Lenin über die Subbotniks Die Zukunft des Kommunismus

Konstitutiv für die kapitalistische Arbeitswelt ist die entfremdete Arbeit, ein Umstand, den der junge Marx in den Ökonomisch Philosophischen Manuskripten in dem Satz ausdrückte: Wenn der Mensch arbeitet, ist er nicht zu Hause, und wenn er zu Hause ist, arbeitet er nicht. Im „Elend der Philosophie“, dem Werk, in dem Marx über die Grundzüge seiner neuen historischen und ökonomischen Anschauung mit sich ins reine gekommen war 1. , führte er aus, dass durch die Industriealisierung  der Grundbesitz in Schottland wichtig wurde als Wollieferant für die Textilindustrie und deshalb die kleinen Pächter vertrieben, „daß Menschen durch Hammel verdrängt wurden.“  2. Der reife Marx schrieb im „Kapital“, dass die Lohnarbeit wie die Pest geflohen wird, sobald der äußere Zwang wegfällt. Jeden Arbeitstag werden Milliarden Menschen im kapitalistischen Arbeitsprozess fremdbestimmt, schikaniert und gemartert, ein Teil auch gemobbt, verstümmelt dadurch, dass sie fast ihr ganzes Leben lang an ein- und diesselbe bornierte Tätigkeit gekettet sind. Das Arbeitsfeld ist zu einem Kampffeld geworden. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind auf der Welt, alle vier Minuten verliert ein Mensch wegen Vitamin A Mangels sein Augenlicht, jeder sechste Mensch ist chronisch unterernährt. Aber für wen schreibe ich das ? Bestimmt nicht für den überfressenen Bourgeois, der gleichgültig ist für die Leiden der Menschheit, die er verursacht. 3.  Die Polarisation von arm und reich nimmt weltweit rapide zu, nach Angaben der UNO hat zum Beispiel die „sozialistische“  Volksrepublik China  die USA bei der Kluft zwischen arm und reich überflügelt 4. ,die Anarchie der Produktion charakterisiert den Markt und periodisch wiederkehrende Krisen sind ihr fester Bestandteil. Lenin wies dem Umstand der entfremdeten Arbeit die primäre Stelle zu im Leidensweg der Lohnsklaven und Sklavinnen. „Die soziale Unterdrückung der werktätigen Massen, ihre scheinbar völlige Ohnmacht gegenüber den blind waltenden Kräften des Kapitalismus, der den einfachen arbeitenden Menschen täglich und stündlich tausendmal mehr entsetzliche Leiden und unmenschliche Qualen bereitet als irgendwelche außergewöhlichen Ereignisse wie Kriege, Erdbeben usw…“ 5., so schilderte Lenin den kapitalistischen Werkelalltag. Wir erleben gerade, wie die kapitalistischen Massenmedien das dreifache Unglück Japans – Erdbeben, Tsunami, Kernschmelze – ausnutzen, um durch Sondersendungen mit Expertenaufgebot die Werktätigen abzulenken von ihrem Joch des Sklavendaseins, zu dem es weder Sondersendungen noch Expertenbefragungen gibt.

Marx, Engels, Lenin und Stalin haben in ihren Werken die Lehre von der weltweiten Befreiung aus der Lohnsklaverei entwickelt, die zum wissenschaftlichen Studium für alle Werktätigen bereitliegen. Ich möchte die Lehre von diesen Genies der proletarischen Weltrevolution als das Gold der Menschheit bezeichnen. Indeß ist dieses allein, die Lehre von den Bedingungen und der Durchführung der proletarischen Revolution, so wichtig und zentral sie auch ist, noch nicht das Primäre. Wesentlicher als die negative Aufgabe des Sturzes der alten Ausbeuterordnung ist die positive des Aufbaus der neuen Gesellschaft ohne jegliche Ausbeutung. Weder der politische Umsturz, die Machtergreifung durch die Arbeiterklasse, noch die Enteignung der Kapitalisten und Gutsbesitzer enthalten etwas Kommunistisches 6., sondern erst die zunächst ganz winzigen Subbotniks, in diesen zarten Keimlingen liegt eine von Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft freie zukünftige Gesellschaft. Auf die Bedeutung dieser Keime des Kommunismus geht Lenin neben mehreren im Gesamtwerk verstreuten Äußerungen nach 1919 in einer seiner wichtigsten, im Juni 1919 verfassten  Schrift: „Die Grosse Initiative (Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“) ein und die er in ihr als faktischen Beginn des Kommunismus bezeichnet 7., als ersten Schritt zur praktischen Verwirklichung des Kommunismus und in einem Referat über die Subbotniks auf der Moskauer Stadtkonferenz  der Kommunistischen Partei Russlands (B) vom 20. Dezember 1919. In dem Artikel „Zwei Jahre Sowjetmacht“ bezeichnet er die Subbotnikarbeiter als „Repräsentanten des Kommunismus“ 8. , die nicht geringeren Nutzen bringen als die Rote Armee an der Front. Diese heute fast vergessenen Subbotniks 9. sind das zweite Gold der Menschheit, Arbeit ohne Norm, nicht um Anspruch auf bestimmte Produkte zu erhalten, Arbeit für das Gemeinwohl, Arbeit als Bedürfnis eines gesunden Organismus. 10. Sie zeigen, dass unter der Pest der kapitalistischen Arbeit die Mittel zur Heilung dieser „schrecklichsten“ aller Krankheiten der menschlichen Zivilisation schlummern. Im Vergleich zur feudalen Produktionsweise war die kapitalistische insofern fortschrittlich, als sie zu einer höheren Arbeitsproduktivität führte, allerdings nur zum Wohle der die Produktionsmittel besitzenden Klasse und der gigantischen Ausbeutung menschlicher Arbeitskräfte. Und gerade diese Subbotniks zeigen Lenin nun, dass der Sozialismus eine noch viel höhere Arbeitsproduktivität als der Kapitalismus erreicht. Die Prawda vom 23. Mai 1919 ließ einen Subbotnikarbeiter zu Wort kommen: „Die Genossen erklärten das damit, dass man in der gewöhnlichen Zeit die Arbeit satt habe, ihrer überdrüssig sei, hier dagegen arbeite man mit Lust, mit Begeisterung. Jetzt aber wird man sich schämen, in der gewöhnlichen Zeit weniger zu leisten als beim kommunistischen Subbotnik.“ 11.  Und in diesem „höheren Typus der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit“ liegt für Lenin die Bürgschaft für „den unausbleiblichen vollen Sieg des Kommunismus.“ 12. Was Lenin über die Subbotniks schreibt, ist deshalb von allerhöchster  Wichtigkeit für die Lohnsklaven und Sklavinnen, manche verlieren verständlicherweise den Mut, da es Phasen im Klassenkampf geben kann, in denen die proletarische Sache als aussichtslos erscheint. Die Weltgeschichte geht nun einmal nicht gleichmäßig vorwärts, mitnichten, sie geht nicht glatt vorwärts, „ohne manchmal Riesensprünge rückwärts zu machen.“ 13. Auch wieder ein aufschlußreicher Hinweis von Lenin zum Verfall der Sowjetunion.  Es ist an die gigantische Aufbruchleistung ihrer Klassenbrüder zu erinnern und es ist erkennbar, dass es einen Ausweg aus der kapitalistischen Hölle insofern gibt, als man für seine eigene Sache kämpfen und Opfer bringen muss.“Von allen Produktionsinstrumenten ist die größte Produktivkraft die revolutionäre Klasse selbst“. 14. Die harte Überwindung der kleinbürgerlichen Egoität, der Kampf gegen die alten Gewohnheiten ist ein langwieriger, Jahrzehnte dauernder Kampf, die Früchte der Revolution werden eventuell auch erst von unseren Enkeln geerntet. Das war ein Kurzschluß vieler 68er, die Revolutionsfrüchte hier und jetzt ernten zu wollen, am ungeduldigsten waren wohl hier die Bendit Brüder. 15.

Lenin kritisiert die bolschewistische Presse, dass sie es nicht richtig verstehe, die Bedeutung der Subbotniks herauszustreichen. Es gilt, nicht nur über  den Heldenmut der roten Truppen  gegen die von Koltschak und Denikin zu berichten, die in ihrem Kampf gegen die Konterrevolution Wunder an Tapferkeit und Ausdauer vollbringen, sondern nicht „weniger Beachtung verdient das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Von geradezu gigantischer Bedeutung ist es in dieser Hinsicht, daß die Arbeiter aus eigener Initiative kommunistische Subbotniks veranstalten.“16. Ohne eisernste Disziplin der Mitglieder der KP, die als Vorbild dienen müssen,  und der Werktätigen kann der Sozialismus nicht aufgebaut werden, und gerade die Subbotniks, das unentgeltliche Arbeiten für das allgemeine Wohl, sind ein Sieg über die eigene Trägheit und den kleinbürgerlichen Egoismus, „über diese Gewohnheiten, die der fluchbeladene Kapitalismus dem Arbeiter und Bauern als Erbe hinterlassen hat. Erst wenn dieser Sieg verankert sein wird, dann und nur dann wird die neue gesellschaftliche Disziplin, die sozialistische Disziplin geschaffen sein, dann und nur dann wird eine Rückkehr zum Kapitalismus unmöglich, wird der Kommunismus wirklich unbesiegbar werden.“ 17. Hier gibt es nicht nur einen bemerkenswerten Fingerzeig für den Niedergang der Sowjetunion, man begreift sofort, dass zwischen den perversen Bankern, die in der heutigen kapitalistischen Welt  die von den Völkern erwirtschafteten Millionen als Boni einstecken und den heldenhaften, oft an Unterernährung leidenden  Subbotnikarbeitern im beginnenden Sozialismus Lichtjahre liegen. Man kommt nicht umhin, diese Banker als perversen Dreck zu bezeichnen, der sich eines Tages vor Revolutionstribunalen zu verantworten haben wird. Oft beginnt das große Kapital mit der kleinbürgerlichen Gesinnung, ich reiße an mich, was ich kann, alles andere ist mir schnuppe. Der Kommunismus beginnt gerade dann, wenn die Menschen die Notwendigkeit erkannt haben, zum Nutzen der Allgemeinheit zu arbeiten. Dieser Heroismus der Subbotnikarbeiter kam vielleicht sogar für Lenin überraschend, denn in dem vor der Oktoberrevolution verfassten Werk „Staat und Revolution“ führte er aus, dass man in Utopie verfalle, wenn man annimmt, „daß die Menschen sofort nach dem Sturz des Kapitalismus lernen werden, ohne alle Rechtsnorm für die Allgemeinheit zu arbeiten…“ 18. Daher das Wort Heroismus.

Ausführlich baut Lenin in seinem Aufsatz Artikel aus der Prawda ein, die von Teilnehmern an den Subbotniks geschrieben wurden, aufschlußreiche Erlebnisberichte aus erster Hand. Von dieser Arbeit auf revolutionäre Art berichten die Korrespondenten, dass bei der unentgeltlichen Samstagsarbeit eine wesentlich höhere Arbeitsintensität vorlag als an den wöchentlichen Werktagen. So wurde bei der Moskau Kasaner Eisenbahn  die Verladung um 270 % erhöht und bei der Alexanderbahn waren es die Dreher, die die Intensität auf 213 % steigerten. „2o ungelernte Arbeiter sammelten in 4 Stunden 600 Pud Altmaterial und 70 Waggonfedern von je 3 1/2 Pud, insgesamt 850 Pud. Produktivität im Vergleich mit der üblichen 300 %. “ 19. Bei der Eisenbahn in Twer erbrachte die Arbeitsintensität das Dreizehnfache der üblichen Produktivität. Durch diese Subbotniks bewahrheiteten sich die Worte von Marx und Engels aus dem Kommunistischen Manifest: „In der bürgerlichen Gesellschaft ist die lebendige Arbeit nur ein Mittel, die aufgehäufte Arbeit zu vermehren. In der kommunistischen Gesellschaft ist die aufgehäufte Arbeit nur ein Mittel, um den Lebensprozeß der Arbeiter zu erweitern, zu bereichern, zu befördern. In der bürgerlichen Gesellschaft herrscht also die Vergangenheit über die Gegenwart, in der kommunistischen die Gegenwart über die Vergangenheit. In der bürgerlichen Gesellschaft ist das Kapital selbständig und persönlich, während das tätige Individuum unselbständig und unpersönlich ist.“ 20. Freie Arbeit, von der Last der Vergangenheit befreit, bereichert den Lebensprozess der Schaffenden und daher wird es eine höhere Arbeitsproduktivität im Kommunismus geben. Denn ohne die Perspektive, dass der eigene Lebensprozess befördert wird, leistet kein vernünftiger Mensch zusätzliche Arbeit.

An den Subbotniks nahmen nicht nur Kommunisten teil, an der Moskau Kasaner Eisenbahn waren es zehn Prozent, viele Sympathisanten und auch ungelernte Arbeiter unterstützten sie. Unentgeltlich wurde in der Regel sechs Stunden gearbeitet und man wollte Subbotniks veranstalten bis zum Sieg über Koltschak und Denikin. 21. Im Vordergrund stand die kollektive Arbeitsweise. Genosse A. Sh. schrieb in seinem Prawda Artikel , daß durch die Subbotniks „…der Glaube an die Unerschütterlichkeit des Sieges der Arbeiterklasse“  22. noch fester wurde. Im Dorf halfen die Kommunistischen Zellen den Familien der Rotarmisten unentgeltlich bei der Feldbestellung. Diese Subbotniks brachten der sozialistischen Bewegung den Bauern näher. 23. Abseits von den freiwilligen Arbeitseinsätzen hielt sich die bürgerliche Intelligenz, auf Grund ihrer volksfeindlichen Einstellung unterstützte sie nicht nur die russischen, sondern auch die ausländischen Kapitalisten. Das ist eine grundsätzliche Lehre, „… die Mehrheit der Intelligenz fühlt sich zur Bourgeoisie hingezogen. Nicht mit Hilfe der Intelligenz, sondern trotz ihres Gegenwirkens  (wenigstens in den meisten Fällen) wird das Proletariat siegen. 24. Die Subbotniks veranlassten Lenin über eine Säuberung der Partei nachzudenken. Nach dem Oktobersieg sind unvermeidlich Abenteurer und überaus schädliche Elemente in die regierende Partei eingedrungen. Alle Mitglieder, die nach dem 25. Oktober 1917 eingetreten sind, müssen überprüft werden, ob sie Arbeit auf revolutionäre Art geleistet haben und Neuaufnahmen in die Partei kann nur denjenigen gewährt werden, die Arbeit auf revolutionäre Art vorzuweisen haben.25.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass, wie gering auch die Zahl der Subbotniks war im Vergleich zu den kleinbürgerlichen Gaunereien und Sabotageakten gegen den Aufbau des Sozialismus, dass sie eine weltgeschichtliche Bedeutung haben, ähnlich wie später die Stachanowbewegung. Die Subbotniks hatten sicherlich auch eine positive Bedeutung für den Aufschwung im sozialistischen Wirtschaftssektor, so daß Stalin 1936 anläßlich der Einführung einer neuen Verfassung verkünden konnte, daß der Produktionsumfang der Industrie den der Vorkriegszeit um das siebenfache übertroffen habe. 26. „Subbotniks, Arbeitsarmeen, Arbeitsdienstpflicht – das sind verschiedene Formen, in denen die sozialistische und kommunistische Arbeit praktisch verwirklicht wird.“ 27. Bereits 1848 lautete eine Forderung im Kommunistischen Manifest: „Gleicher Arbeitszwang für alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau.“ 28.

Die dem kapitalistischen Ausbeutungsprozess Unterworfenen wissen aus alltäglicher Erfahrung nur zu gut, mit welchem Widerwillen die unfreie, fremdbestimmte  Arbeit aufgenommen wird und mit welcher Häufigkeit der Blick zur Uhr zunimmt, je mehr sich der Feierabend nähert. Es ist millionenfache Arbeit, in der der Mensch sich nicht verwirklichen kann. Extraprofite erlauben es den kapitalistischen Herrenmenschen, eine kleine Schicht von Arbeiteraristokraten heranzuzüchten, die direkt an der Aussaugung der Arbeitskraft ihrer „Kollegen“ beteiligt sind. Spaltung der Arbeiterklasse durch materielle Anreize, Überstunden, ungleicher Lohn für Frauen und Männer, Verstümmelungen und Verletzungen durch Profitgier, Konsumverblendung, dazu eine „Kulturindustrie“ , die die Lohnsklaverei betäuben soll, Alkoholismus….die Liste der unmenschlichen Arbeit im Kapitalismus wäre lang. Kurz: sie ist das Gegenteil der freien Arbeit der Subbotniks. Und gerade dieser Kapitalismus wird von seinen Ideologen als eine natürliche, dem Menschen und seiner Natur gemäße Produktionsweise „wissenschaftlich“ dargestellt. Aber schon allein aus der von mir angegeben Liste wird nur allzu deutlich, daß es dem Proletariat nicht um eine partielle Verbesserung seiner Lage gehen kann, dass Reformen nur mildern, aber das Problem der entfremdeten Arbeit im Kern nicht lösen können. Es kann sich nur durch die revolutionäre Umgestaltung der gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse aufrichten. Es ist dazu notwendig die gemeinsame kollektive Aktion durch seine Vereinigung. Die Subbotniks waren und sind auch insofern von zentraler Bedeutung, dass durch sie die Macht der Gewohnheit, die jahrhundertelang den Werktätigen eingebleut worden sind, gebrochen werden. Denn dieser Kampf gegen die Macht der Gewohnheit sei der schwerste aller Kämpfe und diese werden Jahrzehnte dauern. 29. Insofern blickt durch die Subbotniks auch der „Neue Mensch“.

1. Die erste für die Öffentlichkeit bestimmte Darlegung des historischen Materialismus ist von Marx gegen Proudhon in französischer Sprache abgefasst und erschien 1847 als Buch in Brüssel und Paris. Erst 1885 wurde sie von Eduard Bernstein und Karl Kautsky ins Deutsche übersetzt und von Engels mit einem Vorwort und Noten versehen.

2. Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,297

3.Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin,1970,301

4. Siehe: Stephan Finsterbusch: Chinas neue Klasse, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. März 2011, Seite 12. Legt man die Subbotniks als unentgeltliche freiwillige Arbeit ohne Norm  und unentgeltlich zum Nutzen des allgemeinen Wohls zu Grunde, in denen Lenin die ersten Keime des Kommunismus entdeckte, dass sich also nur die Subbotniks als kommunistisch bezeichnen dürfen, so ist es erschreckend zu sehen, was sich heute in China alles kommunistisch nennt, die Bauunternehmerin Zhang Xin, die in Sussex und Cambridge studierte, dort wohl offensichtlich die Kapitalakkumulation erlernte und heute die zehntreichste Frau der Welt ist, hat eine Villensiedlung „Kommune an der Großen Mauer“ genannt. Rupert Hoogewerf listet in seinem Reichen Ranking achthunderttausend Dollar Millionäre und zweihundert Milliardäre auf. Chinas oberste Tausend besitzen ein Vermögen von umgerechnet sechs hundert Milliarden Dollar, der Durchschnittsverdienst eines Arbeiters ist  gerade mal fünf hundert Dollar im Monat.

5. Lenin, Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion, in: Marx Engels Marxismus Grundsätzliches aus Schriften und Reden, Dietz Verlag Berlin, 1967, 261f. Aufschlußreich für das Klassenbewußtsein der Arbeiterbewegung am Anfang ihrer Bewegung  ist auch eine Beschwerde der Pariser Arbeiter, die an der Kirche Saint Geneviève während der französischen Revolution arbeiteten, an Jean Paul Marat, der Beschwerden von Arbeitern in seiner Zeitung „Ami du Peuple“ abdruckte: Sie sprechen von Mißhandlungen durch Vorgesetzte, während unsere Blutsauger prachtvolle Häuser bewohnen und auserlesene Weine trinken. „Bei all dem Überfluß und all den Freuden vergessen sie unsere Armut und weigern sich häufig, die Familie eines mittags verunglückten oder ums Leben gekommenen Arbeiters den Lohn für den Vormittag zu bezahlen.“ (Jean Paul Marat, Die Namen der Blutsauger sind bekannt, in: Ami du Peuple Nummer 487 vom 12. Juni 1791, in: Jean Paul Marat, Ich bin das Auge des Volkes, Ein Portrait in Reden und Schriften, Herausgegeben von Aglaia I. Hartig, Wagenbach Verlag Berlin 1987,147f.)

6. „Dennoch hat unsere Wirtschaftsordnung noch nichts Kommunistisches an sich. Das „Kommunistische“ beginnt erst dort, wo die Subbotniks aufkommen, das heißt, wo im großem Ausmaß unentgeltliche, von keiner Behörde, von keinem Staat genormte Arbeit von einzelnen zum Nutzen der Gesellschaft geleistet wird…Wenn es in der heutigen Ordnung Rußlands etwas Kommunistisches gibt, so sind dies einzig und allein die Subbotniks…“ (Lenin, Referat über die Subbotniks auf der Moskauer Stadtkonferenz der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) am 20. Dezember 1919, Dietz Verlag Berlin, 1961, 276)

7. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971, 536. Ich mache zu diesem Artikel Lenins eine kleine Anmerkung: Lenin verweist auf einen japanischen Wissenschaftler, der im Kampf gegen die Syphilis erst im 606. Versuch das Mittel gegen diese heimtückische Krankheit fand und dass die Kommunisten im Kampf gegen den Kapitalismus noch mehr Versuche werden machen müssen, um ihn in die Knie zu zwingen. Es handelt sich aber nicht um einen japanischen Wissenschaftler, sondern um den deutschen Mediziner und Nobelpreisträger Paul Ehrlich.

8. Lenin, Zwei Jahre Sowjetmacht, Lenin Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,116. Und auf der VIII. Gesamtrussischen Konferenz der KPR (B) , die vom zweiten bis vierten Dezember 1919 stattfand, führte Lenin aus: „Kommunismus aber ist, streng genommen, zum Nutzen der Gesellschaft geleistete unentgeltliche Arbeit, die keine individuellen Unterschiede macht, jede Erinnerung an althergebrachte Vorurteile auslöscht, mit Trägheit und alten Gewohnheiten bricht, Unterschiede zwischen den einzelnen Arbeitszweigen, den Unterschied in der Höhe der Entlohnung beseitigt und dgl. Das ist eine der stärksten Garantien dafür, daß wir die Arbeiterklasse und die Werktätigen nicht nur in die Sphäre der militärischen Arbeit, sondern auch in den friedlichen Aufbau mit einbeziehen. Die weitere Entwicklung der Subbotniks muß eine Schule sein“. (Lenin, VIII. Gesamtrussische Konferenz der KPR (B), Lenin Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961, 173). Wenn Lenin betont, Kommunismus ist unentgeltliche, zum Nutzen der Gesellschaft geleistete Arbeit, so schließt sich in gewisser Weise ein Kreis zur ersten ökonomischen Schrift des Marxismus: „Produziert mit Bewußtsein, als Menschen, nicht als zersplitterte Atome ohne Gattungsbewußtsein.“ (Friedrich Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,515).

9. Diese Subbotniks hoben nicht nur die Autorität der Kommunistischen Partei, sondern auch die Achtung der parteilosen Arbeiter vor dem Kommunismus. Deutlich wurde, „daß den Mitgliedern der herrschenden Kommunistischen Partei Pflichten auferlegt sind und die Kommunisten neue Mitglieder in die Partei nicht dazu aufnehmen, damit diese in den Genuß von Vorteilen gelangen, die mit der Stellung einer Regierungspartei verbunden sind“. (Lenin, Rede auf dem I. Kongress der landwirtschaftlichen Kommunen und Artels, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,189). Die Parteimitglieder mussten entweder an die Front oder Arbeitsdienst in den Subbotniks verrichten, eine Teilnahmeverweigerung zog den Parteiausschluß nach sich. Die Subbotniks waren so das Schibboleth, an dem sich die wahren und falschen Freunde des Kommunismus schieden.

10.Vergleiche Lenin,Von der Zerstörung einer jahrhundertealten Ordnung zur Schaffung einer neuen, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,510

11. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,526

12. a.a.O.,529

13. Lenin, Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,315

14. Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,311

15. Eine der wohl merkwürdigsten Stellen im Gesamtwerk des Atheisten Lenin ist gerade dort zu finden, wo Lenin von der Unmöglichkeit spricht, den Sozialismus sofort einzuführen: „…gebe Gott, daß unsere Kinder, vielleicht aber auch erst unsere Enkel die Errichtung des Sozialismus bei uns erleben.“ (Lenin, Rede auf dem ersten Kogress der landwirtschaftlichen Kommunen und Artels, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,189)

16. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,522

17. a.a.O.

18. Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin,1960,481

18. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“ in: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau,1971,526

19. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984,39f.

20. In dem am 9. Juli 1919 in der Iswestija ZK RKP (b) Nachrichten des ZK der KPR (B) veröffentlichten Artikel „Alle zum Kampf gegen Denikin“ ruft Lenin alle Kommunisten und aufgeklärten Arbeiter und Bauern zur Arbeit auf revolutionäre Art auf. Arbeit auf revolutionäre Art ist nur ein anderer Ausdruck für den Subbotnik. Ein Schwerpunkt bei diesen lag auf dem Gebiet der Brennstoffgewinnung.

21. Lenin, Die Grosse Initiative, Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971,525

22. Mit den Subbotniks begonnen hatten die Eisenbahner der Strecke Moskau Kasan am 12. April 1919, als kleine einzelne Erscheinung und die Genossen, die sich mit dem Gewerkschaftsaufbau und dem Kommissariat für Arbeit befassten, waren skeptisch. Doch sie behielten Unrecht, die Subbotnikbewegung breitete sich aus und gewann gewaltige Bedeutung, hatte sich bald in jeder größeren Industriestadt eingebürgert, besonders stark in Petrograd, und breitete sich auch in den Provinzen aus. Redakteure und Mitarbeiter der Moskauer Zeitungen und der Telegrafenagentur ROSTA gaben eine Sonderzeitung, die „Kommunistitscheski Subbotnik“ heraus. Lenin verlangte eine allseitige Unterstützung der Subbotniks , da sie von „kolossalem Wert“ (Lenin, Referat über die Subbotniks auf der Moskauer Stadtkonferenz der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki)  gehalten am zwanzigsten Dezember 1919, Dietz Verlag Berlin, 1961,278) sind.  Die Sowjets werden auch als Orientierung  für die Kommunisten hingestellt, die auf dem Lande den Aufbau von Kommunen und Artels in Angriff genommen haben. (Siehe: Lenin, Rede auf dem I. Kongress der landwirtschaftlichen Kommunen und Artels am vierten Dezember 1919, Lenin Werke Band 30,189). Fand der erste Subbotnik am 12. April 1919 statt, so konnte zum 1. Mai 1920 schon ein Gesamtrussischer Subbotnik veranstaltet werden. Jahrzehnte werden nötig sein, um mit den alten Gewohnheiten der Trägheit und Sitten des Privateigentums zu brechen: Jeder für sich, Gott für uns alle. Diese Formel, so Lenin, muss ersetzt werden durch die gut sozialistische: Alle für einen, einer für alle. Und diese muss in das Bewußtsein der Massen dringen. (Lenin, Vom ersten Subbotnik an der Moskau-Kasaner Eisenbahn zum Gesamtrussischen Subbotnik am 1. Mai 1920, Werke Band 31,112 f.) In einer Rede auf einer Kundgebung am gleichen Tag anlässlich der Grundsteinlegung eines Denkmals  der befreiten Arbeit weist Lenin ebenfalls auf die Bedeutung der Sowjets hin. (Lenin, Rede auf einer Kundgebung anlässlich der Grundsteinlegung eines Denkmals der befreiten Arbeit 1. Mai 1920, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin 1959,114). Nicht unerwähnt bleiben darf seine Ausführung in der Rede auf dem III. Gesamtrussischen Kongress des Kommunistischen Jugendverbandes über die Aufgabe der Jugendverbände, dass die jungen Menschen an den Subbotniks teilnehmen sollen, zum Beispiel Gemüsgärten an den Stadträndern zu hegen und zu pflegen. (Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin 1959,288).

23. Lenin, Die Grosse Initiative. Über das Heldentum der Arbeiter im Hinterland. Aus Anlass der „Kommunistischen Subbotniks“, in: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau,534

24. In der französischen Revolution hatte Marat für das Projekt seiner patriotischen Gesellschaft „Rächer des Gesetzes“ ebenfalls strikte Aufnahmebedingungen erlassen: den Nachweis von Einsicht und Bürgersinn. Alle sich revolutionär nennenden Organisationen taugen nichts, in denen man Mitglied per Antrag werden kann.

25. Stalin, Die Bildung der Verfassungskommission und ihre Aufgaben, in: Die Stalin Verfassung, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1950,14

26. Lenin, Von der Zerstörung einer jahrhundertealten Ordnung zur Schaffung einer neuen, Lenin Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,510

27. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984,50

28. Vergleiche Lenin, Vom ersten Subbotnik an der Moskau Kasaner Eisenbahn zum Gesamtrussischen Subbotnik am 1. Mai,  Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1959, 112

Heinz Ahlreip, 20. März 2011

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