Archive for Juni 2013

150 Jahre SPD – Das Gothaer Programm, ein „ungeheuerliches Attentat“ (Karl Marx) auf den wissenschaftlichen Sozialismus

25. Juni 2013

„…die Ehrlichen sind einmal wieder von den Nichtehrlichen grausam über den Löffel barbiert“. (Engels an Bebel, März 1875)

Zum 150. Geburtstag der SPD erschien im Vorwärts Sonderheft Frühjahr 2013, das auf dem Titel Ferdinand Lassalle abbildet, ein Artikel von Helga Grebing zum Gothaer Programm: „Eine Vision wird wahr – Das Gothaer Programm bleibt Maßstab der SPD“. Zu Jubiläen wird gemeinhin der Stolz auf das historisch Erreichte verkündet und zugleich blickt hier die sozialdemokratische Spießerin auch auf zukünftige Entwicklungen, die noch gerade so in ihrem beschränkten Gesichtsfeld liegen. Nun ist aber auf unserer Erde nichts von Ewigkeit, ihre dialektische Widersprüchlichkeit entewigt alles und zum Schluß sich selbst. DIALEKTIK ENTEWIGT. Es ist gerade das Vergessen dieser Tatsache, das Helga Grebing in ihrem Artikel zum Straucheln brachte. Lesen wir ein paar Zeilen eines der größten Dialektikers der Weltgeschichte: „…wo nach und nach auch die letzte Spur organischen Lebens verschwindet und die Erde, ein erstorbner, erfrorner Ball wie der Mond, in tiefer Finsternis und in immer engeren Bahnen um die ebenfalls erstorbne Sonne kreist und endlich hineinfällt“. 1. Ich habe bewußt dieses Zitat von Friedrich Engels an den Anfang gesetzt, um gleich vorweg anzuzeigen: das Wertvollste im Zusammenhang mit dem Gothaer Programm kommt in dem Artikel der eremitierten , heute in Berlin lebenden Professorin für Geschichte nicht zur Sprache und so verfehlt sie eine wissenschaftliche Einschätzung dieses Jubiläums, denn das essentiell Wissenschaftliche zu dieser Thematik haben Marx und Engels, nicht Liebknecht und Lassalle beigetragen. Die SPD ist heute eine Parteiagentur der Bourgoisie in den Reihen des Proletariats, kein Wunder, dass sie den wissenschaftlichen Sozialismus scheut wie Satan das Weihwasser.

Mit dem Namen der Stadt Gotha verbindet sich in der Geschichte der Arbeiterbewegung die Vereinigung zweier Parteien im Jahr 1875, die schon im Vorjahr den Reichstagswahlkampf gemeinsam bestritten hatten. Der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein ( ADAV) Lassalles und die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) August Bebels heirateten und gaben sich den Namen Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP). Das Programm wurde einstimmig angenommen und gelangte auch in die Hände von Dr. Karl Marx in London, der deprimiert feststellen mußte, dass es ein Elaborat aus allgemeinen Redensarten über die Arbeit und über die Gesellschaft ist. Es stand auf keiner wissenschaftlichen Grundlage. 2. Die von Lassalle übernommene Vorstellung, der Arbeiter erhalte im Sozialismus seinen unverkürzten Arbeitsertrag, war ebenso unwissenschaftlich wie der aus ihm abgeleitete Rechtsbegriff,. Aus dem Manifest der Kommunistischen Partei wurde falsch zitiert und dadurch ergab sich eine falsche Klassenanalyse. In der Frage des Prinzips der Internationalität der Arbeiterbewegung stand man „noch unendlich tief unter dem der Freihandelspartei“. 3. Die Kernthematik im Zusammenhang mit dem Gothaer Programm ist die in ihm vorliegende falsche Auffassung der Dialektik von Lohnarbeit und Kapital, die die Ausbeutung des Lohnarbeiters vernebelt statt sie wissenschaftlich darzulegen. „…daß der Lohnarbeiter nur die Erlaubnis hat, für sein eignes Leben zu arbeiten, d.h. zu leben, soweit er gewisse Zeit umsonst für den Kapitalisten (daher auch für dessen Mitzehrer am Mehrprodukt) arbeitet; daß das ganze kapitalistische Produktionssystem sich darum dreht, diese Gratisarbeit zu verlängern…“ 4. Bekanntlich wußte Lassalle, der das Kommunistische Manifest fast auswendig aufsagen konnte, nicht, was der Arbeitslohn ist, „sondern er nahm „im Gefolge der bürgerlichen Ökonomen den Schein für das Wesen der Sache „. 5. In der Staatsfrage verfehlte das Programm die Notwendigkeit der DIKTATUR DES PROLETARIATS in der Übergangsphase vom Kapitalismus zum Sozialismus, es tischte stattdessen eine „demokratische Litanei“ 5. auf. Da haben wir den Maßstab der SPD, diese Partei hat in 138 Jahren NICHTS gelernt ! Sie ist die Pestbeule der internationalen Arbeiterbewegung, der primitive ekelhafte Bluthund gegen den gesellschaftlichen Fortschritt, die falsche Schlange, deren Kopf zermalmt werden muß. Dies muß unbedingt geschehen, wenn von einer ernsthaften proletarischen Revolution in Deutschland die Rede sein soll.

In einem im März 1875 an Bebel gerichteten Brief geht Engels unter anderem auf die ökonomische und Staats- Problematik ein, die in der Gothaer Programmverwirrung steckte. Das Lassallsche „eherne Lohngesetz“, nach dem der Arbeiter im Durchschnitt stets nur das Minimum des Lohnes enthält, geht zurück auf den Pfaffen Malthus, nach dessen obskurer Bevölkerungstheorie immer ein Überschuß an Arbeiterhänden vorhanden sein wird. Mit dem Pfaffen Malthus haben wir einen ideologischen Gewährsmann der heutigen SPD. Helga Grebing führt aus, dass die frisch vermählten  Parteibrüder in Gotha einen „freien Staat“ forderten und dass dieser die Grundlage unseres heutigen freien Lebens im freien Staat der BRD ist. Liebe Frau Professorin Grebing, wenn Sie doch wenigstens ein wenig über die Worte nachdenken würden, die sie so für den „Vorwärts“ zu Papier bringen ! Was soll das denn sein – ein freier Staat ? Engels gab uns schon 1875 die Antwort: „Grammatikalisch genommen ist ein freier Staat ein solcher, wo der Staat frei gegenüber seinen Bürgern ist, also ein Staat mit despotischer Regierung“ 6. So ist es ! Der Staat ist heute so frei, dass er tief in die Taschen seiner Bürger greift, um dieses weltgeschichtlich einmalig hohe Diebesgut, vor dem Napoleon und Hitler vor Neid erblasst wären, an die schwerkriminellen Bankiers in Europa zu verteilen, damit diese perversen Blutsauger weiterhin das Blut ihrer Völker aufsaugen können. „Ein Minister und ein Dieb, der eine Geldbörse erangelt, tun ungefähr das gleiche“ . 7. Das ist einer von den Sätzen, die im 18. Jahrhundert eine Revolution hervorbrachten, die ganz Europa erschütterte. Und die Menschen sollen heute im 21. Jahrhundert ruhig bleiben, in dem sich die Minister soweit perfektioniert haben, dass sie mit ihren Angelkünsten  den Geldbörsendieb weit in den Schatten stellen. NEIN !! Dieser perverse Abschaum täuscht sich.    Die Völker Europas werden aufstehen und furchtbare Rache nehmen.  In Deutschland muss das erste Opfer die heuchlerische SPD sein, die es einer Professorin für Geschichte gestattet, einen Artikel über das Gothaer Programm zu schreiben, der aus Schrott besteht, der auf die Texte von Marx und Engels, die dagegen Gold sind, nicht einmal hinweist. Engels hatte noch an Bebel geschrieben, dass „fast jedes Wort…(in diesem Programm)….zu kritisieren wäre“ 8. Wo ist dieser Hinweis in der heutigen SPD geblieben ? Im Gegenteil, dieses durch und durch fehlerhafte Programm soll eine Vision enthalten, die wahr wird. Ein elendes Leben unter Hartz IV, das ist doch 138 Jahre nach Gotha die Realität. Engels wies auf die bittere Lehre der Gothaer Vereinigungsgeschichte hin: die Sozialdemokraten waren den Lassalleanern theoretisch überlegen, an politischer Schlauheit aber unterlegen. Diese Krankheit ist in der Partei nie ausgeheilt worden, im Gegenteil, man findet heute keinen theoretischen Kopf in der SPD, der sich von dem faschistischen Grundpotential dieser Partei wenigstens ein wenig abheben würde. Frau Helga Grebing schon gar nicht. Auch in der heutigen politischen Auseinandersetzung ist es keineswegs ausgemacht, dass die theoretisch hochgebildeten Köpfe, die die kapitalistische Ausbeutung durchschaut haben, auch zwingend den Sieg davontragen. Politik verdirbt gerade auch unter kapitalistischen Verhältnissen den Charakter und die Unehrlichen tragen allzu oft allzu leicht den Sieg über die Ehrlichen im schmutzigen Geschäft der Politik davon, in dem sich gerade der dummdreiste Primitivling zu Hause fühlt. Schalte zuerst zusammen mit der Springer-Presse das Denken ab und tische dann „überzeugende “ faschistische Parolen auf !

1. Friedrich Engels, Einleitung zur Dialektik der Natur, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,369

2. Marx und Engels standen allein gegen einen Block von Ignoranten wie cirka vierzig Jahre später Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg bei der Abstimmung über die Kriegskredite im Reichstag, als es über den perversen Charakter der SPD schon keinen Zweifel mehr geben konnte.

2. Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,341

3. a.a.O.,342f.

4. a.a.O.,343

5. a.a.O.,345

6. Friedrich Engels an August Bebel im März 1875, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,353

7. Jean Jacques Rousseau, Über die Sitten, in: Kulturkritische und Politische Schriften, Rütten & Loening Verlag, Berlin 1989,598. Vergleiche hierzu auch: Nakae Chomin / Tokosuke, der vom Ausraubung der „Geldbörse des Volkes“ spricht.  (Vergleiche Nakae Chomin / Tokosuke, in: Geschichte der Philosophie, Band  IV, VEB Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1962,521).

8. Friedrich Engels an August Bebel im März 1875, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,354