FLUGBLATT ZUM ERSTEN MAI 2014 von LENIN unser aller Lehrer

                                               FLUGBLATT ZUM ERSTEN MAI

                                                 von LENIN  unser aller Lehrer

„Dass das menschliche Elend selbst, dass die unendliche Verworfenheit, welches das Almosen empfangen muß, der Aristokratie des Geldes und der Bildung zum Spiel, zur Befriedigung ihrer Selbstliebe, zum Kitzel ihres Übermuts, zum Amüsement dienen muß“.                                                                                                                                 Karl Marx, Friedrich Engels: Die Heilige Familie

Am 21. März 2014 fand im Freizeitheim des Hannoverschen Stadtteils Linden das XX. Wolfgang Abendroth Forum statt, dessen Thema die „Armut in Deutschland“ lautete. Die zahlreichen Besucher der Veranstaltung bestätigten, dass es sich um ein brennendes Problem des deutschen Volkes handelt. Professor Dr. Christoph Butterwegge aus Köln hielt einen Vortrag über: „Daten, Fakten, Analysen zur Armut in Deutschland“. Der Vortrag war sehr informativ, so dass sich an seinem Ende eine lebhafte Diskussionen ergab.

Professor Butterwegge wies auf eine zunehmende Infantilisierung der Armut in Deutschand hin. Während nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem alte Frauen von der Armut betroffen waren, sind es heute immer mehr Kinder. Immer häufiger können wir im Straßenbild Bettler und Bettlerinnen registrieren, die Pfandflaschen und auch verschämt nach Essensresten in Müllcontainern und  Papierkörben suchen. Der Anstieg der Armut habe Mitte der 90er Jahre begonnen, als der Markt den Staat in der Leitung der Gesellschaft übertrumpfte. Der Wegfall der DDR war nach Butterwegge wichtig für die Eröffnung des Krieges gegen den Sozialsstaat. Obwohl der Sozialstaat in der Verfassung verankert ist, wurde er systematisch zerstört. Aus der Tatsache, dass es in der sogenannten Dritten Welt eine andere Art von Armut gibt – eine harte – verdrängen wir die „milde“Armut in unserem eigenen Land. Diese Verdrängung findet in der Politik, in den Medien und in der Wissenschaft, insbesondere in der Soziologie, statt. Professor Butterwegge warf die Frage auf, ob Armut in einem reichen Land für die Betroffenen nicht entwürdigender sei als in einem armen. Die Altersarmut habe auch deshalb so krass zugenommen, weil viele Rentnerinnen und Rentner aus Scham keine Grundsicherung beantragen. Es hat sich in der BRD eine Leistungsideologie verfestigt, aus der heraus den Armen die Schuld für ihre Armut in die Schuhe geschoben wird. 1948, also noch vor der Gründung der BRD, konnte jeder 40 Reichsmark 1 : 1 in DM umtauschen – die einen hätten was daraus gemacht, die anderen versagt. Diese Ideologie läßt jedoch die Eigentumsfrage (Besitz von Produktionsmitteln, Immobilien) außen vor – 40 DM waren nicht für jeden 40 DM. Wie konnte es dazu kommen, dass der Aldi-Chef heute 17,2 Milliarden Euro besitzt ? Die Armut macht ihn noch reicher, denn die Armen müssen beim Discounter ihr Geld ausgeben. Der Professor kam am Ende seines Vortrages nach Überschlag zu der Feststellung, dass in der BRD 27, 6 Prozent der Bevölkerung als arm zu bezeichnen sind.

Das ist Sprenstoff genug und die sich anschließende Diskussion förderte Interessantes zutage. Gleich zu Beginn wurde der Armutsprofessor gefragt, was wir denn konkret gegen die Armut tun können und in der Tat ist das ja die zentrale Frage, sollten solche Veranstaltungen wie das Abendroth Forum einen Sinn haben. Die Armen, so seine Antwort, wären im Kern apathisch, wenn Bemühungen um Abmilderung der Kluft im Volk in Gang kommen sollten, so würde die Initiative dazu eher vom Mittelstand ausgehen – man solle sich informieren, sich organisieren, sich engagieren…usw. Das blieb alles denn recht schwammig und das sollte wohl auch so sein. Als ein Zuhörer konkret darauf hinwies, dass man in dem antagonistischen Widerspruch zwischen arm und reich die Rolle des Staatsapparates untersuchen müsse, denn erst am 28.  Januar 2014 hatte der BGH der Schufa attestiert, ihr Verfahren zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit von Bundesbürgern nicht vor dem deutschen Volk offenlegen zu müssen (der sogenannte Scoring Wert bleibt ihr Geschäftsgeheimnis), und den Namen „Karl Marx“ ins Spiel brachte, der durch das BGH-Urteil recht bekäme, dass der bürgerliche Staat ein nationales Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit sei oder wenn man so will, ein nationales Kriegswerkzeug der Reichen gegen die Armen, und dass man einen Staat errichten müsse, der ein nationales Kriegswerkzeug der Arbeit gegen das Kapital, der Armen gegen die Reichen sein müsse, da ging das den Sozialdemokraten im Saal aber zu weit. Der Leiter der Diskussion, Reinhard Schwitzer, unterbrach den Vortragenden mit den Worten, dass sei ja alles bekannt und nahm den nächsten auf der Rednerliste dran. Auch der Zuruf aus dem Saal: „Der Mann hat Recht“ konnte ihm nicht zur Korrektur seiner Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung gebieten. Kaum wird die Frage nach der Vernichtung der Reichen, nach der Befreiung des deutschen Volkes vom Joch des Kapitals aufgeworfen, da wissen die Agenten der Volksunterdrücker, was sie zu tun haben: die deutsche Geschichte hat uns so viele Lektionen gegeben, so dass  auch hinlänglich bekannt ist: 

                                                      DIE SPD IST DER HANDLANGER UND SCHUTZPATRON DER REICHEN !!

Bereits 1891 sprach Friedrich Engels vom „sozialdemokratischen Philister“, der auf den Etatismus der deutschen Philosophie hereingefallen sei. Es waren Sozialdemokraten, die diese Formulierung in „deutsche Philister“ verfälschten. Entweder ist es immer wieder dieser sozialdemokratische Philister, der zum Totengräber der proletarischen Revolutionäre in Deutschland wird, oder diese werden zu Totengräbern dieses Philisters.

Das Schlusswort sprach Schwitzer: wir sollten darauf hinwirken, dass die Schere zwischen arm und reich nicht weiter auseinanderginge, sondern wieder mehr zusammenkomme. Die kapitalistische Ausbeutung wurde an diesem Abend nicht infrage gestellt, sondern als naturgegeben präsentiert.

„Die sozialistischen Bourgeois wollen die Lebensbedingungen der modernen Gesellschaft ohne die notwendig daraus hervorgehenden Kämpfe und Gefahren. Sie wollen die bestehende Gesellschaft mit Abzug der sie revolutionierenden und sie auflösenden Elemente“.                                                                   Karl Marx,  Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei


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