Archive for Dezember 2011

Berija wurde zu mächtig – am 23. Dezember 1953 wurde er in Moskau erschossen

26. Dezember 2011

Lawrentij Berijas Aufstieg zur Macht in der Sowjetunion war einer der atemberaubendsten im 20. Jahrhundert. Die Oktoberrevolution hatte für Arbeiter- und Bauernsöhne diesen Weg geöffnet. Wie Stalin kam auch Berija aus „einfachen“ Verhältnissen, er wurde am 17. Mai 1899 im Dorf Merceuli in eine arme Bauernfamilie hineingeboren. (Eine andere Angabe findet sich in einem Artikel in der ZEIT vom 3. Juli 2003, der Autor Wolfgang Zank spricht vom 29. März 1899. 1.) Im Alter von zehn Jahren zieht seine Familie nach Baku. Über seine Jugend liegt uns als Quelle ein vom 24jährigen Berija selbst verfasster Lebenslauf vor, aus dem hervorgeht, dass er seinen Schulbesuch an der Polytechnischen Schule in Baku am Kaspischen Meer durch Nachhilfestunden selbst finanzierte. „Bereits während meines Studiums an der technischen Lehranstalt sorgte ich für den Unterhalt meiner alten Mutter, meiner taubstummen Schwester und meiner fünfjährigen Nichte“. 2. Seine Studien, unter anderem in Fach Baumechanik, enden 1920.

Mit 16 Jahren kommt er zunächst sporadisch mit der Kommunistischen Partei in Berührung, er nimmt als Kassierer an einem illegalen marxistischen Zirkel teil, den Studenten der technischen Lehranstalt in Baku gegründet hatten. Im März 1917 gründet er, während seiner Studienzeit immer am Rande des Existenzminimus lebend, mit den Genossen W. Jegorow, Pachowitsch, Awanessow eine Parteizelle der SDAPR. 3. Berija arbeitet mit einer berüchtigten Energie für die bolschewistische Sache sowohl legal als auch illegal. Im Juni 1917 meldet er sich als Praktikant bei der hydrotechnischen Abteilung der Armee, die nach Rumänien verlegt wird, zeitweise ist er dort im Dorf Neguliasti in der Forstwirtschaft tätig. Anfang 1918 kehrt er nach Baku zurück und wird Mitglied der Arbeiter- Bauern- und Matrosendeputierten von Baku (bis September 1918). 1919/1920 betreibt er Zellenarbeit, auch unter mohammedanischen Arbeitern. Die Partei schickt ihn 1920 nach Georgien, um am Sturz der dort sehr starken menschewistischen Partei mitzuwirken. Er organisiert ein Netz von Revolutionären in Georgien und Armenien, wird aber mit den Mitgliedern des ZK Georgiens verhaftet. Nach kurzer Zeit werden sie mit der Auflage freigelassen, Georgien innerhalb der nächsten drei Tage zu verlassen. Berija aber kann unter dem Decknamen „Lakerbaja“ untertauchen und arbeitet zeitweise mit Kirow zusammen, der sich zu dieser Zeit in Tbilssi aufhält. Zwischenzeitlich wieder kurz verhaftet, wird er Ende 1920 vom ZK der Partei Georgiens zum „verantwortlichen Sekretär der Außerordentlichen Kommission für die Enteignung der Bourgeoisie und die Verbesserung des Lebens der Arbeiter“. 4. ernannt. Er bewährt sich in dieser Funktion und wird im April 1921 „Leiter der operativen Sonderabteilung und stellvertretender Vorsitzender der Tscheka Aserbaidschans“. 5., eine Arbeit, die er selbst als anstrengend und nervenaufreibend bezeichnet. Er leitet die Zerschlagung der mohammedanischen Organisation „Ittichat“ mit etwa 10 000 Mitgliedern und die Transkaukasische Organisation der rechten Sozialrevolutionäre, „…wofür die GPU der Tscheka mit Befehl Nummer 45 vom 6. Februar 1923 mir den Dank aussprach und mich mit einer Waffe auszeichnete.“ 6. Berija rückt auf in die Kommission zur Kontrolle des Revolutionstribunals. Damit nicht genug: er ist einer Parteizelle der Arbeiter in Baku und  der Parteigruppe der Tscheka zugeordnet und ist Mitglied des Sowjets von Baku. Im November 1922 erfolgt der Aufstieg  zum Leiter der Operativen Sonderabteilung und zum stellvertretenden Vorsitzenden der Tscheka Georgiens. Kriminelle Banden, menschewistische Organisationen und sowjetfeindliche Parteien werden zerschlagen, obwohl sie sehr konspirativ vorgehen. Die Tscheka leistet mehr, zu ihrem Bereich gehört auch die Betreuung verwahrloster Kinder und Jugendlicher und ihre Betreuung in Kinderkolonien (siehe Makarenkow). Der Rotbannerorden ist Berijas Lohn, am Ende der militärische Karriere wird die Ernennung zum Marschall der Sowjetunion stehen. Einen dunklen Punkt könnte der Lebenslauf des jungen Berija allerdings aufweisen:  er soll nach Zeugnis des Volkskommissars für das Gesundheitswesen Grigori Naumowitsch Kaminski (1895 bis 1938) zeitweise mit dem vom britischen Intelligence Service kontrollierten konterrevolutionären Sicherheitsdienst der in Aserbajdschan regierenden Mussawat Partei zusammengearbeitet haben. (Diesen Vorwurf erhob auch Cruschtschow in seiner sogenannten Geheimrede am 25. Februar 1956). Trotzdem erfolgt sein weiterer Aufstieg: Bis 1931 ist er Chef der georgischen GPU, ab 1931 übt er Parteifunktionen aus. Er ist erster Sekretär  der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) Georgiens und dann erster Sekretär des Transkaukasischen Regionskomitees der KPdSU (Bolschewiki), wobei er Ordschoniskidse als Förderer hat. 1928 erscheint von ihm eine interessante Schrift: „Wie tief ist der Menschewismus gesunken ? „, 1935 dann in Millionenauflage sein Buch: „Zur Geschichte der bolschewistischen Organisation in Transkaukasien“. Nicht unwichtig ist, dass Berija für die Sicherheit von Stalins Feriendomizil in Sotschi am Schwarzen Meer zuständig wird. Zum 15. Jahrestag der Gründung Sowjetgeorgiens kommt Woroschilow und umarmt Berija in Tbilissi, der Maler W. Krotkow verewigt auf einem Gemälde beide bei einer Besichtigung von Teeplantagen in Adsharija. Im August 1938 wird er zum Stellvertreter Jeschows ernannt, der die Verhaftung Berijas geplant haben soll, im Dezember des gleichen Jahres, nach dem Sturz Jeschows, mit 39 Jahren Chef des Volkskommissariats des Innern. Seit dem XVII. Parteitag ist er Mitglied des ZK der KPdSU (Bolschewiki), nach dem XV III. Parteitag (1929 bis 1946) Kandidat und danach Mitglied des Politbüros des ZK der KPdSU (Bolschewiki). 1941 wird er, der 1938 nach Moskau gekommen war, zum Generalkommissar der Staatssicherheit ernannt und durch den Angriff der Hitlerschen Wehrmacht ab Juni 1941 Mitglied des fünfköpfigen Staatlichen Verteidigungskomitees. Ab 1942 leitet er das sowjetische Atombombenprogramm, in dem auch im DDR-Erzgebirge (Wismar) nach Uran gesucht wird. Am 29. August 1949 geht dann die die Globalstrategien verändernde Nachricht um die Welt, dass die Sowjetunion nach den US-amerikanischen Kapitalisten nun ebenfalls eine Atombombe zünden können. 1943 wird er Held der sozialistischen Arbeit. Bis 1941 wird er viermal mit dem Lenin Orden ausgezeichnet, zweimal mit dem Rotbannerorden und einmal mit dem Suworow Orden der ersten Klasse. Ein Doktor der Wissenschaften hat seiner Dissertation den Titel gegeben: „Lawrentij Pawlowitsch Berija – ein treuer Freund und Kampfgefährte Stalins“.  Berija (geboren 1899) rückte im Alter von 35 Jahren in die unmittelbare Nähe Stalins, der zwanzig Jahre älter war. Im Alter von 50 Jahren hat Berija den Höhepunkt seiner politischen Karriere erreicht, sein fünfzigster Geburtstag wird personenkultisch gefeiert, Kasim Agumaa hat ein Lied komponiert: „Die Gärten und Felder besingen Berija, denn er bewahrte sie vor dem Tod, Möge dieses glückliche Loblied stes über unserem sonnigen Land erklingen“. Ein Jahr später, 1950, veröffentlicht Berija einen Sammelband über Stalin: „Der große Inspirator und Organisator der Siege des Kommunismus“. Drei Jahre später stirbt Stalin, sein Tod zieht den Berijas nach sich, obwohl es politisch zunächst ganz anders aussieht: Berija schlägt Malenkow als Ministerpräsidenten vor und dieser Berija zum Innenminister. In seiner Rede anläßlich der Beisetzung Stalins betont Berija ausdrücklich, dass die Stalin‘ sche Verfassung von der Regierung eingehalten werde, das war mehr als nur ein Lippenbekenntnis, als Innenminister läßt er  die von Stalin wegen Verschwörung inhaftierten neun Kremlärzte, darunter sechs Juden, frei, mehr noch: bereits im Sterbemonat Stalins erläßt er als neuer Innenminister  eine Amnestie, die Freiheit für 1.201.738 Menschen bringt. 7. Am 4. April 1953 wird die Anwendung der Folter für alle Untersuchungsbehörden untersagt, auch leitet er eine Abschwächung der Russifizierung der Sowjetrepubliken ein. Die unter seinem Kommando stehenden Staatssicherheitsorgane durchdringen das öffentliche Leben in immer größer werdenden Kreisen, die auch die Staatspartei miteinschließen. Die Frage: was weiß Berija über uns ? beantworten die aus Angst zum Kollektiv gegen Berija geeinten führenden Parteikader mit seiner Verhaftung am 26. Juni 1953 unter  Beihilfe Marschall Schukows und Armeegeneral Kyrill S. Moskalenkows. Berija hatte Vorahnungen und sich zunächst mit zwei Eliteregimentern der Staatssicherheit auf seiner Datscha verschanzt, ließ sich aber überreden, in den Kreml zu kommen, in dem Schukow ihn durch sechs ausgewählte Schlägertypen verhaften ließ. Es mußte auffallen, das am 27. Juni 1953 bei der Festaufführung der Oper „Dekabristen“ von Jurij Alexandrow  Schaporin im Bolschoi Theater in der Führungsriege einer fehlte: Berija !, der kauerte bereits in einem unterirdischen Bunker des Moskauer Militärkreises. Am 2. Juli 1953 eröffnete Malenkow vor dem ZK-Plenum den 216 Delegierten und Kandidaten die Verhaftung Berijas, den er ein „krankhaftes Geschwulst in einem gesunden Körper“ nannte, der sein Innenministerium über die Partei und das ZK und die Regierung unter seine Fuchtel stellen wollte, am 7. Juli 1953 wurden Berija und zwei seiner Mitarbeiter einstimmig aus der Partei ausgeschlossen und seine Verhaftung und der auf ihn zukommende Gerichtsprozess gebilligt. Laut Cruschtschow hätte Berija geprahlt, er könne von jedem ein Geständnis erzwingen, er habe Kontakt mit der englischen Königin. Die Öffentlichkeit wurde erstmalig am 10. Juli 1953 über den ‚Fall Berija‘ unterrichtet. Es kam zu einem vom Generalstaatsanwalt der UdSSR Rudenko, der schon die sowjetische Klage gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg vertreten hatte,  gelenkten militärischen Sondergerichtsprozess, offiziell: Sondergerichtskollegium des Präsidiums des Obersten Gerichts der UdSSR. Dieses Gericht setzte sich aus zwei Offizieren und zwei Zivilisten zusammen: Marschall Konjew und Armeegeneral Moskalenko, dem Stellvertretenden Innenminister  Lunjew und dem Moskauer Parteisekretär Michailow. Mit Berija wurden noch seine Mitarbeiter Merkulow , Dekanosow, Meshyk, Kobulow; Goglidse und Wlodsimirskij angeklagt. 8. Gleichzeitig mit ihm wurde Mir Bagirow, erster Parteisekretär der transkaukasischen Sowjetrepublik Aserbeidschan und Kandidat des Parteipräsidiums, abgesetzt und später erschossen. Vorsorglich verloren hohe Militärs des Moskauer Bezirkes ihre Posten: der Kremlkommandant, der Stadtkommandant und der Oberbefehlshaber des Moskauer Wehrkreises. Der am 14. Dezember 1953 beginnende Berija Prozess, dem ein halbes Jahr Ermittlungen vorangingen, nahm dann allerdings einen recht skurilen Verlauf. Noch in Abwesenheit Berijas verlas Konjew einen Beschluß des Präsidiums des Obersten Sowjet, der Berija den Marschalltitel aberkannte. Die Verlesung der Anklageschrift dauerte drei Stunden: politische Anklagepunkte gab es nur fünf: er wollte durch einen Putsch an die Macht und den Kapitalismus restaurieren und sei über Verbindungen mit grusinischen Menschewiken englischer Agent gewesen. Er habe ein Spitzelnetz über die ganze Sowjetunion geworfen, habe in seiner Deutschlandpolitik die DDR der BRD abtreten wollen: die Juni Unruhen soll er mit Hilfe des Sicherheitsministers Zaisser und des Chefradakteurs des Parteiorgans „Neues Deutschland“ Herrnstadt benutzt haben, Ulbricht zu stürzen und habe, so die albanische Zeitung „Zeri i Poppulit“ Mitte Juni 1964, Verbindung zu Tito aufgenommen. Der sowjetische Botschafter Semjonow wurde laut seinen Memoiren 1953 von Berija nach Deutschland geschickt, um die Übergabe der DDR gegen eine gute Gegenleistung in die Wege zu leiten. 9. Die Juniunruhen schienen nur auf den ersten Blick für Berijas Absicht zu sprechen, gerade durch sie behauptete sich die DDR aber als Staat, als souverän gegenüber der BRD, deren Agenten es nicht gelungen war, eine Europa erschütternde prokapitalistische Wende herbeizuführen Der Rest der Anklage gegen Berija war „schlüpfrig“: breit ausgewälzt wurden von ihm angeblich veranstaltete Sex- und Alkoholorgien und Listen mit Namen von Prostituierten wurden verlesen, die der sowjetischen Sicherheit zu Diensten gewesen sein sollten. Berija lächelte nach der Verlesung der Anklage die Richter nur an und sagte: „Ich könnte in dieser Hinsicht von jedem von euch noch viel interessantere Dinge berichten“. 10. Er sei immer der Partei ergeben gewesen (Predany Partyj). Rudenko hatte sich vergallopiert, indem er durch  die hohe Zahl seiner Geliebten ein schlechtes moralisches Licht auf den 54jährigen werfen wollte. Die Anzahl der Freundinnen geht dem wissenschaftlichen Sozialismus nichts an. Berija scheint aber auf Rudenko hereingefallen zu sein, denn er bezeichnet seine Polygamie als Schande – und das  36 Jahre nach der Oktoberrevolution. Im Prozess weist Berija kategorisch zurück, ein Volksfeind mit bonapartistischen Neigungen gewesen zu sein, räumt aber Fehler ein.  Eine schwache Seite Berijas war die marxistische Thorie, in ihr hätte er aus den Feuerbachthesen entnehmen können, dass die bürgerliche Familie praktisch vernichtet werden muss, einem Karl Marx die Anzahl der Geliebten also gleichgültig war, einem Friedrich Engels auch, bezeichnete er die Ehe doch als offiziellen „Deckmantel der Prostituion“. 11. Im Schuldspruch wird herausgehoben, dass Berija die Organe des Innern gegen Partei und Regierung eingesetzt habe mit dem Ziel, den Kapitalismus und die Macht der Bourgeoisie zu restaurieren und die Freundschaft der Völker der UdSSR zu zerrütten.  Man gibt Berija nicht einmal die Chance einer Berufung, das von Konjew verkündete Urteil lautete auf Tod durch Erschießen im Bunker des Stabs des Moskauer Militärbezirks. Vollstreckt wurde das Todesurteil an dem 54jährigen am 23. Dezember 1953, die Meldung darüber erschien einen Tag später in der ‚Prawda‘. Der Stalinnachfolger Crutschow hält sich zugute, dass zum ersten Mal ein Sicherheitschef nicht wie seine Vorgänger Jagoda und Jeschow einfach erschossen wird, sondern ein ordentliches Gerichtsverfahren bekommen habe. Auch Berija bekommt einen doppelten Tod: physisch und historisch: er wird eine Unperson. Als der 21. Band der Großen Sowjetenzyklopädie an die Abonnenten verschickt wird, lag eine Aufforderung bei, in dem schon vor Jahren erschienenen Band 5 unter B die Seiten 21 bis 23 zu entfernen. Es lag auch noch eine Anweisung dabei, wie man das mit Schere oder Rasierklinge professionel macht. 12. Was für Elemente sich nach Stalins Tod aber durchsetzten wird deutlich an der Figur Suslows, über den Berija folgende Einschätzung zusammengetragen hatte: „Die Reden des Genossen Suslow (M.A. Suslow war zu besagter Zeit Vorsitzender des Büros Litauen des ZK der KPdSU (Bolschewiki)) auf den Plenartagungen haben fast nur belehrenden Charakter. Diese Belehrungen und Reden sind den örtlichen Funktionären nichts Neues, weshalb sie ihnen keine Beachtung schenken und keine Schlüsse daraus ziehen. GENOSSE SUSLOW SELBST ARBEITET WENIG. (kursiv von Heinz Ahlreip)…In der Arbeitszeit liest er häufig schöngeistige Literatur…abends ist er selten im Dienst.“ 13. Bald sollte Suslow Chefideologe Crutschows werden. Dieser trumpfte dann auf dem XX. Parteitag auf: „Die Imperialisten setzten spezielle Hoffnungen auf ihren alten Agenten Berija, der heimtückisch leitende Posten in Partei und Regierung erschlich. Das Zentralkomitee setzte der kriminellen Verschwörung jenes gefährlichen Gegners und seiner Komplizen ein Ende. Das war ein Sieg für die Partei, ein Sieg für ihre kollektive Führung“. 14.

1. Wolfgang Zank, Der Meister des Terrors, in: Die ZEIT, 3. Juli 2003

2. Vladimir  F. Nekrassow (Herausgeber): Berija – Henker in Stalins Diensten, Ende einer Karriere, Bechtermünz Verlag 1997,390f. Nekrassow nennt Berija einen der „berüchtigsten Todesengel der Geschichte“ (a.a.O.,12), Stalin und er hätten das ganze Land in einer kriminellen Zeit zu einem Zuchthaus gemacht. Aber eine wissenschaftliche Anforderung besteht gerade darin, statt eine Zeit als kriminell zu denunzieren, in ihr die Dialektik von Revolution und Konterrevolution herauszulesen.

3. Vergleiche a.a.O.,391

4.a.a.O,394

5.a.a.O.

6.a.a.O.

7. Vergleiche Jan Foitzik, Berijas Tod. Von der Illusion des Wandels zum Wandel der Illusion, in: Das Jahr 1953, Ereignisse und Auswirkungen, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam 2004,116

8. Dekanosow war vor dem Krieg Vize Außenminister und während des Hitler Stalin Paktes Sowjetbotschafter in Berlin, Kobulow und Goglidse waren Generäle des Sicherheitsdienstes und Meshyk Innenminister der Ukraine, Merkulow Staatssicherheitsminister. In seinem Buch “ Der Grosse Terror“ gibt Hellmut Andics in der fünften Anmerkung einen interessanten Hinweis auf Gerüchte, nach denen der Prozess gar nicht stattgefunden habe. „Berija sei zu einer Sitzung in den Kreml gelockt und dort erschossen worden…Einem anderen Gerücht zufolge sei es der Sowjetmarschall Moskalenko gewesen, der während der Politbürositzung Berija mit einem Feuerstoß aus der Maschinenpistole liquidiert habe.“ (Hellmut Andics, Der Große Terror, Verlag Fritz Molden Wien,1967,363).

9. Vergleiche Wladimir S. Semjonow, Von Stalin bis Gorbatschow, Ein halbes Jahrhundert in diplomatischer Mission 1939 – 1991, Nachwort von Juli Kwizinski, Nicolai Verlag, 1995,391

10. „Ich war immer der Partei ergeben“, Augenzeugenbericht vom Prozess gegen den sowjetischen Geheimpolizeichef Berija 1953, von Alexej Jakuschew, in: DER SPIEGEL, Nummer 50 von 1969. Jakuschew war Professor der Philosophie der Naturwissenschaften in Moskau und später in Warschau. Er hatte dem Berijaprozess als Besucher beiwohnen können.

11. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,420

12. Vergleiche Hellmut Andics, Der Grosse Terror, Von den Anfängen der russischen Revolution bis zum Tode Stalins, Verlag Fritz Molden Wien, 1967,19

13.  Vladimir F. Nekrassow (Herausgeber), Berija – Henker in Stalins Diensten, Ende einer Karriere, Bechtermünz Verlag, 1997,484

14. Nikita Chruschtschow, Bericht des Zentralkomitees, XX. Parteitag der KPdSU, London, 1956,78

“ Porno Prozess “ beweist: Commonwealth Bürokratie moralisch 100 % bankrott

24. Dezember 2011

„Das Prinzip der Monarchie überhaupt ist der verachtete, der verächtliche, DER ENTMENSCHTE MENSCH (kursiv von Karl Marx); und Montesquieu hat sehr unrecht, die Ehre dafür auszugeben…Wo das monarchische Prinzip… nicht bezweifelt wird,da gibt es keine Menschen. “ (Karl Marx an Arnold Ruge, Köln, im Mai 1843, MARX ENGELS GESAMTAUSGABE MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin, 1982,477).

Im Herbst 2005 fand vor dem Arbeitsgericht in Hannover ein Kündigungsschutzprozess mit einer zugegeben  kleinen pikanten Note statt, dessen Akten aber ansonsten beruhigt dem Spinneweb des Gerichtsarchivs hätte überlassen bleiben können, wenn nicht der damalige Prozessverlierer, die Bürokratie der Commonwealth War Graves Commission in Ieper/Belgien ( zuständig für die Pflege und Betreuung der Soldatenfriedhöfe des Commonwealth in Deutschland und in Nordeuropa) aus dem vernichtenden Urteil wohl offensichtlich keine Anleitung zur Kurskorrektur gezogen hat. So erdreistete sich  in Hamburg ein britischer Hauptgärtner, eine ganz neue Mode einzuführen: dass sich die seit Jahrzehnten dort tätigen Kollegen nicht mehr während der Arbeitszeit umziehen dürfen. So ordnete der Direktor aus Ieper für die Gärtnergruppe in Hannover ein Sessel- und Herdplattenverbot an, so dass die Arbeiter und Arbeiterinnen, deren Tätigkeit stark rückenbelastend ist, sich nicht rückengerecht ausruhen können und denen besonders im Herbst und Winter bei naßkaltem und frostigen Wetter keine gekochte warme Mahlzeit zugestanden wird. Die Arbeiterschaft soll auf das Niveau des Troglodytentums herabgedrückt werden, was sich nur unter ständiger Verletzung des Arbeitsvertrages durch die bürokratischen Hooligans aus Ieper bewerkstelligen läßt. Alexis de Tocqueville konstatierte bereits in der englischen Arbeitswelt den Grundzug, dass in ihr der zivilisierte Mensch fast in den Zustand der Wildheit zurückgeworfen wird. (Vergleiche Alexis de Tocqueville, Journeys to England and Ireland, London 1958, Seite 108). Ständig vergiftet die Bürokratie durch Rundschreiben mit schikanösen Anordnungen das Betriebsklima und den Arbeitsfrieden. Oft entsteht die Unruhe durch sich widersprechende Anweisungen. Es ist deshalb angebracht, einen Zeitungsartikel zum damaligen Kündigungsschutzprozess nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, weil er besonders plastisch die Physiognomie des  bürokratischen Jesuitentums nachzeichnet.

„Ein skuriler Kündigungsprozess ging vor dem Arbeitsgericht Hannover über die Bühne. Über die Bühne im wahrsten Sinne des Wortes, denn einen anderen Rahmen lässt die Posse nicht zu. Nicht allein genug damit, dass der Arbeitgeber zum beliebten Pornotrick griff, um einen in seinen Augen mißliebigen Arbeiter loszuwerden, nein, er stellte sich dabei noch so tölpelhaft an, dass wir den Leser/innen versichern müssen, dass die Begebenheiten wahrheitsgemäß geschildert werden, wir vor der Leserschaft quasi unter Eid schreiben.

In den letzten Jahren geht die Bürokratie der Commonwealth War Graves Commission daran, klassenkämpferische Kollegen durch Duckmäuser zu ersetzen, damit das geistige Niveau der Tarifparteien so ungefähr übereinstimmt. Das ist dann natürlich eine Frage der Kündigungsmethode. Eines der beliebtesten Mittel ist der Pornotrick und am 14. Juli 2005 griff die Bürokratie zu: anlässlich einer Ersetzung alter Privatspinde durch neue, wobei die jeweiligen Privatsachen in einem blauen Sack zwischengelagert wurden. Durch die dunkelblaue Plastiktüte hindurch wollte der Lokalaufseher Scott Cumming im Sack des zu kündigen Kollegen ein Pornoheft gesehen haben. „Rein zufällig“ hatte er eine Digitalcamera dabei und schoss auch ein Foto des blauen Sackes, vergaß aber in der Hektik der Kündigungsgier (Pluspunkte sammeln) Datum und Uhrzeit einzustellen. Der erste Erfolg des Arbeitgebers konnte jedoch verbucht werden, der Vorfall war natürlich ausreichend, den mißliebigen Kollegen zunächst erst einmal „freizustellen“. Am 15. Juli verfasste der Horticultur Manager Rod Carkett (Spitzname: Kosackenlümmel) eine vorübergehende Freistellung: „Am 14.7. 2005 mussten wir leider feststellen, dass Sie in Ihrem Spind trotz eines entsprechenden Verbots pornografische Bilder aufbewahren.“ Nun liegt vor aller Augen deutlich sichtbar, dass wir es mit einer Firma zu tun haben, in der man es bis zum Manager bringen kann, auch wenn man „mein“ und „dein“ nicht auseinander halten kann, sondern verwechselt. (Böse Zungen behaupten jetzt: gerade deshalb ist er ja Manager geworden). In der Tat hat dieser Manager aber übersehen, dass er mit dieser Aussage die Weichen für eine erfolgreiche Abwehr der Kündigung bereits gestellt hatte, wie denn auch Richter Bill in der Güteverhandlung feststellte: „In seinem Privatspind kann der Arbeitnehmer aufbewahren, was er will“.

Es half auch nichts, dass die Firma für den Vorfall auf dem Soldatenfriedhof in Hannover als einzigen Zeugen den Personaldirektor Barry Murphy anbot, der gar nicht vor Ort war, sondern weit weg Richtung Westen, in Ieper in Belgien, in der Nähe des Atlantiks. Es genügte auf diesen Sachverhalt hinzuweisen, und dieser Kronzeuge Ihrer Majestät verschwand für immer aus den Schriftsätzen der Arbeitgeberseite.

Den Höhepunkt der Posse bildete ohne Zweifel die Präsentation des Fotos mit dem blauen Müllsack, das den Rechtsanwalt der Firma wahrlich inspirierte und zu folgenden Auslassungen verführte: : Aufbewahrung eines halben Pornoladens und Handel größeren Stils mit pornografischen Materialien auf dem Friedhof, der – nebenbei bemekt- außerhalb der Stadt, umgeben von Kornfeldern liegt und zu dem sich im Jahr Menschen verwirren, die man mitzählen kann – vor allem aber sexuelle Belästigung der beiden weiblichen Mitarbeiterinnen, die aber vorsichtshalber vor Gericht nicht namentlich, also als Zeuginnen, aufgeführt wurden, genausowenig erfuhr dieses von der Art der Belästigung. 

Das Gericht blieb angesichts solcher schmutzigen Phantasiegebilde unbeeindruckt und steckte die schmutzige Kündigung dorthin, wo sie hingehört: in den Müllsack. Es verzichtete sogar auf eine abschließende Entscheidung, „…weil die Beklagte (die Commonwealth War Graves Commission) dem ihr obliegenden Nachweis einer Pflichtverletzung des Klägers (des Arbeiters) nicht geführt hat. Auf das Bestreiten des Klägers zum festgestellten Inhalt des Spindes in der Arbeitsstätte Seelze am 14.7.2005 ist die Beklagte beweisfällig geblieben. Das zieht die Unbeachtlichkeit ihres Vortrags nach sich, denn sie ist als Arbeitgeberin für alle die Kündigung bedingenden Tatsachen darlegungs- und beweisbelastet.“ (§ 1 Abs. 3 Letzter Satz KschG) Arbeitsgericht Hannover, Az: 6Ca 375/05″ (Soweit der in seiner ganzen Länge wiedergegebene Zeitungsartikel aus dem Jahre 2005).

Bürokratischer Terrorismus könnte sich nicht realisieren, wenn er es nicht versteht, aus der Belegschaft heraus eine Arbeiteraristokratie heranzuzüchten, die ihre proletarische Ehre für eine Handvoll schäbiger Extraeuros verkauft, sich zur willfährigen Dienerin degradiert, sich zugleich aber für etwas Besseres als die Masse der gewöhnlichen einfachen Friedhofsgärtner hält. In Deutschland ist dies besonders gut gelungen. Auf Grund dieser schiefen Mittellage ist aber diese Arbeiteraristokratie in einer schizophrenen Stellung positioniert: ihren After aus Furcht vor „Den da Oben“ ständig zugekniffen zu halten, diesen After aber auch zugleich in jede beliebige Richtung hinzudrehen, die von „Den da Oben“ bestimmt wird. So wurde zum Beispiel einer Hartz IV Empfängerin, die gerade einmal das Busgeld für ein Vorstellungsgespräch zusammenbekommen hatte, in Hannover ein zeitlich befristeter Arbeitsvertrag aus Effektivitätsgründen nicht gegeben, das heißt diese Arbeiteraristokratie legt bei Einstellungen primär nicht den sozialen Gesichtspunkt zugrunde, sondern den kapitalistischen Rentabilitätsgedanken – sie besorgt also die Geschäfte des Klassenfeindes, sie ist ein Helfeshelfer der bürokratischen Terroristen. Dabei zeigt ja gerade dieses Verhalten, wie tief die Arbeiteraristokratie unter dem Niveau der Arbeiter steht, als Aristokratie teilt sie die Borniertheit aller Aristokraten und ist viel zu begriffsstutzig, um zu verstehen, dass ja im Grunde die Arbeiterklasse den Kapitalisten ständig kreditiert, das heißt ihre Arbeitskraft vorschießt, die erst am Monatsende bezahlt wird. Und dennoch macht diese „intelligente“ Aristokratie als Gläubiger den Kotau vor dem Direktor, der der Schuldner ist.  So verweigerte die „Kollegin“ K. dem Betriebsrat gegenüber eine Streiksolidarität anläßlich einer Kürzung des Geldes für Übernachtungen in Polen mit dem Satz: Hä Hä, der Betriebsrat kommt zu spät, ich habe ja unterschrieben, dass ich Übernachtungen mitmachen werde. „Niemand ist schuld daran, daß er als Sklave geboren wurde; aber ein Sklave, dem nicht nur alle Freiheitsbestrebungen fremd sind, sondern der seine Sklaverei noch rechtfertigt und beschönigt… – ein solcher Sklave ist ein Lump und ein Schuft, der ein berechtigtes Gefühl der Empörung, der Verachtung und des Ekels hervorruft“. (Lenin, Über den Nationalstolz der Großrussen, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin, 1956,35). Die Arbeiterklasse wird niemals vergessen, dass es in England war, wo 1765 wahrscheinlich von J. Cunningham „An Essay on Trade“ erschien, in dem zur Verlängerung des Arbeitstages Arbeitshäuser vorgeschlagen wurden, die, wie er sagt, „Houses of Terror“ sein müßten. Nun ist klar, dass von einem effektiven Kampf gegen die Bürokratie in Ieper nicht die Rede sein kann, wenn diesen Arbeiteraristokraten nicht die Beine weggeschlagen werden. In einem Brief an Marx vom 7. Oktober 1858 schrieb Engels, dass „das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so dass diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.“ Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schrieb Engels, das die englischen Arbeiter flott mitzehren von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands. England zehrt noch heute davon, dass es einst Schmarotzer am Körper der übrigen Menschheit war. Instinktsicher witterte die deutsche Commonwealth War Graves Arbeiteraristokratie, hier flott mitzuzehren. Der deutsche kleinbürgerliche Spießer kommt nur allzu deutlich zum Vorschein: ich reiße an mich, was ich kann, sichere mir Privilegien, alles andere ist mir schnuppe. Diese verräterische und volksfeindliche Aristokratie imitiert die Kapitalistenklasse, die nimmt, was zu nehmen ist. (Vergleiche Karl Marx, Lohn, Preis und Profit, Vortrag in englischer Sprache auf den Sitzungen des Zentralrates der Internationalen Arbeiterassoziation am 20. und 27. Juni 1865, Dietz Verlag Berlin, 1971,6). Im Vorwort zur zweiten Auflage der „Lage der arbeitenden Klassen in England“ aus dem Jahre 1892 machte Engels eine bemerkenswerte Ergänzung, hier spricht er von einer „Aristokratie in der Arbeiterklasse“, von einer bevorrechteten geschützten Minderheit gegen die große Masse. Ein Musterbeispiel der extremen Art erlebte die Hannover Gruppe an einem schottischen Hauptgärtner, der sich innerhalb kürzester Zeit den Spitznamen „Rotzebengel“ eingehandelt hatte. Dieser wurde – als Belohnung ? – zum Supervisor in England befördert, nachdem er das Briefgeheimnis eines Betriebsratsmitglieds gebrochen hatte. Vorher schon hatte dieses Mitglied ihm einen Notfallausweis gezeigt mit sämtlichen wichtigen Telefonnummern, falls es am Arbeitsplatz zu einem Unfall kommen würde, die Antwort des Rotzebengels war bezeichnend: „It doesn´t matter to me !“ Am 24. Oktober 2012 ließ die „Kollegin“ K.  einen Kollegen, der einen Schwächeanfall hatte, allein im Frühstücksraum zurück und überließ ihn eiskalt seinem gesundheitlichen Schicksal. Und so grüßen wir Ieper von dieser Stelle aus für das Jahr 2013 mit dem Zuruf: Menschen wie Dreck zu behandeln ist keine Kunst ! Aber kann denn das alles wahr sein ? wird der kritische Leser fragen. Oder sind diese Zeilen Ausgeburten eines Fieberphantasten ? Die Erklärung ist einfach: wie der Adel im Mittelalter Töchter, die er aus gewissen Unzulänglichkeiten nicht verheiraten konnte, in die umliegenden Klöster unterbrachte, so gibt es auch in der spätbürgerlichen Gesellschaft gewisse Organisationen, in denen die Bourgeoisie ihre Elemente unterbringt, die im freien kapitalistischen Marktgeschehen notwendig scheitern müßten. Eine solche Auffanggesellschaft ist die Commonwealth War Graves Commission. Deshalb sind auch der Rotzebengel und die von ihm eingestellte K. Prototypen dieser kranken Firma.

Vergleicht man das Bürokratenpack in Ieper mit Lenin, so zwingt sich der Satz förmlich auf, dass zwischen beiden Billionen Lichtjahre liegen. Gibt uns Lenin keinen Hinweis, keinen Ausweg ? „Und es ist daher unsere Pflicht…TIEFER (kursiv von Lenin) zu den UNTERSTEN (kursiv von Lenin), zu den wirklichen Massen zu gehen…“ (Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,117). Die Masse und die Minderheit: es kann keinen Zweifel geben, wer am Ende siegen wird !  (Wird fortgesetzt !!)

STALIN und die sogenannten Moskauer Schauprozesse Zu seinem 132. Geburtstag

20. Dezember 2011

Im Zentrum des folgenden Artikels stehen die berühmt berüchtigten sogenannten Moskauer Schauprozesse, es soll aber auch die Frage der theoretischen Kompetenz Stalins zumindest angeschnitten werden als auch die haarsträubenden Umstände, die zur Entfernung seines Leichnams aus dem Lenin Mausoleum beitrugen. Dies alles zusammen läßt Stalin zu einer herausragenden Führungspersönlichkeit der weltweiten Arbeiterbewegung kristallisieren, und doch ist Kritik an seiner Person vonnöten: die Todesstrafe für Kinder ab zwölf Jahren ist unverzeihlich, wenn sie denn wirklich galt und nicht aus bürgerlichem Lügenmaul propagandiert wurde, und in der  Presse- und Buchzensur wurde nebengleisig vom Leninismus verfahren, was allerdings „amtlich“ ist.

 

Die Weltgeschichte wird nicht von grossen Männern gemacht, sondern, und um so mehr gilt das für Revolutionen , von Volksmassen und ganzen Volksklassen. Lenin sagt ausdrücklich, dass man Revolutionen gar nicht machen kann, man kann höchstens für die Revolution arbeiten. Lenin war kein Blanquist. 1.) Und eben so ein berufsmäßiger Arbeiter für die Revolution war Stalin. Nach Lenins Bestimmung können Proletarier nur zu einem trade uninonistischen Bewußtsein über die objektiven Zusammenhänge von Klassengesellschaften gelangen, gleichwohl hatte er auch einen wechselseitigen Lernprozess zwischen Arbeitern und Parteiintellektuellen betont, um in ihm den Handwerkler auf das Niveau des Revolutionärs emporzuheben. 2.) Stalin 3.) kam aber gerade von ganz unten, aus dem Proletariat, Sohn eines Flickschusters, seine Mutter bis zu ihrem 12. Lebensjahr noch Leibeigene, und doch hatte sich Stalin zu einem Marx  und Lenin ebenbürtigen sozialistischen Theoretiker emporgearbeitet, obwohl er sich selbst bescheiden immer als Schüler Lenins charakterisierte. Die Lehrer Schüler Konstellation war von Stalin instinktsicher gewählt, eine andere wäre für jeden Leninisten  eine Vermessenheit gewesen, aber in ihr liegt zugleich der Zwang, den Leninismus weiterzuentwickeln, der genuin wie der Marxismus auch von vornherein auf Weiterentwicklung über seinen Schöpfer hinaus angelegt war.  Viele kleinbürgerliche Intellektuelle und liberale Professoren sträuben sich gegen diese Ehrenerhebung Stalins und sprechen ihm ein hohes theoretisches Niveau ab. Nimmt man zum Beispiel eine der ersten theoretischen Schriften Stalins zur Hand, Anarchismus oder Sozialismus ? aus dem Jahre 1906, so scheint auf den ersten Blick ein krasses Mißverstehen der Hegelschen Methode der Dialektik vorzuliegen: „Klar ist aber auch, daß die dialektische Methode Hegels, die jede unveränderliche Idee ablehnt, von Anfang bis zu Ende wissenschaftlich und revolutionär ist“. 4.) Marx und Engels haben diese aber nicht einfach übernommen. Bekanntlich distanzierte sich Marx von der idealistischen Mystifikation der Dialektik Hegels schon sehr früh in seiner wissenschaftlichen Entwicklung (1844 in den Ökonomisch Philosophischen Manuskripten) und erklärte im Nachwort zur zweiten Auflage des Kapitals vom 24. Januar 1873, dass seine dialektische Methode „der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil“ 5.) ist. Noch brisanter wird die Darlegung Stalins, wenn man bedenkt, dass Engels herablassend die Hegelsche Dialektik als in der vorliegenden Form für absolut unbrauchbar erklärte. 6.) Die von Stalin nicht belichtete Komplexität des Gegensatzes und des Einheitlichen zwischen der Hegelschen idealistischen und der Marxschen materialistischen Dialektik begründet sich aus  der real richtigen Abbildung und idealistisch verkehrten Darstellung der dialektischen Grundgesetze bei Hegel. Die idealistische Dialektik kreiert sich zweifelsfrei aus einem rationellen Kern .   Der Grund für diese hier nicht vorliegende Thematisierung liegt nicht etwa in Stalins intellektueller Unzulänglichkeit, sondern in dem Auftragswunsch der Gewerkschaft der Angestellten, Stalin möge eine allgemeinverständliche Abhandlung über das Verhältnis der Marxisten zu den Schülern Kropotkins schreiben.  Im Gegensatz zu Plechanows Broschüre über die gleiche Thematik aus dem Jahre 1894 (in deutscher Sprache erschienen) thematisiert Stalin richtig die zentrale Bedeutung der Frage des Staates, was Plechanow unterläßt und deshalb von Lenin in dessen Fundamentalwerk „Staat und Revolution“ hart als opportunistisch kritisiert wurde, denn in der wissenschaftlichen Erörterung des Verhältnisses  der beiden Richtungen zueinander ist die Staatsfrage die zentrale.

 
Kommen wir zu den sogenannten Moskauer Prozessen: Wenn Engels als letzte Triebkräfte der Geschichte große Massen, ganze Völker und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen ausmacht, so darf man beim Abfassen von Biografien eben nicht personenkultisch vorgehen und unter der Hand die angeblich personenkultkritische Biografie am Ende selbst als personenkultorientierte präsentieren. Da viele Stalin Biographen in Unkenntnis des Volksmassenhintergrundes sind –  so ist es beliebt, auszublenden, dass die Moskauer Prozesse von großen Massendemonstrationen unterstützt wurden. In dem wissenschaftlichen Hauptwerk des Chefanklägers Wyschinski  „Die Theorie des gesetzlichen Beweismaterials  im sowjetischen Recht“ finden wir das grundsätzliche Rechtsbewußtsein der Stalinschen Epoche dargelegt: „Ein wirklich volkstümliches Rechtsbewußsein ist – wie die wirklich freie  innere Überzeugung des Richters – nur in einem wirklich volkstümlichen und freien Land möglich, wo die Rechtssprechung frei und unabhängig, im Interesse des Volkes und unmittelbar durch das Volk selbst ausgeübt wird.“ 7.) Das steht konträr zur These, dass ein einziger krimineller oder wahnsinniger Schachspieler Figuren hin- und hergeschoben habe und darüber hinaus noch ganze Demonstrationen befehligte.  Mit der Kritik an dieser Konstruktion  können sich die Verfasser seiner Biografie aufspreizen als moralisch gute Menschen. Damit haben sie sich aber selbst in den Schatten der Weltgeschichte gestellt, denn es ist nicht das Moralische, das diese bewegt, sondern das Negative. Im übrigen, nur so im Vorbeigehen: Es gibt in der Weltgeschichte auch noch die  Bedürfnisse der Völker. Diese sind also primär  zu berücksichtigen, auch um zu verhindern, dass die Biografien der sogenannten großen Männer abgleiten, indem sie zu großen Manipulateuren der Weltgeschichte umfunktioniert werden. Bertolt  Brecht hätte in diesem Fall gefragt, ob Stalin nicht wenigstens einen Koch oder eine Köchin bei sich gehabt hätte ? Man verbleibt dann in einer Art Rousseauismus, denn Rousseau hatte im „Contrat Social“ geäußert, dass Regierungen die Völker täuschen können und sollen: „…machmal muß man dem Volk die Dinge zeigen, wie sie sind, manchmal so, wie sie ihm erscheinen sollen.“ 8.)  Exemplarisch kann dies in Klaus Kellmanns Stalin Biograpie am Fall Jeschow gezeigt werden. „Jeschow erhielt alle nur möglichen Orden, Titel und Ehrenzeichen, nach ihm wurden Kolchosen, Betriebe und ganze Städte benannt, um ihn herum wuchs eine künstlich aufgeblähte Popularität, die einzig und allein im Zusammenhang mit seinen Mordleistungen stand, aus denen ihm im richtigen, von Stalin wohl vorbereiteten Moment der Strick gedreht wurde“. 9.). Die Manipulierungsthese, dass Stalin in der Sowjetunion alles künstlich aufblähen konnte, geht auch in die Biografien seiner Mitkämpfer hinein. So schreibt Arkadi Waksberg in seiner Biographie über den Generalstaatsanwalt der UdSSR Wyschinski, den der Militärjurist Ulrich, der den Moskauer Prozessen vorstand, das strafende Schwert des Volkes nannte,  über angebliche Inszenierungen rund um den Sinowjew Kamenjew Prozess von 1936, dass die Bevölkerung einer sowohl drastischen als auch subtilen Gehirnwäsche unterzogen wurde. Eine Atmossphäre des jugendlichen Glücks und des Optimismus sei künstlich erzeugt worden und just zu diesem Zeitpunkt sei eigens ein Schlager komponiert worden, in dem die gegen die Konterrevolutionäre verfasste Textzeile vorkam: „Denn jetzt ist jeder von uns jung in unserem jungen, herrlichen Lande“. 10.) Es konnte also nicht ausbleiben, dass die Konterrevolutionäre auf der Anklagebank gegenüber Wischinski alt aussahen. Stalin und Wischinski und anderen wachsamen Revolutionären war es gelungen, auch auf dem Gebiet der Rechtssprechung den leninistischen Kurs zu halten. Lenin hatte davon gesprochen, dass die Diktatur des Proletariats gegen einen mächtigeren Feind kämpft und dass es notwendig sei, die Konterrevolutionäre mit den verschiedensten Methoden zu bekämpfen, auch mit der Todesstrafe. Dezidiert hat Lenin seine Stellung zur Todesstrafe kurz vor der Oktoberrevolution geäußert: „Ich hatte bereits Gelegenheit, in der bolschewistischen Presse darauf hinzuweisen, daß als triftiges Argument gegen die Todestrafe nur gelten kann, daß sie von den Ausbeutern im Interesse der Aufrechterhaltung der Ausbeutung gegen die MASSEN (kursiv von Lenin) der Werktätigen angewandt wird. Ohne die Todesstrafe gegen die AUSBEUTER (kursiv von Lenin) (das heißt die Gutsbesitzer und Kapitalisten) wird eine wie immer geartete revolutionäre Regierung wohl kaum auskommen können. 11.) Gegen diese Linie trat Jewgeni  Bronislawowitsch Paschukanis, einer der führenden Juristen der UdSSR auf. Er vertrat die faule Theorie, dass der Sozialismus als humane Gesellschaft die Todesstrafe nicht in Anspruch nehmen darf, eine Humanisierung des Strafrechts sei in der Geschichte zu verfolgen. Nach dieser faulen Theorie aber hätte Lenin die Liquidierung der Romanow Dynastie nicht anordnen dürfen. Der Zar aber hatte sowohl 1905 auf unbewaffnete Demonstranten, auf Frauen und Kinder schießen lassen als auch 1912 auf unbewaffnete streikende Goldminenarbeiter an der Lena. Die gerechte Erschießung des Zaren wird oft als typisch kommunistisch angelastet, geschichtswissenschaftlich, beziehungsweise den sozioöconomischen Typen nach betrachtet war sie ein längst überfälliger Akt bürgerlich jakobinistischer Art. Für diese leninistische Linie, hart und grausam gegen Volksfeinde zu sein, stand der Name Stalin. Die Unterstützung Paschukanis durch Krylenko, dem Volkskommissar für das Justizwesen  rückte auch diesen obersten Dienstherren in die Aufmerksamkeit der Volksmassen. In der ersten Sitzung des reorganisierten Präsidiums des Obersten Sowjet im Januar 1938 griff das Präsidiumsmitglied Abbasowitch Bagirow Krylenko öffentlich an, dass er ein armseliger Volkskommissar sei, der seinen Hobbys Bergsteigen, Reisen und Schachspielen doch zuviel Aufmerksamkeit schenke. Zwar übte Krylenko noch Selbstkritik, etwa an Paschukanis Theorie, dass die Strafe abstrakt der Schuld zu entsprechen habe und verwies auf Lenin, der in folgenden Fällen Repressionen ohne Schuldbeweis vorübergehend und unter spezifisch örtlichen Bedingungen für zulässig erklärte: Erschießung jedes zehnten Proviantmeisters, falls es in einem Regiment zu Diebstählen kam und zum Beispiel Zwangsmaßnahmen gegen Kapitalistenfamilien wegen der Schuld des Familienoberhauptes, wie es Arkadi Waksberg in seiner Wischinski Biografie recherchiert hatte. So richtig diese Selbstkritik auch war, sie rettete Krylenko  nicht mehr. Die Biografie von Arkadi Waksberg entbehrt allerdings einer gesellschaftswissenschaftlichen Grundlage: wir haben schon oben gesehen, dass er zur Vorbereitung der Prozesse gegen die Volksfeinde eine stalinistische Gehirnwäsche eines ganzen Volkes für möglich hielt, eine verquere Theorie, die Friedrich der II. von Preußen bereits im achtzehnten Jahrhundert auf Anregung d´Alemberts in einer Preisaufgabe der Berliner Akademie der Wissenschaften widerlegen ließ (ob man ein Volk täuschen könne ?). Und um nur zwei Beispiele aus dem zwanzigsten Jahrhundert anzuführen: Weder haben zum Beispiel die konterrevolutionären Hitlerfaschisten das deutsche Volk zwölf Jahre lang betrogen, was ein immens betriebener Propagandaaufwand nahelegen könnte, sondern der deutsche Faschismus war vielmehr eine viehische Instinkte mobilisierende Massenbewegung, wobei die Ich-Schwäche des ohne Führung lebensunfähigen deutschen Spießers hinzukam, noch hat zum Beispiel der Sozialrevolutionär Fidel Castro das cubanische Volk irregeführt, sondern der Castrismus hat derart tiefe soziale Wurzeln, dass er sich über ein halbes Jahrhundert auf eine Massenbasis stützen konnte und noch heute stützt. Bereitete nach Waksberg eine Volksgehirnwäsche die Moskauer Prozesse vor, so sieht er als deren Ergebnis ein ganzes Volk nach einem Tanz auf dem Scheiterhaufen ohne Verstand. 12.) Ein ganzes Volk hat den  Verstand verloren !! Hier haben wir ein Musterbeispiel des „gesellschaftswissenschaftlichen“ Niveaus eines Glasnostanhängers. Wer aber hier ohne Verstand schwadroniert, das ist der Glasnostanhänger selbst. Der Sozialismus wird als eine Gesellschaft dargestellt, in der jeder jeden totschießt und dann kommt man zu dem Schluß, der Sozialismus sei Faschismus. 13.) Die Menschen, denen das harte Los zugefallen sei, „unter Stalin“  zu leben, hätten es mit dem geflügelten Wort Tayllerands halten müssen: dem Menschen sei die Zunge gegeben worden, um seine Gedanken zu verheimlichen. 14.) Gegen die These von Prozessmanipulierungen sprechen einerseits die Liste der den Prozessen beiwohnenden in- und ausländischen Beobachter, überwiegend Diplomaten,  als auch deren Prozesseinschätzungen. Der us-amerikanische Botschafter Joseph Davies überzeugte Präsident Roosevelt von der Rechtmäßigkeit der Anklagen, was sicherlich zum späteren guten Einvernehmen zwischen Roosevelt und Stalin während des Zweiten Weltkrieges beigetragen hat. In einer seiner Reden erklärte Davies: „Es ist völlig klar, dass all diese Prozesse, Säuberungen und Hinrichtungen, die seinerzeit so rücksichtslos erschienen und die ganze Welt schockierten, Teil eines energischen Bemühens der Stalinschen Regierung waren, sich nicht nur vor einem Staatsstreich von innen, sondern auch vor einem Angriff von außen zu schützen…Die Säuberungen schufen Ordnung im Lande und befreiten es von Verrat“. 15.) Es gab keinen Grund für Joseph Davies als us-amerikanischer Diplomat einen Leninorden anzustreben. Wie Davies sah es auch der tschechoslowakische Botschafter Zdenek Fierlinger. Schon der erste Prozess gegen Sinowjew und Kamenew wurde von einer Delegation der höchst angesehenen Internationalen Juristenvereinigung sehr genau unter die Lupe genommen. Ihr gehörten unter anderem der britische Kronanwalt Denis Noel Pritt (gleichzeitig Mitglied des Unterhauses) an, Dudley Collard, Robert Lazarus und der us-amerikanische Anwalt Joseph Edelman. Diese hochkarätige Delegation kam zu folgendem Ergebnis: „Wir halten die Behauptung, daß die Verhandlung verkürzt und ungesetzlich war, für völlig unbegründet…Wir erklären hiermit kategorisch, dass die Angeklagten völlig legal verurteilt wurden. Es wurde überzeugend bewiesen, dass zwischen ihnen und der Gestapo eine Verbindung bestand. SIE HATTEN DIE TODESSTRAFE VOLLAUF VERDIENT (kursiv von Heinz Ahlreip).“   16.)  Der Kronanwalt Pritt untermauerte diese klare Aussage noch durch ein privates Statement, das wohl auch den letzten Zweifel ausräumen dürfte: „Das erste, was mir als einem britischen Juristen auffiel, war das völlig freie und ungezwungene Verhalten der Angeklagten. SIE ALLE SAHEN GESUND AUS (kursiv von Heinz Ahlreip); sie alle erhoben sich und sprachen, wenn sie es wünschten…Ich persönlich bin überzeugt davon, dass es nicht den geringsten Grund gibt, irgendeine Ungesetzlichkeit zu vermuten, was den Inhalt und die Form des Prozesses betrifft. Meiner Ansicht nach waren die gesamte Verhandlung und die Art des Umgangs mit den Angeklagten mustergültig für die ganze Welt in einem Fall, da den Angeklagten eine Verschwörung zur Ermordung führender Staatsmänner und zum Sturz der Regierung vorgeworfen wird, wessen die Angeklagten sich schuldig bekannten. Ich bin der Meinung, dass das Gericht jedes beliebigen Landes unter solchen Umständen die Todesstrafe verkündet und exekutiert hätte“. 17.)  Der weltweit anerkannte englische Historiker Sir Bernard Pares hielt den Verrat vom Kamenew, Pjatakow, Radek und den anderen Angeklagten für eindeutig bewiesen, er hatte daran keinerlei Zweifel. Ein britisch sowjetischer Parlamentsausschuß hob in seinem Bericht über die Prozesse die „unstrittige Fundiertheit der Anklagen“ 18.)  hervor. Der Ausschußvorsitzende, der Labourabgeordnete Neil Maklin, hob besonders hervor, dass ihn „die Aufrichtigkeit der Geständnisse von seiten der Angeklagten beeindruckt habe“. 19.) Und selbst Churchill kam in seinen Memoiren zu einer bemerkenswerten Einschätzung: Die Säuberungen seien unerbittlich aber vielleicht nicht unnütz gewesen und Wyschinski habe als staatlicher Ankläger brilliert. 20.) Obendrein: auch die Internationale Liga für Menschenrechte ließ durch ihren Repräsentanten, durch den Anwalt Rosenmark, die Legalität der Prozesse verlauten. Damit jedoch nicht genug: der Schriftsteller Lion Feuchtwanger hatte den Prozess verfolgen können und konnte keinerlei Anzeichen von Folterspuren bei den Angeklagten entdecken. Sein Buch über den Prozess wurde in der Sowjetunion in einer Auflage von 200 000 Exemplaren gedruckt. Mitte der vierziger Jahre erschien in den USA das Buch der beiden US Amerikaner Michael Sayers und Albert E. Kahn „The Great Conspiracy“, in dem die juristische Haltbarkeit der Anklagen nachgewiesen wurde. Ich glaube, diese Aufzählung sollte schon ausreichen, die Aufzählung der Liste der „westlichen“ Intellektuellen, die ebenfalls von der Korrektheit der Prozesse überzeugt waren, erspare ich mir deshalb an dieser Stelle.
 
Ich komme zu den Burlesquen, die in der Entstalinisierungsphase liefen: Vor  Stalin zitterte die Konterrevolution und man sieht leicht ein, dass von einem Aufbau des Sozialismus ohne Niederhaltung der bürgerlich kapitalistischen Konterrevolution keine Rede sein kann. Angst lähmte die Bourgeoisie zu Lebzeiten Stalins und darüber hinaus, denn erst 1961 wurde der Leichnam Stalins aus dem Leninmausoleum entfernt. Der Historiker Robert Payne führt in seiner Stalinbiografie aus, dass die Entfernung durch die Geisteskranke Dora Abramowna Lasurkina initiiert worden sei, die auf dem XXII. Parteitag unter Applaus von Gesprächen mit dem toten Lenin faselte, in denen er ihr die Entfernung seines Mausoleumsnachbarn antrug. 21.) Durch die Angst, Stalin gleich nach Crutschows Geheimrede anzutasten, ist etwas Absurdes herausgekommen: der 1956 als Schwerverbrecher Abgestempelte blieb noch fünf Jahre neben dem Gründer des Sowjetstaates im Mausoleum liegen. Diese Angst drückte der Dichter Jewtuschenko in den Zeilen aus: „Er führt etwas im Schilde, Er hat nur zum Ausruhen sich hingelegt, Und ich wende mich an unsere Regierung mit der Bitte: die Wachen an diesem Grabstein zu verdoppeln, zu verdreifachen, damit Stalin nicht aufsteht und mit ihm die Vergangenheit…“ . (Prawda vom 23.10.1962).
 
War es aber nötig, die Todesstrafe für Kinder ab zwölf Jahren zu verhängen ? . „…die Souveränität des Denkens verwirklicht sich in einer Reihe höchst unsouverän denkender Menschen, die Erkenntnis, welche unbedingten Anspruch auf Wahrheit hat, in einer Reihe von relativen Irrtümern.“ 22.) schreibt  Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft. Muss man nicht gerade Kindern Irrtümer zugestehen ? Von hier aus ist auch der Erlaß vom 7. April 1935 zu bewerten, der die Todesstrafe für Kinder ab zwölf Jahren in der Sowjetunion vorsah. Das ist natürlich Sozialismus mit einem unmenschlichen Anlitz. Mit paradiesischen Zukunftsvisionen ist Barbarei in der Gegenwart nicht zu rechtfertigen. An allem ist zu zweifeln.  Eine Todesstrafe für Kinder widerspricht eklatant dem humanistischen Grundgedanken des Kommunismus: wenn die Umstände den Menschen bilden, kommt es darauf an, die Umstände menschlich zu bilden !, heißt es in einer Frühschrift von Marx und Engels. Mit der Todesstrafe für Kinder wird ja zugegeben, dass in der Sowjetunion unmenschliche Umstände vorhanden waren, in menschlichen Umständen hätte man normabweichende Kinder korrigieren können müssen. Wissenschaftlicher Sozialismus und Todesstrafe für Kinder – wie passt das zusammen ? Dieser schwere Schatten belastet Stalin für immer.
 
Plechanow gab uns den Hinweis, daß die großen Persönlichkeiten in der Geschichte nicht die allgemeine Richtung der Geschehnisse ändern können, sie sind ja gerade deren Produkt, sondern nur das individuelle Gepräge der Ereignisse. Und hier mag die in Lenins sogenannten Testament gefallene Bemerkung über die Grobheit des Generalsekretärs hineinspielen, aber nur als sekundärer Faktor. So setzte nach dem Mord an Sergej Kirow am 1. Dezember 1934  in allen Bibliotheken und Buchläden, unter der Regie von Boris Volin, dem Leiter von Glavlit (Hauptverwaltung von Literatur), der 1922 eingerichteten Zentralen Sowjetischen Zensurbehörde, eine allumfassende Säuberung der konterrevolutionären trotzkistisch-sinowjewistischen Literatur sowie aller Bilddokumente (auch auf Flugblättern) ein, nachdem schon ab 1931 Namen von Volksfeinden aus Vorworten und Fußnoten gelöscht wurden. 23.)  Diese Vorgehensweise deutet daraufhin, dass die Genossen um Stalin immer noch einen gewissen Masseneinfluß der Volksfeinde und Rekrutierung neuer Anhänger fürchteten. Zu bedenken ist aber, dass zu Lebzeiten Lenins ein Verbot der Schriften Trotzkis in der UdSSR unterblieb, was Lenin und Stalin gegen Trotzki geschrieben hatten, war präsent und damit auch die korrigierende Widerlegung. Ein Vergleich der Schriften Trotzkis mit der Lenin-Stalinschen Kritik an diesen hätte durchaus produktiv für die Entwicklung revolutionären sozialistischen Bewußseins der Arbeitermassen sein können, das für Lenin die einzige Grundlage ist, die uns den Sieg verbürgen kann. 24.) Lenin scheute sich nicht, seinen Botschaftern zu empfehlen,  die gegen den Bolschewismus gerichtete Schrift von Karl Kautsky: „Die Diktatur des Proletariats“ (Wien 1918, Ignaz Brand, 63 Seiten) für einige Tausend Rubel anzukaufen, um sie dann kostenlos an klassenbewußte Arbeiter zu verteilen.  25.)  Lenin scheute sich auch nicht, einen Gedanken von Friedrich Engels aus der „Flüchtlingsliteratur“ aufnehmend, die Lektüre der Atheisten des 18. Jahrhunderts aus der Periode der französischen Aufklärung zu empfehlen, eingedenk der Tatsache, daß alle größeren Werke von Marx und Engels in Übersetzungen vorliegen. „Es gibt nicht den geringsten Grund zu der Befürchtung, daß der alte Atheismus und der alte Materialismus bei uns unergänzt bleiben könnten durch die Korrekturen, die Marx und Engels vorgenommen haben.“ 26.) Auch hielt Lenin die Aufklärung der Bauern durch die städtischen Arbeiter nur mit rein kommunistischen Ideen für zu einseitig unzureichend. Man sieht leicht, wie sensibel und wenig monomarxistisch Lenin in Fragen der Zensur war.
 
1.)Lenin, IV. Konferenz der Gewerkschaften und der Betriebskomittees Moskaus, Werke Band 27, Dietz Verlag Berlin, 1962,481. Vergleiche dazu auch das Buch von Bertram D. Wolfe: Lenin Trotzki Stalin, Drei, die eine Revolution machten. Europäische Verlagsanstalt, Mannhein, 1965.
2.) Lenin: Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin,489
3.) Geboren am 21. Dezember 1879 als Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili unterzeichnete er am 12. Januar 1913 einen Zeitungsartikel zum ersten mal mit: Stalin.
4.) Josef Stalin, Sozialismus oder Anarchismus, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1950,266. Bemerkenswert ist, dass Stalin auf die Plechanowsche Broschüre nicht eingeht. Es ist heute sehr schwierig herauszufinden, ob sie ihm überhaupt vor dem Abfassen seiner Anarchismuskritik bekannt war.
5.) Karl Marx, Das Kapital, Nachwort zur zweiten Auflage, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin 1978,27
6.) Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,292 
7.) Andrei Wyschinski, Die Theorie des gesetzlichen Beweismaterials im sowjetischen Recht, in: Arkadi Waksberg, Gnadenlos Andrei Wyschinski – der Handlanger Stalins, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1991,272. Im gleichen Werk Wyschinskis findet sich auch eine aufschlußreiche Bemerkung zu den politischen Erklärungen der Angeklagten in den Prozessen: sie „nehmen zwangsläufig den Charakter und die Bedeutung grundlegender, zentraler, entscheidender Beweise an“. (a.a.O.,273). Professor Strogowitsch, der zeitweise ein enger Mitarbeiter Wyschinskis war, sprach angesichts der Verschärfung des Klassenkampfes im Sozialismus von einer Verdichtung der Verfahrensform (a.a.O.), also von einer summarischen Aburteilung von Konterrevolutionären.
8.) Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag, 1975,42
9.) Kurt Kellmann. Stalin Eine Biografie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005,131
10.) Arkadi Waksberg, Gnadenlos Andrei Wyschinski – der Handlanger Stalins, Lübbe Verlag Bergisch Gladbach 1991,105
11. Lenin, Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen soll, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,351
12.) Vergleiche Arkadi Waksberg, Gnadenlos Andrei Wyschinski – der Handlanger Stalins, Lübbe Verlag Bergisch Gladbach, 1991,234
13.) a.a.O.,321
14.) a.a.O.,350
15.) a.a.O., 469. Siehe besonders: Joesph E. Davies, Als US Botschafter in Moskau, Authentische und vertrauliche Berichte über die Sowjetunion, Steinberg Verlag Zürich, 1943. Insbesondere seinen Bericht vom 17. März 1938 Nr. 1039. Der US Botschafter spricht von einer Fünften Kolonne Hitlers in der Sowjetunion: „…dass so gut wie alle Kniffe und Umtriebe der deutschen Fünften Kolonne, wie wir sie seither kennen gelernt haben, durch die Geständnisse und Zeugenaussagen jener Prozesse gegen die „bekennenden“ Quislinge Russlands enthüllt und bloßgelegt worden sind.“ (a.a.O.,211).
16.) Arkadi Waksberg, Gnadenlos Andrei Wyschinski – der Handlanger Stalins, Lübbe Verlag Bergisch Gladbach,1991,164
17.) a.a.O.,165
18.) a.a.O.
19.) a.a.O.
20.) Vergleiche a.a.O.,165f. 
21.) Vergleiche Martha Schad, Stalins Tochter, Das Leben der Swetlana Allilujewa, Gustav Lübbe Verlag, 2004,12f.
22. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke, Band V, Dietz Verlag Berlin, 1972,97f.
23.) Siehe dazu: Klaus Waschik, Virtual Reality. Sowjetische Bild- und Zensurpolitik als Erinnerungskontrolle in den 1930er Jahren, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe,7 (2010),H.1, URL: http://www.                     zeithistorische-forschungen.de/16126041-Waschik-1-2010 Textabschnitt 10 und 12.
24.) Vergleiche Lenin,Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1955,363
25.) Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Lenin Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959,279.
26.) Lenin, Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus, Werke Band 33, Dietz Verlag Berlin, 1962,216 
 

 

 

SPD Parteitag in Berlin Faschistische Bluthunde unter sich

7. Dezember 2011

Spätestens seit dem Auftreten des Sozialdemokraten Gustav Noske in der Novemberrevolution als Bluthund der Konterrevolution und spätestens seit der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht unter Beihilfe der SPD weiß die deutsche Arbeiterbewegung, die mit der konterrevolutionären SPD ihre Erfahrungen gemacht, und die internationale Arbeiterbewegung, die diese mitbekommen hat, dass die deutsche Sozialdemokratie eine Partei des gemäßigten Faschismus ist. 1. SPD und NPD sind keine Antipoden, sondern diese Parteien ergänzen sich, die SPD ist der gemäßigte Flügel des Faschismus. Ihr Berliner Parteitag bestätigte dies eindrucksvoll, er präsentierte uns ideologisch Faschismus fast schon in Reinkultur. Es passt zu dem Vorsitzenden dieser zur Reaktion degenerierten Partei, Sigmar Gabriel, dass er selbst gern reich und wohlhabend sein würde. 2. Ansätze zu einer Leibesfülle à la Hermann Göring hat er ja schon. Die Tendenz zum Volksfeind ist in dieser Aussage mehr als deutlich, denn sie schlägt der Intention der Pariser Kommune direkt ins Gesicht, die die Entlohnung der „staatlichen Würdenträger“  auf das Niveau eines durchschnittlichen Arbeiterlohnes justierte. Mit seiner Lüge, dass eine „neokommunistische Staatsgläubigkeit keine Alternative “ 3. sei, spuckt er der Pariser Kommune direkt ins Gesicht, die nach Friedrich Engels schon kein Staat im eigentlichen Sinne des Wortes mehr war, da es galt, nur noch eine vorher schmarotzende bürgerliche Minderheit zu unterdrücken. „Man sollte das ganze Gerede vom Staat fallenlassen“, schrieb der alte Engels 1875 an Bebel. Wo sieht man hier „Staatsgläubigkeit“ ? – im Gegenteil, Engels sprach von einer kommenden Generation, die den ganzen Staatsplunder von sich abwerfen wird. Und Lenin davon: „In der Frage der Abschaffung des Staates als Ziel gehen wir mit den Anarchisten keineswegs auseinander.“ 4. Dagegen ist die reaktionäre SPD ein Sammelbecken faschistischer Etatisten, die ihre Staatsgläubigkeit auch offen zugeben: Eine Parole in Berlin lautete: „Unser Kapital – Demokratie und Gerechtigkeit !“ Auf den ersten Blick eine hübsche, eine nette Parole; der konterrevolutionäre Satan steckt hier beim näheren Hinsehen in der „Demokratie“, denn Demokratie bedeutet ja Staat, bedeutet ja die organisierte Gewalt einer unterdrückenden Klasse gegen  andere. Heute steckt viel konterrevolutionäres Gedankengut in der Verherrlichung der Demokratie, gemäßigte sozialdemokratische Faschisten legen dieses Wort als Köder aus. Wenn Engels vom Einschlafen des Staates im Kommunismus sprach, so war damit auch immer ein Einschlafen der Demokratie mitgedacht und mitgesagt. Was aber interessieren einen Mann mit der Tendenz zum Reichtum schon die Schriften von Friedrich Engels ? Geradezu lächerlich ist der von Gabriel dem deutschen Volk hingeworfene Köder, der/die Bürger/innen sollten „Herrscherinnen und Herrscher ihres eigenen Lebens“ 5. sein.  Ein Leben in innerer und äußerer Naturbeherrschung  ist erst im Kommunismus möglich, keineswegs unter den Bedingungen des Imperialismus – im Gegenteil: die Werktätigen sind von den Produktionsmitteln getrennt und arbeiten nicht für sich und der moderne bürgerliche Staat als eine Demokratie für die Reichen und gegen die Armen unterscheidet sich nicht sehr von der antiken Sklavenhalterdemokratie. 6. Ein sozialdemokratischer Politiker, der sich vor die vom Kapital versklavten Lohnabhängigen hinstellt und predigt, ihr sollt Herrn Eures eigenen  Lebens sein und dabei verschweigt, dass diese menschliche Emanzipation nur über die völlige Vernichtung des Feindes, der Bourgeoisie möglich ist,  gehört ganz einfach eingefangen und unter die Känguruhs Ausstraliens ausgesetzt. Wenn Steinmeier die Linke in der SPD warnt, nicht aus Daffke einen Schnaps oben drauf zu tun, so ist ihm entgangen, dass Peer Steinbrück auf den Ausführungen von Gabriel tatsächlich noch einen faschistischen Fusel draufgetan hat. Unter Beratung Steinbrücks hat der Parteivorstand sogar eine Kommission eingesetzt, die ein Konzept erarbeitet, das das Bündnis der Starken mit den Schwachen begründen soll. Philanthropischer Schwachsinn (Schwachsinn, denn die Reichen werden, wie jeder weiß, immer reicher und vertiefen dadurch die Armut des Volkes) war schon immer ein Bestandteil der politischen Demagogie gegen die Werktätigen. Ganz offensichtlich glaubt Steinbrück allen Ernstes, das deutsche Volk bestehe aus lauter Schafen, denen man predigen könne, die kapitalistischen Wölfe werden satt und lassen die Schafe dabei unversehrt. Wie kommt dieser Bündnisgedanke zustande ? Marx erläutert im Achtzehnten Brumaire, wie es zur „sozialen Demokratie“ kommt: der Arbeiterklasse werden die sozialen Forderungen gebrochen und ihre politischen in den Vordergrund gerückt, umgekehrt die radikalen politischen Forderungen des Kleinbürgertums bleiben beiseite und die sozialen geraten nach vorne, so dass dann Steinbrück  dem Parteitag wörtlich hinwirft: man dürfe die Reichen nicht verprellen. Hier haben wir den spezifisch sozialdemokratischen Faschismus in Reinkultur. Es fallen einem sofort die Worte von Lenin ein, dass  man den Reichen Brot, Wasser und Feuer wegnehmen muß. 7. Auch fühlt man sich unwillkürlich an die Schlußszene des 1945 uraufgeführten Monumentalfilms von Sergei Eisenstein „Ivan der Schreckliche“ (Ivan grosny) erinnert, in der das Gesicht des Zaren in Großaufnahme gezeigt wird und dieser den Schlußsatz des ganzen Films spricht: „Es ist die Aufgabe des Zaren, die Kleinen und Schwachen zu schützen, aber hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen zu sein, wenn er dies jedoch nicht vermag, so ist er kein Zar“. Wir brauchen in der Bundesrepublik Tausende und Abertausende schreckliche Ivans, die hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen sind, die nicht das Bündnis mit dem Kapital suchen, die nicht den Klassenkampf vertuschen, die das Volk nicht mit einem Bündnis betrügen, in dem die Starken immer gewinnen und die Schwachen immer verlieren müssen, die nicht die faschistische Ideolgie verbreiten, es muß starke kapitalistische Herrenmenschen und schwache lohnabhängige Untermenschen in der Welt geben, die sich den Reichen nicht als Lakaien anbiedern und diesen den After hinhalten, sondern ihrer historischen Pflicht gemäß als Totengräber der Bourgeoisie auftreten. Was uns in der Bundesrepublik bevorsteht, ist nicht irgendein von schwachköpfigen Sozialdemokraten ersponnenes Bündnis zwischen Arm und Reich, sondern naturgemäß , wie es der wissenschaftliche Sozialismus bestimmt hat, ein Bürgerkrieg zwischen ihnen in seiner fürchterlichsten Form. Nur auf einem Ozean aus bürgerlichem Blut kommt das stolze Schiff der proletarischen Revolution voran. Wer auf ein Bündnis hinwirkt, behandelt der nicht die Werktätigen wie Dreck, betrügt er sie nicht um ihre Revolution ? Der revolutionäre Marxismus lehrt etwas anderes: gerade die Massen systematisch zur gewaltsamen Zerschlagung der bürgerlichen Diktatur erziehen. Und zu dieser weltgeschichtlichen Tat ist die Aufklärung über das Verhältnis von Staat und Revolution zwingend erforderlich. Die Parteitagsmeute schwieg darüber – und mußte darüber schweigen, denn der Opportunismus kann zur Klärung dieses Verhältnisses nichts beitragen, da er vor dieser Frage ständig ausweicht. Wozu brauchen wir Schmarotzer in unserer Gesellschaft ? Erinnern wir uns lieber an die Worte August Bebels: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Und an seine Worte auf dem Dresdner Parteitag 1903: „Ich will ein Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann beseitigen.“  Es ist klar, dass zwischen dem Revolutionär Bebel, der ganz richtig die bürgerliche Staatsordnung beseitigen wollte, so wie die Jakobinerrevolutionäre die feudale Staatsordnung beseitigten,  und der heutigen faschistischen SPD Lichtjahre liegen, diese sozialdemokratischen Zwerge und Perverslinge haben das Recht verloren, sich auf Bebel zu berufen. Ihr Berliner Parteitag hat sie uns gezeigt, diese kleinbürgerlichen sozialdemokratischen Spießer mit ihrer abscheulichen menschenverachtenden Fratze, die die Armen an der Nase herumführen wollen. Denn man kann die Kleinen und Schwachen nicht schützen, wenn man nicht hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen ist. Und umgekehrt: wer die Reichen nicht verprellen will, was bleibt ihm in einer revolutionäre Situation anderes übrig als den neuen Noske zu markieren ? Das sozialdemokratische Bündnis ist ausgedacht, um das deutsche Volk von den Reichen erdrosseln zu lassen. Obwohl die Reichen überhaupt , vulgärmarxistisch ausgedrückt, durch eine „Art Prellerei“ reich geworden sind, will der sozialdemokratische Kleinbürger diese nicht bestrafen, sondern…man rate ? Nicht verprellen ! Sozialdemokratische Volksfeinde arbeiten mit reichen Volksfeinden Hand in Hand. Ideologisch suchen diese hausbackenen Sozispießer den Weg zum Mittelalter, Gabriel sucht die Allianz mit der Kirche.  8. Auch an diesem Punkt muss an August Bebel gedacht werden, der  die Religion ausrotten wollte. „…jeder Religionslehrer ist ein Feind des wahren Fortschritts der Menschheit, er ist gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen, das ausgerottet werden muß.“ 9. Die Dialektik der Geschichte ist nun so verlaufen, dass heute Bebels eigene Partei gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen geworden ist, das ausgerottet werden muß.

Es kann keinen Fortschritt in Deutschland, es kann keine Befreiung der Lohnsklaven und keine Befreiung vom Mittelalter geben, wenn die Kleinen und Schwachen, die die große Meherheit der Gesellschaft bilden, nicht die kleine Minoriät der Reichen und Mächtigen mitsamt ihrer Agentur: SPD mit Feuer und Schwert ausrotten und niederbrennen. Tod den Reichen, Schmarotzern, Faschisten und sozialdemokratischen Volksfeinden ! Um mit einem Gedanken Robespierres zu enden: Wir haben nur wenige Köpfe zu treffen und die Konterrevolution ist nur noch ein dunkles Kapitel , hier in der Geschichte des deutschen Volkes.

1. Sucht man historische Analogien, die immer etwas schief sind, so ist auf die konterrevolutionäre Gironde während der französischen Revolution und auf die konterrevolutionären kleinbürgerlichen Parteien Menschewiki  und Sozialrevolutionäre  (Kerenskianer, Kerenski war Sohn eines Gymnasialdirektors  und floh als Volksfeind vor dem Bolschewismus, später Professor in den USA) während der russischen Revolution zu verweisen. Gironde, Sozialrevolutionäre, Menschewiki und Sozialdemokraten haben Angst sowohl vor der revolutionären Schöpferkraft der Volksmassen als auch vor ihren sozialen Forderungen. Sie sind konterrevolutionär, weil sie deshalb die alte Ordnung verteidigen und für Revolutionäre ist klar, dass die revolutionäre Schöpferkraft der Massen diese Parteien vernichten muss. In der Sowjetunion war dies einstweilen gelungen. Wir sehen, dass sich die fortschrittlichste bürgerliche Klasse im 18. Jahrhundert in die beiden Flügel Jakobiner und Girondisten zerlegte wie die fortschrittlichste Klasse des 20. Jahrhunderts in Bolschewiki und Menschewiki. In Deutschland war der Reichspräsident Ebert im Grunde ein Monarchist und das kam nicht von ungefähr: In seiner Kritik am im Oktober 1891 an Stelle des Gothaer Programms von 1875 angenommenen Erfurter Programms wies Engels darauf hin, daß es in Deutschland mit seiner fast allmächtigen Regierung und einem Reichstag ohne Macht illusionär sei, von einem friedlichen Weg zum Sozialismus zu träumen und dass man Handlangerdienste für den Absolutismus betreibe. Engels blieb unerhört und die überwiegende Mehrheit der offiziellen Führer der deutschen sozialdemokratischen Partei erwies sich denn auch, wie Lenin es nannte, als „Schirmer des Absolutismus“. (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,458).

2. „Gabriel will SPD wieder in rot-grüne Regierung führen“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Dezember 2011, Seite 2

3. a.a.O.

4. Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, Dietz Verlag Berlin, 1960,449

5. „Gabriel will SPD wieder in rot-grüne Regierung führen“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Dezember 2011, Seite 2

6. „Die Freiheit der kapitalistischen Gesellschaft bleibt immer ungefähr die gleiche, die sie in den antiken griechischen Republiken war: Freiheit für die Sklavenhalter.“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,474).

7. Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin,1959,280

8. „Ein weiter Bogen nach links“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Dezember 2011, Seite 3. Schon Friedrich Engels mußte 1891 in seiner Einleitung zu Marxens „Bürgerkrieg in Frankreich“ auf die opportunistische Nachlässigkeit der deutschen Sozialdemokratie bezüglich der Religion hinweisen, da Tendenzen deutlich wurden, die Relgion nicht nur dem Staat, sondern auch der Partei selbst gegenüber zur Privatsache zu erklären, also auf den Kampf gegen das volksverdummende Opium Religion zu verzichten. „Der künftige Geschichtsschreiber der deutschen Sozialdemokratie wird beim Aufspüren der Wurzeln ihres schmachvollen Zusammenbruchs im Jahr 1914 nicht wenig interessantes Material zu dieser Frage vorfinden, angefangen von dem ausweichenden, dem Opportunismus Tür und Tor öffnenden Erklärungen in den Artikeln Kautskys, des ideologischen Führers der Partei, bis zu dem Verhalten der Partei zu der „Los-von-der-Kirche-Bewegung“ im Jahre 1913″. (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,464). Vor dem ersten Weltkrieg gab es eine massenhafte Kirchenaustrittsbewegung, der gegenüber führende Vertreter der deutschen Sozialdemokratie nicht nur sage und schreibe Neutralität bewahrten, sondern es ihren Mitgliedern verboten, im Namen der Partei  Propaganda gegen Religion und Kirche zu betreiben !! Ohne Zweifel ein tiefer Rückfall hinter die bürgerliche Aufklärung. Gustav Landauer hatte völlig Recht, als er sagte, dass es in der ganzen Natur kein  ekelhafteres Tier gebe als die deutsche Sozialdemokratie. Und dieses  Tier wird ekelhafter Tag für Tag.

9. August Bebel: Über materialistische Geschichtsauffassung, in: August Bebel: Die moderne Kultur ist eine anti-christliche, Alibri Verlag 2007,61