Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt Geschichtsklitterung und Volksverdummung Wer hat die Toten an der Berliner Mauer auf dem Gewissen ?

In seiner Septemberausgabe 2011 geht „Der Grundstein Säemann“, die Zeitung der Industriegwerkschaft Bauen Agrar Umwelt unter dem Titel „Näher hingeschaut“ auf zwei Seiten auf das 50 jährige Jubiläum des Berliner Mauerbaus ein. Es wird allerdings gar nicht näher hingeschaut, sondern der Leser / die Leserin muß den Eindruck gewinnen, als befinde sich die Redaktion des Saemanns auf einem sehr fernen, uns noch relativ unbekannten Planeten und schaue durch ein recht verschmutztes Fernrohr auf die deutsche Hauptstadt. Achtzig Prozent der beiden Seiten werden von einem großen schwarz weiß Foto abgedeckt, angeblich soll es der sich in Stacheldraht verfangene Peter Fechter sein, und ansonsten werden einige Namen von Mauertoten aufgeführt, die stellvertretend für alle Opfer der innerdeutschen Grenze erwähnt werden. Natürlich liegt hier ein Musterbeispiel für Geschichtsklitterung und Volksverdummung vor, denn die Redaktion des Saemanns irrt sich gewaltig, wenn sie meint, diejenigen, die im sogenannten Goldenen Westen, der für die arbeitenden Menschen in Wirklichkeit tagtäglich die Hölle auf Erden ist (wir kommen darauf noch zu sprechen), die schnelle Mark machen wollten, seien im Gedächtnis und im Herzen des deutschen Volkes Freiheitskämpfer. Es war sehr leicht in der DDR, an die Werke von Marx, Engels und Lenin heranzukommen und von deren Studium aus ohne Zweifel vorhandene Fehler beim Aufbau des Sozialismus aufzudecken. Nicht aber an die Werke Stalins, was sicherlich ein Fehler war. Lenin scheute sich nicht, seinen Botschaftern zu empfehlen, für die gegen den Bolschewismus gerichteten Schrift von Karl Kautsky „Die Diktatur des Proletariats“ (Wien 1918, Ignaz Brand) einige Tausend Rubel auszugeben, um sie dann kostenlos an klassenbewußte Arbeiter zu verteilen. (1.).  Die Arbeiterklasse ist nicht so dumm, dass sie nicht die Spreu vom Weizen trennen könnte. In einer sozialistischen Republik sollten auch immer die Werke Leo Trotzkis frei verfügbar sein, so wie sie es zu Lebzeiten Lenins in der Sowjetunion waren. Klassenbewußte Arbeiter lesen ohnehin komparativ. Gerade aus diesen Kontroversen, die ja nur theoretischer Ausdruck eines Klassenkampfes sind, lernt man viel. (2.) Marxistisch Leninistische Kritik an der DDR war das, was dem ganzen deutschen Volk zugute gekommen wäre, nicht das Überlaufen zu den kapitalistischen Blutsaugern und Volksfeinden. Es kann deshalb für diese Verräter an den deutschen Arbeitern und Bauern kein Gedenken geben. Die DDR – „Bürgerrechtlerin“ Vera Lengsfeld witzelt in ihrem Buch „Ich wollte frei sein. Die Mauer, die Stasi , die Revolution (Herbig Verlag Müchen 2011), dass nicht alles schlecht an der DDR war, die Bürgerrechtler waren das Beste, was die DDR zu bieten hatte. Aber nicht der Charakter dieser unreifen, durch kapitalistische Propaganda Getäuschten ist ja das Thema, sondern die Verfälschung der deutschen Geschichte durch die Zeitung der IG Bau Agrar Umwelt. Es hilft auch nichts, wenn sich deren Redaktion wähnt, sich im Einverständnis mit der sogenannten schweigenden Mehrheit des deutschen Volkes zu befinden, letztendlich  geht es um ein gesellschaftswissenschaftliches Thema und bekanntlich sagte schon Aristoteles, dass man über die wissenschaftliche Wahrheit gar nicht abstimmen könne. Wenden wir uns also der gesellschaftswissenschaftlichen Analyse des Themas zu und schauen dadurch in der Tat näher hin im aufklärerischen Sinne.

In der Analyse der Pariser Kommune, die Karl Marx im Bürgerkrieg in Frankreich dargelegt hat, finden sich einige interessante Gedanken zur Erschießung von 64 Geiseln, voran der Erzbischof von Paris: Darboy, durch die roten Truppen der Kommune. Als das Haupt der Konterrevolution Thiers an das Erschießen kommunalistischer Gefangener ging, blieb den Kommunarden nichts anderes übrig, als ihrerseits Geiseln zu nehmen, um die Gefangenen zu schützen. Nun hatte die Kommune einen Tausch vorgeschlagen, den Erzbischof und einen ganzen Haufen Pfaffen gegen einen Mann, und zwar Louis Auguste Blanqui, ein fähiger Kopf des bewaffneten Aufstandes. (3.)  „Thiers weigerte sich hartnäckig. Er wußte, daß er der Kommune mit Blanqui einen Kopf geben werde, während der Erzbischof seinen Zwecken am besten dienen würde als – Leiche.“ (4.) „Der wirkliche Mörder des Bischofs Darboy ist Thiers.“ (5.) Man denke sich in diese Logik des Klassenkampfes, in diese Dialektik von Revolution und Konterrevolution hinein.

Am 10. März 1952 sorgte die Stalin Note für Aufsehen in der Weltpolitik. In dieser Note unterbreitete Stalin bemerkenswerte Vorschläge zur Überwindung der Teilung Deutschlands. Im Zuge der Wiedervereinigung war der Abzug aller ausländischen Truppen vorgesehen, des weiteren ein pluralistisches Parteiensystem, keinerlei Handelsbeschränkungen für Deutschland und nur sieben Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges die Aufstellung von nationalen Verteidigungsstreitkräften. Wenn man in Erwägung zieht, welch unermeßliches Leid eine deutsche bestialische Armee über die UdSSR gebracht hat, ein Vorschlag, der von der heroischen Größe dieses Landes und Stalins zeugt. 6. Ganz anders die Zwergmißgeburt Konrad Adenauer und seine nazistische dem US Imperialismus hörige Clique, die diese für das deutsche Volk so segensreichen Vorschläge ignorierte. Seriöse bürgerliche Historiker sprachen und sprechen von der „vertanen Chance“. Selbst der Mitherausgeber der rechtskonservativen FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, Paul Sethe, kritisierte Adenauer scharf (siehe sein 1956 erschienenes Buch: Von Bonn nach Moskau und: Schicksalsstunden der Weltgeschichte(7.)). Wieviel Kummer , Leid und vergossenes Blut wäre einem ungeteilten Deutschland ohne Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl erspart geblieben ! (8.) Der Berliner Volksmund nennt den zu einem Museum umgewandelten Grenzübergang Friedrichstrasse  sinnigerweise „Tränenpalast“. DIE MÖRDER DER TOTEN AN DER INNERDEUTSCHEN GRENZE HEISSEN HARRY S. TRUMAN (verantwortlich für 200 000 Tote nach dem Atombombenabwurf in Japan), JOHN F. KENNEDY, KONRAD ADENAUER UND WILLY BRANDT. Man verweist zu Recht auf die Ungeheuerlichkeit, dass ein Jurist, der sich 1935 für eine Verschärfung der Nürnberger Rassegesetze ausgesprochen hatte (9.), ein gewisser Dr. Globke, Sohn eines Tuchhändlers, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder als Jurist in Erscheinung tritt, und zwar als Staatssekretär im Bonner Bundeskanzleramt. Nach dem Nerobefehl Hitlers, das ganze deutsche Volk durch Zerstörung seiner ökonomischen Grundlagen  zu vernichten, ist die Zurückweisung der Stalinnote die  zweitgrößte volksfeindliche Handlung am deutschen Volk in seiner ganzen Geschichte, und das innerhalb von sieben Jahren. Es gibt kein zweites Volk in der Weltgeschichte, das von seinem Bürgertum so sehr gequält, krankgemacht und verraten wurde wie das deutsche Volk, wir sehen die tragischen Konsequenzen an einem Volk, das in seiner Geschichte keine erfolgreiche Revolution, sondern immer nur erfolgreiche Konterrevolutionen mitgemacht hat. „Wir, unsere Hirten an der Spitze, befanden uns immer nur einmal in der Gesellschaft der Freiheit, am Tag ihrer Beerdigung.“ (10.) Die noch heute gefeierte Einheit unter kapitalistischen Vorzeichen hätte das deutsche Volk schon 1952  haben können. Als Bismarck nach dem deutschen Bürgerkrieg 1866 mit der Kleinstaaterei aufräumte, da posaunte der chauvinistisch werdende Bourgeois von einer weltgeschichtlichen Errungenschaft. Das war sie nicht, schrieb Engels, „…sondern eine sehr, sehr späte und unvollkommne Nachahmung dessen, was die Französische Revolution schon siebzig Jahre früher getan, und was alle andern Kulturstaaten längst eingeführt. Statt zu prahlen, hätte man sich schämen sollen, daß das „hochgebildete“ Deutschland hiermit zuallerletzt kam“ (11.).  Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit,  gibt es für die „hochgebildete“ Bourgeoisie, die die Montagsdemonstrationen in der DDR für sich ausschlachtet, als hätte sie sie initiiert und geleitet,  nichts zu feiern, schämen sollte sie sich ! Und zu fragen ist auch immer, um was für eine deutsche Einheit handelt sich eigentlich ? Es ist eine Einheit der Kapitalisten zur Ausplünderung und sozialen Verelendung des deutschen Volkes, die Werktätigen brauchen aber eine einheitliche internationalistisch ausgerichtete Nation OHNE Kapitalisten mit der Perspektive einer Überwindung jeglichen Nationalismusses.

Diese Zusammenhänge scheinen dem Saemann nicht geläufig, ja nicht einmal in seiner eigenen Zeitung sieht er die Zusammenhänge. Es selbst bringt doch nur fünf Seiten weiter einen Artikel über einen Kartofellschälbetrieb im Raum Böblingen, in dem polnische Arbeitskräfte „bis zu zwanzig Stunden…unter menschenunwürdigen Bedingungen“(12.). bei einem Lohn von 25 Euro die Woche, dem Niveau von Bangladesh, schuften und von denen sie teilweise noch ihren Lebensunterhalt bestreiten mußten. Also die Hölle auf Erden. Dieser Kartoffelschälbetrieb belieferte auch die Porsche Kantinen in Weissach  und Zuffenhausen sowie Kindertagesstätten und das Stuttgarter Klinikum. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der bundesrepublikanischen Wirklichkeit und dieser Zustand der Vertierung von Menschen wird anhalten, solange lediglich Polizei- und Zollbeamte gegen kapitalistische Volksfeinde eingesetzt werden wie im Falle des Betreiberehepaares des Schälbetriebes. Die Arbeiterklasse selbst muß mit dem perversen Ausbeuterdreck abrechnen, auf proletarische Manier. Das Ausbeutergesindel in Deutschland soll sich nicht täuschen, es werden Mauern in Deutschland gebaut werden, Arbeitslager für Gesindel wie zum Beispiel das Betreiberehepaar in Böblingen. Ich denke, den Redakteuren des Säemanns täten ein paar Besinnungstage  im Lager auch ganz gut.

1. Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin 1959, 279

2. Es ist zu empfehlen, die Schriften Trotzkis mit Hinweisen auf Lenins und Stalins Gegenargumente zu versehen oder Texte von Lenin und Stalin und anderen gegen Trotzki den Werken Trotzkis beizugeben. Die Geschichte des Marxismus ist klassenkämpferisch immer eine Auseinandersetzung mit ihm feindliche Strömungen, eine Parteiführung darf diese fruchtbaren Auseinandersetzungen nicht unterdrücken. Sie entwickelt sich sonst zu einer Kaste von Hohepriestern, die über die ideologische Reinheit ihrer Schafe wacht. Das ist dem Sozialismus nicht gut bekommen. So hatte die kapitalistische Herrschaftsclique in der BRD in den 60er Jahren die Schrift von Carlos Marighela über die brasilianische Stadtguerilla auf den Index gesetzt und damit diese Schrift erst wichtig und interessant gemacht und die Folge  war, dass im Untergrund gleich mehrere Ausgaben kursierten.

3. Louis Auguste Blanqui (1805 – 1881) französischer Revolutionär, utopischer Kommunist, Organisator mehrerer Geheimgesellschaften und Verschwörungen, aktiver Teilnehmer an den Revolutionen 1830 und 1848, Führer der geheimen Gesellschaften der Jahreszeiten, Organisator des Aufstandes vom 12. Mai 1839, einer der Führer des Aufstandes vom 31. Oktober 1870 in Paris, befand sich zur Zeit der Kommune in Haft, verbrachte insgesamt 36 Jahre im Gefängnis und in Strafkolonien. (Vgl. Marx Engels Ausgewählte Werke Band 1,Dietz Vlg. Berlin 1972, 711.)

4. Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Marx Engels Ausgewählte Werke Band 1, Dietz Vlg. Berlin, 1972, 508

5.a.a.O.

6. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg hatte Lenin darauf hingewiesen, dass alle imperialistischen Siegermächte durch den Versailler Vertrag auf Deutschland einhacken. (Vergleiche Lenin, Lieber weniger, aber besser; Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,779). Daraus ergab sich für das Deutschland der Weimarer Republik eine unterschwellige Kooperation mit der Sowjetunion zu beiderseitigem Nutzen. Ganz in dieser Tradition stand auch die Stalin Note, aber statt das imperialistische Einhacken auf das deutsche Volk zu beenden, verbrüderten sich seine Ausbeuter mit den Imperialisten, um zusammen mit ihnen auf das eigene Volk und auf die sozialistsichen Staaten einzuhacken.

7.In diesem Buch verweist er auf die völlig irrsinnige, auf Bethmann Hollweg zurückgehende Politik der Stärke gegenüber der UdSSR. Das Nato Bündnis sollte zur Einheit führen durch die Entfaltung militärischer Kraft, die so großen Eindruck auf die Russen machen sollte, „…daß sie sich auch ohne westliche Gegengabe bereit erklären würden, Mitteldeutschland wieder aufzugeben.“ (in: Paul Sethe: Schicksalsstunden der Weltgeschichte, Heinrich Scheffler Verlag 1952, 289)

8. Primär ist Philipp Müller zu nennen, der am 11. Mai 1952 während einer Demonstration gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands vor der Essener Gruga Halle durch zwei Schüsse von der Polizei tödlich getroffen wurde, ein Schuß ging direkt in sein junges Herz. Schwerverletzt wurden auch der Sozialdemokrat Bernhard Schwarze aus Konstanz und der Gewerkschaftler Albert Bretthauer aus Münster. Obwohl Schußwaffengebrauch der Demonstranten nicht nachgewiesen werden konnte, stufte das Dortmunder Landgericht die Tat als Notwehr ein.

9. Nicht nur der eigentliche Geschlechtsverkehr mit Juden sei strafbar, sondern auch beischlafähnliche Handlungen wie gegenseitige manuelle Befriedigung. Globke, der in der DDR per Haftbefehl gesucht wurde, wurde am 23. Juli 1963 vom 1. Strafsenat des Obersten Gerichtes der DDR unter Vorsitz von Präsident Dr. Heinrich Toeplitz in Abwesenheit zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt.

10. Karl Marx, Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung, in MEW 1, 379 f.

11.Friedrich Engels, Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, MEW 21,435

12. Razzia im Kartoffelschälbetrieb, Sklavenarbeit aufgedeckt, Der Grundstein Säemann, September 2011,23


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