin sprach wiederholt davon, dass die Partei hinter den Massen zurückbleiben kann und dass das allgemeine Unglück die mangelnde marxistische Schulung der Parteikader sei. 13. Lenin wies wiederholt darauf hin, dass neben dem sozialistsichen Bewußtsein der Arbeitermassen es auch auf die richtige Beziehungen zwischen Industrie- und Agrararbeitern ankommt. Stimmen diese nicht, kann der Sozialismus zusammenbrechen. Ostberlin wurde tourismusmäßig herausgeputzt. Auf Kosten wievieler Dörfer ? „Denkt daran, daß die Mauern in den Städten nur aus den Trümmern der Bauernhäuser errichtet werden. Bei jedem Palais, das in der Hauptstadt erbaut wird, glaube ich die Häuser eines ganzen Landstrichs verfallen zu sehen.“ 14.

Die UdSSR und die DDR sind untergegangen, bis jetzt aber nicht die Volksrepublik China, die Mao am 1. Oktober 1949 ausgerufen hatte, deren Gesichtszüge aber heute einen sehr verschwommenen sozialistischen Charakter tragen, und Nordkorea. Könnte man daraus Erkenntnisse gewinnen. ? Die Maoisten kritisierten am Crutschowschen Gulaschkommunismus die Verbürokratisierung des Systems, dass die politische Geheimpolizei, in der DDR die Stasi, die Widersprüche im Volk löste, nicht aber Fehler in Massenversammlungen besprochen wurden, wie es in der chinesischen Kulturrevolution geschah. Es war immer die Frage: wirtschaftliche Effizienz und dabei hatte die Partei dann immer Recht (so ein SED-Slogan 15., was Blödsinn ist, eine Partei besteht aus Menschen und die machen Fehler 16. )  oder Massenmobilisierung und Schulung des sozialistsichen Bewußtseins auch durch Einbußen in der Produktion ? Als Gorbatschow im Mai 1989 China einen Staatsbesuch abstattete, kam es in Peking zu zahlstarken Studentendemonstrationen, die für China ebenfalls eine Öffnung (russ.: Glasnost) forderten und die auch das Parteimonopol in Frage stellten. Gegen diese anschwellenden Demonstrationen wurde schließlich das Kriegsrecht verhängt, sie wurden im Gegensatz zur DDR blutig niedergeschlagen, in der weder sowjetische noch NVA Panzer gegen die Montagsdemonstranten anrollten.

Nach 1956 öffnete sich die UdSSR dem Westen und es gab eine Intensivierung der Handelsbeziehungen. Geriet man dadurch in die Abhängigkeit vom Westen ? „Sobald Dinge aber einmal im auswärtigen, werden sie auch rückschlagend im innern Gemeinleben zu Waren.“ 17. Dieser versuchte zudem durch ein Wettrüsten die UdSSR totzurüsten. Auch die DDR erhielt noch kurz vor ihrem Kollaps einen Milliardenkredit vom Westen, den Franz Josef Strauß eingefädelt hatte. Auf dem Rückflug von Ostberlin sagte Strauß zu seinen Begleitern ungefähr: jetzt haben wir sie abhängig gemacht. Anders Nordkorea: Marschall Kim Il Sung schottete das Land total gegenüber dem südlichen Korea, total gegen jeglichen Kapitalismus (keinerlei Handelsbeziehungen, oder diese soweit wie möglich vermeiden), gegen die kulturelle Barbarei des Internets ab. Die Grenze BRD DDR war im Vergleich zum 38. Breitengrad wirklich porös. Interessanterweise hat aber Nordkorea den Gedanken der nationalen Einheit nicht aufgegeben, aber die DDR hatte dies getan, sie fand sich mit der Existenz zweier deutscher Staaten ab, was im Widerspruch zum Marxismus stand (Einheit der Nation und zentrale Regierung). Das war auch eine Folge der ideologischen Fehler Crutschows auf dem XX. Parteitag: er verkündete die friedliche Koexistenz zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Man richtete sich also auf Dauer auf ein Nebeneinander der Systeme ein, in Deutschland auf ein Zwei-Staaten-System. Des weiteren wurde die Theorie des Volksstaates vertreten, die UdSSR,die DDR seien  Staaten des ganzen Volkes, richtig ist aber nach Marx Engels und Lenin der Ausdruck „Diktatur des Proletariats“, die bis zum Übergang zum Kommunismus bestehen bleibt. 18. Der Ausdruck Volksstaat verdeckte eklatante Widersprüche zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung (auch durch eine Führungskaste), so dass das System von innen implodierte. Die Öffnung der Mauer kam auch für die namhaftesten bürgerlichen DDR-Experten völlig überraschend. Ausschlaggebend waren ökonomische Gründe für den Zusammenbruch, man falle nicht auf den Schwindel einer sogenannten friedlichen Revolution hinein. Eine friedliche Revolution ist eine Unding, denn alle großen Fragen im Leben der Völker und Klassen werden mit Gewalt gelöst.  Zu einer tragischen Person wurde zum Beispiel die Kunstmalerin Bärbel Bohley, sie erstrebte mit ihrer Gruppe in der Auflösungsphase der DDR einen Sozialismus mit menschlichen Anlitz. (Heute werden sich die ehemaligen DDR Bewohner schweren Gemüts an das Lied Brechts vom Haifisch erinnern, der Zähne mitten im Gesicht hat. Man muss nur hinschauen, sie sind nicht zu übersehen). Aber beim Handeln der Individuen in der Weltgeschichte kommt noch etwas anderes heraus, als sie unmittelbar wissen und so unmittelbar wollen, dieser Satz Hegels liegt wie ein zentnerschwerer Stein auf dem Grab, dessen Inschrift lautet: Wir sind das Volk ! Der inflationäre und irreführende Gebrauch des Wortes „Revolution“ lag ja schon bei der Perestroika vor, die lediglich den Verfaulungsprozess des Revisionismus in seinem letzten Stadium wiedergab. Diese Kloake wurde von Gorbatschow in folgender Ausführung schmackhaft gemacht: „Wir hatten viel Zeit dafür aufwenden müssen, die Gesellschaft, in der wir leben, die Vergangenheit, in der viele heutige Erscheinungen wurzeln, die uns umgebende Welt und unsere Wechselbeziehungen zu ihr zu begreifen. All das mußte aufgefaßt werden, damit wir nicht in revolutionären Sprüngen verfahren, die außerordentlich gefährlich sind…“ 19. Das ist ein Schlag mitten ins Gesicht der revolutionären Arbeiterbewegung ! In allen großen Revolutionen ergibt sich ein sprunghaftes Anwachsen der Aktivität der unterdrückten Massen, das für die Gemäßigten und Reaktionäre mitunter völlig überraschend kommt, weil sie nicht begreifen, das in revolutionären Situationen die Formen sehr rasch wechseln. Gerade im  Nichterfassen der Sprünge und der raschen Wechsel  liegt begründet, dass viele ehemals fähige Genossen und Genossinnen, die der Arbeiterbewegung unvergessene Dienste erwiesen hatten, die Oktoberrevolution nicht verstanden (zum Beispiel Kautsky und Otto Bauer).

Die DDR ist kampflos untergegangen. Auch das widerspricht der marxistischen Militärdoktrin 20., wenn man bedenkt, dass Marx die Niederlage des gewaltsamen Pariser Kommuneaufstandes dahin wertete, dass die Niederlage eines bewaffneten Aufstandes nicht so schlimm sei als die kampflose Aufgabe, die Demoralisation für die Arbeiterbewegung sei dann viel schlimmer. Die DDR ist nicht proletarisch heldenhaft untergegangen, sondern in einem kleinbürgerlichen Katzenjammer und man ist geneigt, die Ausführungen von Marx und Engels im Kommunistischen Manifest zur Erklärung dieses Versagens zu Rate zu ziehen: „In Deutschland bildet das vom 16. Jahrhundert her überlieferte  und seit der Zeit in verschiedener Form hier immer neu wieder auftauchende Kleinbürgertum die eigentliche gesellschaftliche Grundlage der bestehenden Zustände. Seine Erhaltung ist die Erhaltung der bestehenden deutschen Zustände.“ 21. Offensichtlich hat die SED daran wenig gerührt. Ohne Zweifel hat der kampflose Zusammenbruch der DDR die deutsche und internationale Arbeiterbewegung zurückgeworfen, eingedenk der Worte des SED Vorsitzenden Erich Honeckers kurz vor dem vorläufigen Ende des „Sozialismus“ auf deutschem Boden: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“ Der Verlust des Ansehens des Sozialismus ist tragisch zu nennen, bedenkt man, dass Engels in seiner Schrift „Die Umwandlung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ einen bereits von Saint-Simon angedachten  Gesellschaftszustand ausmalte, in dem die Herrschaft über Personen ersetzt wird durch die Verwaltung von Sachen und Leitung von Produktionsprozessen. Indeß: der gleiche Engels sagt: hat man einmal verloren, so muß man wieder von vorn beginnen. 22.  In der Niederlage liegen die Keime zukünftiger Siege. Gerade Niederlagen sind die besten Lehrmeister und erteilen eine Lektion in geschichtlicher Dialektik, 23. gerade geschlagene Armeen lernen gut. 24. Die Weltgeschichte geht nicht glatt und gleichmäßig vor sich, „…ohne manchmal Riesenschritte rückwärts zu machen.“ 25. Riesenschritte rückwärts – man darf die Dialektik eben nicht nur als Vorwärts- bzw. Höherentwicklung denken.

1. Vergessen wir nicht die verkorkste revolutionäre Tradition in Deutschland. Die „Revolution“ hatte keine tiefen Wurzeln im Volk, vieles galt als administrativ. Zur Militärparade zum  Jahrestag der DDR kamen Revisionisten aus Ostberlin freiwillig, aber es wurde eben auch Teilnehmer zu politischen Feierlichkeiten abgeordnet, die die dann eher erduldeten. Zur Militärparade zum Ehrentag der bürgerlichen französischen Revolution am 14. Juli kommen keine Abordnungen, denn sie war eine aus dem Volk geborene Revolution. Indeß sollte der Bourgeois darüber nicht jubeln, schon die Teilnahme der Fremdenlegion bei der Militärparade am Jahrestag der Revolution zeigt, wessen geistiges Kind er eigentlich ist. Schon die erste bürgerliche Verfassung, welche die Menschenrechte anerkannte, die us-amerikanische, war ja mit dem unauslöschbaren Makel behaftet,  in gleichem Atemzug die bestehende Sklaverei der Farbigen zu bestätigen. Und dann zeige man mir eine bürgerliche Revolution, die ohne Rückschläge ausgekommen ist. Der Zusammenbruch des Sowjetsystems ist ein Rückschlag für die kommunistische Weltbewegung, keine definitive Niederlage. In Moskau regiert heute eine mafiaähnliche Abart von „Fremdenlegionären“, die den deutschen Ex-Kanzler Schröder wie einen alten Kumpel in die Arme schloß.  Diese mafiaähnlichen Strukturen haben sich seit dem Crutschowschen Revisionismus herausgebildet. Im Grunde waren beide deutsche Staaten künstlich und die BRD ist es noch heute: Die Bundeswehr hat bis heute ihr Kardinalproblem keine vom Volk geliebte Armee zu sein.  Und sich nun durch die Aussetzung der Wehrpflicht ganz von ihm zu verabschieden. Das Ideal ist natürlich eine aus einer breiten Volksrevolution herausgeborene Armee, die Bundeswehr aber wurde dem „Westvolk“ künstlich übergestülpt, was nicht gut gehen kann. Kann denn eine Zusammenkunft von nazigedienten Offizieren im Kloster Himmerod  etwas anderes zur Welt bringen als eine klösterliche Zwergmißgeburt ?

2. Dazu gehörte auch die 120 000 Matrosen starke baltische Rotbannerflotte in der Ostsee.

3. Siehe: Marxistische Arbeiter Schulung 2. Kursus Heft 1 Die Große Französische Revolution, Verlag für Literatur und Politik Berlin, Seite 10

4. Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin 1975,94

5. An den Händen der deutschen Sozialdemokraten klebt ja nicht nur das Blut von Rosa Luxemburg und  Karl Liebknecht, sie hat außer Karl Liebknecht bei der Frage der Zustimmung zu den Kriegskrediten versagt und trägt Mitschuld am Völkergemetzel des ersten Weltkrieges. Rosa Luxemburg hatte tausendmal Recht, als sie diese Partei am 4. August 1914 als stinkenden Leichnam bezeichnete. In einer seiner letzten Schriften, in der „Einleitung zu den Klassenkämpfen in Frankreich von Karl Marx“, in der Engels einen Weltkrieg und die Eventualität faschistischer Reaktion skizzierte, hat Engels auf Grund der raschen Zunahme der Wahlerfolge der Sozialdemokraten Hoffnungen auf Wahlen gesetzt. Aber selbst dieser Text wurde von den sozialdemokratischen, im Kern faschistischen Spießern der Sozialdemokratie zensiert ob der Stellen, in denen Engels vom bewaffneten Aufstand spricht. Als dann aber 1914 die Abstimmung zu den Kriegskrediten anstand, da haben diese gewählten „klugen“ und „marxbelesenen“ Leute bis auf eine Ausnahme total versagt. Lenin bezeichnete die Sozialdemokraten als Girondisten ( „Diese (bolschewistische/ Zusatz von Heinz Ahlreip) Armee wird ihre Reihen immer enger schließen, trotz allen Zickzackkursen und allen Schritten, trotz den opportunistischen Phrasen der Girondisten der heutigen Sozialdemokratie…“ Lenin, Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück, f) Einiges über Dialektik, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Band I, Dietz Verlag Berlin, 1973,818) und in der Tat zieht sich eine Blutspur von Corday zu Krull, Kannegießer und Kaplan. In der Frage der Zustimmung zu den Kriegskrediten ist ein Vergleich mit den von Lenin erzogenen Sozialdemokraten in Rußland aufschlußreich: die bolschewistische Fraktion in der Duma trat gegen den Kriegseintritt Rußlands und gegen die Kredite auf und wanderte nach Sibirien. Die Verhaftungen erfolgten im November1914 und im Februar 1915 folgte ihre Verurteilung zu lebenslänglicher Deportation nach Ostsibirien.

6.Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25,440

7. Stalinstadt wurde in Eisenhüttenstadt umbenannt. Immerhin haben die Pariser und Pariserinnen ihre nach der Heldenstadt Stalingrad benannte Metrostadion bis heute namentlich so gelassen.

8. Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, 1955,397

9.a.a.O.,363

10.a.a.O.,483

11.Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25,488

12. Marx, Engels: Die deutsche Ideologie, MEW 3,33

13. Vergleiche: Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1960,409

14. Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam 1970,100

15. Die SED wurde am 20./21. April 1946 gegründet.

16. An seinem Lebensende, im Jahr 1895, weist Engels sogar auf die Notwendigkeit des Fehlermachens hin, wenn man sich mit Tagesgeschichte befasst, man wird nicht imstande sein, „bis auf die LETZTEN (kursiv von Engels) ökonomischen Ursachen“ (Friedrich Engels, Einleitung zu den Klassenkämpfen in Frankreich, 1848 bis 1850  von Karl Marx (1895) , in Marx, Engels: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,669) zurückgehen zu können, und darin liegt eine unvermeidliche Fehlerquelle. „Für die Politik und für die Parteien gilt – mit entsprechenden Änderungen – dasselbe, was für einzelne Personen gilt. Klug ist nicht, wer keine Fehler macht. Solche Menschen gibt es nicht und kann es nicht geben. Klug ist, wer keine allzu wesentlichen Fehler macht und es versteht, sie leicht und rasch zu korrigieren.“ (Lenin, Der „linke Radikalsimus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin 1959,207

17. Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1975,102

18.Auch auf dem Gebiet der Philosophie kam es in einer Rechtswendung zu revisionistischen Auffassungen. Zu verdeutlichen ist das am Verhältnis der Gesellschaftswissenschaften zu den Naturwissenschaften. Marx
führte dazu aus, dass die Wissenschaft von dem Menschen und die Naturwissenschaften in einer vom Geld befreiten Gesellschaft kongruent sind. (Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW Ergänzungsband I,544). Dagegen steht die Bestimmung dieses Verhältnisses im Philosophischen Wörterbuch der DDR Stichwort „Wissenschaft“, „….dass die Verwandlung der Wissenschaft in eine unmittelbare Produktivkraft der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft keine Angelegenheit der
Naturwissenschaften allein ist, sondern im Zusammenwirken von Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften erfolgt.“ (Manfred Buhr, Georg Klaus: Philosophisches Wörterbuch, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig, Stichwort Wissenschaft 1965,615f.) Die Sache hat nur den Haken, dass es im Kommunismus keine Gesellschaftswissenschaften mehr gibt. Nehmen wir zum Beispiel Jura, die Wissenschaft, die sich mit abweichendem Verhalten befasst. Lenin sagt, dass es im Kommunismus keinen systematischen Kampf zwischen Klassen gibt, es kann aber zu Ausschreitungen einzelner Personen kommen. Kommt es zu einem Gerichtsprozess ? Nein, „…das wird das bewaffnete Volk selbst mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit bewerkstelligen, mit der eine beliebige Gruppe zivilisierter Menschen sogar in der heutigen Gesellschaft Raufende auseinanderbringt oder eine Frau vor Gewalt schützt.“ (Lenin, Staat und Revolution, LW 25,478). Endgültig Aufschluß über die Dialektik von Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften gibt die Marxsche Analyse der Ware, durch die zugleich erläutert werden kann , warum die bürgerliche Gesellschaft für Marx nur ein Spezialfall der Dialektik ist. Die bürgerliche Ökonomie hat zwar Epoche gemacht mit der Entdeckung, dass die Arbeitsprodukte als Werte bloß sachliche Ausdrücke der in ihrer Produktion verausgabten menschlichen Arbeit sind, löst aber nicht das Geheimnis des Fetischcharakters der Ware. Die bürgerliche Gesellschaft erscheint den in der Befangenheit der Warenproduktion verhafteten Gesellschaftswissenschaftlern als ebenso endgültig, „als daß die wissenschaftliche Zersetzung der Luft in ihre Elemente die Luftform als eine physikalische Körperform bestehen läßt.“ (Karl Marx, Das Kapital, Dietz Verlag Berlin, 1975,88) Damit wäre die bürgerliche warenproduzierende Gesellschaft und auch die gesellschaftswissenschaftlich im Sinne der Bürgerlichkeit und der Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft tätigen Menschen auf ewig als bürgerliche verankert, wenigstens solange, als die warenproduzierenden und gesellschaftswissenschaftlich tätigen Menschen dazu die Luft zum Atmen brauchen. Die revolutionäre Aufhebung der kapitalistischen Ausbeutung und der menschlichen Arbeitskraft als Ware setzt die bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften, für die die bürgerliche Gesellschaft kein Spezialfall der Dialektik ist und sein darf, an die frische Luft. Ist aber die bürgerliche Gesellschaft kein Spezialfall der Dialektik, so resultiert aus diesem ideolgisch befangenen in sich kreisenden Denken die für die bürgerliche Ideolgie typische Stagnation. Marx veranschaulicht das an der Gleichgültigkeit der politischen Ökonomie an der Wertform, selbst bei ihren besten Repräsentanten Adam Smith und David Ricardo, nachdem der Inhalt der Form annähernd erkannt worden war. Die Wertform des Arbeitsprodukts ist die allgemeinste Form der bürgerlichen Produktionsweise und verwandelt sich auf Grund dieser Allgemeinstheit unter der Hand zur ewigen „Naturalform gesellschaftlicher Produktion“ (Karl Marx, a.a.O.,95) Eine besondere historisch vorübergehende Produktionsform wird eine endgültige. (a.a.O.,88). So galt den Ökonomen des klassischen Kapitalismus die freie Konkurrenz als Naturgesetz dieser Produktionsweise, Marx wies schon im dritten Band des Kapitals eine gewisse Tendenz zum Monopol nach: mit den Banken sei „die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form“. (Karl Marx, Das Kapital, Band III, Dietz Verlag, Berlin 1959,655). Im Gegensatz zur gängigen, oben bereits auf dem Gebiet der Philosophie von Manfred Buhr und Georg Klaus skizzierten Lehrmeinung der DDR über das Verhältnis von Natur- und Gesellschaftswissenschaften im Kommunismus hatte Rosa Luxemburg, die 1913 ihr ökonomisches Hauptwerk: „Die Accumulation des Kapitals“ veröffentlicht hatte, Recht, als sie in den vor dem ersten Weltkrieg an der Parteihochschule der deutschen Sozialdemokratie  gehaltenen Vorlesungen über politische Ökonomie nicht nur richtig herausgearbeitet hatte, dass Marx die politische Ökonomie aus einem Herrschaftsmittel der Bourgeoisie in eine Waffe des Klassenkampfes für die Befreiung des Proletariats verwandelt habe, sondern auch, dass sich der Marxismus nach der Befreiung des Proletariats im Kommunismus aufhebe. (Rosa Luxemburg, Einführung in die Nationalökonomie, Ausgewählte Reden und Schriften, Dietz Verlag Berlin, 1951, 491f.). Es ist absurd, wenn die Herausgeber der zweibändigen Luxemburgausgabe in der DDR aus dem Jahr 1951 ihr unterstellen, sie habe eine fundamentale Aussage von Friedrich Engels über die politische Ökonomie im Anti Dührung nicht verstanden, nur um unterzubringen, dass Stalin die politische Ökonomie von Marx weiterentwickelt habe ((a.a.O.,405f. Anmerkungen zu Rosa Luxemburg: Einführung in die Nationalökonomie von Marx Engels Lenin, Institut beim ZK der SED). Kurz: es läuft darauf hinaus, wie konnte sich Rosa Luxemburg vor dem ersten Weltkrieg unterstehen, den Marxismus wenigstens schon in der Theorie verschwinden zu lassen, wo doch Stalin noch erst kommen sollte. (Siehe auch: google: lenin unser aller lehrer: ist der marxismus zeitlich begrenzt ?, dort wird ausgeführt, dass es eine dynamische und eine metaphysische Auffassung über die Endzeit des Marxismus gibt. In der dynamischen liegt ihr Finale.

19. Rede Michail Gorbatschows bei der Schlußsitzung der Konferenz  am 1. Juli 1988, in: XIX. Unionskonferenz der KPdSU, Dokumente und Materialien, APN-Verlag, Moskau 1988,121

20. Die revisionistische Entartung der NVA konnte man an der seit 1980 in militärwissenschaftlichen Fachkreisen stattfindenden Aufwertung des preußisch-royalistischen Militärphilosophen Carl von Clausewitz ablesen, den Stalin nach dem Zweiten Weltkrieg nicht als Lehrer des Proletariats empfahl. So zielte zum Beispiel Clausewitzens Lehre von den „moralischen Faktoren“ darauf ab, die Volksmassen zum Krieg für die verbrecherischen Ziele der preußischen Junker zu mobilisieren. (siehe: Olaf Rose, Carl von Clausewitz, Wirkungsgeschichte seines Werkes in Rußland und der Sowjetunion von 1836 bis 1995, Oldenbourg Verlag 1995,209). Den preußischen Gestank ist die DDR nach ihrer guten Anfangsphase (Denkmäler von Blücher und Friedrich dem Großen wurden entfernt) dann nicht mehr losgeworden, im Gegenteil, die SED errichtete sogar das Reiterstandbild des Alten Fritz wieder an zentraler Stelle in Berlin (Unter den Linden, ausgerechnet vor der Humboldt Universität), nachdem „kluge Menschen“ aufgetreten waren, die alles dialektisierten, die selbst Friedrich progressive Züge anfrisierten. Die Werke von Marx und Engels haben einen Wahrheitsgehalt und man sollte sie lesen, wie Arbeiter/innen sie lesen, ohne philosophische Brille. Liest man nach, was Marx und Engels über das reaktionäre Preußentum und über diese Type geschrieben haben, so war die Wiedererrichtung ein Akt der Perversion. Statt dilettantischer Dialektisiererei, die zu nur schlecht zu verdauenden Biografien über Luther (von Gerhard Brendler 1983, man beachte auch schon das fehlerhafte Luther Buch von Gerhard Zschäbitzsch (Martin Luther Größe und Grenze) aus dem Jahr 1967), Friedrich (Ingrid Mittenzwei 1983) und Bismarck (Ernst Engelberg 1985) führten, hätte man sich einfach an die Bilderstürmerei aus dem Bauernkrieg erinnern sollen. Am 20. März 1852 äußerte sich Bismarck in einer Rede vor der Zweiten Kammer des preußischen Landtages, das das wahre preußische Volk, er meinte seine Krautjunker, die Großstädte, sollten sie sich wieder einmal erheben, zum Gehorsam zu zwingen wisse, „und sollte sie es vom Erdboden tilgen“. In den Großstädten vermutete der Junker zu Recht revolutionäre Bestrebungen, nach dem Deutsch Französischen Krieg 1870/71 konnte er das von der bürgerlichen Konterrevolution gegen die Communarden in Schutt und Asche gelegte Paris sehen, Marx schrieb dazu: „Er (Bismarck/H.A.) schaut zufrieden auf die Leichen des Pariser Proletariats.“ (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Marx Engels Ausgewählte Werke, Band IV, Dietz Verlag Berlin, 1972,99). Durch General von Colditz kam Hitler nicht in diesen Genuß. ( Die Engelberg Biografie wurde auffälligerweise gleichzeitig im Akademie Verlag und im konservativen Siedler Verlag in Berlin West veröffentlicht. Dass sich die Extreme berühren, ist doch eigentlich hübsch dialektisch…eigentlich..Aber wer einen Staatsmann lobt, der zufrieden auf die Leichen des Pariser Proletariats schaut, der wird auch bald zufriden auf die Leiche des Staates DDR schauen.). Natürlich denkt die in der Tradition der preußischen Junker stehende Bundesregierung nicht daran, den längst überfälligen Schritt der Sprengung des Reiterstandbildes Friedrichs II. vorzunehmen, dies wird indeß im Verlauf der proletarischen Revolution in Deutschland geschehen.

21. Karl Marx, Friedrich Engels: Das Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984,62

22. Wenn ich mit Arbeitskollegen/innen auch besonders aus der Ex-DDR diskutiere und bemerke, dass wir ohne den Leninismus den Kapitalismus nicht in die Knie zwingen können, höre ich sehr oft, dass mit ihm die Niederlage sowieso vorgezeichnet sei. Der entscheidende Bruch in der Entwicklungsgeschichte der Oktoberrevolution, die Einhüllung konterrevolutionären Gedankenguts in eine marxistisch leninistische Toga durch Crutschow, scheint mir der Punkt zu sein, an dem eine immense marxistische Aufklärungsarbeit an- und einsetzen muss. Diese Arbeit setzte ja auch in der Tat gleich nach der sogenannten Geheimrede ein. Wir haben die Werke von Marx Engels Lenin und Stalin, die aufklären, damit haben wir eine Waffe, mächtiger als alle waffenmäßigen Kriegsungeheuer der Bürger, die Engels aus eigener Erfahrung immer als feig bezeichnet hat, denn diese Waffe wirkt durch die Köpfe und kann nicht vernichtet werden. Wer den Marxismus Leninismus vernichten will, muss die produktive Klasse, die uns alle ernährt, vernichten.

23. Vergleiche: Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1971,570

24.a.a.O.

25. Lenin. Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag 1960,315

Advertisements

Schlagwörter:

3 Antworten to “ZUR DDR”

  1. udet Says:

    ch kann dem Beitrag nicht zustimmen und halte ihn sogar für sehr
    schädlich! Für mich als Leser bleibt eigentlich folgende Aussage im
    Gedächtnis haften

    Die DDR ist ausschließlich auf den Bajonetten der Roten Armee
    entstanden und war von den Massen? nicht gewollt und damit von
    Anfang an eine Totgeburt!

    Es wird behauptet es gab keine Revolution und keine Massenbewegung
    zum antifaschistisch-demokratischen Aufbau der in der Gründung der DDR gipfelte.

    Eine Revolution ist die grundlegende qualitative Umgestaltung der
    Gesellschaft. Der Begriff ist nicht!!! mit „bewaffneter Aufstand“ oder
    „Bürgerkrieg“ identisch.

    ————————————————————————————
    „Der Übergang der Staatsmacht aus den Händen einer Klasse in die Hände einer anderen ist das erste,wichtigste,grundlegende Merkmal einer Revolution, sowohl im Streng wissenschaftlichen wie auch in der praktisch-politischen Bedeutung dieses Begriffs“
    -> W.I.LENIN Werke Bd.24 S.26

    Im Osten Deutschlands war die Macht aus den Händen der
    imperialistischen Großbourgeoisie in die Hände der Arbeiterklasse, der
    Bauernschaft und der anderen demokratischen Schichten übergegangen.
    Die Zerschlagung des faschistischen deutschen Imperialismus im zweiten
    Weltkrieg und das nach 1945 entstandene Kräfteverhältnis hatten es der
    Arbeiterklasse und ihren Verbündeten ermöglicht, diese … Revolution in
    relativ friedlichen Formen – im harten Klassenkampf, doch ohne Bürgerkrieg – zum Sieg zu führen.

    Quelle:
    Stefan Doernberg
    (Prof. für Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung)
    „Kurze Geschichte der DDR“
    Dietz Verlag Berlin 1964
    ———————————————————————————–

    Zum Thema Massenbasis:

    Träger der Revolution sind die Volksmassen. Es kann eine aktive
    revolutionäre Minderheit ( nämlich die KPD ) als Motor der Revolution
    wirken! Sie muß dabei natürlich in ihren Aktionen von den Volksmassen
    unterstützt werden.

    siehe dazu auch:

    11.Juni 1945 Aktionsprogramm der KPD
    14.Juli 1945 Block der antifasch.-demo. Parteien KPD,SPD,CDU,LDPD
    in Berlin und SBZ

    siehe: Blockparteien, Massenorganisationen der DDR

    weitere sozialistische Literatur:

    Schriftenreihe Geschichte, Dietz Verlag Berlin 1984
    „DDR Geschichtlicher Überblick“
    „Entscheidende Tage im Oktober 1949, Die Gründung der DDR“

    Verlag Junge Welt Berlin 1988
    „Fragen an die Geschichte der DDR“

    RotFront

  2. dierostigelaterne Says:

    Jeder politische Text richtet in einer in Klassen zerrissenen Gesellschaft Schaden an, die Frage bleibt doch, für welche Klassen ist mein Text schädlich, ich nehme an, dass er nach Ihrer Meinung schädlich für die Arbeiter/innen in der Industrie und Lohnarbeiter/innen in der Landwirtschaft sein soll.
    Sie sind auch nicht der Pflicht enthoben, eine Charakterisierung der Schädlingsarbeit, der Abweichung vom Marxismus-Leninismus zu geben, den Lesern zuliebe und dem Angegriffenen gegenüber. Stellt der Inhalt des schädlichen Textes eine rechte oder linke Abweichung dar ? Linker oder rechter Doktrinarismus, Opportunismus, Revisionismus..oder was ??
    Lenin hatte stets diese Charakterisierung, die den Lesern wirklich weiterhilft, gegeben, er hat nie einen Text als nur schädlich bezeichnet. Oder ist der Text nur für ihr Weltbild schädlich ?

    Ist denn nicht wahr, daß die Bajonette der Roten Armee (Gruppe sowjetischer Streitkräfte in Deutschland) die DDR aufrechterhielt, gerade ihr Zusammenbruch zeigte das doch, die russiche Gruppe unterstützte auf Anweisung Moskaus das ZK der SED mit keinem Gewehr, mit keiner Pistole, mit keiner Handgranate, diese Gruppe sah tatenlos, fast möchte man sagen anteilnahmslos zu.
    Wir haben in Deutschland leider – angesichts zweier von deutschen Imperialisten ausgelösten Weltkriege ein doppletes „leider“ – eine völlig verkorkste revolutionäre Tradition. Gerade hier war aber das Geburtsland des Marxismus.
    Gerade diese Tradition incl. Staatsfetisch bzw. Staatsanbetung und Öbrigkeitshörigkeit, immer vom Faschismus ausnutzbar, kann m.E. nur durch eine alles Bürgerliche völlig vernichtende mächtige VOLKSREVOLUTION unter Führung der Partei der Arbeiterklasse im Bündnis mit den Kleinbauern zerstört werden. Da haben wir auch schon die Lösung der Frage des Verhältnisses von Minderheit und Mehrheit. Die Konterrevolutionäre bilden eine Minderheit, die aber mächtiger bleibt. (Siehe Lenin, Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit..am Anfang des 2, Kapitels). Viele Elemente aus der Oktoberrevolution werden in abgewandelter Form wieder auftauchen, insbesondere die Räte, die für Lenin Keimformen des Absterbens jedes Staates darstellten und in ihrem Wert als Massenorganisationen nicht hochgenung eingeschätzt werden können. „Die Diktatur wird durch das in den Sowjets organisierte Proletariat verwirklicht, dessen Führer die Kommunistische Partei der Bolschewiki ist…“ (Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Ausgewählte Werke Progress Verlag 1971, 587). Nicht zufällig führt Lenin in seiner Polemik gegen Kautskys Broschüre „Die Diktatur des Proletariats“ die Wahlerfolge der Bolschewiki in den Sowjets an, von 13 % am 3.6.1917 aud 66 % am 4.7.1918 (LW 28,271). In den 66 % lag das damalige Todesurteil des bürgerlichen Parlamentarismus. Nun ist klar, dass mit der Roten Armee 1945 keine deutsche Massenbewegung der Räte „einmarschierte“.
    Wenn Professor Dörnberg von einer „Revolution“ in relativ friedlichen Formen spricht und was m.E. die gesellschaftliche Entwicklung in der DDR richtig abbildet, so bleibt doch die Frage, ob nicht gerade diese Friedfertigkeit den Sandboden ausmachte, auf den die DDR gebaut war. Die Aufgabe der Arbeiterbewegung besteht in der VÖLLIGEN Vernichtung der Bourgeosie, so formuliert es Lenin in „Staat und Revolution“. Man kann das gar nicht mißverstehen. Kann man denn gesellschaftliche Klassenminderheiten, die MÄCHTIGER sind (Lenin hat dieses Wort kursiv drucken lassen) ohne Feuer und Schwert ausrotten ? Wollen doch nicht hinter das Niveau des Frühaufklärers Meslier zurückfallen, der schon Anfang des 18, Jahrhunderts gefordert hatte, „daß alle Großen und Vornehmen der Erde mit den Gedärmen der Pfaffen aufgehängt und erdrosselt werden.“ (siehe: Marxistische Arbeiter Schulung 2, Kursus Heft 1, Die Große Französische Revolution, Verlag für Literatur und Politik Berlin, S. 10) Heute „verwaltet“ dieser perverse mittelalterliche Abschaum die Stasiakten. Ich frage sie nun, hat dieser Abschaum, der WIRKLICH dem deutschen Volk Schaden über Schaden zufügt, ein anderes historisches Schicksal verdient, als mit Feuer und Schwert aus der deutschen Geschichte hinfortliquidiert zu werden.
    Zur Frage des Verhältnisses Mehrheit Minderheit finden wir Interssantes in Lenins Schrift über den Renegaten Kautsky (LW 28, 305 insbesondere auch die Anmerkung 118 (Engels über Blanqui) Es ist widersinnig, wenn eine Minderheit der Mehrheit ihren Willen aufzwingt.

  3. Feliks Dzerzhinsky Says:

    Das ist gut, Genossen, dass Ihr das so darstellt. Endlich wird klar, dass es eben in Wahrheit „von der Sowjetunion lernen, heisst siechen lernen“ heissen musste.
    Damals wie heute war der Name Ackermann mit dem spezifisch deutschen Weg zum Sozialismus verbunden. Schade, dass damals das Bewusstsein der Massen dafuer nicht ausreichte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: