Gesine Lötzsch Merkwürdige Wege zum Kommunismus

„Die Erfahrung hat bewiesen, dass in einigen sehr wesentlichen Fragen der proletarischen Revolution ALLE (kursiv von Lenin) Länder unvermeidlich dasselbe werden durchmachen müssen, was Russland durchgemacht hat.“ 1.

Anfang Januar 2011 erschien in der „Jungen Welt“ ein Aufsatz von der Parteivorsitzenden der LINKEN Gesine Lötzsch „Wege zum Kommunismus“, in dem sie unter Hinweis auf ein Zitat von Thomas Edison „Ich habe nur 10 000 Wege gefunden, die nicht funktionierten“  eine beliebige Pluralität der Wege zum Kommunismus angibt. „Auf jeden Fall wird es nicht den einen Weg geben, sondern sehr viele unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen.“ 2. Das ist sehr spekulativ dahergesagt, zugrunde gelegt werden muss aber stets und unbedingt die Klassenanalyse der modernen, auf  Lohnarbeit basierenden bürgerlichen Gesellschaft. Aus der ökonomischen Evolution des Kapitalismus ergeben sich ganz bestimmte grundlegende Verhältnisse der verschiedenen Klassen, Klassenzusammenhänge in ihren wechselseitigen Beziehungen  zueinander. Im Kommunismus sind über dem Weg zum Sozialimus sämtliche Klassen und deren Beziehungen aufgehoben. „Was bedeutet aber „Aufhebung der Klassen“ ? Alle, die sich Sozialisten nennen, erkennen dieses Endziel des Sozialismus an, aber bei weitem nicht alle denken sich in seine Bedeutung hinein. Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen, die sich untereinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem  (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit einer anderen aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft.“ 3. Also gibt das Verhältnis zu den Produktionsmitteln den  Klassenzusammenhang der verschiedenen Klassen an, in dem sie aber nicht beliebig handeln können, sondern einer ganz bestimmten historisch politischen Klassenrichtung folgen müssen. Es kann keineswegs eine beliebige Pluralität der Wege zum Kommunismus geben. In ihrem Artikel verweist Gesine Lötzsch auf den Linksradikalismus, nach Lenin die Kinderkrankheit im Kommunismus, gegen den auch Rosa Luxemburg gekämpft habe. Aber nicht diese Bemerkung zur angeblichen Parallelität der Handlungsweise der Revolutionäre hilft uns hier weiter, sondern Lenins zentrale Aussagen über den INTERNATIONALEN Charakter der Oktoberrevolution, auf den Gesine Lötzsch nicht eingeht, denn gerade in dieser Schrift „Der linke Radikalismus…“ hat er die internationale Bedeutung der Oktoberrevolution herausgearbeitet, in der die Idee der Sowjetmacht als „Totengräber, Erbe, Nachfolger des bürgerlichen Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie überhaupt“ 4. für die ganze Welt geboren wurde.  Der Plan dieser Schrift bestand darin, das auf Westeuropa anzuwenden, „was in der Geschichte und der heutigen Taktik des Bolschewismus allgemein anwendbar, von allgemeiner Bedeutung und allgemeiner Gültigkeit ist.“ 5. Man muß es verstehen, „die allgemeinen und grundlegenden Prinzipien des Kommunismus auf jene EIGENART (kursiv von Lenin) der Beziehungen zwischen den Klassen und Parteien, auf jene EIGENART (kursiv von Lenin) in der objektiven Entwicklung zum Kommunismus anzuwenden, die jedes einzelne Land aufweist und die man zu studieren, zu erforschen, zu erraten fähig sein muss.“ 6. Also ist die Urmutter der proletarischen Revolution die russiche Oktoberrevolution und es war und ist immer konterrevolutionäres Bestreben, die Arbeiter und Bauern von diesen Mutterbrüsten abzureißen. In der Tat hat uns die Oktoberrevolution eine Komplexität von Erscheinungsformen gegeben – aus dem Obigen dürfte klar sein, dass dies keine beliebig große Komplexität sein kann – die unter allen Umständen bei jeder Revolution der Arbeiter und Bauern gegen die Kapitalisten  in modifizierter Form wieder in Erscheinung treten werden. Vor allem zeigt uns die Oktoberrevolution den gewaltsamen Weg der Zerschlagung des kapitalistsichen Ausbeutersystems über den bewaffneten Aufstand als der höchsten militärischen Kunst, sie zeigt uns mit aller Eindringlichkeit die Bedeutung der revolutionären Gewalt, die Notwendigkeit des Bürgerkrieges in seiner fürchterlichsten Gestalt, der hundert  mal schwieriger ist als der gewöhnliche Krieg zwischen Staaten 7.,  denn die große weltgeschichtliche Frage: Diktatur der Bourgeosie oder Diktatur des Proletariats kann NUR gewaltsam gelöst werden.  Von einem friedlichen dritten Weg zum Sozialismus träumen nur Naivlinge, die meinen, sie könnten sich subjektiv außerhalb der weltgeschichtlichen Kämpfe stellen. Diesen Weg hätte Gesine Lötzsch schon mal explizit ausschließen müssen, sie hält ihn offensichtlich in ihrem Pluralitätenrepertoire für durchaus gangbar. Die Oktoberrevolution hat uns unter anderem die Notwendigkeit eines engen Bündnisses der Arbeiter und der Bauern gelehrt, auf die Notwendigkeit der Bauernräte geht Gesine Lötzsch erst gar nicht ein (ist denn nicht klar, dass sich der Sozialismus ohne richtige Beziehungen zwischen dem Proletariat und den Bauern nicht wird halten können ?), dass man UNBEDINGT den bürgerlichen Parlamentarismus zerschlagen , dass das Ziel der Arbeiterbewegung in der „VÖLLIGEN  (kursiv von Heinz Ahlreip) Vernichtung der Bourgeoisie“ 8. bestehen und dass die Primitivität der Volksmassen  folglich die bürgerliche Demokratie in Tausend Fetzen schlagen muss. In ihrem Aufsatz ist sich Gesine Lötzsch zum Beispiel des fundamentalen Unterschieds zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Demokratie (jederzeitiges Abberufungsrecht der Gewählten) gar nicht bewußt.

Nachdem sie eine Pluralität der Wege zum Kommunismus ohne Berücksichtigung der Erfahrungen der Oktoberrevolution vertreten hat, fährt sie fort: „Egal, welcher Pfad zum Kommunismus führt, alle sind sich einig, dass es ein sehr langer und steiniger sein wird.“ 9. Auch das ist wiederum spekulativ gedacht, die dialektische Entwicklungslehre hat sich gerade dadurch herausgebildet, dass  sowohl die Entwicklung  der Natur als auch der Geschichte uns ein Abbrechen der langen Allmählichkeit zeigt, ein rasanter Wechsel der Erscheinungen, ein plötzliches Umschlagen von Quantität in Qualität, Sprünge und Zickzackbewegungen. In allen Revolutionen kommt es zu einem „sprunghaften Anwachsen der Aktivität der unterdrückten Massen“. 10. Welches Ereignis zum Beispiel den Anfang einer proletarischen Revolution in Deutschland markieren wird, läßt sich nicht bestimmen, vielleicht führt der Weg vom wirtschaftlichen Streik über einen politischen Generalstreik zum bewaffneten Aufstand, wir können aber heute schon sagen, dass im Vergleich zur Oktoberrevolution der Anfang dieser Revolution sehr viel schwieriger sein wird, bei uns gibt es keine zaristischen Idioten wie Nikolaus mehr, sondern an der Macht sind die versiertesten, professionellsten, politisch ausgefuchstesten Vertreter der Bourgeosie und der Arbeiteraristokratie, aber auf Grund der hohen Entwicklung der Produktivkräfte wird nach dem politischen Sturz des deutschen Bürgertums, nach dieser „Herkulesarbeit“  – das Bürgertum ist nichts Einheitliches und man kann seine Spaltungen ausnutzen –  der Weg zum Sozialismus und Kommunismus, wenn in ihm der Klassenkampf weiter und richtig betrieben wird, sehr viel kürzer sein.

Madame Gesines Darlegung läuft, wie sie es selbst formuliert, auf einen „liberalen Kommunismus“ hinaus und, so füge ich hinzu: auf einen pazifistischen. Betrachten wir ihre geistige Schöpfung näher. Es ist schon sehr „liberal“, die Bundeswehr als eine Verteidigungsarmee hinzustellen. Die Bundeswehr war, ist und wird auf Grund ihrer imperialistischen öconomischen Ausgangsbedingungen immer eine aggressive volksfeindliche Armee bleiben, nach der juristisch immer in Kraft stehenden Notstandsgesetzgebung direkt zur Unterdrückung von Arbeiter/innenaufstände dressiert. Und der Weg zum Sozialismus und Kommunismus in Deutschland führt über die völlige Vernichtung der bürgerlichen Armee, er führt über die Ersetzung des stehenden Heeres und der Polizei durch die allgemeine Volksbewaffnung . Dagegen meint die sich der politischen Prostitution hingebende Konterrevolutionärin Gesine Lötzsch: „Die wichtigsten Probleme der Gegenwart lassen sich nicht mit militärischen Mitteln lösen.“ 11. Oh ja, das ist der Kern der Sache: „OB DIE UNTERDRÜCKTE KLASSE WAFFEN BESITZT (kursiv von Lenin)“ 12. Wer diesen Kern umgeht, geht weg vom Proletariat, geht über auf die Seite der Bourgeoisie. Wie will man denn ohne Waffen die völlige Vernichtung des Bürgertums erreichen ?

Nun ist klar, dass nicht Edison uns das Licht zum Kommunismus geben kann, sondern nur Genosse Lenin.

Es bleibt nur nachzureichen die Bankrotterklärung der „Linken“ Gesine Lötzsch im Interview mit der „Welt am Sonntag“ am 9.1.2011. Es ist ein Bekenntnis zum Antikommunismus und damit ein Plädoyer für die Versklavung der Lohnarbeiter/innen und des deutschen Volkes. Wie eine konterrevolutionäre Schlange mogelt sie sich durch die Fragen, aber ihre Antworten entpuppen, dass sie ihren  Redebeitrag auf der Rosa Luxemburg Konferenz „Wege zum Kommunismus“ ehrlicherweise  „Weg vom Kommunismus“ hätte titulieren müssen. Selbst bei der Frage, dass Rosa Luxemburg sich für den bewaffneten Aufstand ausgesprochen habe, geht sie auf Distanz zu Luxemburg, sie wolle alle gesellschaftlichen Probleme friedlich lösen. Vom Marxismus Leninismus spreche heute kein Mensch mehr. Gysi verstieg sich sogar zur Behauptung: man dürfe den Begriff „Kommunismus“ heute nicht mehr verwenden. Bankrotterklärung auf Bankrotterklärung, das sind die Folgen, wenn man  gegen den wissenschaftlichen Sozialismus arbeitet. Die klassenbewußten Arbeiter und Arbeiterinnen in Deutschland wenden sich mit Ekelgefühlen ab. 13. Der konterrevolutionären Schlange muß der Kopf zertreten werden.

1.Lenin, Der „linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus“, Lenin Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1959,15

2. google: gesine lötzsch junge welt wege zum kommunismus

3. Lenin, Die große Iniative, Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971, 530f.

4.Lenin, Der „Linke Radikalismus“ – die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Werke Band 31,77. Russland war vor der Oktoberrevolution immer das Bollwerk der gesamten europäischen Reaktion, auch in dieser Hinsicht hat der rote Oktober das Blatt gewendet.

5.a.a.O.,32

6.a.a.O.,76. „Alle Nationen werden zum Sozialismus gelangen, das ist unausbleiblich, aber keine auf genau die gleiche Art und Weise, jede wird zu dieser oder jener Form der Demokratie, zu dieser oder jener Abart der Diktatur des Proletariats, zu diesem oder jenem Tempo der sozialistischen Umgestaltung der verschiedenen Seiten des gesellschaftlichen Lebens etwas Eigenes beitragen.“ (Lenin, Über die Karikatur auf den Marxismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,64).

7.Vergleiche a.a.O.,56

8. Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1959, 425

9. google: gesine lötzsch junge welt wege zum kommunismus. Dass der Weg zum Kommunismus eine steiniger sein wird, ist unbestritten, jedoch ist zu bedenken, dass der Kommunismus selbst nur die Frucht einer historischen Negation der Negation ist, wobei die erste Negation die steinigere ist. Nachzulesen bei Marx im Kapital im Kapitel: Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation. Im „Elend der Philosophie“ gibt Marx übrigens den gleichen Negationsvorgang für die aufstrebende Bourgeoisie gegen den Feudalismus an, bei dem Ähnliches gilt. (Vergleiche: Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke, Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1974,310).

10.Lenin, Der „linke Radikalismus“ – die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1959, 77

11.google: gesine lötzsch junge welt wege zum kommunismus

12.Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1959, 463

13.siehe: google: welt am sonntag ich kann mir kommunismus jetzt nicht vorstellen

Heinz Ahlreip, 8.1.2011

Advertisements

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: