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Margaret Thatcher – eine Zwergmißgeburt des kapitalistischen Systems

13. April 2013

Als Margaret Thatcher am 8. April 2013 starb, wurde von diesem Todesfall weltweit Notiz  genommen. Diese Tatsache ist Ausdruck der Fäulnis des kapitalistischen Systems. Welche Beachtung hat denn der Tod einer kinder- und menschenverachtenden Antikommunistin verdient, die in der Tradition Winston Churchills stand, der den Kommunismus als „disease“ (Krankheit) bezeichnete. Nur für Reaktionäre zählt sie zu den „politischen Giganten“ des 20. Jahrhunderts“. 1. Je länger sie regierte, desto selbstherrlicher regierte sie. Selbst in großen Kreisen ihrer eigenen Tory-Partei war sie verhasst, und das war auch nur konsequent für die Verfechterin einer Ego-Gesellschaft, die den Tod der zwischenmenschlichen Solidarität bedeutete. Sie trat Anfang der 70er Jahre als „snatcher“ (Milchräuberin) auf, das heißt als jemand, der den Schulkindern die Schulmilch stahl. In den Grundschulen Englands gab es sie kostenlos, weil ohne sie Kinder aus armen Familien anfälliger für Krankheiten waren.  Während Lenin kurz nach der Oktoberrevolution die tägliche Milchversorgung für Kinder armer Familien einführte. Haben wir es hier nicht mit einem kranken Mann zu tun ? Sie stahl Menschen ihre Wohnungen, indem sie über eine Millionen staatliche Wohnungen verkaufte. Sie hatte der Arbeiterklasse den Krieg erklärt und nur ideologisch völlig verwirrte Journalisten können die Hausfrau mit der Handtasche als eine Geistesverwandte von Karl Marx ausgeben. So Alan Posener in seinem Artikel „Die große Revolutionärin“ in der WELT vom 10. April 2013. Er zitiert sogar die Passage aus dem „Kommunistischen Manifest“, in der Marx – und übrigens auch Engels – die Dynamik der aufstrebenden kapitalistischen Gesellschaft schildern: Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst, zerstört alle Illusionen und setzt dafür die dürre Ausbeutung durch…Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen. Und genau diesem Zug der Zeit vor 150 Jahren sei Margaret Thatcher gefolgt. Es ist ein Leichtes, diese Passage aus dem Manifest von 1848 auf sie zuzuschneidern, aber bereits um 1900 kippte der progressive Kapitalismus in den imperialistischen um und der imperialistische Kapitalismus ist ein faulender, reaktionärer, stinkender. Und so kippt auch die Revolutionärin Margaret Thatcher um in eine — Konterrvolutionärin.

Aus ihren eigenen Eingeweiden wird die bürgerliche Gesellschaft fortwährend solche Zwergmißgeburten wie Margaret Thatcher hervorbringen. Schon dieser Umstand ist Grund genug für die Arbeiterklasse, die Bourgeoisie nicht nur in England völlig zu vernichten, sie mit Feuer und Schwert niederzubrennen und auszurotten. In England ist das Haupthindernis der Revolution die Labour Party, die wie selbstverständlich in das Fahrwasser des Thatcherismus geriet und sich daraus nicht mehr freischwimmen kann. Als man die „Eiserne Lady“ einmal nach ihrem größten Erfolg fragte, antwortete sie augenzwinkernd: „Tony Blair“. „Tony Blair und Labour kamen 1997 nur an die Macht, weil sie auf „Thatcherismus“ eingeschwenkt waren“. 2. Eine Politik, die diese „Jungtürken“ unter dem Etikett „New Labour“ unter das Volk bringen wollten. Schon Friedrich Engels hat mit Feingefühl die widerwärtige Entartung der englischen Arbeiterbewegung herausgespürt. In einem Brief an Sorge vom 7. Dezember 1889 schreibt er: „Das widerwärtigste hier (in England) ist die den Arbeitern tief ins Fleisch gewachsne bürgerliche respectability (Ehrbarkeit)…selbst Tom Mann, den ich für den bravsten halte, spricht gern davon, daß er mit dem Lord Mayor (Bürgermeister) lunchen wird. Wenn man dagegen die Franzosen hält, merkt man doch, wozu eine Revolution gut ist“. In Deutschland hat die SPD mit der Hartz IV Gesetzgebung den aus armen Verhältnissen stammenden Gerhard Schröder zu einer ekelerregenden Vestentaschenausgabe von Margaret Thatcher und mit ihr Eineuromenschen geformt. Der Publizist Simon Jankins schrieb ein Buch mit dem Titel: „Thatcher and Sons“, und zu den Söhnen zählt er ganz folgerichtig Blair und Brown. Gordon Brown gelang einst der Coup, die von ihrer eigenen konservativen Partei 1990 gestürzte Premierministerin noch einmal zu einem Besuch in ihren alten Amtssitz „Downing Street No 10“ zu bewegen. Beide genossen diesen Auftritt. Der Labourpolitiker sonnte sich in der Magie der „Lady“. Der Chef der Labourpartei Ed Miliband sieht in ihr denn auch keine Zwergmißgeburt, sondern eine überragende Figur auf der Weltbühne. Was Miliband hier übersieht ist, dass sie zwar eine Vollblutpolitikerin war, aber eine Vollblutpolitikerin ist nicht ohne weiteres gleich eine überragende Figur auf der Weltbühne. Als Politikerin polarisierte sie, denn in der Politik bewegen wir uns immer in Freund-Feind-Konstellationen. Als Josef Stalin im März 1953 starb, war er drei Tage und drei Nächte lang im Moskauer Gewerkschaftshaus aufgebahrt, damit die Völker der Sowjetunion Abschied von ihm nehmen konnten. Cirka fünf Millionen Menschen zogen an ihm vorbei, cirka 1 500 wurden auf dem zu engen Trubnajaplatz an Hauswänden und Laternenpfählen zu Tode gequetscht. Im Vergleich mit Stalin dem Stählernen ist die sogenannte Eiserne Lady wirklich eine Zwergmißgeburt ersten Ranges, als sich die Nachricht von ihrem Tod verbreitete fing man im Londoner Stadtteil Brixton zu tanzen an und Weinhändler senkten die Preise für Champagner. Helmut Kohl dagegen verneigte sich mit stillem Gruß und in tiefem Respekt. Zwergmißgeburten ziehen  eben Zwergmißgeburten an.

Margaret Thatcher stammte zwar nicht aus armen Verhältnissen wie Schröder, sondern aus kleinbürgerlichen. Ihre Mutter war Hausschneiderin, ihr Vater betrieb einen Lebensmittelladen in Grantham in der Grafschaft Lincolnshire. Dort wurde Margaret Hilda Roberts am 13. Oktober 1925 in eine methodistisch-puritanisch geprägten Atmossphäre hineingeboren. Ihr Vater hatte genug Geld zusammengekratzt, um sie in Oxford Chemie studieren zu lassen. Eine Heirat mit dem vermögenden Denis Thatcher im Jahr 1951 ermöglichte ihr ein Zweitstudium im Fach Jura, sie spezialisierte sich auf das Steuerrecht und wurde als Anwältin zugelassen. 1953 kamen die Zwillinge Mark und Carol zur Welt. 1958 gewann sie für die Konservativen den Londoner Stadtteil Finchley und es begann eine – nach bürgerlichen Wertvorstellungen – steile politische Karriere, die ihr den Adelstitel „Baronesse of Kesteven“ und den Ritter des Hosenbandordens einbrachte. Sie war in eine Männerdomäne eingebrochen und war eine unter nur 25 Frauen im englischen Parlament. Bereits 1961 saß sie im Kabinett Macmillan. Als Ted Heath 1975 die Wahl verlor, entriss sie ihm den Vorsitz der konservativen Partei. Auf ihrem ersten Parteitag als Tory-Vorsitzende verkündete sie Weltanschauliches: „Großbritanien und Sozialismus sind nicht vereinbar, und solange ich Atem und Kraft in mir spüre, werden sie es niemals sein“. Der „Winter des Mißvergnügens“ 1978 / 79 brachte die Frau an die Macht, die sich sehr bald als Volksfeindin entpuppen sollte. England steckte zu der Zeit in einer tiefen Wirtschaftskrise mit einer Rekordarbeitslosenzahl, mit Lohnstop, Inflation und Massenstreiks, man sprach vom kranken Mann an der Themse. Bereits 1976 hatte das Land einen demütigenden Notkredit beim Internationalen Währungsfonds aufnehemen müssen. Ein wahres „Management of decline“.  Der Wahlkampfslogan der Torys lautete: „Labour isn´t working !“ Er konnte beides heißen: Mit der Labourpartei funktioniert es nicht, und: Die Arbeiter arbeiten nicht. „The Englishman is made for a time of crisis (Der Engländer ist für Krisenzeiten gemacht) hatte 1924 der englische Premierminister Stanley Baldwin geschrieben. Mit Thatcher begann der soziale Krieg gegen das eigene Volk, was im bürgerlichen Jargon „wirtschaftspolitischer Kahlschlag“ genannt wird und hinter dem sich nichts anderes verbirgt als die gierige Aussaugung des Volkes zugunsten der Lords und Plutokraten. Ihre erste Amtshandlung war dann auch eine kräftige Erhöhung der Löhne der Polizei, dann die Senkung des Spitzensteuersatzes von 83 auf 60 Prozent, um sodann Sozialdiensten und Schulen Gelder zu entziehen. Die Mehrwertsteuer kletterte von 8 auf 15 Prozent. Soziale Ansprüche wurden radikal überprüft. Der Idiotismus des Thatcherismus wird besonders in der Aussage von ihr deutlich: es gäbe keine Gesellschaft (there is no such thing as society), sondern nur Einzelne und Familien. Es reichte bei ihr nur bis zum gesunden Menschenverstand, der bei ihr sehr oft ein gesunder Hausfrauenverstand war und sie für die plumpen Torys prädestinierte. In ihrer Naivität gab sie die nach ihr benannte Strömung, die für die Deregulierung der Märkte, Deindustrialisierung ganzer Landstriche, die zu Brachlandschaften besonders im Norden Englands führten, Privatisierung (von ihr „Volkskapitalismus“ gennnt), sozialem Kahlschlag, sozialer Kälte und Entsolidarisierung steht,  als ewig aus: „Der Thatcherismus wird überleben, weil er eine Sache des gesunden Menschenverstandes ist“. Die Einfältigen regieren das Land, in dem der gesunde Menschenverstand zu Hause ist und das deshalb eine ganz dürftige philosophische Tradition aufzuweisen hat. Ein flüchtiger Blick in die Weltgeschichte zeigt, dass deren Dialektik nichts überleben läßt.  Hatte Jean Jacques Rousseau so Unrecht, als er schrieb, dass in Monarchien kleine Wirrköpfe hochkommen können, „deren geringes Talent, das bei Hofe zu hervorragenden Stellungen verhilft, nur dazu dient, der Öffentlichkeit ihre ganze Albernheit zu zeigen, sobald sie dort angelangt sind“. 3.  ? Ihre Ideologie, ihre politische Religion bezog diese Egomanin parallel mit Ronald Reagan aus den Schriften der Ökonomen Milton Friedman und Friedrich A. Hayek. Auf einer politischen Veranstaltung zog sie einmal aus ihrer Handtasche eine völlig zerlesene Ausgabe von Hayeks „Verfassung der Freiheit“ hervor. Vom Thatcherismus wird heute nicht mehr gesprochen, heute heißt diese Richtung Neoliberalismus.  Nach zehn Jahren liberaler Medizin am Krankenbett des Kapitals waren zwei Millionen Industriearbeitsplätze vernichtet. Ein wahrer Vernichtungsfeldzug. Die Zahl der Arbeitslosen verdoppelte sich innerhalb von zwei Jahren auf drei Millionen. Staatskonzerne wie British Telecom, British Petroleum und andere wurden privatisiert. Ganz folgericht hat England heute von allen Industrieländern den größten Gegensatz zwischen arm und reich aufzuweisen und in keinem ist die Bürgerverschuldung so hoch. In Asien ist übrigens China der White-collar-Kommunisten das Land, in dem in den letzten zwei Jahrzehnten durch den Teng-Thatcherismus die Einkommen so ungleich verteilt worden sind wie in keinem anderen. Eine Frage drängt sich förmlich auf: Gibt es im XX. Jahrhundert eine Politik, die noch erbärmlicher war als die des Thatcherismus ? Sie gesellt sich an die Seite des Hitlerismus und der Perestroika, die ja parallel ein Thatcherismus auf sowjetischer Art war. Margaret Thatcher stellte über Gorbatschow ganz richtig fest, dass er ein Mann sei, mit dem man Geschäfte machen kann. Ja, Geschäfte auf dem Rücken versklavter Völker zugunster einer minimalen Politmafia.

In Springers „Welt“ wird sie natürlich als eine der größten Persönlichkeiten des XX. Jahrhunderts „gewürdigt“.  Dazu kann man mit einigem Jonglieren auch Hitler und Gorbatschow machen. Die bürgerliche Presse machte und macht aus ihr eine Ikone, weil sie den Staat gegen die Armut einsetzte als nationales Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit. 1982 erwies sie sich als Imperialistin, als sie den Krieg um die NICHT ZU ENGLAND GEHÖRENDEN Malvinas (20 000 Einwohner) im Südatlantik mit heimlicher Unterstützung der CIA, der Satellitendaten lieferte, aufnahm. 253 britische und 655 argentinische Soldaten starben im Falklandkrieg.  „Wir sind nicht länger eine Nation auf dem Rückzug“. Das war Honig im Maule der britischen Imperialisten, die noch nicht das Suezdebakel von 1956 verdaut hatten. Von diesem Krieg her datiert die Lady als eiserne, die an ihrer Linie eines Waffenganges trotz massiver Bedrängnis von Parteifreunden und Beratern ohne geringsten Zweifel festgehalten hatte. Es folgte 1983 eine überwältigende Wiederwahl, mit der die „Ära Thatcher“ begann, die Dominanz der Frau, die laut Mitterand Augen wie Caligula  und Lippen wie Marylin Monroe habe. Es sei ihr egal, was ihre Minister über sie sagen, solange die Minister das ausführen, was sie sagt. Sie behandelte ihre Mitarbeiter schlecht. Der Tory Ian Gow sah deswegen schon 1980 ihren Sturz kommen. Die konservativen Parteiputschisten nahmen ihre Europapolitik als Anlaß, am 22. November 1990 wurde sie zurückgetreten, mit Tränen in den Augen. Danach war sie noch 23 Jahre lang eine Politrentnerin. Der 90 minütige Nachruf der BBC begann mit einem Zitat von ihr: Ich will das Land wieder zu der Größe verhelfen, das sein Geburtsrecht ist. Die konservative „Daily Mail“ brachte auf der Titelseite ein großes Portrait mit der Schlagzeile: The woman who saved Britain ! Eine Krise brachte sie an die Macht, ein Krieg hielt sie an der Macht. Aber weder sogenannte große Männer noch sogenannte große Frauen machen Geschichte. Seit über einem Jahrhundert trompeten die Gesellschaftswissenschaften diese Einsicht in alle Himmelsrichtungen und doch schreibt Sabine Rennefanz in ihrer Würdigung in der „Frankfurter Rundschau“: Sie hat das Land revolutioniert. Das war ihre Selbsttäuschung, ihr unkritisches Selbstverständnis, aus der heraus sie sich an die „Veränderung der Seelen“ (so ihre Worte aus dem Jahr 1981) machte.  1984 ging sie nach einem von Arthur Scargill, dem Chef der Bergarbeitergewerkschaft, geführten Bergarbeiterstreik an die Entmachtung der Gewerkschaften, während London City besonders nach dem „Big Bang“ von 1986 zum Moloch mutierte, in dem die Heuschrecken des Finanzkapitalismus in schwüler Fieberhitze gezüchtet wurden. „Es war der Beginn eines goldenen Zeitalters in der City“. 4. Auf Gewerkschaftskongressen wurden T-Shirts vertrieben, die die Aufschrift trugen: Wir werden an ihrem Grab tanzen. Eine Fähigkeit sei unbestritten: sie hatte den Instinkt, die Konterrevolution zu wittern: Ronald Reagan in den USA und Michail Gorbatschow in der UdSSR. Dessen volksfeindlichen Charakter erkannte sie früher als andere und lud ihn schon 1984 nach London ein. An der Apartheit in Südafrika hielt sie bis zum Ende fest, mit der Frauenbewegung hatte sie nichts am Hut, sie wurde links liegengelassen: in den elf Jahren ihres Regimes brachte es nur eine Frau zur Ministerin. Noch 1998 besuchte sie den chilenischen Ex-Diktator Pinochet in seinem Londoner Hausarrest. Lord Weidenfeld, britischer Verleger und parteiloses Mitglied des Oberhauses, weist daraufhin, dass sie eine tiefe Sympathie für den Terrorstaat Israel hatte. 5. Was zeugt hier denn von historischer Größe ? Den Fall der Berliner Mauer begrüßte sie nicht, sie sah ihn als gefährlich an, wie sie dem französischen Ministerpräsident Mitterand anvertraute. In der europäischen Außenpolitik war sie in der Nachfolge Pitts strikt konservativ und dachte in der traditionellen englischen Politik der „Balance of Power“, die für sie besagte, ihren Hauptfeind Deutschland nicht zu mächtig auf dem Kontinent werden zu lassen. Die Schatten des zweiten Weltkrieges verdunkelten ihr geostrategisches Denken, das sich ohnehin mehr auf die USA Reagans denn auf den Kontinent ausrichtete. In den USA hatte sie alles in einem: Apartheit, Versklavung der Frau, korrupte Gewerkschaften, die den Kotau üben und Pinochet, der ohne die CIA (operation silencio) nie an die Macht gekommen wäre.  In ihren Memoiren „Downing Street Years“ ist zu lesen: „Ein wiedervereinigtes Deutschland ist einfach zu groß und zu mächtig, um in Europa einfach ein Spieler unter vielen zu sein“. Sie drang immer auf eine Entwaffnung Deutschlands und vertrat damit natürlich die Interessen der britischen Imperialisten. Eine Entwaffnung Deutschlands ? Im Gegenteil: es ist nur eine Frage der Zeit, bis das deutsche Volk der Durchbruch zu einer Kommune gelingt, „bei der Polizei, Armee und Bürokratie mit dem BIS AUF DEN LETZTEN MANN BEWAFFNETEN VOLK ZU EINER EINHEIT VERSCHMOLZEN (kursiv von Lenin) sind“. 6.

Als sich die Nachricht vom Tode der Hasspredigerin Thatcher verbreitete, wurden im Londoner Stadtteil Brixton Freudentänze aufgeführt. Man spielte die Anti-Thatcher Songs rauf und runter, an denen die Popmusik so reich ist und die aus dem richtigen Gefühl heraus komponiert worden sind, dass die „Bitch“ die Vertreterin von allem war, was in England abgestorben ist.  Die bürgerliche britische Presse sprach vom „Mob“. Es wäre zu wünschen, dass dieser „Mob“ am Tage des Beisetzungsgottesdienstes in St. Paul´s Cathedral, Londons größter Kirche,  mit Eisernen Stangen in das Gotteshaus eindringt, damit das Adels- und Pfaffenblut bis an die Kirchendecke spritzt als Fanal, dass die englische Nation endlich mit ihrem ganzen perversen mittelalterlichen Dreck, Lenin spricht vom „monarchistischen Unrat“ 7.  abrechnet, bis sich der Ärmelkanal rotfärbt. Wem dies zu ultrarevolutionär klingen sollte, den verweise ich an die Handtaschendomina zu London. Gewöhnlich sah man Margaret Thatcher nicht ohne Handtasche in der Öffentlichkeit, dank ihr ist das Wort „handbaging“, was soviel bedeutet wie etwas rücksichtslos durchsetzen,  in den Wortschatz eingegangen. Es war ein geflügeltes Wort: wie man mit der Handtasche regiert. Geben wir zu diesem Punkt wortgetreu die Frankfurter Allgemeine wieder, dem Pflichtblatt der Frankfurter Wertpapierbörse: „Während Frau Thatchers Regierungszeit von 1979 bis 1990 gab es in den besseren Kreisen der Hauptstadt eine sogenannte Peitschenlady – jeder britische Konservative oder Zögling einer britischen Privatschule weiß, wovon die Rede ist -, die ihre Klienten gegen die übliche Gebühr nicht mit einer Gerte verhauen mußte, sondern mit einer Damenhandtasche. Mit Schnallen und allem“ 8. Bei dieser Szene merken wir sofort, dass wir es nicht mit dem Mob zu tun haben können, sondern uns in besseren Kreisen bewegen. Fürwahr das London Jack the Rippers. Habe ich also zuviel gesagt, dass sich der Ärmelkanal rotfärben muß ? Überhaupt kann sich der konservative Mensch unter Freiheit gar nichts vorstellen, er lechzt nach einer Peitschenlady, die ihm je nach Mode versohlt, er sucht eine Peitschenlady im Arbeitsprozeß, in der Politik und nach Feierabend.  Je eher sich die fortschrittliche Menschheit von diesem perversen, in Privatschulen herangebildeten Abschaum befreit, um so besser.

1. Markus Hesselmann / Matthias Thibaut: Eisern für das Empire, in: Der Tagesspiegel, 9. April 2013, Seite 3

2. a.a.O.

3. Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag Stuttgart, 2011,82. In Monarchien gebieten Kinder Männern, schreibt er in der Abhandlung über die Politische Ökonomie. (Vergleiche Jean Jacques Rousseau, Abhandlung über die Politische Ökonomie, Rütten & Loening Verlag, Berlin, 1989,337).

4. Marcus Theurer, Eisern und eisig, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. April 2013, Seite 11

5. Lord Weidenfeld, Die Lady und ich, in: Die WELT vom 10. April 2013, Seite 3

6. Lenin, Briefe aus der Ferne, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin 1957,340

7. Lenin, Zum vierten Jahrestag der Oktoberrevolution, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,709. Der ausgezeichnete Tscheckist Lacis hatte bereits am 1. November 1918 in der Zeitschrift „Krasnyi Terror“ die Aufgabe der Tschecka darin gesehen, nicht Krieg gegen Individuen, sondern gegen Klassen zu führen.

8. Bernhard Heimrich: Ein Monument, dauerhafter als Eisen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. April 2013, Seite 3

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