Politik und Krieg

Der Krieg, gleich welcher Art,  birgt in sich Attraktives und Repulsives zugleich und Napoleon schrieb in seinen „Pensées“, dass in allen Schlachten stets ein Zeitpunkt eintritt, „wo die tapfersten Soldaten , nachdem sie die größten Anstrengungen gemacht haben, Lust verspüren zu fliehen. Diese Panik entspringt mangelndem Vertrauen zu ihrem Mut…(1.) Der Krieg ist das Komplexeste und damit Schwierigste im gesellschaftlichen Verkehr und das Volk, das heißt die Arbeiterklasse und die armen Kleinbauern müssen  an die Untersuchung jedes Krieges mit der Frage herantreten, welche Klasse oder welche Klassen führen ihn zu welchem Zweck ? Denn weder die „einfachen“ Arbeiter noch die „einfachen“ Bauern wollen Krieg führen, imperialistische Kriege werden heute von den bürgerlichen Eliten auf den Schultern der Arbeiter und Bauern geführt. Insofern hat der Krieg auch einfache Elemente, denn aus der Frage ergibt sich die Unterscheidung in gerechte Kriege zur Befreiung von einem historisch überlebten Klassen- oder unerträglichen imperialistischen Joch und in ungerechte Kriege zur Unterdrückung von ausgebeuteten Klassen und Ländern. Ebenso ist die elementare Bedeutung der Ökonomie für die Kriegführung und ihr Wechselverhältnis seit dem Aufkommen des historischen Materialismus (insbesondere die Untersuchungen von Friedrich Engels über die Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich) zu einer Binsenweisheit geworden. Mao fügte eine weitere hinzu: nicht die Waffen, die Menschen entscheiden den Krieg, und zwar die durch und durch politisierten. Auch die Soldaten in der feindlichen Armee müssen politisiert werden. 

Die Grundlage der Armee ist der Soldat, der sich in der Kunst des Krieges selbst erhalten und den Feind vernichten muss.  Die Kunst des Überlebens vervollkommnet sich oder auch nicht in dem  alles überragenden, besser überschattenden  Elementaren der Unbestimmtheit, in dem  sich rascher oder langsamer verflüchtigende Momente der Bestimmtheit eingeschlossen sind.  Es ist der undurchdringliche  Schatten des Unbestimmten, der den Krieg bis an die Grenze des Unerträglichen hadert. Napoleons erfolgreiche Devise: „On s´engage et puis on voit“. (Man engagiert sich und dann wird man sehen) kam diesem unheimlich Unbestimmten nahe. Scheinmanöver als List nutzen die über die Kriegsparteien lastende Unbestimmtheit aus  und machen eine Bestimmtheit nur vor. Und doch ist es einem die Lagen klug durchdenkenden Heerführer möglich, die Hauptkonturen der Entwicklungstendenzen eines Krieges vorauszusehen, von denen es allerdings immer Abweichungen geben wird. Insofern hat der Krieg etwas Faustisches in sich, es gibt in ihm keinen Augenblick des schönen Verweilens. Insbesondere ist die durch einen Formwandel des Kapitalismus hervorgerufenen imperialistische Phase der Weltgeschichte seit 1899/1900 eine Epoche stürmischen, sprunghaften, katastrophalen Charakters wie nie zuvor. (Am Rande bemerkt: Gerade in diesem Zusammenhang kritisiert Lenin Kautsky, der 1909 in seinem Werk „Der Weg zur Macht“ geschrieben hatte, dass die friedliche revolutionslose Epoche in Europa der Vergangenheit angehöre, danach aber die Dialektik durch Eklektizismus ersetzt  und den räuberischen Charakter des Imperialismus und seine Widersprüche opportunistisch zu einem friedlichen Ultraimperialismus umbiegt.). Dennoch wird kein Krieg ohne Plan geführt. Unter friedlichen Bedingungen gelingt die Verwirklichung eines Planes in der Regel leicht, im Krieg aber ist es das Schwierigste. Der Plan kann nicht nach der relativen Unbestimmtheit des Krieges, nur nach seinen vorhandenen kargen Bestimmtheiten  kann er intuitiv entworfen werden. Großen Feldherren gelingt es, an die Stelle der großen Unbestimmtheit die große Bestimmtheit, an die Stelle des Unklaren das Klare, an die Stelle des Ungewissen das Gewisse zu setzen. Es ist sinnlos, das Unbestimmte des Krieges zu ergrübeln, gar auf philosophische Art zu ergrübeln, so wie Hegel das Unendliche des menschlichen Wissens in seinem absoluten Wissen gebannt haben wollte und zu haben vorgab. Wir haben es im Krieg mit Relativem zu tun, müssen aber Hinweise von Lenin beachten, dass in jedem Relativem Absolutes enthalten ist und wir nach dem absoluten Wissen streben sollten, da uns das vor Fehler bewahren wird. Das Wechselverhältnis zwischen Krieg und Politik ist für Lenin wie für Clausewitz und Mao ebenso elementar:  Politik ist als Vorform des Krieges unblutiger Krieg, Krieg Politik fortsetzend besondere blutige Politik und die gegenseitige Ausrottung der Armeen.(2.) Es zeigt sich in jedem historischen und aktuellen Krieg, dass er aus Politik übergegangen ist und in diese übergehen wird. Die Dialektik negiert absolute Wahrheiten, stellt den Wechsel der Gegensätze und die Bedeutung der Krisen in der Geschichte dar. (3.) Es zeigt sich in jedem historischen und aktuellen Krieg, dass er aus Frieden übergegangen ist und in Frieden übergehen wird.

Krieg-Frieden und Politik, ihre Beziehungen untereinander, sind die elementaren Untersuchunsfelder im theoretischen Schaffen des preußischen Generalmajors Carl von Clausewitz.  Die Marxisten haben ihn immer mit Nutzen gelesen, seine Lehre aber nicht unkritisch übernommen (4.). Clausewitz lebte zur Zeit der Dampfmaschinen und interpretierte die Kriege Napoleons, der auf St. Helena rückblickend sagte: Die Politik ist unser Schicksal. Politik als Schicksal- hier haben wir den Horizont der bürgerlichen Ideologie erreicht, denn das Clausewitzsche Primat der Politik wird in der Weise verselbständigt, als könne man durch Politik, von der Politik aus, von Politikern mit einem guten Charakter zum Frieden gelangen, als sei der Krieg durch Politiker mit einem schlechten Charakter provoziert worden. Der Marxismus Leninismus fängt bereits durch die Vorbereitung der proletarischen Revolution an, das Wechselverhältnis von Politik und Krieg, in das bürgerliche Gesellschaften als Lohnsklavenhaltergesellschaften gebannt bleiben und gebannt bleiben müssen, zu durchbrechen: „Die Revolution überhaupt- der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse- ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, so weit er der Zerstörung und Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck. seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg.“ (5.) Die bürgerliche Ideologie kann die Frage der Überwindung des Krieges nicht mit der Frage der Überwindung der Politik verbinden, weil das den Lohnsklaven die Perspektive einer herrschaftsfreien Gesellschaft aufzeigen würde. Das Proletariat darf nicht erkennen, daß Politik immer Herr-Knecht-Konstellationen zum Inhalt hat und Politik deshalb betrieben wird, weil unterdrückende und zu unterdrückende Klassen existieren. Die Bürger haben große Angst vor der Ankündigung im Manifest, daß die Arbeiter/innen den ganzen Überbau in die Luft sprengen. (6.) Die proletarische Revolution hat gegenüber der bürgerlichen Armee den Vorteil, dass ihre Soldaten den Sinn des Krieges verstehen, der eben in der Überwindung von Klassengesellschaften und damit der Politik überhaupt besteht. Die Bourgeoisie ist heute nicht mehr in der Lage, „ihr“ Volk gegen den Kommunismus zu mobilisieren, die Kommunisten aber sind in einem langwierigen Prozess , der von der Stärke und Entfaltung der Konterrevolution abhängt, in der Lage, das Volk gegen seine Bourgeoisie zu mobilisieren. Ewige Herrschaft der Bourgeoisie ist ein historisches Unding, aus dem noch unterschwelligen Fluß der Weltgeschichte wird ein tobender Ozean anschwellen, in dessen blutroten Wellen diese Parasiten in ihrem eigenen Blut ersaufen werden. Kommunistische Soldaten sind mobilisiert zum Zweck, dass eben  gesellschaftliche Evolutionen als politische blutige Revolutionen aufhören. Der revolutionäre proletarische Krieg ist ein Krieg für den Ewigen Frieden. Alle bürgerlichen Parteien in Deutschland sprechen sich heute für den Ewigen Krieg gegen arbeitende Menschen aus, dass diese Lohnsklaven bleiben, Polizei und Bundeswehr, Truppen, die gegen den Humanismus, gegen den proletarischen Sozialismus  angetreten sind und die Gesellschaft im Zustand bürgerlicher Barbarei halten wollen, haben keine Platzpatronen in den Gewehrläufen. Die bürgerlichen Parteien sind kleine Inseln (7.) erheblicher krimineller Energie bis hin zum Genozid. Der erste und der zweite Weltkrieg sprechen eine allzu deutliche Sprache und die BRD ist der Fortsatz  dieser verheerenden Tradition, sie gründete sich auf die Reaktivierung von Nazieliten, besonders Geheimdienst, Gestapo, Wehrmacht, aber auch Ärzteschaft. Noch der Sohn des Grafen Stauffenberg, Bertold Schenk Graf von Stauffenberg, der wie sein Vater die Sowjetunion vernichten wollte und insofern aus dem Zweiten Weltkrieg nichts gelernt hatte, denn er trat in die Bundeswehr ein, weiß zu berichten, dass  in Kasinos der Bundeswehr abfällig über ihn gesprochen wurde. (8.) Noch vor wenigen Wochen eröffnete mir die Orthopädin Dr. Grit Kuhne in Hannover,  dass man Stalin, den größten Freund des deutschen Volkes, hätte abmurksen sollen. Diese Volksfeindin wird sich vor einem proletarischen Revolutionsgericht zu verantworten haben. Antifaschisten, die von Freisler verurteilt worden waren, standen bald wieder vor Nazirichtern im Staatsschutzdienst, die unter der schützenden Hand von Adenauer und Globke in ihren Ämtern schwelgten.

Die Kunst des Aufstandes besteht im Umdrehen der Gewehre. Das Ziel der kommunistischen Weltrevolution ist über die Diktatur des Proletariats die Anarchie, bürgerliche Politik, die sich gegen sie richtet, hat notwendigerweise faschistisches Potential in sich, in der Regel je höher man in die Spitzen der Elitehyrarchien geht. Aus ihren eigenen Eingeweiden produziert die bürgerlich kapitalistische Gesellschaft fortwährend und notwendigerweise hitlerische Kreaturen. Politik und Krieg (auch ein revolutionärer) haben ihre Momente der Verschlagenheit ( Irreführung , damit der Feind im Unbestimmten operiert) und reaktionäre Politik und reaktionäre Kriege auch die des schmutzigen Geschäftes, das den Charakter verdirbt. (Waffenhandel, Waffenschmuggel, geheimdienstliche Mordaktionen, Zusammenarbeit mit kriminellen Vereinigungen, mit Mafia und Faschisten allemal, Desinformationen durch bürgerliche Medien, konspirative Wohnungen und so weiter und so fort…je schmutziger, desto besser… für den Profit). Proletarische Revolutionen verkürzen den unvermeidbaren Weg der Weltgesellschaft zum Kommunismus und suchen nach dem schmerzlosesten Weg für die unterdrückten, sich befreienden Klassen, die nicht im Selbstlauf sich quasi „über Nacht“ emanzipieren können, sondern diesen steinigen und dornigen Weg der Selbstbefreiung und Selbstveränderung zum „Neuen Menschen“ gehen müssen. Dafür nehmen Revolutionäre Schwieriges auf sich: den bewaffneten Aufstand als höchste Kunst, dass es in revolutionären Situationen sehr schwierig ist, mit den Ereignissen Schritt zu halten (siehe Lenin, Der linke Radikalismus…)und dass der revolutionäre Krieg hundert mal schwieriger ist als ein Krieg zwischen Staaten. Denn Gesetze der Revolution gibt es strenggenommen nicht, solche „Gesetze haben nur das Typische im Auge, das, was Marx einmal das „Ideale“  im Sinne eines durchschnittlichen, normalen, typischen Kapitalismus bezeichnet hat“. (9.)

Während das Erfassen der Lage der eigenen Armee keine allzu großen Schwierigkeiten bereitet, ist die der feindlichen Armee in einen dichten Nebel gehüllt. Deshalb sind zuverlässige Informationen aus dem Lager des Feindes Gold wert und schon der alte chinesische Kriegsphilosoph Sun Tse gab den Generalen den Rat, die Spione fürstlich zu entlohnen. Es ist das große Geschäft der für Klassengesellschaften typischen Kriege. „So wird der erleuchtete Herrscher und der weise General die Intelligentesten seiner Armee als Spione einsetzen und auf diese Weise hervorragende Erfolge erzielen. Spione sind ein äußerst wichtiges Element des Krieges, denn von ihnen hängt die Fähigkeit der Armee ab, sich zu bewegen“. (10.) Der revolutionäre Krieg des Proletariats hat eine andere Qualität, denn das Proletariat führt ihn, um die Bourgeoisie als letzte historisch mögliche Ausbeuterklasse völlig zu vernichten. Das Proletariat und die Bourgeoisie führen den Krieg gegeneinander nicht allein, sondern zentrieren die Kleinbourgoisie und die Klasse der Bauern und die Intelligentsia in der Regel je nach deren sozialen Stellung um sich. Die Klassenkonstellation des Bürgerkriegs ist niemals rein gegeben, sondern Arbeiter kämpfen auf der Seite des bürgerlichen Klassenfeindes und umgekehrt kämpfen auch Bürgerliche in proletarischen Reihen, das Kleinbürgertum bringt stets in großer Zahl Elemente auf das Kriegstheater, die schwanken. Das zeigen alle proletarischen Revolutionen, man betrachte zum Beispiel die russische Oktober- und die deutsche Novemberrevolution etwas näher. Schon 1902 sah Karl Kautsky, dass die kommende Revolution nicht so sehr ein Aufstand des Volkes gegen die Regierung sein wird als ein Kampf des einen Teils des Volkes gegen den anderen. (11.) Ein Kernproblem des revolutionären Bürgerkriegs ist die Auflösung der bürgerlichen Armee, ohne die keine Revolution Erfolg haben kann. (12.) Nach dem Zusammenbruch der alten Armee müssen die Revolutionäre in einem erbitterten Bürgerkrieg allmählich eine neue Armee schaffen. Lenin wies uns darauf hin, dass schon die französische Revolution diese qualvolle Periode durchgemacht hatte. (13.) Er wies uns auch auf die konterrevolutionäre Gefahr hin, die von dem alten Offizierskorps der aufgelösten Armee ausgeht (14.) und es ist angebracht, die faschistischen und reaktionärsten Elemente unter ihnen zu liquidieren. In Deutschland steht die proletarische Revolution ebenfalls vor der Aufgabe, das anglo amerikanische Kriegsgewinnlerpack mit seinen Kolonialtruppen vom deutschen Territorium zu vertreiben. Es wäre sehr zu wünschen, dass dies friedlich möglich sei, aber Vietnam und Korea, Iran und Irak belehren uns eines Anderen. Es bleibt das revolutionäre Erbe der RAF, angedeutet zu haben, welche revolutionären Potenzen im deutschen Volk schlummern.

Man kann tief in das Wesen des Krieges, tief in das Wesen der Politik eingedrungen sein, und dennoch bei der Lösung der Frage versagen, wenn man es nicht versteht, den dialektischen Zusammenhang und das Wechselverhältnis zwischen Krieg und Politik aufzuzeigen. Darauf wies eben Engels hin, als er an Conrad Schmidt schrieb: „Was den Herren allen fehlt, ist Dialektik. Sie sehen stets nur hier Ursache, dort Wirkung. Daß dies eine hohle Abstraktion ist, daß in der Welt solche metaphysischen polaren Gegensätze nur in Krisen existieren, daß der ganze große Verlauf aber in der Form der Wechselwirkung vor sich geht, daß hier nichts absolut und alles relativ ist, das sehen sie nun einmal nicht, für sie hat Hegel nicht existiert…“ (15.)  Die Unterscheidung zwischen metaphysischer und dialektischer Betrachtungsweise, die Engels hier gibt, ist aufschlußreich für die Beantwortung der Frage: „Wann wird der Krieg kein Mittel der Politik mehr sein ?“ Der Hauptfehler, der hier begangen wird, liegt in der einseitigen negativen Verabsolutierung des Krieges und in der einseitigen positiven Verabsolutierung der Politik. Im dialektischen Prozess herrscht Wechselwirkung zwischen Krieg und Politik, Politik ist eine Vorform des Krieges und geht in den Krieg über, Krieg ist eine Vorform der Politik und geht in die Politik über, das Erste ist auch immer das Zweite. (16.)Die metaphysische Methode trennt aber den Krieg abstrakt aus dem politischen Prozess der Geschichte, will ihn mechanisch wie ein Werkzeug aus der Geschichte wegwerfen, der Krieg ist das aufzuhebende Negative, zugleich aber verabsolutiert sie die Politik, sie sei nicht relativ, sondern absolut, ewig, die Aufhebung des Krieges wird nicht zugleich mit der Aufhebeung der Politik gedacht, vielmehr wird eine versierte bürgerliche Politik als Ursache eines Friedenszustandes angepriesen. Die Politik ist nach dem metaphysischen Weltbild ein ewiges Schicksal der Menschheit. Ganz anders der Dialektiker: „Diese Reflexion aber, daß der Zweck in dem Mittel erreicht und im erfüllten Zweck das Mittel und die Vermittlung enthalten ist, ist das letzte Resultat der äußerlichen Zweckbeziehung, worin sie selbst sich aufgehoben und das sie als ihre Wahrheit dargestellt hat.“ (17.) In dieser Aussage Hegels finden sich mehrere interessante Hinweise: zum einen: im erfüllten Zweck ist das Mittel und die Vermittlung erhalten. Man übertrage das auf die revolutionäre Politik, im Keim ist der Gedanke angelegt, daß man nur durch die Vervollkommnung der Volksbewaffnung zum erfüllten Frieden gelangen kann. Und dann: die äußerliche Zweckbeziehung hebt sich selbst auf,d.h.: Wenn es den Krieg nicht mehr als Mittel gibt, gibt es die Politik auch nicht mehr als Zweck. Die Momente und ihre Beziehungen sind im Kommunismus allesamt aufgehoben. Ideologie verblendet diesen Kommunismus, weil sie Momente oder Teilprozesse aus dem ganzen großen Verlauf der Geschichte fixiert, verabsolutiert, festgerinnen läßt. So zieht eine Einseitigkeit eine andere nach sich und beide resultieren aus konservierendem Beharren gegen vorwärtstreibende Klassen. Aprozessuale Begriffsfixierung ist selbst nur Reflex gesellschaftlicher Stagnation, um fixierte Begriffe lagern sich wie magnetisch angezogen ideologische Gehalte, die Ballast sind auf den Köpfen nach Freiheit strebender Klassen. Genau diesen Ballast setzte der Revisionismus vor. Aufschlußreich ist der Artikel „Identität“ in der vierten Auflage des Kleinen Philosophischen Wörterbuchs der Sowjetunion: „Es kann keine Identität geben zwischen Krieg und Frieden, Bourgeoisie und Proletariat,  Leben und Tod und anderen derartigen Phänomenen, denn sie stehen in einem grundsätzlichen Gegensatz zueinander und schließen einander aus.“ (18.) Und gegen diesen Ballast hat Mao tse tung den Kampf gegen den Revisionismus auf dem philosophischen Feld eröffnet. „Wie kann ein Krieg plötzlich ausbrechen, wenn er nicht in der Zeit des Friedens vorbereitet wurde ? Wie kann der Frieden plötzlich eintreten,wenn er nicht im Krieg vorbereitet wurde ? Manche Leute in der Sowjetunion sind so metaphysisch und erstarrt in ihrem Denken, daß sie meinen, ein Ding sei entweder so oder so, und die Einheit der Gegensätze nicht erkennen, daher machen sie in der Politik Fehler.“ (19.) Ich habe immer mit einem weinenden und einem lachenden Auge ein Bildband in DDR-Buchläden betrachtet, das den Titel trug: Ewige Freundschaft UdSSR-DDR. In einem wahrhaft sozialistischen Land ist ein solcher Titel ganz unmöglich. Die UdSSR ist überhaupt der erste Staat in der Weltgeschichte, der mit der Intention seiner historischen Aufhebung im Kommunismus konzipiert wurde. Das eben meinte Lenin, als er die Sowjets als Keimformen des Absterbens jedes Staates bezeichnete. „Selbstverständlich ist es ein Grundsatz der marxistischen Dialektik, daß alle Grenzen in der Natur und in der Gesellschaft bedingt und beweglich sind, daß es keine einzige Erscheinung gibt, die nicht unter gewissen Bedingungen in ihr Gegenteil umschlagen könnte.“ (20.)

1. Napoleon, „Gedanken“, zitiert in: Lenin, Philosophische Hefte, Werke Band 38, Dietz Verlag Berlin, 1964,379f. In diesen „Gedanken“ auch der von Lenin herausgestrichene Satz: „Die Kanone hat den Feudalismus getötet. Die Tinte wird die moderne Gesellschaft töten“. (a.a.O.,379).

2. So auch Mao tse tung in seiner Schrift „Über den langdauernden Krieg“, Ausgewählte Schriften, Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,195. Mao spricht in dieser Schrift von „gewissen Leuten“, die die Unterjochung Chinas durch die japanischen Eindringlinge  für unabwendbar halten, andere „gewisse Leute“ sprechen von einem schnellen Sieg über sie. Mao selbst plädiert gegen die Hauptgefahr des Kapitulantentums und auch gegen die Eiferer und für einen langen Krieg. Aber zu einer präzisen marxistischen Analyse gehört, anzugeben, welche Klassenkräfte sich denn hinter den „gewissen Leuten“ verbergen. Strenggenommen ist dieser Ausdruck nicht marxistisch und findet sich auch nicht in den Werken der Klassiker von Marx bis Stalin. Gleichwohl sind die kriegstheoretischen Schriften von Mao durch die sie durchwaltende dialektische Seele brillant: „Zudem wird auch die reguläre Armee nach Dekonzentrierung ihrer Kräfte den Partisanenkrieg führen, während sie nach Konzentrierung ihrer Kräfte wieder den Bewegungskrieg führen kann“ (Mao tse tung, Über den langdauernden Krieg, Ausgewählte Schriften Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,223). „Die Erhaltung der eigenen Kräfe zielt darauf ab, die Kräfte des Gegners zu vernichten, und die Vernichtung der gegnerischen Kräfte stellt die wirksamste Methode zur Erhaltung der eigenen Kräfte dar“. (a.a.O.,219) Es ist das Ineinanderdenken des Entgegengesetzten und das Auseinanderdenken des Zusammengehörenden, was die Stärke Maos auf diesem Gebiet ausmacht.

3. Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin,1959,325. So spricht Mao tse tung davon, dass sich die Kriegsparteien im Laufe des Krieges umgestalten werden, gerade durch das Element des Krieges findet der Wechsel der Gegensätze statt.

4.Siehe den für die Militärphilosophie des 20. Jahrhunderts aufschlußreichen Artikel Stalins gegen den Oberst Rasin (Antwortschreiben an Oberst Rasin, in: Stalin Werke Band 15, 25ff.) In ihm finden wir eine wissenschaftliche Einschätzung Clausewitzens für den Marxismus.

5.Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem Artikel: „Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem Preußen.“ MEGA I/2,463

6.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistsichen Partei. MEW 4,473

7. Vergleiche Friedrich Engels, Einleitung zu: „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“ von Karl Marx, aus dem Jahr 1895, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,673

8. Vergleiche Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, Auf einmal ein Verräterkind, Wallstein Verlag Göttingen,2012,36

9. Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959,236

10. Sun Tzi, Die Kunst des Krieges, Knaur Verlag, 1988,159

11. Vergleiche Lenin, Der Partisanenkrieg, Werke Band 11, Dietz Verlag Berlin 1957,212

12. Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin 1959,,284

13. a.a.O.

14. „Die Ausbeuter behalten noch lange Zeit nach dem Umsturz unvermeidlich eine Reihe gewaltiger tatsächlicher Vorteile: Es bleibt ihnen das Geld (die sofortige Abschaffung des Geldes ist unmöglich), es bleibt ihnen gewisse. oft bedeutende Mobilien, ferner Beziehungen, die Routine in der Organisation und Verwaltung, die Kenntnisse aller „Geheimnisse“ (Gebräuche, Methoden, Mittel, Möglichkeiten) der Verwaltung, es bleibt ihnen die höhere Bildung, der enge Kontakt mit dem (bürgerlich lebenden und denkenden) leitenden technischen Personal, es bleibt ihnen die unvergleichlich größere Routine im Militärwesen (das ist sehr wichtig) und so weiter und so fort“. (a.a.O.,252).

15.Friedrich Engels an Conrad Schmidt Brief vom 27.10.1890

16. Welche Schwierigkeiten ein Kriegstheoretiker hat, wenn er dialektisch ungeschult ist, zeigt der Aufsatz von Ulf Häußler(Regierungsdirektor in der Rechtspflege der Bundeswehr): ´s ist Krieg ? in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. August 2009, S.6. Das klassische Völkerrecht kannte nur die Alternative „Krieg oder Frieden“, Krieg wurde nach Ulf Häußler definiert als bewaffneter Konflikt zwischen mindestens zwei souveränen Staaten und mit dieser Schablone kommt man in der Zeit der asymmetrischen Kriege ins Rotieren. „Freilich ist die Dichotomie von Krieg und Frieden dem heutigen Völkerrecht unheimlich geworden.“ Eine Dichotomie von Krieg und Frieden hat es indeß geschichtlich nie gegeben. Es gab und gibt eben, wie Lenin schreibt, Kriege und Kriege. (vgl. Lenin: Krieg und Revolution, LW 24, 396) Die Schwierigkeit besteht eben darin, dass Krieg und Frieden prozessual ineinander übergehen, der Frieden ist nicht etwas vom Krieg grundsätzlich Verschiedenes. Lenin sagt, sowohl den bürgerlichen als auch den sozialistischen Pazifisten ist der Gedanke fremd geblieben: „…“der Krieg ist die Fortsetzung der Politik der Friedenszeit, der Frieden ist die Fortsetzung der Politik des Krieges.“ „Daß der imperialistsiche Krieg von 1914 bis 1917 die Fortsetzung der imperialistischen Politik von 1898 bis 1914, wenn nicht einer noch früheren Periode ist, das haben weder Bourgeois noch Sozialchauvinisten sehen wollen und wollen es auch jetzt nicht sehen. Daß der Frieden jetzt, solange die bürgerlichen Regierungen nicht auf revolutionärem Weg gestürzt sind, nur ein IMPERIALISTISCHER FRIEDEN sein kann, der den IMPERIALISTISCHEN KRIEG FORTSETZT (Hervorhebungen von mir), sehen weder die bürgerlichen noch die sozialistischen Pazifisten.“ (Lenin: Bürgerlicher und sozialistischer Pazifismus,in: Lenin Werke Band 23,196) Auch Golo Mann hatte eine metaphysische Sichtweise der Politik: „Rüstungen sind keine selbständige oder selbsttätige Ursache; sie folgen aus einem allgemeinen Zustand. Diesen gälte es zu meistern; und zwar, um es mit dem einfachsten Ausdruck zu sagen, durch gute Politik“. (Golo Mann, Gute Vorsätze auf dem Weg zur Hölle, Die Wirkungen von 1914,in: Der Monat Heft 191 August 1914/ 50 Jahre Weltrevolution,20).

17. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Logik Band II, edition suhrkamp Bd. 6,461

18. „Kleines Philosophisches Wörterbuch“ (vierte Auflage), in Kommunismus und Klassenkampf 1/80,1

19. Mao tse tung, Werke Band 5,414

20.Lenin: Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22,314

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