Kapitalismus, Imperialismus, Faschismus – und der Krieg. Faschisten gibt es nicht nur in der Ukraine

Der klassische Kapitalismus war eine genuin anarchistisch ausgerichtete Wirtschaftsformation. Die ihm entsprechende politische Revolution, mit der er den historischen Durchbruch erzielte und die über den ganzen Erdball Fortschritt ausstrahlte, verlief unter der mehr menschlichen denn politischen Losung: „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“, eine Parole, die im Kern ebenfalls genuin anarchistisch war. Aber man konnte damals noch nicht begreifen, dass diese Losung eine Ableitung aus den Verhältnissen der Warenproduktion war. Der Kapitalist wurde der eigentliche Souverän der bürgerlichen Gesellschaft, war erst einmal die linksjakobinistische Forderung einer „sozialen Republik“ mit dem Sturz Robespierres und der Guillotinierung Babeufs vorläufig erledigt. Nach dem Sturz Robespierres begann die Bourgeoisorgie, ein Bereicherungstaumel einer ganzen Klasse, der bisher in der Geschichte seinesgleichen suchte und selbst Napoleon nötigte, ihm zu entsprechen. Der Staat sekundierte fortan den Kapitalisten bei seiner Ausbeutung des Volkes und erwies sich im 19. Jahrhundert als nationales Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit. Er schützte ihn durch die Niederschlagung von Arbeiteraufständen. Krass trat das zutage beim Aufstand der schlesischen Weber 1844, in der Pariser Juni-Insurrektion von 1848, die den Arbeitern zeigte, dass nicht die Trikolore ihre Fahne ist, sondern die rote, und in der Niederschlagung der Pariser Kommune, die den Bourgeois als Nachfolger des Feudalherren offenbarte. 1.Dieser klassische Kapitalismus des 19. Jahrhunderts war es, den Marx und Engels zum Gegenstand ihrer ökonomische Forschungen nahmen, um seine Entwicklungsgesetze herauszufinden. Es zeigte sich, dass diese über ihn hinauswiesen. Schon 1880 deutete Engels an, dass durch die Trusts die freie Konkurrenz ins Monopol umschlage, die Wirtschaft geplant werden und der Staat als offizieller Repräsentant der kapitalistischen Gesellschaft die Leitung der Produktion übernehmen müsse. 2. War diese Kontur bei Engels fast nur eine Anmerkung, so wurde der Monopolkapitalismus im 20. Jahrhundert zur dominierenden Wirtschaftsformation.

Der Imperilaismus setzte um die Jahrhundertwende, die Europa eine Wirtschaftskrise brachte, mit dem spanisch-amerikanischen Krieg ein, durch den sich der Einfluß der USA bis auf die Philippinen ausweitete. Fast zeitgleich mit dem Beginn des Imperialismus fiel 1901 die erste drahtlose Nachrichtenübermittlung zwischen Europa und den USA zusammen und der Krieg und seine Berichterstattung gingen damit eine Symbiose ein, die später im Vietnamkrieg zu einer Mobilisierung einer Weltöffentlichkeit führte, die massiv, wenn nicht entscheidend in das Kriegsgeschehen eingriff. Es ist kein Zufall, dass um die Jahrhundertwende das Schlüsselbuch der Weltmachtwachablösung erschien. Der us-amerikanische Admiral Mahan erklärte in dem Werk „Der Einfluß der Seemacht in der Geschichte“ frei und frank, dass nunmehr die USA die maritime Rolle Englands zu übernehmen hätten, dessen Kolonialfläche in der Blüte des Empire 140 mal größer war als das Mutterland.  War England das Flaggschiff des klassischen Kapitalismus, so wurden die USA das des monopolistischen, das des Imperialismus. Dieser erwies sich als das höchste Stadium des Kapitalismus und wies zum klassischen qualitative Änderungen auf, die Lenin in seinem gemeinverständlichen Abriß „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ herausstellte. Der monopolistische Kapitalismus ist ein parasitärer und sterbender. Trusts bilden sich, wenige Großbanken beherrschen das nationale Wirtschaftsleben, die Trusts und die Finanzoligarchie ergreifen Besitz von den Rohstoffquellen, die ökonomische Aufteilung der Welt durch internationale Kartelle hat begonnen, die territoriale Aufteilung der Welt ist abgeschlossen. 3. Der Imperialismus ist äußerst aggressiv und löst Widersprüche kriegerisch. Hatte Lenin Recht, als er den Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus bestimmte ? Er hatte unbedingt Recht, denn durch die Oktoberrevolution meldete sich der Sozialismus als die ökonomische Gesellschaftsformation historisch an, die den Imperialismus ablöste. Der Imperialismus hatte zwischen 1914 und 1918 die Völker durch einen Krieg in einer bisher unbekannten Ungeheuerlichkeit erschöpft. Auch in Deutschland lag der Kapitalismus am Boden, wurde aber durch die deutsche Sozialdemokratie gegen die roten Matrosen gerettet. „Ich hasse die  soziale Revolution wie die Sünde !“, sagte der führende Sozialdemokrat Friedrich Ebert zum Reichskanzler Prinz Max von Baden. 4. Später bestritt die Sozialdemokratie diese Äußerung, aber die seriöse historische Forschung ist heute zu dem Schluß gekommen, dass sie so und nicht anders gefallen war. Der Hass der Bourgeoisie gegen die Roten war wenigstens noch verständlich. Die durch den roten Oktober anvisierte sozialistische Planwirtschaft war das genaue Gegenteil der klassischen bürgerlichen Produktionsanarchie, in seiner imperialistischen Phase kam der Kapitalismus jedoch nicht ohne eine gewisse Planung aus.

Der Imperialismus war insofern das höchste Stadium des Kapitalismus, als er nur noch zwei Wege für die weitere Entwicklung der Gesellschaft offen ließ: den revolutionären Weg zum Sozialismus und den reaktionären zum Faschismus, wenn man nicht, wie die Länder der klassischen bürgerlichen Demokratie Kolonien in der Hinterhand hatte. Bereits Hegel hatte in seiner Rechtsphilosophie dargelegt, dass der Kolonialbesitz die soziale Frage im Inneren eines Landes entschärfe. Cecil Rhodes verkündete es offen: „Das Empire, das habe ich stets gesagt, ist eine Magenfrage. Wenn Sie den Bürgerkrieg nicht wollen, müssen Sie Imperialisten werden.“ Tatsache aber ist, dass alle bürgerlichen Demokratien mehr oder minder einen faschistischen Beigeschmack haben: England eine hölzerne Zweiklassengesellschaft,  das Volk der USA leidet unter dem Bleigewicht des Rassismus, in Frankreich lieferte die Pétain-Administration Juden in die Gaskammern aus. Im Faschismus werden die Widersprüche der kapitalistischen Wirtschaft auf militante Weise gelöst, der faschistische Staat diszipliniert als Terrorapparat die Arbeiterklasse, um sie für die im Schoße des Kapitalismus unvermeidlich heranreifenden Raubzüge zu dressieren. Im faschistischen Stadium hat das Kapital sein Ideal erreicht: die besten Kämpfer des Volkes verrichten gegen eine tägliche Wassersuppe in faschistischen Vernichtungslagern 16 Stunden Schwerstarbeit und können im Todesfalle direkt ersetzt werden. Auf dieses Ideal steuerte und steuert das Kapital gesetzmäßig zu. Die Frage steht heute so: entweder gelingt es der Arbeiterklasse, die Bourgeoisie völlig zu vernichten, oder die besten Kämpfer werden in faschistischen Vernichtungslagern verenden. Einen Mittelweg gibt es hier nicht und wir Kommunisten müssen immer die Polarität beachten, denn gerade diese wird so ideologisch zugekleistert, so verwirrt, dass man in der Politik leicht Fehler machen kann. Der Kapitalismus zeigt zur Zeit seine faschistische Fratze noch nicht in einer eklatanten Deutlichkeit, weil er sie zur Zeit noch nicht deutlich zeigen kann. Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Klageerhebungen vor Arbeitsgerichten gegen sogenannte Arbeitgeber … usw., dies alles entspricht nicht dem kapitalistischen Ideal. Dieses besteht in der völligen Versklavung der Werktätigen. Der Faschismus zeigt an, dass der Kapitalist nicht mehr alleine in der Lage ist, seinen Profit zu maximieren. Um die Lohnsklaverei auf den höchsten Punkt zu treiben, muss der reaktionäre Teil der Nation aufgeputscht werden, um die Errungenschaften der Arbeiterbewegung, ja die Errungenschaften jeglicher Zivilisation zu zerschlagen. Der Faschismus war in Deutschland der Rettungsanker für das Kapital, das durch den Versailler Vertrag und durch das Anwachsen der kommunistischen Bewegung in der Weimarer Republik in höchste Existenzangst geriet. Je höher die rote Flut anstieg, desto mehr griff der Kapitalist zum faschistischen Rettungsanker.

Durch die 1968 verabschiedeten Notstandsgesetze hat heute die kapitalistische Klasse in der BRD die nötige Vorkehrung getroffen, um sich durch eine Militärdiktatur schützen zu lassen, sollte die rote Flut bedrohlich ansteigen. Die BRD ist aus Grundsteinen des Faschismus aufgebaut, die personelle Kontinuität zum III. Reich ging in ihre Geburtsurkunde ein. „Lieber schmutziges Wasser als gar kein Wasser“, sagte der erste Kanzler dieser schmutzigen Republik, Konrad Adenauer. Der Faschismus nach 1945 kann nicht der gleiche sein wie vor 1945. Die faschistische Form der Kriegführung hat sich gewandelt. Trat der Faschismus vor 1945 noch aggressiv und lärmend auf, so operiert er nach 1945 notgedrungen mehr im Stillen. Die Organisation Gehlen übernahm das faschistische Agentennetz, die Bundeswehr Nazigeneräle, das Bundeskriminalität SS-Männer, also Männer einer kriminellen Vereinigung. Jetzt kam es darauf an, im Geheimen, abgeschottet von der Öffentlichkeit, Nachwuchskader im faschistischem Geist zu erziehen. Das kam natürlich unter dem Klima des kalten Krieges gut zum Blühen. Die ganze Exekutive der BRD ist heute im Kern faschistisch und es bedarf nur eines relativ gefährlichen kommunistischen Aufstandes, und die Maske der Demokratie wird sofort weggeschleudert.  Denn schon heute sehen wir wieder, wie der Staat regulierend zum Nutzen und Frommen der Kapitalisten eingreift. Dahin ist es mit der Vision „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ gekommen, dass christliche und sozialdemokratische Politiker darin wetteifern, das letzte Stück Brot aus den Mündern der Kinder der Ärmsten der Armen zu reißen, um es ausländischen Bankiers in den Rachen zu werfen. Das Kapital, feige wie es ist,  fängt immer bei den Ärmsten der Armen an, sich in seiner Paradedisziplin einzuüben: Menschen wie Dreck zu behandeln. Das ist die Brücke zum Faschismus. Aber während der alte Faschismus Hitlers noch national akkumulierte und ein paar Brosamen für die bereite Masse abfielen, greifen heute die Ausbeuter  mit ihren politischen Handlangern in Milliardenhöhe in die Volkswirtschaften ein, um Blutsauger weltweit zu fördern. Im Kontext des Faschismus ist seine Globalisierung als Fortschritt zu werten.

Wer sich für einen politisch aufgeklärten Menschen hält und im Hintergrund der BRD nicht die in Umrissen bereits erkennbare faschistische Fratze sieht, gehört ganz einfach nach Australien unter die Kängurus versetzt. Die Hartz-IV-Gesetzgebung war doch eine entscheidende Weichenstellung in Richtung Faschismus und Faschismus bedeutet: KRIEG ! „Das Kapital ist aus allen Poren von Kopf bis Zeh blut- und schmutztriefend“, pflegte Marx zu sagen.

 

1. Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,321

2. Vergleiche Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,445

3. Vergleiche Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1960,103f.

4. „Die deutschen Sozialisten von 1918 versprachen theoretisch die Beseitigung des Privateigentums. die Planwirtschaft und den Sozialismus. Praktisch kamen sie, da sie das Privateigentum beibehielten, zur Planwirtschaft kein Talent hatten und den Sozialismus überhaupt nicht wollten, nur zur Rettung und Wiederaufrichtung des Kapitalismus“. (Otto Rühle, Weltkrieg – Weltfaschismus – Weltrevolution, in: Otto Rühle, Schriften, Perspektiven einer Revolution in hochindustrialisierten Ländern, rororo Klassiker, Texte des Sozialismus und Anarchismus, Hamburg, 1971,115). Bezeichnend ist der Befehl des sozialdemokratischen Reichswehrministers Gustav Noske zur Niederschlagung der Rätebewegung: „Jede Person, die mit den Waffen in der Hand gegen die Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen“. (Thomas Weber, Hitlers erster Krieg, Der Gefreite Hitler im Weltkrieg – Mythos und Wahrheit, Propyläen Verlag,2011,325).

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