Zum Internationalen Frauentag 8. März 2016

Der französische Aufklärer und Schöngeist Diderot verbeugte sich verbal tief vor dem weiblichen Geschlecht: Um einer Frau zu schreiben, müsse man „seine Feder in einen Regenbogen tauchen und die Schrift mit dem Staub von Schmetterlingsflügeln überpudern“. Allerdings sah der utopische Sozialist Charles Fourier in dieser zuckersüßen Melodey Diderots zu Recht eine Verhöhnung der Frauen. Der Dialektiker Fourier sprach es früher als andere Ideologen aus, dass die Höhe der menschlichen Zivilisation von der Höhe der Emanzipation der Frau abhänge. Die Frau kann nicht frei sein in einer Gesellschaft der Lohnsklaverei und ehemalige Lohnsklavinnen und Lohnsklaven können nicht frei sein, wenn die Frau noch patriarchalisch geknechtet wird. Der sich gegen das Kapital und das Patriarchat, also gegen eine doppelte Ausbeutung  erhebende Feminismus ist eine völlig verständliche und natürliche Strömung in der revolutionären Frauenbewegung, denn die Männer können ihre in Jahrhunderten eingetrichterten Machostrukturen nicht durch ein Wochenendseminar über Gleichberechtigung sagen wir bei den LINKEN einfach ablegen. Im Mittelalter stritten hochgelahrte Bischöfe über die Frage, ob die Frau überhaupt ein Mensch sei. Es gibt gute Gründe für die um ihre Befreiung kämpfenden Frauen, gegen das Eindringen von kleinbürgerlichen und bürgerlichen Ideologien in ihren Köpfen revolutionäre Wachsamkeit an den Tag zu legen. Das Sklavenlos der Frau ist doppelt schwer: unterdrückte lohnabhängige Sklavin, zu deren Ausbeutung die Haussklaverei noch DAZUKOMMT. Beide Quellen liegen im Kapitalismus und  keineswegs in  der juristsichen Rechtlosigkeit der Frau, wie es bürgerliche Ideologen von sich geben. Der gleiche Lohn für gleiche Arbeit ändert nichts an der Substanz der Sklaverei weder in der Fabrik noch im Haushalt. „Die Frau bleibt nach wie vor Haussklavin, trotz aller Befreiungsgesetze, denn sie wird erdrückt, erstickt, abgestumpft, erniedrigt von der Kleinarbeit der Hauswirtschaft, die sie an die Küche und an das Kinderzimmer fesselt und sie ihrer Schaffenskraft durch eine geradezu barbarisch unproduktive, kleinliche, entnervende, abstumpfende, niederdrückende Arbeit vergeuden läßt. Die wahre BEFREIUNG DER FRAU (kursiv von Lenin) , der wahre Kommunismus wird erst dort beginnen, wo und wann der Massenkampf…gegen diese Kleinarbeit der Hauswirtschaft, oder richtiger, ihre massenhafte Umgestaltung zur sozialistischen Großwirtschaft beginnt.“ (Lenin, Die Große Initiative, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,538). 

In der „BZ“, einer auflagenstarken Tageszeitung in Berlin, findet sich am 7. März 2016 eine Kolumne von einer Jacqueline Horner zum Weltfrauentag, der rein sexistisch ein Hohelied auf die lesbische Liebe singt, die Schlußsätze der Kolumne sind fettgedruckt: Angeblich tragen alle Frauen homoerotische Neigungen in sich. Ich kann nur sagen, Ladys, probiert es aus. Es lohnt sich definitiv !“ Die Liebe unter Frauen sei ihnen unbenommen, aber nicht diese steht im Mittelpunkt des internationalen Frauentages, sondern die Tatsache, dass dieser ein KAMPFTAG ist. Lenin machte es den Sozialistinnen / Sozialisten zur Pflicht, tiefer, zu den untersten Unterdrückten zu gehen, und das sind nun einmal in der bürgerlichen blutsaugerischen Ausbeutergesellschaft die am schlechtesten entlohnten proletarischen Frauen in den Städten, die Lohnsklavinnen in den Dörfern und die Au-pair-Mädchen, deren gräßliche Ausbeutung bei nur einem Tag Urlaub im Monat ohne Wochenenden im Verborgenen vor sich geht, oft verbunden mit sexueller Anmache durch die Wohlhabenden hinter verschlossenen Türen, und es ist nur folgerichtig, dass gerade  Fabrikarbeiterinnen,  Landarbeiterinnen und  Au-pair-Mädchen  in einer kommenden proletarischen Revolution führende Postionen einnehmen werden.

In allen großen Revolutionen standen revolutionäre Frauen an vorderster Front, selbst schon in der bürgerlichen Revolution 1789 in Frankreich: Was wäre aus dieser Revolution geworden, wenn nicht die sogenannten „Markthallenweiber“ von Paris nach Versailles, zeitweise in strömenden Regen, gezogen wären, um die königliche Familie nach Paris zurückzuholen, damit diese von Versailles aus keine Hungerverschwörung gegen die Hauptstadt anstiften konnte. („Wir holen uns jetzt den Bäcker und die Bäckersfrau“.) Besonders Marie Antoinette hatte Todesangst, als sie die Masse bewaffneter Frauen auf dem Schloßplatz in Versailles sah. Aber letztendlich setzte die bürgerliche Revolution nicht einmal das Wahlrecht für Frauen durch. Warum ? Weil in einer bürgerlichen Revolution die Gleichberechtigung der kapitalistischen Warenbesitzer wichtiger ist als die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Fouriers Aufmerksamkeit entging nicht, dass diese bürgerliche Revolution auch die  Familie mit ihrer latenten Sklaverei unangetastet ließ. Noch heute verdienen die Frauen für die gleiche Arbeit zirka 25 Prozent weniger als die Männer. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau steht in der BRD seit 66 Jahren auf dem Verfassungspapier und wird noch weitere 66 Jahre auf diesem Wisch bleiben, wenn proletarische Frauen und proletarische Männer nicht gemeinsam den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erkämpfen,  wie sie bereits die Reduzierung der Arbeitszeit und den Mindestlohn erkämpft haben. Man müsste auf beiden Augen blind sein, um nicht wahrzunehmen, wie sich heute eine vom Imperialismus herangezüchtete Arbeiteraristokratie vor dem  Euro prostituiert. Sie ist es, die eine soziale Verbesserung  der am schlechtesten entlohnten Arbeiter und Arbeiterinnen verhindert, die die Zahlung gleichen Lohns für gleiche Arbeit verhindert, ja den Hartz-IV-Terror eingeführt hat.

Heroisch war das Auftreten revolutionärer Frauen in der Pariser Kommune, sie stellten sich vor die Kanonen der Nationalgarde, die den revolutionären Truppen per Befehl der bürgerlichen Regierung genommen werden sollten und standen später auf den Barrikaden „ihren Mann“. Immer wieder ist in Revolutionen beobachtet worden, wie Frauen, kühner als Männer, die erste Reihe der Soldaten der Konterrevolution angingen, um ihnen mit bloßen Händen die Gewehre zu entwinden. Es war ein bürgerlicher Beobachter der Kommune, der in der Londoner ‚Times‘  schrieb: wenn die französische Nation aus Frauen bestünde, was wäre das für eine schreckliche Nation ! Auch in der Pariser Kommune hatten sich Frauenbataillone gegründet, die im Begriff standen, wie die ‚Markthallenweiber‘ von anno dazumal nach Versailles zu marschieren. Es sollen bis zu 10 000 Frauen gewesen sein, die in das Hauptquartier des Klassenfeindes aufbrechen wollten, sie hielten sogar Omnibusse an und zwangen die Fahrgäste auszusteigen. Louise Michel, Leiterin einer laizistischen Volksschule in Montmarte, hatte ein rotes Frauenbataillon gegründet und dieses wurde im ‚Amtsblatt der Kommune‘ lobend erwähnt, Louise, so ist nachzulesen, sei eine „tatkräftige Frau“ und habe mehrere Gendarmen und Polizisten getötet. Im Zuge einer proletarischen Revolution wird es unweigerlich zu einer Volksbewaffnung kommen, die natürlich die Frauen einschließen wird. Eine herausragende Rolle spielte auch die Russin Elisaweta Dmitrijewa.

In der russischen Revolution trugen Frauen wesentlich zum Sturz der über 300 Jahre regierenden Romanowdynastie ( gegründet 1613 ) bei. Schon während des ersten Weltkrieges kam es in russischen Dörfern  zu Wellen sogenannter ‚Weiberrevolten‘, ein  von den Behörden stammender Ausdruck,  in denen die Bäuerinnen den Klassenkampf für die ins Feld eingezogenen Bauern fortsetzten. Der Ursprung der Februarrevolution war feminin: Die von Männern dominierten Arbeiterkomitees, einschließlich der bolschewistischen, hatten sich gegen Streiks ausgesprochen, aber am 8. März, am Internationalen Frauentag, hielten sich die Frauen nicht mehr daran bzw. sie waren nicht mehr zu halten. Die Februarrevolution, die nach westlichem Kalender im März stattfand, begann durch Streiks von Textilarbeiterinnen in Petrograd. Lenin hatte Recht, dass die Revolutionärinnen / Revolutionäre tiefer in die Gesellschaft eindringen müssen, zu den Untersten der Unteren. Diese Arbeiterinnen initiierten alles und schickten Delegationen zu den schlagkräftigen Metallarbeitern, die sich überzeugen ließen. So kam die Lawine ins Rollen, am Nachmittag streikten 90. 000. Es liegt eine eindeutige Revolution von unten gegen die eigenen revolutionären Organisationen vor, die Fahne des Frauentages riss die rote Fahne mit sich, und insofern gebührt den vom Kapital exzessiv ausgebeuteten Beginnerinnen der Februarrevolution ein Ehrenplatz in der Geschichte der sozial ausgerichteten Revolutionen. Auslöser war die Brotknappheit, Ende 1916 waren die Preise sprunghaft angestiegen, ab dem 16. Januar 1917 wurden in Petrograd Brotkarten ausgegeben und vor den Bäckerläden bildeten sich lange Schlangen, einige Plünderungen waren bereits zu verzeichnen. Man erinnere sich an die Worte von St. Just aus der französischen Revolution: „Das Brot ist das Recht des Volkes !“

In der russischen Oktoberrevolution verabschiedeten Frauen, die in Petrograd in der Zigarrenherstellung tätig waren, eine Resolution, in der sie ihre volle Unterstützung für die Sowjets bekundeten und ihre uneingeschränkte Bereitschaft, sich beim ersten Alarmruf um die rote Fahne zu sammeln. Im zweiten Weltkrieg waren es sowjetische Partsisaninnen, die einen wertvollen Beitrag zur Zerschlagung des Hitlerfaschismus leisteten. Revolutionäre Frauen müssen SCHRECKLICH sein für den kapitalistischen Ausbeuter, für den Bourgeois, Kleinbürger, Nazi.  Lohnsklavinnen und Lohnsklaven haben einen gemeinsamen Feind. Das sagte auch Louise Michel. Und doch führen die Frauen einen doppelten Kampf: „Die revolutionären Frau führt einen doppelten Kampf: den um äußere Freiheit – in diesem Kampf findet sie in dem revolutionären Mann ihren Genossen, kämpft sie mit ihm, für dieselben Ziele, für dieselbe Sache – und den um innere Freiheit, eine Freiheit, die der Mann schon seit langen genießt. In diesem Kampf ist sie allein“.

Ab Juli 2012 haben sich im Norden Syriens in der Region Rojava aus einer femininen PKK-Guerillabewegung heraus auch in der neolithischen Tradition stehende, oft von jungen Frauen initiierte  Frauenräte gegründet, die die Revolution anführen mit dem vom Kurdenführer Abdullah Öcalan gegen den Widerstand seiner eigenen Genossen klar unterstützten Ziel, die patriarchalische Tradition zu brechen. Die Parole der Revolution lautet: „Der Kapitalismus ist ein alter Mann, die Revolution wird von Frauen getragen !“ Die Sicherheitskräfte dieses kommunalistischen Systems werden von Frauen gebildet, die auch Ansprechpartnerinnen für Frauen sind, die leider noch Gewalt von Männern erleiden. Es herrscht ein strenges Verbot, Frauen zu schlagen. Angestrebt wird durch die Kriegswirren hindurch eine Lebensform ohne Patriarchat und Staat. Die fortschrittliche Menschheit schaut derzeit mit starkem Interesse und großer Sympathie auf die Frauenbewegung in Rojava.

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