Wilhelm der Zweite und der Erste Weltkrieg – aktualisiert

Lenin behielt Recht: „ ‚Weltherrschaft‘ ist, kurz gesagt, der Inhalt der imperialistischen Politik, deren Fortsetzung der imperialistische Krieg ist“. 1. Kautsky schränkte unter Verweis auf die englischen und amerikanischen Imperialisten ein, dass diese im Gegensatz zu Deutschland nicht va banque spielten und einen Krieg riskierten, dessen Resultate ungewiß waren. Sie seien zu kluge Kaufleute. „Und darum ist es falsch, dass das Finanzkapital notwendigerweise kriegerische Gelüste und Kriegsgefahren mit sich bringt“. 2. Das Finanzkapital brachte den ersten Weltkrieg hervor. Nach der deutschen Niederlage und nach den politischen Ereignissen am 9. November 1918 baten die Volksbeauftragten Kautsky, als beigeordneter Staatssekretär in das Auswärtige Amt einzutreten, um zu prüfen, ob aus dem Aktenbestand des Amtes belastendes Material beiseite geschafft worden war. Kautsky hatte so Gelegenheit, Dokumente von erstrangiger Bedeutung für die Kriegsschuldfrage zu studieren. Er fasste seine Erkenntnisse aus dem Aktenmaterial in der Broschüre „Wie der Weltkrieg entstand“ zusammen, die 1919 bei Paul Cassirer in Berlin verlegt wurde. Auch in der Kriegsschuldfrage gelangte Kautsky zu einer anderen Auffassung als Lenin. Für Kautsky waren die Hauptkriegstreiber die österreichische Monarchie gefolgt von der deutschen. Für Lenin waren alle imperialistischen Regierungen, die in diesem Krieg verwickelt waren, Räuberbanden, so dass die Frage nach der Kriegsschuld für ihn sekundär war. Es ist nicht wichtig, wer den Krieg angefangen habe.

Aus dem von Kautsky gesichteten Aktenmaterial des Auswärtigen Amtes geht nun eindeutig hervor, dass einer der militanten Scharfmacher Wilhelm II. war, besonders durch seine Bemerkungen und Kommentare, die er an den Rand offizieller Dokumente kritzelte, wurde dies deutlich. 3. Am 30. Juni 1914 schrieb er zu einem Bericht von Tschirschky aus Wien an den Reichskanzler Bethmann-Hollweg, dass man in Wien auch bei ernsten Leuten Stimmen höre, es müsse einmal gründlich mit den Serben abgerechnet werden: „Jetzt oder nie.W.“. In Tschirschkys Bericht vom 13. Juli 1914, dass der österreichische Außenminister Berchtold jetzt überzeugt sei, dass schnellstes Handeln geboten ist, unterstrich er die letzte Zeile doppelt. 4. Auf ein Telegramm aus Belgrad vom 24. Juli 1914 , von ihm am 25. gelesen, notierte er: „Wie hohl zeigt sich der ganze sogenannte serbische Großstaat. So ist es mit allen slawischen Staaten beschaffen. Nur feste auf die Füße dieses Gesindels getreten“. 5. Schon zweimal war die österreichische Armee wegen Balkankrisen mobilisiert worden. Wegen der Serbienfrage war sie erneut mobilisiert worden und Wilhelm gab zu Protokoll, einer dreimal mobilisierten Armee müsse nun einmal „satisfaction d‘ honneur“ gegeben werden. Als Fürst Trubetzkoi aus Moskau vorschlug, die zwischen Österreich-Ungarn und Serbien strittigen Fragen vor den Haager Gerichtshof zu bringen, kommentierte Wilhelm diesen Vorschlag mit dem Wort „Blödsinn.W“. Je näher der Krieg kam, desto angriffslustiger zeigte sich Wilhelm auch in der Innenpolitik gegen die Sozis. Er werde den Belagerungszustand proklamieren und „die Führer samt und sonders tutti quanti einsperren lassen“. 6. Und so weiter und so fort … Ich glaube, ich habe keine Striche mehr nötig, die konterrevolutionäre Physiognomie ist bereits fertiggezeichnet.

Denn nun müssen wir auf den Schauspieler Wilhelm zu sprechen kommen. Bei seinem letzten Besuch an der Westfront kniete er nieder und betete. Als er sich erhob, sagte er zu den um ihn Stehenden: „Ich habe es nicht gewollt“. Eine gierige Postkartenindustrie nahm sich dieser Szene an und diese Worte auf und verbreitete sie ab 1915 millionenfach. So wurde Propaganda gemacht, so wurde das deutsche Volk verdummt. Aus einem Kriegsverbrecher wurde ein Friedensengel. Nun, die Geschichte ist über diesen ganzen perversen Hohenzollnernschen Dreck 7. hinweggegangen wie sie auch über den gegenwärtigen perversen Hohenzollernschen Dreck hinweggehen wird, der heute in Berlin grundgesetzwidrig Waffenlieferungen in Kriegsbebiete mit der theatralischen Geste der hart mit sich Ringenden in die Wege leitet. Wilhelm 1914 und das vortreffliche Paar Steinmeier – von der Leyen 2014 stehen in ein- und derselben konterrevolutionären Linie. Marx zog aus der Pariser Kommune die Schlußfolgerung, dass der Bourgeois jetzt die Stelle des Feudalherren eingenommen habe. 8.

1. Lenin, Über eine Karikatur auf den Marxismus, Werke Band 23, Dietz Verlag, Berlin, 1957,26


2. Karl Kautsky, Wie der Weltkrieg entstand, Dargestellt nach dem Aktenmaterial des Deutschen Auswärtigen Amts, Verlegt bei Paul Cassirer, Berlin 1919,33

3. Schon vor 1914 war der deutsche Kaiser unangenehm aufgefallen. 1899 hielt er gegen die Haager Friedenskonferenz eine Rede, die sogenannte Wiesbadener Rede, in der er ein „scharf geschliffenes Schwert“ als die beste Friedensgarantie anpries. Am 27. Juli 1900 hielt er in Bremerhaven seine berühmt-berüchtigte „Hunnenrede“ bei der Einschiffung des deutschen Expeditionskoprs nach China. Die deutschen Truppen sollten ich China wüten, „dass es niemals ein Chinese wieder wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen“. (Hitler sagte während des Wütens der Wehrmacht in der Sowjetunion, jeden Russen totzuschießen, der einen Deutschen auch nur schief anschaue).

4. Vergleiche Karl Kautsky, Wie der Weltkrieg entstand, Dargestellt nach dem Aktenmaterial des Deutschen Auswärtigen Amts, Verlegt bei Paul Cassirer, Berlin 1919,53

5. a.a.O.,84

6. a.a.O.,97

7. „Man muß zugeben, dass die Türkei eine freie Republik ist im Vergleich zu dem Despotismus, den Friedrich Wilhelm (der Vater Friedrichs II.) ausübte“. (Voltaire, Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Herrn Voltaire, aufgezeichnet von ihm selbst, in: Voltaire, Sämtliche Romane und Erzählungen, Dietrich Verlag, Leipzig, 1964,L).

8. Vergleiche Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Ausgewählte Werke, Progress Verlag, Moskau, 1975,321

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