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Zum Tode des Prinzen Sihanouk

27. Oktober 2012

„Kambodschaner sind allesamt Schlingel und ich bin einer davon“. (Prinz Norodom Sihanouk).

Kurz vor seinem neunzigsten Geburtstag ist in Peking der Prinz Norodom Sihanouk gestorben, fürwahr eine der schillernsten Figuren auf  dem politischen Parkett Südostasiens. Dass sich ein Monarchist über Jahrzehnte immer wieder ins politische Rampenlicht seines Landes Kambodscha hineinspielen konnte erklärt sich aus der öconomischen Tatsache, dass Kambodschas Wirtschaft sehr primär eine agrarische ist : die Bauern stellen cirka 80 Prozent der Bevölkerung und in diesen rückständigen Bauern fand die Monarchie ihre Massenbasis. Über Jahrhunderte war Kambodscha  Objekt der Geschichte, ein „Spielball fremder Mächte“.

Kambodscha hatte seine Blüte in der sogenannten Angkor Periode von 802 bis 1442, in der es in Südostasien eine dominierende Stellung einnahm, aber Vietnam und Thailand kamen auf und drängten das Khmervolk auf seine heutigen Grenzen zurück. Aber nicht diese Nachbarvölker, Frankreich wurde in der Periode des Imperialismus „seine“ Kolonialmacht, die das an Bodenschätze arme, feudal geprägte Agrarland, in dem auf drei Vierteln der fruchtbaren Fläche Reis angebaut wird und das auch Kautschuk liefert, öconomisch für nicht so wichtig nahm. Sie sorgte nicht für eine Hafenmetropole, über die die Reichtümer des Landes herausgeholt werden konnten. Kambodscha blieb zunächst von imperialistischen Erschütterungen relativ unberührt und schien in einem politisch toten Winkel zu liegen. Vielleicht kann man von der verspäteten Nation Indochinas sprechen.

Der zweite Weltkrieg, endgültig die Vietnamkriege änderten das, die Kriege zerrissen die feudale „Idylle“. 1941 installierte die französische Kolonialmacht den erst 18 jährigen Prinzen Sihanouk  drei Tage vor seinem 19. Geburtstag als König, sie hielt ihn für einen Playboy, mit dem sie leichtes Spiel habe, und die japanischen Imperialisten drängten diesen jungen König kurz vor ihrer militärischen Niederlage, Kambodscha für unabhängig zu erklären, was am 9. März 1945 auch geschah. Nach der Kapitulation Japans im August 1945 kam es in Kambodscha zu einem Bürgerkrieg zwischen Royalisten um Sihanouk, der sich für lockere Beziehungen zu Frankreich aussprach, Sihanouk war ein glühender Verehrer General de Gaulles, und Republikanern um San Ngoc Thanh, die das Land als unabhängige Republik sehen wollten. (Vergleiche: Nationale Revolution und Untergang Kambodschas, in: Internationale Bibliothek der Kommunistischen Linken, http://www.sinistra.net/lib/upt/kompro/ciqa/ciqaihacad.html). Die Sihanoukisten hatten durch die bäuerliche Massenbasis und französischen Imperialisten die besseren Karten. Kambodscha wurde ein Staat der französischen Union, unabhängig auf dem Papier. Außenpolitisch fielen die Schatten des ersten Vietnamkrieges drohend auf das kleine Kambodscha. Sihanouk rief im Januar 1953 das Kriegsrecht aus, schickte die Parlamentarier nach Hause und regierte das Land diktatorisch. Er brach zu einer zehnmonatigen diplomatischen Offensive in Form einer politischen Weltreise („Königlicher Kreuzzug für die Unabhängigkeit“) auf, um die Unabhängigkeit von Vietnam und Frankreich durchzusetzen. Nach seiner Rückkehr rief er dann am 9. November 1953 die Unabhängigkeit „seines“ Landes aus. (Vgl. a.a.O.). Und in der Tat: die Genfer Indochinakonferenz von 1954 bestätigte nicht zuletzt durch amerikanischen und rotchinesischen Druck die sihanouk´sche außenpolitische Unabhängigkeit. Die außenpolitische Mächtekonstellation um Kambodscha war in Erscheinung getreten: Vietnam, Frankreich, die USA und das China Mao tse tungs.

Innenpolitisch trat Sihanouk  am 2. März 1955 seine Königswürde an seinen Vater Norodom Suramarit ab, um als Ministerpräsident das Volk mit einem bizarren „Khmer Sozialismus“ zu täuschen. Seine Diktatur hatte durchaus eine Massenbasis, die sich in der „Sangkum Reastr Niyum“ (Sozialistische Volksgemeinschaft) wiederfand. (Vergleiche a.a.O.). Dieser planwirtschaftliche Khmer Sozialismus war dreifaltig angelegt: Monarchie Buddhismus Dörfliche Solidarität (die Bauern helfen untereinander). Diese merkwürdige Frucht ergab sich einerseits aus der weltpolitischen Phase des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, den der erste Weltkrieg ausgelöst und den der von Lenin vorausgesehene zweite beschleunigt und als „Kalten Krieg“ auf die Tagesordnung gesetzt hatte und der spezifischen industriellen Rückständigkeit Kambodschas andererseits. Der geschichtliche Klassenkampf in Kambodscha sollte zwanzig Jahre später wiederum einen merkwürdigen (steinzeitlichen) Kommunismus hervorbringen. Zwölf Jahre nach der Selbstentthronisierung Sihanouks deckte der Bauernaufruhr in der Reisprovinz Battambang die ganze Hohlheit dieses Sozialismus auf. Die Royalisten gingen zur Verfolgung der  Roten Khmer über und liquidierten rücksichtslos Kritiker des Sihanouksozialismus. Die Zahl der ohne Gerichtsurteil hingerichteten linken Widerstandskämpfer ging in die Tausende. 

Der Stern Sihanouks sank nach fast 30 jähriger Herrschaft, die Khmer Rouge erstarkten, aber zunächst kamen die USA mit dem von ihr unterstützten Putschgeneral Lon Nol zum Zuge. Kambodscha wurde nun vollends in den Strudel des imperialistischen Krieges hineingezogen, es verfünfachte die Zahl seiner Soldaten. Um den Ho Tschi Minh Pfad zu vernichten, der auch über kambodschanisches Gebiet verlief, Sihanouk hatte den Nordvietnamesen die Erlaubis für diesen Pfad erteilt, warfen die USA vom März 1969 bis August 1973 cirka 539 000 Tonnen Bomben auf kambodschanisches Territorium, 800 000 Menschen fanden den Tod. Sihanouk fand Zuflucht in Peking und gründete dort eine Exilregierung, der auch die Khmer Rouge angehörten. Der US Imperialismus zwang die feindlichen Brüder an einen Tisch. Zweifelsfrei war diese Exilregierung primär gegen diesen Imperialismus gerichtet, die Khmer Rouge operierten gegen diesen bereits auf kambodschanischen Territorium. Der 1975 endende Indochinakrieg hatte auch dieses Land ruiniert, über fünfzig Prozent der Reisfelder waren unfruchtbar, die minimale Industrie fast völlig zerstört. Sie war zu einer steinzeitlichen geworden. Die Strategen des US Imperialismus wollten ja bekanntlich die Kommunisten Indochinas in die Steinzeit zurückbomben, so der Luftwaffengeneral Curtis Le May, als er nach dem Ziel der Operation „Rolling Thunder“ befragt wurde.  Die us-amerikanischen Imperialisten bombten das Land unter die Führung von Pol Pot. Im Sepoy Aufstand in Indien, der 1857 ausbrach, wertete Marx das fürchterliche Vorgehen der Aufständischen als Reflex von Englands eigenem in konzentrierter Form. (Karl Marx, Der indische Aufstand, Werke Band 12, Dietz Verlag 1960,285). Die us-imperialistischen Steinzeitmenschen waren es, die den Grundstein gelegt  hatten für einen sogenannten Steinzeitkommunismus und sie führten ihren Feldzug gegen den Kommunismus nach ihrer miltärischen Niederlage wenigstens ideologisch weiter, indem sie mit ihren blutigen Fingern auf die Khmer Rouge zeigten, um sich als Humanisten aufzuspielen. Dieser schmutzigste aller Imperialismen („Jeder Dollar trägt Blutspuren…“, wie Lenin in seinem Brief vom 20. August 1918 an die amerikanischen Arbeiter schrieb. Vergleiche Lenin, Brief an die amerikanischen Arbeiter,in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin,1956,202) hat natürlich Dutzende von Menschenrechtsorganisationen zu seiner Verfügung, die eine „Menschenrechtsverletzung“ sich befreiender Sklaven nach der anderen anzuklagen haben. Terroristische Akte gegen Sklavenhalter können keine Menschenrechtsverletzungen sein, wir müssen wie die bürgerliche Justiz, die die Sklavenhalter unter der Heuchelei der formalen Gleichberechtigung mit dem Sklaven schützt,  mit zweierlei Maß messen.  Ist für die bürgerliche Justiz der Privateigentümer heilig, so für die revolutionäre der sich befreiende Sklave und der Sklavenhalter ist rechtlos. Die proletarisch bäuerliche Sowjetverfassung lehnt die Heuchelei der formalen Gleichberechtigung vollkommen ab. (Vergleiche Lenin, a.a.O.,214). Für Aristoteles war der Sklave ein vernunft- und seelenloses Werkzeug, für die revolutionäre Volksjustiz trifft diese Bestimmung umgekehrt auf den Sklavenhalter zu, er ist ein vernunft- und seelenloses Werkzeug, das kaputtgemacht werden muss, gerichtlich und außergerichtlich, auch durch Straßenterror als Volksjustiz. Es gibt in der Regel reaktionären Terror und ausnahmsweise in der Geschichte revolutionären so wie es eine ungeheure Anzahl von Raubkriegen und nur wenige Befreiungskriege gegeben hat. (Vergleiche Lenin, a.a.O.,200). Wir müssen uns in der Dialektik von Revolution und Konterrevolution sensibilisieren für eine richtige Beurteilung politischen Terrors. Eine neutrale Position kann es nicht geben, wird aber gerne eingenommen. So auch Jutta Lietsch in ihrem taz Artikel zum Tode Sihanouks. („Der Prinz, der einmal König war“, taz vom 15. Oktober 2012). Sie spricht ganz einfach von einem „Terrorregime der Roten Khmer“. Insofern die Khmer Rouge die Stützen der verbrecherischen CIA-Lon Nol-Militätdiktatur und alle Anhänger des alten Terroregimes liquidierten, war ihr Terror progressiv. „Kein einziger Arbeiter, kein einziger Bauer zweifelt dran, daß er (der Terror/Heinz Ahlreip) notwendig ist; außer hysterischen Intelligenzlern zweifelt niemand daran“. (Lenin, Über die internationale und die innere Lage der Sowjetrepublik, Rede in der Sitzung der kommunistischen Fraktion des Allrussischen Verbandstages der Metallarbeiter am 6. März 1922, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin, 1956,287).

Das durch den US Imperialismus verursachte Elend der kambodschanischen Bauern ist diesen „Organisationen“ natürlich völlig gleichgültig. Eine Folge des US Bombardements war die Flucht aus dem Dorf in die Stadt, um in ihr besseren Schutz vor den Luftangriffen zu finden. So verfünfachte sich zum Beispiel die Einwohnerzahl Phnom Penhs auf drei Millionen, das heißt fast die Hälfte der Kambodschaner hauste in ihrer Hauptstadt. Um die Existenz des kambodschanischen Volkes zu retten, mußten die Khmer Rouge die Städte radikal entvölkern, denn nur die landwirtschaftliche Produktion konnte das Überleben eines Bauernvolkes sichern. Und 1977 erschien im spießigen „Reader´s Digest“ ein Artikel eines sießbürgerlichen „Menschenrechtlers“, der den Lesern vorrechnete, in Kambodscha seien seit dem Machtantritt der bösen Kommunisten 1,2 Millionen Menschen ermordet worden. (Vergleiche a.a.O.). Die imperialistischen Medienbengels griffen gierig zu und erhöhten die Horrorzahlen. Im Nachruf auf den Prinzen Sihanouk von einem Till Fähnders in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 16. Oktober 2012 („Ein Leben für Kambodscha“) sind es dann „bis zu zwei Millionen“. (In der taz sind es über eine Millionen). Damit nicht genug: die Kommunisten sollen laut FAZ (in der taz fehlt das „sollen“ bereits) fünf Kinder und vierzehn Enkelkinder des Prinzen ermordet haben. „Dennoch setzte sich Sihanouk nach dem Einmarsch der Vietnamesen dafür ein, dass die Khmer Rouge …weiter als legitime Vertreter Kambodschas behandelt wurden“ (FAZ). Hier haben wir ein Musterbeispiel der Manipulierung durch die bürgerliche Presse vor uns: Sprachpsychologisch faktisiert das „Dennoch“, macht aus einer Vermutung eine Tatsache. Wenn die bösen Kommunisten nun keine Kinder ermordet haben (sie sollen es ja nur), dann gibt es kein „Dennoch“. Überhaupt stellt Fähnders es so dar: die Khmer Rouge führten einen primitiven Agrarkommunismus ein. Wenn überhaupt gesellschaftliche Gebilde auf einer selbsttätigen Massenmobilisierung beruhen, so ist es der Kommunismus, einen „Kommunismus“ kann kein Mensch, auch kein Genie, auch keine verschwörerische Clique von Berufsrevolutionären und auch keine noch so rrrrevolutionäre Partei einführen. Mit einem inneren Grunzen des Rechthabens verfolgte der faul-ende Spätbürger in den Weltmetropolen das kambodschanische Experiment eines Agarkommunismus ohne Industrieproletariat und ohne Kommunistische Partei. Es war auch interessant für die intellektuellen Marcuseschüler, die ja auch von einer Revolution ohne Proletariat und ohne Partei schwärmten (allerdings auch ohne Bauern). Dennoch gab es untergründig eine politisch intellektuelle Verwandtschaft zwischen der 68er Studentenschaft und der Bauernmiliz Pol Pots im grandiosen Irrtum, die sozialistische Phase könne übersprungen werden. Das Experiment scheiterte jedoch, denn aus dem kambodschanische Volk konnte sich ab 1979 gegen den Überfall Vietnams kein nationalrevolutionärer Befreiungskrieg einer Bauernmiliz entwickeln.

Dabei waren  die Khmer Rouge nicht ohne weiteres gleich auf der falschen Spur. Schon Marx und Engels befassten sich, angeregt durch die Untersuchungen H. Morgans über die Urgesellschaft, die er 1877 veröffentlichte, mit dem Thema, ob die russische Dorfgemeinde (obschtschina) einen unmittelbaren Ausgangspunkt für eine sozialistische Entwicklung der russischen Gesellschaft  bilden könnte. Nachdem die weitere Entwicklung, vor allem die Oktoberrevolution, diese Frage obsolet gemacht hatte, stellte Lenin das Thema auf eine andere Weise: „Der imperialistische Krieg hat die abhängigen Völker in die Weltgeschichte hineingerissen. Und eine unserer wichtigsten Aufgaben besteht darin, darüber nachzudenken, wie wir den Grundstein zur Organisation einer Sowjetbewegung in den NICHTkapitalistischen (Nicht von Lenin kursiv) Ländern legen sollen. Sowjets sind dort möglich: Sie werden keine Arbeitersowjets, sondern Bauernsowjets oder Sowjets der Werktätigen sein“. (Lenin, Bericht über die internationale Lage und die Hauptaufgaben der Kommunistischen Internationale auf dem Zweiten Kongress der Kommunistischen Internationale am 19. Juli 1920, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin,1956,265).  Für Lenin gibt es also einen räterevolutionären Ansatz auch in Ländern, die sehr schwach industrialisiert sind und in denen das Proletariat folglich  eindeutig in der Minderheit ist. Sowjets der Werktätigen sind also möglich in Ländern, in denen es kein oder fast kein Proletariat gibt. Er hatte dabei besonders die rückständigen, nichtindustrialisierten Länder des Ostens im Auge. Auch in ihnen ist eine rätedemokratische Herrschaft der Massen möglich, überwiegend wird sie aus Bauernsowjets gebildet werden, kombiniert mit anderen Sowjets der Werktätigen. Auch die Auflösung der großen Städte ist ein dem Kommunismus keineswegs fremder Gedanke, schon der junge Engels hatte ihn bei seinem Aufenthalt in Manchester. Die heutigen Weltmetropolen – was sind sie anderes als kapitalistische Hochburgen der Bereicherung, der Geldsucht, der Verelendung, des Lasters, der Prostitution und des Verbrechens. Vor allem Kriegszentren der Planungsbüros imperialistischer Völkermorde.

Sihanouk kehrte noch während des Khmer Rouges Regimes nach Kambodscha zurück und wurde formal Präsident des „Demokratischen Kampuchea“. Nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen war er wiederum Exilant. Zwei Jahre nachdem diese sich 1989 wieder zurückgezogen hatten, kehrte er in seinen königlichen Palast zurück. Nach 38 Jahren „ohne Krone“ folgte eine zweite, elfjährige Amtszeit als König, in der er sich als „Königsvater“ anreden ließ. Die Khmer Rouge überlebten als „Kambodschanische Volkspartei“ wie in Deutschland die SED als PDS…usw.  Bei den von der UNO ausgerichteten Wahlen verlor die Volkspartei gegenüber der royalistischen Funcinpec Partei, aber der „altbolschewistische“ Regierungschef Hun Sen weigerte sich, die Macht an den Prinzen Norodom Ranariddh abzugeben. Hier trat nun der König vermittelnd ein und fand die Lösung einer zweiköpfigen Regierung: der „Altbolschewik“ und Prinz Ranariddh, zwei Premierminister nebeneinander. Es konnte nicht gutgehen, Hun Sen war politisch mit allen Wassern gewaschen, Sihanouk selbst bezeichnete seinen Sohn als unfähig. 2004 trat Norodom Sihanouk für viele überraschend aus gesundheitlichen Gründen zurück. In Wirklichtkeit war er schwer krank, er litt an verschiedenen Krebserkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck. Er habe zu lange gelebt, das hohe Alter sei eine nicht zu ertragende Last. Nachfolger wurde sein Sohn Sihamoni, ein ehemaliger Ballettänzer. Immer häufiger hielt er sich in Peking zur medizinischen Betreuung auf. von dort kommentierte er auf seiner Internetseite in den berühmten „Hofbulletins“ die politische Entwicklung seines Landes. Der „Königsvater“, der sechsmal verheiratet war, zuletzt mit dem kambodschanisch-italienischen Model Monique Izzi, und mindestens 14 Kinder hatte,  verstarb am 15. Oktober 2012 in Peking an einem Herzinfarkt, wie sein Sekretär Prinz Sisowath Thomico mitteilte. Die Pekinger Regierung sprach vom Verlust eines „großen Freundes“. Er starb 16 Tage vor seinem 90. Geburtstag.

Liao Yuwi Das chinesische Imperium muss verschwinden

22. Oktober 2012

Es gab eine Zeit in Deutschland, da wurden Bücher geschrieben, die als Früchte der bürgerlichen Aufklärung und der bürgerlichen Revolution weltgeschichtlich bedeutsam waren: Goethes „Faust“, Kants „Zum Ewigen Frieden“, Hegels „Phänomenologie des Geistes“ und seine „Logik“, um nur einige der wichtigsten zu nennen. Nach der 48er Revolution aber ging der deutschen Bourgeoisie der hohe theoretische Sinn so ziemlich verloren und in der Phase des Imperialismus erst recht. In einem Klima der Fäulnis und  und in einem Milieu der  Dekadenz kann nichts weltgeschichtlich Epochales gedeihen, im Gegenteil, die deutsche Bourgeoisie hat zwei verheerende Weltkriege vom Zaun gebrochen, die größten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit an der Menschheit. Ich mache also den Schriftstellern ihr heutiges Niveau nicht subjektiv zum Vorwurf, die Klage ist bei Lichte besehen billig, dass keine Meisterwerke mehr geschaffen werden (können). Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat heute ein mageres Renommee und lokal bornierte Bedeutung. In diesem Jahr ist er einem 2011 nach Deutschland, dem klassischen Land der Konterrevolution,  geflohenen Chinesen zuerkannt worden, einem sogenannten Bürgerrechtler vom Tiannanmenplatz . Am 14. Oktober 2012 ging zum Abschluß der Frankfurter Buchmesse der Akt der Überreichung in der Frankfurter Paulskirche über die Bühne. Mit der Paulskirche ist auch eine unheilvolle politische Tradition in Deutschland verbunden, man lese nur, was der junge Engels über die teilweise obskuranten Lebensläufe der Teilnehmer am deutschen Parlament in seiner Schrift „Revolution und Konterrevolution in Deutschland“ schreibt. Es ist keineswegs eine „ehrwürdige Paulskirche“, wie Liao Yiwu in seiner Dankrede am Sonntag meint, Engels sprach vom „Frankfurter Wolkenkuckucksheim“. (Friedrich Engels, Marx und die „Neue Rheinische Zeitung“ 1848 – 49, Marx Engels Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,20).  Der Tenor dieser auf Chinesisch gehaltenen Rede ist eindeutig: Sechs mal kam in der Rede die Aussage vor: das chinesische Imperium muss verschwinden, und diesen Satz sprach er auf Deutsch aus. Warum muß das Imperium verschwinden ?

Liao Yiwu steht in der alten konfuzianistischen Tradition und in der jungen der Tiananmenstudenten. In seinem mittlerweile auch in Deutschland erschienenen Buch „Die Kugel und das Opium“, ein Gesprächsband über die chinesischen Inhaftierten der Bürgerrechtsbewegung von 1989,  setzt er sich mit den Ereignissen auf dem Tienanmanplatz auseinander mit dem Ergebnis: 200 000 Soldaten hätten Peking massakriert. Bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts wäre das schwergefallen, denn 1450 wohnten in Peking über eine halbe Millionen Menschen. Heute sind es elf Millionen, die Soldaten wären in den Massen ertrunken.

Ein Grundgedanke Liao Yiwus ist das Streben der Menschen nach ihrem Geborgensein in der Heimat, ja er geht bis in die embryonale Geborgenheit im Mutterleib zurück: vor über 2 500 Jahren sprach der Philosoph Laozi in seinem Werk „Daodejing“ von zwei Wesen, die schwach und doch unüberwindlich sind: ein neugeborenes Kind und das Wasser, durch das Kind vermehrt sich die Menschheit, in ihm ist die ursprüngliche Energie, das Qi der Menschheit und das Wasser symbolisiert die Ausdehnung der Natur. Die Qicongheilkunst verortet die Lebensenergie Qi im Unterleib, „um in den ursprünglichen Zustand des Embryos im Mutterleib zurückzukehren“. (Liao Yiwu, Dieses Imperium muss verschwinden“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Oktober 2012,8). Und es ist ganz folgerichtig, dass jetzt in der Rede von Liao Yiwu ganze Absätze voll mit reaktionären Gedankengut dargeboten werden.

Durch ihre Tradition haben die Chinesen Schwierigkeiten mit dem Abnabeln, Hegel bemerkt in seiner „Philosophie der Weltgeschichte“, dass die Chinesen nicht die Tollkühnheit aufbrachten, sich auf die Ozeane deer Welt zu wagen. Nicht zufällig ergab sich in China die Orientierung der Lebensenergie retadierend auf das Embryo und in der Akupunktur wurde entdeckt, dass die menschliche Ohrmuschel ihrer Form nach ein Embryo enthalten kann. Auf dieser Konturidentität basiert die Ohrakupunktur. Wie ist es zu erklären, dass China in England keine Kolonien besaß ? (Erst am 25. September 2012 hat das Großreich China seinen ersten Flugzeugträger Liao Ning, der der Kusnezow Klasse angehört und 1998 von Russland gekauft wurde, in Dienst gestellt). Gerade  in der imperialistischen Epoche ist die Ozeanorientierung, der Bau von großen Marineschiffen, die Engels im Anti Dühring „schwimmende Fabriken“ nannte, zwingend, lag und liegt die Zukunft auf dem Wasser, denn der Imperialismus  reißt ausnahmslos alle Völker vom Nabel ab in den Strudel der Weltpolitik. Dazu schon aufschlußreich der § 247 der Hegelschen Rechtsphilosophie. Ein Gefühl für  Heimat können wir nicht mehr haben. Dieses Gefühl aber macht für Liao Yiwu die Lebensqualität aus: die Rückkehr zur heimatlichen Erde sei für einen alten Menschen „so wichtig wie die Mutterbrust für den Säugling“. (a.a.O.). Je kleiner daher ein Staat, desto besser sei das für das Wohlleben seiner Bürger, das rote Imperium muss zerfallen. „Je kleiner ein Land ist, desto leichter läßt es sich regieren. Wäre ein Land nicht größer als ein Dorf, dann können seine Bewohner mühelos einen Präsidenten finden, zusammen trinken und zusammen pinkeln oder gemeinsam über Politik diskutieren“. (a.a.O.). Diese ruralen Infantilismen, die an die autarken „Phalanstères“ Fouriers oder das bakuninsche Ideal kleiner Kommunen assoziieren läßt,  das auch die russischen Sozialrevolutionäre mit ihrer Föderation kleiner und kleinster Sozialverbände kontinuierten, gibt ein Redner von sich, der sich naiv einbildete, in der Paulskirche vor der Elite Deutschlands zu predigen. Der in einem SPIEGEL Interview eine apolitische Grundhaltung des Schriftstellers fordert. (Vergleiche DER SPIEGEL, Nr. 42, 2012,144). Und der sich deshalb auch nicht die Frage stellt, ob eine Dorfkommune überhaupt einen Präsidenten braucht. Engels sprach von der Kommune als von einem Gemeinwesen, das schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr ist. Und was macht diese angebliche Elite Deutschlands ? Sie steht geschlossen auf und bringt stehend Ovationen ! Unter anderem der Bundespräsident Gauck, der hessische Ministerpräsident Bouffier, der Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann, die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller (sie hatte Tränen in den Augen), der ehemalige Bundespräsident von Weizsäcker, die früheren Friedenspreisträger Alfred Grosser, Friedrich Schorlemmer und Boualem Sansal, Wolf Biermann, Günter Wallraff, Necla Kelek…und Bundesbildungsministerin Annette Schavan – ausgerechnet Schavan. Keiner stand gegen diesen reaktionären Plunder auf. Man lese nur in Friedrich Engels Schrift „Über den Verfall des Feudalismus und das Aufkommen der Bourgeoisie“ nach, wie progressiv der Autor das Aufkommen der bürgerlichen Nationalstaaten gegenüber der feudalen Duodezzersplitterung deutet. Die französischen Jakobiner waren Zentralisten, Robespierre führte im Jakobinerclub aus, dass es nicht nur ein Volk ist, für das sie kämpften, sondern das Weltall. (Vergleiche Robespierre, Rede über die politische Lage der Republik vom 17. November 1793)f  Als der deutsche Pädagoge und politische Schriftsteller Joachim Heinrich Campe 1789 in Begleitung Wilhelm von Humboldts nach Paris reiste, notierte er: Ich hätte die ersten, die uns begegneten, umarmen mögen. Es waren, so schien mir, keine Franzosen mehr; meine Reisegefährten und ich hatten unsrem damaligen Gefühl nach und in Beziehung auf sie gleichfalls für den Augenblick aufgehört, Brandenburger und Braunschweiger zu sein. (Vergleiche Pierre Bertaux, Hölderlin und die französische Revolution, edition suhrkamp 344, 1969,26). Lenin hat in seinem Fundamentalwerk „Staat und Revolution“ den ganzen reaktionären Charakter der Kleinstaaterei aufgedeckt und großen politischen Einheiten den unbedingten Vorzug gegenüber dem Föderalismus gegeben, weil dieser weniger Freiheit mit sich bringt. Insbesondere legt das zwanzigste Jahrhundert durch den deutschen und italienischen Faschismus Zeugnis ab, wohin fehlende nationale Einheit, wohin provinzielle Zersplitterung  führt. Der Faschismus war auch ein Angstaufschrei der Provinzspießer vor der als bedrohlich empfundenen Urbanität. Nein, die Zukunft der Arbeiterklasse liegt nicht in kleinen Dörfern, sie kann nur in der Großraumproduktion, in der Mobilität und im Zentralismus liegen. „Die gesamte Gesellschaft wird ein Büro und eine Fabrik mit gleicher Arbeit und gleichem Lohn sein“. (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1960,488). Liao Yiwu idealisiert stattdessen die Zeit der staatlichen Zersplitterung vor der Zeit der „Streitenden Reiche“, also drei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung (!!), er idealisiert den Wettstreit der hundert Schulen, ein Ausdruck, der aus dieser alten Zeit stammt. Felicitas von Lovenberg, die Literaturchefin des Börsenpflichtblattes „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ lobte in ihrer Laudatio Liao Yiwu dafür, dass er statt eines monotonen Chinas ein China der Vielheit der Gesichter zeige. Aber diese Vielheit ist doch nur ein Synonym für konterrevolutionäre Pluralität, für Spaltungen des Volkes und für Parteienpluralität. Wir brauchen so etwas nicht, sondern ein einheitliches Volk unter Waffen mit einer einheitlichen Uniform im Namen der Egalität. Saint Just, der Chef der politischen Polizei Robespierres, hatte bereits in der Französischen Revolution eine einheitliche Nationaluniform für alle Franzosen konzipiert und in der Großen Chinesischen Kulturrevolution, die St. Justs Idee realisierte,  gab es keine Rangunterschiede mehr, keine Pluralität von Dienstgraden. Die verspielte Vielheit der Gesichter, die Felicitas von Lovenberg bei Liao Yuwi so sympathisch findet, ist nur möglich, weil Millionen und Abermillionen Kulis tagein tagaus monotonste Arbeit verrichten. „Die gesamte Gesellschaft wird eine Fabrik sein“ – das ist es, was die Börsianer fürchten. Es geht in China das handfeste Gerücht um, dass die Partei auf ihrem Kongress im November die „Mao Tse Tung Ideen“ aus dem Statut nehmen will. In den chinesischen Zeitungen beginnt die Auflistung der Partei-Ideologen schon nicht mehr mit Mao, sondern mit Teng Hisao Ping. Petra Kolonko von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt zu diesen Vorgängen. „Tatsächlich hat sich Chinas Kommunistische Partei schon lange von den Mao-Ideen verabschiedet. Klassenkampf, Revolution, Kollektivismus und Diktatur des Proletariats passen nicht zur Realität des heutigen China mit seinen Milliardären, seinem riesigen Einkommensgefälle und seiner vielfältigen Gesellschaft. Die Partei nennt sich noch kommunistisch, darf aber – das war die Neuerung, die der frühere Vorsitzende Jiang Zemin einführte – jetzt alle Bevölkerungsschichten vertreten“. (Petra Kolonko, Mao verschwindet, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Oktober 2012,3). Eine Fabrik oder eine vielfältige Gesellschaft, alle für einen, einer für alle oder „Jeder für sich, der Gott für uns alle (in seiner ganzen Vielfalt) – that´s the question ! Wir erleben also die Frankfurter Paulskirche wieder einmal als Wolkenkuckucksheim, wenn Liao Yuwi schwärmte, seinen reaktionären Plunder vor der geistigen Elite Deutschlands doziert zu haben, so fragt sich noch, welche Elite ? Es war nicht die demokratisch republikanische, es war die kleinstaatlich feudale, fern jeglicher Zivilisation, unter dem Niveau von 1789. Gegen diese „Elite“ sprach der deutsche Demokrat Rebmann aus Paris in seiner „Laterne bei Nacht für die mittlere Volksklasse“  1797 von „kleinen fürstlichen Insekten“. Kurz: Liao konnte den Kommunismus im klassischen Land der Konterrevolution auch nur vor dem Abschaum der konterrevolutionären Gosse anklagen.

Ein Vorbild ist für den Empfänger des Friedenspreises  der Dichter Qu Yuan, der sich aus Heimatliebe in den Fluß Milou stürzte und ertrank.“Die wahre Heimat dieses Dichters ist die Gegend um den Dongting See in der Provinz Hunan und nicht etwa das durch blutige Annexion und großes Leid geschaffene chinesische Großreich, in dem so viele Gebiete und Völker zwangshalber aneinandergekettet sind“. (a.a.O.). Und so zieht er einen blutigen Bogen von dem ersten Reichseiniger Kaiser Qin Shihuang, mit dem die chinesische Geschichte ihren unheilvollen großmachtchauvinistischen Verlauf eröffnet haben soll,  zu Mao Tse Tung, die beide auf lokale Empfindlichkeiten keine Rücksicht genommen hätten (Mao zum Beispiel nicht auf Tibet). „Der Große Vorsitzende ermahnte das Volk bei jeder Gelegenheit, dass nichts, selbst tödliche Katastrophen nicht, so schlimm sei wie die Spaltung des Volkes, der Verlust der Partei und der Nation“. (a.a.O.). Mao hatte Recht, denn unter kapitalistischen Produktionsbedingungen leiden die arbeitenden Menschen „täglich und stündlich tausendmal mehr entsetzlichste Leiden und unmenschlichste Qualen“als bei irgendwelchen außergewöhnlichen Ereignissen wie Kriege, Erdbeben usw. (Vergleiche Lenin, Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion, in: Lenin, Marx-Engels-Marxismus, Dietz Verlag Berlin 1967,261f.).  Dagegen setzt Liao Yuwi die Mahnungen Maos in eine Reihe mit denen von Lenin, Stalin, Hitler, Ceausescus, Kim Jong-ils, Saddam Husseins oder Gadaffis. Da liegen die Köder für die Paulskirchenmeute vor uns. Stalin Hitler hintereinander, aus gleichem Holz…da muss man ja aufstehen, da jauchzst die Paulskirchenelite auf, da gibt es stehend Beifall und bei Frau Müller kullern die Tränen…allerdings nur, wenn man die Dialektik von Revolution und Konterrevolution ausblendet: die vom Marxismus, vom Leninismus aufgeklärten Völker streben eine Welt ohne Herrschaft an, die Hitlerbarbaren und die heutigen Imperialisten die Weltherrschaft. Dafür also, für die Fürsprache für die Knechtung der arbeitenden Menschheit, für die permanente Kriegserklärung des Kapitals an die Arbeit,  gibt es den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Aber diese Elite in der Kirche jubelt und jauchzst zu früh, der Brecht´sche lesende Arbeiter ist keineswegs ausgestorben, wie es die kapitalistischen Massenmedien suggerieren. Und dieser lesende Arbeiter bereitet sich auf ein letztes weltgeschichtliches Gefecht vor, in dem der blutsaugende Klassenfeind mit Feuer und Schwert ausgerottet und niedergebrannt wird. In diesem Gefecht können keine bürgerlichen Friedenspreise verliehen werden, die nur laue Gestalten bekommen, die niemals in ihrem Leben hart und grausam gegen Reiche und Mächtige waren,  sondern Leninorden. Hammer, Sichel und Gewehr (verbunden mit dem Studium der Werke der Klassiker) schaffen den Sozialismus her – aber nur, wenn die ökonomischen Bedingungen für diesen reif sind.

Positiv in der Dankrede des chinesischen Schriftstellers ist aber, dass er nicht nur die Profitsucht der rotchinesischen Mandarine, die Teng Hsiao Ping zu ihrem Ahnherren haben, kritisiert, sondern auch die Profitsucht in der westlichen Welt. „Immer mehr Chinesen werden feststellen, dass es auch im demokratischen Westen  weder Gerechtigkeit noch Gleichheit gibt und auch dort habgierige Funktionäre und andere Profitgeier sich schamlos nach dem Muster „Dem Sieger gehört die Beute“ verhalten. Und so werden sie bald alle diesem Beispiel folgen, und in einer nicht allzu fernen Zukunft wird es an allen Ecken der Welt voll von chinesischen Betrügern sein, die um jeden Preis ihre Heimat verlassen wollen. Das Wertesystem dieses Imperiums ist längst in sich kollabiert und wird nur noch vom Profitdenken zusammengehalten“. (Liao Yiwu, Dieses Imperium muss verschwinden“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Oktober 2012,8). Was für den Osten gilt, gilt allerdings auch für den Westen. Und die Elite steht auf und beklascht diesen Fingerzeig auf ihren eigenen unvermeidlichen Untergang. Auch wenn Deutschland keine Kulturrevolution aufzuweisen hat, keine erfolgreiche Revolution, sondern nur erfolgreiche Konterrevolutionen und deshalb geistig noch tief im Mittelalter herumsumpft. Und ausgerechnet dieses historisch verkrüppelte Deutschland nennt Liao Yiwu seine geistige Heimat. (Vergleiche DER SPIEGEL, Nr. 42,2012,144).

Luxemburg und Bömelburg

13. Oktober 2012

Aus Anlaß des hundertsten Todestages von Theodor Bömelburg veröffentlichte „Der Grundstein / Der Säemann“, die Monatszeitschrift der IG BAU (Bau, Agrar,Umwelt), einen Artikel von Lutz Bachmann: „Beginn der modernen Arbeitervertretung – Flügelkämpfe mit Rosa Luxemburg um den Generalstreik“, der das Lebenswerk Bömelburgs würdigt. War er ein „moderner Arbeitervertreter“ ?

Theodor Bömelburg wurde an 27. September 1862 in Westönnen / Westfalen geboren. Sein Vater war Maurer und ließ ihn schon zwei Tage nach seiner Geburt in der Westgönner Pfarrkirche nach katholischem Ritus taufen, ein Taufpate war der Schneider Theodor Bonnekoh. Theodor Bömelburg blieb zeitlebens Katholik, in seiner Jugend war er ein eifriger Kirchgänger. Von einem Bruch mit dem Katholizismus wissen die Biographien nichts zu berichten. Ich muss auf diese religiöse Seite besonders insistieren, da der künftige Geschichtsschreiber der deutschen Sozialdemokratie beim Aufspüren der Wurzeln ihres schmachvollen Zusammenbruchs im Jahre 1914 nicht wenig interessantes Material zur Gleichgültigkeit dieser Partei in religiösen Fragen vorfinden wird. (Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin,1960,464). Schauen wir, was aus diesem perversen katholischen Sumpf der Arbeiterbewegung für eine Frucht entgegengewachsen ist ?

1888 findet der Maurer in Hamburg Anschluß an die SPD. Der katholische Maurer gehört dem rechten Flügel an und gilt als Pragmatiker, ein „Realo“, wie ihn Lutz Bachmann nennt. „Er wollte ein besseres Leben für „seine“ Maurer. Es waren die großen Ziele, für die Bömelburg kämpfte – sie bestimmen noch heute die Arbeit der IG Bau Agrar Umwelt (IG BAU). Er erstritt in Tarifverhandlungen höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und kämpfte für den Bauarbeiterschutz. Gleichzeitig förderte er die Gemeinschaft der Maurer durch Ausflüge, Feste und natürlich die Maurergesangsvereine – im Chor der Maurer Hamburgs sang er selbst mit“. (Lutz Bachmann, Flügelkämpfe mit Rosa Luxemburg um den Generalstreik, in: Der Grundstein / Der Säemann, Nr. 10, 2012,24). Sind das die „großen Ziele“ der Arbeiterbewegung, die die tiefste Revolution in der Weltgeschichte zu vollführen hat ? Wein, Weib und Gesang wird die Arbeiterbewgung niemals ablehnen, aber das ist nur die eine Seite, zugleich muss man sich auf einen Bürgerkrieg gegen das Kapital in seiner fürchterlichsten Form vorbereiten. Rosa Luxemburg deutete den Proletarier im Sturm der revolutionären Periode zu einem „Revolutionsromantiker“ (ironische Anspielung auf den in Opportunistenkreisen beliebten Begriff der Revolutionsromantik), „…für den sogar das höchste Gut, nämlich das Leben, geschweige das materielle Wohlsein im Vergleich mit den Kampfidealen geringen Wert besitzt“. (Rosa Luxemburg, in: Detlef Lehnert, Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 bis 1983, Frankfurt am Main, 1983,103). Es ist ein großer Volksbetrug, den Arbeitern ein besseres Leben klassenkampflos unter Tarif-, unter Kapitalbedingungen in Aussicht zu stellen. „Während der absolute Lohn durch die gewerkschaftliche Aktion gehoben wird, wird der relative Lohn, das heißt der Anteil des Arbeiters an dem gesellschaftlichen Reichtum , infolge der wachsenden Produktivität der Arbeit immer geringer“. (Rosa Luxemburg, Die Hetzer an der Arbeit, http://harte–zeiten.de/Dokument_407.html). Es ist in diesem Zusammenhang aufschlußreich, die Artikel hinzuzuziehen, die Friedrich Engels 1881 für die englische Gewerkschaftszeitung „Labour Standard“ geschrieben hat und in denen er die englischen Gewerkschaftsführer aufforderte, sich statt auf höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten auf das im Lohnsystem selbst liegende Grundübel zu konzentrieren. Das große Ziel der Arbeiterbewegung ist der Kommunismus und kann nur der Kommunismus sein – alle anderen Ziele können nur Teilerfolge auf ihrem revolutionären Weg bedeuten, Teilerfolge, die das Lohnsklavendasein noch keineswegs beenden. Die Arbeit der IG BAU in diesem engstirnigen „katholisch zünftlerischen“ Rahnmen führt daher über das Lohnsklavendasein in der Substanz nicht hinaus, so wichtig höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und Arbeitsschutz auch sind. Nicht das ist der Gewerkschaftsführung vorzuwerfen, sondern dass sie nichts unternimmt, um den Horizont ihrer Mitglieder in revolutionärer Hinsicht zu erweitern. Im Gegenteil – sehe ich mir wieder die Literaturempfehlungen für den Monat Oktober von der Grundsteinredakteurin Gerlinde Dickert an – ein Bankthriller aus New York aus den 90er Jahren, über einen Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand, ein Krimi rund um den Burgunderwein, über den Untergang der Titanic…, so ist ganz offensichtlich, dass die Gewerkschaftsmitglieder nicht über die Dialektik von Lohnarbeit und Kapital, die ihr Lebensschicksal bestimmt,  aufgeklärt werden sollen, die Arbeiter werden regelrecht „eingelullt“, wie es schon Luxemburg Bömelburg vorwarf. (Siehe den Schluß ihres Artikels „Die Debatten in Köln“ in der Sächsischen Arbeiterzeitung vom 30./31. Mai 1905, abgedruckt in: Peter Friedemann (Hrsg.): Materialien zum politischen Richtungsstreit in der deutschen Sozialdemokratie 1890 bis 1917, Band 2, Frankfurt am Main,1978,565f.).

Denn Bömelburg war einer der entschiedensten Gegner des politischen Massenstreiks, den die russische Revolution von 1905 auf die Tagesordnung gesetzt hatte und der neben der Revisonismusdebatte das zentrale Thema der Arbeiterbewegung am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war. Während Bebel die russische Revolution nicht als Lehrbeispiel gewertet wissen wollte…das wäre ja Wahnsinn…ging Rosa Luxemburg weiter („ich saß auf der linken Seite und Bebel hat heute immer nach rechts gesprochen“ Das Protokoll vermerkt „Große Heiterkeit“). Die Revolution von 1905 habe eine neue Epoche in der Entwicklung der Arbeiterbewegung eröffnet und werde auf Jahrzehnte hinaus die Lehrmeisterin der revolutionären Bewegungen des Proletariats sein: „Lernen Sie einmal aus der russischen Revolution. Die Massen sind in die Revolution getrieben, fast keine Spur von gewerkschaftlicher Organisation und sie festigen jetzt Schritt für Schritt ihre Organisationen durch den Kampf“. (siehe Karl Kautsky, Der politische Massenstreik, 20. Kongress von Jena 1905, in: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/kautsky/1914/genstreik/20-…). Eine theoretische Frucht dieser Revolution war Rosa Luxemburgs Broschüre „Massenstreik, Partei und Gewerkschaften“, in der sie mit der Wilhelm Liebknechtschen Tradition „Generalstreik sei Generalsunsinn“ abrechnete.  Bekanntlich bezeichnete Lenin die Revolution von 1905 als Generlprobe für die Oktoberrevolution und die Sätze von Rosa Luxemburg atmen deren Geist: Festigung der Organisationen durch den Kampf, während Bebel erst gründlich deutsch organisieren wollte…organisieren, organisieren, vielleicht so gründlich, dass beim Erstürmen eines Bahnhofes auch an den Kauf einer Bahnsteigkarte gedacht worden ist ?! „Das russische Proletariat ist in die Revolution ohne die Spur einer Gewerkschaftsorganisation eingetreten, und heute ist das ganze Land mit kräftigen Organisationsansätzen bedeckt“. (Rosa Luxemburg, Reden auf dem Mannheimer Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, September 1906, (http://marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1906/09/mannheimer…). In diesen Ausführungen kommt aber auch Luxemburgs fehlerhafte Spontaneitätstheorie zum Vorschein, in der die Organisierung einer kommunistischen Partei peripher bleibt.Es war von Deutschland aus auch nicht leicht zu erfassen: viele Anregungen zu Streiks und Demonstrationen kamen in Rußland von Parteimitgliedern der Bolschewiki, ohne dass diese sich als solche zu erkennen gaben. Die Gefahr der Verhaftung durch die Ochrana war jederzeit groß.

Rosa Luxemburg stand gewerkschaftspolitisch ganz im Zeichen des Klassikers Friedrich Engels, der schon 1881 im „Labour Standard“ jede beschränkte zunftähnliche Einstellung verwarf , damit die Arbeiter in Massen (!!) gegen die feindliche Ausbeuterklasse kämpfen können. Es seien eine Menge Anzeichen dafür vorhanden, dass es der englischen Arbeiterklasse dämmert, „geraume Zeit einen falschen Weg gegangen zu sein“. (Friedrich Engels, Die Trade Unions, Marx Engels Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin, 1960,260). Das wurde 1881 geschrieben und 2012 erscheint im „Grundstein“ ein wohlwollender Artikel über einen Gewerkschaftsführer, der einen falschen Weg gegangen ist. Bereits 1893 hatte es in Belgien einen erfolgreichen Generalstreik zur Erringung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts gegeben und zu Beginn des Jahres 1905 streikten im Ruhrgebiet 155 000 Bergarbeiter, dem sich 14 000 Kumpel im oberschlesischen Revier anschlossen, am 9. Februar befanden sich von 268 000 Kumpel 220 000 im Streik. Bömelburg erkannte die Zeichen der Zeit, die politische Bedeutung des Massenstreiks nicht (wie auch Legien und Dr. David, derselbe Dr. David, der auf Rosa Luxemburgs Vorwurf, er wolle nicht von der russischen Revolution lernen, zynisch in den Saal rief: „Sehr richtig !“) und denunzierte ihn 1905 auf dem fünften Kölner Gewerkschaftskongress als Anarchismus ( à la Friedeberg). Der Kölner Beschluß sollte sogar die Diskussion über ihn ersticken !! Ihm ging es nur um ein besseres Leben für „seine“ Maurer. “ Gegen den entschiedenen Widerstand der Parteilinken unter Rosa Luxemburg, die diesem „modernen Arbeitervertreter“ ein tieferes Verständnis und ein ernstes und vorurteilsfreies Eindringen in die Lehren des Generalstreiks im Ausland absprach, diesem „modernen Arbeitervertreter“ aber stattdessen eine „selbstgefällige, strahlende, selbstsichere Borniertheit, die an sich selbst eine große Freude erlebt, sich an sich selbst berauscht, die sich über alle Erfahrungen der internationalen Arbeiterbewegung erhaben dünkt“, bescheinigte,  erreichte er 1906 auf dem Mannheimer Parteitag der SPD, dass den Gewerkschaften in dieser Sache das letzte Wort zugestanden und der politische Massenstreik abgelehnt wurde. Damit hatte eine Organisation der Arbeiter gewonnen, die nicht imstande ist, den Kapitalismus zu zerschlagen. Bömelburg war an dem Druck beteiligt, den die Gewerkschaftsführer auf die SPD ausübten, die dann auch dafür sorgte, dass die erste Auflage der Massenstreikbroschüre von Rosa Luxemburg, die wichtigste theoretische Schrift in Deutschland zur russischen Revolution, eingestampft wurde. Von einer Kritik an dieser fatalen und für die deutsche Geschichte so folgenreichen massenfeindlichen Politik Bömelburgs findet man bei Bachmann nichts, auch keine Kritik an der lavierenden Haltung der SPD zum Massenstreik: ihn wie in der Jenaer Resolution beschlossen nur als Defensivwaffe zur Verteidigung der Reichstagswahlen und des Koalitionsrechtes einzusetzen. Mehr noch: es gab am 16. Februar 1906 eine geheime Beratung zwischen Partei- und Gewerkschaftsspitzen, in der gekuhhandelt wurde, den Massenstreik nach Möglichkeit zu verhindern und Bömelburg setzte durch, dass die Gewerkschaften an ihm im Falle eines Ausbruchs nicht teilzunehmen bräuchten. Eine Kritik an Bömelburg (und die rechte SPD) hätte doch für jeden fortschrittlich denkenden Menschen auf der Hand gelegen. Bömelburg hat doch sein intellektuelles Armutszeugnis ganz offen ausgebreitet: „Ungeheure Opfer hat es gekostet, um den augenblicklichen Stand der Organisation zu erreichen, um aber unsere Organisation auszubauen, brauchen wir in der Arbeiterbewegung Ruhe“. (Helga Grebing, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Ein Überblick. München 1966, 121f.). Ruhe ist die erste Arbeiterpflicht ! „Arbeiterbewegung Ruhe“ – schon allein diese köstliche Wörterkonstellation läßt den Horizont dieses katholisch sozialdemokratischen Maurers erkennen, der der entschiedenste Gegner Rosa Luxemburgs war und der durch den Massenstreik die Existenz der Gewerkschaften in Gefahr sah. Der Weg Bömelburgs führte zum Burgfrieden, der Weg Rosas zum Burgkrieg.In der Arbeiterbewegung kann es keine Ruhe geben, sowenig es eine Ruhe im „bald versteckten, bald offenen“ Bürgerkrieg zwischen Arbeit und Kapital geben kann. „Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus“. (Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin,1977, 465. Im innermarxistischen Kontext schon fünf Jahre früher: 1843 in der Judenfrage: „Ja, die Bewegung dieser Welt innerhalb ihrer Gesetze ist notwendig eine stete Aufhebung des Gesetzes“. Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,375). Bömelburg liegt aber nicht nur „soziologisch“ daneben, der Massenstreik setzt eben nicht die Existenz der Gewerkschaften aufs Spiel, er stärkt sie, sondern auch philosophisch: Stalin als Schüler Lenins lehrte uns, dass man die Natur und die Gesellschaft „nicht als einen Zustand der Ruhe und Unbeweglichkeit, des Stillstands und der Unveränderlichkeit, sondern als Zustand unaufhörlicher Bewegung und Veränderung, unaufhörlicher Erneuerung und Entwicklung“ (Stalin, Über dialektischen und historischen Materialismus, in: Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (B) Kurzer Lehrgang, Verlag der Sowjetsichen Militärverwaltung Berlin,1946,128)  betrachten muss. Friedrich Engels sprach von einer „tief innerlichen, ruhelosen Dialektik“. Rosa Luxemburg hatte richtig erkannt: die Ablehnung des Generalstreiks durch die rechten Sozialdemokraten war eine bornierte, „in ihrem innersten Kern stockreaktionäre Auffassung“. (Rosa Luxemburg, Die Debatten in Köln, Sächsische Arbeiterzeitung vom 30./31. Mai 1905, in: Peter Friedemann (Hrsg.): Materialien zum politischen Richtungsstreit in der deutschen Sozialdemokratie 1890 bis 1917, Band 2, Frankfurt am Main, 1978,561f.). Der „Bergarbeiter Zeitung“, die sich Kritik am Kollegen Bömelburg verbat, bescheinigte sie „geistige Dakadenz“ und „geistige Barbarei“, (Rosa Luxemburg, Die Hetzer an der Arbeit, http://harte–zeiten.de/dokument_407.html). Hiervon erfährt der Leser des Grundsteins kein Wort, offensichtlich ist ein Hundertjähriger, der zum hundertsten Todestag Bömelburgs aus dem Fenster steigt und verschwindet, wichtiger.

Am 17. Oktober 1912 fand der „moderne Arbeitervertreter“ Theodor Bömelburg in Hamburg seine letzte Ruhestätte.

Grundsätzliches über den revolutionären Krieg

6. Oktober 2012

Unter allen gesellschaftlichen Erscheinungsformen des Klassenkampfes ist der bewaffnete Aufstand gegen die kapitalistische Blutsaugerklasse das Allerschwierigste, er, das letzte Gefecht, ist die höchste Kunst und eine der Schwierigkeiten besteht darin, dass man ihn nicht künstlich herbeizwingen kann. Kein Aufstand schafft den Sozialismus herbei, wenn er nicht ökonomisch herangereift ist. Man kann Revolutionen nicht wie  beliebige Konsumartikel aus einem Versandhauskatalog bestellen. Wer subjektivistisch an die Frage des bewaffneten Aufstandes herangeht, übersieht, dass man Revolutionen nicht machen kann, Revolutionen müssen wachsen und reifen. 1. Lenin pflegte zu sagen, man kann höchstens für die Revolution arbeiten. Fehler sind bei diesem hohen Schwierigkeitsgrad unvermeidbar, wie es denn auch keinen Feldherrn der Revolution und keinen Feldherrn des Krieges gibt, der je fehlerfrei geblieben ist. Essentiell ist, möglichst wenig und möglichst kleine Fehler zu machen und sich über diese einer strengen Selbskritik zu unterziehen. Besonders junge Revolutionäre stellen sich eine Revolution gegen das kapitalistische krisenanfällige Ausbeutungssystem voluntaristisch als eine Art gemütlichen, selbstläuferischen Spaziergang vor. (Die Massen werden ja selbstverständlich auf unserer Seite sein gegen das alte Morsche.  Aber schon Kautsky hatte aus den revolutionären Bestrebungen am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die richtige Schlußfolgerung gezogen, das in künftigen Revolutionen zwei große Volksgruppen aufeinanderprallen werden. Und am Beginn der russischen Revolution von 1905 sprach Stalin vom „großartigen Bild des Kampfes zwischen den beiden Rußland“ 2.) und werden im Laufe ihrer revolutionären Karriere die schmerzliche Erfahrung machen, dass ein hohes Maß an eiserner Disziplin notwendig ist, den schmerzhaften Prozess des Veränderns der Umstände und der gleichzeitigen Selbstveränderung durchzustehen. Denn wie die proletarische Revolution kein Einfachzumachendes ist, so nimmt die Geschichte der Klassenkämpfe oft den Verlauf phantastischer Zickzackbewegungen. Wie es nicht jedem gegeben ist, Mitglied der revolutionären Partei zu sein, die Partei der Felsenfesten 3. , so ist es auch nicht jedem gegeben, mit hohem soldatischen Geschick den bewaffneten Aufstand kühn voranzutreiben.  Die Defensive ist der Tod der bewaffneten Erhebung. Eine der größten Fehlerquellen der revolutionären „Stürmer und Dränger“ liegt natürlich in ihrer leichten Entflammbarkeit, aus der heraus sie leicht auf Provokationen konterrevolutionärer Kommandeure hereinfallen. Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, in den Kampfhandlungen mit all ihrer  hochgradigen Komplexität, die hoffentlich durch die militärische Kreativität der vorwärtsstürmenden Revolutionäre erzeugt wird, zu beachten, das die Grundlage der revolutionären Armee stets der Soldat des Volkes ist und dass es gilt, mit ihm die urwüchsige Primitivität der Volksmassen zu schüren und Vernichtungsaktionen gegen die Bourgeoisie zu führen, die Elemente des robusten Vandalismus der Bauernkriege beinhalten. Elementares und Komplexes durchdringen sich  im Krieg und wechseln in ihrer Dominanzbeziehung einander ab. Ohne die Kombination des städtischen Proletariats mit den bäuerlichen Massen, ohne den Aufbau der richtigen Beziehungen zwischen Stadt und Land, kann eine proletarische Revolution nicht erfolgreich sein und die Geschichte gibt uns ja das Beispiel der Pariser Kommune, die unter anderem deshalb fallen mußte, weil eine Kollektiverbindung zu den Provinzen nicht hergestellt werden konnte, die ein Reservoir der Konterrevolution blieben. In der Herstellung einer höheren Kollektivität als die konterrevolutionäre liegt die Garantie des Sieges. Um mit einem Gegenbeispiel zu beginnen: Am 6. September 2012 stürmte in Neuss (eine Stadt in der Nähe von Düsseldorf, die eine Arbeitslosenquote von 7,8 % aufweist) ein 52jähriger Langzeitarbeitsloser in das Jobcenter und erstach „seine“ Sachbearbeiterin mit einem Messer. Eine persönliche Beziehung zu ihr hat nicht vorgelegen. Er wurde von ihr im Rahmen des Programms des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales „Visionen 50plus“ betreut, das wohl besser „Illusionen 50plus“ genannt werden sollte. Es leuchtet sofort ein, dass diese Tat keine politische Bedeutung haben kann. Der Schlüssel für eine Tat von politischem Gehalt liegt heute mehr denn je in der Kollektivität einer Aktion. Den Hass, der in der industriellen Reservearmee gegen die volksfeindlichen Mitarbeiter/innen in den Jobcentern, deren ganze Verwaltungskunst darin besteht, Menschen wie Dreck zu behandeln, vorliegt, muß so gebündelt werden, dass aus der industriellen Reservearmee heraus wie auf ein Signal hin ein landesweiter Sturm auf die Arbeitsämter einsetzt, in dem -sagen wir- Zehntausend Helfeshelfer des blutig schmutzigen Kapitals liquidiert werden. Es ist keineswegs so, dass diese beamteten Kreaturen der Allgemeinheit dienen, wie der nordrhein westfälische Arbeitsminister Guntram Schneider behauptet. Es ist stets die Aufgabe von Sozialdemokraten gewesen, den Klassenkampf, der täglich in den Arbeitsämtern der Republik stattfindet, zu verkleistern. Es darf keinen sicheren Platz für Volksfeinde geben. In der französischen Revolution gab es ihn nicht einmal in den Gefängnissen. In den Septemberwirren stürmte das Volk in Paris und in den Provinzen Gefängnisse und liqudierte dort verhasste Volksfeinde.

Was Bertolt Brecht über den Kommunismus sagte, dass er das Einfache, das so schwierig zu machen sei, ist mutatis mutantis auch auf den revolutionären Krieg zu deuten: der Sinn des revolutionären Krieges und nicht nur er allein – der Sinn jedes Krieges, der immer die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist und der im Zeitalter der Massenheere zu einer unerhörten Kraftanspannung der Völker führt – ist, sich selbst zu erhalten und den Feind zu vernichten. (Anders verhält es sich mit dem Selbstmordattentäter, er will sich ja gerade nicht erhalten, sondern doppelt vernichten – er führt den Krieg auf perverse Art). Es wird viel herumgedoktert von politisch linksgewickelten kleinbürgerlichen Ideologen, was denn heute „links“ sei ? In der Klärung dieser Frage verstricken sie sich in ihren Selbstfindungsversuchen und übersehen das Elementare: links kann nur derjenige und diejenige sein, die ihr Leben und ihre Gesundheit einsetzen, die Bourgeosie zu vernichten. Diesen klaren Kampfauftrag gab uns Lenin in seiner Fundamentalschrift „Staat und Revolution“ und anders kann der Kampfauftrag auch gar nicht lauten. Aber ich habe verkürzt Angaben aus Lenins Schrift gegeben – es gilt zu vervollständigen: er spricht von der VÖLLIGEN Vernichtung der Bourgeoisie. 4. In seinen Bemerkungen aus Anlaß der Aufzeichnungen Suchanows „Über unsere Revolution“ finden wir eine interessante Bemerkung Lenins zur Taktik der Bolschewiki im roten Oktober, sie hätten gemäß der Devise Napoleons gehandelt: „On s´engage, et puis on voit !“ 5. Man engagiert sich, alles weitere wird sich finden ! In der Kunst des revolutionären Krieges ist also ein hohes Maß an Improvisationsgabe gefragt und es war ein dialektisierender Bauernsohn aus Hunan, der den Mathematikprofessor Tschaing Kai Tscheck bezwang. Das Mathematisch-Konstruktive  bleibt handwerkliche Bastelei und erreicht nicht das Genialische des Krieges, das eben Intuition, Improvisation, Phantasie und Kreativität in sich einbildet. Der Mensch, sagt Brecht, möchte ein großes Licht sein und macht einen Plan, ein noch größeres Licht macht einen zweiten – gehn tun sie beide nicht. (Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug. In diesem Satz von Brecht spiegelt sich die Tatsache wieder, dass unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen der Produktionsprozess die Produzenten beherrscht, nicht umgekehrt). Eine wissenschaftliche Wahrheit war für Mao immer die Spruchweisheit des altchinesischen Kriegsphilosophen Sun Wu Tsu: „Erkenne Dich selbst und erkenne den Feind, hundert Schlachten ohne Schlappe“.

1. „Die Umwandlung des imperialistischen Kriegs in den Bürgerkrieg kann nicht „gemacht“ werden, so wenig werden, wie man Revolutionen „machen“ kann – sie WÄCHST HERAUS (kursiv von Lenin) aus einer ganzen Reihe von mannigfaltigen Erscheinungen, Seiten, Momenten, Charakterzügen und Folgen des imperialistischen Kriegs“. (Lenin, Über die Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Kriege, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,50). Dass die Revolution ein geschichtliches Produkt ist betont auch Rosa Luxemburg: Die Revolution kann weder auf Kommando gemacht noch auf Kommando abgelehnt werden. (Vergleiche Rosa Luxemburg, Die Debatten in Köln, Sächsiche Arbeiterzeitung vom 30./31. Mai 1905, abgedruckt in: Peter Friedemann (Hrsg.): Materialien zum politischen Richtungsstreit in der deutschen Sozialdemokratie 1890 bis 1917, Band 2, Frankfurt am Main,1978,561f.). In ihrer Broschüre „Massentsreik, Partei und Gewerkschaften“, in der sie sich mit der russischen Revolution von 1905 auseinandersetzt, betont sie, dass sich Revolutionen nicht schulmeistern lassen. Ein flüchtiger Blick in die Weltgeschichte zeigt uns, dass es im Vergleich zu der fast unendlich langen Serie von Raubkriegen nur sehr wenige revolutionäre, nur sehr wenige Befreiungskriege gegeben hat.

2. Josef Stalin, Die Klasse der Proletarier und die Partei der Proletarier, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1950,55

3. “ Wir sind gewohnt, mit unermeßlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nicht ohne Grund haben  unsere Feinde uns als „die Felsenfesten“ und als die Vertreter einer „knochenbrecherischen Politik“ bezeichnet. Aber wir haben auch, wenigstens bis zu einem bestimmten Grad, eine andere in der Revolution unerläßliche Kunst erlernt: die Elastizität, die Fähigkeit, unsere Taktik rasch und schroff zu ändern, die veränderten objektiven Bedingungen zu berücksichtigen, einen anderen Weg zu unserem Ziel zu wählen, wenn der frühere Weg sich für den gegebenen Zeitabschnitt als unzweckmäßig, als unmöglich erwiesen hat“. (Lenin, Zum vierten Jahrestag der Oktoberrevolution, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,714).

4. Lenin, Staat und Revolution, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,312. Diese so wichtige Kernaussage Lenins findet sich am Ende des II. Kapitels: Marx ´Fragestellung im Jahre 1852

5. Lenin, Über unsere Revolution, a.a.O.,766

Der politische Herbst 2012 Christlicher und islamischer Fundamentalismus

5. Oktober 2012

Zwei Schwerpunkte bestimmen die Weltpolitik im Herbst 2012. Es sind dies die Präsidentschaftswahlen in den USA und die wütende Reaktion der islamischen Glaubensgemeinschaft auf die Verunglimpfung des Propheten Mohamed in einem in den USA produzierten Film. Auf der Oberfläche werden beide Seiten von einem fanatischen religiösen Fundamentalismus getrieben, der untereinander zusammenhängt und der dem dialektischen Grundgesetz der Einheit und des Kampfes der Gegensätze verhaftet ist.

Die USA sind vornehmlich das Land der Religiosität, sprechen Beaumont, Tocqueville und der Engländer Hamilton aus einem Munde und Beaumont fügt in seinem 1835 in Paris erschienenem Werk „Marie oder die Sklaverei in den Vereinigten Staaten“ hinzu: dennoch glaubt man in den Vereinigten Staaten nicht, dass ein Mensch ohne Religion ein anständiger Mensch sein könnte. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass die Ureroberer Nordamerikas 1620 mit der Mayflower von Southampton aus in See stochen – und zwar unter dem Absingen frommer Psalmen. 1. In der Frühschrift aus dem Jahr 1843 über die Frage der Judenemanzipation, in der Karl Marx die Position der „Kritik“ 2. einnahm – „Kritik der bestehenden Zustände“ war ein in linkshegelianischen Kreisen gängiger Terminus, den auch Karl Marx hier noch auf sich bezieht, aber bereits in der „Judenfrage“ zeigen sich  materialistische Ansätze einer gesellschaftswissenschaftlichen Analyse – hat Marx den tiefen Zusammenhang zwischen Religiosität und Geldgier in den USA herausgestellt. Obwohl die USA nach ihrer Gründung in der Religionsgesetzgebung am fortschrittlichsten waren, wimmelte es in diesem Lande nur so von religiösen Lebensgeistern der buntscheckigsten Art und auch heute sind die USA das Land der lebenskräftigsten Existenz der christlichen Religion, ein Wahn, der mit der besessenen Sekte der Pilgrim Fathers begann. Schon in der Verfassung von Pennsylvania hieß es, dass irgendeine menschliche Macht sich nicht in Gewissensfragen einmischen und die Kräfte der Seele kontrollieren darf. Und in der Verfassung von New Hampshire zählen die Gewissensrechte zu den natürlichen Rechten der durch die Menschenrechtsdeklaration monadisierten Menschenatome. Der Mammon ist in den USA der in allem Sektengewimmele throhnende Weltgott, so „…dass die Verkündigung des Evangeliums selbst, dass das christliche Lehramt zu einem Handelsartikel geworden ist, und der bankrotte Kaufmann im Evangelium macht wie der reich gewordene Evangelist in Geschäftchen“. 3. Beaumont weiß zu berichten: „Aux yeux d´un grand nombre, le ministère religieux est une véritable carrière industrielle“ 4. (In den Augen einer großen Mehrzahl ist das geistliche Amt tatsächlich eine gewerbliche Laufbahn). Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mett Romney konnte beide Seiten verbinden: er war gleichzeitig Manager bei Bain Capital & Company und Bischof  der Mormonen. Die Lüge begleitet diesen Mann, der durch den religiösen Fusel Marke Mormon 5. sittlich verwahrlost wurde. So „rettete“ der heutige Kandidat für das höchste Amt der USA, als er Anfang 30 war (Ende der 70er Jahre), ein Projekt für seinen Dienstherren Bain & Company, als eine Firma eine Beratergruppe angefordert hatte, deren Durchschnittsalter für die Unternehmer offensichtlich zu jung war – worauf er sein Alter bei der Gruppenvorstellung auf 44 hochlog. Natürlich sind die Spitzen der Mormonen und die mormonischen Spitzenmanager kriminelle Elemente, das darf uns aber nicht zu der Priestertrugstheorie verleiten, die besagt, Religion sei eine Erfindung betrügerischer asozialer und arbeitsscheuer Priester). Es versteht sich von selbst, daß in einem der rückständigsten Länder der Erde, mit einer beschämend hohen Analphabetenquote, dessen Bewohner größtenteils noch tief im Mittelalter der religiösen Borniertheit verstrickt sind und darüber hinaus auf Mission gehen, so missionierte der Präsidentschaftskandidat Mett Romney von 1966 bis 1968  in Frankreich, sich nicht vom Dollar emanzipiert, im Gegenteil, den Dollar zu ihrem System der Anbetung erkoren haben. Und das System der Lüge und Heuchelei tragen diese Kretins natürlich bedenkenlos in das politische System der USA.  Ähnlich wie die Calvinisten, die der religiösen Ideologie verhaftet waren, dass man das Wohlwollen Gottes am weltlichen Wohlstand erkennen könne, gehen die Mormonen von einer „eternal progression“ aus, der ständigen Perfektionierung des Menschen hin zum Göttlichen und diese Perfektionierung liegt für sie im Zusammenraffen von Dollars. In der Struktur der ideologischen Kontrolle wiederum besteht Ähnlichkeit mit der Scientology Church. Sogenannte „Home Teacher“ besuchen Mormonenfamilien und helfen bei Problemen, führen aber auch Protokoll über ihre Besuche. 

Aus dieser Verstrickung von Mormonmammon und Religion heraus kann der Volksbetrug natürlich nicht durchschaut werden, der mit politischen Wahlen stattfindet. „Ohne Wahlen geht es in unserem Zeitalter nicht; ohne die Massen kommt man nicht aus, die Massen aber KÖNNEN (kursiv von Lenin) im Zeitalter des Buchdrucks und des Parlamentarismus  NICHT (kursiv von Lenin) geführt werden ohne ein weitverzweigtes, systematisch angewandtes, solide ausgerüstetes System von Schmeichelei, Lüge, Gaunerei, das mit populären Modeschlagworten jongliert, den Arbeitern alles mögliche, beliebige Reformen und beliebige Wohltaten verspricht – wenn diese nur auf den revolutionären Kampf für den Sturz der Bourgeoisie verzichten. Ich möchte dieses System Lloyd-Georgismus nennen, nach einem der maßgebendsten und geschicktesten Vertreter dieses Systems in dem klassischen Land der „bürgerlichen Arbeiterpartei“, nach dem englischen Minister Lloyd George“. 6. Diese Charakteristik der Mechanik der politischen Demokratie gilt für die Volksbetrüger Obama und Romney gleichermaßen, Friedrich Engels sprach schon  1891 in der Einleitung zu Marxens „Bürgerkrieg in Frankreich“ von zwei großen Banden politischer Spekulanten, die in den USA ihr volksbetrügerisches Unwesen treiben, „…die abwechselnd die Staatsmacht in Besitz nehmen und mit den korruptesten Mitteln zu den korruptesten Zwecken ausbeuten“. 7. Die Vorfahren des reichgewordener Mormonen Romney, der in Geschäftchen macht,  sein Vermögen wird auf 250 Millionen Dollar geschätzt, er hat Konten im Ausland und investiert in Firmen auf den Cayman Islands, in Deutschland und in der Schweiz, waren mit die ersten  Engländer, die sich von den Missionaren des mormonischen Propheten Joseph  Smith nach „God´s Own Country“ in die stockreaktionäre Sekte „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ locken ließen. Keiner in der Generationenkette Romneys hatte die intellektuelle Kraft besessen, sich aus diesem religiösen Sumpf vom Opium Religion zu lösen.  Für die Arbeiterbewegung in den USA und für ihre Führer ist es besonders schwierig, in diesem ganzen mittelalterlichen Sumpf die Dialektik von Lohnarbeit und Kapital herauszuarbeiten und stets zu berücksichtigen, dass der Klassenkampf besser atheisiert als atheistische Propaganda. Wenden wir uns also den nüchternen Fakten zu und entstülpen wir die religiöse Schlangenhaut, in die sich die pervers fleißige Dollargier der Mormonen eingehüllt hat (denn fleißig sind sie, auf dem Wappen von Utah ist ein Bienenkorb abgebildet. Es ist ein biedermännischer Bienenfleiß.): Mitglieder der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ nehmen auffallend viele hohe Managerposten ein und sind Firmeninhaber, so zum Beispiel der Multi Airline Gründer David Neeleman, Marriott Chef Bill Marriott junior, Gary Crittenden, Ex-Finanzchef von American Express und Citigroup und künftiger Chef von Huntsman Gay Global Capital. 8. Besonders Investmentbanken und Beratungsfirmen stellen gerne Mormonen ein. Auf Grund ihrer nach US Spießer Normen sogenannten Sittenstrenge nehmen sie auch hohe Positionen beim FBI und in der CIA ein, weil sie kaum erpressbar sind: strenges Alkoholverbot und strenge Disziplin und Askese, generell, nicht nur an ihren Mormonenuniversitäten, macht ihren Vorsprung vor den weltlichen Universitäten mit ihren Feten und Gelagen aus. Der Kult der Familie hat oberste Priorität und wir erkennen schon hier den antisozialen Charakter dieser Zwergmißgeburten, die Marx als „Menschenkehricht“ 9. bezeichnet hätte, denn die bürgerliche Familie muss theoretisch kritisiert und praktisch vernichtet werden. Die Arbeiter und Farmer in den USA tun gut daran, diesen perversen mittelalterlichem Menschenkehricht genau ins Auge zu fassen und alles Erdenkliche mit allen revolutionären Mitteln, legalen und illegalen, zu unternehmen, damit die Verfügungsgewalt dieser religiösen Spinner über Atomwaffen durch den 45. Präsidenten der USA nicht Wirklichkeit wird, sonst könnte uns die extremistische Sekte der Heiligen der Letzten Tage die letzten Tage der Menschheit bescheren.

Auf der anderen Seite ist zu beachten, dass wir uns mit dem aggressiven terroristischen Islamismus nicht auf der religiösen Ebene auseinandersetzen. Eine terroristische Reaktion christlicherseits ist nicht zu erwarten, dafür ist die christliche Religion in Westeuropa anders als in der religionsfanatischen Terroristenhochburg USA – Millionen und Abermillionen leben dort in einem hochgefährlichen und hochexplosiven Trancezustand – schon zu sehr im Absterben begriffen und  wir müssen den religiösen Zwist ins zweite Glied stellen, beachten, dass die Religion soziale Ursachen hat und das wir  Kampfbündnisse mit den „progressiven“ Kräften des Islam herstellen. Der Islam ist heute in armen, zurückgebliebenen Ländern ausgebreitet und die Gläubigen können sich mit ihren sozialen Problemen nicht nur religiös verdunkelnd auseinandersetzen. Sie werden vielmehr ihre auch international organisierten  kapitalistischen Blutsauger, allen voran der US Imperialismus, erkennen und wir müssen sie hierbei unterstützen, ohne ihre religiösen Gefühle zu verletzen. Die Religion der Mormonenhäuptlinge in den USA ist eine Religion der kapitalistischen Blutsauger und sie muss schonungslos mit allen Mitteln zerstört werden, der Islam ist natürlich ebenfalls „Opium des Volkes“, aber für die geschundenen und getretenen Ausgebeuteten. Eine der fünf Säulen des Islam ist die Solidarität in der Armenabgabe (Zakat). Eine Kriegserklärung an den Islam ist das beste Mittel, diesen zu vitaminisieren. Erinnern wir uns daran, dass Friedrich Engels die Idee des Professors Eugen Dühring verwarf, die Religion im Sozialismus zu verbieten. Das hieße Bismarck zu überbismarcken 10. – die Religion, gleich ob islamisch oder christlich – stirbt ab. Die Arbeiterklasse braucht sich einen Schuh nicht anzuziehen, die Aversion der islamischen Völker gegen den Westen. Das rührt von der bourgeoisen Expansion her: sie hat den Orient vom Okzident abhängig gemacht. 11.

1. Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,352

2. Gegen Bruno Bauers 1843 in Braunschweig erschienenen Schrift „Zur Judenfrage“ schreibt er: „Es gernügt keineswegs zu untersuchen: Wer soll emanzipieren ? Wer soll emanzpiert werden ? Die Kritik hat ein Drittes zu tun. Sie mußte fragen: Von welcher Art der Emanzipation handelt es sich ?“ (a.a.O.,350).  „Nun wohl“ Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld…wäre die Selbstemanzipation unsrer Zeit“. (a.aO., 372). Das ist das wohl folgenschwerste „Nun wohl“ in der Weltgeschichte.

3. a.a.O., 373

4. a.a.O.,374

5. Das „Buch Mormon“, eine Abschrift von Texten auf Goldtafeln,  wurde dem Sektengründer Joseph Smith 1823 von einem Engel namens Moroni gezeigt, der auch bei der Übersetzung des Buches behilflich gewesen sein soll. Also hier schon am Anfang spielt das Gold eine wesentliche Rolle. 

6. Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, in: Lenin, Marx Engels Marxismen, Grundsätzliches aus Schriften und Reden , Dietz Verlag Berlin, 1967,348f.

7. Friedrich Engels, Einleitung zu „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“, Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1962,198

8. Klaus Werle, Gott hilft Mitt, manager magazin Oktober 2012,94. Auch die Wirtschaftsberater von Romney: Glenn Hubbard und Gregory Mankiw sind Urmormonen reinsten Wassers, ebenso Jack Gerard (Präsident des American Petroleum Institute). Hubbard ist der Kandidat für den Posten des Finanzministers oder Notenbankchefs, Gerard  für den des Stabschefs.

9. Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1957, 359

10. Vergleiche Lenin, Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion, in: Lenin, Marx Engels Marxismus, Grundsätzliches aus Reden und Schriften, Dietz Verlag Berlin, 1957, 258.

11. Vergleiche Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag 1977,466