Demjanuk hat eine Knarre in die Hand genommen

Der Fachhistoriker Christian Hartmann vom Institut für Zeitgeschichte in München zitiert in seiner Studie „Unternehmen Barbarossa“ aus einem Brief eines unter dem Kommando der SS Einsatzgruppen stehenden Polizeisekretärs nach Hause an seine Lieben, aus dem hervorgeht, daß das „Unternehmen Barbarossa“ von vornherein ein einziges Unternehmen Barbarei war. Aus dem besetzten Teil der Sowjetunion schrieb dieser mit der  Knarre hinter der deutschen Front „tätige“ polizeiliche Massenmörder: „Säuglinge flogen in großem Bogen durch die Luft und wir knallten sie schon im Fliegen ab, bevor sie in die Grube und ins Wasser flogen. Nur weg mit dieser Brut, die ganz Europa in den Krieg gestürzt hat…“ 1. Also nicht die sich des Faschismus bedienenden deutschen Imperialisten haben ganz Europa in den Krieg gestürzt, sondern jüdische Säuglinge aus der Sowjetunion.

Während der Schauprozesse gegen die Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944 belehrte der Vorsitzende Dr. Roland Freisler den angeklagten Rechtsanwalt Josef Wirmer, der als Justizminister im Kabinett des Obersten Beck vorgeshen war: Hätten Sie lieber eine Knarre in die Hand genommen, wären sie nicht auf dumme Gedanken gekommen. Nach Freislers Rechtsauffassung hätte Wirmer klug und rechtens gehandelt, wenn er jüdische, über das Territorium der Sowjetunion  fliegende Säuglinge mit der Knarre in der Luft abgeknallt hätte. Friedrich Schiller hat in seinem Schauspiel „Die Räuber“ diese Bestialität vorgeahnt.2.

Einer, der solche klugen Gedanken gehabt hat und auch bereit war, eine SS Knarre in die Hand zu nehmen, war John Demjanuk. Am 2. April 1920 in einem ukrainischen Dorf geboren geriet der gelernte Traktorfahrer 1942 auf der Krim in deutsche Kriegsgefangenschaft und biederte sich dort der SS an, die ihn bereits im Mai des gleichen Jahres als Wachmann mit Knarre im polnischen Ausbildungslager „Trawniki“ nahe Lublin schulte. Knapp ein Jahr später wurde er als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor eingesetzt und war an der Vergasung von 28 060 Juden (darunter über 1000 Kinder unter 14 Jahren) schuldhaft beteiligt. 3. (Danach war er noch im Konzentrationslager Flossenbürg tätig). Der Todeskampf in den vier mal vier Meter großen Gaskammern dauerte zwanzig Minuten. Sechs Jahre Gefängnis hatte der Staatsanwalt im am 11. Mai 2011 in München zu Ende gegangenen Prozesses für Demjanuk gefordert, ein Jahr für 4676 Morde, ein Tag Haft für 13 Morde !! Schon hier wird die ganze Farcenhaftigkeit dieses achtzehn Monate dauernden Prozesses deutlich. Der Kommentator der WELT, Torsten Krauel, sprach sich sogar für einen Freispruch aus. 4.

Also einen Tag Haft soll laut Staatsanwalt Hans Joachim Lutz ein SS Hilfsarbeiter für die Beteiligung an dreizehn Morde bekommen. Demjanuk war ein Rad in der Mordmaschinerie des Faschismus, der die Geschäfte der kapitalistischen Klasse Deutschlands besorgte, die gleiche Brut, die noch heute das deutsche Volk quält und vergiftet, lähmt und krank macht. Gäbe es eine Gerechtigkeit in der Geschichte, so müßte man auch die Säuglinge der Kapitalisten in hohem Bogen in die Luft werfen und abknallen. Dies zeigt schon, wie human die RAF war. Es gibt eben Greueltaten der Konterrevolution, für die sich kein Revolutionär hergibt, der damit auch aufhören würde, einer zu sein.

Am 11. Mai 2011 hat das Münchener Landgericht II den Vaterlandsverräter John Demjanuk der Beihilfe zum Mord an mindestens 28 060 Menschen für schuldig gesprochen — und freigelassen.  Man schaudert ! Efraim Zuroff, der Leiter des Wiesenthal Zentrums sprach von einer „ganz fürchterlichen Entscheidung“.  Nein, nein – werter Efraim Zuroff. Demjanuk hat doch eine Knarre in die Hand genommen und ist nicht auf dumme Gedanken gekommen. Der Rechtsanwalt Josef Wirmer wurde von der deutschen Justiz verurteilt, in der Berliner Haftanstalt Plötzensee an einem Fleischerhaken aufgehängt zu werden.  Der „Trawniki“ (fremdländische Hilfsarbeiter) Demjanuk wird von der deutschen Justiz auf freien Fuß gesetzt. An diesem Wesen soll und muß doch die Welt genesen ! 5.

Jede kapitalistische Ausbeutergesellschaft produziert aus ihren eigenen Eingeweiden zwangsläufig krankhafte und perverse Elemente. In Ländern wie England, Spanien, Belgien, Holland, Schweden und Dänemark lungern sie um die Throne, in Italien fließen sie in die Mafia ab, in Deutschland streben sie in den Justizapparat. Wer nach dem Demjanuk Prozess noch immer die Auffassung vertritt, daß wir in der Bundesrepublik Deutschland in einem Rechtsstaat leben, der gehört ganz einfach nach Australien unter die Kängurus.

Selbst in den allerdemokratischsten Republiken arbeitet die bürgerliche Justiz der Reaktion kriminell zu, denn diese Justiz ist in dem Geist erzogen worden, die Reichen und Mächtigen zu schützen, aber hart und grausam gegen die Kleinen und Schwachen zu sein. Nach oben der Karriere zuliebe buckeln, nach unten der Karriere zuliebe treten. Jeder Justizalltag in der Bundesrepublik gibt dafür tausende Belege. 6. Diese „republikanischen“ Juristen sind Lichtjahre von Robespierre entfernt, der seine Zustimmung zum Todesurteil gegen Ludwig XVI. mit den Worten begründete: da ich für die Unterdrückten bin, kann ich nicht für die Unterdrücker sein und der das Wesen dieser sogenannten Juristen offenlegte mit der Feststellung, dass sie so zärtlich zu den Unterdrückern und so hart und herzlos zu den Unterdrückten sind. Sie repräsentieren das Recht als den Willen der herrschenden Klasse und wachen über die Normen der kapitalistischen Gesellschaft, in der ein Kapitalist mit Hilfe bürgerlicher Juristen viele totschlägt.  Eben: eine Knarre in die Hand nehmen und nicht auf dumme Gedanken kommen. Dass ein Jurist wie Freisler Präsident des Volksgerichtshofes werden konnte, ist keine Ausnahme, sondern Beleg einer perversen Justiz. Das Jurastudium ist nur die verinnerlichende Einpauckung der Normen der kapitalistischen Mord- und Totschlaggesellschaft, der aus ihr resultierende Faschismus ist keine Ausnahme, sondern Krönung spießbürgerlicher Intentionen. Der Spießer kommt in der bürgerlichen Justiz am besten zum Ausdruck. Vorurteile haben den Nachteil an sich, dass die vorgefaßten Meinungen in ihrer schlummernden Aggressivität und Verbreitung mit jedem Tag eine immer weiter über sich selbst hinausgehenden Kreis ziehen und die Aggressivität lautlos in die Justiz schleicht, die nur allzu häufig konzentriertester Ausdruck vorurteilsmäßiger Verklemmung ist. In einer proletarischen Revolution muss also das Augenmerk besonders auf den Justizapparat gelegt werden, er muss zerschlagen, in Tausend Stücke zerbrochen werden, an die Stelle der bürgerlichen Advokatur müssen einfache Arbeiter und Bauern Recht sprechen. Dann wagt es keiner mehr, wegen Beihilfe zum Mord an dreizehn Menschen einen Tag Haft zu fordern.

1. Christian Hartmann, Unternehmen Barbarossa, Der deutsche Krieg im Osten, Beck Verlag München 2011,64

2. „Schufterle: Wie ich von ungefähr so an einer Baracke vorbeigehe,hör ich drinnen ein Gezeter, ich guck hinein, und wie ichs beim Licht besehe, was wars ? Ein Kind wars, noch frisch und gesund, und der Tisch wollte eben angehen, – Armes Tierchen, sagt ich, du verfrierst ja hier, und warfs in die Flamme -Moor: Wirklich Schufterle ? – Und diese Flamme brenne in deinem Busen, bis die Ewigkeit grau wird !  Fort Ungeheuer ! Laß dich nimmer unter meiner Bande sehen !“ (Friedrich Schiller. Die Räuber, Reclam Stuttgart 1969,66f.)

3.  Mitte Oktober 1943 gabe es im Vernichtungslager Sobibor einen Aufstand, bei dem 12 SS Männer und zwei ukrainische Wachleute getötet wurden. 365 Lagerinsassen konnten fliehen, aber nur 47 von ihnen überlebten den Zweiten Weltkrieg, nach diesem Aufstand wurde das Lager geschlossen, dem Erdboden gleichgemacht  und die Fläche mit jungen Bäumen wieder aufgeforstet.

4. Siehe: Die WELT vom 13. Mai 2011, Seite 3

5. Die deutsche bürgerliche Justiz hat sich nach 1945 als völlig unfähig erwiesen, Naziverbrechern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, der Demjanuk Prozess ist nur ein Glied in einer einzigartigen Skandalchronik. Erinnert sei nur an die Willkür des Bundesgerichtshofes im Fall des SS Offiziers Friedrich Engel – er brach den Fall wegen des Alters des Angeklagten ab ! -, an das Verhalten der Hamburger Staatsanwaltschaft im Fall Strippel, dem Stützpunktleiter des Hamburger Außenlagers Neuengamme, oder an den Schutz, den die deutsche Justiz dem SS Mitglied Klaas Carel Faber gewährte, der in den Niederlanden 1947 von einem Sondergerichtshof zum Tode verurteilt worden war, der dann in lebenslänglich umgewandelt wurde. In Deutschland wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt, das Landgericht Ingolstadt hatte eine Strafvollstreckung in den Niederlanden abgelehnt, weil eine Auslieferung gegen den Grundsatz verstoße, daß niemand zweimal wegen der gleichen Tat verfolgt werden darf. Aberwitzig auch die Begründung des Münchener Gerichts für die kurze fünfjährige  Freiheitsstrafe Demjanuks: nach der Strafe müsse noch ein Leben in Freiheit möglich sein !! Die in den Gaskammern eingepferchten Juden hatten diese Perspektive nicht. Das alles sind Konsequenzen einer Justiz, für die es wohl immer noch faschistische Herrenmenschen und jüdische Untermenschen gibt: dieser braune juristische Sumpf lastet wie ein Alp auf dem Gehirn des Volkes der Dichter und Denker. Buchenwald liegt nur etwa zehn Kilometer nördlich von Weimar.

6. Um nun sogleich durch ein Beispiel den perversen Charakter der bundesrepublikanischen Justiz offenzulegen, so genügt der Hinweis auf den Fall „Emmely“ (Kündigung einer Kassiererin wegen mutmaßlicher Unterschlagung eines Pfandbons), während wirtschaftkriminellen Ackermännern Steuergelder tonnenweise in die Ärsche gesteckt werden, damit sie weiter das deutsche Volk ausbluten können. Der C4 Professor für Wirtschaftswissenschaften Walter Perron von der Universität Freiburg hat das Verhalten von Mitarbeitern der Deutschen Bank gegenüber der IKB  in die Nähe des Betruges gerückt, aber bisher ist noch kein Staatsanwalt tätig geworden. Auch der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof Axel Boetticher forderte eine strafrechtliche Untersuchung dieses Falles. Offensichtlich muß man „Ehemaliger“ sein, um halbwegs gerecht zu denken. Es ist aber ganz natürlich, daß in Klassengesellschaften die Justiz pervers ist. Ein Volk kann nicht frei sein, wenn es sich nicht von bürgerlichen Juristen frei macht. Bedenken wir doch nur den schädlichen Einfluß, den ein Staatsanwalt auch auf seine familiären Angehörigen ausübt. Entriß man in der französischen Revolution nur den Dauphin seiner Mutter Marie Antoinette, um ihn bei dem Tischler Simon in die Lehre zu geben, so ist heute in den Zeiten hochindustrieller Massengesellschaften eine solche Einzelaktion nicht mehr angebracht, die Kinder  der Ärzte, Lehrer, Juristen und anderen bürgerlichen Gesindels müssen in Umerziehungslagern zusammengefasst werden, um den Grad der Klassenperversion zu korrigieren, den die bürgerlichen Eltern und die bürgerliche Schule, die durch und durch vom Klassengeist durchtränkt ist (Vergleiche Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, in: Lenin, Marx Engels Marxismus, Dietz Verlag Berlin, 1959,498) bei ihnen bereits „erzielt“ haben.

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