AUFKLÄRUNG UND KINDERPORNOGRAFIE

Der junge französische Aufklärer Voltaire sieht den Sinn der Philosophie durchaus noch in der Vergöttlichung der Sinnesfreuden, er ist also Hedonist. Die wirkliche Weisheit findet man in den Armen der Wollust. (Vergleiche sein Gedicht „Le mondain“ aus dem Jahr 1736). In dieser Beziehung wird Voltaire mit zunehmenden Alter jedoch pessimistischer (ab 1752). Der wirkliche Sexualaufklärer des 18. Jahrhunderts ist dann auch der Arzt La Mettrie. Er wandte sich gegen die in christlich-platonischer Tradition stehende Leibfeindlichkeit und sagt es offen heraus, dass es keine Schande sei, „Vergnügungen zu empfinden und zu seinem Glück geschaffen zu sein“. 1.  1750 veröffentlichte La Mettrie in Potsdam sein Werk „L ‚art de jouir ou l ‚école de la volupté“. Das Werk erschien 1751 in Braunschweig auf Deutsch mit dem Titel: „Die Kunst, die Wollust zu empfinden“.

Aufklärung hat sich nicht autoaggressiv, als Dialektik der Aufklärung, Hegel variierend, dass die Aufklärung nicht über sich selbst aufgeklärt sei, gegen sich selbst zu wenden, sondern ihre Gegner letztendlich der Schwachsinnigkeit zu überführen. Auf dem Gebiet der Sexualität, in deren Befreiung alle gesund verlaufende Aufklärung mündet, ist dies durch Nachweis der Genesis der borniert-mittelalterlichen Leibfeindlichkeit zu demonstrieren. Der Kirchenvater Augustinus bekennt, in seiner Autobiographie, dass er im Jahr 386 in einem Mailänder Garten göttliche, immer nur das eine wiederholende Knabenstimmen gehört habe: Nimm und lies (Tolle lege). Er ging ins Haus und schlug die Bibel auf und zwar die folgende Stelle in den Paulusbriefen: „ … zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht zur Erregung eurer Lüste“. Danach pflegte Augustinus keinen Beischlaf mehr, sondern begann fieberhaft schreibend mit der inhumanen Verteufelung der Sexualität. So hat die Ausgeburt des Fieberwahns eines geisteskranken Klerikers Millionen und Abermillionen Menschen Jahrhunderte lang sexuell verkrüppelt, auch der Katholik und Jesuitenschüler Robespierre war nicht frei davon. David Hume kam dem ganz nahe, als er die Quelle der Religion in den Fieberträumen von Kranken ausmachte. „You will scarcely be persuaded, that they are any thing but sick men‘ s dreams …“.  2.  Aber es ist letztendlich nicht die verkrüppelte Religion, die den Menschen verkrüppelt, die Repression der Sexualität und die Existenz des Altars haben ökonomische Gründe und haben insofern auch etwas Positives, als erst durch die religiös-sexuelle Disziplinierung der Neigungen eine zivilisatorisch-kulturelle Höhe erreicht worden ist, die als Basis für den Kommunismus hinreicht. Sowohl durch die Religion als auch durch die Sexualität können Menschen heute nur zu Pseudobefreiungen gebracht werden, sie sind nur Protestformen gegen das Elend ohne es beseitigen zu können. „Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elends und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur … „  3.  Die Sexualität ist der Seufzer aus den dunklen Kellerlöchern des kapitalistischen Despotismus.

Es wäre auch zu schön, den Kapitalismus durch eine sexuelle Revolution überwinden zu können. Umgekehrt. Erst die Vernichtung des Kapitalismus schafft das Terrain für permanente sexuelle Revolutionen und für das Absterben der Religion. 1968 wurden in den großen Städten „Kommunen“ gegründet, mit denen man in den Spätkapitalismus revolutionierend quereinsteigen wollte. Diese Kommunen war alle kurzlebig und hatten keine weltgeschichtliche Relevanz irgend einer Art. Solange die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen vorherrscht, kann es keine freien sexuellen Beziehungen unter den Menschen geben, perverserweise oder wenn man will: natürlicherweise verorten sich in Ausbeutungsgesellschaften alternative Formen zur Fortpflanzungssexualität überwiegend in der Prostitution. Im perversen Kapitalismus ist das ganz natürlich. Es gibt unter der Bedingung der Einwilligung Mündiger keine sexuellen Perversionen, solche festzulegen lenkt ab von der einzig wirklichen Perversion: der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft durch eine Handvoll perverser Schmarotzerkapitalisten und die ideologischen Festleger der sogenannten sexuellen Perversionen  stehen unbewusst im Banne dieser wirklich Perversen und versündigen sich ständig an der Menschheit.

Die Unterdrückung der Sexualität dient der Disziplinierung zur Knechtschaft im ökonomischen Bezugsrahmen. Die Aufklärung, insbesondere David Hume in seiner „Natürlichen Geschichte der Religion“, hatte in der Furcht des Menschen eine Quelle der Religion gesehen. Ein Mensch, der sich fürchtet, ist schnell bereit, sich ohne große Widerstände in den Herr-Knecht-Mechanismus der Gesellschaft einzugliedern. Marx sprach in diesem Zusammenhang vom „Menschenkehricht“. 4.

In allen Unterdrückungsgesellschaften herrscht die Angst. Sie ist ein Ausdruck, dass Widersprüche in der Gesellschaft zwischen den Klassen wirken, die einen antagonistischen Charakter tragen. Man darf an diese Widersprüche nicht mit der Individualschablone herangehen, nicht mit der „Anschauung der einzelnen Individuen und der bürgerlichen Gesellschaft“.  5. Angst, Furcht, Zittern, seelische Deformation, Depressionen … können nicht durch Einzeltherapie bei psychologisierenden Quacksalbern zur Seite gelegt werden, sondern nur durch den Klassenkampf. Die Methode der Einzeltherapie ist auch ein Beispiel einer undialektischen Herangehensweise. Die Einzeltherapie ist fürwahr ein Ausschnitt, ein Verweilen auf einer Laborinsel für ein paar Stunden, um dann wieder in das Haifischbecken des Kapitals, in den Zusammenhang der alltäglichen Ausbeutung zurückgeworfen zu werden. Wie soll in einer solchen Chronik Heilung möglich sein ?

Im letzten Jahrhundert hatte Dr. Huber Anfang der 70er Jahre in Heidelberg ein „Sozialistisches Patientenkollektiv“ gegründet und mit den Genossen aus der Krankheit durch die kapitalistische Gesellschaft eine Waffe gegen diese geformt. Diese Transformation rief den ganzen Apparat der staatlichen Repression auf den Plan, dem gegenüber den richtigen Gedanken Hubers nur die Kriminalisierung des Kollektivs als kriminelle Vereinigung übrigblieb, Huber und seine Frau verschwanden im Gefängnis.

Wie Baruch Benedikt Spinoza bereits 1670 in seinem „Tractatus ethico-politicus“ sah, dass fast alle ihre Hirngespinste für das Wort Gottes ausgeben und die fortschrittliche Menschheit auch durch die philosophische Leistung Spinozas dahinter kam, dass es keinen Gott gibt, so müssen wir heute mit dem Begriff „Pornografie“ verfahren. Es gibt 1001 Definitionen, was Pornografie denn sei, das heißt, sie ist ein Märchen. Es gibt keine Pornografie. Der Begriff ist eine Waffe zur Stigmatisierung sexueller Neigungen, die den Herrschenden nicht in ihren Profitkram passen. Alle bürgerlichen Regierungen stehen heute diesbezüglich im Schatten des Kirchenvaters Augustinus und dieser Geisteskranke verdunkelt ihnen das Gehirn so sehr, dass sie in seinem Geist tätig werden – kurz – die bürgerlichen Regierungen tun das, wozu bürgerliche Regierungen eben da sind: sie verletzen ständig die sexuellen Menschenrechte – und nicht nur diese.

Es soll bei dem Thema Kinderpornografie übersehen werden, dass es neben der körperlich-sexuellen Ausbeutung der Kinder noch eine viel gravierendere geistige Vergewaltigung gibt. Überhaupt zeigt sich bei diesem ganzen Thema, wieviel schizophrener Augustinismus noch im deutschen Spießer steckt. Oder ist etwa nicht wahr, dass die Schulkinder an ihrem Einschulungstag zunächst in die Kirchen gezwungen werden, um den Kotau vor dem perversen mittelalterlichen Menschenkehricht zu machen, der im Kern ein Kotau vor dem Kapital ist. Schon werden ihnen ihre unschuldigen Händchen gefaltet, damit sie Gebete murmeln, die sie gar nicht verstehen und die in der Tat auch nur Menschen mit kranken Gehirnen verstehen können. Das ist symptomatisch, die Kinder sind in die Hände von Kinderschändern geraten, die sie zu Sklaven des Kapitals abrichten und sie um eine wissenschaftliche und selbstbewußt-revolutionäre Entwicklung betrügen. Schon Rousseau sprach von Schulpferden. Sie verlassen die Schulen mit kranken, geldfixierten Gehirnen. Die geldfixierten Händler mit Nacktfotos von Kindern sind daher harmlos im Vergleich zu den  staatspädagogischen Terroristen, die Kinder unter dem Leistungsdruck des Kapitals auch in den Selbstmord hetzen. Die Schulen und Universitäten sind im Kapitalismus auch gar nicht dazu da, die Versklavung im Sinn der Aufklärung aufzuhellen, sondern sie dienen der Abtötung des Humanismus, der Verdunklung der Ausbeutung, der Vermittlung eines letztendlich mittelalterlichen Weltbildes. Die staatspädagogischen Kinderschänder haben nicht das Recht, sich als Beschützer der Kinder vor Pornografie aufzuspielen und sich in der Sache selbst ein Urteil anzumaßen, wo sie lediglich dazu da sind, die Kinder des Volkes zu verdummen, so wie es ihnen gebührt. Lenin, unser aller Lehrer, wies uns darauf hin, dass im Kapitalismus  die Jugend der besitzenden Klassen an den Universitäten verdummt, dass sie auf den äußeren und inneren Feind dressiert wird. 6.

1. La Mettrie, Der Mensch eine Maschine, Reclam Verlag, Stuttgart, 2007,50

2. David Hume, The Natural History of Religion, in: Essays. Moral, Political, and Literary, Band II,362f.

3. Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie / Einleitung, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,378

4. Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,359

5. Karl Marx, Thesen über Feuerbach, Werke Band 3, Dietz Verlag, Berlin, 1960,7

6. Vergleiche Lenin, Marxismus und Revisionismus, Werke Band 15, Dietz Verlag Berlin, 1960,19

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