Archive for August 2012

Die Ausnahme von der Regel Über abweichendes Denken

25. August 2012

Dass Philosophie in der Ausnahme von der Regel, im normabweichenden Denken gründet, thematisierte bereits der antike Philosoph Heraklit: „Sie sind wie taub: hören, aber verstehen nicht. Der Spruch bezeugt´s ihnen: Anwesende sind abwesend“. 1. Umgekehrt wäre zu interpretieren: allein die abwesenden Philosophen sind anwesend. Die abwesende Mittelmäßigkeit wurde für Sokrates verhängnisvoll, weil er es als Philosoph für seine Pflicht gehalten hatte, gegen die Strömung der Alltäglichkeit zu schwimmen. Als 70jähriger wurde er in Athen wegen atheistischer Dämonie vor Gericht gestellt, wußte sich aber zu verteidigen: er habe seine Mitbürger aus dem ordinären Einerlei auf die zentralen Fragen des Lebens aufmerksam machen wollen: „Ich werde mehr dem Gotte gehorchen als euch, und solange ich noch Atem und Kraft habe, werde ich nicht aufhören, der Wahrheit nachzuforschen und euch zu mahnen und aufzuklären und jedem von euch, mit dem mich der Zufall zusammenführt, in meiner gewohnten Weise ins Gewissen reden: Wie, mein Bruder, um Einsicht, Wahrheit und mögliche Besserung deiner Seele kümmerst du dich nicht und machst dir darüber keine Sorge ?“ 2. Seinen Richtern aber schleuderte er entgegen: Wenn ihr mich hinrichtet, werdet ihr euch selbst größeren Schaden zufügen als mir.

Alles fließt, aber nur die Gegenströmung wirkt befruchtend; Orthodoxes, die durchschnittliche Wahrhaftigkeit zersetzend. Wie fruchtbar das sein kann, zeigt uns der römische Geschichtsschreiber Appian von Alexandrien. Von allen damaligen Historikern erfasste nur er, worum es in den Klassenkämpfen der römischen Republik schließlich ging – „nämlich um das Grundeigentum“3., aus dem diese entquollen.  Es war in der damaligen Zeit eine große intellektuelle Leistung, die Konjunction zwischen Ökonomie und Politik und ihre Wechselwirkung richtig zu erfassen. Der Marxismus revolutionierte die Gesellschaftswissenschaften und entwarf ein ganz neues Weltbild, in dem die Volksmassen Geschichte  schreiben, er ist nicht aus dem Nichts entstanden, denn in der gesamten Geschichte ergeben sich ihm verwandte Vorreflexe. Zu einem großen Tabubrecher in der Geschichte der Philosophie gehört ohne Zweifel Rene Descartes, mag er selbst sich auch nicht als ein solcher gesehen oder ausgegeben haben. Er stellte das denkende Ich, damit den Menschen als schicksalsunabhängiges Subjekt in den Mittelpunkt seines Denkens, konkreter: seines Denkens des Denkens. Die Sinne lassen die Sonne kleiner als die Erde erscheinen, nur durch das Denken wird die Wirklichkeit wahre Wirklichkeit.  Im denkenden Menschen ist nun der Grund von allem und Nietzsche hatte so Unrecht nicht, als er im Cartesianismus ein „Attentat auf das Christentum sah“. Alles bisher in der Geschichte der Philosophie Geleistete, alle erarbeitete Objektivität wurde verworfen – ein neuer Grundstein sollte gelegt werden: Zweifeln sei eine unbezweifelbare Denkoperation, die elementar philosophisch sei. Am „Ich denke“ sei nicht zu zweifeln, also muss es der Grundstein sein. Je intensiver der Philosoph zweifelt, desto intensiver ist er denkend. Dabei ist es unerheblich, dass im Alltag die Menschen denken ohne je philosophisch zu zweifeln, ohne dass ihnen in ihrem ganzen Leben der cartesianische Schlüsselsatz „Cogito ergo sum“ je präsent ist, je ihr Denken begleitet. Bereits in seinem  radikalen Zweifel kündigte sich theoretisch die für die Neuzeit charakteristische Kette rasch aufeinander folgender Erschütterungen gesellschaftlicher Verhältnisse an, die im Banne der technisch industriellen Revolution 4. zu einer ständigen – wie Marx es im „Elend der Philosophie“ formulierte – „Vernichtung sozialer Systeme“ 5. führt. (Die Sorbonne lehnte die Meditationen als Dissertation ab). Mit seinem Zweifel wollte Descartes alle Vorurteile, die die Philosophie verwässern konnten, ausräumen – und hat damit der Aufklärung eine  ihrer wichtigsten Fragestellungen gegeben: was ist ein auf Vernunft begründetes Urteil ? – Was Vorurteil ? Um ein schicksalsunabhängiges Ich ging es auch Spinoza, er ordnete das Verhältnis des Menschen zur Bibel neu. Diese wurde eingereiht als Buch unter Büchern, von Menschenhand geschrieben, sie verlor durch ihn ihren Status als Buch der Bücher, verlor ihren Fetischcharakter.  Der Denker, der schrieb, dass der Mensch durch sich selbst sei  und dass der Staat ihn weder als Tier noch als Automaten behandeln darf, war seines Lebens nicht mehr sicher (es gab einen Mordanschlag gegen ihn), 1655 durch die Synagoge anathematisiert. „Möge Gott ihm niemals verzeihen…Wir verordnen, dass… niemand eine von ihm verfasste oder geschriebene Schrift lese“. Ein Verleger, der sein „Politisch Theologisches Traktak“ drucken ließ, wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Es wäre das Werk eines abtrünnigen Juden „zusammen mit dem Teufel in der Hölle geschmiedet“. Noch Hamann nannte Spinoza einen Straßenräuber und Mörder der gesunden Vernunft und Wissenschaft. Aber Spinoza wußte und sagte es zu Freunden: ein Gedanke bleibt wahr, auch wenn die Vielen ihn nicht anerkennen. Der Philosoph geht durchs Fegefeuer: Segui il tuo corso, e lascia dir le genti ! (Geh Deinen Weg, und laß die Leute reden !).

Der auf Descartes fußende mechanische Materialismus verwandelte im Philosophieren La Mettries den Menschen aus einem Geschöpf Gottes in eine selbsttätige gewissenlose Maschine, ein Tabubruch, der La Mettrie ins Exil schlug. Das Buch „L´homme machine“ war ein Skandal und Diderot wollte „einen in seinen Sitten und Anschauungen so verdorbenen Menschen“ aus der Gemeinde der Philosophen ausgestoßen wissen. Wichtigere Werke La Mettries wurden bis in unserere Tage totgeschwiegen. Im mechanischen Menschenbild  La Mettries spiegelt sich der Klassenkampf der aufstrebenden französischen Bourgeoisie gegen den unproduktiven, in Langeweile dahinsiechenden Feudaladel wider, insofern das autonome bürgerliche Subjekt im Kult seiner Person alles aus sich selbst heraus bringen wollte, gegen transzendente Übermächte. Als Ergebnis der französischen Revolution bezeichnete Marx die Auflösung der feudalen Gesellschaft in ihren Grund: in den Menschen. „Aber in den Menschen, wie er wirklich ihr Grund war, in den EGOISTISCHEN (kursiv von Marx) Menschen“. 6.Der Kreis, den Descartes mit seinem denkenden Ich eröffnete, hatte sich geschlossen. Marx wird diese Monadologie der bürgerlichen Gesellschaft von geldheckenden Maschinen immer kritisieren, selbst Feuerbach hatte für ihn den Menschen noch nicht als Ensemble der gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse begriffen.

Einer der Inspiratoren der französischen Revolution, Jean Jacques Rousseau, der die Auffassung vertrat, jede Philosophie müsse damit enden, womit Descartes angefangen habe: „ich denke, also bin ich“ 7. , und der mit der negativen Beantwortung der Preisfrage der Akademie von Dijon: ob Wissenschaften und Künste zur Läuterung der Sitten beigetragen haben, gegen den Strom aufgeklärter Bildung schwamm und den ersten Preis gewann, suchte in seinem staatstheoretischen Hauptwerk „Du contrat social“ nach dem irdischen Glück für seine Mitmenschen, die aber sein Buch verbrannten und ihn stigmatisierten. Im letzten Brief an Malesherbes, den Präsidenten der Zensurbehörde, teilte Rousseau mit, dass ihm die Gesellschaft zum Ekel geworden sei. Endlich, als Außenseiter, als Ausgestoßener, fühlte er sich wohl und stellte auf einem seiner letzten Spaziergänge die Frage: „Bin denn ich allein weise auf der Welt ?“ Das Abfassen seiner Schriften war Zeitvergeudung gewesen, denn das Lesepublikum erwies sich als unfähig, seine Wahrheiten zu hören. 8. Diese extreme Position ist  in der Geschichte der neuzeitlichen Philosophie gewichtiger um nur als subjektive Schrulle eines Außenseiters abgetan zu werden. (Das sei im weiteren zu zeigen). Vor allem aber war es bei Rousseau ja ein Erweckungserlebnis, das in seiner Vehemenz seinesgleichen sucht und das ihn überhaupt erst Philosoph werden ließ. Er publizierte spät, erst als fast 40jähriger 9., leugnete auch mehrmals, überhaupt Philosoph zu sein. Beim Lesen der Preisfrage der Akademie zu Dijon wurde er PLÖTZLICH (kursiv von Heinz Ahlreip) wie von tausend Lichtern geblendet, sah ein anderes Universum und wurde ein anderer Mensch. In dieser „Fieberphantasie“ war ihm alles klar, seine aus ihr folgenden philosophischen Schriften konnten nur noch ein matter Abglanz dieser Vision sein, dieser paradiesischen Vision, dass der Mensch von Natur aus gut ist und dass es nur die Institutionen sind, die ihn verderben.  Sprache reichte nicht aus, das Erweckungserlebnis in seiner ganzen Tiefe und Intensität auszudrücken. Es ist kaum bewußt, dass die prosaische geldbornierte bürgerliche Gesellschaft in ihrer theoretischen Grundlegung auf eine Erweckungsphantasie  zurückgeht, die vierzig Jahre vor Ausbruch der Revolution ihren Theoretiker aus der Bahn warf. 10. Eine Gesellschaft, in der statt Menschen über Menschen die Prinzipien „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ herrschen wäre eine institutionenfreie.

Diesem Impuls folgten auch drei junge Studenten im Tübinger Stift: Hegel, Hölderlin und Schelling forderten das Aufhören des Staates, da er Menschen wie mechanisches Räderwerk behandeln muss. Und das soll er nicht. Alle drei werden sich in ihrem weiteren Lebensverlauf als äußerst widersprüchlich erweisen: Hegel wandelte sich von einem Rousseaubesessenen  zum rechtsphilosophischen Rechtfertiger der preußischen Ständemonarchie und wurde im Gegensatz zu Feuerbach, Ruge und Marx Philosophieprofessor. Während im Stift alle schliefen, notierte der junge Hegel kurz vor Mitternacht vor Rousseaus Geburtstag in sein Tagebuch: Weiß denn niemand, was morgen für ein Tag ist ? Selbst Hölderlin schläft. Hölderlin wurde wahnsinnig, Schelling obskurant. Wenn für Hegel ein Wesenszug der Philosophie darin bestand, ihre Zeit in Gedanken zu fassen, so wäre es doch völlig verfehlt, seine Philosophie als eine Art Durchschnittsmittelpunkt der Gegenwartswiedergabe zu deuten; seine Logik enthält vielmehr selbstredend die Gedanken Gottes vor der Schöpfung der Welt und eines endlichen Wesens. Nichts Geringeres wird behauptet, als dass Gott erst durch die Hegelsche Philosophie aus seiner bisherigen quälenden Unwissenheit über sein wahres Wesen erlöst wird. Das ist dem gewöhnlichen Bewußtsein im Vergleich zum philosophischen in der Regel zu hoch, beide begegenen sich (für Hegel zunächst) als das Verkehrte der Wahrheit, die final  über die Kunst, die das Absolue anschaut, über die Religion, die es vorstellt, und über die Philosophie, die es schließlich begreift, im absoluten Wissen, das Gott als Nichtphilosoph noch nicht hatte,  stimmig ist. Erst Feuerbach verscheuchte diese trunkene christliche Triospekulation und stellte ganz nüchtern fest: es hat eine Natur VOR der vermeintlich absoluten Philosophie gegeben. Mit Hegel erreicht die Philosophie ihre höchste Dignität – und ihren Untergang, den sie als absoluten Idealismus vollzog. Es gibt eine Natur vor ihr, die Umkehrung ist eben Idealismus, der immer, so oder so, aufs Pfaffentum hinausläuft. Aus Feuerbachs Nüchternheit resultiert aber zugleich seine philosophische Armut, philosophiegeschichtlich war er das Mittelglied zwischen den Riesen Hegel und Marx, seine Zerstörung des Hegelschen  und jeglichen Idealismus deutet Lenin immerhin als eine Denkleistung von weltgeschichtlicher Bedeutung. 11. Der Grundirrtum Feuerbachs bestand kurz darin, sich als materialistischer Philosoph begriffen zu haben, nicht als Materialist. Er wollte die Dignität der Philosophie aufrechterhalten. Damit hatte er sich jeglichen Durchbruch zum dialektischen und historischen Materialismus verbaut. In den Feuerbachthesen und in der „Deutschen Ideologie“, insbesondere im Feuerbachkapitel, entstand eine völlig neue Weltanschauung, die allem Bisherigen direkt entgegengesetzt war. Und diese Weltanschauung wurde durch Lenins Imperialismusanalyse und durch seinen Empiriokritizismus höherentwickelt.

Marx, dessen Lebensmaxime in gutcartesianischer Tradition lautete: „An allem ist zu zweifeln“, begriff seine Dialektik als der Hegelschen direkt entgegengesetzt und wenn er in einem der essentiellen Kapitel des Kapitals, im Kapitel über den Fetischcharakter der Ware darlegt, dass die Menschen im Austausch ihre verschiedenen Produkte als Werte gleichsetzen, aber nicht wissen, dass sie ihre besonderen Arbeiten als menschliche Arbeit gleichsetzen („Sie wissen das nicht, aber sie tun es“. 12.), so kann dieser Satz nur von einem Theoretiker stammen, in dessen Selbstverständnis der Verblendungszusammenhang durch den Fetischcharakter der Ware durch seine materialistische Dialektik völlig transzendiert worden ist.  Engels weiß zu berichten, dass Marx und er wohl so ziemlich die einzigen waren,, „die…die bewußte Dialektik in die materialistische Auffassung der Natur hinübergerettet hatten. (Aus der Zerschlagung des Idealismus, einschließlich des Hegelinanertums“). 13. In diesen Äußerungen von Engels deutet sich ein zentrales Problem des Marxismus an, das Verhältnis der Massen, die anwesend abwesend sind, zu einer kleinen Avantgarde, die den wissenschftlichen Sozialismus monopolisiert. Es ist sowieso immer nur eine Minderheit der Arbeiterklasse, die politisch tätig ist und das primär nicht einmal auf dem Boden des wissenschaftlichen Sozialismus. Den modernen Lohnsklaven steht nicht der Sinn nach Politik. 14. Marx hat seine avantgardistische Ausnahmestellung in London, in der zentralen Metropole des kapitalistischen Klassenfeindes, bitter bezahlen müssen, einige seiner Kinder starben infolge der ärmlichen Verhältnisse, so auch sein begabtestes Kind Edgar, der das Werk des Vaters eventuell hätte fortsetzen können. 15. Engels war es, der dem zweiten und dritten Band des Kapitals die Druckreife gab. Marx wurde vom Mainstream grausam bestraft – durch Nichtanerkennung. Was aber ein Urteil der zeitgenössischen Intelligentsia wert ist, wird deutlich durch den Maler van Gogh. Er, der sich nach einem Bordellbesuch ein Ohr abschnitt, verkaufte zeitlebens nur ein Bild, erhielt nur eine Anerkennung. Die zeitgenössische Intelligentsia war anwesend abwesend. Genies werden durch Generationen anerkannt, die nach ihnen kommen. Heute befolgen Millionen Menschen auf allen Kontinenten die Lehre von Karl Marx, an seinem Begräbnis waren sechszehn Personen zu zählen. Das sind die wahrhaft großen Geister, die in den Wüsten aus  perversen,  sauberen und frisierten, deobesprühten Alltagsmenschen, die sich um Äußerlichkeiten und um die  Vorurteilen ihrer Mitmenschen , nicht um ihre Seele kümmern, Oasen gründen, in denen die Sklaven Kräfte zum Sturmangriff gegen ihre Sklavenhalter sammeln können. Menschen, die sich von ihren Mitmenschen beirren lassen, sind nicht genial. Eine wahre Freiheitsgöttin ist sehr erbittert auf alle Leute, die weiße Wäsche tragen (Heinrich Heine).

Bisher behandelten wir die progressive Entwicklungslinie subversiver Philosophie gegen überholte Klassenherrschaft und Klassenvorurteile. Die Geschichte wäre wesentlichen transparenter, verliefen ihre mitunter phantastischen Zickzackbewegungen nur auf der Seite der Entwicklung ihrer progressiven Kräfte, aber diese finden sich auch auf der Gegenseite. Wenn Nietzsche in der Dekadenzphase der bürgerlichen Philosophie der Menschheit das ungeheuerste Gesetz diktieren wollte, das ihr jemals diktiert worden ist (die ständige Wiederkehr des Gleichen – ein falsches Abbild der sich ewig bewegenden Materie, wie es falscher nicht sein kann), so war das mehr als nur die hohle Phrase eines größenwahnsinnigen  Ausnahmedenkers, realgeschichtlich erwies sich das zwanzigste Jahrhundert im Lager der bürgerlichen Reaktion als ein Jahrhundert ungeheuerlichster Diktatoren. Insbesondere müssen wir auf einen Mann hinweisen, der zeitweise in einem Münchener Obdachlosenasyl hauste und dessen ganzes Hab und Gut in einem Schuhkarton Platz fand und der noch im Untergang ohne Aussicht im Bunker unter der Reichskanzelei die höchste Generalität zurechtwies: „Wer sind sie, dass sie es wagen, sich meinen Befehlen zu widersetzen. Sie nennen sich Generale, nur weil sie jahrelang auf Militärakademien zugbracht haben, um zu lernen, wie man Messer und Gabel hält, während ich, ganz allein auf mich gestellt, ganz Europa erobert habe“ – „Während ich, ganz allein auf mich gestellt, ganz Europa erobert habe“. In diesem Satz ist die Frage Rousseaus: Bin denn ich allein weise auf der Welt ? in ihr reaktionäres Kolorit getaucht. In einer Rede im Münchener Bürgerbräukeller stellte sich Hitler als einen Politiker dar, dem das deutsche Bürgertum niemals eine Chance gegeben hatte, er hatte in seinen Augen gegen alle Wahrscheinlichkeiten gekämpft, hatte keine Zeitung, kein Aktienpaket hinter sich gehabt – ja das Bürgertum mußte ihn zu Recht für einen Wahnsinnigen halten. Gerade weil er mittellos, an nichts gekettet, ungebunden war, ebnete sich ihm der Weg zur Macht, auf dessen Wendungen er, der immer vabanque spielte, eingestellt war. Durch sein Vabanquespielen haben seine Grübeleien vor dem Portrait Friedrichs des Großen durchaus einen Sinn historischer Parallelität: war es nicht der Philosoph von Sanssouci, der vor der Schlacht von Leuthen seinen Generalen eröffnete: Morgen werde ich GEGEN ALLE REGELN DER KRIEGSKUNST einen mächtigeren Feind angreifen. Diejenigen Generale, die gehen wollen, können gehen, ich sehe es ihnen nicht nach, diejenigen aber die bleiben, sage ich nur, entweder wir sehen uns morgen Abend wieder oder überhaupt nicht mehr.

Im proletarischen Lager mußte der Marxismus bis 1917 warten, um als Leninismus in die sozialrevolutionäre Praxis umgesetzt zu werden, weder der Leninismus noch die Oktoberrevolution erwiesen sich dabei als „regelkonform“: die „Aprilthesen“, die der alte materialistische Philosoph Plechanow als Fieberphantasie denunzierte, schlugen der Orthodoxie mitten ins Gesicht und auch Lenin als Theoretiker  nahm im Schlüsselbuch der Revolution eine Ausnahmestellungt in Anspruch: „Man könnte wetten, dass von 10 000 Menschen, die vom „Absterben“ des Staates gelesen oder gehört haben, 9 900 überhaupt nicht wissen oder sich entsinnen, dass Engels seine Schlußfolgerungen aus diesem Satz nicht nur gegen die Anarchisten richtete. Und von den übrigen zehn Menschen wissen neun sicherlich nicht, was der „freie Volksstaat“ ist und warum in dem Angriff auf die Losung ein Angriff auf die Opportunisten steckt. So wird Geschichte geschrieben !“ 16. Diese Passage hat eine Diktion, die man bei Marx und Engels nirgends findet, Lenin hatte es geschafft, die von ihnen herbeigesehnte und für unvermeidbare gehaltene kollektive Kommunerevolution in eine Einmannshow umzuwandeln und den Sozialismus mit Menschen aufzubauen, die die sozialistischen Klassiker nicht verstanden. Das ist keinesfalls eine Überzeichnung, man lese nur die „Geschichte der KPdSU (B), des öfteren taucht dort die Wendung auf: „Was wäre aus unserer Revolution geworden, wenn nicht Lenin…“. Die Oktoberrevolution war die Ausnahme von der Regel. Das wußte auch Lenin. War sie die verhängnisvolle Ausnahme von der Regel oder die, die sie bestätigte ? Immer mehr stellte sich, insbesondere für Trotzki,  das erste heraus, die Sowjetunion blieb in weltrevolutionärer Hinsicht isoliert, eine rasch folgende zügige Welle von revolutionären Durchbrüchen in anderen Ländern, wobei Deutschland für Lenin eine Schlüsselposition einnahm, hätte die Regel bestätigt und die Oktoberrevolution als geglückten Ausnahmeauftakt bewertet. Diese Revolution blieb ein Torso. Vielleicht hatte Lenin die von ihm herausgearbeitete Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung unter imperialistischen Bedingungen in ihrer Starre unterschätzt und so ein schweres Erbe hinterlassen. Zumal er als Erbe von Karl Marx „predigte“, revolutionären Gesellschaftsentwürfe auf Tatsachenmaterial zu begründen. Aber muß nicht bei jedem Revolutionär ein Überschuß des Visionären als revolutionärer Geist vorliegen ? Er hoffte noch kurz vor der Oktoberrevolution auf einen Aufbruch, auf einen Frühling der europäischen Völker. Noch im August 1917 schrieb er, dass die russische Revolution nur verstanden werden könne „…als ein Glied in der Kette der sozialistischen proletarischen Revolutionen, die durch den imperialistischen Krieg hervorgerufen werden“. 17. Ein Jahr später siegt der Realist über den Visionär: eine gleichzeitige Revolution in einer Reihe von Ländern sei eine seltene Ausnahme. 18.

Die Vision einer erlösten Menschheit wurde niemals fallengelassen und konnte es nach ideologischem Anspruch auch nicht. Stalin musste sowohl nationalrevolutionäre als auch weltrevolutionäre Tendenzen, die miteinander verflochten waren,  in sich verkörpern. Im Personenkult wurde der Torso verdrängt und die universelle Vision in ein Individuum zurückprojiziert, das zum Synonym für den Kommunismus schlechthin wurde. Im Personenkult der Stalinära, der die aufgehaltene Revolution verdeckte und zugleich bestätigte, war für die Massen NUR EINER (kursiv von Heinz Ahlreip) weise auf der Welt. Er, der sich als Vertreter des dynamischen Marxismus gegen den orthodoxen begriff,  wurde als der „Lenin seiner Zeit“ massenhaft bejubelt. Das heraklitische Motiv, dass die Menschen in der Regel anwesend abwesend sind, das, wie wir gesehen haben, von Hegel und Marx durchgehalten wurde, findet sich auch in Stalins „philosophischen“ Fundamentalwerk; „Über dialektischen und historischen Materialismus“, das den Leninismus auf eine höhere Stufe hob. Zum Schluß dieser Studie wird herausgehoben, dass in allen vier nichtsozialistischen Grundtypen von Produktionsverhältnissen (Urgemeinschaft, Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus) die Menschen in ihrem Alltagseinerlei (siehe Sokrates) nicht verstehen (siehe Heraklit und Nietzsche, für den Heraklit nie veraltete), zu welchen Resultaten die Verbesserungen der Produktionsinstrumente führen. Die stereotype Formel bei Stalin lautet: „…wußten sie natürlich nicht und machten sich keine Gedanken darüber, zu welchen GESELLSCHAFTLICHEN (kursiv von Josef Stalin) Resultaten diese Neuerung führen werde…“ Auch auf Grund der bei Stalin häufiger auftretenden stereotypen Formeln in seinem Schrifttum und in seinen Reden hat man ihm eine Monotonisierung, ja Verflachung der marxistischen Theorie vorgeworfen. Ich glaube nicht, dass man diesen Vorwurf aufrechterhalten kann: Der genialische Reflex gegen das Orthodoxe blitzt in der Tat in seinem Werk auf: anläßlich der Diskussion: Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion allein oder trotzkistische internationale Revolution, die die Opposition favorisierte und die sich auf Friedrich Engels berufen konnte, der 1847 in den „Grundsätzen des Kommunismus“ geschrieben hatte, dass es keinen Aufbau des Sozialismus in einem Land geben könne, ein Theorem, das auch im Kommunistischen Manifest zu lesen steht, war Stalin so zu vernehmen: „Engels würde sich, wenn er noch lebte, nicht an die alte Formel klammern, sondern er würde im Gegenteil unsere Revolution aus vollem Herzen begrüßen und sagen: „Zum Teufel mit allen alten Formeln, es lebe die siegreiche Revolution in der UdSSR“. 19. Damit entspricht er dem Geniebegriff der Klassik, den der englische Dichter Edward Young geprägt hatte: „Regeln sind wie Krücken, eine notwendige Hilfe für den Lahmen, aber ein Hindernis für den Gesunden. Ein Homer wirft sie von sich“. 20. Ohne Ausnahme von der Regel gäbe es nichts Genialisches.

1. Heraklit, Fragmente, Artemis & Winkler Verlag, Zürich und München 2007,15

 2. Karl Jaspers, Die massgebenden Menschen, Piper Verlag, München und Zürich, 1984,89. Zu der vieldiskutierten Frage, ob ein Justizmord vorliegt oder ob  Sokrates, weil er  eine Fluchtmöglichkeit ausschlug, einen  Justizselbstmord beging, äußert sich Jaspers wie folgt: „Solche Auffassung, die statt des Mörders den Ermordeten für schuldig erklärt, verkennt, dass Sokrates die göttliche Berufung zum Wirken für die Wahrhaftigkeit nicht in einer gehörigen Anpassung an die durchschnittliche Wahrhaftigkeit verloren gehen ließ. Er war ein echter Märtyrer…“ (a.a.O.,90).

3. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,302

4. „Die Philosophen wurden aber in dieser langen Periode von Descartes bis Hegel und von Hobbes bis Feuerbach keineswegs, wie sie glaubten, allein durch die Kraft des reinen Gedankens vorangetrieben. Im Gegenteil. Was sie in Wahrheit vorantrieb, das war namentlich der gewaltige und immer schneller voranstürmende  Fortschritt der Naturwissenschaft und der Industrie“. (a.a.O.,277).

5. Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Moskau 1939,72

6. Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,369

7. Vergleiche Rousseau an Elisabeth-Sophie d´Houdetot, in: Jean Jacques Rousseau, Ich sah eine andere Welt, Philosophische Briefe, Carl Hanser Verlag München 2012,55

8. a.a.O.,32

9. „Bis ich vierzig war, war ich klug, mit vierzig griff ish zur Feder, und ehe ich fünfzig bin, lege ich sie nieder und verfluche an jedem Tag meines Lebens jenen Tag, als mein törichter Stolz mich zur Feder greifen ließ und ich sah, wie sich mein Glück, meine Ruhe, meine Gesundheit in Rauch auflösten, ohne daß ich hoffen durfte, sie je wieder zu erlangen“. (rousseau an Dom Deschamps, in: Jean Jacques Rousseau, Ich sah eine andere Welt, Philosophische Briefe, Carl Hanser Verlag München 2012,101).

10. Rousseau wollte immer ein Bauer in der französischen Provinz werden.

11. Vergleiche Lenin, Karl Marx, in: Lenin, Marx Engels Marxismus, Grundsätzliches aus Schriften und Reden, Dietz Verlag Berlin 1967,10

12. Karl Marx, Das Kapital, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1972,88

13. Lenin, Karl Marx, in: Lenin, Marx Engels Marxismus, Grundsätzliches aus Schriften und Reden, Dietz Verlag Berlin 1967,14

14. Lenin bezieht sich bei der Thematik der apolitischen Arbeiterklasse auf Deutschland: „Wie groß ist nun dieser höchste in der kapitalistischen Gesellschaft je beobachtete Teil der politisch bewußten und aktiven Lohnsklaven ? Eine Millionen Mitglieder der sozialdemokratischen Partei – von fünfzehn Millionen Lohnarbeitern ! Drei Millionen gewerkschaftlich Organisierte – von fünfzehn Millionen !“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,474). Die Faszination der marxistischen Arbeiterbewegung besteht auch darin, eine Minderheit in der Minderheit zu sein.

15. Seine drei Töchter verheirateten sich mit englischen und französischen Sozialisten: Eleanor Aveling, Laura Lafargue, Jenny Longuet.

16. Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin,1960,410. Immer wieder kommt diese Ausnahmestellung durch: „Denn nehmt ihr mir das Leben, so werdet ihr nicht leicht einen anderen dieser Art finden, der, mag es euch auch lächerlich klingen, der Stadt geradezu als Zuchtmittel von der Gottheit beigegeben ist…“, so Sokrates vor Gericht. (Vergleiche Karl Jaspers, Massgebende Menschen, Piper Verlag München Zürich, 1984,90), Rousseau weise im gesellschaftlichen Abseits, Hegel denkt Gott zu Ende, Marx steht außerhalb des Verblendungszusammenhanges des den Waren anklebenden Fetisches, Lenin versteht als einziger von 10 000 Menschen Friedrich Engels in der Frage des Staates. Fehlt nur noch der Dominikanermönch Girolama Savonarola, der in Florenz in seinen antipapistischen Predigten von seiner persönlichen Unterredung mit Gott zu berichten wußte.

17. Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,396

18. Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959,252

10. Josef Stalin, Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, Werke Band 8, Dietz Verlag Berlin, 1952,271

20. H.A. und E. Frenzel, Daten deutscher Dichtung, dtv, 1969, Band II,202f.

Heinz Ahlreip

Die Commonwealth War Graves Commission auf den Spuren von Adolf Hitler und Dr. Joseph Goebbels

19. August 2012

Historisch dokumentiert sind die Monologe, die Adolf Hitler in seinen letzten Tagen im Führerbunker unter der Berliner Reichskanzelei hielt und bei denen er von Dr. Joseph Goebbels sekundiert wurde. (Siehe you tube: hitler himmler). Einer dieser Monologe hatte das Thema: „Die sogenannte Menschlichkeit“ zum Gegenstand, die für Hitler „ein Geschwätz der Schweinepfaffen“ war („This so-called humanity is just priest´s drivel“) und Dr. Goebbels ergänzte: „Das Starke kann sich nur dadurch erhalten, dass das Schwache ausgemerzt wird“. („The strogness can only be victorious by eradicating the weak“). Soweit der Stand zum Thema „Humanismus“ aus faschistischer Sicht.

Ohne Zweifel hatte der deutsche Faschismus den Zweiten Weltkrieg durch den getarnten Überfall auf den Soldatensender Gleiwitz (Deckname Zitadelle) provoziert. Allein – wer heute den Schwerpunkt nur auf die Seite der Auslösung eines Krieges legt, versperrt sich in der Regel den Zugang zu seinem Charakter. Der Aggressor macht den Krieg gegen ihn nicht automatisch zu einem defensiven Befreiungskrieg. Man darf auf keinen Fall das, was für die Epoche der nationalen Kriege zwischen den europäischen Großmächten galt, auf das Zwanzigste Jahrhundert übertragen. Lenin stellte schon im Januar 1916 fest, dass die Epoche der nationalen Kriege zwischen den europäischen Großmächten „durch die Epoche der imperialistischen Kriege zwischen denselben ersetzt“ (Lenin, Der Opportunismus und der Zusammenbruch der II. Internationale, in: Lenin, Ausgewählte Werke Band I, Verlag für fremdsprachige Literatur Moskau 1946,757) worden ist. Schon der erste Weltkrieg konnte nur als imperialistischer Krieg mit durchgängig reaktionärem Grundzug auf beiden Seiten gedeutet werden. (Raub fremder Länder, Erdrosselung kleiner Völker, Errichtung der Finanzherrschaft über die Welt, Kolonialismus, Rettung des Kapitalismus vor dem sich konzentrierenden Proletariat durch seine Entzweiung. Vergleiche Lenin, Briefe aus der Ferne, in: Lenin, Ausgewählte Werke Band I, Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau 1946,889 ).  Sehr oft hatte Lenin die internationale Arbeiterbewegung darauf hingewiesen, dass in der Epoche der imperialistischen Kriege die Frage, wer den Krieg angefangen habe, sekundär ist, sondern vielmehr: welche Klasse oder welche Klassen führen ihn zu welchem Zweck, welchen sozialen Inhalt hat der Krieg, der sich lange vor seinem Ausbruch angebahnt hat ? – Und für die imperialistischen Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkrieges gilt: „Es kämpfen miteinander große Haifische, um fremde „Vaterländer“ zu verschlingen“ (a. a. O.,756). Ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass alle imperialistischen Großmächte der westlichen Welt im Zweiten Weltkrieg  reaktionäre Kriege führten, Haifische wie das faschistische Deutschland waren, kann zum Beispiel eine so interessante historische Erscheinung wie der deutsch sowjetische Nichtangriffspakt weder verstanden  noch welthistorisch eingeschätzt werden.

Im Hintergrund dieses Vertrages steht die imperialistische Politik Englands, Frankreichs und der USA, deren Kapitalisten, wie Mao sagt, „von einem Berge aus den Kampf der Tiger“ (Mao Tse tung, Die Einheit der Interessen der Sowjetunion und der gesamten Menschheit, in: Mao Tse tung, Ausgewählte Schriften Band 3, Dietz Verlag Berlin 1956,51) beobachten wollten. Unter dem Banner der Nichteinmischung ließen sie den deutschen Faschismus aufblühen, ließen ihm freie Hand in Spanien, opferten ihm Österreich und die Tschechei, damit er als europäischer Wirtschaftsgroßraum den Kampf auf Leben und Tod gegen die verhasste Sowjetunion aufnehmen konnte. Nach gegenseitiger Ausblutung der gigantischen Tiger wollte man fette Beute auf dem europäischen Kontinent machen. Der Nichtangriffspakt zwischen den Tigern durchkreuzte zunächst diese kriegsimperialistische Politik. Das Kapital der imperialistischen Großmächte hatte ein elementares Interesse, einen Weltkrieg auf dem europäischen Kontinent zu entfesseln. „Wie viele Menschen in der Welt wurden durch die süßen Reden Chamberlains & Co getäuscht, ohne zu begreifen, wie gefährlich deren Lächeln ist, hinter dem sich das Messer versteckt, ohne zu wissen, daß die Sowjetunion den Nichtangriffspakt mit Deutschland erst abschloß, als Chamberlain und Daladier die Vorschläge der UdSSR abgelehnt und beschlossen hatten, den imperialistischen Krieg zu entfesseln“ (a.a.O.,52). Entscheidend ist eben nicht, wer den Krieg angefangen hat. Als dieser für die englischen, französischen und us-amerikanischen Imperialisten begann, ungünstig zu verlaufen. als die Rote Armee immer näher auf Berlin vorrückte, beeilten sich auf einmal die westlichen Kriegsverbrecher, eine „Zweite Front“ im Westen zu eröffnen, die sie bisher so beharrlich verweigert hatten. Sie waren nun durch den Zusammenbruch der Wehrmacht an der Ostfront gezwungen, von ihrem Berg herunterzusteigen. Alle imperialistischen Großmächte haben heute die Archive des Zweiten Weltkrieges für die internationale Forschung geöffnet: mit einer Ausnahme: England ! Man fragt sich warum ? Vieles deutet darauf hin, dass die englischen Imperialisten am meisten Dreck am Stecken haben.“Ich werde den Engländern ein schönes Sündenregister zusammenstellen, ich klage die englische Bourgeoisie vor aller Welt des Mordes, des Raubes und aller übrigen Verbrechen in Masse an…“ (Friedrich Engels in einem Brief an Karl Marx vom 19. November 1844, in Werke Band 27, Dietz Verlag Berlin, 1960,10). Und Marx bezeichnete drei Jahre später England als den „Despoten des Weltmarktes“, der die Bourgeoisklassen der verschiedenen europäischen Nationen kommerziell unterjocht“. (Vergleiche Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, in: Ausgewählte Werke, Moskau 1975,73). Lenin sprach von einer spezifisch englischen Raffiniertheit, von einer „Raffiniertheit in ihrer widerwärtigen Heuchelei“ . (Lenin, Brief an die amerikanischen Arbeiter, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin, 1957,203).

Auf dem Englischen Kriegsfriedhof in Hannover, auf dem 2 561 gefallene Sodaten und Soldatinnen des Commonwealth ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, soll ein über 60jähriger Friedhofsgärtner, der 23 Jahre lang deren Gräber gepflegt hat, wegen Krankheit gekündigt werden. Seine Krankheiten wurden verursacht durch einen Chemieunfall, an dem er keine Schuld trug, sondern sein Vorgesetzter , der überflüssigerweise trotz richtiger Vorausberechnung von nur noch benötigten 40 Litern 160 Liter Reinigungsflüssigkeit auf chemischer Basis (für die Säuberung von Grabsteinen) zuviel angerichtet hatte, die dann auf engem, teilweise überwölbten, nach drei Seiten verschlossenen Raum sinnlos vergeudet werden mussten, wobei eben die Chemievergiftung erfolgte, die zu Durchblutungsstörungen im Gehirn führten. Nun soll das Opfer der fahrlässigen Fehlkalkulation entlassen werden. „Die sogenannte Menschlichkeit ist ein Geschwätz der Schweinepfaffen“. Außerdem ist ein durch jahrzehntelange Arbeit auf dem Kriegsfriedhof bedingter Bandscheibenvorfall bei dem über 60jährigen anhängig. Statt sich aber um eine „Betriebliche Eingliederungsmaßnahme“ zu bemühen, die das Gesetz vorsieht und dem Opfer einen adäquaten Arbeitsplatz zu suchen, zieht man den einfachen Weg der Kündigung vor. „Das Starke kann sich nur dadurch erhalten, dass das Schwache ausgemerzt wird“. Die Commonwealth War Graves Commission (zuständig für die weltweite Pflege von Commonwealth Kriegsgräbern) hat angekündigt, rechtsanwaltlichen Beistand zu bemühen, um das Schwache auszumerzen. Rechtsanwälte gibt es zu Hauf, die mit den Gesetzbüchern des Arbeitsrechts unter dem Arm ankommen. In diesen ist ganz genau ausgeklügelt, wie der Kapitalist dem Proleten das Fell über die Ohren ziehen kann, wie er soadann blugesaugt werden und sodann wegen Blutarmut gekündigt werden kann. „Da ist alles durchdacht und niedergeschrieben, wie der Arme „auszupressen“ ist. Da gibt es Tausende  bürgerliche Advokaten und Beamte…die die Gesetze so auszulegen verstehen, dass es dem Arbeiter und dem Durchschnittsbauern  niemals gelingt, durch die Fußangeln dieser Gesetze hindurchzukommen.“ (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959,274).

Vor der Arbeiterklasse und den Millionen Kleinbauern steht die welthistorische Aufgabe, das kapitalistische Wirtschaftssystem, in dem das Starke das Schwache ausmerzt, in dem der Ankauf der Ware Arbeitskraft, die einzige Ware, deren Konsum Wertschöpfung ist,  ein Glück für den Käufer, aber kein formaljuristisches Unrecht gegenüber dem formell freien Verkäufer ist, gewaltsam zu zerschlagen, das mit Euros vollgefressene Bürgertum mit Feuer und Schwert auszurotten und niederzubrennen.

Diese Aufgabe ist nicht leicht, sie ist auch dadurch schwierig, weil die Arbeiterklasse noch nicht als monolithischer Block auftritt. Ein nicht unerheblicher Teil der Arbeiterklasse ist heute von einer durch und durch kleinbürgerlichen Mentalität durchseucht: ich reiße an mich, was ich kann, alles andere ist mir schnuppe. Daraus ergibt sich eine Entsolidarisierungs-  und Entkollektivierungseinstellung, die nur allzu schnell in eine faschistische Grundhaltung des bedingungslosen Gehorsams übergeht. Dieser Teil hat sich gegen die Revolution seiner Klasse entschieden und seine Seele auf ekelhafteste Art den Ausbeutern verschrieben, mit denen sie sich zu fast 100 % gegen ihre eigenen Kollegen identifizieren. Bei diesem soziologischen Typ liegt eine Reifeverzögerung vor, er gibt sich infantil und willensschwach billigster Konsumonanie hin, statt den dornenvollen Weg des Studiums des Marxismus und der proletarischen Revolution zu beschreiten. Dieser verwahrloste Teil der Arbeiterklasse sucht widerlich einschmeichelnd die Nähe der Vorgesetzten, der „Haifische“, der „Tiger“ zwecks kretinhaften Afterleckens für eine Handvoll schäbiger Extraeuros mehr. Bereit zu Spitzeldiensten wollen sie kleine Posten ergattern, um ihre Kollegen endlich schikanieren zu können. Den edelsten Aufgaben der Arbeiterklasse, der Zerstörung des Kapitalismus und dem Aufbau des Sozialismus abhold, stumpfen sie allmählich ab und können  sich auf ihren Grabsteinen den Spruch meißeln lassen: „Hat nur fürs Kapital und für die Statistik gelebt“. Das ist eine Folge des Afterleckens, denn dieses führt zu einer völligen geistigen, intellektuellen, moralischen und kulturellen Degenerierung, so dass diese kleinbürgerlichen Arbeiterverräter vor JEDEM Faschismus, sei es der englische, sei es der deutsche, katzenbuckeln und mit animalischen Hass jeder progressiven Regung der arbeitenden Menschen begegnen, wenn sie ihre Lohnsklavenlage verbessern wollen. So verweigerte die „Kollegin“ K. K. dem Betriebsrat gegenüber eine Streiksolidarität anläßlich einer Kürzung des Geldes für Übernachtungen in Polen mit dem Satz: Hä Hä, der Betriebsratsvorsitzende Philippe  kommt zu spät, ich habe ja unterschrieben, dass ich Übernachtungen mitmachen werde. „Niemand ist schuld daran, daß er als Sklave geboren wurde; aber ein Sklave, dem nicht nur alle Freiheitsbestrebungen fremd sind, sondern der seine Sklaverei noch rechtfertigt und beschönigt… – ein solcher Sklave ist ein Lump und ein Schuft, der ein berechtigtes Gefühl der Empörung, der Verachtung und des Ekels hervorruft“. (Lenin, Über den Nationalstolz der Großrussen, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin, 1956,35). „.

Die Befreiung der Arbeiterklasse vom Joch des Kapitals kann nur gelingen, wenn dieser dumpfegomanischen Arbeiteraristokratie, die die produktive Klasse spaltet und so ihr Sklavenjoch aufrechterhält, bei ganz geringen schäbigen Verbesserungen für sich selbst, die Beine weggeschlagen werden. Denn tief im Inneren der Arbeiterklasse lebt ein gesunder robuster , ständig glühender und intransingenter Kern, der seiner wuchtigen Entfaltung harrt.

TELEKOM der „Service“ einer Weltfirma Ein Antrag auf Gutschrift vom 16.12. 2009

5. August 2012

Wiedergegeben wird hier ein Brief an die Telekom, der auch dieser Firma vorliegen muss und der verdeutlicht, wie diese Firma die Kommunikation mit einem Kunden pflegt:

Antrag auf Gutschrift

Entertainment Anschluß

„Am 3. Dezember 2009 kam ich morgens nicht ins Internet, der TV lief auch nicht und mein Sohn kam auch nicht ins Internet. Um 16 Uhr meldete mein Sohn die Störung mit der Zusage: das Problem wird innerhalb von 24 Stunden gelöst. Am 4. Dezember war das aber nicht der Fall. Ich mußte mich wieder bei der Störungsstelle melden, jetzt hieß es, jemand müsse in meine Wohnung kommen, Termin: 7. Dezember. Es kam aber niemand, stattdessen eine Info auf dem Anrufbeantworter: Der Termin kann nicht wahrgenommen werden. Ich rief wieder bei der Telekom an: jetzt hieß es, es braucht keiner ins Haus kommen, Donnerstag werde das Problem zwischen 9 und 12 Uhr gelöst. Das war aber nicht der Fall, stattdessen wieder eine Info auf dem Anrufbeantworter: es muß nun doch wieder jemand ins Haus kommen. Ich wieder bei der Telekom angerufen: Termin war jetzt Montag 14. Dezember zwischen 9 und 13 Uhr. Ich mußte einen Tag Urlaub nehmen. Am 12. Dezember versuchte mein Sohn ins Internet zu kommen, ich sagte noch: hat keinen Zweck, am Montag kommt jemand von der Telekom – doch siehe da: es funktionierte ! ohne daß wir von der Telekom unterrichtet wurden. Für die Rücknahme des Urlaubstages war es am Samstag natürlich zu spät, ich habe so auch noch einen Urlaubstag verloren.

Beurteilen Sie einmal selbst das Verhalten der Telekom, insbesondere das Nichtmelden der Störungsbeseitigung. Auch wenn man verspricht, ein technisches Problem innerhalb von 24 Stunden zu lösen und es nicht schafft, sollte man eine Info geben.

Ich bitte um Gutschrift bei der monatlichen Grundgebühr.

Mit freundlichen Grüßen….