Was die kapitalistischen Volksfeinde Martin Hundt und Klaus Schwab unter sozialer Gerechtigkeit verstehen

Im Kapitalismus totale Lohngleicheit zu fordern, hielt Karl Marx für töricht und Ausdruck eines platten Radikalismus. Menschliche Arbeitskräfte sind Waren (und zudem ganz besondere Waren, nämlich Quellen von Wert zu sein) und die Produktionskosten für Arbeitskräfte verschiedener Qualität sind nun einmal verschieden. 1. Deshalb hat das kapitalistische Wirtschaftssystem die perverse Eigenschaft, dass der Lohn in dem Maße sinkt, wie die Widerwärtigkeit der Arbeit steigt. 2. Angesichts dieser Verkehrung scheinen selbst die Kapitalisten über ihre schwarzen Schafe empört zu sein, „Wirtschaftsvertreter halten die Gehälter von Managern für zu hoch“, schreibt das Pflichtblatt der Frankfurter Wertpapierbörse, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 21. Januar 2013, am Todestag von Lenin. Aber natürlich steht nicht Lenin im Hintergrund dieser „Empörung“, er hatte in seinem Fundamentalwerk „Staat und Revolution“ einen sozialistischen Übergangsstaat konzipiert, in dem Lohngleichheit möglich ist. 3. In der Sowjetunion war das in der Stalinzeit fast erreicht, den höchsten Lohn hatte damals der Präsident der Akademie der Wissenschaften, und der stand zu dem durchschnittlichen Lohn eines Arbeiters im Verhältnis von 1,5 zu 1. Wenden wir uns nun Maßverhältnissen zu, die ihren Ursprung nicht in der aufgeklärten Arbeiterklasse haben, sondern in dem sich im Untergang befindlichen kapitalistischen Schweinesystem, in dem neben der Anarchie der Produktion das spießige Prinzip gilt: Ich reiße an mich,was ich kann – alles andere ist mir schnuppe. Verkleinbürgerlichte Arbeiter und Gewerkschaftsbonzen folgen diesem Spruch.

Der Präsident der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) Martin Hundt ist wegen der unverschämten Gehalts- und Abfindungspraxis besorgt um „unseren guten Ruf“. Kann ein Ausbeuter überhaupt einen guten Ruf haben ? Nicht an das Volkswohl zu denken, sondern an seinen guten Ruf, um noch mehr Profite zu machen, war zu erwarten von einem Volksfeind, der es in Ordnung findet, „ein größeres Haus zu haben und ein größeres Auto zu fahren als andere. (Siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Januar 2013,Seite 19).  Das ist stationär gedacht, aber das Stationäre spiegelt nicht die Wahrheit der dynamisch progressiv verlaufenden Ausbeutung der Arbeiter wider: das Haus des Präsidenten der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände  wird immer größer, denn die Arbeiterklasse ist im kapitalistischen Lohnsystem in der eigentümlichen Lage, durch ihre Arbeit die Macht zu verstärken, deren Sklavin sie ist. „Ein Haus mag groß oder klein sein, solange die es umgebenden Häuser ebenfalls klein sind, befriedigt es alle gesellschaftlichen Ansprüche an eine Wohnung. Erhebt sich aber neben dem kleinen Haus ein Palast, und das kleine Haus schrumpft zur Hütte zusammen. Das kleine Haus beweist nun, daß sein Inhaber keine oder nur die geringsten Ansprüche zu machen hat; und es mag im Laufe der Zivilisation in die Höhe schießen noch so sehr, wenn der benachbarte Palast in gleichem oder gar in höherem Maße in die Höhe schießt, wird der Bewohner des verhältnismäßig kleinen Hauses sich immer unbehaglicher, unbefriedigter, gedrückter in seinen vier Pfählen finden“. (Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,85). Auch Klaus Schwab, Präsident des Weltwirtschaftsforums in Davos, haut in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in die gleiche Maßhaltekerbe wie Hundt und findet, dass keiner mehr als zwanzig Mal so viel verdienen sollte als sein am schlechtesten bezahlter Angestellter. Wenn das Verhältnis 1 zu 100 werde, sei dies nicht mehr sozialverträglich. Ei, schau an, also 1 zu 20, das sei sozialverträglich. Wir bedanken uns für diese Darlegung, hier bettelt ja ein Volksfeind geradezu um ein Revolutionstribunal. Dieser Volksfeind muss zur Einkehr gebracht werden, wieviel Brutalität von Ausbeutung in diesem Verhältnis steckt. Lenin hatte völlig Recht, als er in „Staat und Revolution“ schrieb, dass es die Aufgabe der Arbeiterklasse sei, die Bourgeoisie völlig zu vernichten. 1 zu 20, das heißt: Leeres Gerede, der Armen Rechte, leeres Gerede, der Reichen Pflicht. Allerdings: was Herr Schwab für sozialverträglich und gerecht hält, steht nicht in Frage. „Die Frage ist, was ist bei einem gegebenen Produktionssystem notwendig und unvermeidlich ?“ 4. Eins zu Hundert sind nicht nur Auswüchse, sie sind dem kapitalistischen Sklavensystem zutiefst wesensimmanent. Mit jeder neuen technischen Erfindung steigert sich der Überschuß des Tagesprodukts der menschlichen Arbeitskraft über ihre Tageskosten, „…verkürzt sich also derjenige Teil des Arbeitstags, worin der Arbeiter den Ersatz seines Tageslohns herausarbeitet, und verlängert sich also andrerseits derjenige Teil des Arbeitstags, worin er dem Kapitalisten seine Arbeitskraft SCHENKEN (kursiv von Friedrich Engels) muß, ohne dafür bezahlt zu werden“. 5. Darin liegt also die Wurzel der Proportionen 1 : 20, 1 : 100…usw. Würden die Lohnsklaven, die zwar alle Werte der Gesellschaft produzieren, die ihnen aber nicht gehören, keinen Widerstand leisten, so würden sich die Proportionen beliebig maximieren, ja es würde zu einer Proportion kommen, in der die Arbeiterklasse figuriert als eine unterschiedslose „Masse ruinierter armer Teufel, denen keine Erlösung mehr hilft“. 6. Machen sie sich und uns also nichts vor, meine Herren Kapitalisten: Man kann hier nicht mit Proportionen relativieren, sie entgegen der Tendenz, den Lohn zu drücken, minimisieren, sondern muss das Sklavensystem zerschlagen.

Es ist für die Arbeiterklasse eine Empfehlung, den Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen, der Zeitung des Klassenfeindes, aufmerksam zu studieren und sich die Namen der Volksfeinde fest einzuprägen. Denn nach der proletarischen Revolution werden wir diese Repräsentanten des kapitalistischen Schweinesystems in Bastschuhe stecken und sie in Arbeitshäuser konzentrieren und disziplinieren. Nach der Verbüßung ihrer Strafen müssen diese ehemaligen Schmarotzer gelbe Pässe ausgestellt bekommen, damit sie bei jeder Kontrolle durch die Volksorgane sofort als „Ehemalige“ zu erkennen sind. 7. Ist das eine Utopie ? „Die Industrie führt zwei Heeresmassen gegeneinander ins Feld, wovon eine jede in ihren eignen Reihen zwischen ihren eignen Truppen wieder eine Schlacht liefert. Die Heeresmasse, unter deren Truppen die geringste Prügelei stattfindet, trägt den Sieg über die entgegenstehende davon“, sagte  Karl Marx 1847 in einem Vortrag vor dem Brüsseler „Deutschen Arbeiterverein“ Ende 1847, der als Broschüre unter dem Titel „Lohnarbeit und Kapital“ veröffentlicht wurde (Marx, Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,77) , Ende 1847 begann er auch mit Friedrich Engels das Kommunistische Manifest zu verfassen, an dessen Ende beide dem Weltproletariat zuriefen:  PROLETARIER ALLER LÄNDER, VEREINGT EUCH ! 8.

1. Karl Marx: Lohn, Preis und Profit, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,217f.

2. „Je weniger Bildungszeit eine Arbeit daher erfordert, desto geringer sind die Produktionskosten des Arbeiters, um so geringer ist der Preis seiner Arbeit, sein Arbeitslohn. In den Industriezweigen, wo fast gar keine Lernzeit erforderlich ist und die bloße leibliche Existenz des Arbeiters genügt, beschränken sich die zu seiner Herstellung erforderlichen Produktionskosten fast nur auf die Waren, die erforderlich sind, um ihn am arbeitsfähigen Leben zu erhalten. Der Preis seiner Arbeit wird daher durch den Preis der notwendigen Lebensmittel bestimmt sein“. (Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,80). Im gleichen Werk auch: je ekelhafter die Arbeit, desto mehr nimmt der Lohn ab. (Vergleiche a.a.O.,93).

3. „Die gesamte Gesellschaft wird ein Büro und eine Fabrik mit gleicher Arbeit und gleichem Lohn sein“. (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verloag Berlin, 1960,488). Das ist aber natürlich nicht das kommunistische Ideal.

4. Karl Marx: Lohn. Preis und Profit, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,218

5. Friedrich Engels, Einleitung zu Karl Marx, „Lohnarbeit und Kapital“ zur deutschen Ausgabe von 1891, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag 1975,70

6. Karl Marx: Lohn, Preis und Profit, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,236

7. Man würde hier nur für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen: es war wahrscheinlich J. Cunningham, der 1765 ein Pamphlet unter dem Titel „An Essay on Trade“ in England in die politische Debatte warf, in dem er vorschlug, für die proletarische Canaille Arbeitshäuser zu errichten, die nach seinen Worten „Houses of Terror“ sein müßten. (Vergleiche Karl Marx: Lohn, Preis und Profit, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,229).

8. Der Vortrag von Marx enthielt erste Ansätze seiner Mehrwerttheorie, 18 Jahre später, in seinem Vortrag vor der Internationalen Arbeiter Assoziation  im Juni 1865, der als Broschüre „Lohn, Preis und Profit“ veröffentlicht wurde, hatte Marx die Grundlagen seiner Mehrwerttheorie dann dargelegt.

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