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Das Geheimnis des Krieges oder: „Soll ich mein Kind der Bundeswehr opfern ?“

24. Dezember 2012

Die Stellung der revolutionären Marxisten zur bürgerlichen Armee ist sattsam bekannt. „Denn die Frage des Krieges kann, objektiv gesehen, nur revolutionär gestellt werden“. (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 1978,65). Namentlich hat die Pariser Kommune als Diktatur des Proletariats gezeigt, dass die Arbeiterklasse die bürgerliche Armee und die bürgerliche Polizei als gegen sie gerichtete Unterdrückungswerkzeuge durch die allgemeine Volksbewaffnung als gegen die bisherigen kapitalistischen Ausbeuter gerichtete Unterdrückungswerkzeuge ersetzen muß. Die Kommune ergab sich als Folge des deutsch französischen Krieges und ist in ihrer gesellschaftswissenschaftlichen Betrachtung und Würdigung als Resultat aus der dialektischen Wechselwirkung von Krieg Frieden und Revolution gar nicht ablösbar. „Die Kommune war die Umwandlung des Völkerkriegs in einen Bürgerkrieg“. (Lenin, Lage und Aufgaben der marxistischen Internationale, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,30). Nicht zufällig trägt ein ganzes Kapitel in der „Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) Kurzer Lehrgang“ die Überschrift: „Theorie und Taktik der bolschewistischen Partei in den Fragen des Krieges, des Friedens und der Revolution“. (Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewki) Kurzer Lehrgang, Verlag der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland, Berlin 1946,201 ff.). Wenn man sich doch wenigstens um die Triebkräfte der Geschichte bemühen würde, ich will schon gar nicht verlangen, dass Engels streng genommen die Erforschung der Triebkräfte der Triebkräfte der geschichtlichen Entwicklung forderte. (Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1975,297f.) Was bedeutet es, wenn Lenin uns darauf hinweist, dass der Krieg nicht das Ergebnis des bösen Willens der Kapitalisten ist ? In Wirklichkeit wird die Finanzpolitik des Kapitalismus und besonders des Bankkapitalismus von der gesamten bewaffneten Macht untermauert. (Vergleiche Lenin, Sozialismus und Krieg, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 1978,406).

Seit der französischen Revolution, die bürgerlich-fortschrittliche natonale Kriege zur Folge hatte, steht der Krieg in Masse (levée en masse), der Massenkrieg auf der Tagesordnung. Friedrich Engels bezeichnete die allgemeine Wehrpflicht ganz in der Müntzerschen Tradition des deutschen Bauernkrieges („Das Schwert ist das Recht der Gemeinde“) „…beiläufig als die einzig demokratische Institution“ (Friedrich Engels, Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei, Marx Engels Werke Band 16, Dietz Verlag Berlin 1974,44), als wesentlichen Fortschritt. (Vgl. a.a.O.). „Je mehr Arbeiter in den Wafen geübt werden, um so besser…Die mehr und mehr konsequente Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht ist der einzige Punkt, der die Arbeiterklasse Deutschlands in der preussischen Armeeorganisation interessiert“ (a.a.O.,42).  Und Lenin prägte uns mehr als einmal ein: nimm das Gewehr, das dir bürgerliche Offiziere geben  und lerne gut alles Militärische. (Vgl. Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1960,78). Und im übrigen ist die allgemeine Wehrpflicht das Durchgangsstadium zur Volksbewaffnung. Als der Bauernsohn Gerhard Scharnhorst (Ich verweise auf meine Biographie über Scharnhorst, siehe unter: google: lenin unser aller lehrer scharnhorst ein general des fortschritts) in Preußen die allgemeine Wehrpflicht einführte, waren es gerade liberale Konservative wie Niebuhr und von Gentz, die vor der gewaltigen Volkskraft zurückbebten, die potentiell in ihr liegt. Sie ist zweischneidig in der Dialektik von Revolution und Konterrevolution, entweder gelingt die Mobilmachung durch blutsaugerische imperialistische Räuber oder das bürgerliche Offizierspack wird ausgerottet, letzteres kommt der Menschheit allemal billiger als als ein imperialistischer Krieg. Wobei wir immer die perverse Rolle beachten müssen, die die deutsche Sozialdemokratie – mit Ausnahme von Karl Liebknecht – bei der Bewilligung der Kriegskredite gespielt hat. Eine perverse Rolle hat auch in jüngster Zeit der falsche Doktor Karl Theodor zu Guttenberg gespielt, in Gehabe und Weltanschauung ein Mann des Mittelalters, unter dessen plagiativ belasteten Federführung die allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Unter den Gewitterwolken der Finanzkrise mit dem Hintergrundgespenst der Inflation ist dem deutschen Volk der Aufstand gegen das Joch des Kapitals dadurch erschwert worden. „C´est le vol de l`aigle“ würde der Franzose sagen – das ist der Flug des Adlers – wobei vol sowohl Flug als auch Diebstahl heißen kann. Eine Inflation ist im kapitalistischen Wirtschaftssystem eine völlig natürliche gesetzmäßige Erscheinung (ein gesetzmäßiger Zusammenhang besteht auch zwischen einer Inflation und der Bereithaltung faschistischer Kräfte zur Niederschlagung von Aufständen, diese Kräfte hält sich die Bourgeoisie warm) und der kluge Bourgeois baut vor: es kommt bei abzusehenden Hungersemeuten darauf an, vor allem zu verhindern, dass das Volk bewaffnet ist. Aber die Wehrpflicht ist die einzige Möglichkeit, dass die Arbeiter/innen und Bäuer/innen Waffenkenntnisse erlernen und auch in entsprechender revolutionärer Situation die Gewehre umdrehen.

Die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht ist also ein konterrevolutionärer Akt reinsten Wassers und es zeigt den genuin konterrevolutionären Charakter des bürgerlichen Offizierskorps, dass es diesen Handstreich widerspruchslos über sich ergehen ließ. Die allgemeine Wehrpflicht müsste eine Schlüsselstellung einnehmen, wenn ich als Vater eines 10 jährigen Kindes in der Monatszeitschrift „Rotfuchs – Tribüne für Kommunisten und Sozialisten in Deutschland“ vom Dezember 2012 frage: „Soll ich mein Kind der Bundeswehr opfern ?“ In dem Aufsatz auf Seite vier mit dem Untertitel: „Die Rattenfänger de Maizières ziehen an den Schulen alle Register“, der von dem Vater Peter Dornbruch aus Crivitz, der dort der Leitung der Basisorganisation der Partei Die Linke angehört, fallen die Worte „allgemeine Wehrpflicht“ nicht einmal. Als Linker muss ich zunächst auf den antidemokratischen Charakter hinweisen, der in der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht durch „Doktor“ zu Guttenberg liegt und ich halte es für fragwürdig, ob der Rotfuchsautor einsichtig genug wäre, zu erkennen, dass sich bei einem rechtsgültigen Bestehen der allgemeinen Wehrpflicht sich seine Frage: Soll ich mein Kind der Bundeswehr opfern ? erübrigen würde. Allerdings ergibt sich aus der allgemeinen Wehrpflicht nicht der demokratische und republikanische Charakter einer Armee.

Denn ohne Zweifel sichert die von einem bürgerlichen Offizierskorps befehligte Bundeswehr die Freiräume für die Geschäfte der kapitalistischen Klasse. 1. Im Falle des inneren Notstandes wird die Bundeswehr auf Anweisung der Bundesregierung gegen aufständische Arbeiter und Bauern eingesetzt. Sie ist im deutschen Volk unbeliebt, weil sie wie jedes stehende Heer eine dem Volk entgegenstehende Institution ist, weil sie wie jedes stehende Heer die sicherste Garantie für alle Versuche ist, die Freiheit zu rauben (Vergleiche Lenin, Der Kongress der Bauerndeputierten, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 19578,157) und Väter und Mütter stellen einerseits zu Recht die Frage: Soll ich mein Kind der Bundeswehr opfern ? Es darf hier aber keine moralisierende und pazifistische Antwort gegeben werden, sondern allein eine gesellschaftswissenschaftliche: „Heute militarisiert die imperialistische – und andere – Bourgeoisie nicht nur das ganze Volk, sondern auch die ganze Jugend. Morgen wird sie meinetwegen die Frauen militarisieren. Wir antworten darauf: Desto besser ! Nur immer schneller voran – je schneller, desto näher dem bewaffneten Aufstande gegen den Kapitalismus. Wie können sich die Sozialdemokraten durch die Militarisierung der Jugend usw. einschüchtern oder entmutigen lassen, wenn sie das Beispiel der Kommune nicht vergessen“. (Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, in: Lenin, Über den Kampf für den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,99). So und nur so steht die Frage im Raum. Peter Dornbusch sagt selbst, dass ausgerechnet junge Erwachsene aus Familien mit geringem Einkommen danach gefragt werden, ob sie in der Bundeswehr Waffenkenntnisse erwerben, sich militärisch ausbilden lassen wollen. Das ist es ja gerade, was das Proletariat braucht, es kann zur Zeit nicht anders sein, dass diese teilweise hochkomplexen Kenntnisse nur in einer reaktionären Armee erworben werden können. Den reaktionären Charakter der Bundeswehr nimmt Vater Dornbruch nun zum Vorwand, um zu lamentieren: „Und dafür soll ich mein Kind hergeben , mein eigen Fleisch und Blut lebendigen Leibes zerreiseen, verstümmeln, dahinsiechen lassen… ?“ Hier haben wir ein Musterbeispiel eines flennenden Kleinbürgers nach der Art honigsüßer Pfaffen, der nicht begreift, wie wichtig es ist, seine Kinder zum Hass gegen die kapitalistischen Ausbeuter zu erziehen, dass er nicht moralisiert, dass die Armee junge Menschen zu Mördern abrichtet, sondern dass sie das Gewehr in die Hand nehmen müssen, um es gegen das konterrevolutionäre Offizierskorps der Bundeswehr umzudrehen. Im Rotfuchs ist auch ein Gedicht dieses Vaters abgedruckt und ich gebe mal die zweite Strophe wieder: „Warum sind denn Kriege heilig ? Jesus sagt doch: Habt euch lieb, füreinander seid euch einig, ohne Streit, Gebrüll und Hieb !“  Was ist das den anderes als sentimentaler christlicher pazifistischer Betrug ? Der Irrtum der Pazifisten besteht darin, dass sie vom Frieden träumen, ohne dass die Notwendigkeit gesehen wird, das Joch des Kapitals zu brechen. Die völlige Vernichtung der Bourgoisie ist die conditio sine qua non des Ewigen Friedens. „Marxismus ist nicht Pazifismus“ (Lenin, Sozialismus und Krieg, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960,331). Erinnert sei an die stolzen Worte aus der Einleitung des historischen Romans „Jean Ziska“ von George Sand, mit denen Karl Marx sein 1846/47 geschriebenes Frühwerk „Das Elend der Philosophie“, das Kautsky und Bernstein 1885 publizierten, nachdem Engels es überprüft und mit einem Vorwort versehen hatte, abschließt: „Kampf oder Tod; blutiger Krieg oder das Nichts. So ist die Frage unerbittlich gestellt“. (Vergleiche Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin,1977,182.). Zugegeben: es ist sehr schwierig, reaktionäre Kriege – und alle Kriege, die die Bundeswehr im Ausland führt, sind offen reaktionäre aggressive Kriege – in einen Bürgerkrieg gegen die Vorbereiter und Auslöser dieser reaktionären Kriege zu verwandeln. „Man muß insbesondere die Bedeutung des Umstandes klarlegen, dass die Vaterlandsverteidigung zu einer unvermeidlichen Frage wird, die die gewaltige Mehrheit der Werktätigen unvermeidlich zugunsten ihrer Bourgeoisie entscheiden wird“. (Lenin, Notizen zur Frage der Aufgaben unserer Delegation im Haag, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,296 f.). Schon aus dieser Aussage Lenins heraus verbietet sich jede pauschale Heroisierung der Werktätigen. Vergessen wir nicht, dass schon während der Pariser Kommune ein Teil der Pariser Arbeiterklasse der „nationalen Ideologie“ (der Tradition von 1792) verhaftet blieb, nebenbei bemerkt: Lenin bezeichnete es im April 1917 als Hauptfehler der Revolutionäre,  dass sie auf die alten Revolutionen schauen (Lenin, Referat über die politische Lage und die Stellung zur Provisorischen Regierung, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1978,127) und ein anderer Teil der Pariser Arbeiter zu den „Versaillern“ überging. Und was für die Massen gilt, gilt in diesem Punkt auch für die Parteien und Führer. Zeigte nicht der Ausbruch des ersten Weltkrieges allzu deutlich, dass die meisten sozialdemokratischen Parteien eine reaktionäre Taktik einschlugen (Burgfrieden) und die Führer der Werktätigen auf die Seite „ihrer“ Bourgeoisie übergingen ? Die chauvinistische Welle hatte die sogenannten Sozialisten in den nationalen Abort gespült. Rosa Luxemburg gebrauchte das Wort von der „Prostitution des Sozialismus“ (Rosa Luxemburg, Brennende Zeitfragen, Spartacus Nr. 6 vom August 1917, in: Rosa Luxemburg und die Freiheit der Andersdenkenden, Extraausgabe des unvollendeten Manuskriptes „Zur russischen Revolution“ und anderer Quellen zur Polemik mit Lenin, Dietz Verlag Berlin 199073). Kautsky hatte Recht behalten, als er 1911 schrieb, dass die pseudopatriotische Welle alles überschwemmen kann und dass gegen einzelne Mutige die Regierung keinen Finger zu rühren brauche, da der chauvinistische Mob sie selbst erschlagen würde. (Vergleiche Karl Kautsky, Krieg und Frieden, Betrachtungen zur Maifeier, in: Die Neue Zeit XXIX, Band 2, Seite 104).  Und so ist es gekommen: von der internationalen Solidarität mit den Klassenbrüdern aller Länder zur chauvinistischen Solidarität mit dem kapitalistischen Klassenfeind. Rosa Luxemburg ging sogar soweit zu schreiben, dass das internationale Proletariat, abgesehen von ein paar mutigen Aktionen italienischer Arbeiter,  die russische Revolution verraten habe. (Vergleiche Rosa Luxemburg, Die geschichtliche Verantwortung, Spartacus Nummer 8 vom Januar 1918, in: Rosa Luxemburg und die Andersdenkenden, Extraausgabe des unvollendeten Manuskripts „Zur russischen Revoution“ und anderer Quellen zur Polemik mit Lenin, Dietz Verlag Berlin 1990,89). Weil nicht nur die Werktätigen, sondern auch ihre Führer in ihrer Mehrheit alles andere denn Kommunisten sind,  müssen wir Bolschewiki mehr als einmal gegen einen ungeheuren Strom anschwimmen. Es ist, als tauchen nur hier und da ein paar Köpfe im Amazonas auf. Rosa Luxemburg gebraucht das Bild von „Rufern in der Wüste“.  Und manchmal nur einer: Liebknecht allein, so Lenin, vertritt den Sozialismus, die Sache des Proletariats, die proletarische Revolution. (Vergleiche Lenin, Krieg und Sozialismus, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 1978,419). Bewußte Revolutionäre sind immer in der Minderheit, hinter ihnen steht aber mit ihren Sympathien die Mehrheit des Proletariats.  Ich erinnere an das Bild vom „eng geschlossenem Häuflein“, das Lenin in „Was tun ?“ gezeichnet hat. Das zeigt auch die historische Erfahrung: der imperialistische Krieg positioniert die Sozialisten dreifach zu ihm: die offenen Sozialchauvinisten, die Zentristen (Kautskyaner, Trotzki) und die revolutionären Internationalisten. Das Zentrum schwankt zwar, neigt sich aber immer den Chauvinisten zu, die Internationalisten bleiben in der Minderheit. Lenin blieb schon 1905 mit seiner Analyse des russisch-japanischen Krieges in der Minderheit, als er sich offen für einen Sieg Japans gegen sein Heimatland aussprach. Dieser Krieg bringe die russischen Sozialisten einem anderen Krieg näher, dem Krieg des Volkes gegen den Zarismus. (Vergleiche Lenin, Der Fall von Port Arthur, Werke Band  8, Dietz Verlag Berlin 1958,34ff.). Der Verlag der Kommunistischen Internationale lag richtig, als er 1921 Lenins und Sinowjews Aufsätze aus den Kriegsjahren unter dem Titel „Gegen den Strom“ herausgab.

August Bebel sagte zu Recht: diesem System keinen Mann und keinen Groschen und der amerikanische Bebel, Eugene Debs, erklärte: „Eher soll man mich erschießen, aber ich gebe keinen Cent für diesen Krieg. Ich bin bereit zu kämpfen, aber nur für den Krieg des Proletariats gegen die Kapitalisten der ganzen Welt“, aber man darf diese Bebels hier nicht plakativ auslegen im Sinne eines Abseitsstehens, wie denn Lenin auch verächtlich von dem „Beiseite-sein-Wollen“, von der „Winkelpolitik“ sprach. (Vergleiche Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,104f.). Im Gegenteil: durch den reaktionären Krieg hindurch zur Umwandlung in einen revolutionären, zur Weltrevolution- anders kann die Reihenfolge gar nicht sein. Ist denn nicht klar, dass es keinen anderen Weg gibt, dass die Arbeiterklasse die bestialischen reaktionären Kriege nicht anders beenden kann als durch die Weiterentwicklung der proletarischen Revolution ? Der imperialistische Krieg ruft immer weltweite Krisen schwerster Art hervor und ohne eine Reihe von Revolutionen gibt es keine Heilung. Bebel hat niemals die Linie des friedlichen Hineinwachsens des Kapitalismus in den Sozialismus vertreten. Proletariscche Revolutionen dürfen sich niemals allein auf die Friedenspropaganda beschränken, wie das die meisten linken Sozialdemokraten am Vorabend des ersten Weltkrieges, des zweiten Weltkrieges und nach der Gründung der BRD taten und tun. „Sozialdemokraten können sogar in die Lage kommen, selbst einen Angriffskrieg zu fordern. Im Jahre 1848 …hielten Marx und Engels einen Krieg Deutschlands gegen Russland für notwendig. Das wirkte nach bis zur Erklärung August Bebels im Jahre 1891 vor dem Erfurter Parteitag, dass wir im Falle eines russischen Angriffs mehr an einem Kampf gegen den Hort der Barbarei interessiert sind als die bürgerliche Elite Deutschlands. Die Nazis konnten die Assoziation Russlands mit der Barbarei ausnutzen, in der Wochenschau zum Angriff auf die Sowjetunion wurde vom Schutz der Zivilisation gegen die Barbarei gesprochen. (Este Bilder von gefangengenommenen Rotgardisten wurden mit der Aussage kommentiert: das sind  die Verbündeten der englischen Lords und Plutokraten). Marx und Engels suchten übrigens auch auf die öffentliche Meinung Englands zu dem Zwecke einzuwirken, dieses Land zu kriegerischen Vorgehen gegen Russland zu bewegen“. (Lenin, Der streitbare Militarismus und die antimilitaristische Taktik der Sozialdemokratie, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,22). Im Falle einer erfolgreichen proletarischen Revolution in Russland hielt Lenin in einem Artikel in der Prawda vom 1. Mai 1917 einen revolutionären Krieg gegen ein reaktionäres  Deutschland sogar für möglich. (Vergleiche Lenin, Unsere Ansichten, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 1978,162). Die Unterscheidung zwischen gerechten und ungerechten Kriegen ist eine fundamentale, ohne die jede Abhandlung des Krieg-und-Frieden Themas unterhalb der wissenschaftlichen Ebene bleibt genau so wie der Verzicht, jeden Krieg in seiner historischen Besonderheit zu analysieren. Der Krieg ist nicht ausschließlich nur etwas Schlechtes, Verurteilungswürdiges, vor dem man wie die Spießbürger die Augen verschließt. Jeder Krieg muss des weiteren dahingehend analysiert werden, welche Klassen ihn führen und welche von ihnen seinen Charakter prägen. Der Charakter eines Krieges wird von der Klasse bestimmt, die ihn führt und der imperialistische Krieg kann nur beendet werden, wenn das Volk den Klassencharakter der Regierung ändert. Wie Lenin sagt: an die Stelle der Regierung der Kapitalisten eine des revolutionären Proletariats. (Vergleiche Lenin, Krieg und Revolution, Werke Band 24, Dietz Verlag  Berlin 1978,415). Wie Lenin sagt: „Nieder mit dem Krieg“ bedeutet nicht, dass man die Gewehre wegwirft. Es bedeutet den Übergang der Macht in die Hände einer anderen Klasse“. (Lenin, Referat über die politische Lage und die Stellung zur provisorischen Regierung, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 1978,131). Eine andere Klasse muss also die Staatsmacht haben (ein Personenwechsel ändert substantiell nichts), die im Imperialismus global angelegte Kriegsgefahr wird nicht dadurch aus der Welt und ihrer Geschichte geschafft, dass ein Vater fragt, soll ich mein Kind der Armee opfern ? „Alle müssen die Waffen beherrschen…das eben ist das Wesen der Kommune“ (a.a.O..,132). Wir müssen die Massen darüber aufklären, „dass der sozial-politische Charakter des Krieges nicht durch den „guten Willen“ von Personen und Gruppen oder selbst Völkern bestimmt wird, sondern durch die Stellung der Klasse, die den Krieg führt, durch ihre Politik, deren Fortsetzung der Krieg ist, durch die VERBINDUNGEN (kursiv von Lenin) des Kapitals als der herrschenden ökonomischen Macht in der modernen Gesellschaft…“ (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 1960,50). Wenn selbst Völker nicht den sozial-politischen Charakter eines Krieges bestimmen, verbietet sich da die Frage: „Soll ich mein Kind der Bundeswehr opfern ?“ nicht von selbst ? Es kommt in der Politik und besonders in der Militärpolitik nicht auf persönliche Wünsche an, subjektiv möchte außer ein paar verwirrten Militaristen, der Rüstungsmafia, der Regierungsmafia (Millionärsausschüsse), und dem Finanzkapital – man darf die Geschichte des Finanzkapitals auf keinen Fall vergessen, wenn man die gegenwärtigen Kriege wissenschaftlich untersuchen will – vielleicht niemand einen Krieg, sondern darauf, „dass es sich vielmehr um politische Verhältnisse und Beziehungen der Massen, der KLASSEN (kursiv von Lenin) um den Zusammenhang des Krieges mit den Interessen des Kapitals und dem internationalen Bankennetz usw. handelt“ (a.a.O.,51). Und zur Abschreckung der Kleinbürger: es muss zugegeben werden, dass die Anzahl gerechter Kriege im Vergleich zu Eroberungskriegen, dass die Anzahl der Befreiungskriege im Vergleich zu imperialistischen Kriegen sehr gering ist. Im imperialistischen Kontext ist es übrigens müßig, einseitig nach den Schuldigen am Ausbruch des Krieges zu suchen, in diesem Kontext sind die Schuldigen auf beiden Seiten.

Auch revolutionäre Kriege, die aus dem Klassenkampf entstanden sind,  sind nun einmal mit Blut, Tod, Ekel und Terror behaftet. Bereits Thomas Morus spottete über die Utopianer, dass sie den Krieg als etwas ganz Bestialisches verabscheuen. Nur bei weinerlichen Kleinbürgern und reaktionären Sozialpfaffen erzeugen sie Schrecken und Abscheu (Vergleiche Lenin, Brief an die amerikanischen Arbeiter, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,98f.). Peter Dornbruch ist ein ausgesprochener Dummkopf und ein weinerlicher Kleinbürger, wenn er seinem Sohn die Erlernung des Waffenhandwerks in und durch und gegen die Bundeswehr verweigern lehrt. „Boykottierung des Krieges ist eine dumme Phrase. Die Kommunisten müssen in jeden beliebigen reaktionären Krieg gehen.“ (Lenin, Notizen zur Frage der Aufgaben unserer Delegation im Haag, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,297). Welcher Krieg wurde denn bisher in der Geschichte durch eine Kriegsdienstverweigerung beendet ? Er kann eben nicht durch die Weigerung, Krieg zu führen, beendet werden. Man kann nicht dadurch aus reaktionären Kriegen springen, dass man, wie der Russe sagt, die Bajonette in die Erde stößt. Nicht in die Erde, sondern direkt in die bürgerliche Visage. Die Bourgeoisie arbeitet mit Geld und kauft notfalls Armeen zusammen. Bekam nicht der Monarchist Friedrich Ebert im November 1918, als die rote Flut immer höher zu steigen drohte, einen Anruf von General Groener, dass ihm gegen die Spartakisten Freiwilligeneinheiten vorschwebten, die von der Industrie bezahlt werden sollten. Er fand offene Ohren. Seit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht kann bereits davon gesprochen werden, dass die „Republik“ eine Landsknechtsarmee unterhält. Die Frage ist dann aber nur: WIE geht man in einen reaktionären Krieg ? Lenin hat im Juli 1915 einen Artikel verfasst mit dem Titel: „Über die Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Kriege“ und jeder Linke ist verpflichtet, so zu denken und so zu handeln, dass er an dieser Schlüsselfrage der Niederlage der eigenen Regierung mitwirkt. Zur entscheidenden Frage des heutigen Krieges kann Peter Dornbruch deshalb nicht vordringen: dass die Arbeiterklasse im revolutionären Krieg gegen den reaktionären Krieg nicht ohne illegale Organisationen auskommt und dass sie die bürgerliche Legalität nicht zu einem Abgott erheben darf. Statt „Legalität um jeden Preis“ kann es für den revolutionären Kampf gegen die Bundeswehr nur den klassenbedingten Tabubruch geben: der Offizier ist nicht „mein Kamerad“, sondern ein Volksfeind, ein schäbiger Knecht des Kapitals, ein bürgerkriegerischer Feind gegen das deutsche Volk, gegen alle ehrlichen und aufrichtigen Werktätigen. Die Bildung und Aufrechterhaltung einer illegalen Organisation „zur LANGWÄHRENDEN (kursiv von Lenin) Antikriegsarbeit aller am Krieg teilnehmenden Revolutionäre“ (Lenin, a.a.O). hielt Lenin für unverzichtbar. „In Deutschland zum Beispiel wird alles, was an EHRLICHEM (kursiv von Lenin) von den Sozialisten getan wird, gegen den niederträchtigen Opportunismus und gegen das heuchlerische „Kautskyanertum“ getan, und zwar illegal. (Lenin, Sozialismus und Krieg, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1960,316). Die Oktoberrevolution hat diese Lehre von Lenin exakt bestätigt: aus tiefster Illegalität wurde der bewaffnete Aufstand organisiert, in dem die Petrograder Truppen die Gewehre von den Bolschewiki  weg gegen die bürgerlichen Minister richteten, die sich im Winterpalast versteckt hatten.

Auf Grund seines verfehlten, seines unwissenschaftlichen Ansatzes, quasi als ein sehr verspäteter Ausläufer der Ohne-mich-Bewegung, kann „der Linke“ Peter Dornbruch für die Arbeiter und Bauern keine Perspektive aufzeigen, kann er aus dem revolutionären Kampf gegen imperialistische Kriege nicht die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats entwickeln, durch die allein reaktionäre Kriege beendet werden können und die allein dadurch reaktionäre imperialistische Kriege beendet, dass sie die Kriegserreger, die Reaktionäre, die Kapitalisten und Bankiers unterdrückt. Eine Perspektive bietet er im Internet an, sein Sozialismusmodell lautet dort: Ein Sozialismus, der wirtschaftlich effektiv, politisch demokratisch, moralisch sauber und in allem den Menschen zugewandt ist ! Das klingt gut und leuchtet unmittelbar ein, ist aber mit dem wissenschaftlichen Sozialismus unvereinbar: politisch demokratisch kann der Sozialismus nur für die Armen, die Werktätigen, die kleinen Bauern, die fortschrittliche Intelligenz sein, er muss DIKTATORISCH gegen die bisherigen Parasiten sein. In dem Dornbruchschen Sozialismusmodell fehlt ganz die Dialektik von Revolution und Konterrevolution: der Sozialismus kann nicht abstrakt „den Menschen zugewandt“ sein, sondern er muss sich konkret, hart und grausam den bisherigen Ausbeuterklassen zuwenden, die man – und das lehrt selbst ein flüchtiger Blick in die Klassenkampfgeschichte – durch einen unvermeidbaren Bürgerkrieg ausrotten und niederbrennen muss. Welcher schäbige Lump ruft da: ohne mich und meinen Sohn ? Wir holen uns die Waffenkenntnisse nicht nur in der Bundeswehr, dort sind ja auch die Waffen, die die Revolutionäre höchst autoritär in Anwendung bringen müssen.

Man gestatte mir zum Schluß eine kleine Anmerkung: Als mein Sohn noch zur Zeiten der allgemeinen Wehrpflicht den Musterungsbescheid bekam, gab der Kommunist Reinhard Stranz aus Mechtersen aus eigener Erfahrung den Rat, ihn in die neutrale Schweiz zu schicken. Nichts war falscher, Lenin gibt vielmehr den Rat: „Du wirst bald groß sein, man wird Dir das Gewehr geben. Nimm es und erlerne gut alles Militärische – das ist nötig für die Proletarier, nicht um gegen deine Brüder zu schießen, wie es jetzt in diesem Räuberkriege geschieht und wie dir die Verräter des Sozialismus raten, sondern um gegen die Bourgeoisie deines „eigenen“ Landes zu kämpfen, um der Ausbeutung, dem Elend und den Kriegen nicht durch fromme Wünsche (etwa: Jesus sagt doch: Habt Euch lieb/der Verfasser) , sondern durch das Besiegen der Bourgeoisie  und DEREN (kursiv von Lenin) Entwaffnung ein Ende zu bereiten“. (Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, in: Lenin, Über den Kampf um den Frieden, Dietz Verlag Berlin 1956,100f.) Hier haben wir exakt von Lenin die Antwort auf die Frage: Soll ich mein Kind der Bundeswehr opfern ? „Als doppelt gestählte Streiter werdet ihr aus dem Heere des Kapitalismus in die Reihen der proletarischen Armee zurückkehren“. So lautet der Schlußsatz der Broschüre „Rekrutenabschied“  von Karl Liebknecht aus dem Jahre 1906. Es gibt eben solche Linken und solche Kommunisten, die dumme Artikel im Rotfuchs hinterlassen und die es à la Lenin in die Schweiz zieht um als pazifistische Betrüger genau dem Leninismus entgegengesetzt zu handeln.

1. Nachweisbar ist die Zusammenarbeit der Bundeswehr mit privaten Rüstungsfirmen, die bei ihren Exportgeschäften zugleich Bundeswehrsoldaten als Waffeneinweiser in den Bestimmungsländern anbieten, Bundeswehrsoldaten, deren Ausbildung die Werktätigen bezahlt haben und von denen nun die Rüstungsmafia den Rahm abschöpft. So zum Beispiel die bayrische EMT Ingenieursgesellschaft aus Prenzberg, die mit dem Drohnensystem LUNA (Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsaussattung) vom 8. Juni bis 2. März 2011 drei Bundeswehrsoldaten als Ausbilder mit ins Abnehmerland Saudi Arabien mit verschickte. Auf in Deutschland gebauten südafrikanischen Korvetten waren Bundeswehrsoldaten ebenfalls als Ausbilder tätig, desgleichen für die Firma Krauss Maffei Wegmann am Kampfpanzer Leopard 2 in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mit Eurofighter Kampfjets wurden deutsche Piloten nach Indien exportiert, in Indien fanden auch Tests mit von der EADS Tochter MBDA hergestellten Panzerabwehrraketen statt. Siehe hierzu: Hauke Friedrichs, Soldaten helfen beim Waffenexport, Die Bundeswehr unterstützt die deutsche Rüstungsindustrie, indem sie deren ausländische Kunden schult und einweist, in: DIE ZEIT vom 28. Juni 2012, Seite 29. Dieser Artikel verbleibt  aber auf rein technisch informativer Ebene, ohne den konterrevolutionären Grundgehalt darzustellen, denn die Waffensysteme und ihre menschlichen Anhängsel, sozusagen ein Exportpaket, dienen politisch der Stabilisierung überkommener Herrschaftsformen und der Unterdrückung von Freiheitsbewegungen. Die Bundeswehrführung ist reaktionär bis in die Knochen und reagiert auf das Wort Freiheit allergisch und aggressiv. Diese Führung ist sowohl von ihrer sozialen Provenienz als auch von ihrer mittelalterlichen Weltanschauung auf Versklavung von arbeitenden Menschen ausgerichtet. Man wird in einer proletarischen Revolution wohl nur einen gewissen Teil von ihnen umerziehen können. Und bei dem Rest erinnern wir uns an die Forderungen des Jakobiners Jean Paul Marat. Der Verfasser dieser Zeilen hat es bei einem Pioniermanöver in Ingolstadt selbst erlebt, dass an einem Sonntagvormittag von einem ganzen Bataillon nur sieben Soldaten die Teilnahme am angeordneten Feldgottesdienst verweigerten, die dann während dieses ekelhaften Mummenschanzes strafexerzieren durften. Nur hier und da sieben Köpfe im breiten Sumpf von Ignoranz und Perversion.