Der Krieg gegen den Kommunismus darf nicht zu kurz kommen

Am 23. Februar 2015 erschien in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dem Pflichblatt der Frankfurter Wertpapierbörse, ein ganzseitiger Artikel zweier bürgerlicher Wissenschaftler, in dem sie sich mit der Gefahr für die deutsche Demokratie durch den Kommunismus nach eigener Auskunft wissenschaftlich auseinandersetzen. Den Autoren, Professor Dr. Klaus Schroeder, dem Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, und Monika Deutz-Schroeder, seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin, treibt die Sorge um, dass durch die gegenwärtige Dominanz islam- und rechtsextremistischer Themen in der politischen Diskussion der Krieg des Kommunismus gegen den bürgerlichen Staat zu kurz komme. Die Sorge ist völlig unbegründet, der bürgerliche Staat als nationales Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit kann gar nicht umhin, den Krieg gegen den Kommunismus, den Krieg gegen die Werktätigen, die das Joch der kapitalistischen Lohnarbeit abwerfen wollen, primär und permanent zu führen. Die sich emanzipierende Arbeiterklasse ist von jeher der Kernfeind des bürgerlichen Staates, der in seinem Vernichtungsfeldzug gegen den Kommunismus entweder mit Faschisten zusammenarbeit oder diesen das Kampffeld überlässt.

Schauen wir jetzt, wie die Autoren sich wissenschaftlich mit der kommunistischen Gefahr für die kapitalistischen Ausbeuter auseinandersetzen. Ihr Artikel trägt die Überschrift: „Gegen eine offene Gesellschaft“, die unterstellen soll, dass die Kommunisten Feinde der „offenen Gesellschaft“ seien. Die Autoren selbst stehen also auf dem Boden einer „offenen Gesellschaft“. Irgendeinen gesellschaftswissenschaftlichen Wert hat dieser Terminus natürlich nicht, in der kapitalistischen Gesellschaft kann nur die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft durch die Eigner der Produktionsmittel offen (aber versteckt unter der vertraglichen Pseudogleichheit zwischen den sogenannten Arbeitnehmern und den sogenannten Arbeitgebern, Marx spricht im „Kapital“ im Kapitel über „Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation“ von „formell freier Arbeit“ 1. sein, die Ausbeuter sind es denn auch, die alle Früchte der gesellschaftlichen Arbeit „offen“ (oder versteckt) genießen, während die Lebenszeit der grossen Mehrheit des Volkes als Arbeitszeit für fremde Ausbeuter „geschlossen“ ist, die noch durch die ekelhafte kulturelle Barbarei des Spätkapitalismus eingesegnet wird. Die bürgerliche Gesellschaft ist nur deshalb eine so „offene“, weil ihr Pferdefuß so versteckt ist, aber am Ende reicht  alle Begriffsakrobatik der bürgerlichen Ideologen nicht hin, um zu verschleiern, dass die bürgerliche Gesellschaft kardinal in kapitalistische Herrenmenschen und proletarische Untermenschen gespalten ist. Und ist denn die sogenannte offene bürgerliche Gesellschaft eine Gesellschaft ganz ohne Geheimdienste, die auf die Verfolgung von fortschrittlichen Menschen dressiert sind ? Die Autoren folgen einem sattsam bekannten „Argumentations“raster: die Kommunisten greifen nicht nur eine „offene“ Gesellschaft an, sondern auch eine „pluralistische“. Der Pluralismus der politischen Parteienvielfalt kann aber nicht als Indiz einer freien Gesellschaft gewertet werden, im Gegenteil, er zeigt an, dass die bürgerliche Gesellschaft in Klassen gespalten ist, die natürlich von jeweils verschiedenen, sich auch gegeneinander bekämpfenden Parteien repräsentiert werden, an deren Spitze die intelligentesten, autoritärsten und charismatischsten Politiker stehen, die man gewöhnlich Führer nennt 2. Die grundlegenden Interessen der verschiedenen Klassen der kapitalistischen Gesellschaft bringen die verschiedenartigen Typen bürgerlicher Parteien hervor. Der Pluralismus ist die Maske, hinter der sich die Narrenfreiheit der kapitalistischen Ausbeuter verbirgt. Nach dem Vorwurf, die Kommunisten seien „geschlossen“ und „antipluralistisch eingestellt“, folgt des weiteren, sie seien totalitär. So auch in der FAZ. Es ist von jeher das Armutszeugnis der Totalitarismusideologen, dass sie zwei Tatsachen miteinander verwechseln: der Kommunismus strebt eine Welt ohne Herrschaft, das imperialistisch-totalitäre Bürgertum aber die Weltherrschaft an. Der bürgerliche Ideologe muss diesen Sachverhalt genau verdrehen. Dieser Drang zur Weltherrschaft entspringt indeß nicht dem bösen Willen der imperialistisch ausgerichteten, zum Faschismus tendierenden  Kapitalisten, sondern rührt aus ihrer nationalen und internationalen Klassenlage her. Die objektive Dialektik der Geschichte offenbart uns die Einheit und den Kampf der Gegensätze und es ist ausschließlich die Einheit, durch die sich die Totalitarismustheorie begründet. Natürlich weisen zwei Armeen, die sich kriegsbereit gegenüberstehen, auch Gemeinsamkeiten untereinander auf und jeder Erstsemestler in den Gesellschaftswissenschaften weiß doch, dass die Geschichte uns immer wieder belegt, dass die Einheit der Gegensätze relativ, ihr Kampf aber absolut ist. Die Totalitarismustheorie wird von den FAZ-Gastautoren indeß nicht in ihrer klassischen Reinheit vertreten, sondern modifiziert und es wird sich zeigen, dass sie sich damit in ihrer Argumentation sofort verheddern: „Das heißt nicht, dass Links- und Rechtsextremismus sich in Theorie und Praxis nicht deutlich voneinander unterscheiden und nicht (dieses „nicht“ gehört hier nicht hin / H.A.) in eins gesetzt werden können. Ihre (strukturelle) Gemeinsamkeit besteht jedoch im Kampf gegen eine offene, pluralistische Gesellschaft“ 3. Die Autoren halten es sich zugute, dass sie nicht nur „Rechts“ und „Links“ als relative Begriffe anwenden, sondern auch den der „Mitte“, die ebenfalls extremistisch werden kann, wenn sie als statisch aufgefasst wird. Für Prof. Dr. Schroeder und Frau Deutz-Schroeder gilt auch der als extremistisch, der verfassungskonform radikale Positionen ausgrenzen will (Extremismus der Mitte). So haben wir jetzt drei Extremismen erhalten, ein zwingendes Ergebnis einer adialektischen Herangehensweise an die bürgerliche Klassengesellschaft. In politischer Hinsicht ist natürlich die Mitte, die „offene“, „pluralistische“, „untotalitäre“ „Demokratie“ der BRD statisch-reaktionär, ihre Ideologen müssen sie aber als dynamisch vordenken, weil mit Statik in den Gesellschaftswissenschaften im 21. Jahrhundert nun wirklich kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Rein logisch betrachtet ist für die beiden Autoren alles totalitär von links über die Mitte bis nach rechts, ein fürwahr schiefes Bild der spätkapitalistischen Gesellschaft, die sich noch immer um die Pole Lohnarbeit und Kapital, Proletariat und Bourgeoisie dreht: wie es in der Mathematik „plus“ und „minus“, in der Mechanik Wirkung und Gegenwirkung, in der Physik positive und negative Elektrizität, in der Chemie Verbindung und Dissoziation der Atome gibt, so gibt es in den Gesellschaftswissenschaften den Klassenkampf 4. Von den vier Extremismen, die die Autoren ausgemacht haben: erstens: rechts, zweitens: links, drittens: islamisch 5. und viertens: mittig, sollen allerdings nur die ersten drei gewaltverherrlichend sein, während eine „wehrhafte Demokratie“, die in der Mitte zwischen rechts und links steht, gewaltfrei sei, also eine „wehrhafte Demokratie“ ohne Staatsgewalt !? Eine Demokratie, die ohne Gewalt !! gegen rechts und links und gegen den IS kämpft ?! Ein Knäuel von Widersprüchen liegt vor uns — und warum ? Weil der kleinbürgerliche Ideologe zwischen den Kardinalpolen der Gesellschaft hin- und herschwankt, keinen ausgereiften, festen Klassenstandpunkt hat und am Ende selbst der Widerspruch in Theorie und Aktion ist. Und dann werden ihm die Spalten der FAZ geöffnet, schreiben Sie bitte einen Artikel über den Linksextremismus aber vermeiden Sie bitte das Wort „Klassenkampf“, verwirren Sie die Leser, aber so, dass es nach ihrer Aufklärung aussieht.  Nachweislich falsch ist die Behauptung, dass nur der Rechtsextremismus von einer anthropologischen Ungleichheit ausginge, ich hatte bereits von kapitalistischen Herren- und lohnabhängigen Untermenschen gesprochen. Diese Scheidung ist doch elementar jeden Tag, jede Stunde im Kapitalismus mit Augen sichtbar und im Arbeitsprozess mit Händen greifbar, ungeachtet der Tatsache, dass die bürgerlichen Juristen ganze Bibliotheken vollschreiben über die grundgesetzlich verbriefte Gleichheit der Menschen unter dem Joch des Kapitals. Sie nehmen die Erscheinung für das Wesen, ihr Papier für wichtiger als die soziale Realität. Für sie fällt der Mehrwert vom Himmel und die Reichen werden vom Klapperstorch gebracht. Nachweislich falsch ist die Behauptung, die Kommunisten erheben Anspruch auf eine totale Welterklärung. In seinem 1888 erschienenen Werk „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ kritisiert Engels Hegel gerade wegen seiner omnipotenten Behauptung, mit seiner Philosophie eine totale Welterklärung geliefert zu haben, es ist also genau umgekehrt, gerade der bürgerlichen Ideologie eignet der Drang zu einer totalen Welterklärung 6., korrespondierend mit dem Drang zur Weltherrschaft in der geschichtlichen Praxis. Deshalb ist es ja für bürgerliche Ideologen so schwierig, den Marxismus als Anleitung zum revolutionären Handeln im Kapitalismus, „zum letzten Gefecht“ zu nehmen, die sich im Kommunismus erübrigt.

Soweit inhaltlich zum FAZ-Artikel, sein letztes Drittel besteht in der Ausbreitung von Umfrageergebnissen von Infratest dimap, die übrigens für die Zukunft des Kommunismus recht positiv ausfallen, zum Beispiel gaben 61 Prozent der Befragten an, dass wir in der BRD keine echte Demokratie haben, „da die Wirtschaft und nicht die Wähler das Sagen haben“, nur knapp die Hälfte der Bevölkerung wünscht sich die Beibehaltung des staatlichen Gewaltmonopols, aber diese Umfragen haben eh einen fragwürdigen Charakter, zumal hier der genaue Zeitraum der Befragung nicht angegeben wird.

1. Karl Marx, Das Kapital, Band I, MEW 23,790

2. Vergleiche Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,582

3. FAZ vom 23. Februar 2015,7

4. Vergleiche Lenin, Zur Frage der Dialektik, in: Lenin, Über Hegelsche Dialektik, Reclam Verlag Leipzig, 1986,43. Exemplarisch für die Außerachtlassung des Klassenkampfes in gesellschaftsanalytischer Hinsicht mag die ideologische Postion des rechten ZK der Bolschewiki 1906 nach der Auflösung der Witteschen Duma zur Frage, wer nach dem angestrebten Sturz des Zarismus machtmäßig an dessen Stelle treten solle ? stehen. Diese neue Macht, so das ZK, müsse im Bewußtsein des ganzen Volkes bereits bestehen. Das war nicht nur idealistisch gedacht, mit der idealistischen Ausblendung des Klassenkampfes konnte das ZK nicht mehr die zukünftige Macht klassenmäßig konkret bestimmen. (Vergleiche Lenin, Die politische Krise und das Fiasko der opportunistischen Taktik, Werke Band 11, Dietz Verlag Berlin 1958,140f.). Es war nur folgerichtig, dass das ZK die Frage des bewaffneten Aufstandes gar nicht mehr thematisierte.

5. Wenn denn der Islam zu Deutschland gehört ?! Die Fratze des Islam gehört zu Deutschland, allerdings zum mittelalterlichen als eine Variante der Volksverdummung und es ist völlig daneben gegriffen, die bornierten Dunkelmänner des Mittelalters in eine Reihe mit linken, extrem-fortschritlichen Menschen zu stellen. Die Fratze des Islam gehört zu Deutschland, wenn man die europäische Aufklärung ausblendet.

6. Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,270

 

 

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