„Urban Operations“ Wie die NATO das Abschlachten der Ärmsten der Armen, vor allem der Proleten plant

  • Vor fast zehn Jahren ließ die NATO eine Studie erstellen, die den Titel trug „Urban Operations in the Year 2020“ RTO Technical Report 71, Neuilly sur Seine 2003. Diese Studie ging von folgendem Szenario aus: auf Grund der zunehmenden Landflucht in den armen Ländern auf der südlichen Halbkugel wird es früher oder später zur Bildung riesiger Elendsviertel am Rande der Megacities und großen Metropolen kommen. In diesen Vierteln wird sich revolutionäres Potential bündeln, das eine Gefahr für das internationale Kapital darstellt, ein rapides Bevölkerungswachstum wird ein übriges tun. Die NATO sehe sich daher gezwungen, Truppen zum speziellen Einsatz in diese sozialen Brennpunkte der sogenannten Dritten Welt auszubilden und zu trainieren. Ganz bewußt betont die Studie die wesentlich höhere kriegstechnische Ausrüstung der Soldaten der „ersten Welt“. Natürlich wird der „Slumkrieg“ diesbezüglich asymmetrisch sein. Den NATO Strategen scheint nicht mehr geläufig zu sein, dass auch die US Streitkräfte in den indochinesischen Kriegen mit einer haushoch überlegenden Militärtechnik ausgestattet waren – und wer war der Sieger ? Grosse Massenbewegungen aus dem ländlichen Raum in die urbanen Hochburgen führen andererseits nicht ohne weiteres eine revolutionäre Situation herbei. Nicht die Mehrheit allein ist entscheidend für die Herausbildung einer revolutionären Situation. Den NATO Strategen scheint nicht mehr geläufig zu sein, dass zum Beispiel in Russland am Ende des 19. Jahrhunderts die Bauern die erdrückende Mehrheit des Volkes stellten – und doch konzentrierten sich Plechanow,  Lenin und die Bolschewiki nicht auf die Bauern, sondern auf das zahlenmäßig sehr schwache Proletariat, denn die Bauernmassen stagnierten, während im russischen Proletariat die revolutionären Wurzeln der Zukunft lagen. Das war eben die irrige Auffassung der Volkstümler, die die Bauernmassen als die revolutionäre Hauptkraft ansahen, sich als Bauern verkleideten und ins Dorf, ins Volk gingen. Und ich hoffe, die Bolschewiki auf der Südkugel wissen sich gut in den Massen zu verbergen. Den NATO Strategen scheint nicht geläufig zu sein, dass die Slumviertel der Riesenmetropolen nicht der Boden sind, auf dem wirklich revolutionäre Früchte in Massen wachsen, die revolutionäre Hauptkraft stellt doch das Proletariat dank seiner ökonomischen Sonderolle in der industriellen Großproduktion dar. Die Kosten der Schutzmaßnahmen für die europäischen und us amerikanischen Millionäre und Multimillionäre gegen die angebliche Gefahr aus den Slums bezahlen natürlich die Steuerzahler, in der Bundesrepublik zum Beispiel fließen Gelder an die Spiel- und Bastelabteilungen der  großen Rüstungsfirmen und an Fraunhofer Institute aus dem Bundeshaushalt für „zivile (!!) Sicherheitsforschung“. Um diesen Volksbetrug aufrecht zu erhalten, ist die Erzeugung von Feindbildern unbedingt erforderlich: der aus dem Amazonasgebiet in eine Favela Sao Paulos geflohene landlose Bauer will dem deutschen Arbeiter seine Uhr klauen wie es anno dazumal 1945 die Mongolen taten. Man könnte dies alles – zu Recht – lächerlich finden, aber die Steuergelder werden wirklich verprasst und mit dem Einsatzbefehl in der Tasche sollen deutsche Arbeiter- und Bauernsöhne für den perversen kapitalistischen Ausbeuterabschaum die Kastanien aus dem Feuer holen. Dieses Feuer wird primär nicht in den Elendsvierteln lodern, sondern in den Industriegebieten, in denen die westlichen Multikonzerne ihre Tochterfirmen lokalisiert haben. Dort ist das Kapital investiert, und die westeuropäischen Millionärsausschüsse, „Regierungen genant, die über Armee und Kriegsflotte verfügen“ (Lenin, Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin,1956, 63) schlagen für ihr Kapital bedenken- und wahllos arbeitende Menschen tot. Denn zur Globalisierung des Kapitals gehört die Globalisierung des Völkermords. Verbindungen zwischen dem proletarischen Klassemkampf und kampfbereiten „Bewohnern“ der Slums  wird es ohne Zweifel geben und es können stellenweise gute Kämpfer aus ihnen kommen. Aber wir dürfen nicht übersehen, dass das lumpenproletarische Element dort überwiegt. „Das Lumpenproletariat, diese passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft, wird durch eine proletarische Revolution stellenweise in die Bewegung hineingeschleudert, seiner ganzen Lebenslage nach wird es bereitwilliger sein, sich zu reaktionären Umtrieben erkaufen zu lassen“. (Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1977,472. Schon die erste russische Revolution im XX. Jahrhundert offenbarte 1905/06 die überwiegend reaktionäre Position des Lumpenproletariats, halbkriminelle Elemente aus dem Lumpenproletariat verbündeten sich mit Gutsbesitzern, Kaufleuten und Popen zum Beispiel in dem „Bund des Erzengels Michael“, um die Revolution zu bekämpfen. Das Volk nannte Organisationen dieser Art „Schwarzhunderter“. Vergleiche: Geschichte der KPdSU (Bolschewiki), Kurzer Lehrgang, Verlag der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland, Berlin, 1946,94). Das ist ja gerade der Täuschungsversuch in der NATO Studie von 2003: man schlägt den lumpenproletarischen Sack und meint den proletarischen Esel.

Kern der NATO Studie ist das USECT Konzept. Jeder Buchstabe steht für eine Kampfphase in einer im urbanen Raum ablaufenden Operationseinheit:

Das U steht für „Understand“:  in der U – Phase soll durch modernste Spionagetechnik und vor allem menschliche Quellen eine Situationsanalyse erstellt werden. „Zu betrachten seien dabei nicht nur potentielle Feinde wie „kriminelle Banden“, „Bürgerwehren“ oder „Aufständische“, sondern ebenso die Zivilbevölkerung und im Kriegsgebiet tätige Hilfsorganisationen samt der ihnen zur Verfügung stehenden Infrastruktur“. (www.german-foreign-policy.com. Siehe auch: „Urban Operations“ Unter Führung der BRD probt die NATO Kampfeinsätze in den Metropolen des Südens – unter anderem in Magdeburg, in: Die Rote Hilfe,38. Jahrgang 2012,26).

Das S steht für „Shape“. In dieser Phase sollen im urbanen Raum vorteilhafte Bedingungen für die Aggressoren hergestellt werden. „Hierunter fallen sowohl die „gezielte Zerstörung“ und „Abriegelung“ von Rückzugsgebieten rebellischer Gruppen wie die Steuerung der lokalen und regionalen Massenmedien“. (a.a.O.).

Das E steht für „Engage“. In dieser Phase geht es um die Bekämpfung der Kommandozentralen . Diese sollen von ihrer Ressourcebasis abgeschnitten werden, ihre Moral und ihr Kampfgeist sollen gebrochen werden.

Das C steht für „Consolidate“. Das militärisch Erreichte soll abgesichert werden.

Das T steht für „Transition“. Die Kontrolle über die sozialen Unruheherde in den Armenvierteln soll wieder an die reichen Blutsauger übertragen und gefangengenommene Aufständische an internationale Strafverfolgungsbehörden übergeben werden.

Ein wichtiger Bestandteil des USECT Konzeptes ist die militärische Forschung auf dem Gebiet des Auffindens von Freiheitskämpfern in Gebäuden, das heißt auch, die Entwicklung von Minidrohnen und mit modernster Spionagetechnik ausgerüsteter fahrbarer Roboter zu forcieren.

Der Ausgangspunkt dieser globalfeldpolizeilichen Stadtoperationen ist nun „Schnöggersburg“ – eine sich gerade im Aufbau befindliche „Fabelstadt“, die sich in der ganzen Welt befinden könnte. In Hillersleben bei Magdeburg entsteht das modernste Gefechtsübungszentrum (GÜZ) Europas mit einer für den Straßenkampf konzipierten Übungsstadt, in der es an nichts fehlt: 500 Gebäude, die sich auf eine Altstadt verteilen, auf Wohn- und Industrieviertel, U Bahn Tunnel und -Stationen, Kanalisation, Kellerschächte…usw…und natürlich ein für kapitalistische Verhältnisse unvermeidbares Elendsviertel am Stadtrand, das aber, wie bereits betont, nicht der Kern der Sache ist. Man will auch gegen Bürgerwehren kämpfen, also offensichtlich werden Kampfhandlungen nicht nur an der Peripherie südlicher Metropolen stattfinden.

Die Gespensterstadt entsteht neben dem modernsten GÜZ, das sich auf eine Fläche von 30 x 15 km erstreckt und von der Düsseldorfer Firma „Rheinmetall“ betrieben wird. Wie der Konzern mitteilt, trainieren hier jährlich bis zu 25 000 Nato Soldaten, „in Verbänden bis zur Bataillonsstärke in einer Mischung aus realem Manöver und IT-gestützter Live-Simulation die Panzerabwehr, den Häuserkampf oder das Verhalten gegenüber einer `aufgebrachten Menschenmenge´. Der Stolz von Rheinmetall ist ein Duellsimulator, der Schuss und Wirkung im Ziel per Laserimpuls und Laserecho darstellt. „Damit entspricht das GÜZ exakt den Forderungen der NATO nach `mit Simulationssystemen kombinierten Trainingsgelegenheiten´“ (a.a.O.,27). „Aufgebrachte Menschenmenge“ – hier haben wir den Jargon der Rüstungsmafia, die für ihre schäbigen Geschäfte natürlich den gesellschaftswissenschaftlich exakten Begriff „Klassenkampf“ vermeiden muss.

„Der aus dem Amazonasgebiet in eine Favela Sao Paulos geflohene landlose Bauer will dem deutschen Arbeiter seine Uhr klauen wie es anno dazumal 1945 die Mongolen taten“ – und wegen dieser Albernheit sollen  die urbanen Elendsviertel als Gefechtsfelder dienen, auf denen die westeuropäische Rüstungsmafia ihre neuesten technischen Mordwerkzeuge testet, eine Mafia, die am Krieg besser verdient als am Frieden, sollen Zehntausende unschuldige Habenichtse auf der südlichen Halbkugel ermordert werden. Man gehe einmal auf den Kontinenten die Einwohnerzahlen der Megametropolen durch, die täglich, stündlich steigen, was nach dem NATO Konzept ja zugleich eine ständig steigende Todesquote bedeutet. Wir fragen an dieser Stelle mit Gustav Heinemann, ob man nicht die Bundeswehr grundsätzlich in Frage stellen muss ? Hat diese in einem Kloster bei Himmerod konzipierte Armee, diese klösterliche Zwergmißgeburt überhaupt ein Existenzrecht ? Seit der französischen Revolution ist es die Aufgabe des Soldaten, die Kleinen und Schwachen zu schützen, aber hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen zu sein. In seinem „Plan einer Criminalgesetzgebung“ hatte der große französische Revolutionär Jean Paul Marat bereits die Forderung aufgestellt, dass der reiche Dieb härter bestraft bwerden muss als der Dieb aus Not. Friede den Hütten, Krieg den Palästen ! Die Bundeswehr ist eine perverse, dem Mittelalter zugewandte  Armee – sie ist durch das bürgerliche Offizierskorps eine durch und durch konterrevolutionäre Armee, die nach dem Grundsatz antritt: Krieg den Hütten, Friede den Palästen ! Vergessen wir nicht den wichtigen Hinweis von Marx, dass die Pariser Kommune gezeigt hat, dass die Bourgeoisie den Platz der Feudalen eingenommen hat – die Soldaten müssen also die Gewehre gegen die feigen, vollgefressenen Offiziere, die sich gegenüber den täglich von einer Handvoll Reis ernährenden  Elenden der sogenannten Dritten Welt auf ihr modernstes militärisches Mordequipment verlassen, umdrehen. Hat denn der Halbalphabet gegenüber den zivilisierten Hyänen überhaupt ein Lebensrecht ? Sind das nicht minderwertige Menschen ? Als schwache Völkerschaften freigegeben zur Ausraubung durch das imperialistische Kapital, das aus ihnen den Extraprofit zieht ? Manövriermasse auf den Kartentischen der NATO Strategen in den nordatlantischen Metropolen ? Die armen Länder auf der südlichen Halbkugel sind ohnehin in finazieller und wirtschaftlicher Abhängigkeit, was Kriege in sich birgt, die man nicht für Kriege halten könnte, weil es oft nur Metzeleien sein werden. (Vergleiche Lenin, Bericht über die internationale Lage und die Hauptaufgaben der Kommunistischen Internationale auf dem II. Kongress der KI am 19. Juli 1920, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,246). Aber auch im NATO Bereich gibt es Elendsviertel, und wir erleben es ja schon vor unserer Haustür, dass die Armen mittels Polizei von der Bourgeoisie wie Dreck behandelt werden. Das soll nun globalisiert werden. Aber die imperialistischen Globalisierer verrechnen sich: der proletarische Sieg in den fortgeschrittenen Ländern ist heute untrennbar mit dem revolutionären Bündnis mit den Befreiungsbewegungen in den vom Finanzkapital abhängigen Ländern verbunden. Die Gewehre müssen also umgedreht werden, lieber einige tausend Spitzenoffiziere der bürgerlichen Armee, deren perverse Gehirne auf `killing´der Armen „ihres“ Volkes und der armen Völker ticken, ohne Kriegsverbrechertheater à la Nürnberg erschießen, als dass Millionen unschuldiger Menschen in den Slums und in den südlichen Metropolen auf deren Befehl hin ermordet werden. Es  ist nur ein Gebot der Humanität, wenn das mordlustige Spießerpack in Uniform bestraft, an proletarische Revolutionstribunale übergeben wird. Wir müsses es wie im Fall des Marschalls Tuchatschewski machen, der der Sohn eines Grundbesitzers war und von dem Trotzki sagte, er sei kein Revolutionär, sondern ein Soldat der Revolution, eingedenk, dass sich um einen bürgerlichen Offizier ein ganzes faschistisches Umfeld aufspreizt, das man als einen braunen Sumpf bezeichnen kann. In der Sowjetunion führte man für diesen die Bezeichnung TschSIR ein. (Es gibt genug Beispiele in der Geschichte, dass die gutmütigen Soldaten aus dem Volk noch während einer Revolution gefangene Offiziere wortgläubig wieder freigelassen hatten). Die Trockenlegung dieser Sümpfe kommt natürlich der Menschheit billiger: „…denn die Niederhaltung der Minderheit der Ausbeuter durch die Mehrheit der Lohnsklaven…ist eine so verhältnismäßig leichte, einfache und natürliche Sache, dass sie viel weniger Blut kosten wird als die Unterdrückung von Aufständen der Sklaven, Leibeigenen und Lohnarbeiter, dass sie der Menschheit weit billiger zu stehen kommen wird“. (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,477. ). Nicht die Ärmsten der Armen stellen eine Bedrohung für die fortschrittliche Menschheit dar, wie denn auch ? – sondern reaktionäre, historisch überlebte bürgerliche Offizierskorps, die für die Profite globaler Blutsauger bedenkenlos das Leben der Arbeiter- und Bauernsöhne opfern. „Sollte UNSER (Kursiv von Lenin) Krieg, der Krieg der Unterdrückten und Ausgebeuteten gegen die Unterdrücker und Ausbeuter, in allen Ländern eine halbe oder eine ganze Millionen Opfer kosten, so wird die Bourgoisie sagen, die Opfer des Weltkrieges seien berechtigt, die des Bürgerkrieges aber verbrecherisch“. (Lenin, Brief an die amerikanischen Arbeiter vom 20. August 1918, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,211).

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Eine Antwort to “„Urban Operations“ Wie die NATO das Abschlachten der Ärmsten der Armen, vor allem der Proleten plant”

  1. goerkel Says:

    bravo, ein genialer Aufsatz!!!!!!
    weitermachen
    gruesse aus spanien

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