Musik als kulturelles Problem Die Pop Musik der 60er Jahre Der Tod von Meredith Hunter und Sharon Tate

 EIN MUSIKSOZIOLOGISCHER SPAZIERGANG

Es hatte Jahrtausende der Entwicklung der menschlichen Gesellschaften gebraucht, bis Karl Marx die „Wertform, deren fertige Gestalt die Geldform“ (Karl Marx, Vorrede zur ersten Auflage des Kapitals, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin,1972,11) ist,  ergründete und den Fetischcharakter der Politik entschlüsselte. Politik macht nicht das Erhebliche aus, sondern ist ein von der jeweiligen Ökonomie Abgeleitetes, Sekundäres. Politik behauptete sich, weil die menschliche Arbeit in allen bisherigen ökonomischen Gesellschaftsformationen außer der staatenfreien Urgesellschaft eine entfremdete war, eine Last. Gelänge es auf revolutionären Weg, diese in eine Lust umzukehren dadurch, dass die Produktionsprozesse kollektiv geleitet würden, erübrigte sich Politik, was die Band „Ton, Steine, Scherben“ in der Liedzeile ausdrückte: „Keine Macht für niemanden“. Edgar Broughton stampfte sein „Out, Demons, Out !“ ins Mikrofon. In der Anarchie als absoluter ändert sich nicht nur das Verhältnis der freien Gesellschaftsmitglieder zu den Künsten, sie verhalten sich hier erst wirklich humanistisch. In der kapitalistischen Gesellschaft bezweckt die bürgerliche Ideologie, dass der Prolet auf einem animalischen Horizont beschränkt bleibt: fressen, saufen, beischlafen. Das Menschliche ergibt sich durch Opiate: Musik hören, Alkohol konsumieren und der Synthese aus beidem: der religiöse Fusel. Auf dieses perverse mittelalterliche Niveau will der Kapitalist den Lohnsklaven sehen: ahistorisch und bildungsabstinent. Nur ein ganz geringer Teil der sogenannten Arbeitnehmer nimmt aus Furcht vor dem soganannten Arbeitgeber die jährliche Möglichkeit eines Bildungsurlaubs in Anspruch. ( Der Inhalt dieser Bildung ist prokapitalistisch ausgerichtet  und die Arbeiter müssen ihn kritisch mustern). Dies alles zusammen macht den faschistischen Sumpf aus, der in der spätbürgerlichen Gesellschaft alles Lebendige, alles Kreative, alles was nach dem Licht emanzipativen Wissens strebt,  erstickt. Eine der ersten Beatgruppen der Popmusik der 60er Jahre nannte sich Eric Burdon & The Animals. Auf dem Cover der als „Schlachthausplatte“ bekannt gewordenen LP der Edgar Broughton (Blues) Band ist eine Szene aus einem Schlachthof abgebildet, in der zwischen an Haken aufgehängten Tierteilen auch ein menschlicher Torso zu sehen ist.

Da kein persönliches Abhängigkeitsverhältnis des faschisierten, also sozialdemokratisierten Lohnsklaven zum Lohnherren besteht, kann der Prolet nicht an ihn denken, er soll aber auch nicht morgens mit dem Gedanken des Kommunismus aufwachen und abends mit demselben Gedanken einschlafen. Das Verhältnis der herrschenden Klassen zur Musik wird daher ambivalent: sie wird benötigt zur Domestizierung der Lohnsklaven, ist aber als Opiat auch unberechenbar. Deshalb wollte schon Plato die Musik überwacht wissen: „Vor Neuerungen der Musik muss man sich in acht nehmen, denn dadurch kommt alles in Gefahr. Nirgends wird an den Gesetzen der Musik gerüttelt, ohne dass auch die höchsten Gesetze des Staates ins Wanken geraten…Dort müssen also die Wächter ihr Wachhaus bauen: in der Nähe der Musik. – Ja, Gesetzlosogkeit dringt leicht in die Musik ein, ohne dass man es gewahr wird, – Freilich, sie scheint dort bloß Spiel zu sein und ohne üble Wirkung zu bleiben. – Sie hat ja auch keine andere Wirkung …als dass sie sich allmählich festsetzt und heimlich auf den Charakter und die Fähigkeit überträgt, dann weiter und offener um sich greift und das bürgerliche Leben vergiftet, dann mit großer Frechheit die Gesetze und die Verfassung angreift, bis sie schließlich alles zerstört, das ganze Leben des einzelnen sowohl wie der Gesamtheit“. (Platon, Politeia, zitiert in: Michael Schmidt-Salomon, Die tiefenpsychologische Dimension der Musik oder: Warum es sinnvoll ist, über Geschmack zu streiten, http://www.schmidt-salomon.de/mupo 1.htm) Auch Mohammed, der Prophet des Islam, hatte eine Aversion gegen Sänger, und man muss es nicht negativ anrechnen, dass der Ajatollah Chomeni die westliche Musik aus Persien ganz verbannt wissen wollte. In das durch das Ende des realen Sozialismus entstandene Vakuum drang der militante Islamismus ein, um den Gegenpol gegen alle westlichen säkularen Werte zu bilden. In seiner radikalen Version ergibt sich aus der islamischen Religion zwangsläufig eine nicht nur talibanische Satanisierung der Musik. In Ägypten wurde die 27 jährige Heavy Metal Sängerin Sherine Amr vom Großmufti anathematisiert. Hier hat die Popmusik noch subkulturellen, ja subversiven Charakter, während sie in der westlichen Welt mit dem Massenkonsum im wahrsten Sinne des Wortes kongruent geworden ist. (Zu fragen bleibt allerdings, ob nicht durch die Satanisierung des Dyonisischen durch die Fundamentalreligionen eine Disziplinierung der Neigungen erfolgte, die bleibende kulturelle Werte schuf, obzwar sie zur Volksverdummung dienten). Es geht also um mehr, als dass Filialleiter von Superkonsummärkten Musik berieselnd als geheime Verführerin einsetzen, um Kunden zu animieren, über ihren Einkaufszettel hinaus zu konsumieren. Politiker, die sich für erheblicher halten als ihre Mitbürger, müssen also auf die Musik aufpassen, aber ebenso die kommunistischen Nivellierer. Der bewaffnete Aufstand ist hundert mal schwieriger als ein Krieg zwischen Staaten, auch bei den Leninschen Berufsrevolutionären darf sich Musik nicht heimlich auf den Charakter übertragen. Die Verbannung des Irrationalen bleibt auch im Sozialismus vorerst bestehen, bis im Kommunismus die Arbeit als Lust das bisher Irrationale zum Genuß freigibt und es als Irrationales aufhebt. Es darf sich auf keinen Fall die besudelnde Peinlichkeit wiederholen, die der us-amerikanische Studentenführer und Yippie Jerry Rubin (Sohn eines wohlhabenden Bäckers) von sich gab (als Yippies bezeichneten sich politisch aktive Hippies: Youth International Party, die er zusammen mit Abbie Hoffman gründete): „Die Yippies sind Marxisten. Wir stehen in der revolutionären Tradition von Groucho, Shico, Harpo und Karl. Was die Yippies von Karl Marx, dem berüchtigsten, bärtigen, langhaarigen, hip-kommunistisch-frei-verrückten Agitator der Geschichte, lernen, ist die Tatsache, dass wir einen spektakulären Mythos der Revolution hervorbringen müssen. Karl schrieb und sang sein eigenes Rock-Album mit dem Titel „Kommunistisches Manifest“. Das „Kommunistische Manifest“ ist ein Song, der Regierungen gestürzt hat“. (Siehe: a.a.O.). Wir werden später einem ähnlichen Ideologiemischmasch begegnen. Zu Rubin: einen hip-kommunistischen Umsturz hat Jerry Rubin in den USA nicht zustande gebracht.  Stattdessen präsentierte er 1968 ein Schwein namens Pigasus als Präsidentschaftskandidat für den US-Wahlkampf. Wie gesagt: das Animalische ist in der perversen spätbürgerlichen Gesellschaft fundamental. Dazu passend seine Äußerung, er habe sein Herz an Charles Manson verloren. Nach dem Vietnamkrieg wurde er dann auch schnell Unternehmer, er starb am 28. November 1994 in Los Angeles nach einem schweren Autounfall.

Das Gift „Musik“ ist heute zur unübersichtlichen Weltmusik geworden. Wer über Musik schreibt, zudem über sie als kulturelles Problem, wagt sich im Zeitalter der Explosion der Verfügbarkeit von Musik auf einen wild tobenden Ozean, aus dem nur vier Inseln herausragen: die Musik der französischen Revolution, die aus Anlaß der Pariser Kommune komponierte intentionsintensive Internationale („Wacht auf, Verdammte dieser Erde…), die Musik der russischen Oktoberrevolution, die ein von Stalin protegiertes Aufblühen der Folklore zur Folge hatte – so wurde im Januar 1936 Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth“ kritisiert, ein Artikel in der Prawda  wurde betitelt: „Tohuwabohu statt Musik“ und  dem Komponisten wurde empfohlen, sich auf eine Reise durch das Stalinland zu begeben, um von der Musik des Volkes zu lernen, und viertens die der Großen Chinesischen Kulturrevolution. Alle andere Melodey ist unterhaltsam und seit Rousseau wissen wir, dass die Künste Blumengirlanden um die Ketten der Sklaverei legen. Für Hegel macht die subjektive Innerlichkeit das Prinzip der Musik aus. In der „Pänomenologie des Geistes“ spricht er abwertend von einem musikalischen Denken, das nicht auf den Begriff kommt. Engels drehte den Idealisten um: Nur wo große Menschenmassen, große Volksklassen aufbegehrende Versuche unternehmen, ihre Ketten zu sprengen, kann auch weltgeschichtlich relevante Kultur im emanzipativen Sinn entstehen. „Ah Ca ira Ca ira Ca ira – die Aristokraten an die Laterne“, war ein Lied aus der französichen Revolution mit sehr hohem weltkulturellen Wert.  Nur wenn Musik große gesellschaftliche Bedürfnisse anspricht und entspricht, wird sie epochal. Auf Grund einer sich immer mehr vervollkommnenden Technik korrespondiert heute der jederzeitigen weltweiten Verfügbarkeit über Musik eine sich durch entsprechende Computerprogramme aus sich selbst produzierende Musik. Ihr vielleicht ist vor allen, den Verboten der Islamisten zum Trotz,  die totale Globalisierung gelungen um den Preis, dass Musik kalt konsumiert wird. Das war allerdings auch schon bei der Schallplatte der Fall, sie ohnehin Kopie, Musik in der Konservendose – das Original war im Studio gewesen. Einige Cover von LPs gerieten zu kleinen Kunstwerken, der deutsche Bassist Klaus Voormann von Manfred Mann war ein gefragter Gestalter, bei der LP von Jethro Tull „Stand up“ standen beim Aufklappen des Covers die vier Musiker als Scherenschnitt auf.  Es gibt Stimmen, die behaupten, das Beatles Album „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ sei eine gelungene Synthese aus Kunst und Musik. Wer heute noch ins Konzert geht bekommt eine alte Version, denn das Internet ist schneller, aber für viel Geld kann er Musik noch warm konsumieren. Nur zur Weihnachtszeit unterliegt das Netz. Das alte Medium Fernsehen bringt dann den in seiner Tracht steckenden Ziegenbauer, der mit seiner Klampfe anheimelnd die Echos der Alpen im durch einen Weihnachtsbaum verunstalteten Wohnzimmer imitiert. Brachten im alten Jahrhundert Plattenverkäufe das große Geld, so im neuen Konzerte. Die Stones waren eine der ersten Gruppen, die für diesen Wandel das richtige Gespür hatten. Das Internet, das auch den Abstieg der CD einleitete, bestätigte sie völlig, auf you tube ist vieles zu hören. So ist es nicht verwunderlich, dass es über dreißig Jahre her ist, dass  die Stones mit „Start me up“ in der Singlehitparade vertreten waren. 2012 gibt es die Band fünfzig Jahre, zum Jubiläum geben sie je zwei Konzerte in London und in New York, die billigste Karte ist für 133 Euro zu bekommen. Die besten Plätze gibt es nur im „Vip Hospitality Package“ zusammen mit einem Drei-Gänge-Menü. In London kostet das 1 425 Euro. So stehen sie nun vor uns, diese Musiker, die sich Ende der 60er, als es „in“ war, mit „Street Fighting Man“ bei den Armen anbiederten. Eine soziale Ausrichtung hatte diese Band nie gehabt – die Rolling Stones sind asozial: 2007 gaben sie sich für ein Privatkonzert bei der „Deutschen Bank“ her. Das Primitive fand sich ein. „…die Weltanschauung des praktischen Bedürfnisses (ist) ihrer Natur nach borniert und in wenigen Zügen erschöpft“- (Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,375). In seiner Biographie schrieb Keith Richards den perversen Satz: „Jeder verdient gerne Geld…“, sein Vermögen wird auf cirka 220 Millionen Euro geschätzt. Wie über das Leben der Banker steht auch über seins: „I can´t get no satisfaction. !“ Born under a bad sign. „Jeder Dollar trägt Blutspuren…“ (Lenin, Brief an die amerikanischen Arbeiter vom 20. August 1918, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,202).

Wie Hegel in seiner Philosophie und Hölderlin in seinen Gedichten die französische Revolution feierten, beide hyperbegabte Sprachmusiker, so Beethoven sie in seiner Musik, die aus einem Korrespondenzverhältnis zu 1789 gar nicht zu lösen ist. „Alle Menschen werden Brüder (was die Mode streng geteilt)“ – dieser Satz ist das Leitmotiv sowohl der Revolution als auch der Symphonien Beethovens. Der junge Friedrich Engels war begeistert von der fünften Symphonie Beethovens , „…dieser gewaltige, jugendliche Posaunenwirbel der Freiheit im dritten und vierten Satze“, schrieb er an seine Schwester Marie. Der Posaunenewirbel verhallte unerfüllt in der europäischen Geschichte und damit wurde die Musik Beethovens eine historische, für die Gegenwart fruchtlose. Die aus der Pariser Kommune geborene Internationale betont ausdrücklich den fundamentalen Gegensatz zwischen blutarm gesaugten Armen und an ihnen reichgewordenen Blutsaugern und bleibt daher hochaktuell. Es kann aber nicht überraschen, dass in einer von der bürgerlichen Ideologie manipulierten  Klassengesellschaft sich nicht an der Internationalen, sondern an Beethoven die Richtungen der Klassenmusik der spätbürgerlichen Gesellschaft entzündeten. Als der auf der Bühne manchmal auf einem Bein hüpfende, eine hochfrisierte Version des Chicago Blues darbietende  Gitarrenspieler Chuck Berry sein „Roll over Beethoven“ einer taumelnden Jüngerschar in die Ohren „posaunte“, war damit eine programmatische Weichenstellung vorgenommen worden, die viele Jugendliche aus den unterdrückten Klassen des Kleinbürgertums, der Arbeiter und der Kleinbauern in einen reaktionären Romatizismus und Alkoholismus und damit weg vom Klassenkampf führte, der sowohl für die Konsumenten als auch Produzenten auch tödliche Folgen hatte. Natürlich wurde nur der Drogentod der Popstars publizistisch erwähnt und ausgeschlachtet, wer spricht schon von dem beim Altamontkonzert mit 300 000 Teilnehmern von Hells Angels am 6. Dezember 1969 erdolchten Nigger, wer kennt seinem Namen ?  Er hieß Meredith Hunter und war gerade 18 Jahre alt.  Insgesamt gab es bei diesem Konzert, das als Woodstock-West geplant war, vier Tote und vier Geburten. Aus Anlaß des Todes von Brian Jones, der seine musikalische Karriere unter dem Künstlernamen „Elmo Lewis“ begann,  veranstalteten die Rolling Stones, von denen er sich kurz vor seinem tragischen Ende im Swimmingpool getrennt hatte,ein Selbstmord kann nicht als gesichert gelten,  am 5. Juli 1969 ein Openairkonzert im Londoner Hydepark, das (Toten-) Kultstatus erlangte. Für Jones eisten die Stones den erst zwanzig Jahre alten Mick Taylor von John Mayall´s Bluesbreaker los. Deren Hetman, der Multimillionär Mick Jagger, der von der Bühne des Hydeparks hundert Schmetterlinge aufsteigen ließ. äußerte in einem Interview, dass er die Oktoberrevolution ablehne. Aber die rauhen Stones waren Nachzügler, ein Konstrukt als Alternative zu den smarten Beatles, die 1963 ebenfalls „Roll over Beethoven“ in ihr Repertoire aufgenommen hatten. (Auf der zweiten britischen LP „With the Beatles“, gesungen von George Harrison. Harrison sang als Bandbeatle nur zwei weitere Songs: „Devil in the Heart“ und „Don´t Bother Me“). Sie erst, nicht Chuck Berry,  waren es, die die romantische Rebellion gegen die verspießerte Erwachsenenwelt zum schwer erklärbaren  Höhepunkt brachten. Am 5. Oktober 1962 veröffentlichte das britische Parlophone Label mit der Katalognummer R 4949 „Love Me Do / P.S. I Love You“. Der Funke sprang über. Die Beatlesmania bleibt phänomenal und soziologisch schwer erklärbar, wie die Hitlermania, wie die Kriegsmania 1914 oder wie die Tränen beim Abschied Napoleons 1814 von seiner Alten Garde in Fontainebleau. Die im kleinbürgerlichen und proletarischen Milieu aufgewachsenen Mädchen, die sechs Tage in der Woche von Eltern, Lehrern, Aufsehern und Krämerseelen schikaniert wurden, suchten ihren Sonntag des Lebens, mit dem Erscheinen der Beatles auf der Bühne fielen sie in Ohnmacht, denn ihre Sehnsucht wurde erfüllt, es gab ein anderes buntes Universum mit Lucy in the sky, es gab kein Grau in Grau mehr. Auch Hitler verstand es, sich als Erlöser des Alltags aufzuspielen: auf dem Nürnberger Reichsparteitag von 1936, der unter dem Motto „Ehre und Frieden“ stand, verkündete er: „So kommt ihr aus euren kleinen Dörfern, aus euren Marktflecken, aus euren Städten, aus Gruben und Fabriken, vom Pflug hinweg an einem Tag in diese Stadt. Ihr kommt, um aus der kleinen Umwelt eures täglichen Lebenskampfes…einmal das Gefühl zu bekommen: Nun sind wir beisammen, sind bei ihm und er bei uns, und wir sind jetzt Deutschland !“ Wir sind bei ihm und er bei uns – der Kreis schließt sich: der Messias wird eins mit seiner Gemeinde. J.P. Stern hat in seiner Studie über Hitler darauf aufmerksam gemacht, dass die Sehnsucht nach dem metaphysischen Absoluten ein deutsch-lutherisches Phänomen ist. und in der Tat: Luther hatte alle Deutschen in Pfaffen verwandelt und seitdem kämpft der Deutsche mit seiner inneren pfäffischen Natur (Vergleiche Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie / Einleitung, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1957,386), zum Schrecken Europas und der ganzen Welt. In seiner Rede im Bürgerbräukeller zum Jahrestag des gescheiterten Putsches von 1923 in München zitiert Hitler ausdrücklich Martin Luther: Und wenn die Welt voll Teufel wäe, es muß und wird uns doch gelingen.

Was ist das Faszinierende am Eröffnungsakkord von „A Hard Day´s Night“ ? Die einfachste Erklärung für den Welterfolg der „Fab Four“ ist die, dass Musikproduzenten, Musikmanagement und Musikkonsumenten in einem gesellschaftlichen Bedürfniszusammmenhang stehen und dass zum richtigen Zeitpunkt entweder die Produzenten oder das Management, sehr oft beide auch zusammen, auf dem Klavier der gesellschftlichen Musikbedürfnisse die richtige Taste getroffen haben sowie ein Politiker oder eine Politikerin auf dem Klavier des allgemeinen Willens die richtige Taste treffen muß, um ihn zu repräsentierten, denn das bedeutet politisch für die Konkurrenten unerreichbare Macht.  Instinktiv muß man erfassen, was über einen längeren Zeitraum „in“ sein wird, muß man ein Thermometer für die Konsumtemperatur entwickeln, muß man erfassen,, was in der Luft liegen wird, um nicht nur als Eintagsfliege in den Charts aufzutauchen wie Thunderclap Newman mit einem Song, der ausgerechnet den Titel trug: „Something´s in the air“. Als John Lennon sagte, auf dem Höhepunkt der Beatlesmania war es egal, was die Beatles spielten, es hörte sowieso keiner mehr hin, die Fans schienen bedürfnislos happy,  der volonté generale schien ausgeschaltet zu sein, war genau jenes kulturelle Vakuum benannt, in dem ein Herr Goebbels zum totalen Krieg aufrufen konnte. Die Gittarist Clapton hatte als Mitglied der „Cream“ „keinen blassen Schimmer, was ich da spielte“. (Rolling Stone, Die hundert grössten Gittaristen aller Zeiten, Oktober 2012,13). Charles Manson, der sich ein Hakenkreuz auf die Stirn hatte tätowieren lassen, war ein Hitler-,  Jesus- und Beatlesverehrer zugleich, zugleich gab er sich als „Man´s Son, Jesus Christ, God“ aus. Zwar brachte John Lennon im Juli 1969 zusammen mit seiner bizarren Muse Yoko Ono noch den Song: „Give peace a chance“ heraus, der weltgeschichtlich aber ebenso verpuffte wie die Idee des Ewigen Friedens nach dem Basler Vertrag von 1795 und der aus ihm entstanden Schrift von Immanuel Kant. Fast parallel zur Beatlesmania schlug in der Klassik die Stunde Gustav Mahlers. Die Erschütterungen Ende der Sechziger fanden in seiner Musik den besten Ausdruck. Seine disparate Musik galt unter Experten lange als mißraten, es brauchte seine Zeit, bis der Zeitgeist nach ihr rief.

Eine Gunst, die der Muse Lennons nicht widerfahren wird. Muse ist gut gesagt – die Anfang der 70er Jahre von Lennon in den USA produzierte LP „Some time in New York City“  ist mißraten, sie enthält nur zwei gute Songs: „John Sinclair“ und „New York City“, die beiden, an denen Ono nicht mitwirkte. In den 60er Jahren war die Beatlesmania auch nach den USA übergeschwappt, das feiste Establishment in Gottes eigenem Land grinste und rieb sich die Hände: die gesellschaftskritische Folkmusik wurde weggesschwemmt und ein so talentierter Musiker wie Phil Ochs ging vor die Hunde. Ochs prangerte die USA als „Cops of the world“ an und geriet mit dem sich kommerzialisierenden Dylan, der gegen die Folktradition zu elektrischen Instrumenten griff,  in Konflikt. Es war dieser Protestsänger, der zum Weltstar werden sollte, der in den USA die Popgeneration auf Beethoven aufmersam machte, in dem Song „Tumbstone Blues“ auf der 1965 erschienenen LP „High Way 61 Revisted“ ehrte er die Bluessängerin Ma Rainey, indem er sie in einer Textzeile neben Beethoven im Bett aufwachen ließ. Es ist durchaus angebracht, zu untersuchen, ob nicht gerade in den wilden 60er Jahren die Protestwelle, die die Spießer erschreckte, der Nebelvorhang war, hinter dem eine massive Konsumwelle auf die Jugendlichen losgetreten wurde.  Es dauerte nicht lange, und die Beatles erhielten Orden von der Queen, vor allen aus kommerziellen Erwägungen. Der Intellektuelle Lennon muß sich dabei nicht ganz wohlgefühlt haben. Wollte man heute nach einer den Beatles verwandten Ikone suchen, so ist es ohne Zweifel die dunkelhäutige Sängerin Rihanna, eine schwarze Madonna aus der Karibik, die auf den ersten Blick wie eine faszinierende Computersimulation erscheint,  und der von ihrer echten puppenhaften Bildhübschheit  ausgehenden Rihannamania. Ihre Erfolgszahlen sprechen für sich: sie ist die erste Künstlerin der letzten Dekade, die sechs mal die Nummer 1 in den US Billboard Charts belegte, in weniger als fünf Jahren wurden weltweit 16 Millionen Alben verkauft. Auch in ihren Konzerten geraten vorwiegend junge Mädchen bei ihrem Auftauchen auf der Bühne in Verzückung und ins Delirium. Ihre Performance ist wie von Meisterhand gezeichnet, ihr Anblick ist selbst schon Musik und sie ist eine der ganz wenigen Ausnahmekünstlerinnen, bei denen die Präsenz wichtiger ist als die Darbietung. Sie ist für die Bühne „zurechtgemacht“ (siehe you tube: rihanna manchester), dass alle Modemodels in Paris und Mailand neben ihr zu Mauerblümchen verwelken. Aber im Grunde ist dies alles bis heute nur geschickt cachiertes Mittelalter: wie die Bauern im Kirchenschiff nicht die auf Latein gehaltene Predigt der Pfaffen verstanden, ebensowenig versteht  der tobende Mob in den Konzertsälen die zu 99 % in englischer Sprache vorgetragenen Songs ihrer Idole. Es war damals verpönt, deutsche Schlager zu hören, deren Texte man verstand, oder besser: die so schwachsinnig waren, dass man die dazugehörende Musik gar nicht hören wollte.  Durch das Nichtverstehen der Texte in englischer Sprache, eine der ärmsten Sprachen der Welt, blieb die Musik beim Konsumieren untergründig immer eine instrumentelle, damit auch musikalisch die ärmere Form. Weil der Musikkonsument durch diese Armut auch nur arm in seinem Inneren berührt werden konnte, gerade dadurch erlangte er ein Selbstbewußtsein, das sich paradoxerweise als progressiv verstand. Die Wirkung von Musik besteht in einer Präsenzerfahrung durch Auflösung. Die ohnehin schmächtige Botschaft in den Texten darf nicht verstanden werden, das ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Diffusion der Beatmusik. Sie in ihrem fließenden Übergang zum Irrationalen ist dann ideologisch und idealistisch in dem von Hegel formulierten Sinn: der Jugend muß (durch Philosophie) erst einmal Hören und Sehen vergehen. Insofern war der Schlager  „(My Baby Baby) Balla Balla“ , der nur aus diesen Worten bestand, von der Westberliner Gruppe Rainbows 1965 vorgetragen, oder sollte man besser schreiben: vorgelallt, für die Popmusik ganz charakteristisch. Diese Kitschplatte, die man in jeder Sprache verstand, erreichte immerhin Platz 3 in den deutschen Single Charts. Dieser Schlager ist in seiner Atypik typisch, vergeichbar der naiven Malerei. In England entsprach George Harrisons´s Hare Krishna Rama Rama dem deutschen Balla Balla. Auf dem Haigh Ashbury, auf dem Kurfürstendamm erschienen kahlgeschorene junge Menschen in orangenen Kutten und sangen sich in Trance. Der labile George Harrison war auf den religiösen Plunder hereingefallen, weil er keine feste wissenschaftliche Weltanschauung besaß und ein Musterbeispiel eines verpfuschten Lebens abgibt. Die Psycholgie des Schlagers führe auf Triebkonstanten hatte Adorno 1932 in seinem ersten großen Musikessay geschrieben. Eine politische Version popkultureller Einseitigkeit lieferten die Broughton Brüder Edgar und Steve: monoton wurde der Schlachtruf gegen das kapitalistische Schweinesystem vorgetragen: „Out, Demons, Out !“ (Die Platte erreichte im April 1970 Platz 39 der englischen Hitparade). Sie versprachen sich durch diesen monotonen Sprechgesang eine Einheit unter ihren Zuhörern zu stiften, in der sie ihre Schweinementalität überwinden sollten. Die Edgar Broughton Band gab Umsonstkonzerte. Ihr Ideal war eine Gesellschaft ohne Schweinegeld und ihr politisches Ideal war ein absolut utopischer Staat, der nichts fordert. Diese beonders aus marxistischer Sicht naive Auffassung konnte sich nicht lange halten, als Victor Unitt, der zwischenzeitlich bei den Pretty Things musizierte, 1971 zur Blues Band zurückkam, entpolitisierte sich die Band rasch. Charakteristisch für das kulturelle Niveau der Popmusik ist auch, dass die völlig unmusikalische Yoko Ono den Olymp dieser Musikrichtung erreichen konnte, es genügte offensichtlich, dass Lennon in einem Augenblick des black outs einen Narren an ihr gefressen hatte. Die anderen Beatles hielten ihre Frauen von Musik zurück, um nicht die Existenz der Band aufs Spiel zu setzen. Yoko Ono war der Glückspilz der Popmusik, wie eine Frau, die in Las Vegas so nebenbei einen Dollar in einen Spielautomaten wirft und damit den Jackpot knackt. Im Fall der Beatles hatte das zur Folge, dass die Band zerfiel. Instinktiv hatte Ono wohl erfasst, dass in der leichten Muse Eindimensionalität und Erfolg sich paaren und mit ihr unreife Menschen anzusprechen sind. Auf Konzerten und bei Interviews verhüllte sie sich gelegentlich total in einem weißen Sack. (Bagism). Popmusik ist insofern falsch und Verführung, als sie den Triumph des Emotionalen über das Rationale suggeriert. Musiker von Adorno bis Zappa können den Code des Rationalen nicht knacken. Computer sind heute in der Lage, Musik hundertprozentig durchzurationalisieren – eine Mathematisierung der Musik , die schon Rousseau versuchte, führt diese allerdings in eine Sackgasse des Balla Balla. In einer eindimensionalen Welt muß es eine Fabrik für Träume geben. Anders hielte man es im Uhrwerk Erde nicht aus….und um den „planet blue“ kreist Major Tom. Der Traum der Beatles:  „All You need is Love“ war ein in seiner Machart naiver Song, der richtig tickte, und eine der letzten aus Blumengirlanden geflochtenen Botschaften der Beatles und ein weiteres intellektuelles  Armutszeugnis, damit zugleich falsch tickte, denn gepredigt wurde damit die Kapitulation vor den Kapitalisten, denen man nur mit einem gesunden Klassenhass begegnen kann und deren Hymne ja die Marseillaise ist.  „Ich hasse die Großen, ich hasse ihren Stand, ihre Härte, ihre Vorurteile, ihre Kleinheit und alle ihre Laster und ich würde sie noch weit stärker hassen, wenn ich sie weniger verachten würde“. (Jean Jacques Rousseau an Malesherbes vom 28. Januar 1762, in: Jean Jacques Rousseau, Ich sah eine andere Welt, Philosophische Briefe, Carl Hanser Verlag München 2012,139). In die langen Haare kamen jetzt bunte Blumen, Scott Mac Kenzy, am 10. Januar 1939 als Phillip Blondheim geboren, machte „San Fransisco“ für einige Wochen zur Welthaupstadt und für den Abend trug Eric Burdon  „San Fransiscan Nights“ vor. „Good Vibrations“ der Liebe sollten durch alle Völker, durch alle Kontinente gehen.  Ein „Sommer der Liebe“ wurde verkündet. Die Flowerpowerbewegung vom Haigh Ashbury konnte sich indeß angesichts des LSD-haltigen Egotrips ihrer Protagonisten, die durch die Droge immer mehr „balla balla“ wurden,  gar nicht erst kollektiv verfangen, nicht einmal in den USA.  Acid war für Carlos Santana, der 1965 die High School in San Fransisco abgeschlossen hatte, die Droge, durch die seine Musik angeblich einen tieferen Sinn bekam. Auf der kalifornischen High school scheint er nicht viel gelernt zu haben: „Es ist mein Job, Menschen in spirituelle Ekstase zu versetzen“. Und so kam, was kommen mußte: Statt einer Weltrevolution der Liebe machten einige Bands schwere Kasse, allen voran die Mamas & Papas, sie sangen eines der schönsten, von dem Papa John Phillips komponierten Lieder der 60er: „California Dreaming“, das ursprünglich Barry Mc Guire als Nachfolgesingle von „Eve of Destruction“ vortragen sollte, die Mamas & Papas waren zu ihm zunächst nur die Hintergrundsänger.   „Yes I need LSD“ – sang Phil May von den Pretty Things und in Westberlin schweiften Haschrebellen durch das Dickicht der Frontstadt.Der „Sommer der Liebe“ aber fand ein abruptes Ende am neunten August 1969, als die Girls des Kleinkriminellen Manson loszogen, um sieben Menschen in Los Angeles zu ermorden, darunter die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate, Ehefrau des polnischen Filmregisseurs Roman Polanski. Es wäre ein gesunder Sohn gewesen, der die Namen Richard Paul hätte erhalten sollen. Die Mörderin von Sharon Tate, Susan Atkins, starb am 25. September 2009 an den Folgen einer Krebserkrankung. Waren diese Morde ein abseitiger Exzess aus der Hippiebewegung heraus oder eine unausbleibliche Frucht aus aus einer romantischen „Roll over Beethoven Subkultur“, deren Wurzeln bis in die geisteskranke Sekte der Pilgrim Fathers zurückreichen  ? Diese in England nicht gelittene Sekte begann mit dem Genozid an den Indianern und hat heute ihre Kernstadt in Washington, der Terrorzentrale der Welt. Nach den Worten Voltaires war diese Sekte gekommen, um Amerika zu verwüsten. (Vergleiche Voltaire, Briefe des Herrn Voltaire die Engländer und anderes betreffend, Eulenspiegel Verlag Berlin, o.J.20). Die vier apokalyptischen Engel John, George, Paul und Ringo hätten in dem Weiße-Album-Song „Helter Skelter“, was soviel heißt wie holterdiepolter, zum Rassenkrieg in den USA aufgerufen. Im Vergleich zu den Massenmorde des US Establishments (Hiroshima, Nagasaki, Vietnam….ich merke, hier entsteht ein neues Buch) sind die Mansonmorde allerdings Taten eines Kleinkriminellen. Er hatte mit Hilfe von LSD und Psychotricks Töchter aus der Mittelschicht hörig gemacht und auf den Strich geschickt, seine „Strand Buggy Streitmacht“ wuchs auf cirka hundert Mitglieder und der Hitlerverehrer Manson liebte es, mit gestohlenen Strandbuggys Rommels Wüstenschlachten im zweiten Weltkrieg nachzustellen. Die Morde in Los Angeles (den dummen Negern zeigen, wie man Weiße umbringt) sollten den amerikanischen Rassenkrieg auslösen.  Nach Manson würden ihn die Schwarzen gewinnen, aber bald merken, dass sie zu dumm zum Regieren sind. Dann würde die Strandbuggy Streitmacht aus ihrem Wüstenversteck „Death Vellay“ aufbrechen, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Aufgrund von Helter Skelter wurde Manson im April 1971 zum Tod in der Gaskammer verurteilt, er selbst war ja an den Tatorten nicht vorhanden. Der für den Fall Manson zuständige Staatsanwalt Vincent Bugliosi sprach von einer kollektiven Geistesstörung. Kollektive Geistesstörung ? Aber genau diese perfide Strategie verfochte doch das anglo amerikanische Kriegsgewinnlerpack gegenüber dem Krieg auf dem Kontinent. Die beiden Wirtschaftsgiganten Deutschland und Russland sollten sich kaputtkriegen und dann würde man reiche Beute in Europa machen können.

Sozialkritisch viel tiefer ging der Blues. In Westberlin hatte sich eine Stadtguerillagruppe gebildet, die sich „Blues“ nannte.  Der amerikanische Blues bot aber nie Lösungen für klassengesellschaftliche Probleme an und streifte den humanistischen Kern des Kommunismus nicht einmal. (Etliche namhafte Bluesmusiker wurden Prediger irgendeiner Sekte). Dieser (atheistische) Kommunismus ist für den jungen Marx in den Pariser Manuskripten das aufgelöste Rätsel der Weltgeschichte und weiß sich als dessen Lösung. The Who behielten Recht mit ihrem Song „The Seeker“ – die Popmusik brachte aus ihren eigenen Eingeweiden bis heute nichts hervor, was die Menschheit voranbringt. Nur Linderung, wie das von George Harrison initierte Bangladash Konzert, Rock gegen rechts ist nicht eo ipso Rock für links. Die Freilassung Mandelas ist auch Popmusikern zu verdanken, aber diese ist etwas für ein einzelnes Subjekt Positives, einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Marxismus Leninismus, für die Erlösung der Menschheit vom Joch des Kapitals hat Nelson Mandela bisher nicht erbracht. Während der Kampagne zur Freilassung der Marxistin Angela Davis unterlief ein anderes Mißgeschick: John Lennon schrieb für die bildhübsche Negerin und charismatische Philosophiedozentin, die Ähnlichkeit mit Marsha Hunt hatte, den Song „Angela“ und Mick Jagger „Sweet Black Angel“. Beide hatten übersehen, dass auch die „einfache“ Arbeiterin Joan Littles wegen Mordes einsaß, sie hatte sich gegen einen Gefängniswärter wehren müssen, der sie nachweislich vergewaltigen wollte, von den „Wilmington Zehn“ schon gar nicht zu reden. (Vergleiche Robin Denselow, The beat goes on, rororo 8849,255). Ganz deutlich wird die weltrevolutionäre Fruchtlosigkeit  der Popmusik bei der us-amerikanischen Band „Country Joe and the Fish“, die als die Gruppe mit den stärksten politischen Ambitionen in der Westcoast-Szene galt und die auf dem legendären Woodstock Konzert ihren Anti Vietnam War Song darbot. Die Mutter von Joe war Bolschewikin und gab ihrem Sohn den Namen Joe frei nach Josef Stalin. Das Kind hörte viel über die Werke von Karl Marx, die Joe Mc Donald aber nie las (!!!), obwohl er mitbekommen hatte, dass die Gewerkschaft während der Hexenjagd Mc Carthys seinen Vater jäh im Stich gelassen hatte. (Vergleiche Robin Denselow, The beat goes on, Popmusik und Politik, rororo 8849, 1991,103f.). Wollte man auf ein Seitenstück in der sozialistischen Politik verweisen, so fiele der Name William Morris, der offen eingestand, nicht zu wissen, was Marx´Werttheorie sei und der verdammt sein wollte, wenn er nach diesem Wissen Verlangen hätte. (Vergleiche Tristram Hunt, Friedrich Engels, Der Mann, der den Marxismus erfand, Propyläen Ullstein Buch Verlag, Berlin, 2012, 432). Man kann nicht über das Verhältnis zwischen Popmusik und Politik schreiben, ohne an einen der exzentrischsten Künstler zu erinnern, an den heute fast vergessenen Screaming Lord SutchThird Earl of Harrow, der durch den Song und die Performance „Jack the Ripper“ (you tube jack the ripper screaming lord sutch) 1963 Aufsehen erregte und der oft in seinen Bühnenshows, die man „strange“ nennen kann, mit dem Totenkopfmotiv liebäugelnd auftrat. Die A-Seite einer Single aus dem Jahr 1964 hieß „Dracula´s Daughter“. Sutch  war einer der ersten Musiker, die ihre Haare lang wachsen ließen. Da die BBC seine Platten oft boykottierte, beteiligte er sich 1964 am Piratensender  „Radio Sutch“. Dieser zutiefst widersprüchliche Künstler, Sohn einer alleinerziehenden Putzfrau, der nach seinen spektakulären Bühnenshows, am Anfang seiner Karriere trug er die  Leopardenfelljacke seiner Tante, oft in tiefe Depression fiel, ist ambivalent zu deuten: der im Arbeiterklassenmilieu im Norden Londons Aufgewachsene gibt ein Beispiel ab, wie Popmusik einen Menschen verhunzen kann, zu seinem Repertoire gehörte ebenfalls „Roll over Beethoven“, zugleich aber auch, dass gerade in diesem Depressiven eine politische Energie brannte, die am besten den burlesken politischen Charakter der verspielten Popgeneration der 60er Jahre zum Ausdruck bringt. Sutch, der ein mad dog war, nahm an allen Wahlen teil, immer ohne Erfolgsaussichten. 1963 gründete er die „National Teenage Party“ (NTP) und forderte die Herabsetzung des Wahlalters auf 18 Jahre und eine Liberalisierung der Öffnungszeiten der Pups. Damals belächelt, ist es heute Gesetz. 1983 gründete er die „Official Monster Raving Loony Party“, die angesichts des Butterüberschusses in der EG den Bau einer Skipiste aus Butter forderte. Das hätte auch eine Forderung der Teufel Kommune in Westberlin sein können. 1999 wurde seine Depression so stark, dass sie seine Hände gegen sein Leben richtete und eine Schlinge knüpfen ließ. Er wurde auf dem Londoner Pinner Cemetery  neben seiner Mutter beigesetzt. Sutch war natürlich nicht der einzige Mad dog and English Man.  Für den westeuropäischen Kulturkreis bizarre Gestalten kamen aus der Reggaeszene Jamaikas. Hier war ein Gebräu durch den am 16. juni 1898 geborenen Matrosen Doktor Leonard Percival Howell „The Gong“ entstanden, der als erster Rasta Bibel, Marx, Eisenstein und Gandhi mischte.  Nicht zuletzt wegen der englischen Sprache war die Popmusikwelle internationalistisch ausgerichtet, die oft apokalyptische Reggaemusik mit ihrem religiösen Wahn um Haile Selassi, der als wiederauferstandener Jesus gehandelt wurde,  kam wie gerufen von jenseits des Atlantiks und passte in das Bild des Bizarren, das immer die Geschichte der Popmusik begleitete, nachdem die Beatles schon zum indischen Yogi gepilgert waren.  Selbst diese lächerliche Burleske wurde mit einer lebensphilosophischen Ernsthaftigkeit aufgenommen als ginge es um das Seelenheil einer ganzen Popgeneration. Der Trip zum Yogi einer Kastengesellschaft verdeutlichte, dass die Popmusik trotz elektronischer Verstärker ein Gegenentwurf zur technisch industriellen Revolution, ja letztendlich zur französischen Revolution war.  Die von der Queen den Beatles überreichten Orden sagen schon deutlich etwas aus. Zwar galt es gegen Ende der 60er Jahre als chic, nicht nur Parkas und Schlaghosen zu tragen, sondern auch Protestsongs in die Musikwelt zu setzen, ein Donovan aus England plärrte seinen Song: „The universal soldier“ bar jeden Klassencharakters, Barry Mc Guire sang undifferenziert vom Hass in den Augen von Rotchinesen. Im Reich der Mitte tobte zu dieser Zeit gerade die Große Chinesische Kulturrevolution, in der Beethoven heftig kritisiert wurde. Ging es der westlichen Protestbewegung um einen Aufschrei gegen bürgerlich rationalisierte Herrschaftsmechanismen, ein beliebtes Wort war „Die formierte Gesellschaft“, gegen die verwaltete Welt, so den Rotgardisten in der Anti Konfuzius Anti Beethoven Kampagne um die Zertrümmerung des bürgerlichen Gehalts der französischen Revolutionsmusik von 1789, die Beethoven thematisierte. Im Vergleich zur Begründung des kritischen Umgangs mit der westlichen Klassik in der „Roten Fahne“ mit dem Text von „Roll over Beethoven“ erweist dieser sich tatsächlich als glow worm. Den wichtigsten Artikel zu dieser Thematik hatte Tschu Lan in der vierten Nummer der Roten Fahne 1974 geschrieben. Das chinesische Volk müsse kritisch sein gegenüber einer alten Musik aus einem anderen Kulturkreis, die man nicht einfach auf die chinesische Musik aufpropfen könne. In China interessieren sich für die Musik der westlichen Klassik ungefähr so viele Menschen wie in Europa für die Peking Oper. „Die Anbetung alles Ausländischen und Wiederbelebung des Alten ist auf dem Gebiet von Literatur und Kunst eine Widerspiegelung des klassenmäßigen und nationalen Kapitulantentums, das nichts von einem revolutionären Standpunkt und von revolutionären Prinzipien des Proletariats an sich hat“. Aber immerhin wird den Komponisten der Klassik im Rahmen ihrer historischen Bedingungen eine bedingte Progressivität zugesprochen – man rollte in China nicht einfach über Beethoven hinweg. (Vergleiche Elo und Jürgen Baumberger, Beethoven kritisieren ! Konfuzius verurteilen ! rororo aktuell 1882,69f.). Der Dekadenzler Andy Warhol frisierte Mao tse tung in eine Popikone um und verfehlte die kollektivistische Substanz der Kulturrevolution: der Kult der Ich-Person, der in kapitalistischen Gesellschaften Modernität behauptet, oder wenigstens einen Hauch davon, ist schon kunstfeindlich an sich, denn sowohl die Wissenschaft als auch  Musik und Kunst sind immer klassenkollektivistisch. Während der westliche kleinbürgerliche Revoluzzer zu den Klängen von „I can´t get no satisfaction“ in sein Ich hineinonanierte, kam in der Musik zu dem Film „Das rote Frauenbataillon“ die Kollektivität von Frauenmilitanz, aggressiv optimistischer Bilderwelt und insurrektioneller Musik in ihrer Pracht und Herrlichkeit zum Ausdruck. Lennon kam mit seinem „Woman is the Nigger of the World“ viel zu spät. Zu spät kam auch der Einzelkämpfer Eric Burdon, der 1970 der Ausbeutergesellschaft den Krieg erklärte: „Eric Burdon declares War“ hieß die LP mit dem 14 minütigen aufrüttelnden Song „Tobacco Road“. Es können zehn, zwanzig, hundert, tausend, zehntausend Eric Burdons War erklären, für die Weltgeschichte ist das belanglos. In der Volksrepublik China ist das Pendel nun zur anderen, zur Seite der Dekadenz ausgeschlagen, deren Tiefpunkt der sog. Künstler Ai Wei Wei markiert. Am 22. Juni 2013 veröffentlichte er seine erste Pop-Platte, neben der Chuck Berrys Roll over Beethoven noch anspruchsvoll klingt. Auf der Platte „The Divine Comedy“, komponiert von dem Rockmusiker  Zuoxiao Zuzhou, der sich von Franz Kafka und Jim Morrison inspirieren läßt, hört man ein Grunzen und Krächzen, sie enthält nichts Humanes, sondern bewirkt eher Melancholia. Im sechsten und letzten Stück singen beide: „Das Gestern gehört ech, das Heute gehört euch, aber das Morgen wird euch nicht gehören“. Ein Morgen für über eine Milliarde Menschen in Melancholia !

Ist Rihanna in ihrer Präsenz wichtiger als in ihrer Darbietung, sicherlich hätte Warhol auch sie ikonisieren müssen, so ist es in der Musik der chinesischen Kulturrevolution genau umgekehrt: die Darbietung ist kollektiv und erst die Anonymität der Künstlerinnen gibt der Musik den objektiven Entfaltungsraum, sie steht im Mittelpunkt wie etwa bei Brechts internationalen Solidaritätslied. Das Solidaritätslied eignet sich nicht für eine Stimme, es ist nicht nur chorig auf der Bühne, den Chor sollten alle Anwesenden bilden. Man kann das Solidaritätslied gleich der Internationalen nur kollektiv singen. Autonome Subjektivität ist aber ein bürgerlicher Gehalt der Musik Beethovens, deren subjektive Wurzel bis in die Renaissance zurückreicht, in der Künstler in Süditalien anfingen, den Teufel zu individualisieren und ihn in Menschengestalt zu malen. Gerade als die Stones Sympathie für den Teufel hegten, gingen chinesische Musikwissenschaftler daran, den bürgerlichen Gehalt in Beethovens Musik zu eruieren. Sie verblieb im Horizont Feuerbachs: die Gesellschaft setzt sich summarisch aus einzelnen untereinander beziehungslosen Individuen zusammen. Carlyle sprach von Monaden und Atomen. Die klassische bürgerliche Musik gab sich so für Adorno mit einem Schein von Objektivität zufrieden: das Individuum sollte glänzen und die Schlagerbranche konserviert dieses Fossil bis heute.  Das Dekadente individualisiert sich zu Tode, das ist das chronische Siechtum der spätbürgerlichen Gesellschaft, die Kollektiven Platz machen wird. Klassische Musik und populäre treten gleichermaßen auf der Stelle, weil das Bürgertum das Volk mit Terrorapparaten verstümmelt und über Stipendien ein kulturelles Klima zu zerstörender Kollektivität erzeugen muss. Die Medien favorisieren virtuell den Einzekämpfer  und der Amokläufer kommt heraus oder soll in der gesellschaftlichen Praxis herauskommen. Sicherlich gibt ein Breiwik den norwegischen Sozialdemokraten Auftrieb, die doch auch Faschisten sind wie er,nur gemäßigte.  Im Mittelpunkt steht heute noch ein egomanischer Schlagerstar wie ein Gesetzesbrecher individualschuldig nackt vor dem Richter. Auch der Star fordert hin und wieder zum Mitsingen auf, aber berechnend, wie eine Domina, die man berühren darf. Wird Musik über einen Interpreten zum Hörer vermittelt, so ist die Musik umso authentischer, je mehr der Interpret sich geschickt zurückzunehmen weiß, völlig aufgeht und den Hörer möglichst eins mit dem Gehörten werden läßt. „Das Gehörte konkretisiert sich im Erfahrenwerden; erst wenn es ganz und gar Subjekt geworden ist, legt es sich als Objekt frei“. (Kurt Oppens, Zu den musikalischen Schriften Theodor W. Adornos, in: Über Theodor W. Adorno, eds 249, 1968,9). Ein versierter  Dirigent macht sein Orchester nichtig. Umgekehrt im Personenkult der Unterhaltungsmusik: hier wird die darbietende Mitte puppenhaft herausgeputzt bis es egal ist, was gespielt wird. Hier besteht die Vollendung der Musik in ihrem Verschwinden. Daran ist der Leadsänger und Bassist der Pink Floyd, Roger Waters, zerbrochen. Er wollte politisch aufrütteln, erreichte aber die Jugendlichen nicht inhaltlich. Er konnte es nicht aushalten, dass im parasitären, faulenden Spätkapitalismus zu der Konjunction Musik Kapital noch ein durch das zweite Element bedingtes Drittes hinzukommt: der Ekel. Das Publikum wollte nicht begreifen, sondern musikalisch betäubt werden, ähnlich wie im Harekrishnamantratrance. Auf der Pink Floyd Tour 1977 drehte Waters durch und spuckte einem besonders frenetisch jubelnden Fan von der Bühne ins Gesicht — da kam ihm der Gedanke zu dem Song „The Wall“ . Die Mauer sagt aus, dass das Projekt einer linkspolitischen Motivierung durch Popmusik gescheitert war. Man wollte Pink Floyd Musik einfach nur genießen, und verdrängte die fortschreitende Animalisierung durch das Kapital. Man war in eine Sackgasse geraten, Musik ist nicht das Medium der Emanzipation, sondern ihr Ziel. Neben Waters guter Absicht hatte die Popmusik auch noch andere Momente der Ehrlichkeit. The Who und und der von Muddy Waters inspirierte Hendrix, ein ehemaliger Fallschirmspringer der US-Army, ein Linkshänder, der niemals Gitarrenunterricht erhalten hatte, waren die bekanntesten Musiker, die sich auf der Bühne aggressiv zu ihren Instrumenten verhielten. Pete Townshend, einer der ersten, die Feedback einsetzten,  war nie neidisch auf Jimi, er empfand, dass er ihm nicht annähernd das Wasser reichen konnte. Clapton versuchte dies. (Siehe: Rolling Stone, Die hundert grössten Gitarristen aller Zeiten, Oktober 2012,10). Screaming Lord Sutch lief mit einem überdimensional großen Beil hinter seinen Musikern her. Waren es nicht Gesten des Aussteigenwollens aus einer kaputten Welt, in der Musik  Heil nur versprach und nicht heilen konnte ? Waren es erste Anzeichen einer sich selbst versenkenden Kultur, die aus Barbarei herkommend, sich wieder barbarisierte. „Man zertrümmert eine Gitarre, geht von der Bühne und sagt: „Fuck it ! Es ist sowieso nur Mist“. (a.a.O.). Dieser autoaggressive Zug der Popmusik ist eben ein Zeichen der Dekadenz der spätbürgerlichen Gesellschaft, die nur Mist ist. Ein Konzertbesucher, der erlebt, wie am Ende der Musikdarbietung zu dem Song „My generation“ die Instrumente zerstört werden, geht vielleicht nachdenklicher nach Hause als Kinobesucher, die am Ende eines Feelgood Movies wieder mal ein Happy End konsumieren durften und deren gute Stimmung vielleicht bis zur Haustür anhielt. Beuys zerstörte 1963 in Wuppertal bei Paiks „Exposition of music“ ein Ibach Klavier. Einen Song, bei dessen Darbietung Verfremdungseffekte ganz unangebracht waren, boten Fleetwood Mac dar: „The Green Manalishi“ war vom Sound her wie eine Droge, wie eine große Verführung. Peter Green streichelte im Gegensatz zu Pete Townshend seine Gitarre wie eine Geliebte. Aus der Musik war jegliche Militanz gewichen. „Oh Well“ war zwar recht kantig, dafür segelte „Albatross“ meditativ ruhig, die Beatles offenbar zu „Sun King“ inspirierend. (a.a.O.,74).  Anders in der chinesischen Kulturrevolution, in der der Tiger los war: Da China im XX. Jahrhundert ein Land war, in dem wie sonst nirgends sowohl die Revolution als auch die Konterrevolution bewaffnet waren, wurde es zu einem Hort des Soldatischen, das durch dekadente Musik oft wehrkraftzersetzerisch angezweifelt wird. Popmusik ist eine verweichlichende, eine unsoldatische  Musik. Drückt Musik die miltanten Bedürfnisse sich aufrichtender Volksmassen aus oder traumatisiert sie ausgebeutete Lohnsklaven/innen, die nach Feierabend sich für teure Eintrittskarten einem Bad in der Menge hingeben, um sich zu vergessen und ihrer Führerin Rihanna zu folgen ? Im Popkonzerten werden die Fesseln kurzzeitig abgeworfen, die Konzertmanager haben Kasse gemacht und der Malocher, der seinem Idol nahe sein durfte, steht morgens wieder vor dem geöffneten Fabriktor, um sein alltägliches Einerlei wieder aufzunehmen. Damit er darin nicht wahnsinnig wird, hat sich eine Kulturindustrie etabliert, die den Kulis ein anderes Universum vorgaukelt.  War  im Mittelalter die Religion der geistige Fusel, mit dem die Sklaven ihr Sklavendasein betäubten, so kommt heute aus Hollywood, von den Pussy Riots und von Rihanna das süße Gift, das das kritische Bewußtsein betäubt. Ist es ein Zufall, dass das neueste Album von Bob Dylan „Tempest“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7. September 2012 von einem Professor für Fundamentaltheologie besprochen wird und der zu dem Ergebnis kommt, es sei von religiöser Metaphorik durchtränkt ? Der Beat-Lyriker Allen Ginsberg verstieg sich zu einem Vergleich zwischen dem jungfräulich geborenen Heiland Jesus Christus und dem masturbierenden Bandgründer Tuli Kupferberg, dessen Fugs für New York das waren was Frank Zappas  Mother of Invention für Los Angeles: „In der Bibel steht,: Wenn Christus zurückkommt, werde jedes Auge sehen. Schon heute kann jedes Ohr hören. Und wenn die Fugs erst einmal die Blockade des Monopols durchbrechen und sie landesweit im Fernsehen gezeigt werden…wird jedes Auge sehen“. (Siehe: Robin Denselow, The beat goes on, rororo 8849,125). Die westliche internationale Jugendbewegung, die schon in den sechziger Jahren von Dylan inspiriert wurde,  war und ist zahlenmäßig mächtig, eine politische war sie selbst in der 68er Bewegung primär nicht, es herrschte eindeutig das musikalische Denken von Woodstock vor. Statt ein, zwei, drei viele Vietnams begehrte sie ein, zwei, drei viele Woodstocks. Der Hedonist Tuli Kupferberg, der Ende 1964 zusammen mit Ed Sanders eine Popgruppe in New York gründete, trat in den verklemmten USA als Sexualaufklärer auf und publizierte drei Bücher: a) über Sex, b) dem Wehrdienst zu entkommen, c) ohne Arbeit zu leben. 1968 wollte der Anarchist mit seiner Beatband „The Fugs“ mit einem VW Bus in die CSSR reisen, um sich sowjetischen Panzern masturbierend entgegenzustellen – was fürwahr eine originelle Weiterentwicklung der marxistisch leninistischen Kriegswissenschaft gewesen wäre. Die sich so gegenüberstehenden Rohre sollten wohl ausdrücken: Make Love not War. Dies alles zeigt, dass der dilettantische Umgang mit Musik durch den Popwahn einen monströsen Umfang angenommen hat und dass es enorm wichtig ist, auf dem wildtobenden Ozean der Weltmusik nicht nur die vier Inseln im Auge zu behalten, man könnte ebensogut von vier Oasen in der Wüste sprechen, sondern auch mit einem Kompass ausgestattet den Ozean der Weltmusik zu befahren. Gibt es einen solchen Kompass ? Jawohl – einen solchen Kompass gibt es: vergegenwärtigen wir uns, was Lenin zur Musik gesagt hat: Lenin hielt die Musik stets auf Distanz, sie wirke auf die Nerven und beeinträchtige die revolutionäre Wachsamkeit. Für ihn besaß die proletarische Revolution, die tiefste Revolution in der Weltgeschichte,  einen zu hohen Schwierigkeitsgrad, um von ihr Entspannung im Irrationalen suchen zu dürfen. Gegenüber der Objektivität revolutionärer  Politik ist das Dionysische Hochverrat. Erst Generationen, denen die Entstehung der kapitalistischen Mehrwertrate nicht mehr ständig präsent zu sein braucht, mögen sich den Genüssen hingeben, denen der Leninsche Berufsrevolutionär sich entsagt. Gorki hat die Szene festgehalten, in der der Pianist Isaay Dubrowen Lenin Beethovens Appassionata vorspielte: „Ich kenne nichts Schöneres als die Appassionata und könnte sie jeden Tag hören. Eine wunderbare, nicht mehr menschliche Musik ! Ich denke immer mit vielleicht naiv kindlichem Stolz; daß Menschen solche Wunder schaffen können !“ Dann kniff er die Augen, lächelte und setzte unfroh hinzu: „Aber allzu oft kann ich Musik doch nicht hören. Sie wirkt auf die Nerven, man möchte lieber Dummheiten reden und Menschen den Kopf streicheln, die in einer schmutzigen Hölle leben und trotzdem solche Schönheit schaffen können. Aber heutzutage darf man niemandem den Kopf streicheln – die Hand wird einem sonst abgebissen. Schlagen muß man auf die Köpfe, unbarmherzig schlagen – obwohl wir im Ideal gegen jede Vergewaltigung der Menschen sind, Hm Hm – unser Amt ist höllisch schwer.“ (Vergleiche Georg Lukács, Lenin, Luchterhand Verlag, Neuwied und Berlin, 1969,91f.). Es wäre verfehlt, diese Passage instantan zu interpretieren, sie gehört zu einer der bizarrsten, auch unbekanntesten, die Genies jemals zur Musik dargelegt haben. Der erste Eindruck ist der einer Fassungslosigkeit, weil sie zu unserem alltäglichen unbewußten, eher taumelartigen Musikkonsum gegenströmig verläuft und weil sie Assoziationen enthält, die man gewöhnlich mit Musik gar nicht in Verbindung bringt. Verständlich wird sie nur aus der Sicht des Berufsrevolutionärs, der eben bescheiden spartanisch lebt. Musik löst uns stimulierend aus dem Gegenwärtigen, entführt uns aus unserem Gehäuse, macht uns anwesend-abwesend.  Als der von Stalin streng erzogene Bauernsohn und General Georgi Schukow sich fast ohne Schlaf abrackerte, den Ring um Stalingrad zuzuziehen, harrte sein Gegenspieler Friedrich Paulus in einem Keller eines zerschossenen Stalingrader Kaufhauses auf sein Schicksal. In seiner Ausweglosigkeit griff er zum Rauschgift „Musik“. Irgendwie hatte man ein Grammophon aufgetrieben, Paulus hatte Schallplatten bei sich: die Sinfonien von Beethoven. In Stalingrad wurde die (aus deutsch-faschistischer Sicht) Tragödie nicht aus der Musik geboren, sie vervollkommnete sie. Es war die zerschundene Stadt Stalingrad, die den Völkern der Welt Signale gab, die gehört wurden. In Paris wurde eine Metrostation in Stalingrad umbenannt. Die Wende von Stalingrad rettete das Progressive der Geschichte gegen das musikalische Denken der Vendée, die gegen die Gleichheit aller Menschen und damit auch gegen die Judenemanzipation kämpfte. Es ist bemerkenswert, dass der Vollstrecker der Endlösung, Reinhard Heydrich, ein überdurchschnittlich guter Violinspieler war, in ihm inkarniert sich die Symbiose Zyklon B und musikalische Virtuosität. Sein Vater hatte in Reinhard Tristan Eugens Geburtsstadt Halle ein Konservatorium gegründet und Orchesterwerke und Opern komponiert. Der Vater von Heydrichs Mutter hatte das Konservatorium in Dresden gegründet, das Weltruhm erlangte. Wenn nach Auschwitz keine Gedichte mehr geschrieben werden konnten, die mit denen der Klassik, man erlaube mir das folgende Wort,  kompatibel wären, so hat der Todesengel der Endlösung Musik endgültig in Pornografie für das Ohr verwandelt. Wer nach Auschwitz noch Beethoven nur musikalisch-unpolitisch, also pornografisch hören kann, der dämmert versunken in einer bewußtlosen Indifferenz gegenüber Schicksal und Zukunft der Menschheit. Ohnehin sind Genußmenschen in Klassengesellschaften zwielichtig. Indirekt gesteht auch die hedonistische Popmusik ein, dass Musik, aktiv wie passiv, in Klassengesellschaften, wenn man Lenin richtig interpretiert, etwas obszönes an sich hat. 1930 schrieb der Humperdinckschüler Friedrich Hollaender für Marlene Dietrich das Lied: „Ich bin die fesche Lola, der Liebling der Saison…“ und Lola besiegelte das Schicksal des deutschen Professors Unrat. Besucher von Stoneskonzerten erwarten von Jagger, dem Feind der Oktoberrevolution, auch immer obszöne Gesten, die sich Madonna und Rihanna von ihm abgeguckt haben. Sie praktizieren vor Millionen Augen, was alle machen wollen, aber nicht dürfen, nicht der verspießerte Kleinbürger und nicht der Berufsrevolutionär Leninscher Prägung, der unter dem Verdikt Robespierres steht: Danton, das Laster ist zu gewissen Zeiten Hochverrat. In Klassengesellschaften wird das Musikalische allemal dem Rationalen geopfert, Kommunismus dagegen ist Gleichklang des in Klassengesellschaften Disparaten. Freiheit der Kunst gibt es in ihnen nicht, auch nicht neben den Klassen. Nur Tote auf dem Friedhof liegen neben dem Klassenkampf. Im kommunistischen Gleichklang könnte von gemischtgeschlechtlichen Kompositionskollektiven aus einer befreiten Sexualität heraus eine Musik  gestaltet werden, die die „Appassionata“ in den Schatten stellt. Dass Musik schon ohne Anarchie möglich ist, ist das über sie ins unendlich Schöpferische Hinausweisende. Dass sie schon ohne freie Sexualität möglich ist, weist auf eine kreative Potenz hin, die der Entfaltung im Kommunismus harrt. (Stillschweigend hat eine verklärende Literatur die regelmäßigen Bordellbesuche Beethovens übergangen. Zwar ergab die Analyse einer 1994 bei Sotheby´s versteigerten Haarlocke, dass er an einer akuten Bleivergiftung starb, wobei Ärztepfusch im Spiel war, die aber nicht seinen Persönlichkeitswechsel gegen Ende seines Lebens erklärt: er lief verdreckt, jaulend und paranoid durch Wien. Siehe: Ulrich Amling, Schaffensrausch und Paralyse, Partituren Das Magazin für klassische Musik, Januar / Februar 2008,51. Franz Schubert, der im März 1827 noch einer der Fackelträger bei Beethovens Beerdigung war, wurde am 19. November 1828 von der Syphilis dahingerafft und nur drei Gräber neben Beethoven beigesetzt. Der Tod Schuberts stürzt Robert Schumann in eine Depression, auch er Syphilitiker. Nach einem Selbstmordversuch wird er in eine Irrenanstalt in Endenich bei Bonn eingeliefert, der letzte Eintrag des Irrenarztes Richarz in die Akte lautete: Urinierte ins Bett. Am 29. Juli 1856 wurde er erlöst. Syphilis wirkt sich destruktiv auf das Gehirn aus, das völlig kaputtgehen kann. Aber in diesem Destruktionsprozess scheinen bei den drei Musikern kreative Potenzen freigesetzt worden zu sein, die geniale unwiederholbare Kompositionen zur Folge hatten. Van Gogh malte in der Irrenanstalt wie im Rausch Bilder, die in ihrer farblichen Komposition unnachahmbar sind. Es ist unerheblich, ob diese Künstler zu reinen Menschen hochmanipuliert oder auf das Menschlich Allzumenschliche normalisiert werden, entscheidend ist, dass es die gesellschaftlichen Verhältnisse waren, die sie krank gemacht haben.).Denn Musik wird Philosophie überleben, das ist ihre Verheißung, die den Völkern von den sie beherrschenden bürgerlichen Klassen vorenthalten wird. Der Gedanke darf nicht Allgemeingut werden, dass die Herrschaft von Klassen über Klassen und die Gesellschaftswissenschaften sich ebenso reziprok verhalten wie Anarchie und nur noch benötigter Naturwissenschaften. Erst hier ist der wirkliche Freiraum und disponible time für Musik und Kunst.

In einem im Februar 1997 in der Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“ veröffentlichten Aufsatz geht Prof. Dr. Mark Lindley aus Boston auf das Verhältnis von Marx und Engels zur Musik ein, die sie sehr stiefmütterlich behandelten, obwohl der junge Engels sich im Komponieren versucht hatte, sogar in Bremen einige Stücke aufführte und seine Stimme in der Bremer Singakademie zum Besten gab. Über die Musikszene Bremens schrieb er im „Morgenblatt für gebildete Leser“ Nr. 15 vom 18. Januar 1941 liebenswürdig und anteilnehmend. (Vergleiche Friedrich Engels, Verhältnis zur Literatur – Musik, in: Morgenblatt für gebildete Leser, Nummer 15 vom 18. Januar 1841, in: Marx Engels Werke Ergänzungsband Schriften bis 144 Zweiter Teil, Dietz Verlag Berlin 1982,136) .Von Engels weiß man, dass er Beethoven bewunderte, auch, dass sich Marx und er in der Ablehnung Wagners einig waren. . Entscheidend ist der Satz von Lindley auf Seite 23: „…schloß sich (Engels/Heinz Ahlreip) dem Kommunismus an und hörte offensichtlich auf, über Musik zu schreiben“.  1845 war Stephan Born mit Engels in Paris und wußte zu berichten, dass er für Musik keinen Sinn hatte. Anders der Bürger und Ökonom Adam Smith, er hat ein bedeutsames musikästhetisches Fragment hinterlassen. In seiner theoretischen Entwicklung wird spätestens in Engels´ „Lage der arbeitenden Klasse in England“ deutlich, dass alle linkshegelianischen Philosophiephantasmen abgeschüttelt sind und er streng dem Immanenzgitter nackten und nüchternen Tatsachenmaterials, insbesondere über die Animalisierung der werktätigen Erwachsenen und Kinder in Manchester,  verpflichtet sein wollte. Mit dieser Schrift wollte er allen „Schwärmereien und Phantastereien pro und contra“ ein Ende machen. (Vergleiche Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klassen in England, Marx Engels Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1960, 322). Unterschwellig ist bei aller inhaltlichen Distanzierung der revolutionären Klassiker von Kant dessen  harte Denkzucht immer präsent,  der nicht nur für Heinrich Heine Züge Robespierres trug. Kant verortet die Musik in die unterste Schublade der schönen Künste. sie sei begriffslos, mehr Genuß als Kultur. Von der Vernunft beurteilt, hat sie von allen Künsten den wenigsten Wert. Musik, als eine Mitteilung der Gefühle in die Ferne (Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, 1. Teil, § 18 / Man weiß, wie wenig es Kant in die Ferne zog. Das Verharren an einem Ort zeitigte einen Ernst und eine Gründlichkeit im philosophischen Denken, das Kunst zum Diffusen degradierte, zum von vorn herein mit einem Bann zu belegende. Konzentration ist orthaft, die Ferne Zerstreuung) steht daher meines Erachtens als etwas Transitorisches der Revolution fern, die die Menschheit für immer befreien will.  Der Berufsrevolutionär Engels stürzte sich lieber in den Ozean der Revolution als in den der Musik. Umgekehrt Adorno. Er, der Musikkomponist sein wollte und Philosophie komponierte, hat in seinen musiksoziologischen Studien, in seinen Lagebesprechungen  niemals die Dialektik von Revolution und Konterrevolution zugrunde gelegt, in deren Spannungsverhältnis Musik bis zum Kommunismus gebannt bleibt. Deshalb ist seine Bestimmung von Musik grundfalsch: sie sei der „Anruf des Intentionslosen“. (Theodor W. Adorno, Fragment über Musik und Sprache, in: Quasi una fantasia, GS 16, Frankfurt am Main,1978,255). Das bisher wichtigste Lied der Weltgeschichte, das allerdings den Proleten von Paris und dem Erdkreis gewidmet ist, ist übergangen worden. Alles revolutionäre Liedgut ist Intention und man kann es nicht einer kantischen Ästhetik opfern, nach der Musik „interesseloses Interesse“ geruht. Nach Adorno verstehen wir nicht die Musik, die Musik versteht uns. (Siehe: Adorno, Beethoven – Philosophie der Musik, Nachgelassene Schriften, Frankfurt am Main, 1993,15). Aus Adornos Fehlinterpretation der Aufklärung erfolgt hier eine Fetischisierung, eine Umkehrung des Verhältnisses von Subjekt und Objekt, die kontraemanzipativ ist. Wertvolle Musik ist heute nur als bewußte Propaganda, bewußte  Waffe im Klassenkampf gegen das dekadente Bürgertum kreative. Adornos erste größere Veröffentlichung  fällt in das Jahr 1932 und trug den Titel: „Zur gesellschaftlichen Lage der Musik“, die mit dem Gedanken beginnt: „Musik zeichnet in den bestimmtesten Linien die Widersprüche und Brüche ab, welche die gegenwärtige Gesellschaft durchfurchen…“  Die gegenwärtige Gesellschaft ist immer noch eine präkommunistische, in der die gesellschaftlichen Evolutionen sich in politischen Revolutionen artikulieren. Die Arbeiterklasse und die Kleinbauern stehen vor der historischen Mission, die bürgerliche Gesellschaft von ihren Klassenkämpfen zu befreien, indem die Bourgeoisie völlig vernichtet, mit Feuer und Schwert ausgerottet und niedergebrannt wird. Musik, die diesem Ziel dient, hat einen humanistischen Kern, die Konterrevolution will Musik ständig aus jedem revolutionären Kontext lösen als eine über den Klassen frei schwebende. Das ist das, was sie in Wirklichkeit unter der Freiheit der Kunst versteht zur Täuschung der Völker.  Der kapitalistische Herr will Kunst genießen, der Lohnsklave sie als Waffe benutzen. Jener ungestört vom Pöbel, dieser unter Waffenzwang. Auf dem ersten Blick ist das Genußverhalten kunstgemäß, ihrem genuinen Zweck entsprechend. In Klassengesellschaften ist das aber Ideologie. Die Masse des Volkes ist vom Kunstgenuß  abgeschnitten. Während der chinesischen Kulturrevolution gab die Peking Oper nur ein Stück: „Das rote Frauenbataillon“ Das war keineswegs eine Verarmung, es war mehr als ausreichend, frei von Intellektualismen. Im Grunde stellt der weltgeschitliche Klassenkampf heute die Frage über die Entwicklung der Gesellschaft simpel und der Musiker/die Musikerin  hat sich zu entscheiden: entweder geht die gesellschaftliche Entwicklung in eine Richtung, die unter dem Motto steht: jeder für sich, Gott für uns alle ! oder sie geht in eine andere: alle für einen und einer für alle !  Der für die letzte Richtung eintretende proletarische Klassenkämpfer braucht einen gesunden Klassenhass, ein klares Feindbild und die Fähigkeit, virtuos mit der Kalaschnikow umzugehen, die Arbeiter-Marseillaise auf seinen Lippen. Schon die Soldaten Napoleons kamen mit geringem Liedgut aus. Kurz vor Ausbruch der französischen Revolution, im Januar 1789,  stellte Abbé Sièyes die Frage: Was ist der dritte Stand ? Und er antwortete selbst: Nichts ! Was könnte er sein ? Alles ! Und er fügte hinzu: ein gefesseltes und unterdrücktes Alles. Seine Fragen tauchen in der Arbeiter-Marseillaise wieder auf: „Ein Nichts zu sein tragt es nicht länger / Alles zu werden, strömt zuhauf.“. 1888 komponierte der Dirigent des Arbeitervereins von Lille, der Belgier Pierre Degeyter die Melodie, die Marx leider nicht mehr hören konnte und die bis 1943 die Nationalhymne der Sowjetunion war. Musik strömt, ist lebendig auch in der Trauer, über Endliches hinausweisend, spinozistische Substanz, sich aus sich selbst schöpfend, musica perennis, eine Ausdrucksform „in der Zeit“, wie die Kunst eine „im Raum“, sie ist das Wohlbefinden des Ohres und sein Gegenteil: Musik, die nicht vorübergehend ist, kann durch Wiederholung Folter werden. Obwohl also ihrer Anlage nach primitiv,  kann sie nicht im Mittelpunkt stehen, wenn in der urwüchsigen Primitivität der Volksmassen und im robusten Vandalismus des Bauernkrieges das Bürgertum mit Feuer und Schwert ausgerottet und niedergebrannt wird.  Denn Musik entrichtet uns aus dem Alltagsgefängnis universal als Verheißung, sie durchbricht nicht in concreto die Gefangennahme durch eine Ausbeutergesellschaft. Sie ist Religion mit einem süßen Geschmack. Am Ende seines Monumentalfilms „Iwan der Schreckliche“ zeigt der Regisseur Eisenstein den Zaren Iwan im Großportrait und läßt ihn die Worte sprechen: Es ist die Aufgabe des Zaren, die Kleinen und Schwachen zu schützen, aber HART und GRAUSAM gegen die Reichen und Mächtigen zu sein. Wenn er dies jedoch nicht vermag, dann ist er kein Zar. Die diese Schlußszene begleitende Musik ist von Prokofjew kongenial komponiert worden. Ihre Botschaft lautet: Gegenüber der Revolution wird alles zweitrangig.  Und so beende auch ich jetzt meinen kleinen Abstecher: über Musik zu schreiben.

Ein tragisches Opfer der irrationalen Popmusik wurde  der Pink-Floyd-Giterrist Syd Barrett. He reached „the Dark Side of the Moon“ und bestätigte die Message der bahnbrechenden Pink-Floyd-LP, dass sich in uns allen der Wahn umhertreibe. Psychische Störungen trieben ihn in die Eremitage.

Der Groove des Reggae habe seine Herkunft von den Bewegungen der Landarbeiter beim Pflügen der Felder, sollte man Bob Marley Glauben schenken, sein Bassist Robbie Shakespeare, ein Schüler von Aston „Familyman“ Barrett, dem Bassist der „Wailers“, konnte es mit seiner Gitarre umsetzen. Sein spezifischer Groove entstand zusammen mit dem Schlagzeuger Sly Dunbar und unterlegte nicht nur  die Songs der Ikone der herben Ästhetik Grace Jones, sondern auch Serge Gainsbourgs „Aux Armes et Caetera“.

„Wenn Du Rock’n‘ Roll einen anderen Namen geben willst, nenn‘ ihn einfach Chuck Berry“. John Lennon

seine Mutter war Lehrerin, rote Gibson ES 355  durch ihn wurde die Gitarre zum leading instrument of the white pop music  dessen Wurzeln über Ira Harris bis zum Jazzmusiker Charlie Christian zurückreichen   1961 wegen Förderung der Prostitution (eine 14jährige Indianerin) zu zwei Jahren Haft verurteilt

Gegen-Beethoven  „Der sado-masochistische Zug begleitet Strawinskys Musik durch all ihre Phasen“. Adorno, Theodor W.  Philosophie der neuen Musik, Ullstein Verlag, 1974,141

„Subjektivierung und Vergegenständlichung von Musik sind das Gleiche“ a.a.O.,145 Kunstgenuss hat in entfremdeten, in Ausbeutungsgesellschaften immer das Anrüchiige der Egozentrik an sich. Der Prolet geht nicht in die Oper, nur der Connaisseur.

John Winston Lennon, der sich seit dem 22. April 1969 John Ono Lennon nannte   gab Orden zurück   Das erste Solo-Album „John Lennon / Plastic Ono Band exhibitionistisch

schrieb wie Jagger einen Song über Angela Davis  im Januar 1975 erfolgte der letzte Akt, juristisch waren die Beatles endgültig aufgelöst

John Lennon und die Rolling Stones schrieben Songs auf sie. Ihr schmales Gesicht, umrahmt von der Afro-Frisur, zierte Plakate und Sticker. Als sie endlich aus der Haft entlassen wurde und 1973 auch in die DDR kam, wirkte es seltsam, sie zu sehen. Die Ikone war plötzlich real: eine große, schlanke Frau mit lässig-anmutigen Bewegungen und einer Stimme voll leidenschaftlicher Melodik. Am Montag wird Angela Yvonne Davis 65 Jahre alt. Sie lebt in einem Haus in Oakland/Kalifornien mit ihrer Partnerin, einer Dozentin der University of Santa Cruz. Hier unterrichtet auch Davis als Professorin, mittlerweile emeritiert. „Sie ist sehr zugänglich“, sagt eine Berliner Studentin, die 2007 bei ihr ein Seminar über Theorien der Sklaverei belegte. Sie erzählt, wie sich Angela Davis bei einem Studentenprotest für eine Studentin einsetzte, die wegen politischen Protests exmatrikuliert werden sollte. Ähnlich war es ihr selbst 1969 ergangen. Der kalifornische Gouverneur Ronald Reagan hatte die junge Professorin gefeuert, weil sie bei den Black Panthers und Mitglied der Kommunistischen Partei war. Anders als Condoleezza Rice, die aus demselben schwarzen Viertel in Birmingham, Alabama, stammt wie sie, fordert Davis eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft. Nachdem sie 1991 aus der reformresistenten KP der USA austrat, engagierte sie sich bei den amerikanischen Grünen und bei einer Organisation für Demokratie und Sozialismus. Bis heute sieht sie sich als Marxistin und greift in Reden, Aufsätzen, Büchern immer wieder den „gefängnis-industriellen Komplex der USA“ an. Er produziere „einen Zustand, der der Sklaverei sehr ähnlich ist“, sagte sie Ende 2008. Vor allem „Afro- und Latinoamerikaner“ würden weggesperrt, um „die Illusion zu vermitteln, soziale Probleme könnten gelöst werden“. Die Industrie profitiere von billigen Arbeitskräften. Das belegte sie 1998 an Firmen wie IBM, Microsoft oder Boeing. Angela Davis ist auch Sprecherin der Kampagne gegen die Todesstrafe. Ihre Erfahrung von 1970 bis 1972, als sie wegen „Unterstützung des Terrorismus“ angeklagt war, motiviert sie noch immer. In den letzten Jahren kehrte sie mehrfach nach Berlin zurück. 2005 sprach sie auf einem Rosa-Luxemburg-Kongress.

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NIETZSCHE: „An sich ist keine Musik  tief und bedeutungsvoll, sie spricht nicht vom „Willen“, vom „Ding an sich“…“ (Menschliches Allzumenschlich, Aphorismus 215)DYLAN: riss grenze zwisc rock und folk ein    frühe lebenskrise wünscht sich ein publikum das nichts von gestern wußte  seine Vergangenheit abstreifen ab und zu zusammen mit Roy Orbison   nach 1988 konzertmarathon

1965 Highway 61 Revisted das erste durchgehend elektrische Werk

dylan geht back to the roots radio sendung  us satellitensenders „XM“ Moderator wählt songs aus die sendung kommt am kam an und wieviel nachrichten prozentual nicht über die weltzusammenhänge nachzudenken pervers

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