Die Schafe im deutschen Bundestag und ihr Oberhirte Zur Rede des Papstes im deutschen Bundestag

Erst der Zusammenbruch der DDR hat es möglich gemacht, dass der Papst gestern in Berlin als deutscher Hauptstadt eine Rede gehalten hat statt im relativ belanglosen und provinziellen Bonn. Die Rede, die eine von achtzehn ist, die der Papst bei seinem Besuch in Deutschland hält und die im Leitartikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bereits als Jahrhundertereignis bezeichnet wurde, enthält erwartungsgemäß die feudal aristokratische Sklavenhalterideologie, die den Tarnmantel des Humanismus und der Ökologie über ihre Eiterbeulen gezogen hat. Lenin sagt, in der Politik sind die Menschen immer Opfer von Betrug und Selbstbetrug gewesen: gehen wir einmal die Rede durch, die der Oberhirte der mittelalterlichen Christenheit, die täglich weltweit wie der Islam Millionen Menschen seelisch verstümmelt, zu Duckmäusern erzieht und Menschen um ihr Menschsein betrügt, auch sexuell vergewaltigt, auf Einladung des Bundestagspräsidenten gehalten hat. Kann die fortschrittliche Menschheit von diesem perversen Pack überhaupt Anregungen bekommen ? JA, im negativen Sinn.

Er wolle uns ein paar Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates vorlegen. Diese sieht er entstanden in der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom, in der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms (dem sozialen Naturrecht der Stoa und dem römischen Recht). So weit brauchen wir aber gar nicht zurückgehen. Damit sich ein Staat überhaupt bilden kann, ist ein Überschuß in der tagtäglichen Volkswirtschaft nötig, der als Steuer abgeführt wird, damit die unproduktiven Staatsbeamten überhaupt leben können vom Überschuß, den die Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen, Bauern und Bäuerinnen durch ihre Hände Arbeit erwirtschaften. Die unproduktiven Elemente sind äußerst erfinderisch im Aufspüren nebulöser Quellen des Staates. Es war zu erwarten und auch verständlich, wenn der Papst mit seiner Gottschrulle als Quelle ankommt, Arbeiter und Bauern kommen denn auch in seiner Rede nicht vor, die auch sein Schmarotzerdasein erst ermöglichen. Die Bauern klagten im Bauernkrieg, dass die neuen Lasten vom Teufel als „ein Würker aller Ungerechtigkait“ kämen und der Erzbischof sei sein Jagdhund, der durch Tyranen und Bluetsaufer“ eintreiben läßt. 1. Immerhin sind es 8,5 Millionen Euro jährlich, die die deutsche Bischofskonferenz auf Vatikankonten transferiert. Geld, das den Hartz IV Kollegen so dringend fehlt.

Trickreich bringt er am Anfang seiner Rede ein Zitat vom heiligen Augustinus: „Nimm das Recht weg – was ist dann der Staat noch anderes als eine große Räuberbande“.  Der Clou beim Staat ist nun aber gerade, das das Ausrauben des Volkes ja gerade über das Gesetz läuft, denn das Recht ist nichts anderes als der zum Gesetz erhobene Wille der herrschenden Klasse, die ihre Gerichtsvollzieher hat, die, in der Regel ohne es zu wissen, die Dreckarbeit des Eintreibens nur für diese Klasse erledigen. Schon der junge Karl Marx wußte, dass die Existenz des Staates und die Existenz der Sklaverei unzertrennlich sind. Wer von einem freiheitlichen Rechtsstaat faselt, versteht weder  etwas von Freiheit noch vom Staat. Als Vorbild stellt der Papst König Salomom hin, der zu Gott gesagt haben soll: Verleih Deinem Knecht ein hörendes Herz. Romantische Worte fürwahr, in der Politik allerdings wertlos. Überhaupt ist es eine beleidigende Dreistigkeit, diese ganz mittelalterliche knechtische Untertanengesinnung im 21. Jahrhundert einem Parlament einer Republik als vorbildlich hinzustellen. Es gab im Parlament keinen Protest der „freien“ „Republikaner“, die Schafe blökten nicht.

Den Papst treibt um, wie können wir zwischen gut und böse unterscheiden ? Subjektiv müßte man dazu wissen, was gut und böse ist. Rein gefühlsmäßig wollen die Menschen das Gute, übersehen dabei aber, das das Böse in der Weltgeschichte die Triebkraft des Fortschritts ist. Schon Hegel, der übrigens sehr verächtlich vom „Brei des Herzens“ sprach,  philosophierte, dass man etwas Höheres sage, wenn man sagt, der Mensch sei böse als wenn man ihn für gut hält. Karl Marx vertrat in seiner Polemik gegen Proudhon, einem Apostel des Guten, im „Elend der Philosophie“, dass es gerade das Schlechte ist, was sich historisch durchsetzt. In seiner Polemik gegen Ludwig Feuerbach weist Engels nach, dass es „grade die schlechten Leidenschaften der Menschen sind, Habgier und Herrschsucht“ 2. , die zu Hebeln der geschichtlichen Entwicklung werden, wovon zum Beispiel die Geschichte des Feudalismus und der Bourgeoisie ein einziger fortlaufender Beweis ist.

Nachweislich falsch ist die Behauptung des Papstes, die Widerstandskämpfer gegen Hitler hätten der Menschheit als Ganzer einen Dienst erweisen wollen. Jeder Geschichtsstudent im ersten Semester weiß doch, dass diese ach so tapferen „Helden“ den Krieg gegen die fortschrittliche Menschheit, gegen die sowjetischen Völker und gegen Stalin fortführen wollten (als dem Reich des Bösen).

Die Behauptung  des Papstes, in der Geschichte seien  Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden, bedarf gerade einer näheren Begründung: natürlich taten die Oberhirten der Schafsvölker immer gut daran, ihrem Willen qua Gesetz  (ihrer Knute) eine höhere metaphysische Weihe zu geben. Deshalb richteten sie die Blicke ihrer Untertanen zum Himmel, um  ihnen gegenüber „göttlicher“ zu erscheinen, schon Rousseau wies 1762 im achten Kapitel des zweiten Buches des Gesellschaftsvertrages auf diesen faulen Zauber hin. Es sei allenthalben besser, dass der Gesetzgeber Gott anruft, „um damit dem Volk Ehrfurcht einzuflößen“ 3.,  als dass er einen Vogel abrichtet, der ihm die Gesetze ins Ohr singt. „Die Könige sind von Gott gesandt, und in dieser Eigenschaft bringen sie den Abglanz des Göttlichen auf die Erde“, ließ Jakob I. nach der Aufdeckung der Pulververschwörung dem englischen Parlament wissen, das Bibelwort im Johannesevangelium (8,23) variierend: „Ihr seid von unten her, ich bin von oben her, ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.“ (Nebenbei bemerkt: im konfuzianischen Religionsraum wurden die chinesischen Kaiser als Söhne des Himmels angesehen). Lenin hatte völlig Recht, als er die Religion als eine Art geistiger Fusel bezeichnete, mit dem der Sklave sein Sklavendasein betäuben soll. (Etwas anderes als Fusel ist für Frau Sahra Wagenknecht die Religion, sie sei ein Teil der menschlichen Kultur, wo auch wichtige Zusammenhänge auf bestimmte Art reflektiert wurden. Hegel hätte philosophisch aufgezeigt, welche unglaubliche Dialektik, welche unglaublich tiefen Einsichten in der Religion enthalten sind. Machen Sie so weiter, Frau Wagenknecht, und beim nächsten Papstbesuch in Deutschland sitzen Sie in der ersten Reihe.  (- siehe: google: sahra wagenknecht mitglied des deutschen bundestages das leben leben -)  Nein, man muß die Eisenstange zwischen den Pfaffen sausen lassen).

Gegen Ende seiner Rede hat der Papst die mittelalterliche Weltordnung  wieder zurecht gerückt: die Vernunft in der Natur offenbare einen Creator Spiritus. In diesem Zusammenhang lobt er ausdrücklich die Anfänge der ökologischen Bewegung, er habe da einen Schrei nach frischer Luft gehört, jedoch: „Es ist wohl klar, dass ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies.“ 4. Aber was ist dies denn anderes als reinster Klerikalismus. Der Klerus hat immer beansprucht, über alle weltlichen Parteizwistigkeiten, über allen Klassen zu stehen. Schon Lenin wies auf die Rede des Bischofs Mitrofan in der zaristischen Duma im Jahre 1909 hin, von dem der Papst, der Bischof von Rom, in diesem Punkt hätte abschreiben können. 5.

Eine geradezu atemberaubende Geschichtsverdrehung müssen wir verfolgen, wenn der Papst die Ideen der französischen Revolution als christliche Errungenschaften präsentiert. Daneben nehmen sich die Dissertationsfälschungen eines zu Guttenberg wie eine Bagatelle aus. Und die Schafe schlafen weiter. Das Gegenteil ist wahr: der Vatikan hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit die Ideen der Aufklärung und der französischen Revolution nicht zum historischen Durchbruch gelangen und unterstützte bis zum Schluß Ludwig den XVI., der auf Grund seines Vetorechts die Deklaration der Menschenrechte nicht unterschreiben wollte, ja unterstützte ihn über den Tod hinaus. Aufschlußreich ist die Reaktion Papst Pius  VI.  auf die Guillotinierung dieses Menschenrechtskannibalen: “ O glorreicher Tag für Ludwig, dem Gott die Kraft gab, Verfolgung und Martyrium geduldig zu durchleiden. Voller Vertrauen wissen wir, daß er die zerbrechliche Krone der königlichen Herrschaft und die Vergänglichkeit der weltlichen Lilien gegen die Lilienkrone der Ewigkeit eingetauscht hat, die Engel ihm wanden“. 6. Der ehemalige Bundestagspräsident Thierse ist dem Papst auf den Leim gegangen: in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung führt er aus, dass es auch große Historiker und Philosophen gibt, die zu Recht (!!!) sagen, die Aufklärung sei ein Kind des Christentums. (siehe: google: thierse die aufklärung ist ein kind des christentums) Namen nennt er nicht, denn in der Tat wird sich kein seriöser Wissenschaftler zu einer derart abstrusen These herunterlassen. Erinnern wir Thierse daran, dass es der französische Aufklärer Meslier war (Voltaire gab 1762 Schriften von ihm heraus), der schrieb, dass man die Pfaffen an ihren eigenen Gedärmen aufhängen müsse. Wie ein sozialdemokratisches Pfäfflein wirft Thierse die Frage auf, ob die Welt friedlicher sei, wenn Atheisten herrschen. Die Gegenbeweise seien  durch Hitler, Stalin, Pol Pot und Mao Tse Tung erbracht. Aber es geht nicht um eine friedlichere Welt, sondern darum, die Menschheit für immer von allen Klassenkämpfen zu befreien. So wie die bürgerlichen Jakobiner die feudal-pfäffische Ständegesellschaft in Schutt und Asche gelegt haben, so müssen die proletarischen Jakobiner die bürgerliche Klassengesellschaft in Schutt und Asche legen. Im übrigen war Hitler weder ein Atheist noch ein proletarischer Jakobiner. Atheisten wurden im Nazireich verfolgt und endeten in der Regel in Konzentrationslagern. Hitler wollte ein Tausendjähriges Reich der deutschen Herrenrasse über alle Völker; Stalin, Pol Pot und Mao wollten eine Welt ohne Herrschaft.

In seiner Studie über Ludwig Feuerbach gibt Engels einen  fruchtbaren Hinweis zur Entstehung der Religion. „Die Religion ist entstanden zu einer sehr waldursprünglichen Zeit aus mißverständlichen, waldursprünglichen Vorstellungen der Menschen über ihre eigne und die sie umgebende äußere Natur.“ 7. Liest man die Rede des Papstes unter diesem Aspekt, so ist es nicht verwunderlich, in welch bizarre waldursprüngliche Gedankenwelt sie uns führt: König Salomon, Jerusalem, Stoa, der große Theologe Origenes, Brief Paulus an die Römer…usw…usf., und wie der ganze theologische Waldplunder sonst noch heißen mag, den der Hinterwaldschrad aus Rom für seine schafsköpfigen parlamentarischen Hinterweltler bzw. Hinterbänkler  auftischt. Er bestätigt die Feststellung von Marx und Engels im Kommunistischen Manifest, daß in der bürgerlichen Gesellschaft die Vergangenheit über die Gegenwart herrscht. 8.

Gibt nicht der Papst selbst sein unüberbietbares Armutszeugnis ab ? „Um ihren eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von der Weltlichkeit der Welt zu lösen.“ 9. Das wird nicht mal ein „kalter Bauer“ ! Aber es gibt auch Positives zu berichten. Der katholische und der evangelische Baalspfaffe rücken immer näher, sehen eventuell die Möglichkeit einer Zusammenarbeit. Das ist ohne Zweifel ein Hinweis auf das Erstarken der Arbeiterbewegung, die Heinrich Heines:  „…den Himmel überlassen wir getrost den Engeln und den Spatzen…“ verpflichtet ist. Ohnehin gibt es keinen Grund zur Resignation. Lehrt uns nicht Karl Marx, dass  die Konterrevolution sich erst in ihrer ganzen Gestalt erheben muss, ehe das Proletariat sein Zerstörungswerk beginnt. Im Großen Deutschen Bauernkrieg wurde zuerst die Marienkapelle bei Mellerbach zu Allstedt geschliffen, ein ängstliches Pfäfflein schrieb, die Bauern „wellend den Adel erwurgen und die Pfaffen alle.“ 10. Heute wäre es sinnvoll, die proletarische Revolutuion, die durch einen Bauernkrieg ergänzt werden muß, mit der Zerschlagung des Bundestages zu beginnen, damit sich solche mittelalterlichen Szenen wie gestern in Berlin nie mehr wiederholen können. Allein das devote volksverdummende Verhalten des mittelalterlichen Abgeordnetenpacks gegenüber dem sogenannten Heiligen Vater rechtfertigt schon diesen revolutionären Akt. Mag in der Morgenröte der proletarischen Revolution in Deutschland ein katholisches Pfäfflein dann an den Papst schreiben: die Arbeiter  und Bauern wollen die Kapitalisten erwurgen und die Bankiers alle. Amen.


1. Vergleiche Peter Blickle, Der Bauernkrieg Die Revolution des Gemeinen Mannes, Beck Verlag 2006,37

2. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,287

3. Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag Stuttgart, 1975,46f. Das ist auch der Grund, warum die Richter des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidrig den Segen des Papstes suchen. Richter einer Republik haben sich weltanschaulich neutral zu verhalten, mit ihrem Bekenntnis zum Mittelalter sind es keine Richter mehr. Oder will der Präsident Voßkuhle dem deutschen Volk weismachen, er habe einen Vogel abgerichtet, der ihm die Urteile des Bundesverfassungsgerichts ins Ohr zwitschert.

4. Papst Benedikt XVI. : Die Ökologie des Menschen, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. September 2011, Seite 8

5. Lenin, Klassen und Parteien in ihrem Verhältnis zur Religion, Werke Band 15, Dietz Verlag Berlin, 1962,416f.

6. Acta quibus ecclesiae catholicae catamitatibus in Gallia consultum est, Rom 1871, Band 2,34

7. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975, 303

8. Vergleiche Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin,1977,476

9. Papst Benedikt XVI.: Die Entweltlichung des Weltlichen, Rede im Konzerthaus in Freiburg im Breisgau, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. September 2011,7. Diese Entweltlichung ist dem Professor Ratzinger vom Professor Hegel vorgezeichnet worden: Philosophie sei „…ein abgesondertes  Heiligtum und ihre Diener bilden einen isolierten Priesterstand, der mit der Welt nicht zusammengehen darf und das Besitztum der Wahrheit zu hüten hat. Wie sich die zeitliche, empirische Gegenwart aus ihrem Zwiespalt herausfinde, wie sie sich gestalte, ist ihr zu überlassen und nicht die unmittelbar praktische Sache und Angelegenheit der Philosophie.“ (Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Zweiter Band, Jubiläumsausgabe in zwanzig Bänden, von Hermann Glockner, Band 16, Stuttgart Bad Canstatt 1965, Friedrich Fromann Verlag,356). Der Marxismus führte uns aus dieser religionsphilosophischen Sackgasse hinaus.

10.  Peter Blickle, Die Revolution des Gemeinen Mannes, Beck Verlag, München 2006,13

Advertisements

Schlagwörter:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: