BUCHBESPRECHUNG: Klaus Gestwa: Die Stalinschen Großbauten des Kommunismus

Durch das Buch von Stefan Engel „Katastrophenalarm“ bin ich auf die Habilitationsschrift von Klaus Gestwa „Die Stalinschen Großbauten des Kommunismus (Sowjetische Technik- und Umweltgeschichte 1948 – 1967)“ aufmerksam geworden, in der ich auf eine merkwürdige Ausführung stieß: Der Professor wies auf eine „Feststellung“ einer Anne Applebaum hin, dass in der Sowjetunion zu Lebzeiten Stalins eine „Ideologie der Staatssklaverei“ (Anne Applebaum, Der Gulag, Berlin, 2003,307) geherrscht habe. Das ist merkwürdig genug, hatte doch der junge Marx in seiner Schrift „Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen“ im Juli 1844 die fortschrittlichen Arbeiter darauf hingewiesen, dass die Existenz des Staats und die Existenz der Sklaverei unzertrennlich seien (MEW 1,401f.). Und die damals fortschrittlichsten Arbeiter der Welt sollen laut Applebaum nicht bemerkt haben, dass die KPdSU (B) nichts anderes darstelle als ein vulgär-bürgerliches Herrschaftsinstrument zu ihrer eigenen Versklavung ? Eine Arbeiterklasse, die als einzige im 20. Jahrhundert drei Revolutionen gestaltend hinter sich hatte (1905 / Februar- / Oktoberrevolution) und mit dem Marxismus-Leninismus vertraut war, hätte dieses Instrument doch zerbrochen. Die Aufgabe in einer Habilitationsschrift wäre es nun gewesen, diesen Irrsinn richtig zu stellen, doch weit gefehlt, Gestwa zitiert die Dame zustimmend. Wie er denn auch ebenso eilfertig von Dietrich Beyrau auf Seite 486 seiner Schrift die abwegige Bezeichnung der Stalinschen Sowjetunion als einer „industrialisierten Status- oder Ständegesellschaft“ (Dietrich Beyrau, GULAG – die Lager und das Sowjetsystem, in: Sowi 2000, Nr. 29,171) übernimmt. Alle anti-kommunistischen Fundstellen in der anglo-amerikanischen Literatur über die Großbauten des Kommunismus werden von ihm ebenso wohlwollend, also vor allem unkritisch übernommen. Wenn man in einer Habilitationsschrift eines deutschen Wissenschaftlers aus dem Jahr 2009 die Sowjetunion als eine industrialisierte Ständegesellschaft eingeschätzt findet, so reibt man sich ja zunächst verwundert die Augen. Um so mehr, wenn er auf Seite 525 das Negative, das durch die Wehrmacht über die Sowjetunion hereinbrach, infam mit den sozialwirtschaftlichen Engpässen der Stalinzeit, des „Stalinismus“, dem „Steinzeitvandalismus“ (Seite 531) unterschoben wird, gleichsetzt. Die Anhänger der Totalitarismustheorie übersehen ständig, dass der Faschismus ein Ausdruck großkapitalistischer Weltherrschaftsintentionen war und ist, der Kommunismus aber real die Welt ohne Herrschaft beinhaltet, was für Gestwa eine heilsgeschichtliche Verblendung (Seite 530) ausdrückt. Wie kann so eine Verirrung zustande kommen ? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir auf eine Erkenntnis zurückgreifen, die Karl Marx aus seiner Analyse der Pariser Kommune gezogen hat. Die Kommune von Paris hat bewiesen, „daß der heutige Bourgeois sich für den rechtmäßigen Nachfolger des ehemaligen Feudalherren ansieht …“ (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,321). Deshalb fühlen sich bürgerliche Akademiker heute instinktiv so sehr zu dem klassischen Land der Sklaverei hingezogen, spucken auf die humanistische Tradition der europäischen Aufklärung, spucken auf die Schriften von Kant und Lessing, auf die von Marx und Engels allemal, reißen ihre Löffel auf nach dem letzten intellektuellen Schrei der Universitäten von Oxford und Harvard, lassen sich auf ihren Gelehrtenbauch fallen und kriechen heran bis … ja … bis an die Stiefel von ‚Uncle Sam‘, um diese zu liebkosen. Dadurch wird überdies ein einseitiges Bild der anglo-amerikanischen Forschungsliteratur vermittelt. Heute gibt diese Forschung, wenn auch noch eingeschränkt zu, dass die Zeit Stalins keineswegs eine der exzessiven Naturausbeutung ohne Rücksicht auf umweltschädliche Folgen war. Stalin unterstützte die Waldschutzbehörden, die nach seinem Tod rapide an Bedeutung und Einfluss verloren. Stephen Brain spricht heute davon, dass der Umweltschutz in der Sowjetunion unter Stalin ein Niveau erreicht hatte, dem weltweit nicht beizukommen war (Vergleiche Stephan Brain, Stalin’s Enviromentalism, in: Russian Review Nr. 69, 2010,97ff.). In seiner Habilitation stellt Gestwa es genau entgegengesetzt dar: „Nach dem Tod Stalins wuchs das gesellschaftliche und politische Interesse an Umweltfragen. Die Tauwetterperiode markierte den Beginn der endlosen umweltpolitischen Versuche, das Unheilbare zu heilen“. Er hebt Crutschov hervor, durch dessen Liberalisierung die ‚Stalinsche Brutalität‘ im Umgang mit der Natur beendet worden sei. Sicherlich wurden bei der Ausführung der Stalinschen Großpläne auch Fehler begangen, solche Projekte können nicht fehlerfrei realisiert werden; aber darf man deswegen in eine Schwarz-Weiß-Schablone fallen, in eine Schablone, der sich noch Gorbatschow auf dem 28. Parteitag bediente, um die ökologische Fehlentwicklung in der Sowjetunion allein der Periode zuzuschieben, in der Stalin seine letzten Lebensjahre verbrachte ? Immerhin wurde nur fünf Tage nach Stalins Tod das Ministerium für Forstwirtschaft aufgelöst. War das kein Fehler ? Es gab eine Gefahr, den naturwissenschaftlich-technischen Fortschritt mit Fortschritt schlechthin gleichzusetzen, um in einer eventuell unangebrachten Konkurrenz zu den USA als wahres „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ dazustehen.

Aufschlußreich ist in Gestwas Habilitation die Anmerkung 46 auf Seite 507: „Die pädagogische Inititative für den Umweltschutz verlief darum mit wenigen Ausnahmen im Sand und verkam zum bloßen Ritual. So das kritische Fazit von Nasimovic …“. Die These von Nasimovic wird ungeprüft übernommen. Unkritische Übernahmen durchziehen die Habilitation leider wie ein roter Faden, die letztendlich eine aus vielen Puzzlesteinen zusammengesetzte Kompilation darstellt. Um ein Beispiel zu geben: Gestwa verweist auf Seite 570 auf Wissenschaftler, die die Großprojekte des „Stalinismus“ als „Perversion der Moderne“ darstellen. „Sie sprechen darum von den „vernutzten Strategien“ (Mommsen) der Modernisierung, vom „Mißbrauch der Moderne“ (Weiß), von der „halbierten Moderne“ (Joas), „der eindimensionalen Moderne“ (Plaggenborg) oder der „vorgetäuschten Modernisierung“ (Mommsen)“. Durch diese Puzzlesteine entsteht eine düsteres Gemälde der Stalinzeit, ohne dass die Echtheit der Steine untersucht worden ist. Hegel schrieb das Zusammensuchen von Gemälden aus ‚Stückchen‘ der Beschäftigung von Kindern zu, Lenin wies darauf hin, dass statt des Aneinanderklebens von Zitaten die ‚Puzzlesteine‘ in ihrer Selbstbewegung zu verfolgen sind. „Jedes Einzelne hängt durch Tausende von Übergängen mit einer anderen Art Einzelner (Dinge, Erscheinungen, Prozesse) zusammen usw. Schon hier haben wir Elemente, Keime des Begriffs der Notwendigkeit, des objektiven Zusammenhangs in der Natur etc.“ (Lenin, Zur Frage der Dialektik, in: Lenin, Über Hegelsche Dialektin, Reclam Verlag Leipzig, 1986,45). Kurz: es genügt nicht, Tausend Bücher (auch noch unkritisch) zu einem Thema zu lesen, um aus diesen der wissenschaftlichen Gesellschaft und besonders der Arbeiterklasse Tausend Zitate vorzulegen. Diese sind doch kein Ersatz für die Tausend Übergänge von einem Einzelnen zu einem anderen. Die unkritische Übernahme von Einschätzungen seiner Kollegen verführt Gestwa zu der Schlussfolgerung, dass der stalinistischen Politik trotz ihrer unbestrittenen modernen Intention „archaisierende Strukturen und Praktiken“ anhingen. (Besser wäre hier „archaische Strukturen“). Aber das ist kein Forschungsergebnis, sondern eine Feststellung, dass sich in revolutionären Prozessen Komplexes und Einfaches wechselseitig durchdringen. Das hatte Lenin bereits 1917 in seinem Fundamentalwerk „Staat und Revolution“ herausgearbeitet. Erinnert sei nur an seine Ausführung, dass die Rechnungsführung und Kontrolle durch den Kapitalismus bis zum äußersten vereinfacht, in außergewöhnlich einfache Operationen verwandelt worden ist und dass zum ‚Verwalten und Regieren‘ des sowjetischen Staates die Beherrschung der vier Grundrechnungsarten ausreichend sein wird. (Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,488).

Im Vorwort seiner Habilitation (Seite 7f.) bedankt sich der Professor bei Ingrid Schierle mit ihrem Talent, „mich auf ihre charmante Art auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Sie erinnerte mich zum richtigen Zeitpunkt daran, endlich in die ‚Quellen zu gehen‘, um meinen interpretativen Höhenflügen solide empirische Studien folgen zu lassen“. Spätestens seit Bacons Kritik an hochfliegenden Ideen („natura parendo vincitur“) ist das keine wissenschaftliche Vorgehensweise mehr. Erst die harte Arbeit an den Quellen, aus denen sich (eventuell) wissenschaftlich fundierte Ergebnisse herleiten (lassen können)… dann die ‚interpretativen Höhenflüge‘. „Nicht die Sichtung und Analyse von Fakten führt zu einem Ergebnis, sondern die eigene Position eines eingefleischten Antikommunisten muss mit Material unterfüttert werden“. (Flugblatt der Hochschulgruppe der MLPD Kreis Reutlingen-Tübingen). Überhaupt ist das Vorwort zu dieser Habilitation recht aufschlussreich. In ihm wird der subjektivistische Ansatz des Professors deutlich, er hat außer dem Antikommunismus keinen objektiven Gedanken, keine Idee, die ihn in seinen Forschungen leitet. Fundamentale Fragestellungen der Arbeiterbewegung werden nicht aufgeworfen, aber sein wirres Gerede von einer „stalinistischen Beuteökonomie“, als hätte Stalin bei der Erschließung des sowjetischen Territoriums Indianer ausrotten lassen, legt doch einen Umkehrschluss nahe: Der Kapitalismus ist für ihn das humanere und umweltgerechtere Produktionssystem. Zu dem subjektivistischen Ansatz gesellt sich dann im Haupttext ein idealistischer hinzu. Die Ursache für den Zusammenbruch der Sowjetunion sieht er in einem wankenden Wertekatalog. „Der über Jahrzehnte propagierte Wertekatalog der technikgläubigen Sowjetgesellschaft geriet zunehmend ins Wanken, so dass der sowjetische Parteistaat schließlich in den Jahren der Perestroijka im Strudel um sich greifender Krisen unterging“. (a.a.O.,47) Genau umgekehrt ist in den gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen vorzugehen, es muss untersucht werden, wie es denn zu diesem Wanken des Wertekataloges hat kommen können ? „Aufstieg und Niedergang des ersten sozialistischen Staats auf Erden lassen sich als Geschichte einer Liebesaffäre zwischen Technik und Macht schreiben“ (Seite 556). Glückliche Zeiten für die Gesellschaftswissenschaften ! Er gibt uns ein mechanistisch verkürztes Bild des Marxismus durch seine abstruse These, Marx und Engels seien „offensichtlich dem ‚technischen Eros‘ erlegen“. (a.a.O.,53). In einem im September 1843 geschriebenen Brief an Ruge teilt Marx diesem mit, dass eine Revolution zeigen werde, dass die Menschheit keine neue Arbeit beginnt, sondern ihre alte Arbeit mit Bewußtsein zustande bringt. (Marx an Ruge, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,346). Auch muss auf die Bedeutung der Subbotniks hingewiesen werden, die zeigen, dass nicht das technische Element ausschlaggebend ist, sondern dass Arbeiter und Arbeiterinnen freiwillig Arbeit auf kollektive Weise mit kommunistischem Bewußtsein ohne Geld verrichten. Dem ‚technischen Eros‘ erlegen ist vielmehr Gestwa selbst, wenn er auf Seite 76 behauptet, dass die Stalinschen Großbauten beweisen, dass die Technik die ökonomischen Ziele vielfach dominiere und koordiniere. Auch das ist reinster Idealismus, es ist eben der Grundirrtum der Idealisten, das Tun der Menschen aus ihrem Denken zu erklären statt aus ihren Bedürfnissen. (Vergleiche Friedrich Engels, Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,379). Als Professor der Gesellschaftswissenschaften, also als Kopfarbeiter, fällt man noch leichter in diesen Irrtum. Und in abstruse Ideen. Für Gestwa bedarf auf Seite 252 die moderne Technik „offensichtlich der Mythen. Der Technikkult steht darum für das Märchen- und Wahnhafte moderner Weltauslegungen, für ihr verzwicktes Gewebe von Täuschung und Selbsttäuschung“. Nach dieser Logik geraten wir in um so finstere Märchen, je höher die Produzenten die Technik entwickelt haben. Führt die Technik wirklich eine essentielle Substanz von Gegenaufklärung mit sich ? Ganz anders sieht es Friedrich Engels in einer Auseinandersetzung mit dem Agnostiker Kant: „Wenn wir die Richtigkeit unsrer Auffassung eines Naturvorgangs beweisen können, indem wir ihn selbst machen, ihn aus seinen Bedingungen erzeugen, ihn obendrein unsern Zwecken dienstbar werden lassen, so ist es mit dem Kantschen unfaßbaren „Ding an sich“ zu Ende. Die im pflanzlichen und tierischen Körper erzeugten chemischen Stoffe blieben solche „Dinge an sich“, bis die organische Chemie sie einen nach dem andern darzustellen anfing; damit wurde das „Ding an sich“ ein Ding für uns, wie zum Beispiel der Farbstoff des Krapps, das Alizarin, das wir nicht mehr auf dem Felde, in den Krappswurzeln wachsen lassen, sondern aus Kohlenteer weit wohlfeiler und einfacher herstellen“. (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,276). In seiner wissenschaftlichen Betätigung steigt der Mensch vom Nichtwissen zum Wissen auf und findet die erhellenden Gesetze der Naturprozesse und der gesellschaftlichen Entwicklung. Nicht der Technikkult steht für eine Gewebe von Betrug und Selbstbetrug, sondern die Politik. (Vergleiche Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin, 1960,9). Und auf diesem Gebiet unterläuft Gestwa ein weiterer Schnitzer. Ohne stutzig zu werden übernimmt er von Jurij Murasov auf Seite 380 die These, bei den Stalinschen Großbauten sei es sowohl zu einer Entgrenzung als auch zu einer ‚Familiarisierung des Politischen‘ gekommen. Oh ja, solche geschraubten, Eindruck auslösenden Wörter durchziehen das ganze Buch von Gestwa. Eindruck können diese jedoch nur auf unaufgeklärte Leser ausüben. Was ist denn unter dem Politischen zu verstehen ? Lenin wies uns darauf hin, dass in den modernen zivilisierten Ländern die Massen in Klassen aufgeteilt sind, diese Klassen politische Parteien hervorbringen, die „in der Regel von mehr oder minder stabilen Gruppen der autoritativsten , einflußreichsten, erfahrensten, auf die verantwortungsvollsten Posten gestellten Personen geleitet werden, die man Führer nennt. Das alles sind Binsenweisheiten. Das alles ist einfach und klar“. (Lenin, Der ‚Linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,582). Das alles ist so einfach und klar, dass ein aufmerksamer Leser bei der Formulierung „Familiarisierung des Politischen“ sofort stutzig werden musste. Was soll das sein ? Familiarisierung des Klassenkampfes ? „Antigone“, die Tragödie des Sophokles, wäre um ihre Aktualität gebracht. Es ist schon erstaunlich, wenn ein Professor meint, bei dem Thema „Die Stalinschen Großbauten des Kommunismus“ ohne tiefe Kenntnisse des Marxismus-Leninismus auskommen zu können und sein Buch mit Zitaten englischer und us-amerikanischer Provenienz überschüttet, als ob das letzte Wort der Gesellschaftswissenschaften gerade aus den bürgerlichen Universitäten der USA und Englands mit ihrer seichten „Stalinismus“forschung käme. Lenins These zum Beispiel, dass die kommunistische Zeitung ein Organisator des politischen und ökonomischen Lebens sein müsse, hatte er nicht, wie Gestwa auf Seite 259 behauptet, 1912 aufgestellt, sondern bereits im Mai 1901 in seiner kleinen Schrift „Womit beginnen ?“ (Siehe Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1960,11). Auch war die Sowjetunion nicht, wie Gestwa behauptet, der erste sozialistische Staat auf Erden. Warum nahm Lenin die Pariser Kommune als Vorbild für die Sowjetdemokratie ? Und weiter auf Seite 508: In den Augen der Stalinisten sei die Natur ein Klassenfeind gewesen ? ! Ich habe bisher noch kein so dickes Buch gelesen, das so wenig wissenschaftliche Substanz enthält. Heute kann man offensichtlich Professor werden dadurch, dass man sich immenses Wissen anliest, das dann so abspult, dass ein Buch herauskommt, in dem ein Zitat an eine Tatsachenbeschreibung geklebt wird … u.s.w. …und das über 577 Seiten und indem man die Dialektik von Revolution und Konterrevolution außer Acht lässt. Man kann die Geschichte Russlands und besonders die seit der Oktoberrevolution ohne diese Dialektik der Einheit und des Kampfes der Gegensätze gar nicht verstehen. Deshalb kritisiert Gestwa Kate Brown auch zu Unrecht, die in ihrer komparativen Studie aus dem Jahr 2001 „Gridded Lives: Why Kazakhstan and Montana Are Nearly the Same Place“ (American Historical Review, Nummer 106, 2001) gerade die Seite der Einheit der Gegensätze herausgearbeitet hat. Gestwa kreidet es Stalin und seiner Partei an, dass zu den Großprojekten auch Gulaghäftlinge herangezogen worden seien. Der Vorwurf hätte vielleicht (aber auch nur vielleicht, denn die Arbeit hat den Menschen geschaffen) etwas für sich, wenn in bürgerlichen Gesellschaften keine Arbeitspflicht für Strafgefangene bei Privatiers bestehen würde. Dem ist aber nicht so. Entscheidend ist, dass diese intellektuellen Barbaren den Völkern schlichtweg das Recht absprechen, Konterrevolutionäre zu bestrafen. Vergessen wir niemals den Satz Robespierres aus seiner Rede vom 5. Februar 1794 „Über die Prinzipien der politischen Moral“ : „Die Feinde des Volkes bestrafen ist Gnade; ihnen verzeihen Barbarei“.

Das Buch Gestwas ist ein Musterbeispiel, dass Quantität nicht zwangsläufig in Qualität umschlagen muss. Wir können uns durch dieses Buch nur durchquälen und müssen verwertbares Tatsachenmaterial von ideologischem Ballast separieren. Selbst wenn Gestwa einmal einen richtigen Gedanken äußert: „Das Sowjetsystem zeigte sich nach Stalins Tod merkwürdig lernunfähig“ (auf Seite 490), so erkennt er merkwürdigerweise in diesem Satz nicht, dass in ihm der Fall der Sowjetunion bereits angelegt ist. Wenn man nicht lernt, verwahrlost das Prinzip der Kritik und Selbstkritik, und das kann für eine Partei, die das Land allein regiert, tödlich sein. „Haben Sie schon Ruderer gesehen, die rechtschaffen im Schweiße ihres Angesichts rudern, aber nicht sehen, wohin die Strömung sie trägt ? Ich habe solche Ruderer auf dem Jenissei gesehen. Das sind rechtschaffene und unermüdliche Ruderer. Aber ihr Unglück besteht darin, daß sie weder sehen noch sehen wollen, daß sie von den Wellen an die Felsen geschleudert werden können, wo ihnen die Gefahr des Untergangs droht“. (Josef Stalin, Mängel der Parteiarbeit, Werke Band 10, russ.,334).

 

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2 Antworten to “BUCHBESPRECHUNG: Klaus Gestwa: Die Stalinschen Großbauten des Kommunismus”

  1. ali Says:

    Hallo,
    Ich nehme seit 14 Jahren Bzw. viel länger (22) Jahre (Obdachlosen) in Montagsdemo teil, die „ML“PD insgesamt, die letzte 13 Jahren organisatorisch entscheidenden Rolle, drin gespielt hat.
    „ML“PD von Anfang an (Anfang der 80 Jahren) war nicht voll herzige Leninistische Partei! Und hat sich nicht eindeutig vom Trotzkismus distanziert! Letztere Zeit langsam dieser Linie hat seine Höhepunkt mit dem Buch „Internationale Revolution“ erreicht und mit den „ICOR“ gekrönt.
    Am Mittwoch den 31.08.2015 war einer von Leuten den Gestwa Prf. Thüringen Uni in Köln, und hat Stalin und Sowjet als Faschist bezeichnet und von Moderatorin auch mit den Zitat bestätigt worden und Zwar von das Buch „Katastrophenalarm“ dass, von einer Gruppe der unter Name „Stephan Engel“ erschienen ist.
    Sie haben mit aller Möglichkeiten meine Aufklärung nicht am freien Mikrofon aussprechen lassen! Nämlich: „Atombomben Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und Bedrohung der Sowjet Union mit den Unmittelbaren Korea Krieg und andere Kriege, der für Superprofit war und ist, da gestanden und die Arbeiterklasse war verpflichtet Abwehrkräfte aus dem Boden aus stampfen!!
    Waffen der USA und Westen war für Profit und beim Arbeiterklasse gab es keine Profit sondern NACKTE ÜBERLEBEN, auf Verbrannte Erde und neuen Atomkrieg!
    Genau so wie meine Protest gegen eine Sage (alleine „knapp die Hälfte Wähler“ dh. 43,9%(Wiki) Wahlberechtigte haben „Ernst Thellman“ und SPD gewählt. UNVERSCHÄMT!!

    Die Frühling der Arbeiterklasse und die ist am KOMMEN! Und von uns Kommunisten ist Willkommen. Ich hoffe auf einer RASCHE EINIEGUNG ALLER KOMUNISTEN für übernahmen der Macht des kleines Mannes und die Rettung der allen Menschheit inkl. Kapitalisten Untertanen!
    ali

  2. ali Says:

    Pardon ein Fehler. beim kopieren passiert:
    „Genau so wie meine Protest gegen eine Sage (alleine „knapp die Hälfte Wähler“ dh. 43,9% Wahlberechtigte haben „Ernst Thellman“ und SPD gewählt.“
    muss so sein :
    „Genau so wie meine Protest gegen eine Sage <(alleine „knapp die Hälfte Wähler“ dh. 43,9% Wahlberechtigte haben „Ernst Thellman“ und SPD gewählt."
    Alleine Kommunisten haben etwa 12 Millionen Stimme gehabt!

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