DIE UNTERSCHICHT DADDELT – WIE ES LAUT FAZ HEUTE ZUM UNTERSCHIED ZWISCHEN ARM UND REICH KOMMT

„Bei allem Reichtum, den die bürgerliche Gesellschaft produziert, ist die bürgerliche Gesellschaft nicht reich genug, die Armut des Pöbels zu steuern“. Durch diesen Satz, den Hegel 1821 in seiner Vorlesung zur Rechtsphilosophie in Berlin vortrug, gab Hegel den Widerspruch zwischen den Reichen der bürgerlichen Gesellschaft und ihrem Pöbel als antagonistischen wieder. Diese folgenreich richtige Erkenntnis findet sich in einem Werk, das gesamtinhaltlich die falsche Schlußfolgerung enthält, dass die Weltgeschichte der Menschheit im damaligen preußischen Staat kulminiere. Hegel verfügte noch über keine Lehre vom Mehrwert, die dem Pöbel erklärt, warum die Früchte seiner Arbeit Müßiggängern zukommt und für ihn nur soviel übrigbleibt, wie er zur Fristung seiner Existenz benötigt. Seit Marx diese Erklärung lieferte und die Frage beantwortete, wie es kommt, dass die Arbeit der Vielen in den Reichtum der Wenigen mündet, wie die Dialektik der Ausbeutung in der kapitalistischen Gesellschaft diese zugleich totalisiert und polarisiert, hat die Gesellschaftswissenschaft die Theorie des Mehrwerts vertieft und primär durch Lenin weiterentwickelt. Selbst die bürgerliche Ideologie kann heute nicht leugnen und statistisches Tatsachenmaterial übergehen, dass die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden. Aber es gehört auch zu ihrem Pflichtgebiet, diesen in die Augen springenden antagonistischen Widerspruch zu entschärfen, indem sie die Widerspiegelung der antagonistischen Wirklichkeit entdialektisiert. Das ist ihr Hauptanliegen, denn die Dialektik ist die Algebra der Revolution.

Einen Versuch dazu unternimmt Patrick Bernau, ein junger, aufstrebender Wirtschaftsjournalist, in einem Artikel in der FAZ vom 14. Juni 2014, der die Überschrift trägt: „Reichtum war noch nie so nutzlos“ und dessen Untertitel lautet: ‚In vielen Ländern entwickeln sich arm und reich auseinander. Doch ihr Lebensstandard nähert sich trotzdem an. Für Geld kann man sich nicht mehr so viel kaufen wie früher. Die neuen Klassenunterschiede kommen durch Bildung‘. Gehen wir näher darauf ein, wie Bernau den Pöbel an der Nase herumführen und wie er aus Volksfeinden Volksfreunde machen will.

Er beginnt seinen Artikel mit einem Vergleich zwischen Julius Cäsar und Bill Gates. der ergibt, dass der Reichtum von Gates gegenüber dem Cäsars, der ein Zwanzigstel des Weltreichtums besaß, lapidar zu nennen ist. Während die Differenz im Lebensstandard von Cäsar im Vergleich zu dem vom römischen Pöbel noch offenkundig war, sei es bei Gates bereits nicht mehr so leicht: es sei mittlerweile eine stille, kaum zu bemerkende Angleichung des Lebensstandards der Superreichen mit dem des Mittelstandes (nicht mit dem des Volkes / Heinz Ahlreip) zu verzeichnen. Daraus zieht Bernau die Schlußfolgerung: „Über die vergangenen Hunderte von Jahren sind die Lebensstandarts der reichen Weltbürger so nah an die Bevölkerungsmehrheit gerückt wie noch nie zuvor seit der Erfindung von Märkten und Eigentum. Das ist die andere, bisher kaum beachtete Seite der Diskussion über Armut und Reichtum. Zwar wachsen in vielen Ländern der Welt die Einkommen und Vermögen der reichsten Leute viel schneller als die der Mittelschicht (die aber nicht die Bevölkerungsmehrheit bildet / Heinz Ahlreip) … Von ihrem Geld können sich die Reichen aber längst nicht mehr so einen großen Vorsprung an Annehmlichkeiten kaufen wie früher. Und der Abstand zur Mittelschicht schrumpft immer weiter“.  (Nebenbei bemerkt: Eigentum und Märkte sind nicht erfunden worden, sondern haben sich durch einen langwierigen und komplexen Prozess aus der kommunistischen Urgesellschaft herausgebildet. Man nenne mir die Namen der Erfinder oder zumindest die geschichtlichen Anhaltspunkte, an denen man die Erfindungen bestimmen kann !).

Diese Schrumpfung verdanken wir nun der Technik und dem Internet !! Ob Merkel, Gates oder ein 16jähriger Teenager aus der Unterschicht, die hier auf einmal ins Spiel kommt – auch eine Erfindung wie das Eigentum und die Märkte ? – das Handy macht sie alle gleich, nivelliert die sozialen Gegensätze. Der Luxus werde immer breitenwirksamer und sei dann keiner mehr. Obwohl zwischen dem Unterschichtenhandy un dem von Gates an technischen Möglichkeiten wohl Welten liegen, erfüllt sich durch die Technik das Versprechen der Égalité von 1789. „Reiche nutzen den 7er-BMW, die S-Klasse von Mercedes oder den Ferrari, um sich von anderen abzusetzen – doch ihre Ausstattung wird inzwischen immer schneller nachgebaut und kommt in wenigen Jahren im Fiat 500 an“. Ja die technische Entwicklung hebt sogar schon ein wenig den Vorhang zur kommunistischen Gesellschaft, Bernau gibt das Internet als Bestandteil einer Kostenlos-Welt aus, in dem jeder nach seinen Bedürfnissen glücklich werden könne. Das sei „gut für die Armen, die das Geld nicht mehr ausgeben müssen“. Aber moment ! – Bernau sagt selbst, in vielen Ländern entwickeln sich Reichtum und Armut auseinander. Aber nicht in sozialer Hinsicht, sondern in der Bildung. „Mittel- und Oberschicht rückten dank ihrer guten Bildung näher zusammen, während die Unterschicht immer weiter abgehängt werde. Tatsächlich sind viele Unterschiede zwischen Reichen und Armen bei genauerer Betrachtung inzwischen weniger Fragen des Geldes, sondern mehr Fragen der Bildung und des Lebensstils – ob es um den Gesundheitszustand oder um die Bildungschancen der Kinder geht“. Während die Mittel- und Oberschichten im Internet eine Havard-Vorlesung angucken (eine Vorlesung guckt man nicht an, man studiert sie / Heinz Ahlreip), daddelt die Unterschicht mit neuen Spielen herum. Da also liegt der Hase im Pfeffer und nicht in der Lehre vom Mehrwert ! Warum ist der große Dialektiker Hegel – bei genauerer Betrachtung -bloß nicht darauf gekommen ! Der Pöbel ist nur deshalb Pöbel, weil er in Spielen daddelt !

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Eine Antwort to “DIE UNTERSCHICHT DADDELT – WIE ES LAUT FAZ HEUTE ZUM UNTERSCHIED ZWISCHEN ARM UND REICH KOMMT”

  1. roter Drache Says:

    klasse

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