Archive for März 2016

Die Kernmotive der Oktoberrevolution: Frieden, Brot und Freiheit (Anarchie)

30. März 2016

Im Prozess der Oktoberrevolution, der ein Prozess des Hinüberwachsens der bürgerlichen Februarrevolution in eine proletarische war und die die Völker des Ostens in die Weltgeschichte hineingerissen hatte, bildeten sich drei Kernfragen heraus, auf die Antworten gefunden werden mussten. Brot ! Frieden ! Freiheit ! Mit diesen drei Schlagworten endet Stalins Aufruf an alle Werktätigen, an alle Arbeiter und Soldaten Petrograds vom 17. Juni 1917. (Vergleiche Josef Stalin, Aufruf an alle Werktätigen, an alle Arbeiter und Soldaten Petrograds, Werke Band 3, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,92). Obwohl eine marxistische Analyse einer Revolution nach dem Lehrbuch genuin die Frage nach der Stellung dieser zum Privateigentum an den Produktionsmitteln zu stellen hat, möchte ich doch mit der Frage des Friedens beginnen, denn die Oktoberrevolution war unmittelbar an den ersten Weltkrieg gebunden und dessen Beendigung war für Millionen und Abermillionen Menschen zur Schicksalsfrage schlechthin geworden. Stalin sprach von einem Blutrausch, aus dem die Bourgeoisie Millionenprofite herausschlägt (Vergleiche Josef Stalin, Zwei Resolutionen, Werke Band 3, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,29) und davon, dass die Frage des Krieges die Kardinalfrage sei, „um die sich alle anderen Fragen des innen- und außenpolitischen Lebens des Landes drehen“ (Josef Stalin, Reden auf der außerordentlichen Konferenz der Petrograder Organisation, Werke Band 3, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,109). So auch Lenin: „Die Frage des Friedens ist die aktuellste, die alle bewegende Frage der Gegenwart“. (Lenin, Zweiter Gesamtrussischer Kongress der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, Rede über den Frieden, Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin, 1960,239). 

In der Friedensfrage hatte die singulär gebliebene Oktoberrevolution das Tor zu einer neuen weltgeschichtliche Epoche aufgestoßen: In Russland hatte sich zum ersten Mal in der Weltgeschichte die grosse Masse der einfachen Soldaten und Matrosen gegen einen imperialistischen Krieg erhoben und zum ersten Mal in der Weltgeschichte das Gewehr umgedreht, ihre Offiziere ausgeschaltet  und das Gewehr  auf die imperialistischen Kriegsbrandstifter und Völkermörder gerichtet. Die Oktoberrevolution hatte den Schleier des Geheimnisses von der Außenpolitik gerissen. Die Partei der Bolschewiki hatte die Geheimverträge der Imperialisten der Weltöffentlichkeit unterbreitet und allen Völkern den FRIEDEN vorgeschlagen. „Die erste bolschewistische Revolution hat die ersten Hundert Millionen Menschen auf der Erde dem imperialistischen Krieg, der imperialistischen Welt entrissen“. (Lenin, Zum vierten Jahrestag der Oktoberrevolution, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag, Moskau, 1975,713).

Marx hatte wissenschaftlich geklärt, wie die Arbeit der Vielen über die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft in den Reichtum der Wenigen mündet. Es versteht sich von selbst, dass der Wohlstand des Volkes nur im Frieden gedeihen kann. Mit der Vergesellschaftung des Privateigentums an den Produktionsmitteln zunächst nur in der Industrie hatten die Bolschewiki den Grundstein zum Aufbau des Sozialismus / Kommunismus gelegt. Damit gingen sie über die Pariser Communarden hinaus, die 1871 lediglich leerstehende Fabriken beschlagnahmt und diese ‚Arbeitergenossenschaften‘ unter dem Vorbehalt von Entschädigungen übergeben hatten. Marx sah in der Rätedemokratie der ‚Pariser Commune‘ die endlich entdeckte politische Form, unter der allein  die ökonomische Emanzipation der Arbeit sich vollziehen und aus einer Last zu einer Lust umschlagen könne.

Wie schon in der bürgerlichen russischen Revolution von 1905 kam es auch im Februar 1917 aus der Entwicklung der Klassenkämpfe heraus zur Bildung von Sowjets, die nach Lenin „Vorboten des Absterbens jedes Staates“ (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1960,72) darstellten.  An die Entwicklung der Sowjets war der Prozess gebunden, den Engels als das ‚Einschlafen der Demokratie‘ bezeichnet hatte. Ist in politischer Hinsicht der Akzent auf die Diktatur des Proletariats zu legen, so in theoretischer auf die Anarchie, in die diese Diktatur untergeht. Die Sonderrolle der Arbeiterklasse in der kapitalistischen Gesellschaft kam in der sozialistischen dadurch zum Ausdruck, dass sich ihre Diktatur unmittelbar auf die Gewalt, auf die bewaffneten Massen stützte und an keinerlei Gesetz gebunden war. „Die Diktatur wird durch das in den Sowjets organisierte Proletariat verwirklicht, dessen Führer die Kommunistische Partei der Bolschewiki ist … Keine einzige wichtige politische oder organisatorische Frage wird in unserer Republik von irgendeiner staatlichen Institution ohne Direktive des Zentralkomitees unserer Partei entschieden“, (Lenin, Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1960,32). Damit war das politische Lebenswerk Lenins vollendet.

Das sozialitische Kuba geht seinem Abgrund entgegen oder Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik

29. März 2016

Der Marxismus lehrt uns, dass man die Quelle der Erfolge und der Tragödien in der Geschichte in der Ökonomie zu suchen habe, aber auch Elemente des Überbaus können befördernd auf postive oder negative historische Entwicklungen einwirken. Neben der Religion generell ist auch die Musik generell eine Art geistiger Fusel, mit dem der Lohnsklave sein Sklavendasein heute betäuben soll. Allein auch die Musik wird zur materiellen konterrevolutionären Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Vergegenwärtigen wir uns, was Lenin zur Musik gedacht hatte: Lenin hielt die Musik stets auf Distanz, sie wirke auf die Nerven und beeinträchtige die revolutionäre Wachsamkeit. Für ihn besaß die proletarische Revolution, die tiefste Revolution in der Weltgeschichte,  einen zu hohen Schwierigkeitsgrad, um von ihr Entspannung im Irrationalen suchen zu dürfen. Gegenüber der Objektivität revolutionärer  Politik ist das Dionysische Hochverrat. Erst Generationen, denen die Entstehung der kapitalistischen Mehrwertrate nicht mehr ständig präsent zu sein braucht, mögen sich den Genüssen hingeben, denen der Leninsche Berufsrevolutionär sich entsagt. Entsagen muss. Nicht so der Weltverbesserer, dem es nicht um die Gründung einer neuen Gesellschaft geht. Es versteht sich von selbst, dass eine Leninsche Revolution auch diesen narzistischen Philanthropen hinwegspülen wird. Gorki hat die Szene festgehalten, in der der Pianist Isaay Dubrowen Lenin Beethovens Appassionata vorspielte: „Ich kenne nichts Schöneres als die Appassionata und könnte sie jeden Tag hören. Eine wunderbare, nicht mehr menschliche Musik ! Ich denke immer mit vielleicht naiv kindlichem Stolz; daß Menschen solche Wunder schaffen können !“ Dann kniff er die Augen, lächelte und setzte unfroh hinzu: „Aber allzu oft kann ich Musik doch nicht hören. Sie wirkt auf die Nerven, man möchte lieber Dummheiten reden und Menschen den Kopf streicheln, die in einer schmutzigen Hölle leben und trotzdem solche Schönheit schaffen können. Aber heutzutage darf man niemandem den Kopf streicheln – die Hand wird einem sonst abgebissen. Schlagen muß man auf die Köpfe, unbarmherzig schlagen – obwohl wir im Ideal gegen jede Vergewaltigung der Menschen sind, Hm Hm – unser Amt ist höllisch schwer.“ (Lenin, in: Georg Lukács, Lenin, Luchterhand Verlag, Neuwied und Berlin, 1969,91f.). Wie erbärmlich nimmt sich doch neben dieser Genialität die Anarchistin Emma Goldman aus, die zu vertreten pflegte: „Wenn ich nicht dazu tanzen kann, ist es nicht meine Revolution !“. In einer wirklich tiefen Revolution ist niemanden nach Tanzen zumute, denn sie ist ein Bürgerkrieg der schrecklichsten Art, und nur auf diesen haben wir uns zu konzentrieren. Eugen Kogon, den die Nazis bis zu ihrem Ende ins KZ Buchenwald eingesperrt hatten, nannte Lenin einmal einen  ‚Mönch des Marxismus‘, ich halte das für eine gute Beobachtung. Wer die Menschheit vom Joch des Kapitals befreien will, für den kann es nur ein eindimensionales Leben geben, aber in dieser Eindimensionalität wissenschaftlich multidimensional, ein Leben, das gleichwohl oft ‚grau in grau‘ ist. Lieber einen kleinen harten Kern grauer Revolutionäre als ein Gewimmele von Pseudomarxisten der buntscheckigsten Art.

Zum Beispiel muss man heute in Kuba auf die Köpfe der ‚Damas de Blanco‘ schlagen. Schon von der Überlegung Lenins her ist das Konzert der Rolling Stones auf Kuba nichts anderes als ein konterrevolutionäres Spektakel, durch das die kubanische Jugend ihr noch vorhandenes marxistisches Klassenbewußtsein betäuben soll. Es ist kein Zufall, dass der Welthauptkriegsverbrecher Nr. 1 und die Popgruppe, die durch Musik am meisten Schaden am fortschrittlichen Denken angerichtet hat, fast gleichzeitig ihre Füße auf die Insel setzten. Hier passt ein Stein zum anderen, der Krieg der Konterrevolution gegen die Völker der Welt ist als ein Puzzlespiel zu betrachten.  Ein kleiner popmusikgeschichtlicher Abstecher zum ersten Konzert der Rolling Stones in den USA mag hier aufschlußreich sein: Das war 1967. 1967 hatten Studenten in San Franzisco ein sogenanntes Rolling-Stones-Manifest verfasst, in dem der Frontmann der Stones, Mick Jagger, der US-amerikanischen Jugend als ein anarchistischer Partisan gegen den Weltkapitalismus präsentiert wurde. Ideologische Verwirrung kann kaum größer sein. Als Ziel der ‚anarchistischen Revolution‘ wird ausgegeben, die „befreite“ Fabrikarbeit durch Musik der Stones begleiten zu lassen … (Die frotschrittlichen Arbeiter und Arbeiterinnen werden sich bedanken !) „Rolling Stones ! Die Jugend Kaliforniens hört eure Botschaft ! Es lebe die Revolution !“ Das ist nur peinlich ! Zumal der Multimillionär Jagger doch öfters betont hatte, dass er gar kein Rebell sein möchte. So war dann auch sein Verhalten 1968 auf einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg in London, die vor der Botschaft der USA endete. Mit sich unschlüssig, floh er dieser, bevor das Gebäude der USA überhaupt in Sichtweite war. (Vergleiche Tony Sanchez, Up and Down with the Rolling Stones, Signet Verlag, New York, 1980,127f.). Er lief nach Hause und komponierte unter den frischen Eindrücken der Demo ein Lied, das unter dem Titel „Street Fighting Man“ berühmt wurde. Aber was war das Fazit, das Jagger aus der Demo gezogen hatte ? „But what can a poor boy do / Except to sing for a rock ’n‘ rollband …“. What can a poor boy do ? Für Bruce Springsteen ist dieser Schwachsinn „eine der größten Rock ’n‘ Roll-Zeilen aller Zeiten“. Wieder so eine Peinlichkeit, denn Jagger bebrütet doch nur darin sein eigenes Ego, er spritzt sein eigenes Sperma auf seinen eigenen Bauch, weiter reicht es bei ihm nicht. Und eine solche Canaille wird am Karfreitag 2016 mit seiner musikalischen Zigeunerbande nach Kuba eingeladen ! Auch der Pfaffe auf Kuba, der Drahtzieher der weißen Konterrevolutionärinnen,  ist jetzt noch hellhöriger geworden und greift zu einem unter dem Einfluss der Musik Wagners stehendem Buch von Nietzsche, das den Titel trägt: „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Kuba vollends in den Schlund der Konterrevolution hinabgezogen wird, wie auf den anderen Kontinenten schläft der kapitalistische Wolf auch in Amerika nicht.

Am 19. April 2016 ist der siebente Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas in Havana zu Ende gegangen. Im Gegensatz zum sechsten Parteitag 2011 wurden zu diesem Parteitag die auf dem Parteitag zu diskutierenden Dokumente dem Volk nicht (!!) vorab zur Diskussion vorgelegt ! Auf Kuba läuft zur Zeit ein sehr gefährliches Programm, das „Aktualisierung des kubanischen Sozialismus“ genannt wird und es scheint ein aktuelles Gebaren zu sein, dass die Partei mittlerweile meint, dem Volk nicht mehr aufs Maul schauen zu müssen. Zudem und vor allem aber ermuntert die Partei zur anti-leninistischen Gründung von kleinen Privatunternehmen auf dem Sektor der Kleinproduktion, ohne die Warnung Lenins zu berücksichtigen, dass dieser eine Tendenz zur Großproduktion innewohnt, dass die Kleinproduktion täglich, stündlich, elementar und im Massenumfang  Kapitalismus und Bourgeoisie erzeugt (Vergleiche Lenin, Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1960,8). Besonders erfolgreich operieren mittlerweile die ausländischen Investitionen auf Kuba, besonders aus den USA, und das, obwohl diese völkerrechtswidrig einen kubanischen Militärstützpunkt besetzt halten, in dem Kriegsgefangene gefoltert werden.“Im Lande selbst sind Kooperativengründungen begünstigt worden, die zu selbstverwalteten Initiativen in den nicht zentralen Sektoren anreizen sollen“ (Günter Pohl, Große Herausforderungen erfordern Augenmaß, in: unsere zeit, Sozialistische Wochenzeitung der DKP, 29. April 2016, Nr. 17 / 48. Jahrgang, Seite 6). Also in der Ökonomie liegen die Ursachen einer kapitalistischen Restauration und aus der Musik entwinden sich Blumengirlanden, um sich um die Ketten der Sklaverei, diese verbergend, ranken.   

 

145 Jahre Pariser Commune „Man soll das ganze Gerede vom Staat fallenlassen …“ (Engels: Brief an Bebel 1875))

22. März 2016

   „Nichts kann für den Sozialismus lehrreicher sein, wie das Studium der Geschichte der Kommune.“ (Bebel)

Am 18. März 1871 wurde die Pariser Commune proklamiert, nachdem der Versuch der bürgerlichen Regierung der kapitalistischen Klasse in Paris gescheitert war, die durch den deutsch-französischen Krieg gebildete proletarische Nationalgarde zu entwaffnen, da sie vor dieser mehr Angst hatte als vor den preußischen Truppen Wilhelms.  Die Pariser Commune endete bereits am 28. Mai 1871, obwohl das Morden an den Revolutionären noch bis Mitte Juni andauerte. Auch in der russischen Revolution gab es 1917 einen Entwaffnungsversuch der Revolution, nur auf andere Weise: 1917 befahl die Provisorische Kerenski-Regierung, die revolutionäre Petrograder Garnison an die Front zu verlegen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in Paris wurden quasi durch einen völlig unerwarteten, misslungenen Coup in diese Revolution hineingejagt, nachdem all ihre Versuche gescheitert waren, einen Bürgerkrieg zu verhindern. Die Commune war für Rosa Luxemburg nicht das Ergebnis eines zielbewußten Kampfes, sondern sie fiel „ausnahmsweise als von allen verlassenes herrenloses Gut in den Schoß“ (Rosa Luxemburg, Sozialreform oder Revolution, in: Rosa Luxemburg, Schriften zur Theorie der Spontaneität, Texte des Sozialismus und des Anarchismus, Rowohlt Verlag, Hamburg, 1970,58). Der junge Engels hatte schon 1847 in den Grundsätzen des Kommunismus darauf hingewiesen, dass eine friedliche Enteignung der Enteigner das Sinnvollste wäre zur Gründung einer gerechten Gesellschaft, sah aber voraus, dass die Arbeiterklasse eher zu einer gewaltsamen Revolution gedrängt werden wird (Friedrich Engels, Grundsätze des Kommunismus, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,372) und der alte  Engels hatte 1891 den Feinden der Arbeiterklasse  zugerufen: „Schießen Sie gefälligst zuerst, meine Herren Bourgeois !“ (Friedrich Engels, Der Sozialismus in Deutschland, Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,245). Und in Paris hatte der Herr Bourgeois zuerst geschossen, zwang eine Diktatur des Proletariats herbei, die zur Gewaltanwendung gegenüber der Bourgeoisie legitimiert war.  Wie unvorbereitet der Anschlag auf die Kanonen der Nationalgarde die Pariser Arbeiter traf, wird allein schon durch die Tatsache deutlich, dass Auguste Blanqui, einer ihrer Hauptvertreter, kurz vorher Paris verlassen hatte, um eine Kur anzutreten. Die Kommune war die erste Arbeiter/innenrevolution und die erste Arbeiter/innenregierung, zugleich die erste Majoritätsrevolution in der Weltgeschichte, war die „Morgenröte der sozialen Revolution“, obwohl  um 1870 das Proletariat in keinem europäischen Land die Mehrheit bildete, Frankreich war noch ein vorwiegend kleinbürgerliches Land ohne effektive großkapitalistische Technik und in Paris konzentrierte sich vorwiegend die Luxusindustrie. ‚Wo das Proletariat auftritt, hört die Bourgeoisie auf, eine fortschrittliche Klasse zu sein‘, pflegte Kautsky, auf den noch näher einzugehen ist, zu sagen. „Die liberale Bourgeoisie hat vor der Selbständigkeit dieser Klasse hundertmal mehr Angst als vor jeder beliebigen Reaktion“ (Lenin, Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx, Werke Band 18,577). Sie vereinigte die Todfeinde eines nationalen Krieges zu einem Pakt, um Paris vom leibhaftig gewordenen ‚Gespenst des Kommunismus‘ zu „befreien“. Die Commune war bis dahin ein einmaliges Beispiel. Obwohl sie eine Revolution ohne Arbeiterpartei ohne Revolutionsschulung und ohne umfassenden Gewerkschaften und Genossenschaften war,  diente sie Karl Marx zur Überprüfung seiner Theorie. Im letzten Kapitel des 18. Brumaire hatte Marx 1852 prognostiziert, dass die nächste Aufgabe einer europäischen Revolution in der Zerschlagung der bürgerlichen Staatsmaschine bestehen würde. Und in der Tat stellte die Commune diese Frage in den Mittelpunkt. Was im ‚Kommunistischen Manifest‘ als Resultat einer Arbeitererhebung noch ganz abstrakt als ‚Erkämpfung der Demokratie‘ gefasst war, und was auch durch die Erfahrungen der 48er Revolution, die durchaus einen Fortschritt in der Arbeiterbewegung brachten,  nicht präzisert wurde, die Ergebnisse der 48er Revolution ließen das Manifest von einer Korrekturhand unberührt, ereignete sich jetzt vor den Augen von Marx und Engels konkret und beide lernten von der Commune, dieser letzten großen Revolution, deren Zeitzeuge sie noch waren: die proletarische Demokratie mit dem Endzweck der Beseitigung der Klassenherrschaft. „… ein neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit ist gewonnen“, schrieb Marx am 17. April 1871 an Dr. Kugelmann. War die Beseitigung der Klassengesellschaft das Geheimnis der Arbeiterbewegung überhaupt, so bestand das Geheimnis der Pariser Commune darin, dass sie schlicht eine Regierung der Arbeiterklasse war (so Marx und gegensätzlich dazu Lissagaray, für den sie gerade keine Regierung der Arbeiterklasse war, sondern aus bisher apolitischen Kleinbürgern und Krämern mit bescheidener revolutionärer Vergangenheit bestand – siehe Geschichte der Commune, 2. Auflage,145), ein Staat ohne Ausbeuter von kurzer Lebensdauer, aber mit einer geballten Kraft von antizipierenden Skizzen zukünftiger kollektiver Lebensformen, der die bisher ausgebeuteten Massen zum Regieren heranzog. Sie war der Krieg der produktiven Klassen, angeführt aus den Arbeiterbezirken von Paris, gegen den Staat der unproduktiven Klassen, angeführt von der Thiers-Adminitration in Versailles. Und diese Pariser Arbeiterklasse bewegte Marx und Engels, ihr Manifest von 1848, eine veritable Bürgerkriegsschrift, zu „korrigieren“: Im in London am 24. Juni 1872 geschriebenen Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe des Manifestes erklären beide, dass ihr Manifest „heute stellenweise veraltet“ sei: „Namentlich hat die Kommune den Beweis geliefert, daß die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschine einfach in Besitz nehmen und sie für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann“ (Karl Marx / Friedrich Engels, Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe von 1872, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,12).

Einen entscheidenden Wesenszug der Pariser Kommune sah Marx darin, dass sie endlich die politische Form gefunden habe, unter der die ökonomische Befreiung der Arbeit sich vollziehen kann. (Vergleiche Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Werke Band 17, Dietz Verlag Berlin, 1960,342). Die Befreiung der Arbeit aber bedeutet die Aufhebung einer Gesellschaft, die aus produktiven und unproduktiven Klassen besteht und in der die Trennung von Hand- und Kopfarbeit obligatorisch ist. Lenin sah in der Pariser Commune einen „riesenhaften Anstoß“ (Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1960,382) für die internationale Arbeiterbewegung. Schon Marx und Engels hatten im Manifest den ‚gleichen Arbeitszwang für alle‘ gefordert. Sozialistisch weiterentwickelt wurde diese Emanzipation der Arbeit über ‚Subbotniks‘, die für Lenin Keimformen des Kommunismus bildeten, in dem die Arbeit aus einer Last endgültig zu einer Lust umgeschlagen sein wird. Alle bisherigen Revolutionen in der Weltgeschichte wurden seit der Möglichkeit, Mehrprodukt und damit Priesterkasten und Politikaster zu produzieren, von unproduktiven, sich in der Minderheit befindlichen  Kopfarbeitern initiiert, die Kommune war die erste Revolution der produktiven Klassen, die bisher in der Weltgeschichte immer nur Kanonenfutter, ein Objekt, ein Spielball sie beherrschender und sie bevormundender Kräfte waren. Die Kommune begann also mit einem Milieu- und Tabubruch, der jeder Revolution eignet. Im 18. Jahrhundert hatten bereits die Enzyklopädisten um Diderot einen Tabubruch begangen, als sie neben den schönen Künsten und Wissenschaften die Handwerke in ihrer Enzyklopädie thematisierten und damit eine unterschwellige atheistisch-materialistische Tendenz der französischen Aufklärung wiedergaben: das Tun der Menschen wird nicht aus ihrem Denken, sondern aus ihren Bedürfnissen bestimmt und sie machen Geschichte aus dem Motiv heraus, diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Im Hintergrund stand in ökonomischer Hinsicht  die historische Überwindung der grundlegenden organisierenden Kraft der anarchisch aufgebauten kapitalistischen Gesellschaft: die Aufhebung des Marktes durch eine höhere Organisation der Arbeit. Indem zum ersten Mal in der Weltgeschichte die Beseitigung der Klassenherrschaft überhaupt auf die Agenda gesetzt worden war, stellte sich sofort die Frage der Staatsmaschine in den Mittelpunkt der politischen Analyse: Hatten bürgerliche Revolutionen diese immer nur von einer Hand in die andere gebend vervollkommnet, so mussten die Communarden sofort daran gehen, diese sie bisher knechtende Maschine, diesen überlebten politischen Überbau zu zerstören. In diesem Punkt waren sich Marx, Engels, Proudhon, Blanqui und Bakunin einig, nicht aber in der Dialektik von Revolution und Konterrevolution, die Marx und Engels als Prozess, Proudhon und Bakunin aber als einen einmaligen Akt nur der Zerstörung deuteten. Die Abschaffung des Geldes sei sofort möglich und man komme ohne Übergangsstaat vom Kapitalismus direkt zum Kommunismus. In Überzeichnung der Hegelschen Negativität , in der nicht nur zerstört, sondern auch aufbewahrt wird (im Sinne von aufheben, aufheben ist der spezifisch Hegelsche Ausdruck), schwärmte Bakunin von einer ‚Lust der Zerstörung‘, die auch immer im Sinne des ewigen Geistes zugleich eine schaffende Lust sei (Vergleiche Bakunin, Die Reaktion in Deutschland, in: Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst / 21. Oktober 1842). Für die den Staat abstrakt negierenden Anarchisten lag der Kardinalfehler der Marxisten darin, dass sie die zerschlagene Staatsmaschine durch eine neue ersetzen, also destruktiv und konstruktiv in einem sein wollten. Marx hatte im Zweiten Entwurf des Bürgerkrieges in Frankreich geschrieben: „Das politische Werkzeug ihrer Versklavung kann nicht als politisches Werkzeug ihrer Unterdrückung dienen“ (Karl Marx, Zweiter Entwurf zum Bürgerkrieg in Frankreich, Werke Band 17, Dietz Verlag Berlin, 1960,592). Leider hatte Plechanow in seiner 1894 in deutscher Sprache erschienenen Broschüre „Anarchismus und Sozialismus“ die Frage der Zertrümmerung des bürgerlichen Staates gar nicht gestellt und es war wohl auch kein Zufall, dass er im April 1901 Lenins Bitte, für die ‚Iskra‘ einen Artikel zum Jahrestag der Kommune zu schreiben, zwar nicht ablehnte, aber beifällig erwähnte, die Kommune sei doch schon „alte Geschichte“. (Siehe Georges Haupt, Die Kommune als Symbol und Beispiel, Schriften aus dem Karl-Marx-Haus, Heft 12, Trier,1974,22). Aber kurz vor der Oktoberrevolution, als sich die Frage nach dem Verhältnis der proletarischen Revolution zum bürgerlichen Staat und die Frage, wodurch er zu ersetzen sei in vollem Umfang stellten,  sah sich Lenin gezwungen, auf die Erfahrungen von 1871 zurückzugreifen, in seinen ‚Aprilthesen‘ verwies er auf den Kommunestaat und in der Revolution sah er im Sowjetstaat einen Staat vom Typus der Kommune. Ein Jahr nach der Oktoberrevolution tat er dies ebenfalls, nun, um die Entstellungen des Marxismus durch Kautsky nachzuweisen, der in seiner eine Kritik der rigiden bolschewistischen Revolutionspolitik darstellenden Broschüre  „Die Diktatur des Proletariats“ 1918 den Bolschewiki Verrat an der Demokratie vorwarf und deren Besprechung sowohl in der Zeitung der Börsianer („Frankfurter Zeitung“) als auch im Scheidemanns „Vorwärts“ sehr gut abschnitt.

EXKURS: Kautsky behauptete, trotz der Existenz von Klassen gäbe es Demokratie in Reinkultur und folglich komme alle Macht von den Stimmzetteln her und nicht aus den Gewehrläufen. Aber weder Kautsky noch die Menschewiki haben von den Aprilthesen 1917 bis zu Kautskys Broschüre ‚Die Diktatur des Proletariats‘ „1918  auch nur ein einziges Mal versucht, die Frage des Staates vom Typus der Kommune zu untersuchen“. (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1960,266). Was Kautsky an der Kommune positiv bewertete, ihr abstraktes Demokratieverständnis, gereichte ihr gerade zum Nachteil. Mit seiner Gegenbroschüre „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky“ wollte Lenin den Nachweis erbringen, dass die Politik der Bolschewiki in der Staatsfrage, also in der Frage der Diktatur des Proletariats nicht verfehlt sei: demokratisch für die arme Mehrheit des Volkes, zugleich diktatorisch gegen die reiche Minderheit, der man, über die Pariser Commune hinausgehend, das Wahlrecht entzogen hatte. Das bewog Kautsky dazu, dem Bolschewismus in seiner Broschüre ‚Terrorismus und Kommunismus‘ eine terroristische Anlage zu unterschieben unter Verweis auf das uneingeschränkte Wahlrecht der Pariser Commune.  War dieser Rechtsentzug von Lenin auch keineswegs als obligatorisch für eine proletarische Revolution ausgegeben worden, so ging es ihm in seiner Polemik gegen Kautsky doch um die Behauptung des Bolschewismus „als Vorbild der Taktik für alle“ mit dem Ziel einer revolutionären, vorübergehenden Diktatur des Proletariats durch revolutionäre Gewalt unter der Anführerschaft einer Kaderpartei, für die die gewaltsame Unterdrückung der ‚Weißen‘ zunächst im Vordergrund stand. Was Kautsky, dessen Schwachstelle zugegebenermaßen die Philosophie war (konkreter war es die materialistische Dialektik), nicht begriffen hatte, war, dass es Demokratie und Demokratie gibt: eine bürgerliche gegen den Feudalismus und eine proletarische gegen den Kapitalismus. Sein Verharren auf der bürgerlichen Demokratie und damit auf dem Parlamentarismus zusammen mit seinem Vorwurf des Sowjet-Terrorismus veranlasste Trotzki zu dem Bild, dass Kautskys zentristisches Schiff der Revolution stille Buchten bevorzuge. In der Tat sah Kautsky in seiner ersten Broschüre gegen die Bolschewiki das Parlament und die alte zaristische Armee, dieser festesten Stütze des Eigentums und der bürgerlichen Verhältnisse, als Ordnungsfaktoren an und kritisierte die wilde Landnahme am Großgrundbesitz. Er begriff nicht den tiefen demokratischen Gehalt in der Diktatur des Proletariats und erhoffte sich eine Wiederherstellung einer Dumademokratie, während Engels bekanntlich vom Absterben der Dempkratie im Sozialismus sprach, dass eben das Absterben des Staates auch das Absterben der Demokratie beinhalte. Er sah in der Oktoberrevolution, die für ihn aus der glücklichen Situation einer Augenblickskonstellation entsprungen war, die letzte der bürgerlichen Revolutionen und nicht die erste der sozialistischen. Durch die Anwendung der diktatorischen statt der demokratischen Methode versuchten die Bolschewiki, aus der bürgerlichen Revolution zur sozialistischen zu springen und erstere wegzudekretieren. „Aber wenn man im Bilde bleiben will, dann gemahnt uns ihre Praxis mehr an eine schwangere Frau, die die tollsten Sprünge vollzieht, um die Dauer ihrer Schwangerschaft, die sie ungeduldig macht, abzukürzen und eine Frühgeburt herbeizuführen“ (Karl Kautsky, Die Diktatur des Proletariats, Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Ignaz Brand, Wien, 1919,43). Die Hauptkrankheit der Oktoberrevolution sah Kautsky in der Zersplitterung der Landwirtschaft, durch die sie einen kleinbäuerlichen Charakter annahm. „Das auffallendste Merkmal der jetzigen russischen Revolution ist ihre Arbeit im Sinne von Eduard David. Er und nicht Lenin gibt dort die eigentliche Richtung der Revolution an“ (a.a.O.,44). Eduard David (1863 bis 1930), ein Anhänger Bernsteins und ab 1914 Hauptinitiator der Burgfriedenspolitik, stand auf dem rechten Flügel der SPD und vertrat eine Hinwendung dieser Partei zu bäuerlichen Wählergruppen. Für Kautsky lief die russische Revolution auf eine Diktatur der Bauern hinaus, da das von den Leninisten angestrebte Bündnis zwischen Proletariat und Bauernschaft unter russischen Bedingungen zum Scheitern verurteilt sei. Der zwischen dem Dorf und der Stadt stattfindende Warenverkehr wird nach Kautsky unweigerlich zum Gegensatz zwischen den Bauern und den Proletariern führen: der Bauer sei selbstredend an hohen Preisen für landwirtschaftliche Produkte interessiert wie an niedrigen Preisen für Industrieprodukte. Im Gegensatz zur Staatsindustrie kann es ihm im Privatsektor der Industrie gleichgültig sein, wie diese niedrigen Preise zustandekommen, in der Staatsindustrie ist er aber aus Steuererwägungen an hohen Profite, also niedrigen Arbeitslöhnen interessiert, da niedrige Profite auf diesem Sektor für ihn mehr Steuern bedeuten würden, denn niedrige Staatseinnahmen werden  durch ein höheres, vornehmlich von den Bauern zu tragendes Steueraufkommen kompensiert werden. (ENDE DES EXKURSES).

Zwar war die Commune im Gegensatz zum bürgerlichen Staat, der der repressive Schmarotzerstaat im eigentlichen Sinn des Wortes geworden war, eine „übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft“ (Karl Marx, Erster Entwurf zum ‚Bürgerkrieg in Frankreich‘, Werke Band 17, Dietz Verlag Berlin, 1960,541), schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr, war der Beginn des Absterbens des Staates und ein Übergangsstaat zum Kommunismus hin, aber noch galt es, die Minderheit der Konterrevolutionäre durch die Autorität eines bewaffneten Volkes zu unterdrücken und Unterdrückung bedeutet, dass staatliche Strukturen noch vorhanden sein müssen. Die Vernichtung der Ausbeuter mit einem Schlag ist eine sehr große Seltenheit, schon ihre größere Routine im Militärwesen, ihr Geldbesitz, die Fläche Frankreichs sprachen dagegen  und die Unbeweglichkeit der Provinz, die für die Pariser Proleten nur wenige Finger rührten. Die Commune war die in Paris mit einer neuen Maschine kommandierende Diktatur der Mehrheit über die Minderheit und die europäische Konterrevolution, die ihre Taktik rasch von der Diplomatie und dem raffinierten Massenbetrug auf die tierisch-grausame Unterdrückung à la Sulla verlegt hatte, tötete in einem Blutrausch, der die Bartholomäus-Nacht in den Schatten stellte, die Commune als kriminelle Vereinigung im Zusammenprallen zweier Städte: dem Paris des Luxus und dem Paris des Elends, in einem entsetzlich blutigen Mai-Massaker nach Standrecht besonders um den Friedhof Père Lachaise mit mehr Toten in einem Monat als die bürgerliche Revolution im Jahr 1789 insgesamt zu verzeichnen hatte, ehe der Umschlag von Quantität in Qualität zur Anarchie hin sich ereignen konnte. „Man vergißt nämlich immer, daß die Aufhebung des Staates auch die Aufhebung der Demokratie bedeutet, daß ein Absterben des Staates ein Absterben der Demokratie ist“. (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,469). In „der kommunistischen Gesellschaft wird die Demokratie, sich umbildend und zur Gewohnheit werdend, absterben …“ (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1960,240f.). Den Kern der Demokratie der Arbeiter und Armen, die zugleich zum ersten Mal in der Weltgeschichte eine Diktatur der Mehrheit über die verschwindend kleine Minderheit der Kapitalisten und Reichen war, bildete die Volksbewaffnung, die den Halbstaat abzusichern hatte. Das Proletariat regiert mit einer neuen Staatsmaschine, die es aufzuheben gilt: Im Sozialismus werden alle der Reihe nach regieren und sich schnell daran gewöhnen, daß keiner regiert“. (a.a.O., 503). Bekanntlich ging Lenin in der Frage des Staates mit den Anarchisten gar nicht auseinander. „Man sollte das ganze Gerede vom Staat fallenlassen“, hatte Engels im März 1875 an August Bebel geschrieben, „besonders seit der Kommune …“ Sozialismus und Staat vertragen sich nicht. Und Engels schlägt vor, statt ‚Staat‘ das Wort ‚Gemeinwesen‘ zu setzen, „ein gutes altes deutsches Wort, das das französische ‚Kommune‘ sehr gut vertreten kann“ (Brief von Engels an Bebel vom 18./28. März 1875, in: Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,453). Der Kommune“staat“ ist folglich ein ‚System der Gemeinden‘, „an Stelle einer besonderen Repressionsgewalt trat die Bevölkerung selbst auf den Plan“ (a.a.O.,454). Die Kommune wies noch Spuren eines Staates auf, die in ihr von selbst abgestorben wären. Am Ende der Pariser Kommune hätte es in ihr nichts ‚Staatliches‘ mehr zu tun gegeben. Lenin holt hier das Letzte an Staat und Anarchie heraus, was aus der Pariser Kommune herauszuholen ist.

Im Zahn der bürgerlichen Zeit war die Kommune der erste Stich des Schmerzes, der ankündigte, dass der Zahn von Fäulnis befallen ist und der zweite Weltkrieg gegen die Sowjetunion war die heftige Reaktion auf die zunehmenden Schmerzen, die von der Oktoberrevolution bewirkt wurden. Können sich Kleinbürger ein Leben ohne Staat gar nicht vorstellen, so bildet für die Kapitalisten, für die modernen Sklavenhalter diese Vorstellung verständlicherweise ein Horrorszenario, denn eine Kommune beginnt mit der einfachen Organisation der bewaffneten Massen, sie ist ein Staat, den die bewaffneten Arbeiter bilden, die dazu übergehen, das gesamte Volk zur Beteiligung an der Miliz heranzuziehen, Volk und Miliz in eins zu setzen.“ (a.a.O.,487). Ist aber das gesamte Volk bewaffnet und ist es als  bewaffnetes Volk selbst die Regierung, dann ist darunter kein Platz für die verschwindend kleine Minderheit der Kapitalisten mehr möglich. (Obwohl die Konterrevolution mit ihrer Niederlage nicht gleich verschwindet). Und deshalb ist der Staat der Kommune schon kein Staat im eigentlichen Sinne. Die höchste Reife, die in der Natur und in der Geschichte erreicht wird, ist diejenige, in der der Untergang beginnt. Und das gilt auch für die Demokratie, die erst als Kommune ihre höchste historische Stufe erreicht hat. „Je vollständiger die Demokratie, um so näher der Zeitpunkt, zu dem sie überflüssig wird. Je demokratischer der „Staat“, der aus bewaffneten Arbeitern besteht und „schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr“ ist, um so rascher beginnt jeder Staat abzusterben“ (a.a.O., 489).

Elementare Wesenszüge  der durch und durch ausdehnungsfähigen proletarischen Demokratie, die als munizipale Erhebung und zugleich als Vorstufe einer Weltrepublik gedeutet wurde, bestanden darin, dass die von den Volksmassen Gewählten jederzeit absetzbar waren und dass der Sold für ihre Tätigkeiten dem  eines Arbeiterlohnes zu entsprechen hatte, Dienstwohnungen wurden abgeschafft, dafür aber die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Die Offiziere der Volksarmee sollten nicht von oben eingesetzt, sondern von unten gewählt werden. Unternehmern wurde verboten, Arbeiter und Arbeiterinnen durch Lohnkürzung zu bestrafen. Der bürgerliche Beamtenapparat war zerschlagen worden und die Pariser Polizei wurde ihrer politischen Funktionen entkleidet, die Pfaffenmacht wurde gebrochen, leerstehende Wohnungen beschlagnahmt und verteilt. Vor allem aber war die Commune keine parlamentarische Körperschaft, sondern eine arbeitende, gesetzgebend und vollziehend in einem. Sie hat den Beweis erbracht, dass die proletarische Demokratie und der bürgerliche, theoretisch in England im 17. Jahrhundert geborene Parlamentarismus sich ausschließen. Seine Theorie wurde durch Voltaires „Lettres sur les Anglais“ nach Frankreich vermittelt und fand in Montesquieus Werk seine für die Bourgeoisie akzeptable Ausprägung. Schon Adam Smith sah in der Montesquieuschen Gewaltenteilung eine Würfelverdrehung des Rechts gegen die Arbeiter. (Vergleiche Adam Smith, An Inquiry into the nature and causes ofthe wealth of nations, Band I, Edingburgh 1814,142). Und der französische Ökonom Simon-Nicolas-Henri Linguet verhöhnte regelrecht Montesquieu, indem er als den Geist der Gesetze das Eigentum bezeichnete. (Vergleiche Simon-Nicolas-Henri Linguet, Théorie des lois civiles, ou pricipes fondementaux de la société, Band 1, London, 1767,236). Die Ausrufung der III. Republik und damit das Ende der fast zwanzigjährigen oft plebiszitär und durch imperialistische Kriegsunternehmen gestützten Herrschaft des Zweiten Kaiserreichs, eine wichtige Weichenstellung für die Commune, verdankt sich des Eindringens republikanisch gesinnter Pariser Massen in den Sitzungssaal des Corps législatif am 4. September 1870. Die Blumenfrauen auf dem Boulevard verkauften an diesem Tag nur rote Nelken. Und doch war es der reaktonäre General Trochu, der die gerade geborene Republik mit seiner Parole: Gott, Familie, Eigentum nicht in die Sonne von 1789 stellte (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), sondern unter den Schatten der bürgerlichen Reaktion. Erst durch die Commune standen sich dann  eine neue und eine alte Welt gegenüber: Die Commune zeigte, dass nur das Proletariat noch zu einer gesellschaftlichen Initiative fähig war, zugleich zeigte sie in aller Deutlichkeit, „daß der heutige Bourgeois sich für den rechtmäßigen Nachfolger des ehemaligen Feudalherren ansieht“. (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Ausgewählte Werke, Progress Verlag, Moskau, 1975321). Leo Trotzki steigert das noch: die französische Bourgeoisie habe im Mai 1871 die alten Grausamkeiten des Feudaladels noch übertroffen (Vergleiche Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Oktoberrevolution, Mehring Verlag, Essen, 2010,329). Durch den Aufstand in Paris wird der Kreis der bürgerlichen Revolution geschlossen: War diese 1789 revolutionär gegen ihren Feudalherren, so nimmt sie gegenüber dem revolutionären Proletriat nur siebzig Jahre später dessen Position ein. Für Lenin war die Commune ein Markstein der neueren Geschichte, der sich zu ihrer Periodisierung eignete: eine stürmische Zeit von 1848 bis zur Commune, ab dieser in einer ihr folgenden Epoche der politischen Reaktion ein relativ friedliches Vorwärtsschreiten zum Beginn der sozialen Revolution bis zur russischen Revolution von 1905 und sodann ab dieser Revolution. (Die Krönung der russischen Revolution von 1905 war der elf Tage währende Moskauer Aufstand, der von S. Tschornomordik in ‚Istoritscheskije, Band 18, Moskau, 1946, Seite 3 bis 41‘ geschildert wird. Tschornomordik weist auf Querverbindungen dieses Aufstandes zum Pariser Communbeaufstand hin). Eine Querverbindung besteht zum Beispiel in der spezifischen Herrschaftsform des Proletariats: der Rätediktatur. Ein Vergleich zwischen Paris und Moskau muss herausarbeiten, dass in Russland der Sowjet aus einem politischen Streik heraus geboren wurde, was für die Commune nicht zutraf, wie überhaupt der politische Streik in Westeuropa eine sehr seltene Erscheinung war im Gegensatz zum aufgewühlten Russland von 1905 und 1917. In Russland war er die Hauptmethode des Kampfes. Der deutsch-französische Krieg und vor allem die Niederlage der Pariser Revolution verschoben den Schwerpunkt der europäischen Arbeiterbewegung von Frankreich nach Deutschland und die deutsche sozialdemokratische Partei wurde so ein Muster einer disziplinierten und organisierten Kampfpartei.

In jeder Revolution werden eine Menge Dummheiten gemacht, so auch in der Commune, obwohl für Karl Kautsky die Pariser Arbeiter die intelligentesten der damaligen Welt waren (Karl Kautsky, Terrorismus und Kommunismus, Ein Beitrag zur Naturgeschichte der Revolution, Verlag Neues Vaterland, Berlin, 1919,69). Die Commune blieb ja nicht nur auf Paris beschränkt, auch in Marseille, Lyon, Dijon, Toulouse, Narbonne, Le Creusot  und in Limoges hatte es Arbeitererhebungen gegeben, die aber rasch niedergeworfen wurden. Die „Kommune von Marseille“ konnte sich 17 Tage halten, Lyon drei, Toulouse vier, Narbonne acht, Le Creusot zwei und in Limoges nur einen Tag.  Dieses rasche Scheitern verdeutlicht den großen Gegensatz zwischen der Metropole und der agrarischen Provinz in Frankreich. Da sich in der Provinz keine Bauernräte gebildet hatten, war die Commune eine singuläre Diktatur einer revolutionären Metropole über ‚ihr‘ bäuerliches Land.  Und die bürgerliche Regierung hatte ihre Agenten in Paris. Schon in der klassischen bürgerlichen Revolution hatten die Anhänger des Royalismus über die Frage, ob Ludwig guillotiniert werden soll oder nicht, einen Volksentscheid gefordert, wobei sie auf die rückständigsten Provinzen Frankreichs spekulierten, um eine Todesstrafe abzuwenden. Am 8. Mai 1870 hatte ein Volksentscheid über Napoleon III., der seinen Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 hin- und wieder plebiszitär untermauern lassen musste, ergeben, dass in der Provinz die Ja-Stimmen für ihn überwogen und ein günstiges konterrevolutionäres Milieu schufen, in Paris aber die Ablehnung des Kaisertums (184 000 Stimmen gegen 138 000 Ja-Stimmen). Die Niederlage der Pariser Commune war ein Sieg der französischen Provinz, ein Sieg des Kleinbürgertums, dessen Theoretiker Rousseau bereits im 18. Jahrhundert provokativ Partei für die Provinz gegen das Paris der Künste und Wissenschaften ergriffen hatte. Er gab in einem Land, das wie kein anderes auf seine Hauptstadt fixiert war und ist, dem föderalistischen Gedanken den wohl mächtigsten Impuls mit seinem Vorschlag im ‚Contrat social‘ von 1762, sich nicht auf eine Hauptstadt mit ihrem ganz eigenen Rhythmus zu verständigen, sondern diese im Land zu den Bezirksstädten rundumgehen zu lassen, so dass es zu keinem zentralistischen Gleichklang der Dynamik mehr kommen konnte. 2. Die Communarden verließen sich noch auf diesen von Paris ausgehenden Gleichklang der Dynamik, 1789 hatte ihnen gezeigt, dass der Sieg der Revolution in Paris zugleich den Sieg der Revolution in Frankreich (mit einigen Hochburgen der Konterrevolution) bedeuten kann.

Überhaupt werden wir Zeuge eines verkehrten Schauspiels: Ohne Zweifel ist die Pariser Commune noch ganz der prä-imperialistischen Phase zuzuordnen, der Epoche des klassischen Kapitalismus, durch den die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker durch die Gleichförmigkeit der industriellen Produktion mehr und mehr verschwinden. (Vergleiche Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1974,479). Gerade in ihr sollten doch die internationalen Aspekte einer proletarischen Erhebung die nationalen Belange überwiegen, jedenfalls mehr als im Imperialismus, der geschichtlich mit Lenins auf Grund der Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ausgearbeitetem national-sozialistischem Konzept in der Hinterhand eine stärkere nationale Motivierung zeitigt und zulässt, und doch löste gerade der Oktoberaufbruch eine viel tiefere Debatte über seine internationalen Auswirkungen aus als die Pariser Commune. Ein Sechstel der Erdoberfläche hat offensichtlich mehr weltrevolutionäres Gewicht als die klassische Hauptstadt der Revolution.

Durch die Commune wurden die Reaktionäre Frankreichs Anti-Pariser, Provinzler im wahrsten Sinne des Wortes, ebenso wie 1917 die russischen „Patrioten“ Petrograd, die eigene Hauptstadt hassten, denn entscheidend für die Oktoberrevolution waren die Kräfteverhältnisse in der Petrograder Garnison.  Es war nicht auszuschließen, dass es einer Hauptstadt gelingen kann, von sich aus das ganze Land zu revolutionieren. 1. Durch die Commune wurde deutlich, dass die französische Bourgeoisie ‚ihren 1789er Parzellenbauern‘ immer noch politisch führen kann. In Westeuropa hatten ja die Bauern ihre primitive Scholle bereits aus der Hand bürgerlicher Revolutionäre erhalten, in Russland weigerten sich selbst die Sozialrevolutionäre in der Kerenskiperiode, auch die in den Sowjets, praktisch, nicht theoretisch (leere Versprechungen), den Bauern Land zu geben, was Lenins Revolutionskonzept sehr entgegen kam, das immer von der Notwendigkeit einer Führung des vom Arbeiter in revolutionärer Hinsicht aufgewerteten Bauern durch den Arbeiter ausging. Und die Eigenart der Oktoberrevolution bestand gerade darin, dass in ihr zum ersten Mal in der Weltgeschichte Arbeiter Bauern politisch führten, während der Pariser Commune funktionierte dies gerade nicht. Die Provinzbauern halfen der urbanen Großbourgoisie, dem Pariser Proletriat die rote Fahne aus der Hand zu schlagen. Die Klasseninteressen der Arbeiter und der Bauern werden nach der Revolution nicht gleich kongruent sein, aber der diese Beziehung belastende Schatten wird heller in dem Maße, indem der Bauer ein sozialitischer Industriearbeiter wird bei gleichzeitger allmählicher Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land und der Auflösung eines spezifischen agrarindustriellen Sektors. „Vereinigung des Betriebs von Ackerbau und Industrie“, hieß es schon im Kommunistischen Manifest (Vergleiche Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,481). Ohne Aufhbebung des idiotischen Landlebens wird der Bauer immer eigentumsbesessen bleiben und aus diesen Eigentümertendenzen können jederzeit Feindseligkeiten gegenüber dem Proletraiat erwachsen.

Der Revisionismus rieb sich immer an dem vom ‚Sicherheitsminister‘  Raoul Rigault streng angewandten Dekret über die Geiseln, das erlassen worden war, nachdem die Versailler Truppen mit der willkürlichen Erschießung gefangener Kommunarden begonnen hatten: für jeden getöteten Revolutionär oder Anhänger der Kommune sollten drei bürgerliche Geiseln erschossen werden. Der Feind im Inneren von Paris hatte stets gute Verbindung zu den Versaillern. In diesem ‚Feingefühl des Revisionismus‘ für Konterrevolutionäre kommen schädliche, bürgerliche Neigungen zum Vorschein. Wir müssen davon ausgehen, uns aber nicht damit abfinden, dass in einer Gesellschaft mit repressiven Strukturen und Untertanenmentalitäten die Mehrheit der ’staatlichen Gewalt‘ immer eine Art selbstverständlicher Narrenfreiheit zubilligt, Untertanen zu mißhandeln, als gottgegeben oder im Weltlauf der Geschichte liegend.  Es ist in der 48er Revolution in Frankreichs Metropole  beobachtet worden, dass Ärztinnen und Ärtze sich weigerten, im Aufstand verwundete Arbeiterinnen und Arbeiter zu versorgen. Sie ließen sie einfach liegen, aber wehe, bei einem bürgerlichen Offizier war Blut zu sehen, da wurden sie sofort sehr diensteifrig. Rigault hat also richtig gehandelt im Sinne eines Umbiegens einer gesellschaftlichen Entwicklung zur Ungerechtigkeit.

Die Commune von Paris scheiterte aus miteinander verbundenen objektiven und subjektiven Bedingungen: Der Grad der ökonomischen Entwicklung Frankreichs (die objektive Bedingung) und der Grad des Klassenbewußtseins, das Wissen von den materiellen Bedingungen der Revolution und von den Zielen des Sozialismus und den Mitteln zu seiner Verwirklichung und der Organisation  der breiten Massen des Proletariats (die subjektive Bedingung) ließen 1871 eine Befreiung der Arbeiterklasse noch nicht zu. Die Macht in Paris war zunächst der Nationalgarde zugefallen, die für Trotzki dem Sowjettypus sehr ähnlich war (Vergleiche Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Oktoberrevolution, Mehring Verlag, Essen, 2010,78), die sich aber nicht als ‚Bollwerk der Revolution‘ begriff, was sie effektiv hätte sein müssen, sondern als provisorisch betrachtete und rasch die Macht an die nach dem Wahlgesetz des Kaiserreichs gewählte Commune abgeben wollte.  Hier liegt vielleicht die tiefste Ursache der Niederlage. Kautsky spricht von einer “ … in militärischer Hinsicht gefährlichen Doppelherrschaft“ (Karl Kautsky, Terrorismus und Kommunismus, Anti-Kautsky, Prinkipo Verlag, Hamburg, Reprint Verlag Olle & Wolter, EDITION PRINKIPO, Berlin, o.J.,62) und Stalin preist unter Verweis auf dieses Kardinaldefizit der Commune als eine Leistung des Leninismus an, dass durch ihn die Revolutionspartei als ein monolithischer Block geschmiedet wurde und 1917 als solcher dastand (Josef Stalin, Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten, Stalin Werke Band 6, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,342).  Die tiefste Ursache der Niederlage, denn mit der Machtübertragung war der Kommune sofort die revolutionäre Spitze abgebrochen worden und eine Haltung der Liberalität gegenüber dem Feind wirkte sich schädlich auf den im Hinterkopf zu behaltenden, für die politische und militärische Kriegführung wichtigen Klassenantagonismus aus. Lissagaray zieht das Fazit, dass der Fehler darin bestand, dass die Commune sich als eine Verwaltung und nicht als eine Barrikade verstand. Schöpfte in der Pariser Comunne die Nationalgarde also ihre Macht nicht voll aus, so taten es 1917 in Russland die Sowjets ihr am Anfang der Februarrevolution nach.Sie verzichteten auf ihre militante Macht und überließen der liberalen Bourgeosie das politische Feld. Durch die Februarrevolution war zwar der Zar gestürzt worden, aber die Demokraten gingen in dieser demokratischen Revolution dem Volk nicht voran, sondern begriff sich als linker Flügel der Bourgeoisie. Sowohl 1871 in Paris und im ersten Halbjahr 1917 in Russland können wir verfolgen, wie die Massen davor zurückschrecken, den Entscheidungskampf als Bruderkrieg zu führen. Die Commune scheiterte an einer Unterschätzung der Gewaltfrage und der Gegensatzfrage der Hauptklassen der bürgerlichen Gesellschaft. Das ‚Journal Officiel‘ hat es in seiner Ausgabe vom 30. März selbst auf den Punkt gebracht, Longuet verglich die Revolution von 1848 mit der von 1871 und kam zu dem fatalen Schluss, dass 1848 zwei Gesellschaftsklassen gegeneinander bewaffnet waren und der Klassenantagonismus jetzt aufgehört habe, zu existieren. Vier Tage später, am 3. April schrieb er: “ … niemals war der soziale Haß geringer“ und mit dem Klassenhass beginnt doch das Aufbäumen der unterdrückten Klassen. Die Pariser Commune war eine Revolution, die einen Purzelbaum rückwärts vollzogen hatte und auf dem Kopf zu stehen kam. Die rasche Durchführung von Wahlen ohne Einschränkungen für Ausbeuter verwies auf den Willen einer Verständigung mit der bürgerlichen Administration. Am 30. März 1871 konnten die Pariser in Longuets ‚Journal Offiziel‘ lesen, dass im Vergleich zur Konfrontation der 48er Revolution der Klassenantagonismus nicht mehr existiere. Zu Beginn der Revolution wurde also formuliert, was erst an ihrem Ende stehen kann. Rosa Luxemburg sieht die Commune nicht als eine sozialistische Revolution an, für sie haben die russischen Bolschewiki „zum ersten Mal die Endziele des Sozialismus als unmittelbares Programm der praktischen Politik“ (Rosa Luxemburg, Die russische Revolution, in: Rosa Luxemburg, Schriften zur Theorie der Spontaneität, Texte des Sozialismus und Anarchismus, Rowohlt Verlag, Hamburg, 1970,171) proklamiert.

Eine große soziale Maßregel war das Nachtarbeitsverbot für Bäcker, aber während die Internationale 1866 auf ihrem Kongress einen Acht-Stunden-Tag gefordert hatte, versah sich die Kommune auf zehn Stunden, Überstunden waren mit Zustimmung des Betriebsrates ohne Lohnerhöhung möglich. Ganz merkwürdig war auch, dass sie keinen Mindestlohn, sondern einen Maximallohn festgesetzt hatte. (Vergleiche Karl Kautsky, Terrorismus und Kommunismus, Verlag Neues Vaterland, Berlin, 1919,65). Sie war von der gesamten militärisch-geographischen Lage her von vornherein zum Scheitern verurteilt und es gebrach ihr an einer inneren Logik der gewaltsamen Revolution.  Ich möchte von einer spezifischen Blauäugigkeit der Commune sprechen, aus der sich die revolutionäre Ineffizienz  ableitete;  folglich hatte Marx Recht: Ihr verliert euch in Kleinkram und persönlichen Querelen, so sein Vorwurf in einem Brief an Leo Fränkel und Eugène Varlin vom 13. Mai 1871, obwohl er die Communarden am Ende doch  als ‚Himmelsstürmer‘ feierte. Unter denen es laut Kautsky keinen gab, den man als Marxisten hätte bezeichnen können, vielmehr ist den Communarden eine theoretische Unwissenheit in ökonomische Problemstellungen zu attestieren. (Vergleiche Karl Kautsky, Terrorismus und Kommunismus, Ein Beitrag zur Naturgeschichte der Revolution, Verlag Neues Vaterland, Berlin, 1919,70). Die Pariser Communarden erstarrten zum Beispiel in Ehrfurcht vor der Bank von Frankreich, anstatt sie zu besetzen, wie es 1917 in Petrograd geschah. Am 25. Oktober 1917 hatte zum Vergleich die Rote Garde morgens um sechs die Staatsbank in Petrograd besetzt. In Russland war mit  der Nationalisierung der Banken  das Heiligtum des Kapitals zerstört worden. Während des Oktoberaufstandes hatten cirka vierzig Matrosen der Gardeequipage widerstandslos das Gebäude der Staatsbank am Jekaterinski-Kanal umstellt, aus dem Bewußtsein heraus, den Fehler der Pariser Commune nicht zu wiederholen. Es folgte darauf das Dekret über die Nationalisierung der Banken in ganz Russland.In Paris dagegen  konnten die Bankiers, die natürlich auf Seiten der Weißen, der Versailler standen (die bürgerliche Regierung war auf Anraten von Thiers nach Versailles geflohen, womit er sich in eine bestimmte historische Tradition stellte und wo sich auch ab dem 5. Oktober 1870 das deutsche Hauptquartier befand: die Proklamation des ‚Deutschen Kaiserreichs‘ erfolgte am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Versailler Schlosses), hohe Geldsummen nach Versailles überweisen, mit denen ganze Bataillone von in preußische Krieggefangenschaft geratene bonapartistische Soldaten, insgesamt zirka 100. 000 Mann, von Bismarck freigekauft werden konnten, um sie in Wellen gegen Paris zu hetzen. Die Truppenstärke der Versailler vervierfachte sich in kurzer Zeit, nach Angaben von Thiers von 40 000 Mann auf 130 000, sodann auf 170 000. Schaffte die Bank von Frankreich 250 Millionen Franc nach Versailles, so hatte sie für die Plebejer in Paris nur 16 Millionen übrig. (Vergleiche Thankmar von Münchhausen, 72 Tage, Die Pariser Kommune 1871 – die erste ‚Diktatur des Proletariats‘, Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2015,157). Streng die Kapitalisten enteignend ist die Commune nicht vorgegangen, sie hat sich nicht am Eigentum vergriffen, lediglich leerstehende Fabriken wurden beschlagnahmt und Arbeitergenossenschaften vorbehaltlich einer Entschädigung übergeben. Sie hat mit der Einführung des Sozialismus zu sehr gezögert (Vergleiche Lenin, Briefe über die Taktik, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1960,35f.). Es kann auch nicht unerwähnt bleiben, dass ein Teil der Pariser Arbeiter und Arbeitervertreter wie Louis Blanc mit den Versaillern gingen. „Welch ein Mangel an kritischem Verstand, wenn man die Commune buchstäblich heilig spricht“, so polemisierte Engels 1874 gegen die Blanquisten. (Vergleiche Friedrich Engels, Flüchtlingsliteratur, II. Programm der blanquistischen Kommuneflüchtlinge, Werke Band 18, Dietz Verlag Berlin, 1960,534).  Aber richtig war, dass die Pariser Commune in der Tradition von 1792 neben dem bereits erwähnten Nachtarbeitsverbot für Bäcker den Brotpreis fixiert  hatte. Und das Brot ist bekanntlich nach St. Just das „Recht des Volkes“. Die Communarden waren durch ihre Rückbesinnung auf die Traditionen der bürgerlichen Revolution von 1792 jedoch noch uneins mit sich, vollzogen mehr die demokratische denn die sozialistische Diktatur: „In der Commune gab es keinen Bourgeois, keinen Arbeiter, es gab nur Delegierte des Volkes, die nur im Namen des Volkes wirkten oder wirken wollten“ (Arthur Arnould, Histoire populaire et parlamentaire de la Commune de Paris, Band 3, Brüssel, 1878,93f.), so urteilte der aktive Kämpfer Arthur Arnould (1833 bis 1895), Sohn eines Professors. Die Einheit des politischen Willens der Commune durch die Fraktionen hindurch ergab sich auch aus der Bedrohung durch die  innere Konterrevolution und aus der preußischen Okkupation, so dass die Kommune, obwohl Mosaikstein einer Weltrepublik, starke patriotische Züge aufweisen musste. Und Patriotismus und Sozialismus beißen sich. Dennoch kann die rote Fahne der sozialen Revolution der Pariser Commune zugeeignet werden, denn der Kampf für den Demokratismus und für eine provisorisch revolutionäre Regierung als Kampforgan für die Abwehr der inneren und äußeren Konterrevolution ist zugleich immer auch ein Kampf für den Sozialismus, auch wenn der Demokratismus die Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmitteln nicht akzentuiert, wohl aber den gleichen Lohn für gleiche Arbeit für Mann und Frau.  Obwohl der Demokratismus die unmittelbare Vorstufe zum Sozialismus ist, fehlen ihm noch die Einsicht in die klassenbedingte Sonderfunktion der Kapitalisten in der bürgerlichen Gesellschaft, die in die Sonderstellung der Proletarier und die in die Notwendigkeit der Vergesellschaftung des Privateigetums an Produktionsmitteln.  Die Communarden hatten im revolutionsinternen, strategisch-taktischen Sinn nach ihrem Historiker Lissageray keine klaren Ziele, nach Bebel, der im Kommuneaufstand ein Vorpostengefecht für die große europäische Erhebung des Proletariats sah, kein klares Wollen, nach Lenin keinen klaren Plan, kein klares Programm und nach Vandervelde war sie ungenügend vorbereitet, ein Vorwurf, den er auch gegenüber der Leninschen Oktoberrevolution erhob. Es fehlten in der Arbeiterklasse noch konkrete Vorstellungen über den wahrscheinlichen Verlauf der Revolution, obwohl die große Intention als eine antibürgerlich ausgerichtete begriffen wurde.  Die Arbeiterinnen und Arbeiter hatten in Paris trotz aller umherschwirrenden Theorien der politischen Sekten den richtigen Instinkt. Das Pariser Proletariat konnte aber aus Mangel an Einsicht in seine Sonderfunktion auf der damaligen Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung weder einen ausgeprägten Kampf gegen das Kleinbürgertum führen noch den Sozialismus verwirklichen, aber nachholen, was die demokratischen Revolutionen seit 1830 versäumt hatten. Dafür mag der Sturz der Vendome-Säule „als Symbol für viehische Gewalt und falschen Ruhm“ (Proklamation der Kommune vom 13. Mai 1871) und die Sprengung des Privathauses des Napoleon-Verehres Adolphe Thiers stehen. Marx kritisierte die 89er-Revolutionsnostalgie, die besonders der Neojakobiner Pyat mit der Herausstreichung der Bedeutung der Worte Wohlfahrtsausschuß, Republik und Kommune vertrat, denn die Pariser Commune wies inhaltlich auf die Zukunft hin, auf eine vom Joch des Kapitals befreite Menschheit, das durch das von der französischen Nationalversammlung am 14. Juni 1789 beschlossene Gesetz ‚Le Chapelier‘, das über die Arbeiterklasse ein Koalitionsverbot verhängte, erst richtig geschmiedet worden war. „Die Gegenwart gehört Ihnen, der sie die Macht vertreten. Aber wir Arbeiter vertreten die Gerechtigkeit und die Solidarität, und uns gehört die Zukunft“, mit dieser Voraussage konfrontierte Benoit Malon (1841 bis 1893) in der L’Internationale vom 24. April 1870 den französischen Stahlbaron Eugène Schneider. Eine Folge der Niederlage der Commune war die Auflösung der ersten Internationale 1872. Lenin ermahnte seine Bolschewiki, nicht jede Losung der Kommune blind zu wiederholen, wiederholte selbst aber oft eine generelle  Vorbildbedeutung der Kommune für die Rätedemokratie, aber nicht für das Konzept einer revolutionären proletarischen Kampfpartei, an der es der Kommune gebrach. Ohnehin war für Lenin das Rätekonzept der Kommune in Paris nicht völlig identisch mit der Sowjetbewegung: es gab für Lenin eine proletarische Revolution nach dem Pariser Modell, nach dem sowjetischen, „oder, sagen wir, von irgendeinem dritten Typus“ (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin,1960,324). 

Hatte die bürgerliche Revolution noch nicht einmal das Wahlrecht für Frauen gebracht, so stellte die Commune sowohl Männer und Frauen als auch eheliche und uneheliche Kinder sofort gleich und die Frauen standen auf den Barrikaden gegen die Konterrevolution ‚ihren Mann‘, sehr wohl begründet: unter Napoleon III. verdienten sie für die gleiche Arbeit nur halb soviel wie die Männer. Die Londoner ‚Times‘ hatte angesichts des weiblichen Kampfgeistes geschrieben: „Wenn die französische Nation nur aus Frauen bestehen würde, was wäre das für eine schreckliche Nation !“ Vor den Kriegsgerichten der Konterrevolution wurden zum Beispiel 206 Schneiderinnen verurteilt. Die Frauen der Commune, die eine eigene Organisation. „Union des Femmes pour la défense de Paris et les soins aux blessés“ gegründet hatten, sorgten sich um die Einrichtung von Kindergärten und um die Berufsausbildung für Mädchen, am 12. Mai 1871 wurde die erste Industrieberufsschule für Mädchen eröffnet, in der sie sich auch wissenschaftlich und literarisch weiterbilden konnten. Die Sieger des Bürgerkrieges in Frankreich, die am 28. Mai 1871 feststanden, zerstörten das alles wieder, denn die Geschichte war wieder auf die Parole zurückgefallen, die der reaktionäre General Trochu schon vor der Commune nach der Niederlage der französischen Armee bei Sedan als Leitmotiv der III. Republik verkündet hatte: Gott, Familie, Eigentum. Das war herausgekommen aus einem Aufbruch, der in der französischen Revolutionsgeschichte mit der Parole: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit anhob.

Ein Vergleich stimmt zumindest optimistisch: Hielt die erste proletarische Kommune 1871 der alten Welt nur 72 Tage stand, so sind 74 Jahre doch schon eine andere Dimension. Marx verwies in seiner Analyse des Bürgerkrieges in Frankreich auf das unvermeidliche Übel einer Revolution hin, dass sich in ihr „bloße Schreier“ einschmeicheln, die ihre Entwicklung hemmen: „ … mit der Zeit schüttelt man sie ab, aber gerade diese Zeit wurde der Kommune nicht gelassen“ (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,310). Die Kommune Lenins hatte die Zeit, Trotzki abzuschütteln. Auch an die Türe der Pariser Commune pochen bereits die Sätze von Marx aus dem ‚Achtzehnten Brumaire‘:

Marx kritisiert die Kommune: Man hätte sofort nach Versailles ziehen sollen. In Russland wurde das gemacht. 1917  Sturm auf das Winterpalais. Unter den russischen Bedingungen von 1917 hätte Paris 1871 siegen können. Es gab 1871 keinen Bauernkrieg.

Paris: halb auf Handwerk fußendes Proletariat in engen Straßen

1. In der russischen Februarrevolution 1917  fanden nur in der Hauptstadt Petrograd bewaffnete Kämpfe statt, nach dem Fall des Zarismus hatte sich nach der Deutung Leo Trotzkis ganz Russland seiner Metrople „angeschlossen“. „Wenn man will, kann man sagen, der größte demokratische Akt vollzog sich auf die undemokratischste Weise. Das ganze Land war vor einer vollendeten Tatsache gestellt“. (Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Februarrevolution, Mehring Verlag, Essen, 2010,123). Im September 1917erschien im Namen der Bolschewiki eine Zeitung für das Dorf, die Bauernzeitung ‚Bednota‘ (‚Armut‘). 

2. Man sieht, dass Rousseau an dieser Stelle nicht nur ein Theoretiker der Jakobiner war. Diese waren im Gegensatz zur Gironde Zentralisten: der Wohlfahrtsausschuss als Mittelpunkt Frankreichs. Eine „girondistische“ Favorisierung des Föderalismus sprach auch Bernstein dem Marx’schen Kommunekonzept zu, eine klare Entstellung, denn Marx war Zentralist, Zentralismus bedeute immer mehr Freiheit als der Föderalismus. Ab 1899 forderte Bernstein, die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei auf, sich von der Kommune zu distanzieren.

Hannah Arendt: traurige Geschichte des Rätesystems – M & E: Die Kommune-Verfassung – als „Der einzigen Staatsform, die unmittelbar aus dem Geist der Revolution entstanden ist“. (Hannah Arendt, Über die Revolution, München 1963,327). „Der große Enthusiasmus für das Rätesystem lässt sich in der Tat nur dadurch erklären, dass jeder Einzelne sich hier mithandelnd findet und seinen Beitrag in den Ergebnissen des Tages gleichsam vor Augen sieht“.(Max Adler, Demokratie und Rätesystem, Wien, 1919). Unmittelbarkeit Luthers Thesen Keine Priester Feuerbachthesen PRAXIS Aprilthesen

Lincoln Definition der Demokratie als Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk, das ist Anarchie, Regierung erübrigt sich.

Der Zusammnbruch der Commune konnte Marx und Engels nicht brechenEinen Tag nach der Oktrev wurde die Todesstrafe aufgehoben

Marx Entwurf eines Schreibens des Generalsrats der I. Internationalen: Anfang 1870: nur in England „einen Hebel für eine ernsthafte ökonomische Rev“ marx an eng 12.2.70: D viel weiter als F (MEW 16,386 u MEW 32,443) 9. Sept 1870 Torheit in einem Schreiben des genrates … nicht beherrschen lassen von nat erinnerungen von 1792  mew 17,277    Nachtarbeit der Bäcker 8 Std Tg

mit einem geringen quantum common sense einen der ganzen volksmasse nützlichen kompromiss mit versailles  hätte erreichen können mew 35,160

engels  ebenso unfruchtbar wie 48 die Überrumpelung blieb 71 der geschenkte Sieg mew 22,517

Erster Entwurf zum Bürgerkrieg in F Staat = boa constrictor, die den Gesellschaftskörper umklammert Kommune ist Rev gegen den Staat selbst, gegen diese übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft diese abscheuliche Masch der Klassenherrschaft zu zerbrechen mew 17,538 u 541

kommune hat keine Ideale zu realisieren; sie hat nur die Elemente der neuen Gesellschaft in Freiheit zu setzen, die sich beeits im Schoß der zusammenbrechenden Bourgeoisgesellschaft ew haben

Paris 1871 und Russland 1917 was für ein Kontrast ! und doch löste gerade der Oktoberaufbruch eine viel tiefere Debatte über seine internationalen Auswirkungen aus als die Pariser Commune. Ein Sechstel der Erdoberfläche hat offensichtlich mehr weltrevolutionäres Gewicht als die klassische Hauptstadt der Revolution. Russland ist eine Erde im kleinen wie das englischen Empire auf dem Höhepunkt seiner Macht in ökonomischer Hinsicht selbst einen kleinen Kontinent darstellte. Ein Berater wies Napoleon vor seinem verhängnisvollen Russlandfeldzug darauf hin, dass man Russland nicht gegen die Wand drücken könne und die deutsche Wehrmacht machte eine ähnliche Erfahrung: Man die Oktoberrevolution nicht gegen die Wand drücken kann.

In der Sitzung des Petrograder Sowjet erklärte Lenin am 17. November 1917, dass es einen Terror, wie ihn die französischen Jakobiner anwandten, die waffenlose Menschen guillotinierten, in Russland nicht geben werde. XX Vergleiche Lenin, Rede in der Sitzung des Petrograder Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten zusammen mit den Vertretern der Front am 17. November 1917, in: Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin, 1960,289

Ausgegrenzt wird in der historischen Communeforschung die sich auf Theorien Fouriers berufende ‚Nortamerican-Phalanx N. Y.‘, die in den USA immerhin zwölf Jahre hielt.

Aus der Pariser Commune hatte Marx die äußerst bemerkenswerte, heute aber fast vergessene essentielle Schlussfolgerung gezogen, „dass der heutige Bourgeois sich für den rechtmäßigen Nachfolger des ehemaligen Feudalherrn ansieht …“. (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag, Moskau, 1975, 321). Die russischen Revolutionen haben 1917 den Beweis erbracht, dass nun auch bereits der rechte Flügel der Kleinbourgeoisie sich als Nachfolger der Zaren begreift. Der Kreis schloss sich in gewisser Weise, denn die Bourgeoisie war anfangs selbst feudaler Stand. (Vergleiche Friedrich Engels, Hern Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, Werke Band 20, Dietz Verlag Berlin, 1960,97).

 

 

 

 

 

 




 

 

Der Charakter des Imperialismus nach Lenin

19. März 2016

In der in der Mitte des ersten Weltkrieges in Zürich im Frühjahr 1916 von Lenin verfassten Schrift: „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, in der er unter Auswertung der Schriften führender bürgerlicher Ökonomen im Gesamtbild der kapitalistischen Weltwirtschaft ihre imperialistischen Zusammenhänge und internationalen Wechselbeziehungen mit der Weltpolitik darstellte, bezeichnete er den Imperialismus als ein besonderes historisches Stadium des Kapitalismus, in dem das Missverhältnis zwischen Industrie und Landwirtschaft noch größer geworden sei als bereits im klassischen Kapitalismus. Dieser Imperialismus sei in Europa, Amerika und in der Folge auch in Asien um die Jahrhundertwende, als der spanisch-amerikanische Bürgerkrieg (1898) und der Burenkrieg (1899 – 1902) stattfanden, im Kern von einem klassischen Konkurrenzkapitalismus, dessen Blüte in den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts zu verzeichnen war, nach der Krise von 1873 nach und nach zu einem monopolistischen, parasitär-faulenden und sterbenden Kapitalismus mutiert, ein Prozess, der sich in der Krise von 1900 bis 1903 vollendete. Die Herrschaft des Kapitals und der Konkurrenz, die Dominanz des Warenexports wurden abgelöst durch die Herrschaft des Finanzkapitals, des Monopols und der Dominanz des Kapitalexports. Der Kapitalexport ist ein Mittel geworden, den Warenexport zu fördern. Jede Krise, besonders die wirtschaftliche, verstärke das Monopol mit seinen Institutionen von universalem Charakter. Die Produktion der ungeheuer wachsenden Industrie und das Kapital haben sich dermaßen konzentriert, dass sie monopolistische Kapitalistenverbände insbesondere der Schwerindustrie (Kohle, Eisen) hervorgebracht hat. „Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts“. (Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,201. Der englische Sozialliberale Hobson spricht von einer „neuen Finanzaristokratie“). Zugleich wird nicht nur das Wirtschaftsleben, sondern alle Gebiete des öffentlichen Lebens der ökonomisch fortgeschrittensten Länder unabhängig von ihrer politischen Struktur von drei bis fünf Großbanken dominiert, die Resultate einer neuen Rolle der Banken geworden sind, die aus bescheidenen Vermittlern von Kapital zu allmächtigen Monopolinhabern gewachsen sind, die „fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern verfügen“ (a.a.O.,214). Die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter sei gegeben, eine Tendenz, auf die Marx bereits im III. Band des Kapitals („aber auch nur die Form“) hinwies. Inhaltlich herrscht aber noch das Privateigentum, die Vergesellschaftung der Produktion ist eine formale. Im Laufe einer sozialistischen Revolution, in der alle Banken des Landes zu einer Nationalbank verschmolzen werden, die der Kontrolle durch Arbeiterräte unterliegen wird, werden sich diese Vorzeichen umkehren: bei einer gesellschaftlichen Produktion nach Plan liegt nur noch der Form nach zunächst Lohnarbeit vor. Unter imperialistischen Bedingungen hingegen haben einige Hundert Millionäre der Hochfinanz die ganze Wirtschaft zentralistisch unterjocht. Das monopolistische Industriekapital verschmilzt in Personalunion mit dem Bankkapital (oder es ‚verwächst‘, wie Bucharin treffend bemerkte) unter der Herausbildung einer Finanzoligarchie zum Finanzkapital, das die Epoche der Monopole erzeugt und das ohne Börse auskommt, Beamte aus der Regierung in den Bankdienst zieht, und das weltweit immer mehr ‚überschäumendes‘ Kapital statt Waren exportiert, Rohstoffquellen in Besitz nimmt und die Welt ökonomisch von internationalen Kartellen aufteilt, die den ganzen Weltmarkt, der dem Kapitalismus mit seiner Kombination von Binnen- und Außenmarkt eigentümlich ist, beherrschen. Es ist so entscheidend geworden, dass es sich Staaten unterwerfen kann oder sie nur formal selbständig lässt, wie zum Beispiel Portugal, das seit dem spanischen Erbfolgekrieg (1701 bis 1714) unter dem Protektorat Englands steht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren alle kapitalistischen Staaten auf der Jagd nach Kolonien, der Kolonialbesitz hat im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts rapide zugenommen, aber ungleichmäßig: Frankreich zum Beispiel hat der Fläche nach im gleichen Zeitraum dreimal soviel Kolonien erworben wie Deutschland und Japan zusammen. 1852 sagte Disraeli, dass Kolonien Mühlensteine am Halse Englands seien, 1895 sagte Cecil Rhodes: „Das Empire ist eine Magenfrage. Wenn sie den Bürgerkrieg nicht wollen, müssen Sie Imperialisten werden“. Das Finanzkapital wirft seine Netze über die ganze Welt aus und gründet Banken und Niederlassungen in den Kolonien. Alle Beziehungen zwischen kleinen und großen Ländern werden nach und nach „Kettenglieder der Operationen des Weltfinanzkapitals“. (a.a.O.,268). Das Finanzkapital lässt in einem „tollen Kampf“ weltweit Ländereien erobern, „gleichviel welche, gleichviel wo, gleichviel wie“ (a.a.O., 266) und der Opportunismus (Sozialchauvinismus) in der Arbeiterbewegung arbeitet mit der imperialistischen Bourgeoisie darauf hin, „ein imperialistisches Europa auf dem Rücken Afrikas und Asiens zu schaffen …“. (Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1960,107). Die territoriale Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts ist vollendet. 1907 schlossen die US-amerikanische General-Electric Co. Und die deutsche AEG einen Vertrag über die Aufteilung der Welt. Der Planet ‚Erde‘ ist zum ersten mal in der Weltgeschichte völlig aufgeteilt, ist jegliche Herrenlosigkeit los geworden, was natürlich eine Neuaufteilung der Welt durch Kriege nicht ausschließt, sondern unvermeidbar macht. Der Übergang des Kapitals zum Finanzkapital ist mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft. Lenin spricht von einer „eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik“ (Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960. 259), die mit dem Finanzkapital verknüpft ist. Kapital ist in solch ungeheuren Mengen angehäuft, dass es exportiert werden muss. Die Flotten der imperialistisch führenden Länder sind zu Gerichtsvollziehern des Finanzkapitals geworden. „Der Kapitalismus ist zu einem Weltsystem kolonialer Unterdrückung und finanzieller Erdrosselung der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung der Erde durch eine Handvoll ‚fortgeschrittener‘ Länder geworden“. (a.a.O.,195). Es ist für das Finanzkapital die günstige Situation eingetreten, dass es ohne Rücksicht auf die bürgerliche Moral dem Ochsen das Fell gleich zweimal über die Ohren ziehen kann. Es macht Profit aus Anleihen und dann, wenn mit diesen Produkte des Anleihengebers gekauft werden. Die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere die der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen hat ihr Höchstmaß erreicht und privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse stellen nur noch eine faulende Hülle dar, allerdings, und darin hat Lenin bis heute Recht behalten, eine, die sehr zählebig sein kann, wenn sie vom Opportunismus gepflegt wird. (Vergleiche a.a.O.,308). Die Höhe der Möglichkeit der allseitigen Vergesellschaftung der Produktion ist fast erreicht, denn anders als im klassischen Kapitalismus der unabhängigen und zersplitterten Privatunternehmer, der kleinen und großen Betriebe, die für einen anonymen Markt produzierten, gelingt jetzt, nach Abwürgung der kleinen Betriebe, ein ‚ungefährer Überschlag‘ über alle Rohstoffe der Welt und ein ungefährer Marktüberschlag. „Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist“ (a.a.O. 218). Der Kreis der Magnaten des Bankkapitals, das als kleines Wucherkapital angefangen hat, die ein Land wirtschaftlich regieren, wird immer kleiner und das Bestreben kommt auf, einen Banktrust zu bilden, durch dessen riesiges Wucherkapital jede Kapitalverfügung erst möglich wird, wobei die Banken ihre größten Geschäfte mit Emissionen machen. 1. „Alle Verhältnisse des Wirtschaftslebens erfahren infolge dieser Wandlung des Kapitalismus eine tiefgehende Veränderung ?“ (a.a.O.,237). Lysis ist in seiner Untersuchung „Gegen die Finanzoligarchie in Frankreich“, die 1908 als Buch in fünfter Auflage erschien, zu dem Ergebnis gekommen, dass die französische Republik eine Finanzmonarchie ist ! „Die französische Republik ist eine Finanzmonarchie“, die volle Herrschaft der Finanzoligarchie; sie herrscht unumschränkt über Presse und Regierung“. (a.a.O.,238). Brutale Gewaltherrschaft, Dynamit gegen Konkurrenten, Parasitismus und politische Reaktion sind die Kennzeichen der imperialistischen Epoche. Wenn die Einnahmen der Kapitalanleger in England zum Beispiel fünfmal höher sind als die Einnahmen aus dem gesamten Außenhandel des Landes, kann man dann nicht von Parasitismus sprechen ? Von einem westlichen Parasitismus ? Und in der Politik ? „Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft“. Dieser Satz Hilferdings ist zum geflügelten Wort geworden. Und die politische Reaktion auf der ganzen Linie ruft eine kleinbürgerlich-demokratisch-reaktionäre Opposition gegen den Imperialismus hervor. Lenin wird dann Kautsky vorwerfen, diese nicht zu bekämpfen, sondern sich mit ihr zu vereinen.

Summe der Emissionen in Milliarden Francs nach Jahrzehnten:

1871 – 1880 76,1

1881 – 189 64,5

1891 – 1900 100,4

1901 – 1910 197,8 (Siehe a.a.O.,243)

Zum Internationalen Frauentag 8. März 2016

8. März 2016

Der französische Aufklärer und Schöngeist Diderot verbeugte sich verbal tief vor dem weiblichen Geschlecht: Um einer Frau zu schreiben, müsse man „seine Feder in einen Regenbogen tauchen und die Schrift mit dem Staub von Schmetterlingsflügeln überpudern“. Allerdings sah der utopische Sozialist Charles Fourier in dieser zuckersüßen Melodey Diderots zu Recht eine Verhöhnung der Frauen. Der Dialektiker Fourier sprach es früher als andere Ideologen aus, dass die Höhe der menschlichen Zivilisation von der Höhe der Emanzipation der Frau abhänge. Die Frau kann nicht frei sein in einer Gesellschaft der Lohnsklaverei und ehemalige Lohnsklavinnen und Lohnsklaven können nicht frei sein, wenn die Frau noch patriarchalisch geknechtet wird. Der sich gegen das Kapital und das Patriarchat, also gegen eine doppelte Ausbeutung  erhebende Feminismus ist eine völlig verständliche und natürliche Strömung in der revolutionären Frauenbewegung, denn die Männer können ihre in Jahrhunderten eingetrichterten Machostrukturen nicht durch ein Wochenendseminar über Gleichberechtigung sagen wir bei den LINKEN einfach ablegen. Im Mittelalter stritten hochgelahrte Bischöfe über die Frage, ob die Frau überhaupt ein Mensch sei. Es gibt gute Gründe für die um ihre Befreiung kämpfenden Frauen, gegen das Eindringen von kleinbürgerlichen und bürgerlichen Ideologien in ihren Köpfen revolutionäre Wachsamkeit an den Tag zu legen. Das Sklavenlos der Frau ist doppelt schwer: unterdrückte lohnabhängige Sklavin, zu deren Ausbeutung die Haussklaverei noch DAZUKOMMT. Beide Quellen liegen im Kapitalismus und  keineswegs in  der juristsichen Rechtlosigkeit der Frau, wie es bürgerliche Ideologen von sich geben. Der gleiche Lohn für gleiche Arbeit ändert nichts an der Substanz der Sklaverei weder in der Fabrik noch im Haushalt. „Die Frau bleibt nach wie vor Haussklavin, trotz aller Befreiungsgesetze, denn sie wird erdrückt, erstickt, abgestumpft, erniedrigt von der Kleinarbeit der Hauswirtschaft, die sie an die Küche und an das Kinderzimmer fesselt und sie ihrer Schaffenskraft durch eine geradezu barbarisch unproduktive, kleinliche, entnervende, abstumpfende, niederdrückende Arbeit vergeuden läßt. Die wahre BEFREIUNG DER FRAU (kursiv von Lenin) , der wahre Kommunismus wird erst dort beginnen, wo und wann der Massenkampf…gegen diese Kleinarbeit der Hauswirtschaft, oder richtiger, ihre massenhafte Umgestaltung zur sozialistischen Großwirtschaft beginnt.“ (Lenin, Die Große Initiative, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,538). 

In der „BZ“, einer auflagenstarken Tageszeitung in Berlin, findet sich am 7. März 2016 eine Kolumne von einer Jacqueline Horner zum Weltfrauentag, der rein sexistisch ein Hohelied auf die lesbische Liebe singt, die Schlußsätze der Kolumne sind fettgedruckt: Angeblich tragen alle Frauen homoerotische Neigungen in sich. Ich kann nur sagen, Ladys, probiert es aus. Es lohnt sich definitiv !“ Die Liebe unter Frauen sei ihnen unbenommen, aber nicht diese steht im Mittelpunkt des internationalen Frauentages, sondern die Tatsache, dass dieser ein KAMPFTAG ist. Lenin machte es den Sozialistinnen / Sozialisten zur Pflicht, tiefer, zu den untersten Unterdrückten zu gehen, und das sind nun einmal in der bürgerlichen blutsaugerischen Ausbeutergesellschaft die am schlechtesten entlohnten proletarischen Frauen in den Städten, die Lohnsklavinnen in den Dörfern und die Au-pair-Mädchen, deren gräßliche Ausbeutung bei nur einem Tag Urlaub im Monat ohne Wochenenden im Verborgenen vor sich geht, oft verbunden mit sexueller Anmache durch die Wohlhabenden hinter verschlossenen Türen, und es ist nur folgerichtig, dass gerade  Fabrikarbeiterinnen,  Landarbeiterinnen und  Au-pair-Mädchen  in einer kommenden proletarischen Revolution führende Postionen einnehmen werden.

In allen großen Revolutionen standen revolutionäre Frauen an vorderster Front, selbst schon in der bürgerlichen Revolution 1789 in Frankreich: Was wäre aus dieser Revolution geworden, wenn nicht die sogenannten „Markthallenweiber“ von Paris nach Versailles, zeitweise in strömenden Regen, gezogen wären, um die königliche Familie nach Paris zurückzuholen, damit diese von Versailles aus keine Hungerverschwörung gegen die Hauptstadt anstiften konnte. („Wir holen uns jetzt den Bäcker und die Bäckersfrau“.) Besonders Marie Antoinette hatte Todesangst, als sie die Masse bewaffneter Frauen auf dem Schloßplatz in Versailles sah. Aber letztendlich setzte die bürgerliche Revolution nicht einmal das Wahlrecht für Frauen durch. Warum ? Weil in einer bürgerlichen Revolution die Gleichberechtigung der kapitalistischen Warenbesitzer wichtiger ist als die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Fouriers Aufmerksamkeit entging nicht, dass diese bürgerliche Revolution auch die  Familie mit ihrer latenten Sklaverei unangetastet ließ. Noch heute verdienen die Frauen für die gleiche Arbeit zirka 25 Prozent weniger als die Männer. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau steht in der BRD seit 66 Jahren auf dem Verfassungspapier und wird noch weitere 66 Jahre auf diesem Wisch bleiben, wenn proletarische Frauen und proletarische Männer nicht gemeinsam den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erkämpfen,  wie sie bereits die Reduzierung der Arbeitszeit und den Mindestlohn erkämpft haben. Man müsste auf beiden Augen blind sein, um nicht wahrzunehmen, wie sich heute eine vom Imperialismus herangezüchtete Arbeiteraristokratie vor dem  Euro prostituiert. Sie ist es, die eine soziale Verbesserung  der am schlechtesten entlohnten Arbeiter und Arbeiterinnen verhindert, die die Zahlung gleichen Lohns für gleiche Arbeit verhindert, ja den Hartz-IV-Terror eingeführt hat.

Heroisch war das Auftreten revolutionärer Frauen in der Pariser Kommune, sie stellten sich vor die Kanonen der Nationalgarde, die den revolutionären Truppen per Befehl der bürgerlichen Regierung genommen werden sollten und standen später auf den Barrikaden „ihren Mann“. Immer wieder ist in Revolutionen beobachtet worden, wie Frauen, kühner als Männer, die erste Reihe der Soldaten der Konterrevolution angingen, um ihnen mit bloßen Händen die Gewehre zu entwinden. Es war ein bürgerlicher Beobachter der Kommune, der in der Londoner ‚Times‘  schrieb: wenn die französische Nation aus Frauen bestünde, was wäre das für eine schreckliche Nation ! Auch in der Pariser Kommune hatten sich Frauenbataillone gegründet, die im Begriff standen, wie die ‚Markthallenweiber‘ von anno dazumal nach Versailles zu marschieren. Es sollen bis zu 10 000 Frauen gewesen sein, die in das Hauptquartier des Klassenfeindes aufbrechen wollten, sie hielten sogar Omnibusse an und zwangen die Fahrgäste auszusteigen. Louise Michel, Leiterin einer laizistischen Volksschule in Montmarte, hatte ein rotes Frauenbataillon gegründet und dieses wurde im ‚Amtsblatt der Kommune‘ lobend erwähnt, Louise, so ist nachzulesen, sei eine „tatkräftige Frau“ und habe mehrere Gendarmen und Polizisten getötet. Im Zuge einer proletarischen Revolution wird es unweigerlich zu einer Volksbewaffnung kommen, die natürlich die Frauen einschließen wird. Eine herausragende Rolle spielte auch die Russin Elisaweta Dmitrijewa.

In der russischen Revolution trugen Frauen wesentlich zum Sturz der über 300 Jahre regierenden Romanowdynastie ( gegründet 1613 ) bei. Schon während des ersten Weltkrieges kam es in russischen Dörfern  zu Wellen sogenannter ‚Weiberrevolten‘, ein  von den Behörden stammender Ausdruck,  in denen die Bäuerinnen den Klassenkampf für die ins Feld eingezogenen Bauern fortsetzten. Der Ursprung der Februarrevolution war feminin: Die von Männern dominierten Arbeiterkomitees, einschließlich der bolschewistischen, hatten sich gegen Streiks ausgesprochen, aber am 8. März, am Internationalen Frauentag, hielten sich die Frauen nicht mehr daran bzw. sie waren nicht mehr zu halten. Die Februarrevolution, die nach westlichem Kalender im März stattfand, begann durch Streiks von Textilarbeiterinnen in Petrograd. Lenin hatte Recht, dass die Revolutionärinnen / Revolutionäre tiefer in die Gesellschaft eindringen müssen, zu den Untersten der Unteren. Diese Arbeiterinnen initiierten alles und schickten Delegationen zu den schlagkräftigen Metallarbeitern, die sich überzeugen ließen. So kam die Lawine ins Rollen, am Nachmittag streikten 90. 000. Es liegt eine eindeutige Revolution von unten gegen die eigenen revolutionären Organisationen vor, die Fahne des Frauentages riss die rote Fahne mit sich, und insofern gebührt den vom Kapital exzessiv ausgebeuteten Beginnerinnen der Februarrevolution ein Ehrenplatz in der Geschichte der sozial ausgerichteten Revolutionen. Auslöser war die Brotknappheit, Ende 1916 waren die Preise sprunghaft angestiegen, ab dem 16. Januar 1917 wurden in Petrograd Brotkarten ausgegeben und vor den Bäckerläden bildeten sich lange Schlangen, einige Plünderungen waren bereits zu verzeichnen. Man erinnere sich an die Worte von St. Just aus der französischen Revolution: „Das Brot ist das Recht des Volkes !“

In der russischen Oktoberrevolution verabschiedeten Frauen, die in Petrograd in der Zigarrenherstellung tätig waren, eine Resolution, in der sie ihre volle Unterstützung für die Sowjets bekundeten und ihre uneingeschränkte Bereitschaft, sich beim ersten Alarmruf um die rote Fahne zu sammeln. Im zweiten Weltkrieg waren es sowjetische Partsisaninnen, die einen wertvollen Beitrag zur Zerschlagung des Hitlerfaschismus leisteten. Revolutionäre Frauen müssen SCHRECKLICH sein für den kapitalistischen Ausbeuter, für den Bourgeois, Kleinbürger, Nazi.  Lohnsklavinnen und Lohnsklaven haben einen gemeinsamen Feind. Das sagte auch Louise Michel. Und doch führen die Frauen einen doppelten Kampf: „Die revolutionären Frau führt einen doppelten Kampf: den um äußere Freiheit – in diesem Kampf findet sie in dem revolutionären Mann ihren Genossen, kämpft sie mit ihm, für dieselben Ziele, für dieselbe Sache – und den um innere Freiheit, eine Freiheit, die der Mann schon seit langen genießt. In diesem Kampf ist sie allein“.

Ab Juli 2012 haben sich im Norden Syriens in der Region Rojava aus einer femininen PKK-Guerillabewegung heraus auch in der neolithischen Tradition stehende, oft von jungen Frauen initiierte  Frauenräte gegründet, die die Revolution anführen mit dem vom Kurdenführer Abdullah Öcalan gegen den Widerstand seiner eigenen Genossen klar unterstützten Ziel, die patriarchalische Tradition zu brechen. Die Parole der Revolution lautet: „Der Kapitalismus ist ein alter Mann, die Revolution wird von Frauen getragen !“ Die Sicherheitskräfte dieses kommunalistischen Systems werden von Frauen gebildet, die auch Ansprechpartnerinnen für Frauen sind, die leider noch Gewalt von Männern erleiden. Es herrscht ein strenges Verbot, Frauen zu schlagen. Angestrebt wird durch die Kriegswirren hindurch eine Lebensform ohne Patriarchat und Staat. Die fortschrittliche Menschheit schaut derzeit mit starkem Interesse und großer Sympathie auf die Frauenbewegung in Rojava.

Anthropologie

1. März 2016

Ein Fundamentalsatz des historischen Materialismus lautet: Die Menschen machen  Geschichte aus dem Bestreben heraus, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Helvétius, der am weitesten fortgeschrittene Gesellschaftstheoretiker der französischen Aufklärung, entwickelte diese Tatsache noch anthropologisch (siehe seine Schrift: „De l‘ homme, de ses facultés intellectuelles et de son education, London 1772), noch nicht als historisches Klasseninteresse. Die Schrift erschien erst ein Jahr nach seinem Tod, zudem noch im Ausland, denn auf jede offene Kritik an der Religion und an der Staatsordnung stand die Todesstrafe. Die Überwindung der Einseitigkeit der Anthropologie, eine Disziplin, die für Holbachs Rückführung der Religion auf einen Anthropomorphismus zeichnet und die noch für Feuerbach zentral war, ist nicht nur in der Studierstube erfolgt. Sowohl Diderot als auch Holbach gingen davon aus, dass man im ganzen Universum immer nur Menschen und keinen Gott finde, ihr anthropologischer Ansatz ließ sie auf die Priestertrugstheorie hereinfallen, die die gesellschaftlichen Wurzeln der Religion ignoriert. Das soziale Elend aber ist die Quelle der Religion und eines allgütigen Gottes, seine Überwindung ließe widerspruchsfrei auf eine Allgüte schließen, ein Schluss, der aber dann nicht mehr vorgenommen werden wird. Der Anthropomorphismus ist eine Kopie der rein subjektiven Fixierung des religiösen Menschen auf sich selbst, eine Wohlstandsgesellschaft wird zwangsläufig eine atheistisch ausgerichtete werden. Die Anthroplogie war einerseits progressiv im Rahmen der Erklärung der Religion und ihrer Kritik, andererseits auch reaktionär im Rahmen der Gesellschaftswissenschaften, insofern sie die Geschichte nicht als eine Massen- und Klassenbewegung erfasste. Bereits Luther hob den Einzelnen heraus und fertigte aus ihm einen Mönch, der sich selbst bespiegelt und sich zu Gott fixiert ohne Dazwischenkunft eines Priesters, Luther erneuerte die Religion unter einer Kritik an der Kirche. Die bürgerliche Aufklärung verstärkte diese Individualisierung durch eine Selbstdomestisierung der Triebe, die in der kantischen Aufklärung durch einen pietistischen Rigorismus ins Quadrat erhoben wurde. Kant stellte den normalen Menschen einem Priester und einem Seelsorger gleich, der genauso denken kann wie diese, wenn er nur sein Bequemlichkeit überwinde. Aber dadurch ist das Dialogische abgebrochen und das Brot der Kommunikation ist über die Jahrhunderte hart geworden. Die Linke gebärdet sich heute in verbaler Hinsicht kollektivistisch und bestätigt doch die Worte von Rosa Luxemburg: In jedem sibirischen Dorf herrsche mehr Humanität als unter deutschen Sozialdemokraten. Die derzeitige Erbärmlichkeit der Linken sollte nicht mit der Erbärmlichkeit der deutschen Vergangenheit und Gegenwart entschuldigt werden. Was den Linken heute vorrangig fehlt sind Berufsrevolutionäre Lenin’scher Prägung mit ihrer Vergatterung, die an Rigorismus in der Weltgeschichte ohnegleichen ist: Das Glück der Völker hängt an von der Kompetenzhöhe der Mitglieder des Schwertträgerordens.

Heinz Ahlreip
heinzahlreip@aol.com