Die Geier des Westens Zur Einverleibung der DDR

Marx hatte im Kapital-Kapitel „Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis“ am Beispiel eines Tisches entwickelt, dass er als Gebrauchsgegenstand ein ordinäres Ding, als Ware aber ein sinnlich übersinnliches Ding sei. Er stelle sich dann allen anderen Waren gegenüber auf den Kopf und entwickle aus einem Holzkopf Grillen, viel wunderlicher, „als wenn er aus freien Stücken zu tanzen begänne“. 108. Am 7. Dezember 1989 trat im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Berlin-Mitte zum ersten Mal ein ‚Runder Tisch‘ zusammen, das war bereits so ein Tisch, an dem Personen Platz nahmen mit Grillen im Kopf, viel wunderlicher, als wenn sie aus freien Stücken zu tanzen begännen. Platt gemacht war die DDR unwiderruflich am 1. Juli 1990, als die DM die einzige Währung in Deutschland wurde. Im Hochgefühl eines chauvinistischen Taumels ging unter, dass am 12. September 1990 Deutschland in Versailler Tradition durch internationales Diktat seine Truppe von 500 000 Mann auf 365 000 zu reduzieren hatte. Katzenbuckelte man außenpolitisch, so gab das Treuhandgesetz nach innen die Handhabe zu einer schamlosen und ekelerregenden Enteignung des deutschen Volkes, die in seiner Geschichte ihresgleichen sucht. Die Geier des Westens, neben der russischen Perestroikamafia allerdings Spatzen, haben heute keine Recht mehr, mit dem Finger auf die sogar verständlichen Reparationsforderungen der Russen nach dem zweiten Weltkrieg zu zeigen. Über die Perestroikamafia schreibt Hans Kalt: „Es hat in der Wirtschaftsgeschichte noch keine Enteignungsaktion gegen so viele, von solchem Umfang und so eindeutig zugunsten einer offenkundig kriminellen Minderheit gegeben“. (Hans Kalt, Stalins langer Schatten, Das Scheitern des sowjetischen Modells, papyrossa Verlag, Köln, 1994,210). Wie bunt und pluralistisch war doch die deutsche Republik nach dem Sturz des SED-Monoliths geworden, und während die Regenbogenfahne des ‚Prinzips Hoffnung‘ hochgezogen wurde, schlug die Reaktion aus dem Hinterhalt eiskalt zu. Sie hatte ja von jeher ‚gut lachen‘ in einem Land der Dichter und Denker – und Träumer. Was ist aus den Träumen von 1989 geworden ? Nun – der Russe kam nicht mehr, der Russe war gegangen, die Rote Armee, die NVA waren weg. „Der Russe“ war nicht mehr in fünfzehn Minuten auf dem Kurfürstendamm. Diese Tatsachen hätten zum sofortigen Abbau der reinen Verteidigungsarmee ‚Bundeswehr‘ führen müssen ! Träume ich ? Ja, aber meine Träume zerplatzen rasch … als erster fiel am 14. Oktober 1993 der Feldwebel Alexander Arndt durch einen Angriff auf offener Straße in Phnom Penh, bei einem Angriff in Georgien der 23jährige Stabsunteroffizier Jens Klünder, in Rajlovac bei Sarajewo fiel die 21jährige Unteroffizierin Corinna Dietrich … u.s.w. … Die Namen der Soldaten, die bei Einsätzen von Spezialkräften fielen, unterliegen der Geheimhaltung. Wir dürfen noch nicht einmal die Zahl der Gefallenen erfahren. Während der Erosion der Sowjetunion bot sich nach der Stalin-Note von 1952 eine zweite Chance wiederum für einen christdemokratischen Bundeskanzler, ein neutrales Deutschland zu bewirken. Auch diese Chance wurde bewusst vertan und der Kniefall vor einem amerikanischen Präsidenten wiederholt. Der sowjetrussischen Führung wurde nur mündlich zugesichert, dass die NATO keinen Zentimeter nach Osten gehen werde. Der naive Gorbatschow glaubte das. Die Rote Armee zog sich aus Deutschland zurück und die NATO folgte ihr. Nicht sofort, das wäre zu auffällig gewesen, aber nach und nach. Heute finden NATO-Wehrübungen auf dem Territorium der Ukraine gegen die Atommacht Russland statt. Dass die NATO ihre schnelle Eingreiftruppe im ukrainischen Bürgerkrieg trainiert, ist eine neue Dimension im neuen kalten Krieg, die es in dieser Dreistigkeit im alten nicht gegeben hat. Heute ist die BRD der drittgrößte Waffenexporteur der Welt und allein schon die Rüstungsmafia, die ständig die Ausfuhrbeschränkungen des Grundgesetzes unterlaufen darf, stellt ein immenses Hindernis für die Emanzipation der Völker dar, denn seit ihrem Bestehen hat die BRD weltweit Waffen fast ausschließlich in die Hände von Konterrevolutionären gelegt, was der Rüstungsmafia wurscht sein dürfte. Wie hatten die Pfaffen in der DDR ihre Hände zu Friedensgebeten gefaltet, nach dem Zusammenbruch der DDR bleiben sie heute steif beim tragischen Schicksal junger Menschen, die ihr Leben für die Interessen volksfeindlichen Ausbeuterabschaums gelassen haben, der sich hinter den Begriffen Demokratie und Republik versteckt. Gauck wirbt offen für Auslandseinsätze der Bundeswehr und ordnet diese klösterliche Zwergmissgeburt als „Teil unseres Demokratiewunders“ ein. Es wäre auch nicht mit rechten Dingen, es wäre auch nicht mit rechten Menschen zugegangen, wenn in Himmerod keine kriminelle Energie vorgelegen hätte. Mit der Einverleibung der DDR hatten die deutschen Kapitalisten ihr Gesellenstück abgeliefert, sie durften jetzt an den Eroberungskriegen zur Neugestaltung der Weltordnung teilnehmen.

Obwohl Lenin die Bemerkungen von Marx und Engels über das konterrevolutionär verseuchte Deutschland kannte, obwohl er Zeitzeuge des Kapp-Putsches war, vom Marsch Mussolinis im Oktober 1922 auf Rom gehört hatte, einen zweiten Weltkrieg in Europa für nicht ausgeschlossen hielt, konnte er die spezifische deutsche Variante bürgerlicher Reaktion, den deutschen Faschismus, noch nicht erahnen. Aber seine Ahnung, dass man unbedingt Deutschland gewinnen müsse, dass das konterrevolutionär verseuchte Deutschland unbedingt eine rote Farbe annehmen müsse, wurde durch die weitere historische Entwicklung auf tragische Art als in sich stimmig erwiesen. In diesem Kontext ist das Telegramm Stalins zu lesen, dass er aus Anlass der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 nach Ost-Berlin schickte: Die Bildung der Deutschen Demokratischen friedliebenden Republik ist ein Wendepunkt in der Geschichte Europas. Eine DDR neben der friedliebenden Sowjetunion schließe die Möglichkeit neuer Kriege in Europa aus. Dass das Adjektiv ‚friedliebend‘ gleich zweimal, einmal sogar an einer ungewöhnlichen Stelle, verwendet wurde, verdeutlicht den historischen Hintergrund: der zweite Weltkrieg. Durch die DDR wenigstens hatte Deutschland seinen Charakter völlig umgekehrt: von einem Hort des Krieges zu einem Hort des Friedens. Der Krieg in Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als kalter bestätigte diese Voraussicht Stalins. Mit dem Wegbrechen der Sowjetunion, mit dem der DDR ist der Krieg aus seinem Erholungsschlaf wieder erwacht.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: