Mao tse tung: Über den langdauernden Krieg Die Bedeutung der politischen Mobilisierung des Volkes und der Armee

Vom 26. Mai bis zum 3. Juni 1938 hielt Mao tse tung in Yennan vor den Versammlungen der „Gesellschaft zum Studium der Probleme des Krieges gegen die japanischen EindringlingeVorlesungen über den nationalen Befreiungskrieg des chinesischen Volkes gegen die japanische Okkupationsarmee, in denen er die Erfahrungen des bereits zehn Monate andauernden Krieges auswertete und verallgemeinerte. Am 7. Juli 1937 war es zu einem Feuergefecht zwischen japanischen und chinesischen Soldaten an der Marco Polo Brücke (Zwischenfall bei Lugoutjau, cirka zehn Kilometer südwestlich von Peking) gekommen, das den am 13. August 1937 beginnenden zweiten sino-japanischen Krieg auslöste, der acht Jahre dauern sollte. (Der erste fand 1894/95 statt). Dabei immer wieder auch auf Kriegsgeschehnisse aus der europäischen Geschichte zurückgreifend, verlor Mao doch keinen Augenblick die besondere Spezifik des chinesisch japanischen Krieges aus den Augen, in dem sich auf einem großen Territorium mit enormer Bevölkerungsdichte die Guerilla in eine reguläre Armee, die reguläre Armee aber in eine Guerilla verwandeln sollte. Das barbarische Verhalten der faschistischen Soldateska des Tenno auch gerade gegen die Zivilbevölkerung (siehe das Massaker von Nanking, die Stadt wurde am 15. Dezember 1937 besetzt) kam der maoistischen Volksmobilisierung sehr entgegen. Die nach Osten gegen die russische Revolution vordringende deutsche Wehrmacht wiederholte diesen kardinalen Fehler der nach Westen gegen die chinesische Revolution vordringenden faschistischen Soldaten unter der Flagge der aufgehenden Sonne. 1. Sowohl in den besetzten Gebieten Chinas als auch in denen der Sowjetunion waren mächtige Partisanenbewegungen die Antwort. Beide Occupationsarmeen, die eine nach dem Konzept des Blitzkrieges, die andere nach dem Konzept des schnellen Galopps verfahrend, die einen ideologischen Krieg gegen die einheimische Bevölkerung führten, waren von der roten Flut der Guerilla überrascht worden und ihre Generalstäbe entwarfen erst spät, zu spät Dienstanweisungen zur Bekämpfung  des Partisanentums. Mao wurde der Theoretiker des Guerillakrieges im XX. Jahrhundert, er sah, dass die Guerilla eine gewaltige Rolle spielt, die in der internationalen Kriegsgeschichte ohne Beispiel ist. Aus dem chinesischen Millionenheer wurden einige Hunderttausend für die heilige Aufgabe ausgesondert, den Partisanenkrieg zu entfalten, der keinen so lauten Ruhm bringt wie der von regulären Truppen geführte Krieg, „aber wie man zu sagen pflegt, die Stärke eines Pferdes erkennt man auf einem langen Weg, das Herz eines Menschen – in einem langen Dienst“. 2.

Das oberste Leitmotiv seiner kriegstheoretischen Schriften aber ist die Überlegung, dass der Sieg im Kriege von der permanenten politischen Mobilisierung des Volkes abhängt. „Die politische Mobilisierung muß man mit dem Verlauf des Krieges selbst, mit dem Leben der Soldaten und des einfachen Volkes verknüpfen, man muß sie in eine ständige Arbeit verwandeln. Das ist eine gewaltige Aufgabe. Davon hängt IN ERSTER LINIE (kursiv von Heinz Ahlreip) der Sieg im Kriege ab“. 3. Diese politische Mobilisierung erfolgt durch mündliche Ansprachen, Flugblätter, Zeitungen, Broschüren, Bücher, Theater, Film usw. Und statt vor der militärischen Generalstabskarte befinden wir uns mitten in der Kulturarbeit. Das ist eine Eigenart der chinesischen Kriegführung: jeder Soldat, jeder Bürger muß begreifen, „in welcher Beziehung der Krieg zu ihm persönlich steht“. 4. Das ist der große Vorteil der proletarisch bäuerlichen Armeen gegenüber von bürgerlichen Offizieren geführten bürgerlichen, sie können den Arbeiter- und Bauernsoldaten nie vermitteln, in welcher Beziehung  imperialistische Kriege zu ihnen persönlich stehen. So verdirbt der Imperialismus seine eigene Sache, denn er kann es nicht zulassen, dass die Soldaten sich mit ihrer Kreativität und Begabung selbst einbringen, sie werden – statt zu Staatsbürgern in Uniform herangebildet –  zu hirnlosen Kampfmaschinen abgestumpft, die den Sinn des sklavenhalterischen Krieges nicht begreifen und nicht begreifen sollen (der in der Unterdrückung ihrerselbst und ihrer Klassenbrüder besteht). Dagegen wurde die Demokratisierung der chinesischen Armee  mit der Intention durchgeführt, Offiziere und Soldaten zu einer Einheit zusammenzuschweißen, die „im Alltagsleben alle Freuden und Leiden miteinander teilen“.  5. So kommt es, dass kleine Bauernarmeen auf Sandalen und Fahrrädern gigantische, technisch höchstentwickelte imperialistische Militärkomplexe traumatisieren, der Vietnamkrieg ist das beste Beispiel. Am Anfang dieses Krieges hielten westliche Militärexperten einen Sieg des Vietcong für völlig absurd. Als Mao im Krieg gegen die japanischen Eindringlinge erkannte, wie wichtig es ist, die Weltöffentlichkeit für sich zu gewinnen, sympathisierenden Widerhall in der ganzen Welt auszulösen, hat er bereits eine entscheidende Lehre des Vietnamkrieges vorweggenommen, dieser Krieg war ja auch weltweit an den Fernsehschirmen entschieden worden, es waren die grauenhaften Bilder von verbrannten und verstümmelten vietnamesischen Kindern, die die öffentliche Meinung gegen Amerika kippte und es ermattete. „Wenn die erdrückende Mehrheit der Chinesen, der Japaner und der Bevölkerung der verschiedenen Länder der Welt zu Anhängern des Krieges gegen die japanischen Eindringlinge wird, wird man da von der Überlegenheit der militärischen und wirtschaftlichen Macht sprechen können, die ein Häuflein Menschen in Japan mit Gewalt in ihren Händen hält ?“ 6. Diese japanischen Reaktionäre sind Papiertiger, denn die „Nährwurzeln für die großen Kräfte des Krieges reichen weit in die Tiefe der Volksmassen hinein“. 7. Aus der Tiefe der Volksmassen schöpft die chinesische Armee ihre Kraft. „Nur die entschiedene und breite Mobilisierung der Volksmassen wird unerschöpfliche und unversiegbare Hilfsquellen zur Befriedigung aller Bedürfnisse des Krieges erschließen“. 8. Es ist zu einseitig, zu eng gedacht, wenn man den durch die französische Revolution ausgelösten totalen Krieg, die Erfassung aller menschlichen und materiellen Kräfte, nur rein militärisch deutet. Das rein militärisch technische Denken verabsolutiert ein Element des Krieges, so dass ihm seine Totalerfassung als wechselseitige Durchdringung seiner Elemente versagt bleibt. Der Dialektiker Mao hatte das Wesen des Krieges (Krieg als ein Weetji Spiel) tiefer erfasst als der Mathematikprofessor Tschiang Kai Tscheck. Mao sprach vom Mutterwitz der Partisanen.

Die Vorlesungen Maos, gehalten zu einer Zeit, als in Moskau Prozesse gegen Trotzkisten stattfanden und in Spanien der Bürgerkrieg Rot gegen Schwarz, beeindrucken auch heute fast 75 Jahre später durch die dialektische Brillanz, das Entgegengesetzte zusammen-, das Identische auseinanderzudenken und lassen in Mao einen der tiefsten Denker des Krieges erkennen, der nicht nur beharrlich die politische Mobilisierung des gesamten Volkes und der ganzen Armee zu einer Großen Mauer der nationalen Einheitsfront als das A & O des Sieges bezeichnete, sondern auch in der Darstellung des Krieges das Wechselspiel zwischen dem Krieg als der komplexesten Erscheinung des gesellschaftlichen Lebens und die in ihm auch stattfinden mannigfaltigen Beziehungen zu seinen Elementarien  souverän beherrschte. Generäle müssen sich nicht nur in verzweigteste Mikroschlachtlinien vertiefen, immer wieder sollen sie auch auf den Spruch (nach Mao eine wissenschaftliche Wahrheit) des alten Kriegsphilosophen Sun Tzi rekurrieren: Erkenne Dich selbst und erkenne den den Feind, hundert Schlachten ohne Schlappe. Denn das Wesen des Krieges besteht darin, sich selbst zu erhalten und den Feind zu vernichten.

Der Krieg als eine verwirrende Komplexität bringt notgedrungen klassenspezifisch bedingte  irrige Auffassungen über seinen Charakter hervor. Von den drei möglichen Varianten: China wird  von Japan unterjocht werden wie Indien von Großbritannien, nach Mao eine irrige Überschätzung der Kräfte des Feindes, die nur auf das militärische Kräfteverhältnis schaut- der Krieg wird lange dauern und erfolgreich enden – der Sieg über die Japaner wird schnell erfolgen, nach Mao eine irrige Unterschätzung der Kräfte des Feindes – entscheidet sich Mao (übrigens gegen die Mehrheit seiner Parteigenossen) also für die mittlere. Vom amerikanischer Korrespondenten Mister Edgar Snow nach den für den Sieg Chinas notwendigen Bedingungen gefragt, antwortete er: „Drei Bedingungen sind notwendig: 1. Schaffung einer antijapanischen Einheitsfront in China; 2. Schaffung einer internationalen antijapanischen Einheitsfront; 3. Aufschwung der revolutionären Bewegung des japanischen  Volkes  und der Völker der japanischen Kolonien“. 9. Diese Antwort bildet den roten Faden der Vorlesungen.

Obwohl der Krieg von der Unbestimmtheit gebannt ist und sich sein Horoskop nicht erstellen läßt, können doch die Hauptkonturen seiner Entwicklungstendenzen herausgelesen werden. Dadurch verhindern wir, dass wir von den Wellen des Krieges getrieben werden. Die Kunst des Feldherren besteht darin, in der großen Unklarheit des Krieges seine Klarheit zu finden und auf der Grundlage der objektiven Wirklichkeit mit möglichst wenig Fehlern bewußt tätig zu werden Für den Krieg gegen die japanischen Eindringlinge sieht und bestimmt Mao drei Etappen voraus:

In der ersten Etappe liegt der strategische Angriff des Gegners und unsere strategische Verteidigung vor. Das japanische Oberkommando, das eine Strategie des schnellen Krieges (im „Galopptempo“) verfolgt, drängt auf eine frühe Entscheidungsschlacht, wir aber weichen aus, führen primär einen Bewegungskrieg 10.  und zwingen dem Feind   einen langdauernder Krieg auf, der  für ein kleines Land schwerer zu führen ist als für das territorial große China, es wird ihn nicht durchhalten. Die japanische Armee muß gerade in die Tiefe des chinesischen Raumes gelockt werden, wobei sie auf ihren Märschen, auf denen sie nicht kampfbereit ist, überraschend von rasch vorstoßenden und sich ebenso rasch wieder zurückziehenden chinesischen Soldaten aus dem Hinterhalt angegriffen wird. Mao denkt wie Lenin bei Brest: Opfere Territorium und gewinne Zeit. Das Draufgängertum im Kriege ist zu verurteilen, denn es will jedes Territorium um jeden Preis halten. Es bedenkt nicht, dass die Kräfte Japans zu schwach sind, ganz China zu occupieren. Mao sagt: Ist noch Wald da, wird es auch Brennholz geben. Die japanische Armee kann China nicht ganz besetzen und in den Freiräumen werden die Guerrillafische aus ihrem Wasser auftauchen und  revolutionäre Basen errichten. China als der zweitgrößte Flächenstaat der Welt hat Vorteile, wenn die Krieg auf großen Schauplätzen mit langen labilen feindlichen Fronten geführt wird, zumal Mao davon ausgeht, dass die chinesische Armee unzureichend ausgebildet ist. Deshalb verlangt er, den Krieg aus den Schützengräben zu befreien und fordert von der Armee lange Märsche. Noch größere, ja unlösbare Probleme stellt das russiche Territorium und Napoleon mag sich beim Rückzug der Grande Armee an die Worte eines seiner Berater erinnert haben: Man kann Russland nicht gegen die Wand drücken. Ganz peinlich wurde es mit Hitler, der in einer öffentlichen Rede faselte, die Stadt Stalingrad bereits eingenommen zu haben. 11.

In der zweiten Etappe, der Etappe des strategischen Gleichgewichts, liegt die strategische Befestigung des Gegners und unsere Vorbereitung des Gegenangriffs vor. Diese Periode wird relativ lang (möglicherweise die längste) und die schwierigste sein, in ihr dominiert der Partisanenkrieg. Am Ende dieser Etappe wird China das Übergewicht der Kräfte erlangt haben „…und dann wird unter Einsatz des gesamten Schauspielerkollektivs das glänzende Finale wunderbar gespielt werden können“. 12. Verkürzt kann man  Maos Konzept darstellen als Defensive – Gleichgewicht – Offensive, wobei in der zweiten Etappe die reguläre Armee nur eine Hilfsform einnimmt, während sie in den anderen beiden Etappen dominiert. Deshalb entscheidet letztendlich nicht die überwiegend kampfunterstützende Guerilla den Krieg, sondern die reguläre Armee. Der Partisanenkrieg wird 1906 in einem Artikel auch von Lenin als unvermeidliche, aber nicht wichtigste, sondern sekundäre Kampfmethode der Marxisten gewürdigt. Auch der Anhänger der Guerilla, Ernesto Che Guevara, war sich über ihre Sekundärfunktion im Klaren: „It is obvious that guerrilla warfare is a preliminary step, unable to win a war all by itself“. 13.

In der dritten Etappe liegt unser strategischer Gegenangriff und der ständige Rückzug des Gegeners vor, erst hier sollte China neben dem Bewegungskrieg auch einen Stellungskrieg führen, der ein technisches Niveau voraussetzt, das die reguläre chinesische Armee am Anfang des Krieges noch nicht besaß.  Am Ende sagt Mao die Vertreibung der japanischen Teufel voraus.

Der 9. September 1945 war der Tag der japanischen Kapitulation.


1. Während Europa sich mit dem Blitzkrieg der Nazis auseinandersetzen mußte, operierte Mao in China mit einer Guerilla, die blitzschnell wie durch Zauberei aus ihrer Tarnung gegen die japanischen Truppen zuschlug. Der rasche Abschluß des Kampfes ist das oberste Gebot für die schwächere Guerilla. Sie kann nur kleine Siege erringen, die als Gesamtsumme aber den großen Sieg bringen soll. Dann ist die Guerilla in die reguläre Armee übergegangen. Zur Einschätzung der  Qualität der japanischen Armee durch Mao nur soviel: „In der strategischen und operativen Führung des Gegners taugt vieles nicht das geringste, aber auf dem Gebiet der Kampflenkung , das heißt in der taktischen Leitung der Kampfhandlungen  von Truppenteilen und unteren Einheiten gibt es bei ihm vieles, was wir lernen sollten“. (Mao tse tung, Über den langdauernden Krieg, in: Mao tse tung, Ausgewählte Schriften Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,233)

2. a.a.O.,223. Der Partisanenkrieg Chinas gegen die japanischen Eindringlinge wird in der Geschichte der ganzen Menschheit beispiellos sein. (Vergleiche Mao tse tung, Der Krieg und die Fragen der Strategie, Ausgewählte Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,286).

3. a.a.O.,195. Auch die Kuomintang versuchte eine „Geistige Volksmobilisation“: „Tsching Schen Tschung Tung Yuan“. (Siehe; May-Ling Tschiang Kai Tschek, Unser China, Rascher Verlag Zürich,1942, 223). Bereits Sun Yat Sen hatte in seinem Testament davon, „die Volksmassen zu wecken und, verbunden mit denjenigen Völkern der Welt, die unser Volk als gleichberechtigt behandeln, gemeinsam zu kämpfen“. (Sun Yat Sen, Testament, in: Heinrich Herrfahrdt, Sun Yat Sen Der Vater des Neuen China, Drei Türme Verlag Hamburg, 1948,231).

4. a.a.O.,194. So forderte Mao auch, die Volksbildung den Aufgaben der nationalen Verteidigung unterzuordnen. Wie schon Konfuzius sagte: „Ein Volk ohne Erziehung in den Krieg führen, das heißt, es vernichten“. (Lunyu, Buch 16.Zi Lu Teil 13).

5. a.a.O.,241. Schon Georg Forster beobachtete als Mainzer Republikaner, dass sich die bei den Truppen unter der Trikolore Soldaten und Offiziere in Wirtshäusern an einen Tisch setzten. (Vergleiche Georg Forster, Revolutionsbriefe, Brief vom 22. Oktober 1792, Malik Verlag Berlin, 1925,28).

6. a.a.O.,178. Wie die 68er Studenten ein zwei drei viele Vietnams forderten, so forderte schon Mao 1938 in seinen Vorlesungen ein zwei drei viele Madrids. (a.a.O.,243).

7. a.a.O.,241. Tschiang Kai-scheck reagierte erst auf Druck des Volkes zehn Tage (!) nach dem  Zwischenfall an der Marco Polo Brücke auf die japanische Provokation: in der Erklärung von Luschan sprach er sich zwar für einen Volkskrieg von jung und alt aus, betrieb aber eine Politik des passiven Widerstandes gegen die Okkupanten und des aktiven Kampfes gegen die Kommunisten, die eine nationale chinesische Armee aufbauen wollten, die „in Ostasien nicht ihresgleichen“ (Mao tse tung, Die politische Linie, Praktische Maßnahmen und die Perspektiven des Kampfes gegen den Angriff Japans, Ausgewählte Schriften Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,13) hat. Die ganze Atmosphäre in China war militarisiert und Stalin sprach ganz richtig von der chinesischen Besonderheit und dem chinesischen Vorteil, dass in China die bewaffnete Revolution gegen die bewaffnete Konterrevolution kämpft. (J.W. Stalin, Über die Perspektiven der Revolution in China, Werke Band 8, Dietz Verlag Berlin, 1952,324). Im durch und durch militarisierten China aber behält das clausewitzsche maoistische Primat der Politik die Oberhand: „Die Partei kommandiert über das Gewehr“. (Mao tse tung, Der Krieg und die Fragen der Strategie, Ausgewählte Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,280). Das war in dem aufgewühlten Ozean der chinesischen Militärgeschichte der politische, deshalb erfolgreiche  Kurs der Maoisten. Der Aufklärer und Historiker Voltaire ließ die Zivilisation im uralten China beginnen, heute kann man sagen, wer nicht über China geschrieben hat, hat nicht über Weltgeschichte geschrieben.

8. a.aO.,212

9. a.a.O., 139

10. „Der Hauptinhalt unseres Krieges  – zügige Angriffsoperationen operativen und taktischen Maßstabs auf den äußeren Linien im Verlauf eines langdauernden Verteidigungskrieges auf den inneren Linien – erhält seine konkrete Ausprägung in der Form des Bewegungskrieges“. (a.a.O.218f.) Die Guerilla führt zunächst selbständige Kampfhandlungen auf den äußeren Linien durch. Im Laufe der Entwicklung wird sich der Partisanenkrieg zum Bewegungskrieg reguärer Truppen steigern.

11.„Ich wollte zur Wolga kommen, und zwar an einer bestimmten Stelle, an einer bestimmten Stadt. Zufälligerweise trägt sie den Namen von Stalin selber. Aber denken Sie nur nicht, dass ich aus diesem Grund dorthin marschiert bin – sie könnte auch ganz anders heißen -, sondern weil dort ein ganz wichtiger Punkt ist. Dort schneidet man nämlich 30 Millionen Tonnen Verkehr ab, darunter fast 9 Millionen Tonnen Ölverkehr. Dort floss der ganze Weizen aus diesen gewaltigen Gebieten der Ukraine, des Kubangebietes zusammen, um nach Norden transportiert zu werden. Dort ist das Manganerz befördert worden; dort war ein gigantischer Umschlagplatz. Den wollte ich nehmen und – wissen Sie – wir sind bescheiden, wir haben ihn nämlich! Es sind nur noch ein paar ganz kleine Plätzchen da. Nun sagen die anderen: ‚Warum kämpfen sie denn nicht schneller?’ – Weil ich dort kein zweites Verdun haben will.“ (Michalka,W.(Herausgeber): Das Dritte Reich. Band.2. dtv-dokumente. München 1985,78)

12. a.a.O.,172. So schrieb schon die Frau Tschiang Kai Tscheks: „Aus der Asche, mit welcher die Japaner unser Land bedecken, wird sich ein Phönix nationaler Größe aufschwingen…“ (May-Ling Tschiang Kai Tschek: Unser China, Rascher Verlag Zürich, 1942,228).

13. Ernesto Che Guevara, On Guerrilla Warfare, with an Introduction by Major Harries-Clichy Peterson (Frederick A. Praeger, New York) 1961,9. Siehe dazu: Carl Schmitt, Theorie des Partisanen, Zwischenbemerkungen zum Begriff des Politischen, Duncker & Humblot Verlag Berlin, 2006,23. Carl Schmitt geht fehl, wenn er auch der maoistischen Guerilla einen tellurischen (die Erde betreffenden) Charakter unterstellt. Diese wurde primär in einem weltrevolutionären Sinn mobilisiert, nicht in einem national chinesischen bzw. lokalen Sinne, wie das für die von erzkatholischen Pfaffen gegen Napoleon aufgehetzte analphabetische Bauernguerilla in Spanien galt oder für den Tiroler Provinztrottel Andreas Hofer und seiner hinterhältigen Hinterwaldguerilla zutraf. Einen provinziellen Charakter hätte man dem spezifisch chinesischen Warlordismus zusprechen können, aber diese Warlords entwickleten keine Guerilla – sie waren Armeefetischisten. Ausdrücklich warnt Mao vor einem Lokalpatriotismus der Guerilla. (Siehe: Mao tse tung, Fragen der Strategie des Partisanenkrieges gegen die japanischen Eindringlinge, Ausgewählte Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1957,127).

Heinz Ahlreip, 13. Mai 2012

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