Der Marxismus in der Zeit

Das Experiment der Khmer Rouge in Kambodscha war bislang einzigartig und gilt in der Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung als völlig abwegig. Es wurde der Versuch unternommen,  sofort ohne Wertkategorien, also auch ohne Geld, durch eine abstrakte Negation jeder individuellen Wirtschaftsaktivität zu einer einzigen Bauernkommune bei Auflösung der urbanen Zentren zu gelangen. Das Geld kann nicht sofort abgeschafft werden, aber es muss bei der Höherentwicklung des Sozialismus immer mehr zur technischen Recheneinheit, zum Plangeld werden. Das Volk der Kambodschaner musste das wahnwitzige Experiment am teuersten bezahlen. Es zahlte mehr als die Russen, die Kubaner, die Ostdeutschen. Jede/r fünfte Bewohner/in Kambodschas fiel der Schreckensherrschaft zum Opfer.

Das Spezifische in der Ideologie der Khmer Rouge ist in der Obsession zu sehen, die vom jugendfrischen Marxismus ausgeht, der sich ganz der Hektik der wirtschaftlichen Entwicklung überlässt. Ein beredtes Zeugnis dafür findet sich in der um die Jahreswende 1843/44 geschriebenen „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung“, dort sehnt Marx den Augenblick herbei, in dem der Blitz des Gedankens gründlich in den naiven deutschen Volksboden einschlagen wird, durch den der Deutsche erst Mensch wird. Das „Manifest“ gehört m. E. noch ganz in diese Periode, die deutsche bürgerliche Revolution sei nur das unmittelbare Vorspiel einer proletarischen.  Nicht schnell genug konnte es gehen. Nach der 48er Revolution und nach seinem Besuch der ersten Weltausstellung der Industrie in London 1851 („The Great Exhibition“ vom 1. Mai bis 11. Oktober) erkannte Marx, dass die kapitalistischen Produktivkräfte sich enorm entwickeln und eine Phase wirtschaftlicher Prosperität bevorstehe. Jetzt trat er gegen die revolutionäre Ungeduld auf, was eine Konfrontationsstellung gegen den Blanquismus, den Anarchismus und anderen Spielarten des kleinbürgerlichen Revoluzzertums nach sich ziehen musste. Die revolutionäre Ungeduld der anarchistischen Akteure rührt her aus ihrer krassen Individualität, die Revolution noch zu ihren Lebzeiten erleben zu müssen. Es waren die Anarchisten, die in der Pariser Julirevolution 1830 auf die Kirchturmuhren schossen.  Marx betonte nun dagegen den Gedanken des notwendigen Reifungsprozesses der Produktivkräfte gegen die Hektik der industriellen Revolution und ihrer Wirbelstürme, was seine Theorie in wissenschaftlicher Hinsicht schwergewichtiger machte und schwerfälliger für kleinbürgerliche Intellektuelle. Allerdings wurde die für Marx vor 1848 feststehende welthistorische Mission des Proletariats durch den Reifegedanken in keiner Weise variiert, sondern bildete mit ihm zusammen fortan einen nicht leicht zu lösenden Knoten in seiner Theorie. Wir können in der marxistischen Theorie der Weltrevolution eine Entwicklung verfolgen, die durch die Vertiefung ökonomischer Studien in die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise und in die der kapitalistischen Akkumulation zu einer Tendenz führte, den Reifegedanken belastend auf den genuin anarchistischen Impuls der Revolutionstheorie zu legen. Dieser kommt am deutlichsten im Feuerbachkapitel der „Deutschen Ideologie“ zum Vorschein, dass die proletarische Revolution sich global auf einmal ereigne. In den „Grundsätzen des Kommunismus“ von 1847 reduziert Engels diesen Rahmen auf die vier fortgeschrittensten Länder des Globus (England, USA, Frankreich, Deutschland). Im „Kapital“ ist nur noch England das Musterland der Revolution, das für Trotzki das konservativste Land der Welt war. Lenin kam auf Grund seiner Imperialismusanalyse zu der Einsicht, eine Revolution könne sich auch nur in einem Land als sozialistische behaupten, er sah das sogar als den typischen Fall an. Darauf fußte Stalin, der unter Verkennung dieser leninistischen Wurzel von Trotzki auf einer Politbürositzung des ZK der KPdSU (B) 1926 als Totengräber der Weltrevolution denunziert wurde. Aber nicht nur Marx, auch Engels musste einen kühnen Gedanken seiner Jugend im Alter stutzen, wenn nicht gar zurücknehmen. In den Grundsätzen des Kommunismus, die er noch vor dem Manifest verfasst hatte, rief er begeistert aus, dass es der großen Industrie zu verdanken sei, die industrielle Produktion in kurzer Zeit und mit wenigen Kosten ins unendliche zu vermehren. Seine Gedanken blühten auf angesichts der Perspektive einer Gesellschaft, die endlich im Überfluss leben wird und das Horrorgemälde des Pfaffen Malthus, dass eine rapide Bevölkerungsexplosion zu einer immensen Hungersnot führe, als alten Schinken von der Wand nimmt. 1880, Marx sollte noch drei Jahre leben, erschien in Wien ein Buch von Karl Kautsky mit dem Titel: „Einfluß der Volksvermehrung auf den Fortschritt der Geschichte“, in dem er darlegte, dass auch eine sozialistische Regierung sich eines Tages die Frage der Bevölkerungsregulierung zu stellen habe. Und wie reagierte Engels ? Nach seinem Jugendtraum musste er Kautsky als einen sozialistischen Denker hinstellen, der auf den Gedankenspuren von Malthus wandele, aber in einem Brief vom ersten Februar 1881 schrieb er an Kautsky, dass jetzt die abstrakte Möglichkeit vorhanden sei, dass der Menschenvermehrung Schranken zu setzen sind. 1888 wies Engels in seiner Rezension von Starckes Buch über Ludwig Feuerbach auf den Stand der Naturwissenschaft hin, nach dem der Bewohnbarkeit der Erde ein ziemlich sicheres Ende vorausgesagt wird. Der Marxismus ist ganz offensichtlich keine Dogmensammlung, die man auswendig lernen kann, keine Sammlung von Zitaten, die man verinnerlichen sollte, um in einen Zitatenkrieg zu ziehen. Der Marxismus fließt, er fließt in Widersprüchen, wie das Leben der Menschen und ihre Geschichte in Widersprüchen dahinfließt. Der rote Faden des Marxismus ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Um den vielleicht krassesten Purzelbaum vorzuführen: War es für Marx und Engels im Manifest in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgemacht, dass die die proletarische Diktatur die der proletarischen Mehrheit über nichtproletarischen Minderheiten ist, so brach im 20. Jahrhundert die proletarische Revolution nach einem sehr kurzen Vorspiel einer bürgerlichen und einer Doppelherrschaft in einem Land aus, in dem das Proletariat eine Minderheit war. Die These Lenin-Stalins, dass sich mit der Entwicklung des Sozialismus der Klassenkampf verschärfe, ist in Russland nach 1917 entwickelt worden.

Mit Ernüchterung muss heute konstatiert werden, dass die beiden genuinen Revolutionen in Europa, die bürgerlich-französische, die den Kapitalismus, und die proletarisch-russische, die den Sozialismus durchzusetzen hatte, unter dem vereinsamten und blassen Stern der Singularität und nicht unter dem funkelnden Sternenhimmel der Weltrevolution das Licht der Welt erblickten. Wir verdanken Wolfgang Harich den Hinweis, dass Christian Otto, der beste Freund des Dichters Jean Paul,  1793 der Illusion anhing, dass die französische Revolution über ganz Europa überschwappen werde. Im politischen Raum des ehemaligen Warschauer Paktes hatte es nur in Russland eine proletarische Revolution gegeben, die zudem nicht ohne weiteres als genuin zu bezeichnen war. Das ergab einen schwammigen Boden, den die Propaganda zu stabilisieren hatte, zumal außer der DDR und der CSSR die anderen Länder überwiegend Agrarländer waren, auch die „abtrünnigen“ Systeme in Jugoslawien und Albanien fielen. Beide Fundamentalrevolutionen führten nicht zu einer erfolgreichen Kettenreaktion, die Mainzer Republik und der Negeraufstand auf Tahiti können als marginal ebenso vernachlässigt werden, wie die rätekommunistischen Umsturzversuche in Ungarn und in Bayern. Beide großen Revolutionen verdanken ihre Expansion militärisch geschlossenen Formationen, die ihr Bajonett in den Himmel Europas ragen ließen. „Niemand liebt bewaffnete Missionare“ hatte Robespierre den kriegstreiberischen Girondisten zugerufen. Das Ausbleiben von Kettenreaktionen gab natürlich sofort sowohl inländischen als auch ausländischen restaurativen Bestrebungen ein günstiges Terrain und erhob die Frage der militärischen Organisation gegen das feudale bzw. bürgerliche Ausland zu einer erheblichen, wofür die Namen Napoleon und Stalin stehen, die insofern für den Thermidor repräsentativ sind, als die Organisationen, denen sie vorstehen, mehr und mehr Militärdiktaturen gleichen (müssen ?) denn anti-repressiven Volksinitiativen. Der Krieg erfordert eiserne Disziplin und Zentralismus, er kann keine Demokratie in Reinkultur zulassen. Hätte Stalin nach dem siegreichen Ende des zweiten Weltkrieges gut daran getan, seinen militärischen Rang eines Generalissimus abzulegen und wieder nur ein einfacher Soldat Lenins zu sein ?

Hölderlin verzweifelte am napoleonischen Thermidor, während das hegelsche Denken im Spannungsfeld zwischen destruktiv-negativer Methode (das menschliche Wissen schlägt rapide vom Nichtwissen zum Wissen um, das zugleich wieder als unzulänglich überführt wird) und (auf)bewahrendem System (eine feste Organisation des gesamten menschlichen Wissens) das Kernproblem der Revolution widerspiegelte und eine Lösung fand, die mit den napoleonischen Wölfen heulte. Der alte Hegel sprach selbst die bitteren Worte aus, dass die Träume der Jugend an der harten Klippe der Wirklichkeit zerschellen. Viele Intellektuelle werden sich zu den Stalinschen Säuberungen ähnlich positionieren. Auch Lenin machte nach der Oktoberrevolution einen ‚phänomenologischen‘ Weg der Verzweiflung durch und beklagte sich lautstark über den Bürokratismus der Apparate, der die militärisch von Trotzki aufgerissene „Wunde Kronstadt“ um so schmerzhafter werden ließ, je mehr er anwuchs. Auch die KPdSU mit einem Trotzki an der Spitze hätte einer Militarisierung der Gesellschaft nicht gegengesteuert, wenn sie sich auch vielleicht in einer milderen Form eingefunden hätte. Bekanntlich warnte Lenin als Revolutionsführer vor der Grobheit Stalins. Aber zu Lebzeiten Lenins war die Sache noch ambivalent. Seine Forderung, Stalin als Generalsekretär abzulösen, er war es ab 1922, lief ins Leere, was anzeigte, dass  Lenin kein allmächtiger Diktator war, und es wohl auch nicht sein wollte, ja nach seinem ideologischen Konzept auch gar nicht sein durfte. Erst später lag im Aussprechen einer Forderung des Generalsekretärs sofort deren Exekution. Das aber ist kennzeichnend für eine Diktatur in Reinkultur. Und doch weinten Millionen Menschen, als sie die Meldung vom Tode Stalins erhielten. Die Sowjetunion war ein fester monolithischer Block, der den Menschen bescheidene Geborgenheit gab. Er stand im Zenit, an dem sein Umschlag in Auflösung erfolgte. Am Ende dieses Auflösungsprozesses stand Gorbatschow, der überhaupt keine Organisationen mehr aufbaute, sondern eine nach der anderen auflösen musste.

Die Schwerfälligkeit des sowjetrussischen Systems veranlasste Mao, nach einer anderen Lösung zu suchen. Dessen ‚Großer Sprung nach vorn‘ im Jahr 1958, die chinesische Kulturrevolution und das Regiment Pol Pots waren Versuche, das Schwerfällige des reifen Marxismus, man möchte sagen: blitzartig abzuwerfen, das wie ein Alp auf dem Gehirn des überreif gewordenen Sozialismus Moskauer Prägung lag. Dieser war der Sozialismus der alten Männer, die das Pathos der Weltrevolution durch die Parole vom Übergang des Kapitalismus zum Sozialismus im Weltmaßstab ersetzt hatten.  Anders als Japan nach der Meiji-Restauration 1868 hatte sich China westlichen Ideen und einer nach ihnen ausgerichteten technischen Modernisierung verschlossen. War das zunächst ein Vorteil für den japanischen Imperialismus, so zeigte der Sieg der maoistisch indoktrinierten Bauernmilizen über die japanischen Eindringlinge eine souveräne Kraft an, sich weder an Moskau anzulehnen, noch nach dem letzten Schrei der westeuropäischen und US-amerikanischen Technik zu lechzen. Die Kampagne gegen die Musik Beethovens als Reflex der bürgerlichen französischen Revolution sollte China vom westlichen Einfluss erneut abschirmen. Pol Pot (Saloth Sar) hingegen warf mit dem Gedanken eines notwendigen Reifungsprozesses der Produktivkräfte in der Hektik der industriellen Revolution diese zugleich weg. Seine nur drei Jahre währende Herrschaft zeigte an, dass man einen der kardinalsten Widersprüche der letzten beiden Jahrhunderte, die unterschwellig langsam heranreifende proletarische Revolution und die Rasanz der technischen Entwicklung, das mühevolle Sammeln revolutionärer Kräfte im Untergrund und die Hektik an den Wertpapierbörsen bei Tageslicht, die die Gefahr von Trugschlüssen in sich birgt, nicht einfach beiseite werfen kann. Wie sich die Schüler Hegels durch den in seinem revolutionär-restaurativen Denken immanenten Widerspruch zwischen Methode und System in linke und rechte spalteten, so die Schüler von Marx durch den in seinem revolutionswissenschaftlichen Denken angelegten „Widerspruch“ zwischen dem Blitzartigen der Revolution und dem langsam-qualvollen Reifeprozess bis zu dieser in linke und rechte Kommunisten. Verweist dieser letztere auf den blitzartigen Umschlag von Quantität in Qualität, der deshalb auch in Anführungszeichen zu setzen ist, da er kein wirklicher Widerspruch ist, so können linke Ungeduldige doch zu Recht auf den Sachverhalt verweisen, dass es in Westeuropa seit 1789 keinen alles durchdringenden Revolutionsblitz mehr gegeben habe, mit anderen Worten: 225 Jahre historische Quantität ohne Umschlag in Qualität, ohne Faszination des Blitzartigen, das in der Explosion einer anarchistischen Bombe liegt. Wie oft ist dem Bestehenden seine eigene Melodie vorgespielt worden, ohne dass es zu tanzen anfing, wie oft ist die Internationale gesungen worden, ohne einen Widerhall von den Massen zu empfangen ? Erschwerend zu der Abstinenz an revolutionären Aktionen kam ja noch hinzu, dass Marx‘ ens Blitz, der die Deutschen zu Menschen transformieren sollte, niemals in den naiven Volksboden eingeschlagen war, dass aber aus diesem Boden Elemente hochkamen, die das Symbol des Blitzes in Gestalt eines Doppel-S (SS) als Rune auf dem Ärmel oder auf dem schwarz lackierten Stahlhelm trugen. Diese Sachverhalte lasten wie ein Alp auf dem Gehirn der Marxisten, den Totengräbern der bürgerlichen Gesellschaft.

Der Urkommunismus als unmittelbarer war keiner, der Kommunismus bedarf weltgeschichtlicher Vermittlung, eines Hineinstürzens in die Weltgeschichte. Damit war er der reißenden Zeit überantwortet, die durch die industrielle Revolution auf den Begriff gebracht worden war. Sie musste die Lösung in sich entwickeln durch die ihr innewohnenden dialektischen Grundgesetze. Die Zeit ist die Wunde, die durch ihre Negation der Negation geheilt werden kann. War im 19. Jahrhundert der Ausbruch der Pariser Kommune 23 Jahre nach dem Erscheinen des Kommunistischen Manifestes noch in einem nicht beunruhigenden Zeitrahmen, so ist im 20. Jahrhundert durch das Ausrutschen der proletarischen Revolution gen Osten an die industrielle Peripherie, mehr noch durch das Ausbleiben ihr folgender Revolutionen in den industriellen Schwerpunkten Westeuropas, vollends durch das Absterben der Oktoberrevolution, durch die der Staat absterben sollte, die Zeit für die Marxisten Westeuropas zu einer davonrasenden, eventuell nicht mehr einzuholenden geworden. Der Druck wurde gemildert durch vielversprechende Befreiungsbewegungen auf der südlichen Halbkugel und im Fernen Osten. Am 1. Oktober 1949 proklamierte Mao Tse Tung die Volksrepublik China. Der Druck wäre zu mildern durch den Hinweis, dass die bürgerliche und die proletarische Revolution epochale Ereignisse sind und dass zu ihnen in Epochen gedacht werden muss. Dies ist jetzt auszuhalten. Vielleicht war nur in Russland 1917 durch eigenartige, wenn nicht einzigartige Umstände (ein fundamentaler Unterschied) eine Konstellation entstanden, in der tatsächlich Quantität in Qualität umschlug. Dieses Umschlagen war wohl die tiefere Veranlassung für Lenin, der Oktoberrevolution auf Grund einer objektiv gültigen Dialektik, der auch sie unterlag, weltgeschichtliche Vorbildbedeutung zuzusprechen, um sie aus dem Charakter der Einzigartigkeit zu entkleiden, auf den die westeuropäischen Sozialdemokraten unter Ausblendung der kommunistischen Perspektive sie einzwängen wollten. Sie plädierten, wenn überhaupt, dafür, dass die Feuerbachthesen noch immer einen historisch höheren Rang zu beanspruchen hätten als die Aprilthesen. Ihre praktische Politik ließ darauf schließen, dass beide Thesenkomplexe von ihnen, wenn überhaupt, nur mangelhaft verarbeitet worden waren. Vorbildlich an der russischen Entwicklung der proletarischen Revolution war vor allem der Zeitfaktor. Wenn man berücksichtigt, dass es die Strömung des Bolschewismus erst seit 1903 gab, so benötigten die Leninisten 14 Jahre, bis ihr Weg zur Macht endete, eine atemberaubend kurze Zeit, in weltgeschichtlicher Hinsicht fast ein Nichts, in dem doch der erste Weltkrieg lag. Die Kommunistische Partei Chinas wurde am 1. Juli 1921 gegründet und am 1. Oktober 1949 rief Mao die Volksrepublik aus, kurz: Mao brauchte doppelt so lange wie Lenin.

Den Nachweis, dass die Geschichte, Abbild des sich fortsetzenden wechselseitigen Handelns der Individuen, nicht irre verläuft, hatte philosophiegeschichtlich bereits die bürgerliche Aufklärung zu vollbringen, wollte sie mit ihrem Vorhaben geschichtlichen Fortschritts nicht sich selbst widerlegen, da ja das Irre auf ihre Urheber schließen ließe. Nachhaltiger als die utopischen Kommunisten der französischen Aufklärung, deren Wirken auf Frankreich begrenzt und deren Werke kaum Übersetzer fand, hat Rousseau mit seinem zweiten Diskurs auf das Denken der Epoche mit der These, dass das Privateigentum der Pfahl im Fleische der Geschichte sei, gewirkt. Obwohl die klassische deutsche Philosophie den sozialen Widerspruch der bürgerlichen Gesellschaft zwischen Armen und Reichen keineswegs ignorierte, hat sie doch eine abstrakte, der Weltgeschichte innewohnende Vernunft konstruiert, die sich ohne Lösung sozialer Widersprüche behaupte. Ganz krass bei Hegel: Die Philosophie sei „ein abgesondertes Heiligtum und ihre Diener bilden einen isolierten Priesterstand, der mit der Welt nicht zusammengehen darf und das Besitztum der Wahrheit zu hüten hat. Wie sich die zeitliche, empirische Gegenwart aus ihrem Zwiespalt herausfinde, wie sie sich gestalte, ist ihr zu überlassen und nicht die unmittelbar praktische Sache und Angelegenheit der Philosophie“. (Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, Zeiter Band, Jubiläumsausgabe in zwanzig Bänden von Hermann Glockner, Band 16, Stuttgart Bad Canstatt, Friedrich Fromann Verlag, 1965,356).  Was auf den ersten Blick als Schwäche aussah, lediglich eine Theorie der Emanzipation geliefert zu haben, erwies sich bei näherer Betrachtung als Vorteil. Tiefer als die französische Aufklärung hatte Hegel das dialektische Denken entwickelt und einen enormen Fortschritt vorerst nur in der Geschichte der Philosophie gebracht. Marx begriff sein theoretisches Werk als das Praktischwerden der Philosophie, als ihre Aufhebung im historischen Materialismus. Endlich hat dieser in einer Sprengung der Geschichte der Philosophie die Verurteilung des Privateigentums und die intellektuelle Hochschätzung der Dialektik kritisch aufnehmend, den Anfang und das Ende der Klassenkampfgeschichte als historische Notwendigkeiten expliziert. Dass die Klassenkampfgeschichte historisch notwendig war, kann allein an ihrem Anfang nicht, erst an ihrem Ende erwiesen werden.

 

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