Archive for Mai 2012

Der „Liebling der Partei“ Nikolai Bucharin im Spiegel Lenins

20. Mai 2012

„Das Schlimme aber ist, dass Bucharin nicht an Bescheidenheit leidet. Das Schlimme ist, dass er nicht nur an Bescheidenheit leidet, sondern sich sogar unterfängt, unseren Lehrer Lenin in einer ganzen Reihe von Fragen zu belehren…“1.

Es steht außer Zweifel, dass in Lenins sogenanntem Testament Bucharin als „Liebling der Partei“ bezeichnet wurde, als eine hervorragende Kraft, als ein überaus wertvoller und bedeutender Theoretiker der Partei, alles sehr positive Einschätzungen, wenn aber die materialistische Dialektik die Seele des Marxismus ist, so befindet sich im Testament ein Teufelsfuß: „…er (Bucharin) hat die Dialektik nie studiert und, ich glaube, nie vollständig begriffen“. 2. Philosophisch hat er sich den Materialismus nicht über Plechanow, sondern positivistisch über Bogdanow angeeignet. Auf den „Liebling“ spielt Stalin in seiner Rede über die rechte Abweichung in der KPdSU (B) an, wenn er ausführt: „Im Altertum sagte man von dem Philosophen Plato: wir lieben Plato, die Wahrheit aber noch mehr. Dasselbe könnte man auch von Bucharin sagen: Wir lieben Bucharin, aber die Wahrheit, aber die Partei, aber die Komintern lieben wir noch mehr“. 3. Es muss der Naivität Bucharins zugeschrieben werden, nicht gemerkt zu haben, welche für ihn gefährliche Brisanz in der Beurteilung steckte, die Dialektik nie studiert zu haben. Ohne die materialistische Dialektik nicht begriffen zu haben, gerät man leicht auf Abwege: so erschien Mitte der 30er Jahre in der Emigrantenzeitschrift „The New Leader“ ein „Brief eines alten Bolschewisten“, in dem der Altbolschewik mit den bisherigen sogenannten „Schauprozessen“ abrechnete. Herausgegeben wurde diese Zeitschrift von dem Menschewisten Levitas, der stellvertretender Bürgermeister von Wladiwostok war und 1923 vor dem Bolschewismus in die USA floh, der Autor des Briefes war Bucharin.

Vor seinem Prozess schrieb der Lehrersohn Bucharin am 12. Dezember 1937 einen Brief an Stalin, in dem er bat „….mich für x Jahre nach Amerika auszuweisen. Die Argumente, die dafür sprechen, sind: Ich würde eine Kampagne zu den Prozessen und einen gnadenlosen Kampf gegen Trotzki führen, ich würde bedeutende Schichten der schwankenden Intelligenz für uns gewinnen, ich würde taktisch der Anti-Trotzki sein und würde die Sache  mit großen Elan und direkt mit Enthusiasmus betreiben: man könnte einen qualifizierten Tschekisten mit mir mitschicken und als zusätzliche Garantie meine Frau für ein halbes Jahr festhalten, bis ich in der Praxis bewiesen habe, wsie es mir gelingt, Trotzki & Co in die Fresse zu hauen usw…“ Im gleichen Brief: „…ich habe gelernt, Dich mit Vernunft zu schätzen und zu lieben“. Kann man denn Liebe lernen ? (http://www.stalinwerke.de/mp/mp/bucharinbrief.html).

Am 30. Mai 2005 erschien im Dietz Verlag Berlin ein interessantes, 480 Seiten starkes Buch von Nikolai Bucharin: „Philosophische Arabesken“, interessant insofern, als es die Schriften enthält, die Bucharin in seiner Untersuchungshaft vor seinem Prozess in Moskau geschrieben hat. Die bürgerlichen Ideologen haben Greuelmärchen über Folterungen im Gefängnis Lubjanka erfunden, das Buch selbst gibt in seinen Anmerkungen Aufschluß darüber, dass die Gefängnisbibliothek erstklassig ausgestattet war, auch durfte Bucharins Frau Bücher aus seiner Privatbibliothek mitbringen, besonders die über die Ideologie des deutschen Faschismus, die Bucharin 1936 in Berlin gekauft hatte. Vor allem aber gibt das Buch Auskunft über die intellektuelle Degenerierung Bucharins, Sätze wie: „Doch eine Religion ist gut, wenn sie materialistisch ist ! Die Eschatologie ist gut, wenn der Sozialismus schon Tatsache ist ! Der Messianismus (als Utopie verstanden) ist gut, wenn er Hunderte Millionen in seinen Bann zieht und – die Hauptsache – siegt ! und wie er siegt !“ 4. Sätze, in denen man den wissenschaftlichen Sozialismus, ein Ausdruck, der übrigens nicht auf Marx und Engels zurückghet, sondern auf Karl Grün, auch mit der Lupe nicht findet, eine wirre Vermengung religiöser Fundamentalsehnsüchte, und das nach der Schrift von Friedrich Engels: „Die Umwandlung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ ! Inwiefern Theodor Bergmann in einer Art Einleitung (zur vorleigenden Edition der „Philosophischen Arabesken“ von Nikolai Bucharin) darin eine Weiterentwicklung des Marxismus erblickt, bleibt sein Geheimnis und ihm überlassen, das von ihm dem Prozess gegen Bucharin zugeschriebene Kafkaeske ist wohl eher in der geistigen Verwirrung Bucharins zu verorten. Sehr aufschlußreich für den intellektuellen Verfall Bucharins sind die Mitteilungen seines Schülers, des Wirtschaftswissenschfaftlers Alexander Eichenwald 5., der Bucharin im Gefängnis besuchte. Eichenwald war zu Recht sehr erstaunt, als Bucharin ihm die Hauptkontur seines neusten Buchprojekts skizzierte: er wolle ein Buch über die menschliche Natur und den Wert des Lebens schreiben. Und da soll man nicht erstaunt sein, zumal schon der gute alte Professor Eugen Dühring der Arbeiterklasse 1865 das Buch „Der Werth des Lebens“ offerierte.“Zu seiner noch größeren Verwunderung aber habe er erfahren müssen, dass Bucharin mit Eifer bemüht war, ihn von seiner neuen wissenschaftlichen Aufgabe zu überzeugen. Alle Ideologie, Ökonomie und Politik seien zu vergessen. Es komme darauf an, den Sinn und den Wert des menschlichen Lebens zu ergründen.“ 6. Am Ende des intellektuellen Lebensweges  von Bucharin steht ganz wi in Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“ die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens. 7. Es ist vielleicht nicht zufällig, dass Trotzki in einer Buchbesprechung eines Buches von Celine als Zweck seiner revolutionären Tätigkeit angab, dass sie „die Menschheit aus dunkler Nacht heraus zum klar umrissenen Individuum führt“. 8.  Alles recht interessante „Weiterentwicklungen“ des Marxismus !! Am Ende vergisst Bucharin Ideologie, Ökonomie und Politik ! Er hat zu einem subjektivistischen Ansatz gefunden und bestätigt ganz Lenins Ausssage , dass er die Dialektik nicht begriffen habe. Die Gesellshaft entwickelt bekanntlich nach den drei dialektischen Grundgesetzen: Einheit und Kampf der gegensätze (Bourgeoisie/Proletariat), Umschlag von Quantität in Qualität, Abbrechen der Allmählichkeit, revolutionäre Sprünge und Negation der Negation (staatenlose Urgesellschaft, Gesellschaften, die auf verschiedenen Formen des Privateigentums an Produktionsmitteln beruhen und Sozialismus/Kommunismus). Bei der adialektischen Betrachtungsweise der Bewegung „bleibt die Selbstbewegung, ihre treibende Kraft, ihre Quelle, ihr Motiv im Dunkel (oder diese Quelle wird nach außen verlegt – Gott, Subjekt etc.)“ 9. Legt nicht auch Bucharin die treibende Kraft ins Subjekt, wenn er sich am Ende eeiner anthropologischen Fragestellung zuwendet ? Das ist ganz die Fragestellung, die Kant der Philosophie aufgegeben hat: Was ist der Mensch ?, die gleiche Fragestellung, mit der sich auch die Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, in ihrem Buch: „Andrea Nahles Frau gläubig links“ 10. fast manisch befasst. Und so hat Bucharin am Ende seines letzten Aufsatzes „Lenin als Philosoph“ die wohl richtige Ahnung gehabt, Stalin als den Lenin seiner Zeit einzusetzen: „Lenins Genius ist von uns gegangen. Die Epoche aber bringt die Menschen hervor, die sie braucht. Der neue Gang der Geschichte hat Stalin auf seinen Platz gestellt, der in das Zentrum seines Denkens und Hnadelns die nächste Etappe der Geschichte gerückt hat, in der der Sozialismus unter seiner Führung für immer gesiegt hat“. 11. Der Leser entscheide selbst, in wessen Kopf und in wessen Händen die sozialistische Gesellschaft der Sowjetunion besser aufgehoben war: in einem Kopf, der Ideologie, Ökonomie und Politik vergessen wollte oder in einem Kopf, der sich immer bescheiden als Schüler Lenins bezeichnete. Die Sache liegt doch klar auf der Hand. Heute ist es gerade ein ganzer mit guten finanziellen Mitteln ausgestatteter Schwarm kleinbürgerlicher, linkstuender Intellektueller, die den Buchmarkt vollstopfen mit schmutzig entnervenden Ergüssen, wie problematisch doch die ganzen Verhältnisse zwischen Trotzkismus und Bucharinismus seien und die alle darauf hinauslaufen, die Geheimrede Crutschovs zu bestätigen. Klar haben diese Kreise Probleme mit Stalin und der Diktatur des Proletariats und es ist ihr Bestreben, die linke Diskussion zu dominieren. Am Ende stehen keine harten Klassenkäpfer, sondern verunsicherte Wackelkandidaten…für wen soll man sich denn nun entscheiden ? , der Marxismus ist ja so pluralistisch auslegbar. Noch wenige Wochen vor der Oktoberrevolution lehnte Trotzki die Bezeichnung „Bolschewik“ für sich ab, eine Anerkennung des Bolschewismus dürfe man von ihm nicht erwarten. Um dann nur wenige Tage später im August 1917 auf dem VI. Parteitag  der SDAPR (B) beizutreten. Die kleinbürgerlichen Intellektuellen  müssen nun einmal alles widersprüchlich machen und wähnen sich dann in der Tradition der großen Dialektiker. Sie irren sich. Engels bezeichnete bekanntlich die primär von Marx entwickelte dialektische materialistische Dialektik als „…unser bestes Arbeitsmittel und unsere schärfste Waffe…“ 12. , die Lenin vertiefte. Vergleicht man die Darstellung dieser fundamentalen methodologischen Frage zwischen Bucharin und Stalin, so ist der Gegensatz ein diametral entgegengesetzter. In Bucharins Schrift „Lenin als Marxist“ lesen wir: „Verstehen wir aber unter Marxismus nicht die Summe von Ideen, wie sie bei Marx vorlag, sondern dieses Instrument, diese Methodologie, die dem Marxismus zugrunde liegt, so begreift es sich von selbst, dass der Leninismus keineswegs etwas darstellt, was die Methodologie der Marxschen Lehre modifizieren oder revidieren würde. Im Gegenteil, in diesem Sinne ist der Leninismus die vollständige Rückkehr zu dem Marxismus, wie er von Marx und Engels selbst formuliert worden ist“. 13. Dagegen entwickelt Stalin in seinen Vorlesungen an der Swerdlow Universität: „Über die Grundlagen des Leninismus“, dass die Methode Lenins keine „einfache Wiederherstellung dessen ist, was uns Marx gegeben hat. In Wirklichkeit ist die Methode Lenins nicht nur die Wiederherstellung, sondern auch die Konkretisierung und Fortentwicklung der kritisch revolutionären Methode von Marx, seiner materialistischen Dialektik“. 14.

Ein fundamentales Kapitel in den „Arabesken“ ist zweifellos das “ Über die Dialektik Hegels und die Dialektik von Marx“, das aber im Grunde primär nur ein, in Zügen gelungenes Referat der Hegelschen Logik darstellt mit einer stiefmütterlichen Behandlung von Marx am Ende. Was hätte näher gelegen, als beide Dialektiken ineinander zu spiegeln, die Dialektik der objektiv idealistischen Interpretation objektiver Weltentwicklung,  bei der dem Philosophen nur das bloße Zusehen bleibt und die der revolutionären Weltveränderung durch den proletarischen Revolutionär. Der Idealist Hegel fixiert seine Dialektik in der konstitutionellen Monarchie Preußens und liefert damit eine ideologische Weltinterpretation, opfert die dynamische Entwicklungstotalität einer unabänderlichen geschichtsfinalen Klassenherrschaft. Am Ende des mißglückten Vergleichs, besser: der unterlassenen Kontrastierung, denn Marx sagt, seine Methode sei der Hegelschen direkt entgegengesetzt,  streift Bucharin Momente seiner Vision des Kommunismus: „Die Ethik wächst hinüber in eine eigentümliche Ästhetik, und die „Pflicht“ verwandelt sich in einen einfachen Instinkt, in den wunderbaren Reflex eines normalen Menschen.“ 15.) Mit einem rätselhaften Hinüberwachsen von Ethik in Ästhetik dürften sich Generationen von Philosophen und Kunstwissenschaftlern beschäftigen, wenn denn Bucharin Gewicht für die kommunistische Weltbewegung hätte, in wissenschaftsgeschichtlicher Hinsicht besteht der fundamentale Unterschied zwischen der bürgerlichen und der kommunistischen  Gesellschaft darin, dass es in letzterer keine Gesellschaftswissenschaften mehr zu lehren gibt, da deren Bedingung, die Klassenspaltung, überwunden ist. Das stellt natürlich eine Umkehrung des Hegelschen Idealismus dar, für den die Natur, von der  Idee entfremdet, nur ein Leichnam des Verstandes war.  Bucharin hat diese Umkehrung in ihrem vollen Umfang nicht begriffen und gerade dieser Verhegelung Bucharins ist es auch geschuldet, dass er in seinem Artikel: „Über Wissenschaft und Philosophie“  zu einer falschen Positionierung der Philosophie sowohl zu den Natur- als auch zu den Gesellschaftswissenschaften kommt. Für Hegel war die Philosophie die über alle anderen Wissenschaften schwebende und diese erst im Gesamtprozess des Weltgeistes  richtig deutende Königin 16.), eine analoge Aufgabe weist Bucharin der Philosophie des historischen Materialismus zu, sie habe die empirischen Einzelerkenntnisse „…in ein geordnetes Ganzes zusammenzufassen, sich zum Allgemeinen hin zu bewegen, zum Universum mit seinen universellen  Zusammenhängen, Verhältnissen und Gesetzen. Das aber bedeutet sich auf die Philosophie in ihrer modernen und höchsten Form, sich auf die Philosophie des dialektischen Materialismus hin zu bewegen. Sie ist keine Einzelwissenschaft „an sich“. Sie deckt die allgemeinsten, universellen und tiefsten Gesetze und Zusammenhänge auf und formuliert sie, dabei in ihrer Wechselbeziehung mit dem Besonderen und dem Einzelnen.“ 17.) Eine Formulierung, die die typische Hegelsche Triade wiedergibt. Aber es ist nicht mit der Ersetzung der idealistischen Himmelsstürmerei durch die materialistische getan,  vielmehr hat die Entwicklung der Wissenschaften selbst den Nachweis erbracht, dass sie keiner  behütenden Philosphie mehr über sich bedürfen. Ganz nüchtern hat Friedrich Engels im „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosohie“  entwickelt, dass die Wissenschaften die notwendigen Zusammenhänge immanent sowohl in ihren eigenen Disziplinen als auch interdisziplinär selbst herstellen können, also ganz irdisch bleiben und zur Herstellung des Gesamtzusammenhangs philosophieabstinent bleiben können. Jeder Versuch einer Wiederbelebung von Natur- und Gesellschaftsphilosophien „…wäre ein Rückschritt.“ 18.) Die markanteste Stelle von Engels zum Bedeutungswandel der Philosophie findet sich in der Spätschrift: „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“: „Was von der ganzen bisherigen Philosophie dann noch selbständig bestehen bleibt, ist die Lehre vom Denken und seinen Gesetzen – die formelle Logik und die Dialektik. Alles andere geht auf in die positive Wissenschaft von Natur und Geschichte.“ 19.) Im dialektischen und historischen Materialismus sind nämlich Existenz und Entwicklung der Gesellschaftswissenschaften an Existenz und Entwicklung von Klassengesellschaften und den ihnen immanenten entfremdeten Beziehungen unter den Menschen gebunden. Klassengesellschaften bedürfen Gesellschaftswissenschaften wie Gesellschaften ohne Klassen nur noch Naturwissenschaften. Wird bei zunehmender Kollektivierung der Produktion die revolutionäre Kampfpartei aufgehoben, so wissenschaftsgeschichtlich der Marxismus selbst als die letzte mögliche Gesellschaftsswissenschaft in Klassengesellschaften. „Die Geschichte selbst ist ein wirklicher Teil der Naturgeschichte, des Werdens der Natur zum Menschen. Die Naturwissenschaft wird später ebensowohl die Wissenschaft von dem Menschen wie die Wisenschaft von dem Menschen die Naturwissenschaft unter sich subsumieren: es wird eine Wissenschaft sein.“ 20.) Dem stand eine Dualisierung der Wissenschaft selbst noch im Kommunismus im Wörterbuch der DDR Stichwort: Wissenschaft entgegen: „…daß die Verwandlung der Wissenschaft in eine unmittelbare Produktivkraft der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft keine Angelegenheit der Naturwissenschaft allein ist, sondern im Zusammenwirken von Naturwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft erfolgt.“ 21.)

Im Gefängnis verfasste er 1938 auch eine Art Abschiedsbrief, der an die künftige Generation führender Parteifunktionäre gerichtet war, und in dem er seine Unschuld beteuerte. Führende Funktionäre würden ihn eines Tages rehabilitieren. Für einen Marxisten fürwahr ein merkwürdiger Aufruf. Bekanntlich wurde Bucharin im Namen des Volkes verurteilt, nur das Volk spricht dann auch eine Rehabilitierung aus. Die Rede Gorbatschows zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution ließ aufhorchen: Bucharin wurde plötzlich als jemand gerühmt, der erfolgreich den Trotzkismus ideologisch bekämpft hätte. Am 4. Februar 1988 wurde seine Rehabilitierung bekanntgegeben. Diese durch den Sozialdemokraten Gorbatschow initiierte Rehabilitierung ist aber juristisch nichtig, sie ist gegenstandslos. Volksfeinde können keine Volksfeinde rehabilitieren.

Betrachten wir kurz Bucharin als Ökonomen: Aufschlußreich sind die Randnotizen, die Lenin an seinem Buch: „Ökonomik der Transformationsperiode“ vornahm, Bucharin schrieb: „…sobald wir eine organisierte gesellschaftliche Wirtschaft betrachten, verschwinden alle grundlegenden „Probleme“ der politischen Ökonomie: Die Probleme des Werts,des Preises, des Profits usw…Auf diese Weise bedeutet das Ende der kapitalistischen Warenproduktion auch das Ende der politischen Ökonomie“ 22.) Das ist sehr lassellanistisch, Lenin bemerkte deshalb auch: „Falsch. Sogar im reinen Kommunismus zumindest das Verhältnis  Iv + m zu IIc ? Und die Akkumulation ?“ 23.)

Auch in der Frage des Staates war Bucharin gestrauchelt, genauer in der Frage des Unterschieds zwischen Sozialisten und Anarchisten in ihrer Stellung  zum modernen bürgerlichen Staat. Im Jahre 1916 veröffentlichte Bucharin unter dem Pseudonym Nota-bene in der Zeitschrift „Jugend Internationale“ einen Artikel zur sozialistischen und anarchistischen Position zum Staat, in dem ihm  große Fehler unterliefen, die Lenin korrigieren mußte. Bucharin schrieb zur Frage der Stellung der Sozialisten und Anarchisten zum Staat: „…es ist völlig verkehrt, den Unterschied zwischen den Sozialisten und Anarchisten darin zu suchen, daß die ersteren staatsfreundlich und die letzteren staatsfeindlich seien. Der Unterschied liegt aber darin, daß die revolutionäre Sozialdemokratie die neue gesellschaftliche Produktion als zentralisierte, das heißt technisch-progressive formieren will, während die dezentralisierte anarchistische Produktion nur einen Rückschritt zur alten Technik und Betriebsform bedeuten würde“. 24.) Lenin kritisierte, dass Bucharin nicht die Frage der Stellungen der beiden politischen Strömungen zum Staat beantwortete, sondern ihrer Stellung zur ökonomischen Grundlage der zukünftigen Gesellschaft. Der Unterschied zwischen Sozialisten und Anarchisten besteht vielmehr darin, dass erstere den modernen bürgerlichen Staat für seinen Sturz und zur Errichtung der Diktatur des Proletariats ausnutzen wollen, in der der proletarische Staat bzw. Halbstaat abstirbt, während die Anarchisten den Staat von heute auf morgen abschaffen wollen. Des weiteren schrieb Bucharin: „Für die Sozialdemokratie aber, die die Erzieherin der Massen ist oder wenigstens sein soll, ist es jetzt mehr als je notwendig, ihre prinzipielle Gegenerschaft zum Staat zum Ausdruck zu bringen…Der heutige Krieg hat gezeigt, wie tief die Wurzeln der Staatlichkeit in die Seelen der Arbeiterschaft hineingedrungen sind“. 25.) Lenin erhob gegen diese Ausführungen den Einwand, dass Bucharin keine Klarheit in der Frage der prinzipiellen Gegnerschaft zum Staat habe, und der Satz, “ in dem von den „Wurzeln der Staatlichkeit“ die Rede ist, ist schon ganz und gar verworren, unmarxistisch und unsozialistisch. Nicht die „Staatlichkeit“ ist mit der Negation der Staatlichkeit zusammengeprallt, sondern die opportunistische Politik (das heißt die opportunistische, reformistische, bürgerliche Einstellung zum Staat) ist mit der revolutionären  sozialdemokratischen Politik zusammengeprallt (das heißt mit der revolutionären sozialdemokratischen  Stellung zum bürgerlichen Staat und zur Ausnützung des Staates gegen die Bourgeoisie zum Sturz der Bourgeoisie). Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.“ 26.) Fehler waren Bucharin auch noch in anderen Fragen unterlaufen, zum Beispiel bei der Motivierung des sozialistischen Kampfes gegen die Losung der „Vaterlandsverteidigung“. 27.) Und immer wieder die Mißachtung der Dialektik: den Weg der Sowjetunion zum Sozialismus stellte er als ein Hinüberwachsen dar, des öfteren dazu auch die Angabe, dass dieses im Schneckentempo vonstatten ginge. Der Arbeiterkaiser August Bebel sagte, wenn Deine Feinde Dich loben, kannst Du sicher sein, einen Fehler gemacht zu haben. Schauen wir, von welcher Seite Bucharin lobend erwähnt wird: In der New York Times erschien am 3. April 1964 ein redaktioneller Artikel mit der Überschrift: „Der Gulaschkommunismus“. Die bemerkenswerte Passage lautete: „Sein Paradies ist eine identische Kopie der politischen Losung Amerikas – zwei Autos in jeder Garage und eine Henne in jedem Topf…Nikolai Bucharin, der sowjetische Theoretiker, der im Jahre 1920 die russischen Bauern aufrief, sich zu bereichern, indem sie die Produktion für die Stadtarbeiter erhöhten, hätte die heutige Linie Crutschovs akzeptiert. Die französischen und deutschen Sozialdemokraten am Ende des 19. Jahrhunderts und am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hätten diese Linie gebilligt, weil sie in der Vergangenheit als ihre erste Aufgabe die Erzeugung von möglichst viel Gütern für die Arbeiter betrachteten, anstatt sich mit der Frage des Sturzes der bestehenden Institutionen durch eine Revolution zu beschäftigen“. 28.) Konsumismus statt Kommunismus, so kann man diese Passage zusammenfassen. Bucharin steht nicht allein, auch Trotzki vertrat, dass die Menschheit die neue Gesellschaft auf den Errungenschaften des  Amerikanismus (unbändige praktische Initiative, rationalisierte Technik, wirtschaftlicher Elan) aufbauen wird. 29.)

1.Stalin, Über die Gefahr der rechten Abweichung in der KpdSU (B), Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin, 1954,62

2.Lenin, Brief an den Parteitag vom 24.12. 1924, Werke Band 36, Dietz Verlag Berlin, 1960,579

3.Stalin, Über die rechte Abweichung in der KPdSU (B), Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin 19

4. Nikolai Bucharin, Philosophische Arabesken Dialektische Skizzen, Karl Dietz Verlag Berlin 2005,15

5.A. Orguzow: Der unbekannte N.I. Bucharin. Woprossy filosofii 6/1993,3f.

6.Nikolai Bucharin, Philosophische Arabesken Dialektische Skizzen, Karl Dietz Verlag Berlin 2005,432f.

7.Während seines Schlusswortes vor dem Moskauer Tribunal verhielt sich Bucharin auffallend erregt gegen den Vorwurf, er sei dem Karamasowtum verfallen.(siehe: Dieter Uhlig, Wladislaw Hedeler: Die „Arabesken“ Nikolai Iwanowitsch Bucharins in ihrer Zeit, in: Nikolai Bucharin, Philosophische Arabesken, Karl Dietz Verlag Berlin 2005, 433).

8.Edmund Wilson, Auf dem Weg zum Finnischen Bahnhof, Über Geschichte und Geschichtsschreibung, suhrkamp taschenbuch 194, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1974,379

9.Lenin, Zur Frage der Dialektik, Lenin Werke Band 38, Dietz Verlag Berlin, 1964,338f.

10.Andrea Nahles, Frau gläubig links, Pattloch Verlag 2009

11.Nikolai Bucharin, Philosophische Arabesken, Karl Dietz Verlag Berlin 2005,387

12.Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1975,293

13.zitiert in: Die Sowjetphilosophie, Wendigkeit und Bestimtheit, Dokumente, herausgegeben und eingeleitet von Wilhelm Goerdt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1967,258

14.J.W. Stalin, Über die Grundlagen des Leninsmus, in Stalin Werke Band 6, Dietz Verlag Berlin 1952, 78

15.Nikolai Bucharin, Philosophische Arabesken, Karl Dietz Verlag Berlin 2005,337

16.Aristoteles hielt alle anderen Wissenschaften für nützlicher als die Philosophie, aber keine sei vortrefflicher.

17.Nikolai Bucharin, Philosophische Arabesken Dialektische Skizzen, Karl Dietz Verlag Berlin 2005,351

18. Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1975,295.

19. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, Progress Verlag Moskau,1975,433

20. Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, Marx Engels Werke Ergänzungsband I, Dietz Verlag Berlin, 1963, 544

21. Manfred Buhr, Georg Klaus: Philosophisches Wörterbuch, VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig, Stichwort: Wissenschaft, 1965,615f.

22. Nikolaij Bucharin, „Ökonomik der Transformationsperiode“, Berlin 1990,17

23. a.a.O.

24. Lenin, „Jugend Internationale, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,165

25.a.a.O.,166

26.a.a.O.

27.a.a.O.,165

28.Wie Cruschtschow Stalin verleumdet, Tirana 1964, Neudruck Verlag Neue Einheit, 1971,69

29. Leo Trotzki, Die Russische Revolution, Kopenhagener Rede 1932, Voltaire Flugschrift No 29, Berlin, o.J.,20

100 Millionen streiken in Indien Tod dem kapitalistischen Ausbeutersystem

15. Mai 2012

Friedrich Engels fasste die Lehre des historischen Materialismus über die bewegenden Kräfte der Geschichte in den Worten zusammen, dass es „grosse Massen, ganze Völker und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen“ 1. sind. Am 28. Februar 2012 wurden diese Worte auf dem brodelnden indischen Subkontinent eindrucksvoll bestätigt: 100 Millionen Inder und Inderinnen folgten dem gemeinsamen Generalstreikaufruf von allen elf Gewerkschaften und fünfhundert weiteren Basisorganisationen. Die Kommunistische Partei Indiens (Marxisten), die drittstärkste Kraft des Landes, sah in dem Streik einen Beweis der Einheit und des Kampfgeistes der indischen Proleten. Parteipolitische Rivalitäten waren in den Hintergrund getreten. „Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter“. 2. Es war der bisher größte Ausstand in der indischen Geschichte und zeigt uns – obwohl er nur einen Tag dauerte – eine viel dynamischere gewerkschaftliche Aktivität als sie die vollgefressenen Gewerkschaften Westeuropas vermögen, die am Maifeiertag nicht einmal auf dieses Leuchtfeuer im Südosten hinwiesen. Schon Stalin hielt 1924 in seinen Vorlesungen über die Grundlagen des Leninismus das indische Proletariat für ausgesprochen kämpferisch und revolutionär. 3. Diese westeuropäischen Gewerkschaftsbonzen sind so vollgefressen, dass sie nicht einmal daran denken, Streiks mit Stadt- und Landguerillaktionen, mit Expropriationen, mit Banküberfällen zum Aufbessern der Sreikkasse zu kombinieren. Der Vollfraß rührt daher, dass mit mit dem Profit auch der Extraprofit steigt, aus dem die Mästung erfolgt. Diese Bonzen wollen  die europäischen Volksmassen täuschen, die aber wissen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Europa dank seiner Bourgeoisie fortgeschritten ist. Heute ist es fortgeschritten trotz seiner Bourgeoisie und den sich in ihrem Schlepptau befindlichen Gewerkschaftsbonzen.  4.  Die Gewerkschaften Indiens stehen unter starkem kommunistischen Einfluß, zudem operieren auf dem Subkontinent auch noch die militanten maoistisch ausgerichteten Naxaliten. Sie benennen sich nach dem Dorf Naxalbari, in dem in den 50er Jahren der erste maoistische Aufstand nach der Unabhängigkeit Indiens stattfand. Die heute operierende naxalitische Guerilla geht auf eine Splittergruppe zurück, die sich im April 1980 von der Kommunistischen Partei Indiens (ML) abspaltete. Diese Naxaliten führen mit einer „People´s Liberation Guerilla Army“ im an Bodenschätzen reichen Urwald Zentralindiens einen Dschungelkrieg gegen auch vom Mossad ausgerüsteten Regierungstruppen.  5. Aufgerufen hatten unter anderem die beiden großen kommunistischen Gewerkschaften „All India Trade Union Congress“ (AITUC) und „Centre of Indian Trade Unions (CITU), sodann die „Bharatiya Mazdor Sangh“ (BMS), die der hindunationalistischen „Bharatiya Janata Party“ (BJP), der größten Oppositionspartei, nahesteht, der „Indian National Trade Union Congress (INTUC), die Gewerkschaft der die Regierungskoalition anführenden Kongreßpartei (INC), die Labour Progressive Front der Tamilenpartei DMK und sogar die Gewerkschaft der hinduextremistischen Shiv Sena und der Muslimliga. 6. Es ist bekannt, dass es zwischen Hindus und Moslems in Indien oft zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Aber dahinter stecken fanatische Pfaffen, die die Gläubigen im Namen höherer Wesen aufeinander hetzen. Die Zentralregierung unter Premierminister Manmohan Singh hatte sich gegen den Generalstreik ausgesprochen.  Die Regierung weiß sehr gut, dass Streiks, die sich aus dem ganzen Wesen der kapitalistischen Gesellschaft ergeben, den Arbeitern  die Augen öffnen nicht nur über ihr Verhältnis zu den Kapitalisten, sondern auch über das zur Regierung (und das Verhältnis der Kapitalisten zu ihrer Regierung, über den Zusammenhang von Regierung und Kapital). Auch die Vereinigte Industrie- und Handelskammer  Indiens (Assocham) war gegen ihn. Es gab auch Gerichtsanordnungen, die die Ausrufung von Bandhs oder Hartals (Generalstreik) für unzulässig erklärten. Dieses ganze konterrevolutionäre Gehabe dient aber letztendlich nur dazu, das Klassenbewußtsein der Arbeiter zu heben. Wie denn auch die Massenverhaftungen von Streikenden, aus Dehli wurden zwei hundert Verhaftungen gemeldet, aus Jammu und Kaschmir wie aus Bengalen je zwei tausend.

Schwerpunkte des Generalstreiks  waren die Wirtschaftsmetropole Mumbai (Bombay), die zweitgrößte Stadt Kalkata (Kalkutta), die eine gewerkschaftliche Hochburg ist, hier war der Nahverkehr stark betroffen und cirka hundert Streikende wurden wegen Störung des Straßen- und Bahnverkehrs festgenommen, sowie die kommunistische Hochburg Kerala, in der fünf Millionen Arbeiter und Angestellte streikten, und Westbengalen, wo kommunistische Parteien großen Einfluß haben. In Nagpur waren nicht nur der Transport und die Banken betroffen, aufgerufen zum Streik hatte auch die Vereinigung der Bankbeamten (Vishwas Utagi), sondern zum ersten Mal in der jüngsten Vergangenheit auch die Ordnance Factory, eine Waffenfabrik, in Ambhajhari, die Artillerieraketen und die neuesten Pinaka Raketen produziert. 7. Fabriken, Märkte und Schulen  wurden ebenfalls bestreikt. In vielen Regionen hatte es vorsorglich einen Tag schulfrei gegeben. An den Universitäten ruhte der Lehrbetrieb, denn auch die Vereinigung der Hochschullehrer (All India Federation of University and College Teachers Organisationn) hatte sich dem Streik angeschlossen.

Die soziale Schere ist in den letzten Jahren immer weiter auseinandergegangen. Zwar hat Indien mittlerweile über eine Millionen Millionäre, aber über 70 Prozent des Volkes  müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt in Indien bei 3 700 Dollar im Jahr, in diesem Betrag sind die mehr als eine Millionen Millionäre eingeschlossen. „Selbst unter der Sklaverei und unter der Leibeigenschaft gab es niemals eine so furchtbare Knechtung des arbeitenden Volkes wie die, bis zu der die Kapitalisten gehen, wenn die Arbeiter ihnen keinen Widerstand leisten können, wenn sie sich keine Gesetze erkämpfen können, die die Willkür der Unternehmer beschränken“. 8. Die Profitrate der Unternehmer ist zwischen 1980 und 2008 von 20 auf 60 Prozent gestiegen. Der Streik richtete sich gegen die Privatisierungspolitik der Zentralregierung, die als Werkzeug der Kapitalisten hilft, insbesondere die Öl- und Gasvorkommen und den Bergbau zu privatisieren, sprich: auszuplündern, auch durch ausländische Investoren, auch durch deutsches Kapital. 2011 war das Jahr der höchsten Direktinvestitionen seit der Marktöffnung im Jahr 1996. Es gibt cirka sechs hundert deutsch-indische Gemeinschaftsunternehmen (besonders stark im Pharma- und Automobilsektor, Informationstechnologie und Windenergie/ Siemens und Bosch bauen Züge und Wasserturbinen). Mitte Mai 2012 war der indische Handelsminister Anand Sharma, der für 2012 die höchsten Direktinvestitionen aller Zeiten erwartet (15 Milliarden amerikanische Dollar) in Deutschland und sprach mit den Ministern Rösler und Ramsauer. Auch gegen diese internationale Kapitalmafia richtete sich der Generalstreik, in dem die Wiederverstaatlichung bereits privatisierter Unternehmen gefordert wurde. Er richtet sich gegen die Möglichkeiten der Arbeitgeber, sprich: Parasiten, das geltende Arbeitsrecht zu beschneiden. Er trat für die Anhebung der Mindestlöhne auf 10 000 Rupien pro Monat ein, (die Rupie hat seit Jahresbeginn einen Wertverfall von 16 Prozent, die Inflation liegt bei sieben Prozent, Indien ist Nettoimporteur von Öl und Gas und der Ölpreis hat sich in einem Jahr verdoppelt) und für bessere Arbeitsschutzgesetze. Tagelöhner haben keinerlei soziale Absicherung und fristen ein Hungerdasein.

Bei den ständig steigenden Lebenshaltungskosten ist die Hauptfrage in Indien heute: wie sollen wir unsere Familien durchbringen ?, zumal das Wirtschaftswachstum von neun auf sechs Prozent gesunken ist. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind explodiert, die Gemüsepreise stiegen vom März auf den April um 26 % und treffen über 70 Prozent des Volkes, die mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen müssen, besonders hart – die Analysten der Bank Credit Suisse sprechen von einem Lebensmittelschock. 9. Und das ist der wirkliche Sprengstoff unter dem ganzen politischen und juristischen Überbau. Es sind Perversionen des sozialen Lebens wie vor der französischen Revolution, als im Juli 1789 sage und schreibe 98 Prozent des Lohns allein von den Nahrungsmitteln verschlungen wurden. 10. Der Sturm auf die Bastille folgte auf den Fuß.

Nach Karl Marx tun die Gewerkschaften gute Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals 11., sie sollen sich aber nicht in einem Kleinkrieg verzetteln. Bei 100 Millionen kann es keinen Kleinkrieg mehr geben, sondern Streiks dieser Art sind eine große Schule des Krieges gegen das Kapital und ein deutscher Innenminister aus der Zeit des Sozialistengesetzes hatte ganz Recht, als er hinter jedem Streik die Hydra der Revolution vermutete. Aber vergessen wir nicht, die Schule des Krieges ist noch nicht der Krieg selbst. Noch nie hat ein Streik zum Sozialismus geführt. Arbeiter im Streik hören auf, Sklaven zu sein, „sie werden Menschen…Jeder Streik erinnert die Kapitalisten daran, dass die wahren Herren nicht sie sind, sondern die Arbeiter, die ihre Rechte immer lauter und lauter anmelden. Jeder Streik erinnert die Arbeiter daran, dass ihre Lage nicht hoffnungslos ist, dass sie nicht allein stehen“. 12. Dass es eine  kommunistische Partei gibt, die über die politische Macht den bürgerlichen Parasiten Brot, Feuer und Wasser wegnehmen wird. 13. Auch für Marxisten sind diese Massenaktionen eine Schule des Lebens, sie lernen stets aus der Massenpraxis zu dem Endzweck: TOD DEM KAPITALISTISCHEN AUSBEUTERSYSTEM !

1. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960,298

2. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,471

3. Vergleiche Stalin, Grundlagen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin, 1952,87

4. Vergleiche Lenin, Das rückständige Europa und das fortgeschrittene Asien, Werke Band 19, Dietz Verlag 1957,82

5. Diese Guerilla fing an mit 49 Kämpfern und Kämpferinnen in Dandakaranya, ihre Volkskampfgruppe bestand zunächst nur aus sieben bewaffneten Trupps. Heute kontrolliert die Guerilla ein Gebiet von cirka 60 000 Quadratkilometer Wald, Tausende von Dörfern und Millionen Menschen. Dandakaranya wird von einem System von Volksregierungen verwaltet und augenscheinlich hat im Guerillagebiet der Waldbestand zugenommen.

6. Siehe: Junge Welt vom 1. März 2012, Seite 9

7. Vergleiche Sozialistische Zeitung, Generalstreik in Indien, Für einen nationalen Mindestlohn und Festanstellung, von Kunal Chattopadhay. (Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung). „In dieser Fabrik werden fast sechs hundert Raketen verschiedener Kaliber hergestellt, unter anderem auch die 155-mm-Variante, die aus Bofors Gewehren abgefeuert werden, sowie täglich 24 Pinaka Raketen“.

8. Lenin, Über Streiks, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1956,307

9. Siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2012,11: Preise in Indien steigen schneller.

10. Vergleiche Shepard B. Glough, Retardierende Faktoren im französischen Wirtschaftswachstum am Ende des Ancien Régime und während der Revolutionszeit und der Napoleonischen Ära, in: Die Französische Revolution, herausgegeben von Eberhard Schmitt, Neue Wissenschaftliche Bibliothek Geschichte, Kiepenheuer & Witsch, 1976,189. Als Anfang 1793 das Brot durch Angstkäufe knapp wurde, kam es zum sogenannten Ladensturm durch revolutionäre Sansculotten.

11. Karl Marx, Lohn Preis Profit, Dietz Verlag Berlin, 1960,70

12. Lenin, Über Streiks, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1956,309f.

13. Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959,280

Mao tse tung: Über den langdauernden Krieg Die Bedeutung der politischen Mobilisierung des Volkes und der Armee

13. Mai 2012

Vom 26. Mai bis zum 3. Juni 1938 hielt Mao tse tung in Yennan vor den Versammlungen der „Gesellschaft zum Studium der Probleme des Krieges gegen die japanischen EindringlingeVorlesungen über den nationalen Befreiungskrieg des chinesischen Volkes gegen die japanische Okkupationsarmee, in denen er die Erfahrungen des bereits zehn Monate andauernden Krieges auswertete und verallgemeinerte. Am 7. Juli 1937 war es zu einem Feuergefecht zwischen japanischen und chinesischen Soldaten an der Marco Polo Brücke (Zwischenfall bei Lugoutjau, cirka zehn Kilometer südwestlich von Peking) gekommen, das den am 13. August 1937 beginnenden zweiten sino-japanischen Krieg auslöste, der acht Jahre dauern sollte. (Der erste fand 1894/95 statt). Dabei immer wieder auch auf Kriegsgeschehnisse aus der europäischen Geschichte zurückgreifend, verlor Mao doch keinen Augenblick die besondere Spezifik des chinesisch japanischen Krieges aus den Augen, in dem sich auf einem großen Territorium mit enormer Bevölkerungsdichte die Guerilla in eine reguläre Armee, die reguläre Armee aber in eine Guerilla verwandeln sollte. Das barbarische Verhalten der faschistischen Soldateska des Tenno auch gerade gegen die Zivilbevölkerung (siehe das Massaker von Nanking, die Stadt wurde am 15. Dezember 1937 besetzt) kam der maoistischen Volksmobilisierung sehr entgegen. Die nach Osten gegen die russische Revolution vordringende deutsche Wehrmacht wiederholte diesen kardinalen Fehler der nach Westen gegen die chinesische Revolution vordringenden faschistischen Soldaten unter der Flagge der aufgehenden Sonne. 1. Sowohl in den besetzten Gebieten Chinas als auch in denen der Sowjetunion waren mächtige Partisanenbewegungen die Antwort. Beide Occupationsarmeen, die eine nach dem Konzept des Blitzkrieges, die andere nach dem Konzept des schnellen Galopps verfahrend, die einen ideologischen Krieg gegen die einheimische Bevölkerung führten, waren von der roten Flut der Guerilla überrascht worden und ihre Generalstäbe entwarfen erst spät, zu spät Dienstanweisungen zur Bekämpfung  des Partisanentums. Mao wurde der Theoretiker des Guerillakrieges im XX. Jahrhundert, er sah, dass die Guerilla eine gewaltige Rolle spielt, die in der internationalen Kriegsgeschichte ohne Beispiel ist. Aus dem chinesischen Millionenheer wurden einige Hunderttausend für die heilige Aufgabe ausgesondert, den Partisanenkrieg zu entfalten, der keinen so lauten Ruhm bringt wie der von regulären Truppen geführte Krieg, „aber wie man zu sagen pflegt, die Stärke eines Pferdes erkennt man auf einem langen Weg, das Herz eines Menschen – in einem langen Dienst“. 2.

Das oberste Leitmotiv seiner kriegstheoretischen Schriften aber ist die Überlegung, dass der Sieg im Kriege von der permanenten politischen Mobilisierung des Volkes abhängt. „Die politische Mobilisierung muß man mit dem Verlauf des Krieges selbst, mit dem Leben der Soldaten und des einfachen Volkes verknüpfen, man muß sie in eine ständige Arbeit verwandeln. Das ist eine gewaltige Aufgabe. Davon hängt IN ERSTER LINIE (kursiv von Heinz Ahlreip) der Sieg im Kriege ab“. 3. Diese politische Mobilisierung erfolgt durch mündliche Ansprachen, Flugblätter, Zeitungen, Broschüren, Bücher, Theater, Film usw. Und statt vor der militärischen Generalstabskarte befinden wir uns mitten in der Kulturarbeit. Das ist eine Eigenart der chinesischen Kriegführung: jeder Soldat, jeder Bürger muß begreifen, „in welcher Beziehung der Krieg zu ihm persönlich steht“. 4. Das ist der große Vorteil der proletarisch bäuerlichen Armeen gegenüber von bürgerlichen Offizieren geführten bürgerlichen, sie können den Arbeiter- und Bauernsoldaten nie vermitteln, in welcher Beziehung  imperialistische Kriege zu ihnen persönlich stehen. So verdirbt der Imperialismus seine eigene Sache, denn er kann es nicht zulassen, dass die Soldaten sich mit ihrer Kreativität und Begabung selbst einbringen, sie werden – statt zu Staatsbürgern in Uniform herangebildet –  zu hirnlosen Kampfmaschinen abgestumpft, die den Sinn des sklavenhalterischen Krieges nicht begreifen und nicht begreifen sollen (der in der Unterdrückung ihrerselbst und ihrer Klassenbrüder besteht). Dagegen wurde die Demokratisierung der chinesischen Armee  mit der Intention durchgeführt, Offiziere und Soldaten zu einer Einheit zusammenzuschweißen, die „im Alltagsleben alle Freuden und Leiden miteinander teilen“.  5. So kommt es, dass kleine Bauernarmeen auf Sandalen und Fahrrädern gigantische, technisch höchstentwickelte imperialistische Militärkomplexe traumatisieren, der Vietnamkrieg ist das beste Beispiel. Am Anfang dieses Krieges hielten westliche Militärexperten einen Sieg des Vietcong für völlig absurd. Als Mao im Krieg gegen die japanischen Eindringlinge erkannte, wie wichtig es ist, die Weltöffentlichkeit für sich zu gewinnen, sympathisierenden Widerhall in der ganzen Welt auszulösen, hat er bereits eine entscheidende Lehre des Vietnamkrieges vorweggenommen, dieser Krieg war ja auch weltweit an den Fernsehschirmen entschieden worden, es waren die grauenhaften Bilder von verbrannten und verstümmelten vietnamesischen Kindern, die die öffentliche Meinung gegen Amerika kippte und es ermattete. „Wenn die erdrückende Mehrheit der Chinesen, der Japaner und der Bevölkerung der verschiedenen Länder der Welt zu Anhängern des Krieges gegen die japanischen Eindringlinge wird, wird man da von der Überlegenheit der militärischen und wirtschaftlichen Macht sprechen können, die ein Häuflein Menschen in Japan mit Gewalt in ihren Händen hält ?“ 6. Diese japanischen Reaktionäre sind Papiertiger, denn die „Nährwurzeln für die großen Kräfte des Krieges reichen weit in die Tiefe der Volksmassen hinein“. 7. Aus der Tiefe der Volksmassen schöpft die chinesische Armee ihre Kraft. „Nur die entschiedene und breite Mobilisierung der Volksmassen wird unerschöpfliche und unversiegbare Hilfsquellen zur Befriedigung aller Bedürfnisse des Krieges erschließen“. 8. Es ist zu einseitig, zu eng gedacht, wenn man den durch die französische Revolution ausgelösten totalen Krieg, die Erfassung aller menschlichen und materiellen Kräfte, nur rein militärisch deutet. Das rein militärisch technische Denken verabsolutiert ein Element des Krieges, so dass ihm seine Totalerfassung als wechselseitige Durchdringung seiner Elemente versagt bleibt. Der Dialektiker Mao hatte das Wesen des Krieges (Krieg als ein Weetji Spiel) tiefer erfasst als der Mathematikprofessor Tschiang Kai Tscheck. Mao sprach vom Mutterwitz der Partisanen.

Die Vorlesungen Maos, gehalten zu einer Zeit, als in Moskau Prozesse gegen Trotzkisten stattfanden und in Spanien der Bürgerkrieg Rot gegen Schwarz, beeindrucken auch heute fast 75 Jahre später durch die dialektische Brillanz, das Entgegengesetzte zusammen-, das Identische auseinanderzudenken und lassen in Mao einen der tiefsten Denker des Krieges erkennen, der nicht nur beharrlich die politische Mobilisierung des gesamten Volkes und der ganzen Armee zu einer Großen Mauer der nationalen Einheitsfront als das A & O des Sieges bezeichnete, sondern auch in der Darstellung des Krieges das Wechselspiel zwischen dem Krieg als der komplexesten Erscheinung des gesellschaftlichen Lebens und die in ihm auch stattfinden mannigfaltigen Beziehungen zu seinen Elementarien  souverän beherrschte. Generäle müssen sich nicht nur in verzweigteste Mikroschlachtlinien vertiefen, immer wieder sollen sie auch auf den Spruch (nach Mao eine wissenschaftliche Wahrheit) des alten Kriegsphilosophen Sun Tzi rekurrieren: Erkenne Dich selbst und erkenne den den Feind, hundert Schlachten ohne Schlappe. Denn das Wesen des Krieges besteht darin, sich selbst zu erhalten und den Feind zu vernichten.

Der Krieg als eine verwirrende Komplexität bringt notgedrungen klassenspezifisch bedingte  irrige Auffassungen über seinen Charakter hervor. Von den drei möglichen Varianten: China wird  von Japan unterjocht werden wie Indien von Großbritannien, nach Mao eine irrige Überschätzung der Kräfte des Feindes, die nur auf das militärische Kräfteverhältnis schaut- der Krieg wird lange dauern und erfolgreich enden – der Sieg über die Japaner wird schnell erfolgen, nach Mao eine irrige Unterschätzung der Kräfte des Feindes – entscheidet sich Mao (übrigens gegen die Mehrheit seiner Parteigenossen) also für die mittlere. Vom amerikanischer Korrespondenten Mister Edgar Snow nach den für den Sieg Chinas notwendigen Bedingungen gefragt, antwortete er: „Drei Bedingungen sind notwendig: 1. Schaffung einer antijapanischen Einheitsfront in China; 2. Schaffung einer internationalen antijapanischen Einheitsfront; 3. Aufschwung der revolutionären Bewegung des japanischen  Volkes  und der Völker der japanischen Kolonien“. 9. Diese Antwort bildet den roten Faden der Vorlesungen.

Obwohl der Krieg von der Unbestimmtheit gebannt ist und sich sein Horoskop nicht erstellen läßt, können doch die Hauptkonturen seiner Entwicklungstendenzen herausgelesen werden. Dadurch verhindern wir, dass wir von den Wellen des Krieges getrieben werden. Die Kunst des Feldherren besteht darin, in der großen Unklarheit des Krieges seine Klarheit zu finden und auf der Grundlage der objektiven Wirklichkeit mit möglichst wenig Fehlern bewußt tätig zu werden Für den Krieg gegen die japanischen Eindringlinge sieht und bestimmt Mao drei Etappen voraus:

In der ersten Etappe liegt der strategische Angriff des Gegners und unsere strategische Verteidigung vor. Das japanische Oberkommando, das eine Strategie des schnellen Krieges (im „Galopptempo“) verfolgt, drängt auf eine frühe Entscheidungsschlacht, wir aber weichen aus, führen primär einen Bewegungskrieg 10.  und zwingen dem Feind   einen langdauernder Krieg auf, der  für ein kleines Land schwerer zu führen ist als für das territorial große China, es wird ihn nicht durchhalten. Die japanische Armee muß gerade in die Tiefe des chinesischen Raumes gelockt werden, wobei sie auf ihren Märschen, auf denen sie nicht kampfbereit ist, überraschend von rasch vorstoßenden und sich ebenso rasch wieder zurückziehenden chinesischen Soldaten aus dem Hinterhalt angegriffen wird. Mao denkt wie Lenin bei Brest: Opfere Territorium und gewinne Zeit. Das Draufgängertum im Kriege ist zu verurteilen, denn es will jedes Territorium um jeden Preis halten. Es bedenkt nicht, dass die Kräfte Japans zu schwach sind, ganz China zu occupieren. Mao sagt: Ist noch Wald da, wird es auch Brennholz geben. Die japanische Armee kann China nicht ganz besetzen und in den Freiräumen werden die Guerrillafische aus ihrem Wasser auftauchen und  revolutionäre Basen errichten. China als der zweitgrößte Flächenstaat der Welt hat Vorteile, wenn die Krieg auf großen Schauplätzen mit langen labilen feindlichen Fronten geführt wird, zumal Mao davon ausgeht, dass die chinesische Armee unzureichend ausgebildet ist. Deshalb verlangt er, den Krieg aus den Schützengräben zu befreien und fordert von der Armee lange Märsche. Noch größere, ja unlösbare Probleme stellt das russiche Territorium und Napoleon mag sich beim Rückzug der Grande Armee an die Worte eines seiner Berater erinnert haben: Man kann Russland nicht gegen die Wand drücken. Ganz peinlich wurde es mit Hitler, der in einer öffentlichen Rede faselte, die Stadt Stalingrad bereits eingenommen zu haben. 11.

In der zweiten Etappe, der Etappe des strategischen Gleichgewichts, liegt die strategische Befestigung des Gegners und unsere Vorbereitung des Gegenangriffs vor. Diese Periode wird relativ lang (möglicherweise die längste) und die schwierigste sein, in ihr dominiert der Partisanenkrieg. Am Ende dieser Etappe wird China das Übergewicht der Kräfte erlangt haben „…und dann wird unter Einsatz des gesamten Schauspielerkollektivs das glänzende Finale wunderbar gespielt werden können“. 12. Verkürzt kann man  Maos Konzept darstellen als Defensive – Gleichgewicht – Offensive, wobei in der zweiten Etappe die reguläre Armee nur eine Hilfsform einnimmt, während sie in den anderen beiden Etappen dominiert. Deshalb entscheidet letztendlich nicht die überwiegend kampfunterstützende Guerilla den Krieg, sondern die reguläre Armee. Der Partisanenkrieg wird 1906 in einem Artikel auch von Lenin als unvermeidliche, aber nicht wichtigste, sondern sekundäre Kampfmethode der Marxisten gewürdigt. Auch der Anhänger der Guerilla, Ernesto Che Guevara, war sich über ihre Sekundärfunktion im Klaren: „It is obvious that guerrilla warfare is a preliminary step, unable to win a war all by itself“. 13.

In der dritten Etappe liegt unser strategischer Gegenangriff und der ständige Rückzug des Gegeners vor, erst hier sollte China neben dem Bewegungskrieg auch einen Stellungskrieg führen, der ein technisches Niveau voraussetzt, das die reguläre chinesische Armee am Anfang des Krieges noch nicht besaß.  Am Ende sagt Mao die Vertreibung der japanischen Teufel voraus.

Der 9. September 1945 war der Tag der japanischen Kapitulation.


1. Während Europa sich mit dem Blitzkrieg der Nazis auseinandersetzen mußte, operierte Mao in China mit einer Guerilla, die blitzschnell wie durch Zauberei aus ihrer Tarnung gegen die japanischen Truppen zuschlug. Der rasche Abschluß des Kampfes ist das oberste Gebot für die schwächere Guerilla. Sie kann nur kleine Siege erringen, die als Gesamtsumme aber den großen Sieg bringen soll. Dann ist die Guerilla in die reguläre Armee übergegangen. Zur Einschätzung der  Qualität der japanischen Armee durch Mao nur soviel: „In der strategischen und operativen Führung des Gegners taugt vieles nicht das geringste, aber auf dem Gebiet der Kampflenkung , das heißt in der taktischen Leitung der Kampfhandlungen  von Truppenteilen und unteren Einheiten gibt es bei ihm vieles, was wir lernen sollten“. (Mao tse tung, Über den langdauernden Krieg, in: Mao tse tung, Ausgewählte Schriften Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,233)

2. a.a.O.,223. Der Partisanenkrieg Chinas gegen die japanischen Eindringlinge wird in der Geschichte der ganzen Menschheit beispiellos sein. (Vergleiche Mao tse tung, Der Krieg und die Fragen der Strategie, Ausgewählte Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,286).

3. a.a.O.,195. Auch die Kuomintang versuchte eine „Geistige Volksmobilisation“: „Tsching Schen Tschung Tung Yuan“. (Siehe; May-Ling Tschiang Kai Tschek, Unser China, Rascher Verlag Zürich,1942, 223). Bereits Sun Yat Sen hatte in seinem Testament davon, „die Volksmassen zu wecken und, verbunden mit denjenigen Völkern der Welt, die unser Volk als gleichberechtigt behandeln, gemeinsam zu kämpfen“. (Sun Yat Sen, Testament, in: Heinrich Herrfahrdt, Sun Yat Sen Der Vater des Neuen China, Drei Türme Verlag Hamburg, 1948,231).

4. a.a.O.,194. So forderte Mao auch, die Volksbildung den Aufgaben der nationalen Verteidigung unterzuordnen. Wie schon Konfuzius sagte: „Ein Volk ohne Erziehung in den Krieg führen, das heißt, es vernichten“. (Lunyu, Buch 16.Zi Lu Teil 13).

5. a.a.O.,241. Schon Georg Forster beobachtete als Mainzer Republikaner, dass sich die bei den Truppen unter der Trikolore Soldaten und Offiziere in Wirtshäusern an einen Tisch setzten. (Vergleiche Georg Forster, Revolutionsbriefe, Brief vom 22. Oktober 1792, Malik Verlag Berlin, 1925,28).

6. a.a.O.,178. Wie die 68er Studenten ein zwei drei viele Vietnams forderten, so forderte schon Mao 1938 in seinen Vorlesungen ein zwei drei viele Madrids. (a.a.O.,243).

7. a.a.O.,241. Tschiang Kai-scheck reagierte erst auf Druck des Volkes zehn Tage (!) nach dem  Zwischenfall an der Marco Polo Brücke auf die japanische Provokation: in der Erklärung von Luschan sprach er sich zwar für einen Volkskrieg von jung und alt aus, betrieb aber eine Politik des passiven Widerstandes gegen die Okkupanten und des aktiven Kampfes gegen die Kommunisten, die eine nationale chinesische Armee aufbauen wollten, die „in Ostasien nicht ihresgleichen“ (Mao tse tung, Die politische Linie, Praktische Maßnahmen und die Perspektiven des Kampfes gegen den Angriff Japans, Ausgewählte Schriften Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,13) hat. Die ganze Atmosphäre in China war militarisiert und Stalin sprach ganz richtig von der chinesischen Besonderheit und dem chinesischen Vorteil, dass in China die bewaffnete Revolution gegen die bewaffnete Konterrevolution kämpft. (J.W. Stalin, Über die Perspektiven der Revolution in China, Werke Band 8, Dietz Verlag Berlin, 1952,324). Im durch und durch militarisierten China aber behält das clausewitzsche maoistische Primat der Politik die Oberhand: „Die Partei kommandiert über das Gewehr“. (Mao tse tung, Der Krieg und die Fragen der Strategie, Ausgewählte Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,280). Das war in dem aufgewühlten Ozean der chinesischen Militärgeschichte der politische, deshalb erfolgreiche  Kurs der Maoisten. Der Aufklärer und Historiker Voltaire ließ die Zivilisation im uralten China beginnen, heute kann man sagen, wer nicht über China geschrieben hat, hat nicht über Weltgeschichte geschrieben.

8. a.aO.,212

9. a.a.O., 139

10. „Der Hauptinhalt unseres Krieges  – zügige Angriffsoperationen operativen und taktischen Maßstabs auf den äußeren Linien im Verlauf eines langdauernden Verteidigungskrieges auf den inneren Linien – erhält seine konkrete Ausprägung in der Form des Bewegungskrieges“. (a.a.O.218f.) Die Guerilla führt zunächst selbständige Kampfhandlungen auf den äußeren Linien durch. Im Laufe der Entwicklung wird sich der Partisanenkrieg zum Bewegungskrieg reguärer Truppen steigern.

11.„Ich wollte zur Wolga kommen, und zwar an einer bestimmten Stelle, an einer bestimmten Stadt. Zufälligerweise trägt sie den Namen von Stalin selber. Aber denken Sie nur nicht, dass ich aus diesem Grund dorthin marschiert bin – sie könnte auch ganz anders heißen -, sondern weil dort ein ganz wichtiger Punkt ist. Dort schneidet man nämlich 30 Millionen Tonnen Verkehr ab, darunter fast 9 Millionen Tonnen Ölverkehr. Dort floss der ganze Weizen aus diesen gewaltigen Gebieten der Ukraine, des Kubangebietes zusammen, um nach Norden transportiert zu werden. Dort ist das Manganerz befördert worden; dort war ein gigantischer Umschlagplatz. Den wollte ich nehmen und – wissen Sie – wir sind bescheiden, wir haben ihn nämlich! Es sind nur noch ein paar ganz kleine Plätzchen da. Nun sagen die anderen: ‚Warum kämpfen sie denn nicht schneller?’ – Weil ich dort kein zweites Verdun haben will.“ (Michalka,W.(Herausgeber): Das Dritte Reich. Band.2. dtv-dokumente. München 1985,78)

12. a.a.O.,172. So schrieb schon die Frau Tschiang Kai Tscheks: „Aus der Asche, mit welcher die Japaner unser Land bedecken, wird sich ein Phönix nationaler Größe aufschwingen…“ (May-Ling Tschiang Kai Tschek: Unser China, Rascher Verlag Zürich, 1942,228).

13. Ernesto Che Guevara, On Guerrilla Warfare, with an Introduction by Major Harries-Clichy Peterson (Frederick A. Praeger, New York) 1961,9. Siehe dazu: Carl Schmitt, Theorie des Partisanen, Zwischenbemerkungen zum Begriff des Politischen, Duncker & Humblot Verlag Berlin, 2006,23. Carl Schmitt geht fehl, wenn er auch der maoistischen Guerilla einen tellurischen (die Erde betreffenden) Charakter unterstellt. Diese wurde primär in einem weltrevolutionären Sinn mobilisiert, nicht in einem national chinesischen bzw. lokalen Sinne, wie das für die von erzkatholischen Pfaffen gegen Napoleon aufgehetzte analphabetische Bauernguerilla in Spanien galt oder für den Tiroler Provinztrottel Andreas Hofer und seiner hinterhältigen Hinterwaldguerilla zutraf. Einen provinziellen Charakter hätte man dem spezifisch chinesischen Warlordismus zusprechen können, aber diese Warlords entwickleten keine Guerilla – sie waren Armeefetischisten. Ausdrücklich warnt Mao vor einem Lokalpatriotismus der Guerilla. (Siehe: Mao tse tung, Fragen der Strategie des Partisanenkrieges gegen die japanischen Eindringlinge, Ausgewählte Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,127).

Heinz Ahlreip, 13. Mai 2012

Politik und Krieg

8. Mai 2012

Der Krieg, gleich welcher Art,  birgt in sich Attraktives und Repulsives zugleich und Napoleon schrieb in seinen „Pensées“, dass in allen Schlachten stets ein Zeitpunkt eintritt, „wo die tapfersten Soldaten , nachdem sie die größten Anstrengungen gemacht haben, Lust verspüren zu fliehen. Diese Panik entspringt mangelndem Vertrauen zu ihrem Mut…(1.) Der Krieg ist das Komplexeste und damit Schwierigste im gesellschaftlichen Verkehr und das Volk, das heißt die Arbeiterklasse und die armen Kleinbauern müssen  an die Untersuchung jedes Krieges mit der Frage herantreten, welche Klasse oder welche Klassen führen ihn zu welchem Zweck ? Denn weder die „einfachen“ Arbeiter noch die „einfachen“ Bauern wollen Krieg führen, imperialistische Kriege werden heute von den bürgerlichen Eliten auf den Schultern der Arbeiter und Bauern geführt. Insofern hat der Krieg auch einfache Elemente, denn aus der Frage ergibt sich die Unterscheidung in gerechte Kriege zur Befreiung von einem historisch überlebten Klassen- oder unerträglichen imperialistischen Joch und in ungerechte Kriege zur Unterdrückung von ausgebeuteten Klassen und Ländern. Ebenso ist die elementare Bedeutung der Ökonomie für die Kriegführung und ihr Wechselverhältnis seit dem Aufkommen des historischen Materialismus (insbesondere die Untersuchungen von Friedrich Engels über die Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich) zu einer Binsenweisheit geworden. Mao fügte eine weitere hinzu: nicht die Waffen, die Menschen entscheiden den Krieg, und zwar die durch und durch politisierten. Auch die Soldaten in der feindlichen Armee müssen politisiert werden. 

Die Grundlage der Armee ist der Soldat, der sich in der Kunst des Krieges selbst erhalten und den Feind vernichten muss.  Die Kunst des Überlebens vervollkommnet sich oder auch nicht in dem  alles überragenden, besser überschattenden  Elementaren der Unbestimmtheit, in dem  sich rascher oder langsamer verflüchtigende Momente der Bestimmtheit eingeschlossen sind.  Es ist der undurchdringliche  Schatten des Unbestimmten, der den Krieg bis an die Grenze des Unerträglichen hadert. Napoleons erfolgreiche Devise: „On s´engage et puis on voit“. (Man engagiert sich und dann wird man sehen) kam diesem unheimlich Unbestimmten nahe. Scheinmanöver als List nutzen die über die Kriegsparteien lastende Unbestimmtheit aus  und machen eine Bestimmtheit nur vor. Und doch ist es einem die Lagen klug durchdenkenden Heerführer möglich, die Hauptkonturen der Entwicklungstendenzen eines Krieges vorauszusehen, von denen es allerdings immer Abweichungen geben wird. Insofern hat der Krieg etwas Faustisches in sich, es gibt in ihm keinen Augenblick des schönen Verweilens. Insbesondere ist die durch einen Formwandel des Kapitalismus hervorgerufenen imperialistische Phase der Weltgeschichte seit 1899/1900 eine Epoche stürmischen, sprunghaften, katastrophalen Charakters wie nie zuvor. (Am Rande bemerkt: Gerade in diesem Zusammenhang kritisiert Lenin Kautsky, der 1909 in seinem Werk „Der Weg zur Macht“ geschrieben hatte, dass die friedliche revolutionslose Epoche in Europa der Vergangenheit angehöre, danach aber die Dialektik durch Eklektizismus ersetzt  und den räuberischen Charakter des Imperialismus und seine Widersprüche opportunistisch zu einem friedlichen Ultraimperialismus umbiegt.). Dennoch wird kein Krieg ohne Plan geführt. Unter friedlichen Bedingungen gelingt die Verwirklichung eines Planes in der Regel leicht, im Krieg aber ist es das Schwierigste. Der Plan kann nicht nach der relativen Unbestimmtheit des Krieges, nur nach seinen vorhandenen kargen Bestimmtheiten  kann er intuitiv entworfen werden. Großen Feldherren gelingt es, an die Stelle der großen Unbestimmtheit die große Bestimmtheit, an die Stelle des Unklaren das Klare, an die Stelle des Ungewissen das Gewisse zu setzen. Es ist sinnlos, das Unbestimmte des Krieges zu ergrübeln, gar auf philosophische Art zu ergrübeln, so wie Hegel das Unendliche des menschlichen Wissens in seinem absoluten Wissen gebannt haben wollte und zu haben vorgab. Wir haben es im Krieg mit Relativem zu tun, müssen aber Hinweise von Lenin beachten, dass in jedem Relativem Absolutes enthalten ist und wir nach dem absoluten Wissen streben sollten, da uns das vor Fehler bewahren wird. Das Wechselverhältnis zwischen Krieg und Politik ist für Lenin wie für Clausewitz und Mao ebenso elementar:  Politik ist als Vorform des Krieges unblutiger Krieg, Krieg Politik fortsetzend besondere blutige Politik und die gegenseitige Ausrottung der Armeen.(2.) Es zeigt sich in jedem historischen und aktuellen Krieg, dass er aus Politik übergegangen ist und in diese übergehen wird. Die Dialektik negiert absolute Wahrheiten, stellt den Wechsel der Gegensätze und die Bedeutung der Krisen in der Geschichte dar. (3.) Es zeigt sich in jedem historischen und aktuellen Krieg, dass er aus Frieden übergegangen ist und in Frieden übergehen wird.

Krieg-Frieden und Politik, ihre Beziehungen untereinander, sind die elementaren Untersuchunsfelder im theoretischen Schaffen des preußischen Generalmajors Carl von Clausewitz.  Die Marxisten haben ihn immer mit Nutzen gelesen, seine Lehre aber nicht unkritisch übernommen (4.). Clausewitz lebte zur Zeit der Dampfmaschinen und interpretierte die Kriege Napoleons, der auf St. Helena rückblickend sagte: Die Politik ist unser Schicksal. Politik als Schicksal- hier haben wir den Horizont der bürgerlichen Ideologie erreicht, denn das Clausewitzsche Primat der Politik wird in der Weise verselbständigt, als könne man durch Politik, von der Politik aus, von Politikern mit einem guten Charakter zum Frieden gelangen, als sei der Krieg durch Politiker mit einem schlechten Charakter provoziert worden. Der Marxismus Leninismus fängt bereits durch die Vorbereitung der proletarischen Revolution an, das Wechselverhältnis von Politik und Krieg, in das bürgerliche Gesellschaften als Lohnsklavenhaltergesellschaften gebannt bleiben und gebannt bleiben müssen, zu durchbrechen: „Die Revolution überhaupt- der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse- ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, so weit er der Zerstörung und Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck. seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg.“ (5.) Die bürgerliche Ideologie kann die Frage der Überwindung des Krieges nicht mit der Frage der Überwindung der Politik verbinden, weil das den Lohnsklaven die Perspektive einer herrschaftsfreien Gesellschaft aufzeigen würde. Das Proletariat darf nicht erkennen, daß Politik immer Herr-Knecht-Konstellationen zum Inhalt hat und Politik deshalb betrieben wird, weil unterdrückende und zu unterdrückende Klassen existieren. Die Bürger haben große Angst vor der Ankündigung im Manifest, daß die Arbeiter/innen den ganzen Überbau in die Luft sprengen. (6.) Die proletarische Revolution hat gegenüber der bürgerlichen Armee den Vorteil, dass ihre Soldaten den Sinn des Krieges verstehen, der eben in der Überwindung von Klassengesellschaften und damit der Politik überhaupt besteht. Die Bourgeoisie ist heute nicht mehr in der Lage, „ihr“ Volk gegen den Kommunismus zu mobilisieren, die Kommunisten aber sind in einem langwierigen Prozess , der von der Stärke und Entfaltung der Konterrevolution abhängt, in der Lage, das Volk gegen seine Bourgeoisie zu mobilisieren. Ewige Herrschaft der Bourgeoisie ist ein historisches Unding, aus dem noch unterschwelligen Fluß der Weltgeschichte wird ein tobender Ozean anschwellen, in dessen blutroten Wellen diese Parasiten in ihrem eigenen Blut ersaufen werden. Kommunistische Soldaten sind mobilisiert zum Zweck, dass eben  gesellschaftliche Evolutionen als politische blutige Revolutionen aufhören. Der revolutionäre proletarische Krieg ist ein Krieg für den Ewigen Frieden. Alle bürgerlichen Parteien in Deutschland sprechen sich heute für den Ewigen Krieg gegen arbeitende Menschen aus, dass diese Lohnsklaven bleiben, Polizei und Bundeswehr, Truppen, die gegen den Humanismus, gegen den proletarischen Sozialismus  angetreten sind und die Gesellschaft im Zustand bürgerlicher Barbarei halten wollen, haben keine Platzpatronen in den Gewehrläufen. Die bürgerlichen Parteien sind kleine Inseln (7.) erheblicher krimineller Energie bis hin zum Genozid. Der erste und der zweite Weltkrieg sprechen eine allzu deutliche Sprache und die BRD ist der Fortsatz  dieser verheerenden Tradition, sie gründete sich auf die Reaktivierung von Nazieliten, besonders Geheimdienst, Gestapo, Wehrmacht, aber auch Ärzteschaft. Noch der Sohn des Grafen Stauffenberg, Bertold Schenk Graf von Stauffenberg, der wie sein Vater die Sowjetunion vernichten wollte und insofern aus dem Zweiten Weltkrieg nichts gelernt hatte, denn er trat in die Bundeswehr ein, weiß zu berichten, dass  in Kasinos der Bundeswehr abfällig über ihn gesprochen wurde. (8.) Noch vor wenigen Wochen eröffnete mir die Orthopädin Dr. Grit Kuhne in Hannover,  dass man Stalin, den größten Freund des deutschen Volkes, hätte abmurksen sollen. Diese Volksfeindin wird sich vor einem proletarischen Revolutionsgericht zu verantworten haben. Antifaschisten, die von Freisler verurteilt worden waren, standen bald wieder vor Nazirichtern im Staatsschutzdienst, die unter der schützenden Hand von Adenauer und Globke in ihren Ämtern schwelgten.

Die Kunst des Aufstandes besteht im Umdrehen der Gewehre. Das Ziel der kommunistischen Weltrevolution ist über die Diktatur des Proletariats die Anarchie, bürgerliche Politik, die sich gegen sie richtet, hat notwendigerweise faschistisches Potential in sich, in der Regel je höher man in die Spitzen der Elitehyrarchien geht. Aus ihren eigenen Eingeweiden produziert die bürgerlich kapitalistische Gesellschaft fortwährend und notwendigerweise hitlerische Kreaturen. Politik und Krieg (auch ein revolutionärer) haben ihre Momente der Verschlagenheit ( Irreführung , damit der Feind im Unbestimmten operiert) und reaktionäre Politik und reaktionäre Kriege auch die des schmutzigen Geschäftes, das den Charakter verdirbt. (Waffenhandel, Waffenschmuggel, geheimdienstliche Mordaktionen, Zusammenarbeit mit kriminellen Vereinigungen, mit Mafia und Faschisten allemal, Desinformationen durch bürgerliche Medien, konspirative Wohnungen und so weiter und so fort…je schmutziger, desto besser… für den Profit). Proletarische Revolutionen verkürzen den unvermeidbaren Weg der Weltgesellschaft zum Kommunismus und suchen nach dem schmerzlosesten Weg für die unterdrückten, sich befreienden Klassen, die nicht im Selbstlauf sich quasi „über Nacht“ emanzipieren können, sondern diesen steinigen und dornigen Weg der Selbstbefreiung und Selbstveränderung zum „Neuen Menschen“ gehen müssen. Dafür nehmen Revolutionäre Schwieriges auf sich: den bewaffneten Aufstand als höchste Kunst, dass es in revolutionären Situationen sehr schwierig ist, mit den Ereignissen Schritt zu halten (siehe Lenin, Der linke Radikalismus…)und dass der revolutionäre Krieg hundert mal schwieriger ist als ein Krieg zwischen Staaten. Denn Gesetze der Revolution gibt es strenggenommen nicht, solche „Gesetze haben nur das Typische im Auge, das, was Marx einmal das „Ideale“  im Sinne eines durchschnittlichen, normalen, typischen Kapitalismus bezeichnet hat“. (9.)

Während das Erfassen der Lage der eigenen Armee keine allzu großen Schwierigkeiten bereitet, ist die der feindlichen Armee in einen dichten Nebel gehüllt. Deshalb sind zuverlässige Informationen aus dem Lager des Feindes Gold wert und schon der alte chinesische Kriegsphilosoph Sun Tse gab den Generalen den Rat, die Spione fürstlich zu entlohnen. Es ist das große Geschäft der für Klassengesellschaften typischen Kriege. „So wird der erleuchtete Herrscher und der weise General die Intelligentesten seiner Armee als Spione einsetzen und auf diese Weise hervorragende Erfolge erzielen. Spione sind ein äußerst wichtiges Element des Krieges, denn von ihnen hängt die Fähigkeit der Armee ab, sich zu bewegen“. (10.) Der revolutionäre Krieg des Proletariats hat eine andere Qualität, denn das Proletariat führt ihn, um die Bourgeoisie als letzte historisch mögliche Ausbeuterklasse völlig zu vernichten. Das Proletariat und die Bourgeoisie führen den Krieg gegeneinander nicht allein, sondern zentrieren die Kleinbourgoisie und die Klasse der Bauern und die Intelligentsia in der Regel je nach deren sozialen Stellung um sich. Die Klassenkonstellation des Bürgerkriegs ist niemals rein gegeben, sondern Arbeiter kämpfen auf der Seite des bürgerlichen Klassenfeindes und umgekehrt kämpfen auch Bürgerliche in proletarischen Reihen, das Kleinbürgertum bringt stets in großer Zahl Elemente auf das Kriegstheater, die schwanken. Das zeigen alle proletarischen Revolutionen, man betrachte zum Beispiel die russische Oktober- und die deutsche Novemberrevolution etwas näher. Schon 1902 sah Karl Kautsky, dass die kommende Revolution nicht so sehr ein Aufstand des Volkes gegen die Regierung sein wird als ein Kampf des einen Teils des Volkes gegen den anderen. (11.) Ein Kernproblem des revolutionären Bürgerkriegs ist die Auflösung der bürgerlichen Armee, ohne die keine Revolution Erfolg haben kann. (12.) Nach dem Zusammenbruch der alten Armee müssen die Revolutionäre in einem erbitterten Bürgerkrieg allmählich eine neue Armee schaffen. Lenin wies uns darauf hin, dass schon die französische Revolution diese qualvolle Periode durchgemacht hatte. (13.) Er wies uns auch auf die konterrevolutionäre Gefahr hin, die von dem alten Offizierskorps der aufgelösten Armee ausgeht (14.) und es ist angebracht, die faschistischen und reaktionärsten Elemente unter ihnen zu liquidieren. In Deutschland steht die proletarische Revolution ebenfalls vor der Aufgabe, das anglo amerikanische Kriegsgewinnlerpack mit seinen Kolonialtruppen vom deutschen Territorium zu vertreiben. Es wäre sehr zu wünschen, dass dies friedlich möglich sei, aber Vietnam und Korea, Iran und Irak belehren uns eines Anderen. Es bleibt das revolutionäre Erbe der RAF, angedeutet zu haben, welche revolutionären Potenzen im deutschen Volk schlummern.

Man kann tief in das Wesen des Krieges, tief in das Wesen der Politik eingedrungen sein, und dennoch bei der Lösung der Frage versagen, wenn man es nicht versteht, den dialektischen Zusammenhang und das Wechselverhältnis zwischen Krieg und Politik aufzuzeigen. Darauf wies eben Engels hin, als er an Conrad Schmidt schrieb: „Was den Herren allen fehlt, ist Dialektik. Sie sehen stets nur hier Ursache, dort Wirkung. Daß dies eine hohle Abstraktion ist, daß in der Welt solche metaphysischen polaren Gegensätze nur in Krisen existieren, daß der ganze große Verlauf aber in der Form der Wechselwirkung vor sich geht, daß hier nichts absolut und alles relativ ist, das sehen sie nun einmal nicht, für sie hat Hegel nicht existiert…“ (15.)  Die Unterscheidung zwischen metaphysischer und dialektischer Betrachtungsweise, die Engels hier gibt, ist aufschlußreich für die Beantwortung der Frage: „Wann wird der Krieg kein Mittel der Politik mehr sein ?“ Der Hauptfehler, der hier begangen wird, liegt in der einseitigen negativen Verabsolutierung des Krieges und in der einseitigen positiven Verabsolutierung der Politik. Im dialektischen Prozess herrscht Wechselwirkung zwischen Krieg und Politik, Politik ist eine Vorform des Krieges und geht in den Krieg über, Krieg ist eine Vorform der Politik und geht in die Politik über, das Erste ist auch immer das Zweite. (16.)Die metaphysische Methode trennt aber den Krieg abstrakt aus dem politischen Prozess der Geschichte, will ihn mechanisch wie ein Werkzeug aus der Geschichte wegwerfen, der Krieg ist das aufzuhebende Negative, zugleich aber verabsolutiert sie die Politik, sie sei nicht relativ, sondern absolut, ewig, die Aufhebung des Krieges wird nicht zugleich mit der Aufhebeung der Politik gedacht, vielmehr wird eine versierte bürgerliche Politik als Ursache eines Friedenszustandes angepriesen. Die Politik ist nach dem metaphysischen Weltbild ein ewiges Schicksal der Menschheit. Ganz anders der Dialektiker: „Diese Reflexion aber, daß der Zweck in dem Mittel erreicht und im erfüllten Zweck das Mittel und die Vermittlung enthalten ist, ist das letzte Resultat der äußerlichen Zweckbeziehung, worin sie selbst sich aufgehoben und das sie als ihre Wahrheit dargestellt hat.“ (17.) In dieser Aussage Hegels finden sich mehrere interessante Hinweise: zum einen: im erfüllten Zweck ist das Mittel und die Vermittlung erhalten. Man übertrage das auf die revolutionäre Politik, im Keim ist der Gedanke angelegt, daß man nur durch die Vervollkommnung der Volksbewaffnung zum erfüllten Frieden gelangen kann. Und dann: die äußerliche Zweckbeziehung hebt sich selbst auf,d.h.: Wenn es den Krieg nicht mehr als Mittel gibt, gibt es die Politik auch nicht mehr als Zweck. Die Momente und ihre Beziehungen sind im Kommunismus allesamt aufgehoben. Ideologie verblendet diesen Kommunismus, weil sie Momente oder Teilprozesse aus dem ganzen großen Verlauf der Geschichte fixiert, verabsolutiert, festgerinnen läßt. So zieht eine Einseitigkeit eine andere nach sich und beide resultieren aus konservierendem Beharren gegen vorwärtstreibende Klassen. Aprozessuale Begriffsfixierung ist selbst nur Reflex gesellschaftlicher Stagnation, um fixierte Begriffe lagern sich wie magnetisch angezogen ideologische Gehalte, die Ballast sind auf den Köpfen nach Freiheit strebender Klassen. Genau diesen Ballast setzte der Revisionismus vor. Aufschlußreich ist der Artikel „Identität“ in der vierten Auflage des Kleinen Philosophischen Wörterbuchs der Sowjetunion: „Es kann keine Identität geben zwischen Krieg und Frieden, Bourgeoisie und Proletariat,  Leben und Tod und anderen derartigen Phänomenen, denn sie stehen in einem grundsätzlichen Gegensatz zueinander und schließen einander aus.“ (18.) Und gegen diesen Ballast hat Mao tse tung den Kampf gegen den Revisionismus auf dem philosophischen Feld eröffnet. „Wie kann ein Krieg plötzlich ausbrechen, wenn er nicht in der Zeit des Friedens vorbereitet wurde ? Wie kann der Frieden plötzlich eintreten,wenn er nicht im Krieg vorbereitet wurde ? Manche Leute in der Sowjetunion sind so metaphysisch und erstarrt in ihrem Denken, daß sie meinen, ein Ding sei entweder so oder so, und die Einheit der Gegensätze nicht erkennen, daher machen sie in der Politik Fehler.“ (19.) Ich habe immer mit einem weinenden und einem lachenden Auge ein Bildband in DDR-Buchläden betrachtet, das den Titel trug: Ewige Freundschaft UdSSR-DDR. In einem wahrhaft sozialistischen Land ist ein solcher Titel ganz unmöglich. Die UdSSR ist überhaupt der erste Staat in der Weltgeschichte, der mit der Intention seiner historischen Aufhebung im Kommunismus konzipiert wurde. Das eben meinte Lenin, als er die Sowjets als Keimformen des Absterbens jedes Staates bezeichnete. „Selbstverständlich ist es ein Grundsatz der marxistischen Dialektik, daß alle Grenzen in der Natur und in der Gesellschaft bedingt und beweglich sind, daß es keine einzige Erscheinung gibt, die nicht unter gewissen Bedingungen in ihr Gegenteil umschlagen könnte.“ (20.)

1. Napoleon, „Gedanken“, zitiert in: Lenin, Philosophische Hefte, Werke Band 38, Dietz Verlag Berlin, 1964,379f. In diesen „Gedanken“ auch der von Lenin herausgestrichene Satz: „Die Kanone hat den Feudalismus getötet. Die Tinte wird die moderne Gesellschaft töten“. (a.a.O.,379).

2. So auch Mao tse tung in seiner Schrift „Über den langdauernden Krieg“, Ausgewählte Schriften, Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,195. Mao spricht in dieser Schrift von „gewissen Leuten“, die die Unterjochung Chinas durch die japanischen Eindringlinge  für unabwendbar halten, andere „gewisse Leute“ sprechen von einem schnellen Sieg über sie. Mao selbst plädiert gegen die Hauptgefahr des Kapitulantentums und auch gegen die Eiferer und für einen langen Krieg. Aber zu einer präzisen marxistischen Analyse gehört, anzugeben, welche Klassenkräfte sich denn hinter den „gewissen Leuten“ verbergen. Strenggenommen ist dieser Ausdruck nicht marxistisch und findet sich auch nicht in den Werken der Klassiker von Marx bis Stalin. Gleichwohl sind die kriegstheoretischen Schriften von Mao durch die sie durchwaltende dialektische Seele brillant: „Zudem wird auch die reguläre Armee nach Dekonzentrierung ihrer Kräfte den Partisanenkrieg führen, während sie nach Konzentrierung ihrer Kräfte wieder den Bewegungskrieg führen kann“ (Mao tse tung, Über den langdauernden Krieg, Ausgewählte Schriften Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,223). „Die Erhaltung der eigenen Kräfe zielt darauf ab, die Kräfte des Gegners zu vernichten, und die Vernichtung der gegnerischen Kräfte stellt die wirksamste Methode zur Erhaltung der eigenen Kräfte dar“. (a.a.O.,219) Es ist das Ineinanderdenken des Entgegengesetzten und das Auseinanderdenken des Zusammengehörenden, was die Stärke Maos auf diesem Gebiet ausmacht.

3. Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin,1959,325. So spricht Mao tse tung davon, dass sich die Kriegsparteien im Laufe des Krieges umgestalten werden, gerade durch das Element des Krieges findet der Wechsel der Gegensätze statt.

4.Siehe den für die Militärphilosophie des 20. Jahrhunderts aufschlußreichen Artikel Stalins gegen den Oberst Rasin (Antwortschreiben an Oberst Rasin, in: Stalin Werke Band 15, 25ff.) In ihm finden wir eine wissenschaftliche Einschätzung Clausewitzens für den Marxismus.

5.Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem Artikel: „Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem Preußen.“ MEGA I/2,463

6.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistsichen Partei. MEW 4,473

7. Vergleiche Friedrich Engels, Einleitung zu: „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“ von Karl Marx, aus dem Jahr 1895, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,673

8. Vergleiche Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, Auf einmal ein Verräterkind, Wallstein Verlag Göttingen,2012,36

9. Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959,236

10. Sun Tzi, Die Kunst des Krieges, Knaur Verlag, 1988,159

11. Vergleiche Lenin, Der Partisanenkrieg, Werke Band 11, Dietz Verlag Berlin 1957,212

12. Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin 1959,,284

13. a.a.O.

14. „Die Ausbeuter behalten noch lange Zeit nach dem Umsturz unvermeidlich eine Reihe gewaltiger tatsächlicher Vorteile: Es bleibt ihnen das Geld (die sofortige Abschaffung des Geldes ist unmöglich), es bleibt ihnen gewisse. oft bedeutende Mobilien, ferner Beziehungen, die Routine in der Organisation und Verwaltung, die Kenntnisse aller „Geheimnisse“ (Gebräuche, Methoden, Mittel, Möglichkeiten) der Verwaltung, es bleibt ihnen die höhere Bildung, der enge Kontakt mit dem (bürgerlich lebenden und denkenden) leitenden technischen Personal, es bleibt ihnen die unvergleichlich größere Routine im Militärwesen (das ist sehr wichtig) und so weiter und so fort“. (a.a.O.,252).

15.Friedrich Engels an Conrad Schmidt Brief vom 27.10.1890

16. Welche Schwierigkeiten ein Kriegstheoretiker hat, wenn er dialektisch ungeschult ist, zeigt der Aufsatz von Ulf Häußler(Regierungsdirektor in der Rechtspflege der Bundeswehr): ´s ist Krieg ? in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. August 2009, S.6. Das klassische Völkerrecht kannte nur die Alternative „Krieg oder Frieden“, Krieg wurde nach Ulf Häußler definiert als bewaffneter Konflikt zwischen mindestens zwei souveränen Staaten und mit dieser Schablone kommt man in der Zeit der asymmetrischen Kriege ins Rotieren. „Freilich ist die Dichotomie von Krieg und Frieden dem heutigen Völkerrecht unheimlich geworden.“ Eine Dichotomie von Krieg und Frieden hat es indeß geschichtlich nie gegeben. Es gab und gibt eben, wie Lenin schreibt, Kriege und Kriege. (vgl. Lenin: Krieg und Revolution, LW 24, 396) Die Schwierigkeit besteht eben darin, dass Krieg und Frieden prozessual ineinander übergehen, der Frieden ist nicht etwas vom Krieg grundsätzlich Verschiedenes. Lenin sagt, sowohl den bürgerlichen als auch den sozialistischen Pazifisten ist der Gedanke fremd geblieben: „…“der Krieg ist die Fortsetzung der Politik der Friedenszeit, der Frieden ist die Fortsetzung der Politik des Krieges.“ „Daß der imperialistsiche Krieg von 1914 bis 1917 die Fortsetzung der imperialistischen Politik von 1898 bis 1914, wenn nicht einer noch früheren Periode ist, das haben weder Bourgeois noch Sozialchauvinisten sehen wollen und wollen es auch jetzt nicht sehen. Daß der Frieden jetzt, solange die bürgerlichen Regierungen nicht auf revolutionärem Weg gestürzt sind, nur ein IMPERIALISTISCHER FRIEDEN sein kann, der den IMPERIALISTISCHEN KRIEG FORTSETZT (Hervorhebungen von mir), sehen weder die bürgerlichen noch die sozialistischen Pazifisten.“ (Lenin: Bürgerlicher und sozialistischer Pazifismus,in: Lenin Werke Band 23,196) Auch Golo Mann hatte eine metaphysische Sichtweise der Politik: „Rüstungen sind keine selbständige oder selbsttätige Ursache; sie folgen aus einem allgemeinen Zustand. Diesen gälte es zu meistern; und zwar, um es mit dem einfachsten Ausdruck zu sagen, durch gute Politik“. (Golo Mann, Gute Vorsätze auf dem Weg zur Hölle, Die Wirkungen von 1914,in: Der Monat Heft 191 August 1914/ 50 Jahre Weltrevolution,20).

17. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Logik Band II, edition suhrkamp Bd. 6,461

18. „Kleines Philosophisches Wörterbuch“ (vierte Auflage), in Kommunismus und Klassenkampf 1/80,1

19. Mao tse tung, Werke Band 5,414

20.Lenin: Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22,314