Tanzverbot am Karfreitag – die feudale Reaktion offenbart ihre Menschenverachtung

„Die Religion ist entstanden zu einer sehr waldursprünglichen Zeit aus mißverständlichen, waldursprünglichen Vorstellungen der Menschen über ihre eigne und die sie umgebende äußere Natur“. (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin,1975,303).

Lenin lehrte uns, dass die Religion eine Art geistiger Fusel ist, mit dem der Sklave sein Sklavendasein betäuben soll. Dass Religion Volksverdummung ist, ist hinlänglich bekannt, aber zur Überwindung der Volksverdummung ist gerade der Zusammenhang mit dem Sklavendasein ausschlaggebend. Beleuchten wir daher am uns naheliegenden Beispiel der christlich europäischen Religion die Aussage Lenins.

Die christliche Volksverdummung stand im Mittelalter in ihrer Hochblüte und reichte über die ganze Zeit des Feudalismus bis zur französischen Revolution. Für die feudalen Grundherren war die religiös betriebene Volksverdummung unbedingt notwendig, denn sie übten als Wenige die Macht über die große Mehrheit aus und ihre Pfaffen mußten das Gift der Untertanenmentalität verabreichen: die große Mehrheit mußte verinnerlichen, dass das Pfaffenpack und die Grundherren hochwürdig seien. Die katholische und auch die evangelische Kirche waren die Dominas, die die feudale Gesellschaft ideologisch zusammenhielten. Nach Machiavelli sollte die Religion machttechnisch eingeschaltet werden, um die Staaten durch Gottesfurcht in Eintracht zu halten. Um die Völker in einer Zucht der Einheit zu halten diente die Religion abgrenzend nach außen und integrierend nach innen. In den „Discorsi“ schrieb Machiavelli, dass die Reiche ohne Gottesfurcht und einen Machthaber zerfallen. Folgerichtig verweigerte der vom Papst gelenkte König Ludwig XVI. während der französischen Revolution seine Unterschrift unter die Erklärung der Menschenrechte. Rousseau gibt das politische Weltbild der Feudalen richtig wieder: die Menschen werden in Viehherden aufgeteilt und die Hirten stehen von Natur aus höher als ihre Herde. Besteht diese Herde aus Tieren, dann sind sie Menschen, besteht sie aus Menschen, dann sind sie Götter. 1.

Die bürgerliche Aufklärung unterstellte allen Menschen eine ihnen unbedingt zukommende Rationalität, sie wies dem religiösen Glauben einen sich ständig selbst belügenden Ausnahmezustand nach. Nach christlichem Selbstverständnis war der Mensch irrtumsbeladen, aber sein Glaube an ein obskures Wesen sollte die große Ausnahme davon sein, die Protestanten sangen beschwörend: eine feste Burg ist unser Gott. Sie hielt der Aufklärung nicht stand: Es war eine kurze logische Schlußfolgerung, dass der gläubige Mensch irrational, ja schizophren war. In der Kommune Florenz trieb der finstere durch und durch asketische Dominikanermönch Girolamo Savonarola es 1494 in seinen Predigten so weit, dass er der unaufgeklärten Gemeinde vorgaukelte, mit Gott selbst gesprochen zu haben, dieser habe ihm aufgetragen, für die Einheit der Kommune zu sorgen. In seinen großangelegten Kampagnen gegen Sittenverfall und Eitelkeit wurden Bücher und Bilder, Schmuck, Kostüme, Perücken; Karnevalsmasken und Toilettenartikel zu Scheiterhaufen aufgetürmt und in Brand gesteckt. Dass besonders die Frauen ihren Körper bis auf das Gesicht in der Öffentlichkeit unter Kleidung zu verbergen hatten – darüber wachte eine Kinderpolizei, deren Anzeigen gefährlich werden konnten. Das Tanzen war verboten. Die bürgerliche Aufklärung sah es als ihre Aufgabe an, diesen Spuk zu vertreiben.In Deutschland vollendete sie Feuerbach: „Unser Ideal ist kein kastriertes , entleibtes, abgezogenes Wesen, unser Ideal sei der ganze, wirkliche, allseitige, vollkommene, ausgebildete Mensch“. 2. Die christliche Sekte widersetzte sich der Aufklärung, dem Licht der Wissenschaft daher fanatisch, denn in der Tat war das Licht der Wissenschaft und der Aufklärung tödlich für sie. 3. Die Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft ist nun aber so verlaufen, dass sich an die Stelle der Feudalaristokratie eine neue Geldaristokratie setzte, die natürlich die letzten Konsequenzen aus der Aufklärung nicht mehr ziehen durfte, die weiter auf religiösen Fusel zur Volksverdummung angewiesen war. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen Europa dank der bürgerlichen Aufklärung fortgeschritten war, heute ist es fortgeschritten trotz seiner Bourgeoisie, die „aus Furcht vor dem wachsenden und erstarkenden Proletariat alles Rückständige, Absterbende, Mitelalterliche unterstützt. Die untergehende Bourgeoisie verbindet sich mit allen überlebten Kräften, um die ins Wanken geratene Lohnsklaverei zu erhalten“. 4. Galt es vor der bürgerlichen Revolution, die leibeigenen Bauern in Zucht zu halten, so nach ihr die Lohnsklaven. Die Bourgeoisie fürchtet ihre Aufklärung und ihre Organisierung. Dagegen dient der religiöse Fusel als ideologische Waffe. Damit die Reichen in ihren Reichtümern ungestört schwelgen können, mußte die Religion die Konsumwünsche der auf ein Existenzminimum zu haltenden Sklaven buchstäblich in den Schmutz ziehen, orale, anale und genitale Bedürfnisse galten als schmutzig und so kommt es , dass noch heute ein Niedersächsisches Feiertagsgesetz 5. gilt, das Tanzen und lustiges Musizieren (als Ausdruck von Lebensfreude) von Gründonnerstag bis Ostersonntag Null Uhr unter Strafe stellt. Die Lehre von der ewigen Glückseligkeit dient nur dazu, um, wie Wilhelm Weitling es formulierte, das Volk „um die zeitliche Glückseligkeit zu betrügen.“ 6.

Es ist aus der Kulturgeschichte bekannt, wie die christliche Verteufelung der Sexualität zustande kam. Der Kirchenvater Augustinus bekennt in seiner Autobiografie, dass er im Jahr 386 in einem Mailänder Garten göttliche, immer nur das eine wiederholende Knabenstimmen gehört habe: Nimm und lies (Tolle lege). Er ging ins Haus und schlug die Paulusbriefe auf: „…zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht zur Erregung eurer Lüste.“ Danach pflegte Augustinus keinen Beischlaf mehr, sondern begann fieberhaft schreibend mit der inhumanen Verteufelung der Sexualität. So hat die Ausgeburt des Fieberwahns eines gesisteskranken Klerikers Millionen und Abermillionen Menschen Jahrhunderte lang bis heute sexuell verkrüppelt. Erste Aufklärung über die Ursachen des religiösen Fusels brachte selbstredend die Renaissance, als sie anfing, sich auf den antiken Atheismus zu besinnen. In ihr erfolgte die erste Rehabilitierung des von der Reaktion schon immer verteufelten antiken Philosophen und Hedonisten Epikur, der gegen den antiken Aberglauben und gegen die Lehre von der Unsterblichkeit gekämpft hatte. Horaz bekannte sich noch – die religiöse Reaktion provozierend -, als „Epicuri de grege porcus“, als „Schweinchen aus der Herde Epikurs“. Aber die platonische Leibfeindlichkeit bereitete die des Christentums vor. Dessen Kirchenväter stilisierten den lebensbejahenden und lebensfrohen Epikurismus zur Gegenposition schlechthin. Der Prediger des Asketismus, Augustinus, log die europäische Christenheit an, Epikur hätte einen zerrütteten Lebenswandel geführt. Das Christentum spricht Epikur das Menschsein ab und wirft ihn zu den Tieren 7. , Dante in seiner Göttlichen Komödie in die Hölle. 1619 wurde der Philosoph Vanini, der sich auf Epikur berief, in Toulouse als Ketzer verbrannt. 8. Diese christliche Lebensfeindlichkeit steckte der Menschheit eineinhalb Jahrtausende im Nacken. Sie hat sich bis heute nicht davon befreit. Hegel beteiligt sich an diesem Treiben gegen Epikur, bei diesem Denker falle alles auseinander, alles setze er auf den gemeinen Menschenverstand herunter. Es ist kein Zufall, dass Karl Marx Epikur  „den einzigen Heiligen im Kalender der Philosophen“ nennt.

Am Karfreitag startete um 18 Uhr in Hannover eine Demonstration gegen das Tanzverbot  vor Ostern am Schillerdenkmal, die bis zur Marktkirche ging, vor der das Denkmal einer der größten Übeltäter in der deutschen Geschichte steht: Martin Luther, der alle Deutschen in Mönche verwandelt hatte. 9. Friedrich der Große hatte ganz Recht, als er sagte, von allen Jesuiten seien ihm die protestantischen die übelsten. Den Leitspruch Friedrichs: Jeder solle nach seiner Facon selig werden, teilt die kirchenpolitische Sprecherin der CDU Landtagsfraktion Dorothee Prüssner nicht, sie äußerte im Vorfeld der Demo, dass die Karfreitagsruhe absolut zeitgemäß und eine Möglichkeit sei, innezuhalten und den Müßiggang zu lernen. Wohl so, wie ihn in Feudalzeiten die asozialen Grundherren gelernt hatten und wie die Waldfee Prüssner ihn während ihrer Parlaments“tätigkeit“ lernt. (Wenn diese mittelalterlichen Kreaturen und Jammergestalten innehalten, dann nur, um nachzusinnen, wie man den Lohnsklaven besser ausbeuten kann). Vor und während der Demo unterband die Polizei jeden Ansatz tänzerischer Bewegungen, auch wenn er lautlos über MP3 Player erfolgte. Zur Demo waren cirka 200 größtenteils junge Teilnehmer gekommen, aufgerufen hatten die „Grüne Jugend“, die Jusos, die Jungliberalen, die Piraten und die Giordano Bruno Stiftung, die das Transparent hochhielt: „Gott ist Spekulation Menschen sind real Auf uns kommt es an“. (Der Philosoph Bruno wurde ebenfalls von der Inquisition zum Feuertod verurteilt). Es gab auch eine Gegendemo von der Partei „Die Hannoveraner“, an der acht Personen teilnahmen. Die Disco- und Clubbetreiber wollten sich ebenfalls an der Demo beteiligen, sie überließen dann aber die Straßenarbeit getrost den jungen Leuten. Menschen des Establishments, die nur Euros kassieren wollen,  auf der Straße…wo kämen wir denn dahin ?

1. Vergleiche Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag Stuttgart, 1961,7

2. Ludwig Feuerbach, Vorlesungen über das Wesen der Religion, in: Lenin, Konspekt zu Feuerbachs „Vorlesungen über das Wesen der Religion“, Werke Band 38, Dietz Verlag Berlin, 1958,53f. Desgleichen auch der wichtige Hinweis von Feuerbach, dass der Geschlechtssinn bei der Lehre von den Sinnen gewöhnlich außer Acht gelassen wird, „der auch theoretisch von höchster Wichtigkeit ist“. (Ludwig Feuerbach, Darstellung, Entwicklung und Kritik der Leibnizschen Philosophie,in:a.a.O.,73)

3. Der Idealist Hegel versuchte Glauben und Wissen zu versöhnen, der Idealist Leibniz Religion und Politik. Beiden Idealisten ist gemeinsam, dass sie zum Weltlauf eine nur passive Position einnehmen, für Hegel bleibt dem Philosophen bloß das bloße Zusehen, für Leibniz ist die Monade nur „Zuschauer des Welttheaters“. ( Lenin, Konspekt zu Feuerbachs „Darstellung, Entwicklung und Kritik der Leibnizschen Philosophie, Werke Band 38, Dietz Verlag Berlin, 1958,69).

4. Lenin, Das rückständige Europa und das fortgeschrittene Asien (Prawda Artikel vom 18. Mai 1913), Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin 1957,82.

5. Das Niedersächsische Feiertagsgesetz von 1969 verbietet öffentliche Tanzveranstaltungen in der Karwoche von Donnerstag 5 Uhr morgens bis Ostersonntag Null Uhr. Außerdem sind am Karfreitag öffentliche Sportveranstaltungen verboten. Erlaubt sind öffentliche Veranstaltungen nur, wenn sie der geistig-seelischen Erhebung oder einem höheren Interesse der Kunst, der Wissenschaft oder Volksbildung dienen. Auf den ernsten Charakter des Tages muß Rücksicht genommen werden. „Geistig seelische Erhebung“ – da liegt der Osterhase im Pfeffer. Es liegt im höheren Interesse der Wissenschaft, festzuhaltem, dass die Rehablitierung Epikurs in der Renaissance eine „Renaissance des Fleisches“ (Heinrich Heine) beinhaltete. Um so bedauerlicher muss festgestellt werden, dass der Papstbesuch auf Kuba erste faule Früchte trägt, zum ersten Mal seit der Gründung der sozialistischen Repubik im Jahre 1959 war der Karfreitag, wie die Parteizeitung Granma schrieb, „zu Ehren Ihrer Heiligkeit“ wieder ein Feiertag und die zentrale Messe in der Kathedrale von Havanna wurde aus der Hauptstadt sogar im Fernsehen übertragen. Seit 1961 waren Übertragungen religiöser Feiern im Radio und im Fernsehen verboten. Es war ein großer Fehler, dieses perverse mittelalterliche Dreckspack überhaupt auf die Insel zu lassen. Nur Volksfeinde/feindinnen und mittelalterliche Dunkelmänner/frauen, die nicht die intellektuelle Kraft haben, sich von Vorurteilen frei zu machen und sich wissenschftlich zu entwickeln,suchen die Nähe des Papstes, nur Volksfeinde/feindinnen faseln von den „Ehren ihrer Heiligkeit“.  Wer den Papst heilig spricht, der kann ebensogut Bordellwirte zu Aposteln der Tugend und Enthaltsamkeit ausrufen. Hatten nicht Marx und Engels das Papsttum zu den ALTEN  Mächten Europas gezählt ? Natürlich ! Mit diesem Gedanken beginnt das Manifest der Kommunistischen Partei: der Papst ist mitbeteiligt an der heiligen Hetzjagd gegen das Gespenst des Kommunismus. Das sind mir feine Redakteure einer kommunistischen Parteizeitung, denen nicht einmal der Anfang des Manifestes der Kommunistischen Partei präsent ist.

6. Wilhelm Weitling, Die junge Generation, 1842, Nr. 9,146

7. Eine Animalisierung des Feindes scheint das letzte Zufluchtsmittel der geistig-seelischen Erhabenen zu sein. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass die Pilgrim Fathers, eine erzreaktionäre Sekte, die in England nicht gelitten war, mit dem christlichen Genozid an den indianischen Ureinwohner begann, sobald sie Land betreten hatte , die nach den Worten Voltaires nur gekommen war, um Amerika zu verwüsten. ? (Vergleiche Voltaire, Briefe des Herrn de Voltaire die Engländer und anderes betreffend, Eulenspiegel Verlag Berlin, o.J.,20). Noch heute leidet die ganze fortschrittliche Menschheit unter der primitiven Barbarei der Nachkommen dieser Pilgrim Fathers, die von Washington aus die ganze Menschheit terrorisieren. Zum christlichen Wahn ist bei diesen Barbaren noch der jüdische Dollarwahn hinzugekommen: „Ja, die praktische Herrschaft des Judentums über die christliche Welt hat in Nordamerika den unzweideutigen, normalen Ausdruck erreicht, dass die Verkündigung des Evangeliums selbst, dass das christliche Lehramt zu einem Handelsartikel geworden ist, und der bankerotte Kaufmann im Evangelium macht wie der reichgewordene Evangelist in Geschäftchen“. (Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin,1957,373). Der Geldwahn der Juden ist ebenfalls die Quelle der genoziden Bedrohung der arabischen Völker, die vom Judenstaat ausgeht. Die revolutionären Arbeiter und Bauern und und alle fortschrittlichen Menschen in beiden Ländern müssen „ihre“ reaktionären, auch theologischen Eliten vernichten.

8. Vergleiche Jochen Schmidt, Für und wider die Lust: Epikur und Antiepikurismus von der Antike bis zur Moderne. Mit einem Versuch über Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“, in: Jochen Schmidt (Herausgeber): Aufklärung und Gegenaufklärung in der europäischen Literatur, Philosophie und Politik von der Antike bis zur Gegenwart, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt,1989,213. Es war der Materialist Gassendi, der gegen die philosophische Tradition den Materialismus Epikurs wiederherstellte.

9. Vergleiche Karl Marx, Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie/Einleitung, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,386

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