Archive for März 2011

Lenin über die Subbotniks Die Zukunft des Kommunismus

20. März 2011

Konstitutiv für die kapitalistische Arbeitswelt ist die entfremdete Arbeit, ein Umstand, den der junge Marx in den Ökonomisch Philosophischen Manuskripten in dem Satz ausdrückte: Wenn der Mensch arbeitet, ist er nicht zu Hause, und wenn er zu Hause ist, arbeitet er nicht. Im „Elend der Philosophie“, dem Werk, in dem Marx über die Grundzüge seiner neuen historischen und ökonomischen Anschauung mit sich ins reine gekommen war 1. , führte er aus, dass durch die Industriealisierung  der Grundbesitz in Schottland wichtig wurde als Wollieferant für die Textilindustrie und deshalb die kleinen Pächter vertrieben, „daß Menschen durch Hammel verdrängt wurden.“  2. Der reife Marx schrieb im „Kapital“, dass die Lohnarbeit wie die Pest geflohen wird, sobald der äußere Zwang wegfällt. Jeden Arbeitstag werden Milliarden Menschen im kapitalistischen Arbeitsprozess fremdbestimmt, schikaniert und gemartert, ein Teil auch gemobbt, verstümmelt dadurch, dass sie fast ihr ganzes Leben lang an ein- und diesselbe bornierte Tätigkeit gekettet sind. Das Arbeitsfeld ist zu einem Kampffeld geworden. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind auf der Welt, alle vier Minuten verliert ein Mensch wegen Vitamin A Mangels sein Augenlicht, jeder sechste Mensch ist chronisch unterernährt. Aber für wen schreibe ich das ? Bestimmt nicht für den überfressenen Bourgeois, der gleichgültig ist für die Leiden der Menschheit, die er verursacht. 3.  Die Polarisation von arm und reich nimmt weltweit rapide zu, nach Angaben der UNO hat zum Beispiel die „sozialistische“  Volksrepublik China  die USA bei der Kluft zwischen arm und reich überflügelt 4. ,die Anarchie der Produktion charakterisiert den Markt und periodisch wiederkehrende Krisen sind ihr fester Bestandteil. Lenin wies dem Umstand der entfremdeten Arbeit die primäre Stelle zu im Leidensweg der Lohnsklaven und Sklavinnen. „Die soziale Unterdrückung der werktätigen Massen, ihre scheinbar völlige Ohnmacht gegenüber den blind waltenden Kräften des Kapitalismus, der den einfachen arbeitenden Menschen täglich und stündlich tausendmal mehr entsetzliche Leiden und unmenschliche Qualen bereitet als irgendwelche außergewöhlichen Ereignisse wie Kriege, Erdbeben usw…“ 5., so schilderte Lenin den kapitalistischen Werkelalltag. Wir erleben gerade, wie die kapitalistischen Massenmedien das dreifache Unglück Japans – Erdbeben, Tsunami, Kernschmelze – ausnutzen, um durch Sondersendungen mit Expertenaufgebot die Werktätigen abzulenken von ihrem Joch des Sklavendaseins, zu dem es weder Sondersendungen noch Expertenbefragungen gibt.

Marx, Engels, Lenin und Stalin haben in ihren Werken die Lehre von der weltweiten Befreiung aus der Lohnsklaverei entwickelt, die zum wissenschaftlichen Studium für alle Werktätigen bereitliegen. Ich möchte die Lehre von diesen Genies der proletarischen Weltrevolution als das Gold der Menschheit bezeichnen. Indeß ist dieses allein, die Lehre von den Bedingungen und der Durchführung der proletarischen Revolution, so wichtig und zentral sie auch ist, noch nicht das Primäre. Wesentlicher als die negative Aufgabe des Sturzes der alten Ausbeuterordnung ist die positive des Aufbaus der neuen Gesellschaft ohne jegliche Ausbeutung. Weder der politische Umsturz, die Machtergreifung durch die Arbeiterklasse, noch die Enteignung der Kapitalisten und Gutsbesitzer enthalten etwas Kommunistisches 6., sondern erst die zunächst ganz winzigen Subbotniks, in diesen zarten Keimlingen liegt eine von Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft freie zukünftige Gesellschaft. Auf die Bedeutung dieser Keime des Kommunismus geht Lenin neben mehreren im Gesamtwerk verstreuten Äußerungen nach 1919 in einer seiner wichtigsten, im Juni 1919 verfassten  Schrift: „Die Grosse Initiative (Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“) ein und die er in ihr als faktischen Beginn des Kommunismus bezeichnet 7., als ersten Schritt zur praktischen Verwirklichung des Kommunismus und in einem Referat über die Subbotniks auf der Moskauer Stadtkonferenz  der Kommunistischen Partei Russlands (B) vom 20. Dezember 1919. In dem Artikel „Zwei Jahre Sowjetmacht“ bezeichnet er die Subbotnikarbeiter als „Repräsentanten des Kommunismus“ 8. , die nicht geringeren Nutzen bringen als die Rote Armee an der Front. Diese heute fast vergessenen Subbotniks 9. sind das zweite Gold der Menschheit, Arbeit ohne Norm, nicht um Anspruch auf bestimmte Produkte zu erhalten, Arbeit für das Gemeinwohl, Arbeit als Bedürfnis eines gesunden Organismus. 10. Sie zeigen, dass unter der Pest der kapitalistischen Arbeit die Mittel zur Heilung dieser „schrecklichsten“ aller Krankheiten der menschlichen Zivilisation schlummern. Im Vergleich zur feudalen Produktionsweise war die kapitalistische insofern fortschrittlich, als sie zu einer höheren Arbeitsproduktivität führte, allerdings nur zum Wohle der die Produktionsmittel besitzenden Klasse und der gigantischen Ausbeutung menschlicher Arbeitskräfte. Und gerade diese Subbotniks zeigen Lenin nun, dass der Sozialismus eine noch viel höhere Arbeitsproduktivität als der Kapitalismus erreicht. Die Prawda vom 23. Mai 1919 ließ einen Subbotnikarbeiter zu Wort kommen: „Die Genossen erklärten das damit, dass man in der gewöhnlichen Zeit die Arbeit satt habe, ihrer überdrüssig sei, hier dagegen arbeite man mit Lust, mit Begeisterung. Jetzt aber wird man sich schämen, in der gewöhnlichen Zeit weniger zu leisten als beim kommunistischen Subbotnik.“ 11.  Und in diesem „höheren Typus der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit“ liegt für Lenin die Bürgschaft für „den unausbleiblichen vollen Sieg des Kommunismus.“ 12. Was Lenin über die Subbotniks schreibt, ist deshalb von allerhöchster  Wichtigkeit für die Lohnsklaven und Sklavinnen, manche verlieren verständlicherweise den Mut, da es Phasen im Klassenkampf geben kann, in denen die proletarische Sache als aussichtslos erscheint. Die Weltgeschichte geht nun einmal nicht gleichmäßig vorwärts, mitnichten, sie geht nicht glatt vorwärts, „ohne manchmal Riesensprünge rückwärts zu machen.“ 13. Auch wieder ein aufschlußreicher Hinweis von Lenin zum Verfall der Sowjetunion.  Es ist an die gigantische Aufbruchleistung ihrer Klassenbrüder zu erinnern und es ist erkennbar, dass es einen Ausweg aus der kapitalistischen Hölle insofern gibt, als man für seine eigene Sache kämpfen und Opfer bringen muss.“Von allen Produktionsinstrumenten ist die größte Produktivkraft die revolutionäre Klasse selbst“. 14. Die harte Überwindung der kleinbürgerlichen Egoität, der Kampf gegen die alten Gewohnheiten ist ein langwieriger, Jahrzehnte dauernder Kampf, die Früchte der Revolution werden eventuell auch erst von unseren Enkeln geerntet. Das war ein Kurzschluß vieler 68er, die Revolutionsfrüchte hier und jetzt ernten zu wollen, am ungeduldigsten waren wohl hier die Bendit Brüder. 15.

Lenin kritisiert die bolschewistische Presse, dass sie es nicht richtig verstehe, die Bedeutung der Subbotniks herauszustreichen. Es gilt, nicht nur über  den Heldenmut der roten Truppen  gegen die von Koltschak und Denikin zu berichten, die in ihrem Kampf gegen die Konterrevolution Wunder an Tapferkeit und Ausdauer vollbringen, sondern nicht „weniger Beachtung verdient das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Von geradezu gigantischer Bedeutung ist es in dieser Hinsicht, daß die Arbeiter aus eigener Initiative kommunistische Subbotniks veranstalten.“16. Ohne eisernste Disziplin der Mitglieder der KP, die als Vorbild dienen müssen,  und der Werktätigen kann der Sozialismus nicht aufgebaut werden, und gerade die Subbotniks, das unentgeltliche Arbeiten für das allgemeine Wohl, sind ein Sieg über die eigene Trägheit und den kleinbürgerlichen Egoismus, „über diese Gewohnheiten, die der fluchbeladene Kapitalismus dem Arbeiter und Bauern als Erbe hinterlassen hat. Erst wenn dieser Sieg verankert sein wird, dann und nur dann wird die neue gesellschaftliche Disziplin, die sozialistische Disziplin geschaffen sein, dann und nur dann wird eine Rückkehr zum Kapitalismus unmöglich, wird der Kommunismus wirklich unbesiegbar werden.“ 17. Hier gibt es nicht nur einen bemerkenswerten Fingerzeig für den Niedergang der Sowjetunion, man begreift sofort, dass zwischen den perversen Bankern, die in der heutigen kapitalistischen Welt  die von den Völkern erwirtschafteten Millionen als Boni einstecken und den heldenhaften, oft an Unterernährung leidenden  Subbotnikarbeitern im beginnenden Sozialismus Lichtjahre liegen. Man kommt nicht umhin, diese Banker als perversen Dreck zu bezeichnen, der sich eines Tages vor Revolutionstribunalen zu verantworten haben wird. Oft beginnt das große Kapital mit der kleinbürgerlichen Gesinnung, ich reiße an mich, was ich kann, alles andere ist mir schnuppe. Der Kommunismus beginnt gerade dann, wenn die Menschen die Notwendigkeit erkannt haben, zum Nutzen der Allgemeinheit zu arbeiten. Dieser Heroismus der Subbotnikarbeiter kam vielleicht sogar für Lenin überraschend, denn in dem vor der Oktoberrevolution verfassten Werk „Staat und Revolution“ führte er aus, dass man in Utopie verfalle, wenn man annimmt, „daß die Menschen sofort nach dem Sturz des Kapitalismus lernen werden, ohne alle Rechtsnorm für die Allgemeinheit zu arbeiten…“ 18. Daher das Wort Heroismus.

Ausführlich baut Lenin in seinem Aufsatz Artikel aus der Prawda ein, die von Teilnehmern an den Subbotniks geschrieben wurden, aufschlußreiche Erlebnisberichte aus erster Hand. Von dieser Arbeit auf revolutionäre Art berichten die Korrespondenten, dass bei der unentgeltlichen Samstagsarbeit eine wesentlich höhere Arbeitsintensität vorlag als an den wöchentlichen Werktagen. So wurde bei der Moskau Kasaner Eisenbahn  die Verladung um 270 % erhöht und bei der Alexanderbahn waren es die Dreher, die die Intensität auf 213 % steigerten. „2o ungelernte Arbeiter sammelten in 4 Stunden 600 Pud Altmaterial und 70 Waggonfedern von je 3 1/2 Pud, insgesamt 850 Pud. Produktivität im Vergleich mit der üblichen 300 %. “ 19. Bei der Eisenbahn in Twer erbrachte die Arbeitsintensität das Dreizehnfache der üblichen Produktivität. Durch diese Subbotniks bewahrheiteten sich die Worte von Marx und Engels aus dem Kommunistischen Manifest: „In der bürgerlichen Gesellschaft ist die lebendige Arbeit nur ein Mittel, die aufgehäufte Arbeit zu vermehren. In der kommunistischen Gesellschaft ist die aufgehäufte Arbeit nur ein Mittel, um den Lebensprozeß der Arbeiter zu erweitern, zu bereichern, zu befördern. In der bürgerlichen Gesellschaft herrscht also die Vergangenheit über die Gegenwart, in der kommunistischen die Gegenwart über die Vergangenheit. In der bürgerlichen Gesellschaft ist das Kapital selbständig und persönlich, während das tätige Individuum unselbständig und unpersönlich ist.“ 20. Freie Arbeit, von der Last der Vergangenheit befreit, bereichert den Lebensprozess der Schaffenden und daher wird es eine höhere Arbeitsproduktivität im Kommunismus geben. Denn ohne die Perspektive, dass der eigene Lebensprozess befördert wird, leistet kein vernünftiger Mensch zusätzliche Arbeit.

An den Subbotniks nahmen nicht nur Kommunisten teil, an der Moskau Kasaner Eisenbahn waren es zehn Prozent, viele Sympathisanten und auch ungelernte Arbeiter unterstützten sie. Unentgeltlich wurde in der Regel sechs Stunden gearbeitet und man wollte Subbotniks veranstalten bis zum Sieg über Koltschak und Denikin. 21. Im Vordergrund stand die kollektive Arbeitsweise. Genosse A. Sh. schrieb in seinem Prawda Artikel , daß durch die Subbotniks „…der Glaube an die Unerschütterlichkeit des Sieges der Arbeiterklasse“  22. noch fester wurde. Im Dorf halfen die Kommunistischen Zellen den Familien der Rotarmisten unentgeltlich bei der Feldbestellung. Diese Subbotniks brachten der sozialistischen Bewegung den Bauern näher. 23. Abseits von den freiwilligen Arbeitseinsätzen hielt sich die bürgerliche Intelligenz, auf Grund ihrer volksfeindlichen Einstellung unterstützte sie nicht nur die russischen, sondern auch die ausländischen Kapitalisten. Das ist eine grundsätzliche Lehre, „… die Mehrheit der Intelligenz fühlt sich zur Bourgeoisie hingezogen. Nicht mit Hilfe der Intelligenz, sondern trotz ihres Gegenwirkens  (wenigstens in den meisten Fällen) wird das Proletariat siegen. 24. Die Subbotniks veranlassten Lenin über eine Säuberung der Partei nachzudenken. Nach dem Oktobersieg sind unvermeidlich Abenteurer und überaus schädliche Elemente in die regierende Partei eingedrungen. Alle Mitglieder, die nach dem 25. Oktober 1917 eingetreten sind, müssen überprüft werden, ob sie Arbeit auf revolutionäre Art geleistet haben und Neuaufnahmen in die Partei kann nur denjenigen gewährt werden, die Arbeit auf revolutionäre Art vorzuweisen haben.25.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass, wie gering auch die Zahl der Subbotniks war im Vergleich zu den kleinbürgerlichen Gaunereien und Sabotageakten gegen den Aufbau des Sozialismus, dass sie eine weltgeschichtliche Bedeutung haben, ähnlich wie später die Stachanowbewegung. Die Subbotniks hatten sicherlich auch eine positive Bedeutung für den Aufschwung im sozialistischen Wirtschaftssektor, so daß Stalin 1936 anläßlich der Einführung einer neuen Verfassung verkünden konnte, daß der Produktionsumfang der Industrie den der Vorkriegszeit um das siebenfache übertroffen habe. 26. „Subbotniks, Arbeitsarmeen, Arbeitsdienstpflicht – das sind verschiedene Formen, in denen die sozialistische und kommunistische Arbeit praktisch verwirklicht wird.“ 27. Bereits 1848 lautete eine Forderung im Kommunistischen Manifest: „Gleicher Arbeitszwang für alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau.“ 28.

Die dem kapitalistischen Ausbeutungsprozess Unterworfenen wissen aus alltäglicher Erfahrung nur zu gut, mit welchem Widerwillen die unfreie, fremdbestimmte  Arbeit aufgenommen wird und mit welcher Häufigkeit der Blick zur Uhr zunimmt, je mehr sich der Feierabend nähert. Es ist millionenfache Arbeit, in der der Mensch sich nicht verwirklichen kann. Extraprofite erlauben es den kapitalistischen Herrenmenschen, eine kleine Schicht von Arbeiteraristokraten heranzuzüchten, die direkt an der Aussaugung der Arbeitskraft ihrer „Kollegen“ beteiligt sind. Spaltung der Arbeiterklasse durch materielle Anreize, Überstunden, ungleicher Lohn für Frauen und Männer, Verstümmelungen und Verletzungen durch Profitgier, Konsumverblendung, dazu eine „Kulturindustrie“ , die die Lohnsklaverei betäuben soll, Alkoholismus….die Liste der unmenschlichen Arbeit im Kapitalismus wäre lang. Kurz: sie ist das Gegenteil der freien Arbeit der Subbotniks. Und gerade dieser Kapitalismus wird von seinen Ideologen als eine natürliche, dem Menschen und seiner Natur gemäße Produktionsweise „wissenschaftlich“ dargestellt. Aber schon allein aus der von mir angegeben Liste wird nur allzu deutlich, daß es dem Proletariat nicht um eine partielle Verbesserung seiner Lage gehen kann, dass Reformen nur mildern, aber das Problem der entfremdeten Arbeit im Kern nicht lösen können. Es kann sich nur durch die revolutionäre Umgestaltung der gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse aufrichten. Es ist dazu notwendig die gemeinsame kollektive Aktion durch seine Vereinigung. Die Subbotniks waren und sind auch insofern von zentraler Bedeutung, dass durch sie die Macht der Gewohnheit, die jahrhundertelang den Werktätigen eingebleut worden sind, gebrochen werden. Denn dieser Kampf gegen die Macht der Gewohnheit sei der schwerste aller Kämpfe und diese werden Jahrzehnte dauern. 29. Insofern blickt durch die Subbotniks auch der „Neue Mensch“.

1. Die erste für die Öffentlichkeit bestimmte Darlegung des historischen Materialismus ist von Marx gegen Proudhon in französischer Sprache abgefasst und erschien 1847 als Buch in Brüssel und Paris. Erst 1885 wurde sie von Eduard Bernstein und Karl Kautsky ins Deutsche übersetzt und von Engels mit einem Vorwort und Noten versehen.

2. Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,297

3.Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin,1970,301

4. Siehe: Stephan Finsterbusch: Chinas neue Klasse, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. März 2011, Seite 12. Legt man die Subbotniks als unentgeltliche freiwillige Arbeit ohne Norm  und unentgeltlich zum Nutzen des allgemeinen Wohls zu Grunde, in denen Lenin die ersten Keime des Kommunismus entdeckte, dass sich also nur die Subbotniks als kommunistisch bezeichnen dürfen, so ist es erschreckend zu sehen, was sich heute in China alles kommunistisch nennt, die Bauunternehmerin Zhang Xin, die in Sussex und Cambridge studierte, dort wohl offensichtlich die Kapitalakkumulation erlernte und heute die zehntreichste Frau der Welt ist, hat eine Villensiedlung „Kommune an der Großen Mauer“ genannt. Rupert Hoogewerf listet in seinem Reichen Ranking achthunderttausend Dollar Millionäre und zweihundert Milliardäre auf. Chinas oberste Tausend besitzen ein Vermögen von umgerechnet sechs hundert Milliarden Dollar, der Durchschnittsverdienst eines Arbeiters ist  gerade mal fünf hundert Dollar im Monat.

5. Lenin, Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion, in: Marx Engels Marxismus Grundsätzliches aus Schriften und Reden, Dietz Verlag Berlin, 1967, 261f. Aufschlußreich für das Klassenbewußtsein der Arbeiterbewegung am Anfang ihrer Bewegung  ist auch eine Beschwerde der Pariser Arbeiter, die an der Kirche Saint Geneviève während der französischen Revolution arbeiteten, an Jean Paul Marat, der Beschwerden von Arbeitern in seiner Zeitung „Ami du Peuple“ abdruckte: Sie sprechen von Mißhandlungen durch Vorgesetzte, während unsere Blutsauger prachtvolle Häuser bewohnen und auserlesene Weine trinken. „Bei all dem Überfluß und all den Freuden vergessen sie unsere Armut und weigern sich häufig, die Familie eines mittags verunglückten oder ums Leben gekommenen Arbeiters den Lohn für den Vormittag zu bezahlen.“ (Jean Paul Marat, Die Namen der Blutsauger sind bekannt, in: Ami du Peuple Nummer 487 vom 12. Juni 1791, in: Jean Paul Marat, Ich bin das Auge des Volkes, Ein Portrait in Reden und Schriften, Herausgegeben von Aglaia I. Hartig, Wagenbach Verlag Berlin 1987,147f.)

6. „Dennoch hat unsere Wirtschaftsordnung noch nichts Kommunistisches an sich. Das „Kommunistische“ beginnt erst dort, wo die Subbotniks aufkommen, das heißt, wo im großem Ausmaß unentgeltliche, von keiner Behörde, von keinem Staat genormte Arbeit von einzelnen zum Nutzen der Gesellschaft geleistet wird…Wenn es in der heutigen Ordnung Rußlands etwas Kommunistisches gibt, so sind dies einzig und allein die Subbotniks…“ (Lenin, Referat über die Subbotniks auf der Moskauer Stadtkonferenz der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) am 20. Dezember 1919, Dietz Verlag Berlin, 1961, 276)

7. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971, 536. Ich mache zu diesem Artikel Lenins eine kleine Anmerkung: Lenin verweist auf einen japanischen Wissenschaftler, der im Kampf gegen die Syphilis erst im 606. Versuch das Mittel gegen diese heimtückische Krankheit fand und dass die Kommunisten im Kampf gegen den Kapitalismus noch mehr Versuche werden machen müssen, um ihn in die Knie zu zwingen. Es handelt sich aber nicht um einen japanischen Wissenschaftler, sondern um den deutschen Mediziner und Nobelpreisträger Paul Ehrlich.

8. Lenin, Zwei Jahre Sowjetmacht, Lenin Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,116. Und auf der VIII. Gesamtrussischen Konferenz der KPR (B) , die vom zweiten bis vierten Dezember 1919 stattfand, führte Lenin aus: „Kommunismus aber ist, streng genommen, zum Nutzen der Gesellschaft geleistete unentgeltliche Arbeit, die keine individuellen Unterschiede macht, jede Erinnerung an althergebrachte Vorurteile auslöscht, mit Trägheit und alten Gewohnheiten bricht, Unterschiede zwischen den einzelnen Arbeitszweigen, den Unterschied in der Höhe der Entlohnung beseitigt und dgl. Das ist eine der stärksten Garantien dafür, daß wir die Arbeiterklasse und die Werktätigen nicht nur in die Sphäre der militärischen Arbeit, sondern auch in den friedlichen Aufbau mit einbeziehen. Die weitere Entwicklung der Subbotniks muß eine Schule sein“. (Lenin, VIII. Gesamtrussische Konferenz der KPR (B), Lenin Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961, 173). Wenn Lenin betont, Kommunismus ist unentgeltliche, zum Nutzen der Gesellschaft geleistete Arbeit, so schließt sich in gewisser Weise ein Kreis zur ersten ökonomischen Schrift des Marxismus: „Produziert mit Bewußtsein, als Menschen, nicht als zersplitterte Atome ohne Gattungsbewußtsein.“ (Friedrich Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,515).

9. Diese Subbotniks hoben nicht nur die Autorität der Kommunistischen Partei, sondern auch die Achtung der parteilosen Arbeiter vor dem Kommunismus. Deutlich wurde, „daß den Mitgliedern der herrschenden Kommunistischen Partei Pflichten auferlegt sind und die Kommunisten neue Mitglieder in die Partei nicht dazu aufnehmen, damit diese in den Genuß von Vorteilen gelangen, die mit der Stellung einer Regierungspartei verbunden sind“. (Lenin, Rede auf dem I. Kongress der landwirtschaftlichen Kommunen und Artels, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,189). Die Parteimitglieder mussten entweder an die Front oder Arbeitsdienst in den Subbotniks verrichten, eine Teilnahmeverweigerung zog den Parteiausschluß nach sich. Die Subbotniks waren so das Schibboleth, an dem sich die wahren und falschen Freunde des Kommunismus schieden.

10.Vergleiche Lenin,Von der Zerstörung einer jahrhundertealten Ordnung zur Schaffung einer neuen, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,510

11. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,526

12. a.a.O.,529

13. Lenin, Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,315

14. Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,311

15. Eine der wohl merkwürdigsten Stellen im Gesamtwerk des Atheisten Lenin ist gerade dort zu finden, wo Lenin von der Unmöglichkeit spricht, den Sozialismus sofort einzuführen: „…gebe Gott, daß unsere Kinder, vielleicht aber auch erst unsere Enkel die Errichtung des Sozialismus bei uns erleben.“ (Lenin, Rede auf dem ersten Kogress der landwirtschaftlichen Kommunen und Artels, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,189)

16. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,522

17. a.a.O.

18. Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin,1960,481

18. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“ in: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau,1971,526

19. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984,39f.

20. In dem am 9. Juli 1919 in der Iswestija ZK RKP (b) Nachrichten des ZK der KPR (B) veröffentlichten Artikel „Alle zum Kampf gegen Denikin“ ruft Lenin alle Kommunisten und aufgeklärten Arbeiter und Bauern zur Arbeit auf revolutionäre Art auf. Arbeit auf revolutionäre Art ist nur ein anderer Ausdruck für den Subbotnik. Ein Schwerpunkt bei diesen lag auf dem Gebiet der Brennstoffgewinnung.

21. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971,525

22. Mit den Subbotniks begonnen hatten die Eisenbahner der Strecke Moskau Kasan am 12. April 1919, als kleine einzelne Erscheinung und die Genossen, die sich mit dem Gewerkschaftsaufbau und dem Kommissariat für Arbeit befassten, waren skeptisch. Doch sie behielten Unrecht, die Subbotnikbewegung breitete sich aus und gewann gewaltige Bedeutung, hatte sich bald in jeder größeren Industriestadt eingebürgert, besonders stark in Petrograd, und breitete sich auch in den Provinzen aus. Redakteure und Mitarbeiter der Moskauer Zeitungen und der Telegrafenagentur ROSTA gaben eine Sonderzeitung, die „Kommunistitscheski Subbotnik“ heraus. Lenin verlangte eine allseitige Unterstützung der Subbotniks , da sie von „kolossalem Wert“ (Lenin, Referat über die Subbotniks auf der Moskauer Stadtkonferenz der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki)  gehalten am zwanzigsten Dezember 1919, Dietz Verlag Berlin, 1961,278) sind.  Die Sowjets werden auch als Orientierung  für die Kommunisten hingestellt, die auf dem Lande den Aufbau von Kommunen und Artels in Angriff genommen haben. (Siehe: Lenin, Rede auf dem I. Kongress der landwirtschaftlichen Kommunen und Artels am vierten Dezember 1919, Lenin Werke Band 30,189). Fand der erste Subbotnik am 12. April 1919 statt, so konnte zum 1. Mai 1920 schon ein Gesamtrussischer Subbotnik veranstaltet werden. Jahrzehnte werden nötig sein, um mit den alten Gewohnheiten der Trägheit und Sitten des Privateigentums zu brechen: Jeder für sich, Gott für uns alle. Diese Formel, so Lenin, muss ersetzt werden durch die gut sozialistische: Alle für einen, einer für alle. Und diese muss in das Bewußtsein der Massen dringen. (Lenin, Vom ersten Subbotnik an der Moskau-Kasaner Eisenbahn zum Gesamtrussischen Subbotnik am 1. Mai 1920, Werke Band 31,112 f.) In einer Rede auf einer Kundgebung am gleichen Tag anlässlich der Grundsteinlegung eines Denkmals  der befreiten Arbeit weist Lenin ebenfalls auf die Bedeutung der Sowjets hin. (Lenin, Rede auf einer Kundgebung anlässlich der Grundsteinlegung eines Denkmals der befreiten Arbeit 1. Mai 1920, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin 1959,114). Nicht unerwähnt bleiben darf seine Ausführung in der Rede auf dem III. Gesamtrussischen Kongress des Kommunistischen Jugendverbandes über die Aufgabe der Jugendverbände, dass die jungen Menschen an den Subbotniks teilnehmen sollen, zum Beispiel Gemüsgärten an den Stadträndern zu hegen und zu pflegen. (Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin 1959,288).

23. Lenin, Die Grosse Initiative. Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau,534

24. In der französischen Revolution hatte Marat für das Projekt seiner patriotischen Gesellschaft „Rächer des Gesetzes“ ebenfalls strikte Aufnahmebedingungen erlassen: den Nachweis von Einsicht und Bürgersinn. Alle sich revolutionär nennenden Organisationen taugen nichts, in denen man Mitglied per Antrag werden kann.

25. Stalin, Die Bildung der Verfassungskommission und ihre Aufgaben, in: Die Stalin Verfassung, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1950,14

26. Lenin, Von der Zerstörung einer jahrhundertealten Ordnung zur Schaffung einer neuen, Lenin Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,510

27. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984,50

28. Vergleiche Lenin, Vom ersten Subbotnik an der Moskau Kasaner Eisenbahn zum Gesamtrussischen Subbotnik am 1. Mai,  Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1959, 112

Heinz Ahlreip, 20. März 2011

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Die Gewerkschaft BAU (Bau Agrar Umwelt Der Säemann) vermittelt ein verjährtes Frauenbild

18. März 2011

ZUM HUNDERTSTEN JAHRESTAG DES INTERNATIONALEN FRAUENTAGS AM 19. MÄRZ 2011 von Heinz Ahlreip

Gewerkschaften bilden sich in der kapitalistischen Ausbeuterordnung zur Behauptung des Lohns der Lohnsklaven und Sklavinnen und sind daher eine sehr nützliche und sehr wichtige Organisation des Proletariats. Aber die Gewerkschaften haben zwei Bleigewichte, zwei Fesseln der Lohnsklaverei an ihren Füßen: sie entwickeln sich in der Regel nicht über die Behauptung der Löhne hinaus zu einem Bewußtsein, daß nur die völlige Vernichtung des Bürgertums die Aufhebung der Lohnsklaverei durchsetzen kann und zweitens bilden sie aus ihren eigenen Eingeweiden, wenn der Kapitalismus als System der Ausbeutung der Werktätigen nicht in Frage gestellt wird, fortwährend eine Führungsspitze heraus, in der sich die asozialsten, korruptesten und opportunistischten Arbeiteraristokraten und Bürokraten konzentrieren, die direkt an der Unterdrückung der werktätigen Massen mitwirken. Diese fatale Fehlentwicklung beobachteten Marx und Engels zuerst an den englischen Gewerkschaften. In einem Brief an Marx vom 11. August 1881 spricht Engels von den schlechtesten englischen Gewerkschaften, „die sich führen lassen von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten.“ 1.

In der Zeitschrift der Gewerkschaft BAU (Bauen Agrar Umwelt) Nummer drei vom März 2011 werden dem Thema „Gleichberechtigung der Frau“ zwei Artikel auf drei Seiten gewidmet, unter der Rubrik „Näher hingeschaut“ der Artikel „Brot und Rosen“ und auf Seite 28  „100 Jahre Internationaler Frauentag“: „Man(n) muß es nur wollen – Gleichberechtigung braucht Gesetze und Quoten“. Schauen wir also näher hin ! Es wird von Frauen abstrakt allgemein gesprochen: Frauen hätten am 19. März 1911 in Deutschland, Dänemark, Österreich, in der Schweiz und den USA den ersten Internationalen Frauentag veranstaltet.  „Unter anderem forderten sie das Wahl- und Stimmrecht für Frauen, Arbeitsschutzgesetze, den Acht Stunden Tag, gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung sowie die Festsetzung von Mindestlöhnen. 2011 lauten die Forderungen ähnlich.  Da drängt sich der Eindruck auf, dass sich in den vergangenen hundert Jahren nicht viel getan hat.“ 2. Es gilt nun aber gerade näher hinzuschauen !

Die Frauen 1911 waren so wenig eine homogene Masse (gegen die Männer) wie sie es 2011 sind. Je nach klassenmäßig bestimmter sozialer Provenienz, je nach ihrer Stellung im gesamtgesellschaftlichen Produktionsprozess gab (und gibt es) aristokratische Frauen (1911 gegenüber den anderen Frauen in einer politischen Dominanzposition, hier hat sich viel getan, Weltkrieg, Oktoberrevolution, Zweiter Weltkrieg, Faschismus, Chinesische Kulturrevolution können nicht ohne Wirkung bleiben), groß- und kleinbürgerliche, proletarische und lumpenproletarische Frauen – und: sehr oft vergessen werden die Bäuerinnen, die sich wieder in Kulakinnen (Dorfbourgeoisie), Mittel- und Kleinbäuerinnen und in der Landwirtschaft tätigen Frauen aufteilen.“Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit einer andern aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft.“ 3.

Lenin wies uns daraufhin, dass die Höherentwicklung der kapitalistischen Industrie zur noch größeren Vernachlässigung der Landwirtschaft führt. 4. Und näher hingeschaut zeigt sich, dass gerade in der Landwirtschaft eine finstere, kleinliche und schikanöse, vom Pfaffen eingesegnete Unterdrückung der Frau und der weiblichen Jugend stattfindet, die den Städterinnen oft gar nicht geläufig ist. Leider ist auch in der vorliegenden Zeitschrift einer Agrargewerkschaft diese dunkelste und schmerzlichste Seite der Frauenversklavung unerwähnt geblieben.

Diese verschiedenen Frauenklassen müssen natürlich widersprüchlich gegensätzliche, ja antagonistische soziale und politische Klasseninteressen haben. Hätte der Säemann den auf ein Gedicht von James Oppenheim basierende Liedtext „Brot und Rosen“ nicht nur abgedruckt, sondern auch gelesen, so hätte doch folgende Textpassage den Erkenntnisgroschen fallen lassen müssen:

„Wenn wir zusammengeh´n,

geht mit uns ein schöner Tag,

durch all die dunklen Küchen,

und wo grau ein Werkshof lag…

zu Ende sei, daß kleine Leute

schuften für die Großen.

In diesen Passagen stecken mehr als hundert Jahre Frauen- Sozial- und Weltgeschichte und es ist die Aufgabe einer Gewerkschaft, diese wirklich tiefen, 1911 wie 2011 in die Augen springenden Widersprüche im Kampf der Frauen gegen die kapitalistische Ausbeutung nicht im Interesse der Einheit mit opportunistischen sozialdemokratischen Strömungen zu vertuschen, sondern zu vertiefen und entsprechende politische klassenkämpferische Schlußfolgerungen für die praktische revolutionäre Handlungsweise der proletarischen und kleinbürgerlichen Frauen und Bäuerinnen zu ziehen, dass der entscheidende Riß zwischen Lohnarbeiterinnen und Kapitalistinnen der gleiche ist wie der zwischen Lohnarbeitern und Kapitalisten. Also kämpfen nicht primär Frauenwelten gegen Männerwelten (Man(n) muß es nur wollen), sondern um zu beenden, „daß die kleinen Leute schuften für die Großen“, ist das Entscheidende, „OB DIE UNTERDRÜCKTE KLASSE WAFFEN BESITZT (kursiv von Lenin) 5. Wir werden auf diese Fundamentalaussage Lenins noch zurückkommen müssen und zwar, wenn wir uns jetzt dem zweiten Artikel „Gleichstellung braucht Gesetze und Quoten“ zuwenden, dessen Autorin Sylvia Honsberg ist.

Wie schon der Titel vermuten läßt, so bezieht sie sich auf das Grundgesetz der BRD, ohne zu bedenken, das dieses eine Verfassung des Privateigentums ist, die gerade die Klassenherrschaft des Kapitals verschleiert. Sie ist daher auch nicht die erste Frau, die eine fundamentale Diskrepanz zwischen grundgesetzlicher Theorie und alltäglicher Ausbeutungspraxis den Frauen gegenüber feststellt. Seit 100 Jahren fordern die Frauen die Gleichstellung der Geschlechter. Nun sind aber die Männer in der heutigen spätkapitalistischen Ausbeutungsgesellschaft in überwiegender Zahl Lohnsklaven und diesbezüglich liefe eine Gleichstellung der Geschlechter zunächst auf die völlig „berechtigte“ fortschrittliche  Forderung hinaus: Gleicher Lohn für Lohnsklavinnen und Sklaven ! Aber selbstverständlich können weder Frauen noch Männer bei dieser Forderung stehenbleiben. Juristen sind durch und durch reaktionäre Leute, pflegte August Bebel zu sagen, und diese Weisheit eines alten Klassenkämpfers scheint nicht präsent zu sein, wenn geschrieben steht: „Die Richtlinien der EU und der Europäische Gerichtshof fordern die Umsetzung der Geschlechtergerechtigkeit in Deutschland ein und wirken hilfreich.“ 6. Es ist klar, dass der Europäische Gerichtshof wunder denkt, wie progressiv er ist, wenn er die Gleichberechtigung im Sklavenmilieu fordert und natürlich muss die Autorin Honsberg immer wieder eine Diskrepanz zwischen den schönen Worten in den Gesetzestexten und der rauhen Wirklichkeit feststellen. „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“. 7. Es gibt Staaten und Staaten. Zur rauhen Wirklichkeit der BRD gehört, dass ihr Staat ein nationales Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit ist. Die Stalinsche Verfassung enthielt den Artikel 12. , der aus zwei lapidaren Sätzen bestand, die aber Kernsätze einer demokratischen Verfassung sind und an denen man auch den Wert des Grundgesetzes messen kann: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Und: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung“. Es liegt eine gewaltige Täuschung vor, ihn als nationales Kriegswerkzeug der Arbeit gegen das Kapital zu deuten. Da ist die Autorin auf die für die kapitalistische Gesellschaft typische Verbindung von formaler Gleichheit und ökonomischer und folglich auch sozialen Ungleichheit hereingefallen. „Das ist eine der grundlegenden Besonderheiten des Kapitalismus, die die Anhänger der Bourgeoisie, die Liberalen mit Lügen zu verschleiern suchen und die von den kleinbürgerlichen Demokraten nicht verstanden wird.“ 8.  Ich rechne Sylvia Honsberg natürlich zu den letzteren. Die Volksfeindlichkeit zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland, dieses Staates offenbarte sich schon 1956 durch das Verbot der einzig wirklich demokratischen Partei, der KPD. So fragt sich Frau Honsberg, was nützen schöne Worte und… in der Realität liegt eine hohe Männerquote in den Chefetagen vor. Aber was wäre  für die Frauenemanzipation gewonnen, wenn sich in den Chefetagen die Geschlechterquote auf gerechte (!?) 50 : 50 einpendelte ? Festgeschrieben wird doch um so mehr die hierarchische Investitur der kapitalistischen Ausbeutung, die Trennung von Hand- und Kopfarbeit, die der Klassentrennung zugrunde liegt. „Das Gesetz der Arbeitsteilung ist es also, was der Klassenteilung zugrunde liegt.“ 9. Also würde die Klassenspaltung der bürgerlichen Gesellschaft noch verstärkt unter der Hülle der Frauenemanzipation. Die Arbeiterklasse muß sich hüten vor grundgesetzlichen Illusionen, der Staat wird es schon richten. Der heutige spätbürgerlich kapitalistische Staat ist ein Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit, wie konnte man gerade von ihm die Gleichberechtigung von Frau und Mann erwarten ? Und dann kommt es knüppeldick: „Weniger rückständige Länder wie Norwegen zeigen, dass ein Fauenanteil von 40 Prozent in den Aufsichtsräten machbar ist – man(n)  muss es nur wollen. Das gilt ebenso für die Vorstände und andere Führungspositionen“ 10. Als ob das Karriereglück bürgerlicher Frauen vom guten Willen bürgerlicher Männer abhängt ! Die Autorin hat einen für eine Gewerkschafterin merkwürdigen Blickwinkel, man(n) reibt sich verwundert die Augen. NEIN !!! Nicht nach dem Königreich Norwegen, das politisch unter dem Niveau des republikanischen Frankreich von 1793 steht (am 21.1.1793 wurde Ludwig der XVI. geköpft), müssen die ausgebeuteten proletarischen und bäuerlichen Frauen blicken, denen gar nicht der Sinn danach steht, irgendeiner Quote zuliebe in irgendeinen Ausbeuteraufsichtsrat oder Blutsaugervorstand zu kommen, sondern auf die Pariser Commune und auf die roten Frauenbataillone der chinesischen Kulturrevolution. Während des Aufstandes der Pariser Commune kämpften die Frauen neben den Männern, sie sahen nicht passiv zu, wie die gut bewaffnete Bourgeoisie die schlecht bewaffneten oder gar nicht bewaffneten Proletarier niederschossen 11. Es war ein bürgerlicher Beobachter der Kommune, der im Mai 1871 in einer englischen Zeitung schrieb: „Wenn die französische Nation nur aus Frauen bestünde, was wäre das für eine schreckliche Nation“. 12. Und in der chinesischen Kulturrevolution waren es die Frauenbataillone aus Shanghai, die an der Spitze der Bewegung standen und zwar so dominant, daß es nicht einmal die als wenig weicheiig bekannte Shanghaier Polizei wagte, ordnungsstiftend einzugreifen. Man zeige mir in der Weltgeschichte etwas Vergleichbares ! Revolutionäre Frauen müssen SCHRECKLICH sein für den kapitalistischen Ausbeuter, für den Bourgeois, Kleinbürger, Nazi. Man schicke mir auch keinen kleinbürgerlichen Professor mit Kleopatra oder Madame Pompadour im Gepäck, zu ihrer Zeit wahrhaft mächtige Frauen, ich meine aber FrauenKOLLEKTIVE. Gegen eine auf dem Privateigentum an Produktionsmittel beruhenden Ausbeutergesellschaft kann die Befreiung nur durch einen kolossalen Bürgerkrieg der unterdrückten lohnabhängigen Frauen und Männer gegen die Kapitalistenklasse, auf deren Seite ebenfalls Frauen stehen werden – reaktionäre, monarchistisch gesinnte, die nicht nur nach Norwegen schielen, es gibt in Europa insgesamt sechs Monarchien, faschistische Kleinbürgerinnen, Kulakenhuren…etc., gewonnen werden. Lohnsklaven und Sklavinnen haben einen gemeinsamen Feind und eine Gewerkschaftsjournalistin kann nicht einfach das revolutionäre Potential von neun Zehntel der Menschheit unterschlagen, was der Dame vor allem mangelt, das ist das klare Feindbild und der gesunde Klassenhass, das ist das Bewußtsein, dass die Völker ein Recht auf Bestrafung der Konterrevolution haben. Unterdrückte lohnabhängige Sklavinnen, zu deren Ausbeutung die Haussklaverei noch dazukommt, deren Quelle der Kapitalismus ist und nicht die Rechtlosigkeit 13., können sich ohne militante Revolution nicht emanzipieren, sie müssen sich, wie es im Kommunistischen Manifest heißt AUFRICHTEN 14. und können sich nur aufrichten durch die völlige Vernichtung der Bourgeoisie. Es ist Nonsens, sich vor dem kapitalistischen Ausbeuter hinzustellen und mit dem Grundgesetz vor seiner Nase herumzuwedeln, er lacht uns innerlich zu Recht aus, Frau  halte ihm einen Gewehrkolben vor seine Ausbeutervisage und die ganze Sache sieht schon anders aus. Dadurch, dass das kapitalistische Ausbeuterpack Frauen weniger Lohn als Männern gibt,  stellt es  sich ja gerade außerhalb jeglicher Zivilisation, was Frau ohne Züchtigung dieses Packs gar nicht einrenken kann.  Lenin lehrte uns, das wir gegenüber dem Ausbeuterpack die Diktatur des Proletariats benötigen, „einen besonderen Knüppel – rien de plus !“ (weiter nichts !) 15.  Das asoziale Pack steht fürwahr außerhalb jeglicher Zivilsation, hat aber einen Propaganda- und Presseapparat, bis in die Gewerkschaften hinein, die das Gegenteil suggerieren sollen, dass sie in einem guten Licht dastehen. Vergegenwärtigen wir  uns  die Worte Robespierres: „Wie zärtlich man doch zu den Unterdrückern und wie unerbittlich man gegen die Unterdrückten ist.“ 16.  In einer Revolution kehrt der proletarische Knüppel diese Vorzeichen um. Es ist die Aufgabe der revolutionären Frauen, die kleinen Leute zu schützen, aber hart und grausam gegen die Großen zu sein, dann wird es zu Ende sein, „dass kleine Leute schuften für die Großen.“  Frauen von heute blicken nicht nach Norwegen, sondern sind geschult und versiert im Marxismus Leninismus, sind ausgebildet und trainiert im Nahkampf und sind versiert im Umgang mit der Kalaschnikow. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen der bürgerliche Aufklärer Diderot über das sogenannte schwache Geschlecht schrieb: Um einer Frau zu schreiben, müsse man „seine Feder in einen Regenbogen tauchen und die Schrift mit dem Staub von Schmetterlingsflügeln überpudern“. 17.  Es war übrigens der utopische Sozialist Charles Fourier, der in dieser zuckersüßen Melodey Diderots eine Verhöhnung der Frauen erkannte. 18. Regenbogen, Staub von Schmetterlingsflügeln ? ? Was die ausgebeuteten Frauen brauchen sind marxistisch leninistische Killermaschinen aus ihrer Mitte heraus. Ich sage ganz bewußt: Killermaschinen, an dem Begriff Maschine ist aus gutem Grund festzuhalten: Erstens steht er in der gut materialistisch atheistischen Tradition La Mettries und zweitens war es romantisierende Konterrevolution, die dem System Robespierre vorwarf, der Terror habe den Menschen zur Maschine werden lassen. (Der Abgeordnete Bailleul am 19. III. 1795 im Konvent). 19. Das faschistische Gegenbild besteht aus einer Gattin am Herd, die keine Sehnsucht nach Farbrik, Büro und Parlament hat. „Ein trautes Heim, ein lieber Mann und eine Schar glücklicher Kinder steht ihrem Herzen näher“. So Hitler auf dem Reichsparteitag 1934.

Es kann keine Gemeinschaft, keine Einheit, keine Solidarität zwischen Arbeiterinnen und Bäuerinnen auf der einen Seite und bürgerlichen asozialen Blutsaugerinnen auf der anderen Seite geben, die Zeichen stehen auf Klassenkrieg. „Inzwischen ist der Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie ein Kampf von Klasse gegen Klasse, ein Kampf, der, auf seinen höchsten Ausdruck gebracht, eine totale Revolution bedeutet. Braucht man sich übrigens zu wundern, dass eine auf den Klassengegensatz begründete Gesellschaft auf den brutalen Widerspruch hinausläuft, auf den Zusammenstoß Mann gegen Mann als letzte Lösung ?“ 20. So schrieb Karl Marx 1846/47  im „Elend der Philosophie“.  21. Diese Gedanken müssen heute ergänzt werden zum Zusammenstoß Frau gegen Frau. Die Kommandeurinnen der roten Frauenbataillone brauchen Klassenkämpferinnen, die im Bürgerkrieg in seiner fürchterlichsten Gestalt ihre Frau stehen und durch Ströme von Blut gleichberechtigt mit den Männern die Rote Fahne hochhalten und vorantragen. Die Aktionsbühne für die Befehlshaber und Befehlshaberinnen eines Krieges „muß auf objektive Möglichkeiten gegründet sein; auf dieser Bühne aber können sie die Aufführung manch eines Dramas voller Klänge und Farben, voller Macht und Pracht in Szene setzen.“ 23. Wird der Klassencharakter der modernen bürgerlichen Gesellschaft nicht geleugnet, sondern anerkannt, dann ist Blutvergießen unvermeidlich, im „Elend der Philosophie“ finalisiert es Marx ganz präsize: „Nur bei einer Ordnung der Dinge, wo es keine Klassen und keine Klassengegensätze gibt, werden die gesellschaftlichen Evolutionen aufhören, politische Revolutionen zu sein. Bis dahin wird am Vorabend jeder allgemeinen Neugestaltung der Gesellschaft das letzte Wort der sozialen Wissenschaft stets lauten:

„Kampf oder Tod; blutiger Krieg oder das Nichts. So ist die Frage unerbittlich gestellt.“ (George Sand). (Aus der Einleitung zu George Sands historischem Roman „Jean Ziska“, Brüssel 1843).24.

1. Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Briefe IV. Band, Berlin 1950,608f.

2. Brot und Rosen, in: Der Grundstein, Zeitschrift der IG Bauen Agrar Umwelt Nummer 3, März 2011,18

3. Lenin, Die Grosse Initiative, Lenin Ausgewählte Werke, Progress verlag 1971, 531

4. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Dietz Verlag Berlin,212

5. Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1959,463

6. Sylvia Honsberg, Gleichstellung braucht Gesetze und Quoten, Der Grundstein, Zeitschrift der IG Bauen, Agrar, Umwelt, Nummer 3, März 2011,28

7.a.a.O.

8. Lenin, Zum Internationalen Frauentag am 4. März 1920, Lenin Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,400

9. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, Marx Engels Ausgewählte Werke Band V, Dietz Verlag Berlin, 1972,309. Die bürgerliche Gesellschaft ist zerrissen durch die Trennung von Hand- und Kopfarbeit, die von Stadt und land, Mann und Frau und die von öffentlicher und privater Sphäre, ein Zustand der Entfremdung. „Wenn der Mensch arbeitet, ist er nicht zu Hause, und wenn er zu Hause ist, arbeitet er nicht.“

10. Sylvia Honsberg, Gleichstellung braucht Gesetze und Quoten, Der Grundstein, Zeitschrift der IG Bauen, Agrar, Umwelt, Nummer 3, März 2011,8. Im Vergleich zu Norwegen beträgt der Anteil der Frauen an Aufsichtsratssitzen in der Bundesrepublik nur 9,4 % oder 154 Frauen.  Über die norwegischen Versöhnler schrieb Lenin: „…wir wollen ruhig bleiben in unserem Winkel und Winkelpolitik treiben…“ (Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,81). Auch im Aufsatz von Sylvia Honsberg dominiert das Winkelpolitische. Man(n) fragt sich, wieviel Winkelzüge braucht sie, um auf einen Aufsichtsratsposten zu kommen ?

11. Vergleiche Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957, 77

12.a.a.O.

13. Lenin, Über eine Karikatur auf den Marxismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,68. Zwar hatte schon die französische Revolution die Gleichheit aller Menschen proklamiert, aber die Unterdrückung der Frau hält bis heute vor. Marx verspottete die bürgerlichen Phrasen und stellte die wirklich zentrale Frage: wie sind die Arbeitsbedingungen? Kindergärten und Krippen sind eine wesentliche Bedingung für die Emanzipation der Frau. „Die Frau bleibt nach wie vor Haussklavin, trotz aller Befreiungsgesetze, denn sie wird erdrückt, erstickt, abgestumpft, erniedrigt von der Kleinarbeit der Hauswirtschaft, die sie an die Küche und an das Kinderzimmer fesselt und sie ihrer Schaffenskraft durch eine geradezu barbarisch unproduktive, kleinliche, entnervende, abstumpfende, niederdrückende Arbeit vergeuden läßt. Die wahre BEFREIUNG DER FRAU (kursiv von Lenin) , der wahre Kommunismus wird erst dort beginnen, wo und wann der Massenkampf…gegen diese Kleinarbeit der Hauswirtschaft, oder richtiger, ihre massenhafte Umgestaltung zur sozialistischen Großwirtschaft beginnt.“ (Lenin, Die Große Initiative, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,538). Massenkampf, massenhafte Umgestaltung, Großwirtschaft !!! Ich frage Sylvia Honsberg,  aus wieviel Masse besteht ein Aufsichtsrat oder ein Vorstand ?? Es gibt in Deutschland nur cirka 1600 Aufsichtsratssitze. Als Gewerkschafterin sollte sie sich lieber Gedanken um gute Kindergärten für die Volksmassen machen, und keine, um arbeiteraristokratisch in einen Aufsichtsrat zu gelangen, dessen Hauptaufgabe darin besteht, sich Gedanken zu machen, wie die Ausbeutung der werktätigen Massen ständig erhöht werden kann.  (Wo fühlt sie sich denn hingezogen ? Ich möchte sie daran erinnern, dass von allen Teilnehmern an der Wannseekonferenz zur Endlösung der Judenfrage bis auf den Vorsitzenden Reinhard Heydrich alle einen Doktorgrad besaßen). Ich kann mir beim besten Willen weder Ulrike Meinhof in einem Aufsichtsrat noch Gudrun Ensslin in einem Konzernvorstand vorstellen.  Es ist beschämend für hochindustrialisierte Länder, dass die Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts hauswirtschaftlich mathematischer Kalkulation unterworfen wird, wie es die humanitäre Schule der Ökonomen schon im neunzehnten Jahrhundert vorschlug. Rousseau sagte, dass hohe Geburtenraten auf glückliche Völker hinweisen. Jedoch vermittelte Rousseau der französischen Revolution ein rückwärts gewandtes Frauenbild und in der proletarischen Frauenrevolution wird sich das Schicksal der Frauenemanzipation während der französischen Revolution nicht wiederholen. Engels bemerkte in einer seiner ersten Schriften, in den „Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie“, dass alle Revolutionen des 18. Jahrhunderts halbe waren (Vergleiche Friedrich Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1974,500) und die Frauen sind die Hälfte des Himmels. Im Vordergrund stand die Gleichstellung kapitalistischer Warenbesitzer untereinander, nicht die von Frauen und Männern. Nicht nur wird deshalb der Radikalismus der antigirondistisch ausgerichteten Revolutionären Republikanerinnen vom Mai 1793, die Marat verherrlichten und ihre Kinder in dessen Geist erziehen wollten, bereits am 8. November 1793 durch den Berichterstatter des Komitees für allgemeine Sicherheit, Amar, gebrochen, sondern dieser schreibt ein Frauenbild des Mittelalters, in dem persönliche Abhängigkeitsverhältnisse dominierten, fest: „Fügen wir schließlich hinzu, daß die Frauen durch ihr Wesen zu einer Erregtheit disponiert sind, die sich für die öffentlichen Angelegenheiten als verderblich auswirken müßte, und daß die Staatsinteressen bald allem geopfert würden, was die Lebhaftigkeit der Leidenschaft an Verwirrung und Unordnung erzeugen kann.“ (Paul Noack, Olympe de Gouges, dtv Biografie, München 1992,139), so daß Frauenvereinigungen daruafhin verboten wurden. Im Gesetz vom 24. Mai 1975 wird Frauen dann sogar verboten, an politischen Sitzungen überhaupt teilzunehmen. In der Frage der Egalité für Frauen hatte der Rousseauismus bestimmenden Einfluß, Rousseau sah in seinem Erziehungsroman „Emile“ die Geschlechter ungleichwertig: Jungen sind sportlich, laut, aktiv. Mädchen sind mit Putz, Flitterkram, Spiegel und Puppen zufrieden. Folglich muß alle Erziehung der Frauen auf die Männer bezogen sein. Condorcet erst wies mit seiner Abhandlung „Die Gewährung der vollen Staatsbürgerrechte an Frauen“ (1790) über den kleinbürgerlichen Jakobinismus hinaus, wurde aber nicht erhört, sondern geköpft. Der Bischof Tayllerand unterbreitete den Vorschlag, Mädchen bis zum achten Lebensjahr eine Grunderziehung zuzusichern, danach könnten sie häuslich werden.

14. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984,31. Der ganze Satz lautet: „Das Proletariat, die unterste Schicht der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne das der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.“ Also müssen Chefetagen, Vorstände, Aufsichtsräte ganz unabhängig von der Quote in die Luft gesprengt werden, alles Bürgerliche muss völlig vernichtet, der bürgerliche Staat, die Ausbeuterhierarchie muss völlig zerschlagen werden und durch revolutionäre Frauensowjets ersetzt werden. Es gehört zu den Sünden des Opportunismus, die Weltgeschichte als gleichmäßige Entwicklung hinzustellen und in Legalismus zu verfallen. Aber gerade der Imperialismus ist eine äußerst dynamische Epoche mit ungeheuer viel Sprengkraft, mit Sprüngen und Zickzackbewegungen.

15. Lenin, Über die Diktatur des Proletariats, Lenin Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin,1961,80

16. Maximilien Robespierre, Über die Prinzipien der politischen Moral, Reden der französischen Revolution, dtv Text bibliothek, München 1974,349. Millionenboni für asoziale Banker, unerbittliche Entlassungen aus dem Arbeitsverhältnis wegen Pfandbons, Maultaschen, Frikadellen, Akkuaufladung für 1,8 cent. Man muß diejenigen als Gemeingefährliche in eine Anstalt stecken, die von einem Zukunftsmodell Deutschland faseln.

17. Charles Fourier, Frauen Liebe Orgie, in: Jahrbuch Politik Nummer 7, Wagenbach Verlag Berlin, 1976,10

18. Charles Fourier machte den Grad der gesellschaftlichen Emanzipation überhaupt an die der Frauen fest. Eine Gesellschaft ist nie weiter emanzipiert als es ihre Frauen sind. Es ist eine Frage ihres kulturellen Niveaus. „Es heißt, daß das Kulturniveau am besten durch die rechtliche Stellung der Frau charakterisiert wird.“ (Lenin, Zum Internationalen Frauentag, 4. März 1920, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,400).

19. Zitat nach W. Giesselmann, Die brumairianische Elite, Stuttgart,1877,230

20. Karl Marx, Das Elend der Philosophie, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,312

21. Im „Elend der Philosophie“ hatte Marx zum erstenmal seine historisch materialistische Weltanschauung in französischer Sprache dargelegt, seine eigenen Landsleute mussten 38 Jahre  (bis 1885) warten, erst in diesem Jahr erfolgte die Übersetzung durch Karl Kautsky und Eduard Bernstein. Mit Vorwort und Noten von Friedrich Engels.

23. Mao Tse Tung, Vom Kriege, Die Rolle des bewußten Handelns im Kriege, Bertelsmann Verlag, 1969,150

24. Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke, Band 1, Dietz Verlag Berlin 1974,312


Die Bundeswehr für nichts zu schäbig ! Ich bete an die Macht der Liebe

11. März 2011

Der ehemalige Kriegsminister Karl Theodor zu Guttenberg, der in seiner abgebrochenen Amtszeit zehn Mal das Kriegsgebiet in Afghanistan besuchte, hat geklaut, auf plumpe Art. Alle offiziellen Medien haben um den heißen Brei herumgeredet oder reden noch drum herum: wer aber Teile „seiner“ Dissertation von fremden Autoren abschreibt, ohne sie im Anmerkungsapparat als Zitate kenntlich zu machen, sie also als sein Original ausgibt, begeht eine STRAFTAT ! Ohnehin handelte es sich lediglich um eine „disputatio pro gradu“ (Titelvergabe um des Titels willen, irgendeinen wissenschaftlichen Beitrag zum Fortschritt der Menschheit wollte zu Guttenberg wohl allem Anschein nach von Anfang an nicht leisten – disputatio pro loco). Der sogenannte Rechtsstaat hat wie immer versagt: statt den Ex-Kriegsminister wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft zu stecken, erweist ihm die von ihm verratene Bundeswehr durch den Großen Zapfenstreich  höchste militärische Ehren. Oder ist die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht keine Schwächung der Wehrkraft des deutschen Volkes, keine Isolierung der Bundeswehr in Kasernenghettos  ? Ein Schwindeldoktor an der Spitze der Bundeswehr fällt dieser Wehrpflichtarmee in den Rücken 1.  und diese Armee macht beim Zapfenstreich in Anwesenheit des Generalinspekteurs Volker Wieker den Kotau vor einer Canaille ! Wen überrascht es ? Hatte nicht schon Friedrich Engels 1848 unter den Abgeordneten der Frankfurter Paulskirche eine enorme Zahl mit recht obskuranten Lebensläufen ausgemacht ? Und in welch grellen Farben hatte Karl Marx im „Bürgerkrieg in Frankreich“ die kriminellen Charaktere der Verräter des arbeitsamen Frankreichs gezeichnet, die es mit Hilfe von Bismarck freigekauften Kriegsgefangenen ihrer Ausbeutungsgier unterwarfen. Lenin gelangte in seiner Imperialismusanalyse zu der  Erkenntnis, dass der Kapitalismus in sein Stadium der Fäulnis eingetreten sei und dass der Unterschied zwischen demokratisch republikanisch gesinnter und monarchistisch gesinnter Bourgeoisie in dieser Fäulnis nivelliert werde. Wir dürfen in der „Affäre“ Guttenberg keinen Einzelfall, keinen Einzeltäter sehen. Eine Canaille ist gefallen, andere stehen bereit ! Oder ist etwa nicht wahr, dass sein Nachfolger Thomas de Maizière, der zu Guttenberg beim Großen Zapfenstreich im Bendlerblock mit biblischen Motiven: der arme Guttenberg  habe den Weg vom Hosianna ! zum Kreuzige ihn!! durchlitten, in Schutz nahm, sich für die Beibehaltung der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht ausgesprochen hat. 2. Schuld soll nicht der einer Straftat Verdächtige empfinden, sondern die, die ihn „kreuzigten“, das heißt die, die die Dissertationsschummelei aufdeckten und publik machten. Die Christenheit mag sich bedanken für diesen Vergleich zwischen dem Politiker zu Guttenberg (Politik verdirbt den Charakter und kann durch Bibelverweise nicht wieder geradegebogen werden) und Jesus Christus, es ist nicht bekannt, dass letzterer sich einen Doktortitel erschlichen hat. Thomas de Maizière jault herum ob des Falls von zu Guttenberg, der ein Fall für den Staatsanwalt geworden ist. Zwei Gedanken aus der französischen Revolution mögen genügen, um seine dreiste Volksfeindlichkeit zu belegen: es war neben Saint Just auch Marat, die erklärten, dass das Volk nur einen Feind habe, und das sei seine eigene Regierung. Und Babeuf  forderte die Bürger ganz im demokratischen Sinne auf, ständig die Regierung zu beobachten, „…die kein Recht hat, sich zu beklagen, selbst wenn sie zu Unrecht beschuldigt werden sollte.“ 3. Nun liegen aber die Beweise gegen zu Guttenberg knüppeldick auf dem Tisch…also hat der Volksfeind de Maizière sein Schandmaul zu halten. In Briefen von Guttenberg an Mitarbeitern der Wissenschaftlichen Dienste des deutschen Bundestages hat er sich entschuldigt, Teile aus Fremdtexten, es geht um sechs wissenschaftliche Expertisen, wörtlich übernommen zu haben, „ohne Ihre Autorenschaft in wissenschaftlich redlicher Weise zu kennzeichnen.“

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht hat diese im Volk unbeliebte Armee ohnehin akute Nachwuchssorgen. Wir müssen mit dieser ganzen unheilvollen antidemokratischen Tradition: de Maizière, Speidel, Heusinger, Blank, Adenauer, Strauß, Baudissin..u. s.w. 4. radikal brechen, auf die proletarische Machteroberung hinarbeiten und das stehende bürgerliche Heer durch die allgemeine Volksbewaffnung ersetzen. Für die liberalen, sozialen und christlichen „Demokraten“ weise ich im Vorbeigehen daraufhin, dass Jean Paul Marat schon während der französischen Revolution auf die Wahl der Armeeoffiziere durch die Mannschaften hinwirkte. „Wenn es das Wohl des Vaterlandes gebieterisch fordert, dass die Offiziere von den Soldaten ernannt werden, dann wird ihnen selbst das Wohl der Soldaten ein nicht weniger gebieterisches Gesetz sein.“  5. Auf den ersten Blick mag man sich verwundert die Augen reiben. Wie ? Eine bürgerliche Regierung 2011 soll unter dem Niveau des revolutionär  jakobinistischen Frankreichs von 1793 stehen oder im politischen Koordinatensystem verortet rechts von ihm ? Aber wenn man sich Lenins Analyse vergegenwärtigt, dass die 1793 noch jugendfrische Bourgeoisie im Imperialismus in Verwesung übergeht, hat dies doch alles seine Richtigkeit. Hier steh ich nun, ich armer mittelalterlicher Sündenkrüppel und bete an die Macht der Liebe.

Schauen wir uns diesen vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr vorgetragenen Zapfenstreich einmal näher an: zu Guttenberg hatte sich den „König Ludwig II. Marsch“, „Des Grossen Kurfürsten Reitermarsch“ und den Hardrocksong der Gruppe „Deep Purple“ „Smoke on The Water“ aus dem Jahr 1972 ausgesucht, als zu Guttenberg ein Jahr alt war. Eine Passage aus dem Deep Purple Song möge genügen ! „Aber irgendein Verrückter mit einer Signalpistole brannte ihn nieder Rauch auf dem Wasser Ein Feuer am Himmel Rauch auf dem Wasser Sie brannten das Kasino nieder…“ Verrückter ! Signalpistole ! Kasino niederbrennen ! Hier haben wir ein Musterbeispiel für die geistige Verfassung der deutschen „Politelite“, der „Canaille von Berlin“,  buchstäblich für ihre Fäulnis, die zum Mittelalter gewandt beim Zapfenstreichbefehl: „Ich bete an die Macht der Liebe“ auch schön artig die Hände faltet, in Afghanistan aber noch viel mehr als nur Kasinos niederbrennt ! Die Süddeutsche Zeitung meldet heute (11. März 2011) auf Seite eins, dass die Polizei in Kundus die Bundeswehr beschuldigt, eine Zivilistin erschossen und eine andere verletzt zu haben. Vor einer Woche schon mußte sich die NATO für den Tod von neun afghanischen Kindern entschuldigen, die beim Holzsammeln erschossen worden waren, weil man sie versehentlich für Aufständische hielt. Die Tötung von Unbeteiligten nimmt immer mehr zu. Der Politkriminelle im Bürgerrock und blutschmutzige Waffenhändler betören die Völker mit der Harmlosigkeit von Kriegen, „…dass unsere Jungs bald heimkommen werden…“ Die UNO gibt an, dass die Zahl der getöteten Zivilisten seit dem Beginn der Invasion 2002 cirka 5000 betrage, die der Verwundeten cirka 11 000. Die Zahlen belegen, dass der Afghanistankrieg 2010 blutiger war als ein Jahr zuvor. 6.  Zum sofortigen Abzug der Bundeswehr ohne Wenn und Aber gibt es keine humanistische Alternative. Rammt den bürgerlichen Politikern und Waffenhändlern die Knarre in die Fresse ! Indeß: Die Forderung nach Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan kann 1000 mal erfolglos aufgestellt werden, es bleiben schöne Worte, wenn wir nicht die Frage klären, warum gibt es imperialistische Kriege, wer verschuldet sie und wie zieht man die Kriegverbrecher zur Verantwortung ? Es gilt, nicht nur eine Parole aufzustellen, um eine theoretische Analyse kommt man nicht herum. Denn trotz aller Weisheit und Humanität der klassischen griechischen Philosophie, dem Sonnenaufgang der Renaissance, dem Humanismus selbst, der Aufklärung und der tiefen dialektischen Weisheit der klassischen deutschen Philosophie, auf deren Schultern wir stehen, die Geißel des Krieges ist nicht gebannt worden. Gibt es keinen Hinweis bei Lenin ? „Es wäre theoretisch grundfalsch, zu vergessen, dass jeder Krieg nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, der jetzige imperialistische Krieg ist die Fortsetzung der imperialistischen Politik…und diese Politik wurde durch die Gesamtheit der Verhältnisse der imperialistischen Epoche erzeugt und genährt“. 7. Also gilt es zur Erforschung der Kriegsursachen, die Gesamtheit der Verhältnisse unserer Epoche zu studieren und zu berücksichtigen und nur aus diesem Studium kann die Erkenntnis kommen, dass der Hauptfeind die eigene, den imperialistischen Krieg führende  Bourgeoisie ist, dass Kriege und Aufstände gegen diese historisch unvermeidbar sind. Der Krieg erscheint als eine so schillernde Figur, dass es nicht leicht ist, sein wahres Wesen zu erkennen und die verwickelten Klasseninteressen auseinanderzuhalten. Der Krieg ist aber nichts Unheimliches oder Schicksalshaftes, nichts, was in der Natur des Menschen liegt, nocht gottgewollt oder weltgeschichtlich bedingt ist, Lenin spricht vom imperialistischen Krieg, „d.h. die Ermordung von 10 Millionen Menschen.“ 8. Also gibt es schuldige Massenmörder und in Deutschland hat das Bürgertum nach den beiden Weltkriegen diese nicht zur Verantwortung gezogen, sondern, was die ganze aufgeklärte Menschheit weiß, wieder auf Positionen zugelassen, von denen aus sie weitere Massenmorde planen konnten. Und der US-Imperialismus sah in diesen Massenmördern willkommene Helfeshelfer in seinem Kreuzzug gegen den Bolschewismus. (Deckname Gladio / Stay Behind). Die fortschrittlichen Menschen in Deutschland wollen raus aus diesem ganzen imperialistischen Sumpf. Wenn wir daher einerseits fordern: „Sofortiger Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ohne Wenn und Aber“, so muss diese Forderung im Sinne der Völkerfreundschaft ergänzt werden durch die Intensivierung der Beziehungen zwischen der deutschen Arbeiterklasse und der afghanischen, zwischen den deutschen und afghanischen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen. „Eine „negative“ Losung, die nicht mit einer bestimmten positiven Antwort verbunden ist, „schärft“ nicht das Bewußtsein, sondern stumpft es ab…“ 9.

Die fortschrittlichen Menschen in der Bundesrepublik müssen auf die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflich beharren, an der Spitze der fortschrittlichen Menschen steht die Arbeiterklasse, und die hat an der allgemeinen Wehrpflicht vor allem folgende Interessen: a) die allgemeine Wehrpflicht ist das Durchgangsstadium zur allgemeinen Volksbewaffnung 10. , b) sie übt die Arbeiter und Arbeiterinnen, die Bauern und Bäuerinnen im Gebrauch der Waffen, die entscheidende Frage ist für Lenin, OB DIE UNTERDRÜCKTE KLASSE WAFFEN BESITZT (kursiv von Lenin) 11. c) sie gibt in einer revolutionären Situation die Möglichkeit, die Gewehre umzudrehen zur „völligen Vernichtung der Bourgeoisie“ 12., eingedenk der Worte von Karl Liebknecht, der Hauptfeind steht im eigenen Land.

1. Ein Mann vom Fach, Professor Dr. jur. Michael Köhler aus Hamburg stellt ganz richtig fest, dass die sogenannte Bundeswehrreform „in Wirklichkeit die Abschaffung der bisherigen Bundeswehr“ ist, „ohne daß die Alternative der Wehrstruktur in der gebotenen Logik  von Grundsatzfragen, Zweckmäßigkeitsaspekten und Organisationserfordernissen durchdacht ist. Stattdessen ein handstreichartiges Verfahren: die als „Aussetzung“ kaschierte Beseitigung der allgemeinen Wehrpflicht per Regierungsdekret. Es droht ein organistorisches Desaster, schneidige Gedankenlosigkeit als Sicherheitsrisiko.“ („Ein unbedachter Umgang mit der Bundeswehr, Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.3.2011, Seite 11). Und Gedankenlosigkeit spielt ja auch in der Dissertationsfarce eine wichtige Rolle. Es lohnt sich, den Leserbrief von Professor Köhler aufmerksam zu studieren, der sich ernsthafte Gedanken macht, die Schlagkraft einer imperialistischen Armee zu erhöhen. Ohne Zweifel liegt eine Befangenheit in der europäischen Staatsphilosophie vor, dass die Menschen ohne Staat und Armee nicht leben können. Der verstorbene Bundespräsident Heinemann wußte immerhin noch die Bundeswehr in Frage zu stellen. Köhler sorgt sich, dass die Bundswehr eine für Mißbrauch anfällige Söldnerarmee werden kann. Eine Wehrpflichtarmee als eine Armee der Bürger könne der söldnerischen Verselbständigung des Kampfzweckes entgegenwirken. Illusionär ist sein Gedanke einer Integration der Armee in die rechtsstaatliche Gesellschaft, die eben eine der Ausbeutung der Arbeiterklasse ist und deshalb steckt dahinter der Gedanke einer Permanenz der Anwendung von Unterdrückungsgewalt gegen Menschen, während Lenin betonte, daß „Gewalt gegen Menschen nicht unserem Ideal entspricht.“ (Lenin, Über eine Karikatur auf den Marxismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,64) Was immer auch ideologisch über die Bundeswehr geschrieben wird, es ist Tatsache und im imperialistischen Kontext dieser Armee unvermeidlich, dass ihre Schlagkraft ständig erhöht werden muss. Just zu diesem Zweck ist eine sechsköpfige Bundeswehrstruktur Kommission unter  dem Vorsitz des bei der Bundeswehr zum Fallschirmjäger ausgebildeten Leiters der Bundesanstalt für Arbeit, Hans Jürgen Weise, Jahrgang 1951,  ins Leben gerufen worden. (CDU-Mitglied Weise, der ab 1972 zwölf Jahre Zeitsoldat war, ist Oberst der Reserve und hat damit den höchsten Dienstgrad, den ein Reservist erlangen kann).  Bis Ende 2011 soll die Kommission Vorschläge unterbreiten, wie die Bundeswehr schlagkräftiger werden kann.

2. „Man würde sehen, wie die Politik die Ehre der Verteidigung der gemeinsamen Sache auf Söldnerhaufen beschränkt“. (Jean Jacques Rousseau, Über den Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1995,259).

3. Gracchus Babeuf, Das ideale Portrait der Schildwacht des Volkes, Le Tribun du Peuple, Nummer 30, vom 23. Januar 1795, in: Jean Paul Marat, Ich bin das Auge des Volkes, Wagenbach Verlag Berlin, 1987,75

4. Aufschlußreiches dazu ergibt sich aus einer Tagung, die im Juni 2010 in Düsseldorf unter dem Thema: „Verschlusssachen in staatlichen Archiven“ stattfand und deren Ergebnisse jetzt im Klartext Verlag aus Essen gedruckt vorliegen, wobei wir uns weiterhin im Bereich des Schäbigen bewegen. Insgesamt sind 7, 5 Millionen Vorgänge in der BRD unter Verschluss. Aus bereits daklassierten („offenen“) Verfassungsschutzakten ergibt sich für den Zeithistoriker Josef Foschepoth, dass Adenauer „jede Gelegenheit nutzte, um den Deutschen einen starken Staat, notfalls auch ein autoritäres Regime zu verordnen“. Die künstlich erzeugte Angst vor dem Kommunismus sei von ihm als „Meister der Initiierung und Instrumentalisierung von Angst und Bedrohungsgefühlen“ wider besseren Wissens aus Lageanalysen geschürt worden, so dass der Staatsschutz vor den Grundrechten rangierte. Die Verletzung des Postgeheimnisses lag im sechsstelligen Millionenbereich, darunter befanden sich sämtliche Briefe aus der DDR. (Siehe: Buchbesprechung von Rainer Blasius „Mehr Sicht ! Deutsche Geheimakten“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 14. März 2011, Seite 9). In der Zwergmißgeburt Konrad Adenauer scheint sich die Aussage Jean Paul Marats, dass die Deutschen nach den Russen das sklavischste Volk seien, zu verkörpern.

5. Jean Paul Marat, Wichtige Beobachtungen hinsichtlich der Armeeorganisation, Ami du Peuple, 20. Juli 1790, in: Jean Paul Marat, Ich bin das Auge des Volkes, Wagenbach Verlag Berlin, 1987,97

6. Auch Isaf zählt die Toten, in: Süddeutsche Zeitung vom 11. März 2011, Seite 7

7. Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke Band 23, 1957,75. Durchdenkt man die Forderung des Bundswehrabzuges bis zum Ende, so wird mit ihr im Grunde die Axt an die Wurzel der profitorientierten bürgerlichen Gesellschaftsordnung  gelegt. Wir kämpfen gegen den imperialistischen Krieg im Ausland und für den Bürgerkrieg im Inland, ein Zusamenhang, der nicht jedem sofort klar ist. Denn ohne diesen Bürgerkrieg bleibt es hohle Phrasendrescherei, bleibt es naiv zu glauben, die imperialistisch gesinnte Bourgeoisie verzichte freiwillig auf imperialistische Einsätze ihrer Armee. Flugblätter und Demonstartionen gegen Auslandseinsätze haben ihre gute Berechtigung und erweisen gute Dienste, die Soldaten im Hinblick auf den Bürgerkrieg zum Nachdenken zu bringen, aber dieses Denken muss zur Umkehr der Gewehre führen.

8.Lenin, Die Große Initiative, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971,532

9.Lenin, Über eine Karikatur auf den Marxismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,66

10. „Heute militarisert die imperialistische – und andere – Bourgeoisie nicht nur das ganze Volk, sondern auch die Jugend. Morgen wird sie meinetwegen auch die Frauen militarisieren. Wir antworten darauf: Desto besser ! Nur immer schneller voran – je schneller, desto näher ist der bewaffnete Aufstand gegen den Kapitalismus. “ (Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,77). „Eine unterdrückte Klasse, die nicht danach strebt, Waffenkenntnis zu gewinnen, in Waffen geübt zu werden, Waffen zu besitzen, eine solche unterdrückte Klasse ist nur Wert, unterdrückt, mißhandelt und als Sklave behandelt zu werden.“ (a.a.O.,75).

11. Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1959,463

12.a.a.O.

Heinz Ahlreip  18. März 2011

Rosa Luxemburg Zum 140. Geburtstag „Kritik“ mit ihr und Kritik an ihr

5. März 2011

„Rosa Luxemburg irrte in der Frage der Unabhängigkeit Polens, sie irrte 1903 in der Theorie der Akkumulation des Kapitals; sie irrte, als sie im Juli 1914 neben Plechanow, Vandervelde, Kautsky u.a. für die Vereinigung der Bolschewiki mit den Menschewiki eintrat; sie irrte in ihren Gefängnisschriften von 1918 (wobei sie selbst beim Verlassen des Gefängnisses Ende 1918 und Anfang 1919 ihre Fehler zum großen Teil korrigierte). Aber trotz aller dieser Fehler war sie und bleibt sie ein Adler.“ 1.

Rosa (Rosalia) Luxemburg wurde am 5. März 1871, im Jahr der Pariser Commune, in Zamosc, damals Russisch Polen, als Tochter eines Kaufmanns geboren. 1887 schloß sie sich der Warschauer Gruppe der Polska Partia Socjalno Rewolucyna an, der Polnischen Sozialrevolutionären Partei. Im Wintersemester 1890/91 immatrikulierte sie sich an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich und  begann schwerpunktmäßig mit naturwissenschaftlichen Studien, verschob dann aber das Gewicht auf sozialwissenschaftliche Disziplinen. Im Juli 1892 war sie in Paris Mitbegründerin der polnischen sozialdemokratischen Zeitschrift „Die Sache der Arbeiter“, an der Leo Jogiches, Julian Marchlewski und Adolf Warski mitwirkten. Am 1. Mai 1897 bestand  sie ihre Promotion mit magna cum laude als Dr. juris publici et rerum cameralium und ein Jahr später wurde sie Chefredakteurin der Sächsischen Arbeiterzeitung in Dresden. Rosa Luxemburg nahm an allen wichtigen Internationalen Sozialistenkongressen teil, mußte aber zwischendurch auch immer wieder politische Haftstrafen antreten, so unter anderem 1904 drei Monate in Zwickau wegen Majestätsbeleidigung. Ein Jahr später Aktivistin beim Kampf der polnischen Arbeiter gegen den Zarismus, das damals scheußlichste politische Gebilde in Europa und 1906 wieder zwei Monate hinter Gittern wegen Anreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise. Auf dem Internationalen Sozialistenkongress 1907 in Stuttgart forderte sie auf, Krieg gegen den imperialistischen Krieg zu führen und wird dann neben Karl Liebknecht und einigen wenigen (u.a. Clara Zetkin und Franz Mehring)  im ersten Weltkrieg eine Minderheit bilden, die im Gegensatz zur kriminellen proimperialistischen, das Völkergemetzel  unterstützenden Mehrheit der deutschen Sozialdemokratie dem proletarischen Internationalismus treu bleibt. (Diese widerliche kriminelle Neigung der Mehrheit der deutschen Sozialdemokratie zum bürgerlich imperialistischen Militarismus ist nach dem Zweiten Weltkrieg auch wieder in der sozialdemokratischen Unterstützung der Bundeswehr deutlich geworden, sie kroch sklavisch zu Kreuze vor den militaristischen Handlangern, die unter der Hitlerherrschaft mit dafür sorgten, dass die Besten der SPD in den Konzentrationslagern umgebracht wurden. Die SPD ist eben im Kern keine Arbeiterpartei mehr, sondern das Sammelbecken verwirrter profaschistischer  Kleinbürger.) 1913 erschien ihr öconomisches Hauptwerk „Die Accumulation des Kapitals“., damit zusammenhängend, hielt sie vor dem ersten Weltkrieg Vorlesungen an der Parteischule der deutschen Sozialdemokratie über politische Ökonomie und arbeitete in ihnen nicht nur richtig heraus, dass  Marx die politische Ökonomie aus einem „Herrschaftsmittel der Bourgeoisie in eine Waffe des revolutionären Klassenkampfes für die Befreiung des Proletariats“ 2. verwandelt habe, sondern auch, dass sich der Marxismus nach der Befreiung des Proletariats im Kommunismus aufhebe. Es ist absurd, wenn die Herausgeber der zweibändigen Luxemburgausgabe in der DDR aus dem Jahre 1951 ihr unterstellen, sie habe eine fundamentale Aussage von Engels über die politische Ökonomie im Anti-Dühring nicht verstanden, nur um unterzubringen, dass Stalin die politische Ökonomie von Marx weiterentwickelt habe. 3. Kurz, es läuft darauf hinaus: wie konnte sich Rosa Luxemburg vor dem ersten Weltkrieg unterstehen, den Marxismus wenigstens schon in der Theorie verschwinden zu lassen, wo doch noch Lenin und Stalin kamen.

Während des ersten Weltkrieges musste sie mehrmals ins Gefängnis, blieb aber eine unbeugsame Revolutionärin. In den Gefängnissen verfasste sie zwei Schriften, die in der Politik für Furore sorgten: die „Junius Broschüre“, die einige vom Genossen Lenin aufgedeckte und kritisierte Abweichungen vom Marxismus enthält. Zwar wurde von ihr der Krieg richtig als imperialistisch von beiden Seiten  gedeutet und auch die Kritik an der chauvinistischen Grundhaltung der SPD, die zur Bourgeoisie und zu den Junkern übergelaufen war,  war treffend, aber sie versäumte es, den Zusammenhang zwischen Sozialchauvinismus und Opportunismus aufzudecken, dass das zentristische Kautskyanertum am 4. August 1914 „in JEDEM (kursiv von Lenin) Fall FÜR (kursiv von Lenin) die Kredite“ 4.  stimmen wollte. Da hatte  Otto Rühle mehr gesehen als Rosa Luxemburg, nämlich die Notwendigkeit einer Spaltung der Sozialdemokratie. Des weiteren schloß Luxemburg nationale Kriege im Imperialismus aus, während Lenin auf die Dialektik hinwies, für die  „alle Grenzen in der Natur und in der Gesellschaft bedingt und beweglich sind…Ein nationaler Krieg kann in einen imperialistischen umschlagen und umgekehrt.“ 5. Nationale Kriege in Kolonien und Halbkolonien waren für Lenin auch in der imperialistischen Phase unvermeidbar. Auch in der Frage der Vaterlandsverteidigung, der politischen Kardinalfrage  während des imperialistischen Krieges, beging sie irrige historische Berufungen, wenn sie dem Imperialismus ein nationales Programm entgegenstellte. Sie berief sich dazu auf bürgerlich Vergangenes: auf den patriotischen Sturm 1793 in Frankreich und auf das 48er Programm von Marx, Engels und Lassalle über die einige deutsche Republik. Im Imperialismus sei aber die objektive Lage eine andere: man muss vorwärtsdenken, den Krieg des Proletariats gegen die eigene Bourgeoisie vorbereiten und ins Auge schauen. Bei aller konstruktiven Kritk blieb aber die Junius Broschüre für Lenin eine ausgezeichnete marxistische Arbeit.

Vor allem aber bleibt ihre berühmte kurze Schrift über die Oktoberrevolution in der Kommunismusdiskussion relevant. Es fehlte ihr im Gefängnis allerdings wichtiges Material und Clara Zetkin berichtete denn später auch, dass sich Rosa auf Grund dieser Unzulänglichkeit von ihrer Kritik an den Bolschewiki distanzierte. In dieser Schrift zum Roten Oktober fällt der berühmt gewordene Satz: Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. Aber man darf bei der taktischen Verwendung dieses Zitats durch diejenigen, die gern ihre liberale demokratische Maske dabei gegen den Kommunismus aufsetzen, nicht übersehen, dass Luxemburg  sich eben später von der Gefängnisschrift  distanzierte, vor allem, dass sie PARTEI BOLSCHEWISTIN war, also weder die KP  – sie hatte ja gerade die deutsche  mitbegründet – noch die Oktoberrevolution in Frage stellte, was so viele Konterrevolutionäre mit dem Mißbrauch ihres Satzes erreichen wollen. Sie war bis zum letzten Atemzug ein „Adler der Revolution“.  Ihre Beurteilung der weltgeschichtlichen Bedeutung der Oktoberrevolution spricht eine klare Sprache: sie bezeichnete sie als das gewaltigste Faktum des Weltkrieges. „Ihr Ausbruch, ihr beispielloser Radikalismus, ihre dauerhafte Wirkung strafen am besten die Phrase Lüge, mit der die offizielle deutsche Sozialdemokratie den Eroberungsfeldzug des deutschen Imperialismus im Anfang diensteifrig ideologisch bemäntelt hat: die Phrase von der Mission der deutsche Bajonette, den russischen Zarismus zu stürzen und seine unterdrückten Völker zu befreien. Der gewaltige Umfang, den die Revolution in Russland genommen hat, die tiefgreifende Wirkung, womit sie die Klassenverhältnisse erschüttert, sämtliche sozialen und wirtschaftlichen Probleme aufrollt, sich folgerichtig vom ersten Stadium der bürgerlichen Republik zu immer weiteren Phasen mit der Fatalität der inneren Logik voranbewegt…all dies zeigt auf der flachen Hand, dass die Befreiung Russlands nicht das Werk des Krieges und der militärischen Niederlage des Zarismus war, nicht das Verdienst der deutschen Bajonette in deutschen Fäusten, wie die „Neue Zeit“ unter der Redaktion von Kautsky im Leitartikel versprach, sondern dass sie im eigenen Land tiefe Wurzeln hatte und innerlich vollkommen reif war…Die Lenin Partei war somit die einzige in Russland, welche die wahren Interessen der Revolution in jener ersten Periode begriff, sie war ihr vorwärtstreibendes Element, also in diesem Sinne die einzige Partei, die wirklich sozialistische Politik betrieb.“ 6. Es gibt also eine innermarxistische aufklärende Kritik an Rosa Luxemburg und eine sich auf sie beziehende gegenaufklärerische an der sozialistischen Revolution, eine konstruktive Kritik, die den Marxismus vertieft und eine destruktive, die die Freiheit des Denkens fordert, ohne darauf hinzuweisen, dass der Arbeiter sich einbilden kann, der Freiheit des Denkens phantasievoll auch als Lohnsklave nachgehen zu können. Aber er kann letzten Endes nicht anders denken, immer wieder wird sein Denken auf seine Rolle als Lohnsklave in der bürgerlichen Gesellschaft zurückgeworfen und immer wieder wird sein Denken nach revolutionären Lösungsstrategien suchen, das Joch abzuwerfen. Er hat nicht die Freiheit anders zu denken. Daraufhin ist eine ganze primitive Kulturindustrie der Ablenkung tätig: die Gedanken Rosa Luxemburgs und die des Arbeiters sollen divergieren. Es ist gewöhnlich der oberflächliche politische Liberalismus der unproduktiven Klassen, der sich illusionär der Denkfreiheit hingibt, wie sie der Idealist Fichte politinfantilistisch ausrief: die Völker Europas sollten alles hingeben, dem eigenen Kind das letzte Stück Brot aus dem Mund reißen und es den Hunden der Tyrannei vorwerfen, niemals aber die Denkfreiheit aufgeben. Der Prolet kann erst anders denken, wenn er das Joch des Kapitals abgeworfen hat, wer schon vor dieser Befreiung Denkalternativen fordert, stellt sich der Ausrottung  bürgerlichen Denkens in den Weg. Die Möglichkeit der Befreiung  der unterdrückten Klassen besteht eben darin, alternatives Denken gar nicht erst zuzulassen. Gibt es denn für das Proletariat etwas Besseres als das scharfe Schwert des Marxismus Leninismus ?  Der Kopf der Konterrevolution muss schnell, hart und unerbittlich getroffen werden unabhängig davon, welche Denkequilibristik gerade in ihm vorgeht. Es reicht in der politischen Auseinandersetzung eben nicht aus, Zitate auswendig zu lernen, wozu allerdings auch sogenannten Marxisten leicht neigen. Der Satz: „Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenken“ mag in dem Dunstkreis der Frankfurter Paulskirche 1848 möglich gewesen sein, aber seitdem hat die Industrialisierung und technische Entwicklung einen so rasanten Fortschritt gemacht bei immer größerer Dominanz des naturwissenschaftlichen Denkens, vor allem aber durch das Vorliegen des Marxismus Leninismus ist das menschliche Denken auf gewisse unverzichtbare Koordinaten festgelegt, wenn es denn wissenschaftliches Denken sein soll. Dies ist eben der Mißverstand der Sache, dass jeder Strudelkopf die Freiheit seines alternativen Denkstils beansprucht, aber trägt dieser zur Vorbereitung der Revolution der Arbeiter und Bauern, zur Weiterentwicklung des Marxismus Leninismus  bei oder nicht ? Keineswegs darf man lax Gedankenfreiheit gewähren, denn die Konterrevolution fängt im Kopf mit konterrevolutionären Gedankengängen an. Um das Gesagte sogleich durch ein konkretes Beispiel aus der Geschichte des Leninismus zu belegen, so hätte Lenin Kautskys Theorie des Ultraimperialismus als Phantstik eines verirrten Exmarxisten passieren lassen können, aber diese Theorie richtete Schaden für die revolutionäre Bewegung an und wurde daher von Lenin schon im Ansatz vernichtend kritisiert: Kautsky bügelte in seiner Ultraimperialismusthese die Widersprüche der höchsten Entwicklung des Kapitalismus weg und entwarf eine opportunistische, den Klassenkampf negierende Perspektive, dass nämlich eine internationale Verbrüderung des Finanzkapitals möglich sei, er sprach von einer gemeinsamen „Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital…Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls DENKBAR (kursiv von H. Ahlreip)“ 7. Er dachte also anders über den Imperialismus als Lenin.  Gewähren wir doch Meinungsvielfalt, Gedankenfreiheit, Pluralismus !!! Spaß beiseite, wir befinden uns bei dieser Thematik nicht in einer parlamentarischen Schwatzbude, sondern auf dem Gebiet des wissenschaftlichen Sozialismus und in dem ist Kautskys Ultraimperialismustheorie  Reflex der opportunistischen Strömung in der Arbeiterbewegung, Lenins Imperialismustheorie Reflex der revolutionären. So läßt Lenin Kautskys Theorie auch nicht im Raume stehen, sondern unterwirft sie einer bissigen Kritik: was Kautsky als Marxismus ausgibt, könne man mit der Heuchelei englischer Pfaffen gleichsetzen. 8.Was die imperialistische Bourgeoisie unter der Freiheit des Andersdenken versteht, das hat sie 1919 gezeigt:  Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zum Schweigen bringen, den Kommunismus auslöschen, mit Hilfe der SPD hat es die Reaktion am 15. Januar 1919 geschafft. Festgenommen durch die Berliner Bürgerwehr Wilmersdorf wurde  sie nach Mißhandlung von viehischen deutschen Militaristen im Hotel Eden beim Abtransport ermordet. Ihre Ermordung reiht sich ein in die Serie konterrevolutionärer Bluttaten gegen fortschrittliche Menschen in Deutschland, eine Blutspur, die bei Thomas Müntzer beginnt.  Zum spießigen Sozialdemokraten muss man sich nichts ausdenken, keine Karrikatur ausmalen, man erinnere sich der Worte des „Genossen“ Gustav Noske- einer muß den Bluthund spielen. Die deutsche Bourgeoisie muss sich um ihren Bestand keine Sorge machen, solange es Sozialdemokraten dieser perversen Art gibt, und davon gibts, hin und wieder Zitate von Rosa Luxemburg den Genossen zum Besten gebend, heute viele.

In einer ihrer letzten Texte: „Nationalversammlung oder Räteregierung ?“ bekennt sie sich zur Roten Fahne in einer dunkelroten Tiefe, die jeden linkssozialdemokratischen Versuch, sie ins Rosafarbene zu verharmlosen, als völlig verfehlt  erscheinen läßt: „Was bisher als Gleichberechtigung und Demokratie galt: Parlament, Nationalversammlung, gleicher Stimmzettel, war Lug und Trug ! Die ganze Macht in der Hand der arbeitenden Masse, als revolutionäre Waffe zur Zerschmetterung des Kapitalismus – das allein ist wahre Gleichberechtigung, das allein wahre Demokratie !“ 9. Zerschmetterung des Kapitalismus, Zerschmetterung der SPD, die Rosa Luxemburg als stinkenden Leichnam bezeichnet hatte, Zerschmetterung des Bundesadlers…dann werden viele Arbeiter und Arbeiterinnen, die heute noch gebückt und geknechtet das Joch des Kapitals (er)tragen, aufsteigen zu wahren Adlerflügen.

1. Lenin, Notizen eines Publizisten, in „Prawda“ 16. April 1924

2. Rosa Luxemburg, Einführung in die Nationalökonomie, Ausgewählte Reden und Schriften, Dietz Verlag Berlin, 1951, 491f.

3.a.a.O.,405f. (Anmerkungen zu Rosa Luxemburg: Einführung in die Nationalökonomie vom Marx Engels Lenin Institut beim ZK der SED).

4. Siehe Lenin, Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960, 312

5. a.a.O.,314

6. Zit. im Rotfuchs März 2011: Dr. Kurt Laser, Zum 140. Geburtstag der Kommunistin Rosa Luxemburg, Seite 7

7. Die Neue Zeit, 30. April 1915,144

8.Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1969,299

9. Rosa Luxemburg, Nationalversammlung oder Räteregierung ?, in: Die Rote Fahne, 17. Dezember 1918, in: Rosa Luxemburg, Ausgewählte Reden und Schriften,II. Band, Dietz Verlag Berlin, 1951,643f. 2010 erschien im Propyläen Verlag ein Buch von Peter Struck: „So läuft das –  Politik mit Ecken und Kanten“. Vergleiche ich die Schriften Rosa Luxemburgs mit diesem Buch – fürwahr ! ein Adler blickt herab auf eine am Boden kriechende graue Maus !

Heinz Ahlreip 5.3.2011