Archive for August 2011

Über die Bedeutung des Goldes für die Imperialisten und für die befreiten Werktätigen

29. August 2011

Es gehört zum Wesenskern kapitalistischer Ausbeuter und Imperialisten, dass sie ihre Versprechen ständig brechen. Oft geschieht dies aus heiterem Himmel. Vor vierzig Jahren, am 15. August 1971, brachen die Vereinigten Staaten von Amerika an einem Sonntag quasi über Nacht, ihr jahrzehntelang gültiges Versprechen, jedem Ausländer für 35 Dollar eine Feinunze Gold zu geben. Der damalige Präsident Nixon verkündete an diesem Sonntagabend kurz und knapp, sein Land werde die Bindung des Dollars an das Gold aufheben. Für die Finanzwelt bedeutete das letztendlich den Übergang zu flexiblen Wechselkursen und den Beginn einer weltweiten inflationären Entwicklung. Für die innenpolitische Lage in den Vereinigten Staaten, deren Arbeitslosigkeit bei sechs Prozent lag,  bedeutete das, dass die Importzölle um zehn Prozent erhöht wurden und deren interne Inflation durch eine zeitlich begrenzte Lohn- und Preiskontrolle gedämpft werden konnte. Für die Wiederwahl Nixons reichte das. Aber längerfristig betrachtet hatte diese Freigabe der Wechselkurse für die USA eine recht negative Auswirkung: der heutige Dollar hat im Vergleich zum Dollar von 1971 nur noch eine Kaufkraft von achtzehn cent. 1971 höhnte noch der damalige US Finanzminister John Connally gegenüber den Europäern: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“ (siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. August 2011, Seite 21).

Der Übergang vom Bretton-Woods-System der festen Wechselkurse zu flexiblen Kursen verlief nicht gradlinig im Sinne eines sofortigen Umschaltens, sondern wurde noch einmal gebrochen durch das Smithonian Agreement vom Dezember 1971. Man versuchte noch einmal einen Mittelweg, Altes in Nixons neuer Wirtschaftspolitik zu konservieren. Im alten System war der Dollar an das Gold gebunden und alle anderen Währungen an den Dollar. Im Smithonian System sollten noch die Wechselkurse in einem engen Band zum Dollar nur begrenzt schwanken. Das galt noch vierzehn Monate, im März 1973 brach das Bretton Woods System endgültig zusammen und weltweit waren die Wechselkurse flexibel. Die Hitzezeit der Heuschrecken konnte anbrechen. Wir sehen bei der Sprengung des Bretton Woods Systems den für eine dialektische Entwicklung typischen Verlauf, dass sich ein altes Fixsystem noch einmal in einem Übergang zur Flexibilität erhalten will. Verständlich ist daher die ambivalente Reaktion des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedmann: er war aufgebracht über das Vorhaben, die Inflation mit Lohn- und Preiskontrollen zu dämpfen, war aber sehr erfreut über alle Entkoppelungen vom Gold. Das Ende der Goldbindung war das Ende fixierter Wechselkurse.

Aber beim Handeln der Individuen unter den Bedingungen einer kapitalistischen Warenproduktion kommt noch etwas anderes heraus, als diese sich vorgenommen haben und sehr oft etwas Negatives. Eine kontrollierte Beherrschung bzw. Regulierung der Anarchie der Produktion  durch die Finanz- und Wirtschaftsexperten ist eben nicht möglich. Was ist herausgekommen durch fiskalische Kunststücke selbst von Wirtschaftsnobelpreisträgern ? Die Gläubiger haben die USA heute fester im Griff als je zuvor, der Schuldner USA, mit einer Arbeitslosenquote von 9,1 Prozent,  kratzt am Boden entlang und man sieht mit Bangen seiner Stunde des endgültigen Kollaps entgegegen. Auf den Schultern jedes US Bürgers lastet eine Schuldensumme von 45 000 Dollar. Und in der Eurozone gibt es gleich mehrere todkranke Patienten. Es ist auch leicht verständlich: wie können Vertreter der unproduktiven Ausbeuterklassen etwas positiv für die Werktätigen gestalten ? Die Zeiten der mittelalterlichen Caritas  sind längst vorbei. Heute müssen die produktiven Klassen selbst politisch und ökonomisch das Steuer in die Hand nehmen und das Geldsystem letztendlich überwinden. Dies kann selbstredend nicht gradlinig geschehen, das Geldsystem ist sowohl aktuell als auch historisch ein zu schweres Gewicht als dass es von heute auf morgen abgeschafft werden kann. „Das Geld erniedrigt alle Götter des Menschen – und verwandelt sie in eine Ware. Das Geld ist der allgemeine, für sich selbst konstituierte Wert aller Dinge. Es hat daher die ganze Welt, die Menschenwelt wie die Natur, ihres eigentümlichen Wertes beraubt. Das Geld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und dies fremde Wesen beherrscht ihn und er betet es an.“ 1. Das Geldsystem hat die Natur in perversen Dreck verwandelt und es liegt nur an den Lohnsklaven weltweit, die für diesen perversen Dreck verantwortlichen kapitalistischen Kernausbeuter mit Feuer und Schwert auszurotten und niederzubrennen. Es ist nach Lenin die Aufgabe der internationalen Arbeiterbewegung, die Bourgeoisie völlig zu vernichten. Diese Aufgabenstellung trägt auch sehr zur Klärung der Frage bei: Was ist heute links ? Entweder ich setzte mein Leben für die völlige weltweite Vernichtung der Bourgeoisie  ein oder ich tue dies nicht, dann bin ich alles andere, nur kein Linker. Ist der kapitalistische Ausbeuterdreck erst einmal liquidiert, so können wir die noch im Sozialismus lebenden Spießer und verbleibenden Anhänger des Geldsystems nicht besser und anschaulicher ärgern, als das wir Lenins Hinweis beherzigen: „Wenn wir dereinst im Weltmaßstab gesiegt haben, dann werden wir, glaube ich, in den Straßen einiger der größten Städte der Welt öffentliche Bedürfnisanstalten aus Gold bauen. Das wäre die „gerechteste“ und beste anschaulich-belehrende Verwendung des Goldes für die Generationen, die nicht vergessen haben, wie man des Goldes wegen zehn Millionen niedergemetzelt und dreißig Millionen zu Krüppeln gemacht hat in dem „großen Befreiungs“krieg 1914 – 1918…“ 2. Zehn Millionen Tote, dreißig Millionen Krüppel !! In proletarischen Revolutionen kommen die Völker weit billiger weg: sagen wir eine Millionen toter und drei Millionen verkrüppleter Kapitalisten. 3. Das ist nicht nur konkreter Humanismus, sondern auch bei diesen Zahlen sollte die überwiegend große Mehrheit der heutigen Linken verweilen und sich wirklich die Frage beantworten, ob sie ins Lager der Revolution oder in das der Konterrevolution gehört ? Es gibt eine Trinitatis des Klassenkampfes: Marxismus Leninismus – Bewaffnung der Arbeiter und Arbeiterinnen, der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, der Landarbeiter- und Landarbeiterinnen  – das Kapitalisten- und Kulakenpack abmurksen. „Nur auf den Knochen der Unterdrücker kann die Volksfreiheit errichtet werden, nur mit dem Blut der Unterdrücker kann der Boden für die Selbstherrschaft des Volkes gedüngt werden.“ 4. Schonen wir das Blut der Völker und düngen wir den Boden der Erdteile mit dem Blut der kapitalistischen Schmarotzer. Übersehen wir dabei aber nicht Lenins wichtigen Hinweis, dass der Bürgerkrieg zum Sturz des Kapitals hundert mal schwieriger ist als ein Krieg zwischen Staaten.

1. Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,374 f.

2. Lenin. Über die Bedeutung des Goldes, Progress Verlag Moskau, 1971,720. Es ist bekannt, dass Spartakus seinen Soldaten verbot, Gold zu besitzen. Von Plinius ist überliefert: „…cum sciamus interdixisse castris suis Spartacum, ne quis aurum haberet aut argentum, tanto plus fiut animi fugitivis nostris. Messala orator prodidit Antonium triumvirum aurais usum vasis in omnibus obscenis desideriis, pudendo crimine etiam Cleopatrae…Antonius solus contumelia naturae vilitatem auro fecit. O dignum proscriptione, sed Spartaci. ( Während Spartakus bekanntlich in seinem Lager verbot, dass jemand Gold und Silber besitzen sollte ! So viel edleren Sinn hatten unsere davongelaufenen Sklaven ! Der Redner Messaqla hat überliefert, dass sich der Triumvir Antonius sogar zu allen schmutzigen Bedürfnissen goldener Gefäße bedient habe, ein Frevel, dessen sich selbst eine Kleopatra zu schämen gehabt hätte…Antonius allein verwendet das Gold zu den niedrigsten Bedürfnissen der Natur. Wie sehr verdiente er den Bann, das heißt von einem Spartakus.) Man braucht sich Plinius Verachtung des Antonius nicht anzuschließen. Baut dem Rat Lenins folgend in den Metropolen öffentliche Bedürfnisanstalten aus Gold, denn in der kommunistischen Gesellschaft herrscht die Gegenwart über die Vergangenheit und gäbe es bessere Zeichen der Verachtung der blutigen Klassenkampfgeschichte, in der sich Millionen und Abermillionen Menschen gegenseitig abschlachteten um des Goldes willen in den Händen Weniger ?

3. Beim Sturm auf das Winterpalais sind leider sechs Genossen von konterrevolutionären Soldaten des Zaren getötet worden. WIR VERNEIGEN UNS VOR DIESEN HELDEN DER OKTOBERREVOLUTION.

4. Josef Stalin, An alle Arbeiter, Stalin Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1950,165


Zur Dialektik europäischer Revolutionen

8. August 2011

Die bürgerliche Revolution von 1789 weist zwei entgegengesetzte Schwerpunkte auf, betrachtet man sie unter dem Aspekt der Dialektik von Revolution und Konterrevolution. In ihrer fortschrittlichsten Phase, unter der Jakobinerdiktatur, kam es zur politischen Hegemonie des Vorproletariats über die Großbourgeoisie wie sonst nirgends in einer bürgerlichen Revolution, die deshalb auch zu Recht eine klassische genannt wird. Aber sie schuf im Grunde keine revolutionären Organe, die ihre revolutionäre Vitalität zu Resultaten geführt hätte, eine großbourgeoise Verschwörung führte am 9. Thermidor (27. Juli) 1794 zum Sturz Robespierre und eine schamlose Bereicherungsorgie begann vor den Augen der armen Bauern und Plebejer. Im Gegenteil, in der Frage der institutionellen Repression vervollkommnete sie sogar noch, wie es Alexis de Tocqueville und Karl Marx übereinstimmend feststellten,  den bereits im Absolutismus angelegeten zentralisierten Staats- und Machtapparat, völlig die Worte Rousseaus vergessend, dass die Institutionen den Menschen verderben. Aber die Hochphase der Revolution von 1789, die die bürgerlichen Historiker als terroristische mißdeuten,  war im Grunde eine der seltenen Unterbrechungen des Terrors von oben, stellte die Weichen für eine Entwicklung, die über die 48er Revolution, die der sozialistischen den Weg ebnete (1.),  1871 in die Pariser Kommune mündete.Wie sehr Rousseau Recht hatte, zeigten sowohl die Junischlächtereien 1848 als auch die Maischlächtereien 1871 am Pariser Proletariat.

Im Gegensatz zur bürgerlichen Revolution, die durch die Aufklärung und gescheiterten Finanzreformen, Mißernten und Hungersnöte vorbereitet wurde, war die Kommunerevolution  in Paris spontan entstanden und konnte die politische Hegemonie nur acht Wochen halten. Das Proletariat war  auf seine Revolution nicht vorbereitet. Ihr großer Verdienst bestand darin, durch die Ersetzung des stehenden Heeres und der Polizei durch die allgemeine Volksbewaffnung die Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates als historisch notwendig zur Befreiung der Arbeit vom Kapital auf die Tagesordnung gesetzt zu haben. Auf Grund dieser historischen  Erfahrung hielten es Marx und Engels für notwendig, das Kommunistische Manifest essentiell zu ändern: „Namentlich hat die Kommune den Beweis geliefert, daß die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschine einfach in Besitz nehmen und sie für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann.“ 2. Es ist durchaus zulässig, die Pariser Kommune als ein Mittelglied zwischen 1789 und 1917 zu betrachten, aber nicht nur. Deren große weltgeschichtliche Leistung, das Zerbrechen der bürgerlichen Staatsmaschine, erklärte Lenin zum Entscheidenden in der marxistischen Lehre vom Staat in seinem Fundamentalwerk „Staat und Revolution“. 3. Dieses Werk mußte erst einmal den Marxismus auf seine Militanz zurückführen, nachdem die Sozialdemokraten durch die friedliche Entwicklung in Europa zwischen 1871 und 1914 verleitet, sich von dieser opportunistisch entwöhnt hatten. Die Verfälschungen, Verflachungen und Entstellungen des Marxismus gerade in der Frage des Staates gingen soweit, die miltante Spitze des Marxismus als „Anarchismus“  zu diskreditieren. Lenin erinnerte vehement daran, dass es die Aufgabe der von Marxisten geführten Arbeiterbewegung  ist, die Bourgeoisie zu vernichten und dass Marx und Bakunin  in der Frage des Zieles „Anarchie“, aber auch nur in dieser Frage, gar nicht auseinandergehen. 4.

Aber zwischen 1871 und 1914 bzw. 1917 fällt noch das Jahr 1905, das Jahr der ersten russischen Revolution im zwanzigsten Jahrhundert und die Lenin nicht nur als als Generalprobe der Oktoberrevolution 5. hoch einschätzte, sondern die er auch als die größte proletarische Bewegung seit der Pariser Kommune bezeichnete 6. , die ihr Werk fortsetzt. Spätestens mit dieser Revolution wurde deutlich, dass Russland sein Umschlagen der Gegensätze erlebt hatte: vom Hort der europäischen Reaktion, das es 1848 noch war, zur „Vorhut der revolutionären Aktion von Europa“ 7., wie es Marx und  Engels schon 1882 erkannten. Denn in dieser Revolution bildeten sich sogenannte ARBEITERRÄTE (Sowjets) heraus, die Lenin als Keimformen des Absterbens jedes Staates bezeichnete 8., so daß nicht erst die Revolution im Oktober 1917, sondern bereits die von 1905, die im Grunde eine bäuerlich bürgerliche war und ihr Ziel, Liquidierung der Romanow Dynastie nicht einmal erreichte,  einer klassisch bürgerlichen, die die Vervollkommnung des Staatsapparates betreibt, antipodisch entgegensteht. Die Räte bilden nach der Kommunistischen Partei den Kern der Diktatur des Proletariats. Die im Zeitrahmen einer menschlichen Schwangerschaft stattfindende russische Doppelrevolution von 1917, in sich die Negation der Negation enthaltend, wies zudem die Eigentümlichkeit auf, dass es in der Phase zwischen Februar und Oktober auch wieder zur Herausbildung von Sowjets kam, in denen die Menschewiki zusehends an Einfluß verloren, so daß die revolutionäre Woge der mehrheitlich bolschewistischen Sowjets die Februarrevolution hinwegspülte.Wenn die Sowjets von 1905 in weltgeschichtlicher Hinsicht bereits als Keimformen des Absterbens jedes Staates zu deuten sind, so sind sie nach 1917 in den Überlegungen Lenins auch insofern wichtig, als eine elastische Vereinigung von Partei- und Sowjetinstitutionen zunächst „eine Quelle außerordentlicher Kraft in unserer Politik“ 9. darstellt, sodann aber in dieser Verkopplung mit dem Sowjetischen auch das Parteiische abstirbt. Bürgerliche herrschaftsfixierte Ideologen haben sich über den Sowjetstaat immer den Kopf zerbrochen an der Frage: herrscht der Sowjet oder die Partei ? Ihnen kann es nicht in den Sinn kommen, daß beide revolutionären Organe historisch vorübergehend sind.

Makrohistorisch leuchten die Jahreszahlen 1789 (10.)  (Deklaration der Rechte des Menschen und Bürgers, in der das Privateigentum für heilig und unverletzlich erklärt wurde) und 1917 (Deklaration der Rechte des werktätigen und ausgebeuteten Volkes, auf der Basis der Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmitteln) aus dem unendlichen Strom der Weltgeschichte hervor, aber in „mikrohistorischer“ Sicht haben sowohl die Pariser Kommune als auch die russische Revolution von 1905 der Befreiung des Weltproletariats viel gegeben. „In mikrohistorischer Sicht“ ist natürlich zu relativieren: denn die Oktoberrevolution setzt das Werk der Kommune und das Werk von 1905 fort, hat in ihnen historische Wurzeln. 11. Auch in der wissenschaftlichen Analyse von Revolutionen ist die enge Verknüpfung politischer und öconomischer Prozesse zu beachten, sowohl die bürgerliche Revolution  in Frankreich expropriierte über den Pariser Konvent als auch die proletarische über die Pariser Kommune. Das Durchbrechen der Eigentumsschranke ist die Bedingung für die Erfüllung des von Lenin festgelegte Kriteriums einer erfolgreichen Revolution: die Beziehungen unter den Menschen haben sich gewandelt. Ohne Tabu- und Milieubruch kann es zu keiner Revolution kommen.

Die Revolutionserwartung war für die Bolschewiki ebenso trügerisch wie für die internationalistisch ausgerichteten bürgerlichen Antifeudalen und proletarischen Revolutionäre Marx und Engels vor der 48er Revolution. Der durch die imperialistische Eroberungskonkurrenz bedingte Weltkrieg hatte alle teilnehmenden Länder in eine tiefe Krise gestürzt, die nur eine revolutionäre Lösung zuzulassen schien. Im theoretischen Schaffen Lenins ist die Ernüchterung über das Ausbleiben der erwarteten Kettenreaktion in zwei thematisch eng zusammenhängenden Schriften nachvollziehbar: betrachtete er im August/September 1917 in „Staat und Revolution“ kurz vor dem roten Oktober die russische Revolution noch  als „ein Glied in der Kette der sozialistischen proletarischen Revolutionen , die durch den Krieg hervorgerufen werden“ 12., so erklärte  er ein Jahr später in der Anti Kautsky Broschüre den Sieg über die Ausbeuter in einem Land zur Regel, eine gleichzeitige Revolution in einer Reihe von Ländern aber zur Ausnahme. 13. Eine Desillusionierung einer internationalistischen Revolutionserwartung ist also Marx/Engels und Lenin gemeinsam. Trotzki verharrte am verbissensten auf „48er Positionen“, diese seine Illusion wurde wohl erst durch einen berühmten Eispickel zum Platzen gebracht.

1. Friedrich Engels, An den italienischen Leser. Vorwort zur italienischen Ausgabe des Kommunistischen Manifestes von 1893, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,37

2. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe von 1872, Dietz Verlag Berlin 1983,12. In seiner Broschüre „Die soziale Revolution“ aus dem Jahre 1902 umgeht Karl Kautsky gerade diese zentrale Frage. „Gerade das, was Marx 1872 im Programm des „Kommunistischen Manifests“  für „veraltet“ erklärt, wird von Kautsky 1902 wieder aufgewärmt“. (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,494).

3. Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,418

4. Vergleiche a.a.O.,449

5. Vergleiche Lenin, Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin 1959,92. Es erwies sich als richtig, dass  die Anhänger Lenins im zahlenmäßig schwachen russischen Proletariat entwicklungsfähige revolutionäre Potenzen sahen und nicht wie die Volkstümler in den die große Mehrheit bildenden  Kleinbauern, die sich aber nicht entwickelten, sondern zerfielen. Die Fehleinschätzung der „Lebensraum im Osten“ Ideologie des deutschen Faschismus bstand darin, in Russland noch vorwiegend ein Bauernland zu sehen und die proletarisch industrielle Basis der Sowjetunion zu unterschätzen. Die Quelle der russischen Revolution lag gerade nicht in der bäuerlichen Dorfkommune, Lenin hatte alle kleinbäuerlichen und kleinbürgerlichen Theoretiker widerlegt, die einen nichteuropäischen Weg Russlands zum Sozialismus befürworteten.

6. Vergleiche Lenin, Zur Einschätzung der russischen Revolution, Werke Band 15, Dietz Verlag 1962,50. Im Oktober 1905 gab es eine mächtige Streikbewegung und im Dezember bewaffnete Aufstände in Moskau und Sankt Petersburg und in Lettland.

7. Karl Marx, Friedrich Engels: Vorrede zur zweiten russischen Ausgabe des Kommunistischen Manifestes von 1882, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,14

8. Vergleiche Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 1959,27

9. Lenin, Lieber weniger, aber besser, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971,776

10. Für Lenin ging die Revolution von 1789 weiter als die von 1848. (Siehe: Eine Revolution vom Typus 1789 oder vom Typus 1848 ?. in: Werke Band 8, S. 248 bis 250).

11. Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,445

12. a.a.O.,396

13. Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959,252