IG BAUEN AGRAR UMWELT JA ZU EUROPA NEIN ZUM KLASSENKAMPF Der Grundstein Säemann predigt Klassenharmonie

Auch in seiner Oktoberausgabe 2011 hat wie in jedem Monat der Bundesvorsitzende der IG Bauen Agrar Umwelt Klaus Wiesehügel einen Leitartikel plaziert, den er mit der Überschrift: „Ja zu Europa“ versehen hat. Er beginnt den Artikel mit einem Satz im Fettdruck: „DIE EUROPÄISCHE INTEGRATION HAT DEUTSCHLAND ÜBER 60 JAHRE FRIEDEN UND WOHLSTAND BESCHERT“. 1. Irgendwie muß man ja anfangen. Dass aber eine Intergration Frieden und Wohlstand bescheren kann – diese Abstraktion ist schwer einzusehen, zumal Karl Marx ein Ergebnis der bürgerlichen Revolutionen in Europa darin sah, dass sie die Staatsangelegenheiten zu Volksangelegenheiten gemacht hat. 2. Mit Verlaub Herr Wiesehügel: Frieden und Wohlstand sind wohl zu allererst Volksangelegenheiten und nicht irgendeine auf dem politischen Parkett vollzogene Integration hat den Wohlstand beschert, sondern die werktätigen Völker haben diesen ERARBEITET. Nimmt man diesen „Wohlstand“ genauer unter die Lupe, so nimmt die Zahl der am Rande des Existenzminimums Lebenden in Europa ständig zu, einen anderen „Wohlstand“ als den einen sich in immer weniger privaten Händen konzentrierenden Reichtum kann es im Kapitalismus nicht geben. Wie kommt es, dass die Arbeit der vielen in den Reichtum der wenigen mündet ? Liest man den Artikel von Wiesehügel, so zwingt sich der Eindruck geradezu auf, dass er sich über diese alles entscheidende Kernfrage des heutigen Lebens von Milliarden Menschen noch keine Gedanken gemacht hat. Er ist deshalb gezwungen, zu einer europäischen Intergration Zuflucht zu nehmen. Für aufgeklärte Menschen ist die Drehachse des modernen gesellschaftlichen Lebens der Klassenkampf. 3. In dem Lichte dieses Satzes von Stalin gilt es, den Artikel von Wiesehügel weiter zu verfolgen, der weiter ausführt, dass derzeit viele Menschen verunsichert sind und sich fragen, woher das ganze Geld kommen soll, das für die Rettung der Banken und der klammen Staatshaushalte bereitgestellt wird ? Ja woher soll es wohl kommen ? Von den produktiven oder von den unproduktiven Klassen ? Da es zweifelsfrei nur von den ersteren kommen kann, ist es schon erstaunlich, auf einen Gewerkschaftsvorsitzenden zu stoßen, der entweder in Unkenntnis des Satzes von Bertolt Brecht lebt: Was ist ein Bankraub im Vergleich zur Gründung einer Bank ? oder sich nicht gründlich mit ihm auseinandergesetzt hat. Die aufgeklärten werktätigen Massen können kein Interesse an der Sanierung von Banken und brüchigen bürgerlichen Staatshaushalten haben, die neben der Exekutive (Armee, Polizei) Werkzeuge ihrer Unterdrückung darstellen. Die griechischen Arbeiter und Arbeiterinnen, die Blutsaugung und Polizeiknüppel sehr drastisch zu spüren bekommen, werden kaum Verständnis für Wiesehügels Satz aufbringen, dass die Gewerkschaft (!!) dafür sorgen muß,“…dass in einem geeinten, demokratischen und sozialen Europa Wohlstand und Frieden dauerhaft erhalten bleibt“. 4. Statt diesen Friedensillusionen hätte es einem Gewerkschaftsvorsitzenden besser zu Gesicht gestanden, ein Wort der Solidarität mit den griechischen Kollegen und Kolleginnen auszusprechen, die nicht nur den „friedensbringenden“ Polizeiknüppel zu spüren bekommen haben, sondern drei Tote zu betrauern und etliche Verletzte zu heilen haben. Gewaltige Massenstreiks durchfluten das Land, selbst die Polizei, die Feuerwehr und die Küstenwache verweigern mittlerweile die Arbeitsaufnahme. Auch davon wird abstrahiert, auch davon, dass hinter jedem Streik die Hydra der Revolution lauert, wie denn der Gewerkschaftsvorsitzende Abstraktionen bevorzugt: Gerade jetzt dürfe sich Deutschland seiner Verantwortung für Europa nicht entziehen. 5. Aber das deutsche Volk setzt sich aus bestimmten Wechselverhältnissen verschiedenster, letztendlich zwei antagonistischen Hauptklassen zusammen. 6. Arbeiter und Bourgeoisie und dazu noch Mittelstand,  Kleinbauern, Mittelbauern, Großbauern, um die in verschiedenen Richtungen zerfallenden Klassenverhältnisse nur ganz grob zu umschreiben. Und nach der Abstraktion „Deutschland“ folgt bei Wiesehügel die weitere Abstraktion: „Europa“.  Europa brauche eine wirksame Bekämpfung der Krisenursachen – die für Deutschland geltenden Klassenspezifizierungen gelten natürlich auch für die Völker Europas – vor allem aber:  diese Ursachen hätte der Leser doch zu gerne erfahren. Hier bleibt der Text merkwürdig stumm, die Krisenursachen selbst bleiben UNBENANNT, ein Forschen nach den Ursachen unterbleibt, es wird direkt aussageverweigert, daß es der Kapitalismus als ein zutiefst krisenanfälliges Wirtschaftssystem ist. Aber diese Ursachen der Krisen sind theoretisch längst aufgedeckt und es die Aufgabe der Arbeiter und Bauern und ihrer Parteien weltweit, die Ursachen mit der Wurzel auszuziehen (das Privateigentum an den Produktionsmitteln). Was für eine Illusion im Leitartikel des Grundsteins, der von dem die Krisen verursachenden Kapitalismus abstrahiert und damit auf den Trugschluß verfällt, per Politik öconomische Krisen lösen zu können. „Europa muß harte Regeln für die Finanzmärkte beschließen, um die Politik aus den Fesseln der Investmentbanken zu befreien.“ 7. Die Befreiung der Poltik aus den Fesseln der Banken ist eine Illusion, der man seit über 100 Jahren anhängt…und in den nächsten hundert Jahren anhängen wird. Im Gegenteil, jeder Mensch, der nur einen Hauch von Kenntnissen über das Wechselverhältnis zwischen Politik und Banken insbesondere im Imperialismus hat, weiß, dass es ein Entrinnen der Politik aus den Fesseln der Banken nicht geben kann, dass die stärkste bürgerliche Republik ein Sklave der Ackermänner bleibt, dass das Frankfurt der Großbanken, der Stadt, aus der eine dicke Pestwolke aufsteigt und sich lähmend auf die ganze „Republik“ legt, natürlich auch Berlin belastet. Frankfurt führt das in die Ketten des Kapitals gelegte Berlin und  die Bundesrepublik ist eine Monarchie der Ackermänner. Im Imperialismus verfällt die traditionelle bürgerlich liberale Tradition immer mehr der politischen Reaktion. Lenin zitiert in seinem Fundamentalwerk: „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ den französischen Autor Lysis, der in seinem Buch gegen die Finanzoligarchie in Frankreich“ (1908 in fünfter Auflage erschienen) bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zur richtigen Erkenntnis gelangte: „Die französische Republik ist eine Fiananzmonarchie; die volle Herrschaft der Finanzoligarchie; sie herrscht unumschränkt über Presse und Regierung“. 8. Und dieser Wesenszug des Imperialismus liegt zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch viel deutlicher zu Tage. Friedrich Engels machte es den Sozialisten zur Aufgabe, die Triebkräfe der Triebkräfte der Geschichte und der Gesellschaft zu erforschen, die bewußten und sehr häufig unbewußten 9., es muß gefragt werden, ob Wiesehügel sich wenigstens unter Triebkräften bewußt etwas vorstellen kann, Abstraktionen können keine Triebkräfte sein. Hätte Wiesehügel in seinem Artikel wenigstens einen zarten Hauch von Klassenkampf verspüren lassen, so hätten wir einen Ansatz zur Weiterbildung und Weiterentwicklung bei ihm, dieser fehlt, die Kritik kann, auch wenn man bedenkt, dass es nicht die Aufgabe der Gewerkschaft ist, den kapitalistischen Rahmen zu durchbrechen, also nicht milde ausfallen. Eine rein ökonomische Ziele verfolgende Gewerkschaftsführung, die sich nichtsozialistisch orientiert, richtet Schaden an, der sogar erheblich sein kann. Beamtete Personen in Gewerkschaften haben die Tendenz, dass sie durch die kapitalistischen Verhältnisse demoralisiert werden. 10. Zum Kern der Sache: um die Politik von den Banken zu befreien, dazu ist die revolutionäre Zerschlagung des ganzen bürgerlichen Bankwesens notwendig, die zugleich mit der Aufhebung der bürgerlichen Klassengesellschaft den Anfang vom Ende der Politik überhaupt bedeuten würde. Die Illusion, Politik vom Kapital zu befreien, geht einher mir der Illusion einer freien Arbeiterklasse unter dem Kapitalismus, als ob Arbeiter und Banken, als ob Ausgebeutete und Bkutsauger für immer friedlich nebeneinander leben könnten. Die Lösung dieses weltweiten Fundamentalkonfliktes wäre für den Gewerkschaftsvorsitzenden  das bankfreie Politisieren, die Emanzipation der Politik aus den Fesseln des Bankwesens wäre dann der Ausweis der  Befreiung der Werktätigen. Um sich aber nicht nur von gewerkschaftlichen Politillusionen, sondern vom real existierenden Kapitalismus zu befreien, dazu ist nicht nur die Zerschlagung des ganzen bürgerlichen Bankensystems notwendig, sondern auch die der kapitalhörigen Gewerkschaftsbonzobürokratie. Diese mit Abstraktionen und Illusionen 11. arbeitenden Bonzen, bei denen immer Verdunklungsgefahr besteht, halten  den Werktätigen die Fahne Europas vor, aber Wiesehügels „Ja zu Europa“ erweist sich als ein „Nein zur Machtergreifung der Arbeiterklasse und der kleinen Bauern“. Die richtigen Beziehungen zwischen diesen beiden Klassen sind der Garant, dass ihre Diktatur für die volksfeindlichen Minderheiten eine uneinnehmbare Festung bilden.

1. Klaus Wiesehügel, Ja zu Europa, in: Der Grundstein, Der Säemann, Zeitschrift der IG Bauen Agrar Umwelt, 62. Jahrgang, Nummer 10, Oktober 2011, Seite 2

2. Karl Marx, Zur Judenfrage, Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957, 368

3. Josef Stalin, Anarchismus oder Sozialismus ?, Stalin Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1950, 257

4. Klaus Wiesehügel, Ja zu Europa, in: Der Grundstein, Der Säemann, Zeitschrift der IG Bauen Agar Umwelt, 62. Jahrgang, Nummer 10, Oktober 2011, Seite 2

5.a.a.O.

6. „Außerordentlich kompliziert ist das moderne Leben ! Es wimmelt von verschiedenen Klassen und Gruppen: Großbourgeoisie, Mittelbourgeoisie und Kleinbourgeoisie; große mitllere und kleine Feudalherren; Gesellen, ungelernte Arbeiter und qualifizierte Facharbeiter; höhere, mittlere und niedrige Geistliche; höhere, mittlere und kleine Beamte; die verschiedenen Intellektuellen und andere ähnliche Gruppen – dieses buntscheckige Bild bietet unser Leben ! Augenscheinlich ist aber auch, daß. je weiter sich das Leben entwickelt, desto klarer in diesem komplizierten Leben zwei Haupttendenzen hervortreten, desto schärfer sich dieses komplizierte Leben in zwei einander gegenüberstehende lager teilt: das Lager der Kapitalisten und das Lager der Proletarier. “ (Josef Stalin, Der Klassenkampf, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1950,243)

7. Klaus Wiesehügel, Ja zu Europa, in: Der Grundstein, Der Säemann, Zeitschrift der IG Bauen Agrar Umwelt, 62, Jahrgang, Nummer 10, Oktober 2011, Seite 2

8. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin 1960,238

9. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassichen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1976, 298. Da in der Geschichte die treibenden Mächte sehr häufig unbewußt hinter den Beweggründen der geschichtlich handelnden Menschen stehen, ist es verwunderlich, dass das Bewußtsein zurückbleiben kann ? Stalin weist bereits in einer seiner ersten Schriften darauf hin, dass das Bewußtsein hinter der materiellen Seite zurückbleiben muss. (Vergleiche Josef Stalin, Anarchismus oder Sozialismus ? Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1950,276).

1o. Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,502

11. „Die dialektische Methode besagt, dass man das Leben gerade so betrachten muß, wie es in Wirklichkeit ist“. (Josef Stalin, Anarchismus oder Sozialismus ?, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1950, 261).

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