Was die „Frankfurter Allgemeine“ unter kapitalistischer Ausbeutung versteht !

1848 schrieben Karl Marx und Friedrich Engels im „Kommunistischen Manifest“, dass es im Interesse der Bourgeoisie  liege, dass die enorme Mehrzahl der Menschen zur Maschine  herangebildet werde. Am 7. April 2014, also 166 Jahre später liest man in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dem Pflichtblatt der Frankfurter Wertpapierbörse, dass heute in der Arbeitswelt Mitarbeiter wie Maschinen behandelt werden. (Siehe: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neue soziale Frage, alte asoziale Ausbeutung, Arbeitgeber entdecken gerade die Überwachung von Mitarbeitern. Wer schützt die Betroffenen vor Spionage ?) Die FAZ veranschaulicht das am Beispiel eines Außendienstmitarbeiters der Pharmaindustrie, der heute per Tablet-Computer vom Management lückenlos überwacht werden kann. Nicht nur, dass er auf diesem Computer Profile über Ärzte für eine Ärztelandkarte erstellt, von der diese gar nichts wüßten, der Computer führt zugleich ein Protokoll über die Einsatzaktivität des Außendienstmitarbeiters, dessen Leistungen so ständig überprüft werden können. Bleiben dessen Persönlichkeitsrechte noch gewahrt ? Wird die Grenze zur Privatsphäre überschritten ? Der Autor des FAZ-Artikels, Stefan Schulz, spricht von einer „Rasterfahndung im Alltag“. Besonders schutzlos seien die Jobsuchenden, die oft (auch unbewußt) einwilligen, völlig durchleuchtet zu werden. Schulz kommt in seinem Artikel zu dem Fazit, es gehe im 21. Jahrhundert wieder um alltägliche Ausbeutung.

Hierzu sind zwei Bemerkungen zu machen: Seit dem Aufkommen der großen Industrie, die die bürgerliche Gesellschaft in sogenannte Arbeitnehmer und sogenannte Arbeitgeber spaltete, ist die ununterbrochene Ausbeutung der ersteren durch die letzteren geschichtliche und aktuelle Tatsache. Computer sind in diesem Ausbeutungsverhältnis lediglich eine (neue) Technologie, die neben der technischen Effiziens dazu dient, den Ausbeutungsgrad zu erhöhen. Das Spezifische der kapitalistischen Ausbeutung kann denn auch nicht in der technischen Entwicklung der Produktionsmittel gesehen werden, selbst wenn der Staat durch ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz den sogenannten Arbeitnehmer vor Spionageübergriffen schützen würde – unter der schwarzgelben Regierung ist ein entsprechendes Gesetzesvorhaben versandet –  bliebe die kapitalistische Ausbeutung vor wie nach.

Seit Parmenides von Sonnenmädchen begleitet im Wagen ausfuhr, um von der Göttin unterwiesen zu werden, was Meinung, was Wahrheit ist, hat die Geschichte der menschlichen Erkenntnis wohl keinen wichtigeren Punkt geklärt als die Aufdeckung der Diskrepanz von bezahlter und unbezahlter Arbeit im modernen Lohnverhältnis. „Die Form des Arbeitslohns löscht also jede Spur der Teilung in bezahlte und unbezahlte Arbeit aus. Alle Arbeit erscheint als bezahlte Arbeit … Man begreift daher die entscheidende Wichtigkeit der Verwandlung von Wert und Preis der Arbeitskraft in die Form des Arbeitslohns oder in Wert und Preis der Arbeit selbst. Auf diese Erscheinungsform, die das wirkliche Verhältnis unsichtbar macht und grade das Gegenteil zeigt, beruhen alle Rechtsvorstellungen des Arbeiters wie des Kapitalisten, alle Mystifikationen der kapitalistischen Produktionsweise, alle ihre Freiheitsillusionen, alle apologetischen Flausen der Vulgärökonomie“. (Karl Marx, Das Kapital, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1960,562). Die Abschaffung feudaler Privilegien durch die französischen Jakobiner im Jahre 1789 beinhaltete nicht die der Lohnsklaverei, im Gegenteil: der Mensch ist aus einem Sklaven des Privilegiums zu einem des Rechts geworden. Nicht durch von bürgerlichen Parlamenten erlassenen Gesetzen kann also die kapitalistische Ausbeutung aufgehoben werden, sondern allein durch einen kolossalen Klassenkampf gegen die sogenannten Arbeitgeber. Der Klassenkampf ist also primär politisch, nicht technologisch.  Erst mit der Aufhebung der Lohnarbeit durch die kollektik kämpfende Arbeiterklasse  beendigt sich die von Marx ausgearbeitete Lehre, der von keinen Sonnenmädchen und keinen Gottheiten auf seinem Weg begleitet wurde. Sein begabtester Sohn Edgar und zwei weitere Kinder starben des Hungers, nur drei Töchter kamen durch. Trotz aller komplexen Hochtechnologie bleibt die von Charles Fourier herrührende Festellung von Friedrich Engels in Kraft, dass der Naturzustand des Tieres als Gipfelpunkt der menschlichen Entwicklung erscheint.

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