ZUM 193. Geburtstag von Karl Marx Marxismus und Idealismus

von Heinz Ahlreip, am 5. Mai 2011

Marx begann seine wissenschaftliche Entwicklung keineswegs als Materialist, sondern war als Jüngling und auch noch zu der Zeit, in der er seine Dissertation schrieb (1841) von seiner philosophischen Grundposition her zunächst Idealist, momentan auch Feuerbachianer 1. , dann auch Naturalist (zur Zeit der Ökonomisch Philosophischen Manuskripte 1844).  2.  Erst allmählich, in einem weltphilosophisch und weltgeschichtlich einzigartig glanzvollen Reifeprozess, der mit praktisch revolutionärer Tätigkeit verbunden war, gestaltete er zusammen mit Friedrich Engels in kritischer Auseinandersetzung mit führenden Köpfen der Linkshegelianer und Feuerbach gerade auf Grund dieser Tätigkeit seine wissenschaftliche Methode und seine wissenschaftliche Weltanschauung heraus: den dialektischen und historischen Materialismus.

Dass die Linkshegelianer sich aus einer idealistischen Befangenheit nicht gelöst hatten, wird zum Beispiel deutlich in der Charakterisierung des französischen Materialismus durch Bruno Bauer im „Entdeckten Christentum“: „Sie (die französischen Materialisten) haben noch nicht sehn können, daß die Bewegung des Universums erst als die Bewegung des Selbstbewußtseins wirklich für sich geworden und zur Einheit mit ihr selbst zusammengegangen ist“ 3. Die deutsche geistige Evolution lag im Vergleich mit Frankreich eben um ungefähr ein Jahrhundert zurück. Aber die Linkshegelianer waren vor der 48er Revolution gezwungen, sich in ihrem Kampf gegen die positive Religion mehr und mehr auf den englischen und  französischen Materialismus zu berufen und zur Entlarvung der Religion und des Aberglaubens taugte diese Philosophie, hatte also einen rein bürgerlichen aufklärerischen Sinn – mehr nicht.

Marx sah im Philosophieren Hegels eine schwere Verkehrung: Die wirkliche Welt war für den Philosophen, „also selbst eine abstrakte Gestalt des entfremdeten Menschen“ 4.,ein Fremdgewordensein der Philosophie, dessen Wirklichkeitsanmaßung ihr gegenüber überwunden werden mußte.  Die Philosophie hat diese Aufgabe erfüllt, wenn sie den Nachweis geführt hat, dass das Endliche ideell ist. Der Satz, dass das Endliche ideell ist, macht für Hegel den Idealismus aus. Kehrt Hegel mit der aufgehobenen wirklichen Welt immer in seine Philosophie zurück, so liegt daher in ihr eine totale Vergeistigung der Welt vor. „Wie also das Wesen, der Gegenstand als Gedankenwesen, so ist das Subjekt immer Bewußtsein oder Selbstbewußtsein, oder vielmehr der Gegenstand erscheint nur als abstraktes Bewußtsein, der Mensch nur als Selbstbewußtsein…“ 5. Die Schwäche Hegels besteht  folgerichtig darin, nicht den Übergang der Materie zur Empfindung und von dieser zum  Bewußtsein zu begreifen. Er  kennt und anerkennt nur die abstrakt geistige Arbeit, das Fremdsein in der Welt wird im absoluten Wissen überwunden, in ihm ist nichts mehr fremd. Erst Feuerbach, einem abgefallenen Hegelianer, war es laut Marx gelungen, wirklich über den Idealismus Hegels hinauszukommen, ja in den Ökonomisch Philosophischen Manuskripten sah er ihn sogar als Gründer des wahren Materialismus und der reellen Wissenschaft an, der das Verhältnis des Menschen zum Menschen zum Grundprinzip der Theorie gemacht habe. Feuerbach vertrat die Auffassung, daß eine Philosophie, deren Gehalt die ständige Auflösung des Endlichen sei, die Geschäfte der Theologie betreibe. Philosophiegeschichtlich lag eine merkwürdige und einzigartige Situation vor: obwohl Feuerbach die Grundfrage der Philosophie, das Verhältnis von Denken und Sein, richtig gelöst hatte, daß  Philosophie vom durch sich selbst bestehenden Endlichen ausgehe, gingen gewisse fruchtbare Keimlinge dialektischen Denkens in dieser Saat nicht auf, umgekehrt hatte Hegel die Grundfrage der Philosophie zwar falsch gelöst, daß Philosophie  das Endliche ständig aufhebe, gleichwohl die Dialektik in seinem denkenden Gehirn einerseits richtig widergespiegelt, andererseits idealistisch.  Hegelianer schlußfolgern natürlich von der richtigen Methode auf die totale Stimmigkeit desHegelschen Denkens, die Lösung der Grundfrage inclusive.Der dialektische Materialismus von Marx ergab sich, wenn man es geistesgeschichtlich betrachtet,  als eine Art Synthese aus der materialistisch umgestülpten Hegelschen Dialektik und der Kritik an dem anschauenden Materialismus Feuerbachs. Das Verlockende an dieser Darstellung ist, dass sie das Walten der Dialektik Hegels post mortem in der Realgeschichte zu bestätigen scheint, indeß sind die wahren Triebkräfte dialektischer Entwicklung nicht an der geistesgeschichtlichen Oberfläche als bestimmende einfach hinzunehmen: realgeschichtlich hatte die Große Industrie die Klassenverhältnisse durch die Polarisation von wenigen Kapitalisten und der Masse der Proletarier soweit vereinfacht, dass die Geschichtsdialektik als Geschichte von Klassenkämpfen widergespiegelt werden konnte. 6. Und das taten vor Marx schon französische Historiker der Restaurationszeit (Thierry, Guizot, Mignet, Thiers u.a.). Feuerbach hatte von diesen Klassenkämpfen noch keinen Begriff, zumal er nur ein halber Materialist war,  auf dem Gebiet der Religionsphilosophie und der Ethik dachte er weiterhin idealistisch. In seinem armseligen Verhältnis des Menschen zum Menschen lag noch seine spezifische Abstraktion 7., er kam über das Liebesverhältnis zwischen zwei Menschen nicht hinaus. Ja die Liebe, ja die Liebe…und doch litt die Feuerbachsche Philosophie an dieser anthropologischen Impotenz und aus dieser konnte man keinen historischen Materialismus begründen, man mußte das wechselseitige konkrete Handeln der Individuen und der Klassen als historische Handlungen untersuchen. Diese Untersuchungen begann Marx 1845 in der „Heiligen Familie“ und so stellte Feuerbach, der ein wirklich kritisches Verhältnis zur Hegelschen Dialektik hatte,  in gewisser Weise ein „Mittelglied“ zwischen Hegel und Marx/Engels  dar. 8. War für Hegel der Mensch nur als Selbstbewußtsein, so war er für Feuerbach zwar ein sinnliches Wesen, aber ein einzelnes,  er begriff es nicht als „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“ 9. Die Sinnlichkeit wurde nur angeschaut, aber nicht als praktische und historische Tätigkeit begriffen. Feuerbach schaute die Wirklichkeit nur theoretisch an, verharrte aber als Philosoph (die Philosophie blieb für ihn immer „ein unantastbar Heiliges“ 10., hatte doch der Übervater Hegel als wahren Menschen nur den Philosophen gesehen ), spezifiziert als anschauender Materialist, ohne den Durchbruch zum praktisch tätigen, die bürgerliche Gesellschaft umwälzenden Revolutionär zu schaffen. Als Theoretiker weist Feuerbach zum Beispiel richtig nach, daß die heilige Familie religiöser Reflex der irdischen ist, verharrt aber letztendlich als atheistischer Religionsphilosoph philosophierend, ohne den Durchbruch zu schaffen, die irdische Familie auf revolutionären Wege zu vernichten. 11.  Feuerbach setzt ein abstrakt isoliertes menschliches Individuum voraus und damit auch ein abstrakt historisches, ohne dessen gesellschaftliche Bedingtheit und Komplexität, dessen Gebundensein an eine bestimmte historische Gesellschaftsform und Epoche zu sehen. „Das Höchste, wozu der anschauende Materialismus es bringt, das heißt der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen in der „bürgerlichen Gesellschaft“. 12. Der Mensch begriffen als Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse eröffnet dagegen die Dimension zum historischen Materialismus: durch das wechselseitige historische und gesellschaftliche Handeln der Individuen kristallisiert sich widerspiegelnd die soziale Evolution als naturgeschichtlicher Prozess sich ablösender ökonomischer Gesellschaftsformationen heraus, in denen die Individuen durch ihre Stellung zu den Produktionsmitteln Klassen bilden, so dass auf diesen Produktionsgrundlagen die Geschichte als eine Abfolge von Klassenkämpfen widergespiegelt werden kann. Und nicht nur mit dieser Erkenntnis ging Marx tatsächlich über seine französischen Vorläufer der Klassenkampftheorie hinaus, sondern auch darin, dass der Klassenkampf des Proletariats zu dessen Diktatur führen muß, die den Übergang zur klassenlosen Gesellschaft bildet. 13. Und diese Vorwärtsbewegung verdankt sich drei durch Marx kritisch weiterentwickelter  Quellen: neben der klassischen deutschen Philosophie (mit Feuerbach als Mittelglied) dem französischen Sozialismus und der englischen politischen Ökonomie.

Die Entwicklungslinie ging also über das hegelsche rein geistige Selbstbewußtsein und das der Junghegelianer, der Anschauung der einzelnen Individuen Feuerbachs zum weltweiten Klassenkampf großer Volksmassen. Marx und Engels halten es für möglich, die letzten Triebkräfte der Geschichte zu ermitteln, es sind dies „diejenigen, welche große Massen, ganze Völker und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen in Bewegung setzen.“ 14. Die Losung „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch !“ ergab sich wie eine reife Frucht. Diese Vereinigung vollzieht sich aber nur und gelingt nur in einem letzten Gefecht, in einem Bürgerkrieg gegen die Kapitalisten, die Lohnarbeiter ausbeuten. Die Kritik, die Marx sowohl gegen Hegel als auch gegen Feuerbach richtet, kann nicht stark genug akzentuiert werden, im Nachwort zur zweiten Auflage des Kapitals ist die direkte Entgegensetzung seiner Methode gegen die Hegels ganz eindeutig ausgesprochen. 15. In seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten hatte Marx die hegelsche Dialektik als Mutter bezeichnet, die sie ja auch für die Linkshegelianer zweifelsfrei war. Das ist auch allgemein bekannt, der Marx´sche Muttermord scheint gerade von fachphilosophischen Koryphäen weitgehend tabuisiert worden zu sein. Sie wissen, was sie an ihrem Hegel haben und bleiben befangen. Man muß die Unbefangenheit Lenins haben, der die Reinigung der hegelschen Logik von der IDEENMYSTIK (kursiv von Lenin) forderte. 16. Viele Konfusionen ließen sich vermeiden, wenn man diese fundamentale Diskrepanz zwischen Hegel und Marx streng beachten würde. Die Zahl der Versuche, dieses Verhältnis zu verwässern,um das Schiff der proletarischen Revolution bewußt oder unbewußt vom Kurs abzubringen, ist ja schon Legende. Engels bezeichnete die materialistische Methode als „unser bestes Arbeitsmittel und unsere schärfste Waffe“ 17. Lenin entwickelte diese Methode weiter, insbesondere auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Engels hatte bereits eine Naturphilosophie als obsolet nachgewiesen. 18. Fußend auf den Schriften von Engels über Ludwig Feuerbach und über Dialektik und Natur erarbeitete Lenin im Materialismus und Empiriokritizismus eine höhere Stufe des dialektischen Materialismus. (Die Oktoberrevolution vertiefte die Frage der Bündnispolitik für die Arbeiterklasse und Lenin hielt das Bündnis mit Vertretern der modernen Naturwissenschaft für wichtiger als das mit den konsequenten Materialisten. 19.)

Es liegt sehr viel im Wort „nüchtern“ 20. Beim Studium der Gesellschaft und der Geschichte kommt es darauf an, sich streng an die Tatsachen zu halten, den wirklichen Entwicklungsprozess zu beobachten, zu studieren und zu erforschen, den wirklichen historischen Prozess richtig und exakt darzustellen, nicht nur das Bestehende positiv verstehen, sondern auch seine notwendige Entwicklung. Aufschlußreich ist diesbezüglich die Kritik von Friedrich Engels an Hegels Darstellung der griechischen Geschichte: „Statt die Geschichte des alten Griechenlands aus ihrem eigenen inneren  Zusammenhang zu erklären, behauptet Hegel zum Beispiel einfach, sie sei weiter nichts als die „Herausarbeitung der „Gestaltungen der schönen Individualität“, die Realisation  des „Kunstwerks“ als solches. Er sagt viel Tiefes und Schönes bei dieser Gelegenheit über die alten Griechen, aber das hindert nicht, daß wir uns heute nicht mehr abspeisen lassen mit einer solchen Erklärung, die eine bloße Redensart ist.“ 21. Erklärt man die Geschichte aus ihrem eigenen Zusammenhang, so ergibt sich, dass während dieser Untersuchung auftauchende dialektische Gesetze eben in der Natur der Sache selbst liegen, in dieser gilt es sie herauszuarbeiten und darzustellen, nicht aber a priori etwas mit Hilfe der Dialektik konstruieren oder beweisen zu wollen.

Eine solche Herangehensweise unterstellte zum Beispiel Professor Eugen Dühring Karl Marx in seinen Ausführungen über die sogenannte ursprüngliche Kapitalaccumulation in England. Dass die Enteignung der kapitalistischen Enteigner eine Negation der Negation darstellt, ergibt sich aus der Immanenz des Prozesses selbst. Den gleichen Vorwurf, Dialektik von außen an den Geschichtsprozess heranzutragen, wiederholte der „Volksfreund“ Michailowski gegen den Marxismus und wurde von Lenin 1894 in seiner Schrift: „Was sind die „Volksfreunde“ und wie kämpfen sie gegen die Sozialdemokraten ?“  glänzend widerlegt. 22. Sehr unsauber, um nicht zu sagen, ausgesprochen schmutzig arbeitete 1916 der russische Philosoph Deborin an dem Verhältnis Marxismus und Idealismus herum. „Der Marxismus ist somit ein notwendiges Moment im Entwicklungsprozess der deutschen klassischen Philosophie. Noch mehr: er ist die logische Vollendung der letzteren. Und wer diese Verbindung zwischen dem Marxismus und dem Hegelianertum nicht begriffen hat, der hat weder von dem einen noch vom anderen irgendetwas verstanden.“ 23. Wobei der Schlußgedanke wirklich erheiternd ist. Wir sollten heiter Abschied vom Idealismus nehmen.

Auch nach der Errichtung der Diktatur des Proletariats verblieb Deborin in Hegelscher Befangenheit: „Der dialektische Materialismus stellt die Synthese der dialektischen Methode Hegels mit der materialistischen Auffassung der Natur und Geschichte dar.“ 24. In den philosophischen Debatten in der Sowjetunion Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre wurde er dann auch als menschewistischer Idealist rubriziert und im Zweifrontenkrieg der sowjetischen Philosophie gegen den mechanischen Materialismus als dem Hauptfeind und dem menschewistischen Idealismus zum Haupt des letzteren. In der Deborin Gruppe herrschte in der Tat Hegelei vor, die in der Dialektik zwischen Revolution und Konterrevolution ab und an Konjunktur zu haben scheint. Ein Schüler Deborins, Karew, konnte es verkehrter nicht ausdrücken: „Die Methode Hegels ist seit den Zeiten Marxens in seinen Besitz übergegangen.“ 25. , hatte doch Engels diese in der Hegelschen Form als unbrauchbar bezeichnet. 26. Leninismus, Mechanismus und Idealismus spiegelten Klassenströmungen in der sowjetischen Gesellschaft wider, sie bedingten sich, zum Beispiel waren die beiden letzteren gegen den Leninismus vereint und und versuchten eine Blockbildung in Baku ( der Halbmechanist Wasseljew und der Deborinist Garberj). Es zeigte sich, daß durch den Hegelianismus der Deboringruppe auch Dank der nur idealistischen Dialektik manche Mängel der Mechanisten (Gruppe Obuch auf dem Gebiet der Medizin) aufgedeckt werden konnten. Hegel schlage jeden Materialismus, nur nicht den dialektischen, pflegte Lenin zu sagen. 27. Ihm schwebte eine Gesellschaft materialistischer Freunde der Hegelschen Dialektik vor. 28.

Eine Unterstellung nimmt Sahra Wagenknecht in ihrer Magisterarbeit „Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch  materialistischen  Wissenschaftsmethode“ vor. In ihr wird dem jungen Marx in seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten eine geschichtsteleologische Deutung der Weltgeschichte bis hin zum Kommunismus unterstellt 29., obwohl Marx ausdrücklich in diesen Manuskripten betont, „…aber der Communismus ist nicht als solcher das Ziel der menschlichen Entwicklung, – die Gestalt der menschlichen Gesellschaft.“ 30. Marx, der 1844 bereits als Revolutionär auftrat 31., sei in den Manuskripten hinter die Weltgeschichtsphilosophie Hegels  zurückgefallen. Hegels Philosophie der Weltgeschichte ist jedoch teleologisch und theologisch ausgerichtet: Weltgeschichte als Gotteswerk, man vergegenwärtige sich nur den Schlußgedanken der  Philosophie der Weltgeschichte: …daß das ,was alle Tage geschehen ist und geschieht, nicht nur nicht ohne Gott, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist. 32.  Der Schlußgedanke der Magisterarbeit von Sahra Wagenknecht  enthält denn auch ein völlig falsches Fazit: „…daß das Methodenkonzept des reifen Marx, (der sich von seiner jugendlich falschen und verwerfenden Hegelkritik emanzipiert habe/ Zusatz von Heinz Ahlreip),  sich wesentlich im Rückgriff auf die spekulative Methode Hegels gründet.“ 33. Das Gegenteil ist der Fall: die Methode des reifen Marx ist der Hegelschen DIREKT eintgegengesetzt. Sahra Wagenknecht ist in die bei dieser Thematik stets ausgelegten Hegelfalle getappt, ohne den wertvollen Hinweis von Lenin beachtet zu haben: „Hegels Logik darf man in ihrer gegebenen Form nicht anwenden; man darf sie nicht als gegeben hinnehmen.“ 34. Denn nicht der junge Marx vertritt ein teleologisches Methodenkonzept, sondern der junge Hegel: „Das Ziel aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des Fortgangs gesteckt; es ist da wo es nicht mehr über sich selbst hinaus zu gehen nötig hat, wo es sich selbst findet und der Begriff dem Gegenstande, der Gegenstande dem Begriff entspricht.“ 35. Alle Ideologiemomente der idealistischen Dialektik sind in diesem Satz Hegels versammelt, insofern in der absoluten Identität der am Anfang des Weltgeistprozesses mit „gesteckte“ Zweck abschlußhaft sich eingeholt hat. Im Gegensatz zur idealistischen Dialektik mit ihren als Quelle von Ideologiegehalten wirkenden Leitmotiven: Identität – Finalismus – Teleologie begreift materialistische Dialektik wissenschaftlich revolutionäre Tätigkeit als ein Kettenglied in der sich nichtlinear und abschlußfrei entwickelnden Materie. Wäre der junge Marx tatsächlich hinter Hegel zurückgefallen, rekurrierte er philosophiegeschichtlich auf unvollkommene Vorformen dialektischen Denkens, die erst in der Hegelschen Logik ihre Vollendung in idealistischer, falsch widergespiegelter Form erhielten. Hätte er auf die spekulative Methode Hegels zurückgegriffen, wäre eine Kritik der politischen Ökonomie entwickelt worden, die das Bestehende, die kapitalistische Misere der Ausbeutung , verklärt hätte. Es kann kein Zufall sein, daß der Eichborn Verlag das letzte Buch von Sahra Wagenknecht „Freiheit statt Kapitalismus“  auf dem Schutzumschlag durch den mit roten Buchstaben gedruckten Satz: Sahra Wagenknecht nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle ! anpreist. 36. Um nun sogleich durch zwei Beispiele die konterrevolutionäre Physiognomie Sahra Wagenknechts aufzuzeigen, so genügt der Hinweis, daß sie sich in diesem Buch für eine steuerfreie Vererbung von einer Millionen Euro als Recht ausspricht 37., während doch für Sozialisten die dritte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest „Abschaffung des Erbrechts.“ obligatorisch ist. 38. So genügt zweitens der Hinweis, dass sie sich zusätzlich für einen „Sozialismus ohne Planwirtschaft“ 39. ausspricht, während doch für Sozialisten die siebente Forderung aus dem Kommunistischen Manifest: „Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinsamen Plan“ 40. obligatorisch ist.  Ich will über Sahra Wagenknecht noch keineswegs den Stab brechen trotz einer Serie von Fehlern, diese müssen nur durchdacht und korrigiert werden. Sollte sie aber weiterhin nach rechts, weg vom Sozialismus, weg von Rosa Luxemburg  abdriften, so wird sie die Arbeiterklasse eines Tages vor die Wahl stellen: entweder das Kommunistische Manifest à la Sahra „zu modernisieren“ oder sie aus der Arbeiterbewegung auszustoßen. In ihrem Buch gibt sie eine politische Einschätzung ihrer Person durch die deutsche Konterrevolution wieder: „Ich weiß, für viele Pseudokonservative und Pseudoliberale bin ich der Gottseibeiuns, die finstere Kommunistin…“ 41. Diese Einschätzung sollte sie sich nicht zu eigen machen, so beurteilen Spießer, die keine Ahnung von Politik, von der Dialektik von Revolution und Konterrevolution haben, denn finster wird Sahra allemal, wenn man sie in das Licht von Marx und Lenin hält. Gegen Sahra Wagenknechts Herabwürdigung des jungen Marx muss vielmehr aufgezeigt werden, daß in die Pariser Manuskripte  Würdigung und Korrektur Hegels gleichermaßen meisterhaft fallen: Die Negation der Negation bestätige für Hegel nur das Scheinwesen „…oder die Verneinung  dieses Scheinwesens als eines gegenständlichen Wesens.“ 42. ganz im Sinne einer idealistischen Ontologie. In der Tat: gibt es einen fundamentaleren Unterschied in der Beantwortung der Grundfrage der Philosophie als den zwischen der Hegelschen Vergöttlichung des Geistes („Das Absolute ist der Geist, diß ist die höchste Definition des Absoluten“) 43. und der Darlegung von Friedrich Engels,daß die Materie mit eiserner Notwendigkeit ihre höchste Blüte, den denkenden Geist, ausrotten wird. 44. Man könnte auch hier sagen, Engels fiele hinter Hegel zurück, aber die sich ewig wandelnde Materie wird den Geist anderswo und in anderer Zeit wieder erzeugen…und so fort. Aber eben diese Unterbrechungen kongruieren nicht mit jeglichem Absolutheitsanspruch.

Kurios wird die Darstellung des Verhältnisses Hegel Marx Lenin bei Slavoj Zizek, der den Gedanken offeriert, Lenin habe Marx nicht wirklich verstanden, „zumindest die hegelianische Komplexität von Marx´ „Kritik der politischen Ökonomie“ entzog sich seinem Verständnis.“ 45. Nun kann Lenin aber nicht verstehen, was bei Marx nicht vorlag. Hegelianische Komplexität ? was immer das auch sein mag ? Seifenblasen ! Liest man Zizeks Büchlein: „Die Revolution steht bevor Dreizehn Versuche über Lenin“ so steigen bei so manchen Seiten ganze Schwärme von Seifenblasen auf.


1. Und zwar war er begeistert von dem Buch „Das Wesen des Christentums“, das der Materialist Ludwig Feuerbach geschrieben hatte. Diesem ausgezeichneten Wissenschaftler wurde in Deutschland ein Lehrstuhl für Philosophie verweigert. In seiner Marx Biografie von 1913 beging Lenin eine kleine Ungenauigkeit, als er schrieb, Engels habe uns mitgeteilt, nicht nur „Das Wesen des Christentums“, auch Feuerbachs „Grundsätze der Philosophie der Zukunft“ hätten Marx begeistert. (Vergleiche Lenin, Karl Marx, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1964,34). In der Tat schrieb Engels aber so lobend nur vom ersten Buch aus dem Jahr 1841. (Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,272). Eine weitere Ungenauigkeit beging Lenin im Nachwort zu seiner Broschüre: „Werden die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten ?“, in dem er eine Textpassage des jungen Friedrich Engels über die Kunst des Aufstandes aus dem Werk „Revolution und Konterrevolution in Deutschland“ Marx zuschrieb.  (Vergleiche: Lenin, Werden die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten ? Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1971,433f.). Zur dritten Ungenauigkeit: 1919 belehrte uns Lenin, daß man zum Beispiel zum Sieg über den Kapitalismus „Hunderte und Tausende neuer Methoden, Verfahren, Kampfmittel“ ausprobieren müsse, um die geeignetsten zu finden, so wie ein japanischer Gelehrter im Kampf gegen die Syphillis 605 Präparate ausprobierte und erst das 606. (Salvarsan) den Durchbruch erbrachte. (Vergleiche Lenin, Die große Initiative, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1971,535). Diese medizinische Glanztat vollbrachte aber kein japanischer Gelehrter, sondern der deutsche Mediziner Paul Ehrlich (1854 – 1915), der 1908 für die Wertbestimmung des Diphtherieserums den Nobelpreis für Medizin erhielt.

2. Sahra Wagenknecht äußert in Ihrer Magisterarbeit 1994 „Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode“, daß die Hegelkritik in den Manuskripten von 1844 gar nicht so materialistisch sei. Man darf nicht übersehen, daß zu diesem Zeitpunkt Marx auf dem Weg zum Materialismus war, in den Ökonomisch Philosophischen Manuskripten heißt es noch: „Wir sehn hier, wie der durchgeführte Naturalismus oder Humanismus sich sowohl von dem Idealismus, als dem Materialismus unterscheidet und zugleich ihre beide vereinigende Wahrheit ist. Wir sehn zugleich, wie nur der Naturalismus fähig ist, den Akt der Weltgeschichte zu begreifen.“ (Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2 Dietz Verlag Berlin, 1982,408). Wir sehen auch zugleich, wie schwer es war, sich aus den von Hegel gesponnenen Fäden zu befreien, der die die Strenge des Begriffes entbehrende Natur in eine begriffslose blinde Mannigfaltigkeit verlaufen ließ. Es überrascht nicht, daß Hegel in der Geschichte der Philosophie in der Philosophie des  Materialisten Epikur wegen des Fehlens der Notwendigkeit des Begriffes alles auseinanderfallen sieht, Epikur, über dessen Naturphilosophie Marx 1841 an der Universität Jena seine Dissertation schrieb. (Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie).

3. Karl Marx, Ökonomisch philosophische Manuskripte, Kritik der Hegelschen Dialektik und Philosophie überhaupt, MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin,1982,399. Marx fährt nach dieser Bauerschen Darlegung fort: „Ausdrücke, die auch nicht einmal in der Sprache einen Unterschied von der hegel´schen Auffassung zeigen, sondern sie vielmehr wörtlich wiederholen.“ (a.a.O.). In den Großen Sowjetenzyklopädien der Stalin Zeit wurde die hegelsche Philosophie zu Recht als eine deutsche aristokratische Reaktion auf die französische bürgerliche Revolution gedeutet.

4. a.a.O.,403

5. a.a.O.,404. Über Hegels Philosophie schrieb Bruno Bauer: „Diese Philosophie will keinen Gott, keine Götter, wie die Heiden; sie will nur Menschen, nur das Selbstbewußtsein, und alles ist ihr eitel Selbstbewußtsein.“ (Bruno Bauer, „Die Posaune des jüngsten Gerichts über Hegel, den Atheisten und Antichristen“ in: Die hegelsche Linke. Dokumente zu Philosophie und Politik im deutschen Vormärz, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1985,274).

6. Die spiegelverkehrte idealistische Erklärung realgeschichtlicher Abläufe aus der Geistesgeschichte heraus erklärt Friedrich Engels auch aus einer  Überbewertung des Gehirns gegenüber der Hand. (Friedrich Engels, Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, in: Marx Engels: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,379)

7. „Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse. Feuerbach…ist daher gezwungen 1. von dem geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren…“ (Karl Marx, Thesen über Feuerbach, Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,6). In einem im März 1843 geschriebenen Brief an Ruge kritisiert Marx Feuerbachs „Vorläufige Thesen zur Reform der Philosophie“ wegen Vernachlässigung der politischen Dimension. „Das ist aber das einzige Bündnis, wodurch die jetzige Philosophie eine Wahrheit werden kann. Doch wirds wohl wie im 16ten Jahrh., wo den Naturenthusiasten eine andere Reihe von Staatsenthusiasten entsprach.“ (MEW 27,417). In einem Brief an Lassalle betont Marx, dass er bereits seine philosophische Dissertation im Jahr 1841 mehr aus politischen denn philosophischen Gründen geschrieben habe.“ (MEW Band 29,547). Der anthropologische Materialismus mit seinen politischen und historischen Defiziten verbaute ein tieferes theoretisches Durchdringen der Klassenkämpfe, als diese sich 1848 zur Revolution zuspitzten, verstand Feuerbach diese nicht. (Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1975)

8. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,263

9. Karl Marx, Thesen über Feuerbach, Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,6

10. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und die klassische deutsche Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1975,291

11. In den Werken von Marx und Engels gibt es bei der Wiedergabe der vierten Feuerbachthese Textabweichungen:  Heißt es in der Einzelausgabe des „Ludwig Feuerbach“ von Friedrich Engels von 1946, daß die irdische Familie praktisch umgewälzt werden muß, (Vergleiche: Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Dietz Verlag Berlin, 1946,55), so heißt es in der Gesamtausgabe Band 3 von 1969, diese müsse praktisch vernichtet werden. (Vergleiche Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,6).

12. Karl Marx, Thesen über Feuerbach, Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,7

13. Vergleiche Karl Marx an Joseph Weydemeyer in New York, in: Karl Marx, Friedrich Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,698

14. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,298

15. „Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr DIREKTES GEGENTEIL (kursiv von Heinz Ahlreip). (Karl Marx, Das Kapital, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1975,27). Bereits Vico sah den Gang der Ideen den der Dinge folgen.

16. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie, Bern 1915, Lenin Werke Band 38,253

17. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975, 293. „Die Herausarbeitung der Methode, die Marx´ Kritik der politischen Ökonomie zugrunde liegt, halten wir für ein Resultat, das an Bedeutung kaum der materialistischen Grundanschauung nachsteht.“  (MEW 13,474). Lenin schärfte dieses Schwert in der imperialistischen Phase des Kapitalismus.

18. Für den dialektischen und historischen Materialismus erübrigen sich eine Natur- und eine GeschichtsphilosophieDer Historiker Friedrich Schiller hatte in seiner akademischen Antrittsrede in Jena noch auf dieses Grundproblem seiner Fachsisziplin hinweisen müssen: wie aus dem Aggregat von Bruchstücken die Herausbildung einer Wissenschaft möglich sei ? „Jetzt also kommt ihr der philosophische Verstand zu Hülfe, und, indem er diese Bruchstücke durch künstliche Bindungsglieder verkettet, erhebt  er das Aggregat zum System, zu einem vernunftmäßig zusammenhängenden Ganzen“. (Friedrich Schiller, Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte ? Eine akademische Antrittsrede, in: Schiller, Universalhistorische Schriften, insel taschenbuch 2548 Erste Auflage 1999, Frankfurt am Main und Leipig,30). In der Tat kann man diese Ausführungen Schillers „klassisch“ nennen, sie geben den Stand der Historie vor dem historischen Materialismus prägnantest wieder.

19. Vergleiche Lenin, Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus, Lenin Werke Band 33, Dietz Verlag Berlin 1962,218

20. „Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984,16. Vergleiche dazu auch: Lenin, Karl Marx, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960,39). Hegel deutete die Weltgeschichte noch als Gotteswerk, ihm saß der Luther noch im Nacken, der alle Deutschen in Mönche verwandelt hatte. Der Protestantismus ist für Hegel politisch eine Art Wunderwaffe, der den Deutschen die Freiheit gebracht hätte unter Vermeidung einer radikalen Revolution wie in Frankreich. Der Weltgeist konstruiert die Geschichte so, daß er sich über Luther hinter dem Lehrstuhl für Philosophie in Berlin plaziert. Und alles im System hat, politisch idealisiert in der damaligen ständischen Monarchie. Die Rechtshegelianer himmelten so etwas an. Und daran hatte Hegel selbst Schuld, denn er erstickte seine „revolutionäre Seite…unter der überwuchernden konservativen“. (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin,1975,268). Diese Gewichtung beachtet zum Beispiel Plechanow nicht immer in seinem durchaus beachtenswerten Aufsatz zum sechzigsten Todestag Hegels aus dem Jahre 1891, in dem er von einem latenten revolutionären Geist Hegels spricht. (G. Plechanow, Zu Hegels Sechszigstem Todestag, in: Die Sowjetphilosophie, Wendigkeit und Bestimmtheit, Dokumente, herausgegeben und eingeleietet von Wilhelm Goerdt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1967,36) Beim Lesen schleicht sich der Eindruck ein, daß auch Plechanow Hegel anhimmle. Immer wieder dieses Abgleiten über  die von Marx und Engels klar gezogene Trennungslinie. Zwischen Materialismus und Idealismus kann es keine Verbrüderung in den Schützengräben geben. Man muß eine mittelalterliche Weltanschauung, die überall Gotteswerk sieht, pausenlos bekämpfen wie zum Beispiel Genosse Lenin es tat, er scheute sich nicht, im Zusammenhang mit Hegels Idealismus die Ausdrücke „widerlich“ und „stinkig“ zu verwenden (Lenin, Über Hegelsche Dialektik, Ausgewählte Texte, Rclam Verlag Leipzig, 1986,227), „idealistisches Gesindel“ (Lenin,  Konspekt zu Hegels Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Werke Band 38, Dietz Verlag Berlin,1964,283) und bei Marx ist der Satz nachzulesen: die gedankenlose Inkonsequenz und der obrigkeitliche Sinn von Hegel sind ekelhaft (Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Kritik des Hegelschen Staatsrechts, Innere Verfassung für sich, Die Gesetzgebende Gewalt, MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin,1982,134), auch Plechanow verwendet im Zusammenhang mit Hegels Idealismus im Verhältnis zum Eklektizismus das Wort „ekelhaft“, aber gerade weg von Hegel, nur zum Eklektizismus hin. (Vergleiche G. Plechanow, Zu Hegels sechszigstem Todestag, in: Die Sowjetphilosophie, Wendigkeit und Bestimmtheit, Dokumente, herausgegeben und eingeleitet von Wilhelm Goerdt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1967,16).

21. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,298

22. Siehe: Lenin, Was sind die „Volksfreunde“ und wie kämpfen sie gegen die Sozialdemokraten ?, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1984, Seite 156 bis 167

23. Abram Deborin, Noch einmal über die Dialektik, in: Die Sowjetphilosophie, Wendigkeit und Bestimmtheit, Dokumente, herausgegeben und eingeleitet von Wilhelm Goerdt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1967,56

24. Abram Deborin, Die Dialektik bei Kant, zitiert in: M. Mitin, Über die Ergebnisse der philosophischen Diskussion, in: Die Sowjetphilosophie, Wendigkeit und Bestimmtheit, Dokumente, herausgegeben und eingeleitet von Wilhelm Goerdt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1967,279

25.a.a.O.,256f.

26. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,292

27. Vergleiche: M. Mitin, Über die Ergebnisse der philosophischen Diskussion, in: Die Sowjetphilosophie, Wendigkeit und Bestimmtheit, Dokumente, herausgegeben von Wilhelm Goerdt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1967,294

28.Vergleiche Lenin, Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus, Lenin Werke Band 33, Dietz Verlag Berlin, 1962, 220

29. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,170

230. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin, 1982,275

31. Vergleiche: Lenin, Karl Marx, Lenin Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1960,35).

32. Den großen faux pas Adornos: „Es ging um die Vergottung der Geschichte, auch bei den atheistischen Hegelianern Marx und Engels“ (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 113, Frankfurt am Main, 1975,315) nimmt in gewisser Weise Sarah Wagenknecht für den jungen Marx wieder auf.

33. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,193. Über Sahra Wagenknechts Magisterarbeit kann man ungefähr das gleiche sagen was Marx 1846 über Proudhons Schrift „Die Philosophie des Elends“  sagte: „…das ist Hegelsches abgedroschenes Zeug…“ (Karl Marx, Brief an Pawel Wassiljewitsch Annenkow in Paris vom 28. Dezember 1846, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,689), oder was Lenin über Lassalles Buch „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“ schrieb: „…ein Wiederkäuen Hegels.“ (Lenin, Zur Kritik des Lassalleschen Buches „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“, in: Lenin, Aus dem philosophischen Nachlass, Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,267). Ein Wiederkäuen Hegels allemal, denn die Magisterarbeit leidet formal an einem mangelhaften Maßgefühl, die Interpretationen Hegels nehmen proportional betrachtet einen übergroßen Platz ein, die Kernthematik wird am Ende auf den letzten cirka 25 von 194 Seiten abgehandelt !!

34. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Lenin. Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,202

35. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Einleitung, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980,57

36. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2011. Das sogenannte Wirtschaftswunder als Werk Gottes ?

37.a.a.O., 345

38. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,68

39. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,345

40. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,69

41. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,12

42. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2 Dietz Verlag Berlin, 1982,411

43. a.a.O.,418

44. Vergleiche Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,372. Entgegen der idealistischen Glorifizierung des Denkens in der klassischen deutschen Philosophie, auch der fichteschen Denkfreiheit, in der der Vernunftoptimismus der Aufklärung nachschwingt, ist eine weitgehend unbekannte  Eigenschaft des menschlichen Denkens zu ergründen, die zu töten. Die Schwierigkeit kommt durch das Denken, weil es als Denken die Weltbewegung, in eins die Weltgeschichte als ihre eigene Dialektik, als dialektische stets flüssige Kontinuität unterbrechen muß. Denken unterbricht nach Lenin nicht nur das Prozeßhafte, sondern versimpelt, vergröbert, zerstückelt, tötet das Lebendige. „Die Abbildung der Bewegung durch das Denken ist immer eine Vergröberung, eine Ertötung…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, Dietz Verlag Berlin, 1958,195). Ja Dialektisches ist ständig Selbstzerstörerisches an ihm selbst.  (a.a.O.,240). Die Negativität der Dialektik ist in ihrer Immanenz. Als kritische Methode geht sie auf radikale Negativität, Zerstörung des Kapitalismus, diese Negativität des Marxismus ist für ihn selbst selbstzerstörerisch, denn im Kommunismus erlischt sein revolutionäres Potential und die Negativität greift auf ihn selbst über: Engels sieht in der sich erschöpfenden Sonnenwärme das Todesurteil der Erde: „…verfolgt nur noch eine kalte, tote Kugel ihren einsamen Weg durch den Weltraum.“ (Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in. Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,369). Die von Descartes erkannte unveränderliche Quantität der in der Welt vorhandenen Bewegung aber garantiert das Aufkommen bzw. Reproduzieren neuer Sonnensysteme, mit Leben und damit wahrscheinlich auch mit neuen kommunistischen VERSUCHEN. Denn der Kommunismus ist nicht zugesichert. (Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,483f.).

45. Slavoj Zizek, Die Revolution steht bevor, Dreizehn Versuche über Lenin, edition suhrkamp 2298, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2002,29

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