Polizistin erschießt Christy Schwundeck im Jobcenter Frankfurt Gallus Über die Notwehr

Am 19. Mai 2011 hat eine Polizeibeamtin im Frankfurter Jobcenter  Christy Schwundeck ermordet, die Hartz IV beantragt hatte, der aber das Geld verweigert wurde. Alle „Sachkenner“ sprechen von einer eindeutigen Notwehrsituation, aus der heraus die Polizistin geschossen habe.  Aus dem recht eintönigen Puzzle der Artikel der bürgerlichen Presse ergibt sich natürlich keine Klarheit über die Tatzusammenhänge und die ganze Dürftigkeit dieser Journaille bestätigt nur das Wort von Karl Marx vom  polizeigefärbten Bourgeoisverstand, alle wollen in diesem Fall Polizist und Polizistin spielen….und laufen in die Irre. 1.

In seiner Rechtsphilosophie gelangt Hegel in der  Analyse der bürgerlichen Gesellschaft zu der Einsicht, daß bei allem Reichtum, den die bürgerliche Gesellschaft produziert, diese bürgerliche Gesellschaft nicht reich genug ist, die Armut des Pöbels zu steuern. Und Marx charakterisiert nach der Analyse der Pariser Kommune den bürgerlichen Staat als das nationale Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit.

Es ist ausgemacht in der bürgerlichen Theorie des Gesellschaftsvertrages, daß die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft vertraglich übereinkommen zwecks Sicherung ihrer Existenz, ihres Glücks und ihres Wohlstandes. Ist eine Gesellschaft nicht in der Lage, die Existenz ihrer Mitglieder zu sichern, so ist der ganze Vertrag hinfällig und die Menschen befinden sich wieder im Naturzustand, leben in einer Art Kriegszustand und in einer beständigen Ausnahme-, in einer beständigen Notwehrsituation. In dieser befand sich also die deutsch nigerianische Kollegin Christy, der man im Jobcenter kein Geld zum nackten Überleben geben wollte. Sie hatte am 10. Mai einen Antrag auf Hartz IV gestellt und am 19. (!!) Mai immer noch kein Geld erhalten. 2. Sie wurde also von dem faulen Beamtenpack vor den brutalen Widerspruch gestellt: entweder Hungers zu sterben oder die Kriegserklärung der kapitalistischen Gesellschaft ihr gegenüber anzunehmen. Es spricht für sie, dass sie das letztere tat. Sie befand sich also dem Bullen gegenüber völlig IM RECHT, ihm nicht den Personalausweis zu zeigen, den ein Mensch im Naturzustand nicht hat, sondern den von der Kapitalistenklasse ihr gegenüber selbst erklärten Krieg, der ein Krieg  gegen alle  Werktätigen ist, mit dem Messer zu beantworten. Ist es nicht heldenhaft, gegen die doppelte Überzahl schwer bewaffneter Klassenfeinde sein Menschenrecht auf Existenz zu behaupten ? Ihr Pech bestand nur darin, schlechter ausgerüstet gewesen zu sein, keine Heckler & Koch P 30 besessen zu haben wie  die klassenfeindliche Kapitalmacht. Wenn der Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel schon heute verkündet, daß alles im Moment nach Notwehr aussieht 3.,  so hat er völlig recht, eine solche lag eindeutig vor, aber auf Seiten der arbeitslosen Kollegin Christy.

Es war der große jakobinische Revolutionär Jean Paul Marat, der mehrmals in seinen Schriften ausführte, dass ein Mensch, der um seine nackte Existenz kämpft, keinen Diebstahl begehen kann, denn die Existenzmittel stehen ihm in seiner Eigenschaft als Mensch zu. Es ist übrigens dies Gedankengut des achtzehnten (!) Jahrhunderts. Und gerade diese Existenzmittel verweigerten die Kannibalen vom Jobcenter im Jahre 2011, deren ganze Verwaltungs“kunst“ darin besteht, Menschen wie Dreck zu behandeln, sie des Hungertods preiszugeben.

Es kann kein Mitleid, kein Verständnis für die Mordwerkzeuge des Kapitals gegen die Arbeit geben, mit diesen sittlich verwahrlosten Klassenverrätern in Uniform. Um der Mörderin in Polizeiuniform Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, müssen wir sie der bürgerlichen Klassenjustiz entreißen, die natürlich ihre eigenen Kriegswerkzeuge hegt und pflegt, und sie vor ein Revolutionstribunal stellen. Dabei dürfen wir aber keineswegs übersehen, daß diese Oberkommissarin nur ein kleines Rädchen in der klassenmäßigen Kriegsmaschinerie des Kapitals ist. Die Ermordung der Hartz IV Kollegin in einem Großraumbüro in Frankfurt geht letztendlich auf das Konto von Gerhard Schröder und auf das von Angela Merkel, die sich ja ohnehin freut, wenn ein Mensch ermordet wird. So wörtlich „Ich freue mich“ anläßlich der Ermordung Osama Bin Ladens, der als Soldat fiel. Selbst die Nazipropaganda hat niemals geäußert, dass sich die Deutschen über den Tod feindlicher Soldaten freuen sollten. Diese Äußerung allein zeigt schon die ganze sittliche Verwahrlosung der „First Lady“ einer Republik an, die in Wirklichkeit eine perverse faschistoide Diktatur ist.

Der 25 jährige Karl Marx schrieb 1843, dass es eine Klasse in der bürgerlichen Gesellschaft gibt, der das Bürgertum kein besonderes Unrecht zufügt, sondern das Unrecht schlechthin. Es liegt in der arbeitenden Klasse ein völliger Verlust des Menschen vor. 4. Die Ereignisse in Frankfurt, der Stadt der Ackermänner, aus der eine dicke Pestwolke aufsteigt und sich lähmend über die ganze „Republik“ legt (die in Wirklichkeit eine Monarchie der Ackermänner ist 5.) bestätigen die Aktualität dieser Gedanken. Die bürgerliche Gesellschaft verurteilt in der Tat die große Mehrheit zum völligen Verlust ihres Menschseins und es ist die Aufgabe einer proletarischen Revolution, dieses Menschsein völlig wiederzugewinnen. Gerade die ermordete Kollegin Christy steht dafür, nicht die Bullen als Repräsentanten eines menschenverachtenden Ausbeutungssystems.

1. Die Polizeibeamtin handelte „offenbar in Notwehr“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.10.2011), habe ersten Ermittlungen zufolge „klar in Notwehr gehandelt“ (taz vom 20. Mai 2011), kritik- und kommentarlos (!), „Die junge Oberkommissarin mußte gerade in Notwehr eine Frau erschießen !“ (BILD vom 20. Mai 2011).

2. Das hessische Landeskriminalamt hat seine fürwahr lächerlichen Ermittlungen aufgenommen, ob „seine“ Beamtin in Notwehr gehandelt habe, vor allem sollte das hessische Sozialamt untersuchen, warum das Hartz IV Geld nach neun (!!) Tagen immer noch nicht kontoverbucht war ? Das ist für die Arbeiterklasse eine ebenfalls sehr  wichtige Frage. Und überhaupt sollte man der hessischen Polizei sehr genau auf die Finger schauen, es geht um Leben und Tod bei ihr. Vom August 2006 bis Juli 2010 sind fünf Menschen bei ihren Einsätzen von ihrem Abziehfinger erschossen worden, darunter eine 55 jährige Frau ( !) und ein 28 jähriger im Hof eines Krankenhauses (!). Siehe: Frankfurter Rundschau vom 20. Mai 2011 Rhein Main, Seite D6

3. „Polizistin schoss, um ihren Kollegen zu schützen.“ BILD vom 20. Mai 2011, Seite 10

4.  Karl Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie/ Einleitung. Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,390

5. Im Imperialismus verfällt die traditonelle bürgerlich liberale parlamentarische Tradition immer mehr der politischen Reaktion. Lenin zitiert in seinem Fundamentalwerk: „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ Lysis, der in seinem Buch „Gegen die Finanzoligarchie in Frankreich“ (1908 in fünfter Auflage erschienen) bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zur richtigen Erkenntnis gelangte: „Die französische Republik ist eine Finanzmonarchie, die volle Herrschaft der Finanzoligarchie; sie herrscht unumschränkt über Presse und Regierung“. (Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,238). Und dieser Wesenszug des Imperialismus liegt zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch viel deutlicher vor. Die Bullen, Beamte der „Republik“, Bundeswehr, die Regierung, Staatsanwaltschaften …usw., sie alle verrichten heute niedrigste Helotendienste bis hin zur Tötung einer Frau für die Deutsche Bank. Und die heutige sogenannte „kritische Intelligenz ?“ Ich erwähnte in der ersten Anmerkung, daß auch die taz kritik- und kommentarlos von einer nach ersten Ermittlungen klaren Notwehrsituation der Staatsbeamtin sprach. Ich möchte die taz Redakteure an Karl Jaspers erinnern, fürwahr kein proletarischer Ideologe, der nicht Karl Marx und Friedrich Engels sondern Friedrich Nietzsche  und Sören Kierkegaard für die größten Denker hielt (was natürlich haarsträubend ist, aber auch ein Quentchen Wahrheit enthält, denn man darf Marx und Engels nicht primär als Denker begreifen, sie waren vor allem Revolutionäre). Der bürgerliche Ideologe Karl Jaspers schrieb 1960 über die Bundesrepublik Worte, denen man nicht nur  zustimmen muß, sondern die auch heute noch von höchster Aktualität sind: „Die Demokratie schien die Freiheit zu versprechen, machte aber…den Einzelnen unfreier als je. Der Staat selber, noch im Scheine überkommener Rechtsstaatlichkeit, wurde zum Betrüger nach innen und außen.“ (Karl Jaspers, Wo stehen wir heute ?, in: Wo stehen wir heute ? (Aufsatzsammlung), Bertelsmann Verlag Gütersloh 1960,33f.). Dahin ist es gekommen, dass man heute ein halbes Jahrhundert zurückgehen muß, um noch staatskritische Äußerungen der bürgerlichen Intelligenz zu finden.

21. Mai 2011

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6 Antworten to “Polizistin erschießt Christy Schwundeck im Jobcenter Frankfurt Gallus Über die Notwehr”

  1. linke Ratte Says:

    Bravo, bravo, bravo!!!!!
    Hat mir so gut gefallen, das ich diesen Artikel in mein Stammforum kopiert habe(www.politopia.de)die einen Fred zu diesem Thema haben

  2. dierostigelaterne Says:

    hallo linke Ratte
    hab DANK dafür

  3. initiative christy schwundeck Says:

    bei allem was daran richtig ist, aber man kann nur sehr unschwer
    die polizistin dermassen entmenschlichen und sie ausschliesslich
    in ihrer eigenschaft als büttel betrachten.

    sie ist zunächst auch nur ein mensch, und hat als solcher
    vermutlich nichts weiter gewollt, als ihrem kollegen das leben
    zu retten als sie schoss.

    zweite anmerkung: dass ein antrag auf arbeitslosengeld II schon
    nach 9 (oder 19?) tagen bearbeitet ist, und sogar schon genehmigt
    wurde, und, falls es denn wahr ist (was man u.u beweifeln sollte)
    sogar schon geld anbgewiesen ist, das ist nun wirklich nicht der
    skandal, den du daraus machen willst, es wäre vielmehr die
    schnellste und unbürokatischste antragsbearbeitung die ich
    jemals gesehen habe.

    ich kenne fälle, in denen anträge erst mithilfe von gerichtsvollziehern, staatsanwälten und/oder mit dem
    instrument der massenbegleitung zum amt durchgesetzt
    werden konnte, oder in denen ein antrag 5 mal hintereinader
    jedes mal mit einer anderen begründung abgeleht wurde
    und zum schluss vor gericht die akten verschwunden war.

    10 oder 19 tage bearbetiungszeit sind kein skandal sondern
    das wöäre die poisitve ausnahme, das als skandal einzuordnen
    wäre eine vollkommene verharmlosung der praxis des SGB II.

    der interessaantere aspekt, sowohl gesellschaftlich als auch
    juristisch, ist die verweigerung den antrag auf 10 euro
    barvorschuss zu bearbeiten.

  4. initiative christy schwundeck Says:

    da ich das nicht mehr bearbeiten kann, neben den schreibfehlern … muss es im letzten satz natürlich heissen … „den antrag auf barvorschuss NICHT zu bearbeiten“ …

  5. Jasmin Says:

    Ich habe auch Mitleid mit der Polizistin. Sie wird mit einem Kollegen zu einer Konfliktsituation gerufen. Plötzlich sticht jemand mit einem Steakmesser nach dem Kollegen und sie sieht sich als nächste von der Angreiferin bedroht. Ich möchte diese Sitation nicht erleben, maße mir nicht an, dass ich anders gehandelt hätte, wäre ich in dieser lebensbedrohlichen Situation gwesen.
    Wie geht das Leben der Polizistin weiter? Wird die Überwindung des Geschehenen leichter, wenn man nach Fragmenten einer Mitschuld sucht?
    Ich frage mich auch, was passiert wäre, wenn das Messer den Polizisten nicht nur verletzt, sondern (mangels Schutzweste) getötet hätte? Welche Initiative wäre in diesem Fall angemessen bzw. angebracht? In welcher Form würden sich die Betrieber dieses Initiative daran beteiligen?

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