145 Jahre Pariser Commune „Man soll das ganze Gerede vom Staat fallenlassen …“ (Engels: Brief an Bebel 1875))

   „Nichts kann für den Sozialismus lehrreicher sein, wie das Studium der Geschichte der Kommune.“ (Bebel)

Am 18. März 1871 wurde die Pariser Commune proklamiert, nachdem der Versuch der bürgerlichen Regierung der kapitalistischen Klasse in Paris gescheitert war, die durch den deutsch-französischen Krieg gebildete proletarische Nationalgarde zu entwaffnen, da sie vor dieser mehr Angst hatte als vor den preußischen Truppen Wilhelms.  Die Pariser Commune endete bereits am 28. Mai 1871, obwohl das Morden an den Revolutionären noch bis Mitte Juni andauerte. Auch in der russischen Revolution gab es 1917 einen Entwaffnungsversuch der Revolution, nur auf andere Weise: 1917 befahl die Provisorische Kerenski-Regierung, die revolutionäre Petrograder Garnison an die Front zu verlegen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in Paris wurden quasi durch einen völlig unerwarteten, misslungenen Coup in diese Revolution hineingejagt, nachdem all ihre Versuche gescheitert waren, einen Bürgerkrieg zu verhindern. Die Commune war für Rosa Luxemburg nicht das Ergebnis eines zielbewußten Kampfes, sondern sie fiel „ausnahmsweise als von allen verlassenes herrenloses Gut in den Schoß“ (Rosa Luxemburg, Sozialreform oder Revolution, in: Rosa Luxemburg, Schriften zur Theorie der Spontaneität, Texte des Sozialismus und des Anarchismus, Rowohlt Verlag, Hamburg, 1970,58). Der junge Engels hatte schon 1847 in den Grundsätzen des Kommunismus darauf hingewiesen, dass eine friedliche Enteignung der Enteigner das Sinnvollste wäre zur Gründung einer gerechten Gesellschaft, sah aber voraus, dass die Arbeiterklasse eher zu einer gewaltsamen Revolution gedrängt werden wird (Friedrich Engels, Grundsätze des Kommunismus, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,372) und der alte  Engels hatte 1891 den Feinden der Arbeiterklasse  zugerufen: „Schießen Sie gefälligst zuerst, meine Herren Bourgeois !“ (Friedrich Engels, Der Sozialismus in Deutschland, Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,245). Und in Paris hatte der Herr Bourgeois zuerst geschossen, zwang eine Diktatur des Proletariats herbei, die zur Gewaltanwendung gegenüber der Bourgeoisie legitimiert war.  Wie unvorbereitet der Anschlag auf die Kanonen der Nationalgarde die Pariser Arbeiter traf, wird allein schon durch die Tatsache deutlich, dass Auguste Blanqui, einer ihrer Hauptvertreter, kurz vorher Paris verlassen hatte, um eine Kur anzutreten Die Kommune war die erste Arbeiter/innenrevolution und die erste Arbeiter/innenregierung, zugleich die erste Majoritätsrevolution in der Weltgeschichte, war die „Morgenröte der sozialen Revolution“, obwohl  um 1870 das Proletariat in keinem europäischen Land die Mehrheit bildete, Frankreich war noch ein vorwiegend kleinbürgerliches Land ohne effektive großkapitalistische Technik und in Paris konzentrierte sich vorwiegend die Luxusindustrie. ‚Wo das Proletariat auftritt, hört die Bourgeoisie auf, eine fortschrittliche Klasse zu sein‘, pflegte Kautsky, auf den noch näher einzugehen ist, zu sagen. „Die liberale Bourgeoisie hat vor der Selbständigkeit dieser Klasse hundertmal mehr Angst als vor jeder beliebigen Reaktion“ (Lenin, Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx, Werke Band 18,577). Sie vereinigte die Todfeinde eines nationalen Krieges zu einem Pakt, um Paris vom leibhaftig gewordenen ‚Gespenst des Kommunismus‘ zu „befreien“. Die Commune war bis dahin ein einmaliges Beispiel. Obwohl sie eine Revolution ohne Arbeiterpartei ohne Revolutionsschulung und ohne umfassenden Gewerkschaften und Genossenschaften war,  diente sie Karl Marx zur Überprüfung seiner Theorie. Im letzten Kapitel des 18. Brumaire hatte Marx 1852 prognostiziert, dass die nächste Aufgabe einer europäischen Revolution in der Zerschlagung der bürgerlichen Staatsmaschine bestehen würde. Und in der Tat stellte die Commune diese Frage in den Mittelpunkt. Was im ‚Kommunistischen Manifest‘ als Resultat einer Arbeitererhebung noch ganz abstrakt als ‚Erkämpfung der Demokratie‘ gefasst war, und was auch durch die Erfahrungen der 48er Revolution, die durchaus einen Fortschritt in der Arbeiterbewegung brachten,  nicht präzisert wurde, die Ergebnisse der 48er Revolution ließen das Manifest von einer Korrekturhand unberührt, ereignete sich jetzt vor den Augen von Marx und Engels konkret und beide lernten von der Commune, dieser letzten großen Revolution, deren Zeitzeuge sie noch waren: die proletarische Demokratie mit dem Endzweck der Beseitigung der Klassenherrschaft. „… ein neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit ist gewonnen“, schrieb Marx am 17. April 1871 an Dr. Kugelmann. War die Beseitigung der Klassengesellschaft das Geheimnis der Arbeiterbewegung überhaupt, so bestand das Geheimnis der Pariser Commune darin, dass sie schlicht eine Regierung der Arbeiterklasse war (so Marx und gegensätzlich dazu Lissagaray, für den sie gerade keine Regierung der Arbeiterklasse war, sondern aus bisher apolitischen Kleinbürgern und Krämern mit bescheidener revolutionärer Vergangenheit bestand – siehe Geschichte der Commune, 2. Auflage,145), ein Staat ohne Ausbeuter von kurzer Lebensdauer, aber mit einer geballten Kraft von antizipierenden Skizzen zukünftiger kollektiver Lebensformen, der die bisher ausgebeuteten Massen zum Regieren heranzog. Sie war der Krieg der produktiven Klassen, angeführt aus den Arbeiterbezirken von Paris, gegen den Staat der unproduktiven Klassen, angeführt von der Thiers-Adminitration in Versailles. Und diese Pariser Arbeiterklasse bewegte Marx und Engels, ihr Manifest von 1848, eine veritable Bürgerkriegsschrift, zu „korrigieren“: Im in London am 24. Juni 1872 geschriebenen Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe des Manifestes erklären beide, dass ihr Manifest „heute stellenweise veraltet“ sei: „Namentlich hat die Kommune den Beweis geliefert, daß die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschine einfach in Besitz nehmen und sie für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann“ (Karl Marx / Friedrich Engels, Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe von 1872, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,12).

Einen entscheidenden Wesenszug der Pariser Kommune sah Marx darin, dass sie endlich die politische Form gefunden habe, unter der die ökonomische Befreiung der Arbeit sich vollziehen kann. (Vergleiche Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Werke Band 17, Dietz Verlag Berlin, 1960,342). Die Befreiung der Arbeit aber bedeutet die Aufhebung einer Gesellschaft, die aus produktiven und unproduktiven Klassen besteht und in der die Trennung von Hand- und Kopfarbeit obligatorisch ist. Lenin sah in der Pariser Commune einen „riesenhaften Anstoß“ (Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1960,382) für die internationale Arbeiterbewegung. Schon Marx und Engels hatten im Manifest den ‚gleichen Arbeitszwang für alle‘ gefordert. Sozialistisch weiterentwickelt wurde diese Emanzipation der Arbeit über ‚Subbotniks‘, die für Lenin Keimformen des Kommunismus bildeten, in dem die Arbeit aus einer Last endgültig zu einer Lust umgeschlagen sein wird. Alle bisherigen Revolutionen in der Weltgeschichte wurden seit der Möglichkeit, Mehrprodukt und damit Priesterkasten und Politikaster zu produzieren, von unproduktiven, sich in der Minderheit befindlichen  Kopfarbeitern initiiert, die Kommune war die erste Revolution der produktiven Klassen, die bisher in der Weltgeschichte immer nur Kanonenfutter, ein Objekt, ein Spielball sie beherrschender und sie bevormundender Kräfte waren. Die Kommune begann also mit einem Milieu- und Tabubruch, der jeder Revolution eignet. Im 18. Jahrhundert hatten bereits die Enzyklopädisten um Diderot einen Tabubruch begangen, als sie neben den schönen Künsten und Wissenschaften die Handwerke in ihrer Enzyklopädie thematisierten und damit eine unterschwellige atheistisch-materialistische Tendenz der französischen Aufklärung wiedergaben: das Tun der Menschen wird nicht aus ihrem Denken, sondern aus ihren Bedürfnissen bestimmt und sie machen Geschichte aus dem Motiv heraus, diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Im Hintergrund stand in ökonomischer Hinsicht  die historische Überwindung der grundlegenden organisierenden Kraft der anarchisch aufgebauten kapitalistischen Gesellschaft: die Aufhebung des Marktes durch eine höhere Organisation der Arbeit. Indem zum ersten Mal in der Weltgeschichte die Beseitigung der Klassenherrschaft überhaupt auf die Agenda gesetzt worden war, stellte sich sofort die Frage der Staatsmaschine in den Mittelpunkt der politischen Analyse: Hatten bürgerliche Revolutionen diese immer nur von einer Hand in die andere gebend vervollkommnet, so mussten die Communarden sofort daran gehen, diese sie bisher knechtende Maschine, diesen überlebten politischen Überbau zu zerstören. In diesem Punkt waren sich Marx, Engels, Proudhon, Blanqui und Bakunin einig, nicht aber in der Dialektik von Revolution und Konterrevolution, die Marx und Engels als Prozess, Proudhon und Bakunin aber als einen einmaligen Akt nur der Zerstörung deuteten. Die Abschaffung des Geldes sei sofort möglich und man komme ohne Übergangsstaat vom Kapitalismus direkt zum Kommunismus. In Überzeichnung der Hegelschen Negativität , in der nicht nur zerstört, sondern auch aufbewahrt wird (im Sinne von aufheben, aufheben ist der spezifisch Hegelsche Ausdruck), schwärmte Bakunin von einer ‚Lust der Zerstörung‘, die auch immer im Sinne des ewigen Geistes zugleich eine schaffende Lust sei (Vergleiche Bakunin, Die Reaktion in Deutschland, in: Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst / 21. Oktober 1842). Für die den Staat abstrakt negierenden Anarchisten lag der Kardinalfehler der Marxisten darin, dass sie die zerschlagene Staatsmaschine durch eine neue ersetzen, also destruktiv und konstruktiv in einem sein wollten. Marx hatte im Zweiten Entwurf des Bürgerkrieges in Frankreich geschrieben: „Das politische Werkzeug ihrer Versklavung kann nicht als politisches Werkzeug ihrer Unterdrückung dienen“ (Karl Marx, Zweiter Entwurf zum Bürgerkrieg in Frankreich, Werke Band 17, Dietz Verlag Berlin, 1960,592). Leider hatte Plechanow in seiner 1894 in deutscher Sprache erschienenen Broschüre „Anarchismus und Sozialismus“ die Frage der Zertrümmerung des bürgerlichen Staates gar nicht gestellt und es war wohl auch kein Zufall, dass er im April 1901 Lenins Bitte, für die ‚Iskra‘ einen Artikel zum Jahrestag der Kommune zu schreiben, zwar nicht ablehnte, aber beifällig erwähnte, die Kommune sei doch schon „alte Geschichte“. (Siehe Georges Haupt, Die Kommune als Symbol und Beispiel, Schriften aus dem Karl-Marx-Haus, Heft 12, Trier,1974,22). Aber kurz vor der Oktoberrevolution, als sich die Frage nach dem Verhältnis der proletarischen Revolution zum bürgerlichen Staat und die Frage, wodurch er zu ersetzen sei in vollem Umfang stellten,  sah sich Lenin gezwungen, auf die Erfahrungen von 1871 zurückzugreifen, in seinen ‚Aprilthesen‘ verwies er auf den Kommunestaat und in der Revolution sah er im Sowjetstaat einen Staat vom Typus der Kommune. Ein Jahr nach der Oktoberrevolution tat er dies ebenfalls, nun, um die Entstellungen des Marxismus durch Kautsky nachzuweisen, der in seiner eine Kritik der rigiden bolschewistischen Revolutionspolitik darstellenden Broschüre  „Die Diktatur des Proletariats“ 1918 den Bolschewiki Verrat an der Demokratie vorwarf und deren Besprechung sowohl in der Zeitung der Börsianer („Frankfurter Zeitung“) als auch im Scheidemanns „Vorwärts“ sehr gut abschnitt.

EXKURS: Kautsky behauptete, trotz der Existenz von Klassen gäbe es Demokratie in Reinkultur und folglich komme alle Macht von den Stimmzetteln her und nicht aus den Gewehrläufen. Aber weder Kautsky noch die Menschewiki haben von den Aprilthesen 1917 bis zu Kautskys Broschüre ‚Die Diktatur des Proletariats‘ „1918  auch nur ein einziges Mal versucht, die Frage des Staates vom Typus der Kommune zu untersuchen“. (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1960,266). Was Kautsky an der Kommune positiv bewertete, ihr abstraktes Demokratieverständnis, gereichte ihr gerade zum Nachteil. Mit seiner Gegenbroschüre „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky“ wollte Lenin den Nachweis erbringen, dass die Politik der Bolschewiki in der Staatsfrage, also in der Frage der Diktatur des Proletariats nicht verfehlt sei: demokratisch für die arme Mehrheit des Volkes, zugleich diktatorisch gegen die reiche Minderheit, der man, über die Pariser Commune hinausgehend, das Wahlrecht entzogen hatte. Das bewog Kautsky dazu, dem Bolschewismus in seiner Broschüre ‚Terrorismus und Kommunismus‘ eine terroristische Anlage zu unterschieben unter Verweis auf das uneingeschränkte Wahlrecht der Pariser Commune.  War dieser Rechtsentzug von Lenin auch keineswegs als obligatorisch für eine proletarische Revolution ausgegeben worden, so ging es ihm in seiner Polemik gegen Kautsky doch um die Behauptung des Bolschewismus „als Vorbild der Taktik für alle“ mit dem Ziel einer revolutionären, vorübergehenden Diktatur des Proletariats durch revolutionäre Gewalt unter der Anführerschaft einer Kaderpartei, für die die gewaltsame Unterdrückung der ‚Weißen‘ zunächst im Vordergrund stand. Was Kautsky, dessen Schwachstelle zugegebenermaßen die Philosophie war (konkreter war es die materialistische Dialektik), nicht begriffen hatte, war, dass es Demokratie und Demokratie gibt: eine bürgerliche gegen den Feudalismus und eine proletarische gegen den Kapitalismus. Sein Verharren auf der bürgerlichen Demokratie und damit auf dem Parlamentarismus zusammen mit seinem Vorwurf des Sowjet-Terrorismus veranlasste Trotzki zu dem Bild, dass Kautskys zentristisches Schiff der Revolution stille Buchten bevorzuge. In der Tat sah Kautsky in seiner ersten Broschüre gegen die Bolschewiki das Parlament und die alte zaristische Armee, dieser festesten Stütze des Eigentums und der bürgerlichen Verhältnisse, als Ordnungsfaktoren an und kritisierte die wilde Landnahme am Großgrundbesitz. Er begriff nicht den tiefen demokratischen Gehalt in der Diktatur des Proletariats und erhoffte sich eine Wiederherstellung einer Dumademokratie, während Engels bekanntlich vom Absterben der Dempkratie im Sozialismus sprach, dass eben das Absterben des Staates auch das Absterben der Demokratie beinhalte. Er sah in der Oktoberrevolution, die für ihn aus der glücklichen Situation einer Augenblickskonstellation entsprungen war, die letzte der bürgerlichen Revolutionen und nicht die erste der sozialistischen. Durch die Anwendung der diktatorischen statt der demokratischen Methode versuchten die Bolschewiki, aus der bürgerlichen Revolution zur sozialistischen zu springen und erstere wegzudekretieren. „Aber wenn man im Bilde bleiben will, dann gemahnt uns ihre Praxis mehr an eine schwangere Frau, die die tollsten Sprünge vollzieht, um die Dauer ihrer Schwangerschaft, die sie ungeduldig macht, abzukürzen und eine Frühgeburt herbeizuführen“ (Karl Kautsky, Die Diktatur des Proletariats, Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Ignaz Brand, Wien, 1919,43). Die Hauptkrankheit der Oktoberrevolution sah Kautsky in der Zersplitterung der Landwirtschaft, durch die sie einen kleinbäuerlichen Charakter annahm. „Das auffallendste Merkmal der jetzigen russischen Revolution ist ihre Arbeit im Sinne von Eduard David. Er und nicht Lenin gibt dort die eigentliche Richtung der Revolution an“ (a.a.O.,44). Eduard David (1863 bis 1930), ein Anhänger Bernsteins und ab 1914 Hauptinitiator der Burgfriedenspolitik, stand auf dem rechten Flügel der SPD und vertrat eine Hinwendung dieser Partei zu bäuerlichen Wählergruppen. Für Kautsky lief die russische Revolution auf eine Diktatur der Bauern hinaus, da das von den Leninisten angestrebte Bündnis zwischen Proletariat und Bauernschaft unter russischen Bedingungen zum Scheitern verurteilt sei. Der zwischen dem Dorf und der Stadt stattfindende Warenverkehr wird nach Kautsky unweigerlich zum Gegensatz zwischen den Bauern und den Proletariern führen: der Bauer sei selbstredend an hohen Preisen für landwirtschaftliche Produkte interessiert wie an niedrigen Preisen für Industrieprodukte. Im Gegensatz zur Staatsindustrie kann es ihm im Privatsektor der Industrie gleichgültig sein, wie diese niedrigen Preise zustandekommen, in der Staatsindustrie ist er aber aus Steuererwägungen an hohen Profite, also niedrigen Arbeitslöhnen interessiert, da niedrige Profite auf diesem Sektor für ihn mehr Steuern bedeuten würden, denn niedrige Staatseinnahmen werden  durch ein höheres, vornehmlich von den Bauern zu tragendes Steueraufkommen kompensiert werden. (ENDE DES EXKURSES).

Zwar war die Commune im Gegensatz zum bürgerlichen Staat, der der repressive Schmarotzerstaat im eigentlichen Sinn des Wortes geworden war, eine „übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft“ (Karl Marx, Erster Entwurf zum ‚Bürgerkrieg in Frankreich‘, Werke Band 17, Dietz Verlag Berlin, 1960,541), schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr, war der Beginn des Absterbens des Staates und ein Übergangsstaat zum Kommunismus hin, aber noch galt es, die Minderheit der Konterrevolutionäre durch die Autorität eines bewaffneten Volkes zu unterdrücken und Unterdrückung bedeutet, dass staatliche Strukturen noch vorhanden sein müssen. Die Vernichtung der Ausbeuter mit einem Schlag ist eine sehr große Seltenheit, schon ihre größere Routine im Militärwesen, ihr Geldbesitz, die Fläche Frankreichs sprachen dagegen  und die Unbeweglichkeit der Provinz, die für die Pariser Proleten nur wenige Finger rührten. Die Commune war die in Paris mit einer neuen Maschine kommandierende Diktatur der Mehrheit über die Minderheit und die europäische Konterrevolution, die ihre Taktik rasch von der Diplomatie und dem raffinierten Massenbetrug auf die tierisch-grausame Unterdrückung à la Sulla verlegt hatte, tötete in einem Blutrausch, der die Bartholomäus-Nacht in den Schatten stellte, die Commune als kriminelle Vereinigung im Zusammenprallen zweier Städte: dem Paris des Luxus und dem Paris des Elends, in einem entsetzlich blutigen Mai-Massaker nach Standrecht besonders um den Friedhof Père Lachaise mit mehr Toten in einem Monat als die bürgerliche Revolution im Jahr 1789 insgesamt zu verzeichnen hatte, ehe der Umschlag von Quantität in Qualität zur Anarchie hin sich ereignen konnte. „Man vergißt nämlich immer, daß die Aufhebung des Staates auch die Aufhebung der Demokratie bedeutet, daß ein Absterben des Staates ein Absterben der Demokratie ist“. (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,469). In „der kommunistischen Gesellschaft wird die Demokratie, sich umbildend und zur Gewohnheit werdend, absterben …“ (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1960,240f.). Den Kern der Demokratie der Arbeiter und Armen, die zugleich zum ersten Mal in der Weltgeschichte eine Diktatur der Mehrheit über die verschwindend kleine Minderheit der Kapitalisten und Reichen war, bildete die Volksbewaffnung, die den Halbstaat abzusichern hatte. Das Proletariat regiert mit einer neuen Staatsmaschine, die es aufzuheben gilt: Im Sozialismus werden alle der Reihe nach regieren und sich schnell daran gewöhnen, daß keiner regiert“. (a.a.O., 503). Bekanntlich ging Lenin in der Frage des Staates mit den Anarchisten gar nicht auseinander. „Man sollte das ganze Gerede vom Staat fallenlassen“, hatte Engels im März 1875 an August Bebel geschrieben, „besonders seit der Kommune …“ Sozialismus und Staat vertragen sich nicht. Und Engels schlägt vor, statt ‚Staat‘ das Wort ‚Gemeinwesen‘ zu setzen, „ein gutes altes deutsches Wort, das das französische ‚Kommune‘ sehr gut vertreten kann“ (Brief von Engels an Bebel vom 18./28. März 1875, in: Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,453). Der Kommune“staat“ ist folglich ein ‚System der Gemeinden‘, „an Stelle einer besonderen Repressionsgewalt trat die Bevölkerung selbst auf den Plan“ (a.a.O.,454). Die Kommune wies noch Spuren eines Staates auf, die in ihr von selbst abgestorben wären. Am Ende der Pariser Kommune hätte es in ihr nichts ‚Staatliches‘ mehr zu tun gegeben. Lenin holt hier das Letzte an Staat und Anarchie heraus, was aus der Pariser Kommune herauszuholen ist.

Im Zahn der bürgerlichen Zeit war die Kommune der erste Stich des Schmerzes, der ankündigte, dass der Zahn von Fäulnis befallen ist und der zweite Weltkrieg gegen die Sowjetunion war die heftige Reaktion auf die zunehmenden Schmerzen, die von der Oktoberrevolution bewirkt wurden. Können sich Kleinbürger ein Leben ohne Staat gar nicht vorstellen, so bildet für die Kapitalisten, für die modernen Sklavenhalter diese Vorstellung verständlicherweise ein Horrorszenario, denn eine Kommune beginnt mit der einfachen Organisation der bewaffneten Massen, sie ist ein Staat, den die bewaffneten Arbeiter bilden, die dazu übergehen, das gesamte Volk zur Beteiligung an der Miliz heranzuziehen, Volk und Miliz in eins zu setzen.“ (a.a.O.,487). Ist aber das gesamte Volk bewaffnet und ist es als  bewaffnetes Volk selbst die Regierung, dann ist darunter kein Platz für die verschwindend kleine Minderheit der Kapitalisten mehr möglich. (Obwohl die Konterrevolution mit ihrer Niederlage nicht gleich verschwindet). Und deshalb ist der Staat der Kommune schon kein Staat im eigentlichen Sinne. Die höchste Reife, die in der Natur und in der Geschichte erreicht wird, ist diejenige, in der der Untergang beginnt. Und das gilt auch für die Demokratie, die erst als Kommune ihre höchste historische Stufe erreicht hat. „Je vollständiger die Demokratie, um so näher der Zeitpunkt, zu dem sie überflüssig wird. Je demokratischer der „Staat“, der aus bewaffneten Arbeitern besteht und „schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr“ ist, um so rascher beginnt jeder Staat abzusterben“ (a.a.O., 489).

Elementare Wesenszüge  der durch und durch ausdehnungsfähigen proletarischen Demokratie, die als munizipale Erhebung und zugleich als Vorstufe einer Weltrepublik gedeutet wurde, bestanden darin, dass die von den Volksmassen Gewählten jederzeit absetzbar waren und dass der Sold für ihre Tätigkeiten dem  eines Arbeiterlohnes zu entsprechen hatte, Dienstwohnungen wurden abgeschafft, dafür aber die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Die Offiziere der Volksarmee sollten nicht von oben eingesetzt, sondern von unten gewählt werden. Unternehmern wurde verboten, Arbeiter und Arbeiterinnen durch Lohnkürzung zu bestrafen. Der bürgerliche Beamtenapparat war zerschlagen worden und die Pariser Polizei wurde ihrer politischen Funktionen entkleidet, die Pfaffenmacht wurde gebrochen, leerstehende Wohnungen beschlagnahmt und verteilt. Vor allem aber war die Commune keine parlamentarische Körperschaft, sondern eine arbeitende, gesetzgebend und vollziehend in einem. Sie hat den Beweis erbracht, dass die proletarische Demokratie und der bürgerliche, theoretisch in England im 17. Jahrhundert geborene Parlamentarismus sich ausschließen. Seine Theorie wurde durch Voltaires „Lettres sur les Anglais“ nach Frankreich vermittelt und fand in Montesquieus Werk seine für die Bourgeoisie akzeptable Ausprägung. Schon Adam Smith sah in der Montesquieuschen Gewaltenteilung eine Würfelverdrehung des Rechts gegen die Arbeiter. (Vergleiche Adam Smith, An Inquiry into the nature and causes ofthe wealth of nations, Band I, Edingburgh 1814,142). Und der französische Ökonom Simon-Nicolas-Henri Linguet verhöhnte regelrecht Montesquieu, indem er als den Geist der Gesetze das Eigentum bezeichnete. (Vergleiche Simon-Nicolas-Henri Linguet, Théorie des lois civiles, ou pricipes fondementaux de la société, Band 1, London, 1767,236). Die Ausrufung der III. Republik und damit das Ende der fast zwanzigjährigen oft plebiszitär und durch imperialistische Kriegsunternehmen gestützten Herrschaft des Zweiten Kaiserreichs, eine wichtige Weichenstellung für die Commune, verdankt sich des Eindringens republikanisch gesinnter Pariser Massen in den Sitzungssaal des Corps législatif am 4. September 1870. Die Blumenfrauen auf dem Boulevard verkauften an diesem Tag nur rote Nelken. Und doch war es der reaktonäre General Trochu, der die gerade geborene Republik mit seiner Parole: Gott, Familie, Eigentum nicht in die Sonne von 1789 stellte (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), sondern unter den Schatten der bürgerlichen Reaktion. Erst durch die Commune standen sich dann  eine neue und eine alte Welt gegenüber: Die Commune zeigte, dass nur das Proletariat noch zu einer gesellschaftlichen Initiative fähig war, zugleich zeigte sie in aller Deutlichkeit, „daß der heutige Bourgeois sich für den rechtmäßigen Nachfolger des ehemaligen Feudalherren ansieht“. (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Ausgewählte Werke, Progress Verlag, Moskau, 1975321). Leo Trotzki steigert das noch: die französische Bourgeoisie habe im Mai 1871 die alten Grausamkeiten des Feudaladels noch übertroffen (Vergleiche Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Oktoberrevolution, Mehring Verlag, Essen, 2010,329). Durch den Aufstand in Paris wird der Kreis der bürgerlichen Revolution geschlossen: War diese 1789 revolutionär gegen ihren Feudalherren, so nimmt sie gegenüber dem revolutionären Proletriat nur siebzig Jahre später dessen Position ein. Für Lenin war die Commune ein Markstein der neueren Geschichte, der sich zu ihrer Periodisierung eignete: eine stürmische Zeit von 1848 bis zur Commune, ab dieser in einer ihr folgenden Epoche der politischen Reaktion ein relativ friedliches Vorwärtsschreiten zum Beginn der sozialen Revolution bis zur russischen Revolution von 1905 und sodann ab dieser Revolution. (Die Krönung der russischen Revolution von 1905 war der elf Tage währende Moskauer Aufstand, der von S. Tschornomordik in ‚Istoritscheskije, Band 18, Moskau, 1946, Seite 3 bis 41‘ geschildert wird. Tschornomordik weist auf Querverbindungen dieses Aufstandes zum Pariser Communbeaufstand hin). Eine Querverbindung besteht zum Beispiel in der spezifischen Herrschaftsform des Proletariats: der Rätediktatur. Ein Vergleich zwischen Paris und Moskau muss herausarbeiten, dass in Russland der Sowjet aus einem politischen Streik heraus geboren wurde, was für die Commune nicht zutraf, wie überhaupt der politische Streik in Westeuropa eine sehr seltene Erscheinung war im Gegensatz zum aufgewühlten Russland von 1905 und 1917. In Russland war er die Hauptmethode des Kampfes. Der deutsch-französische Krieg und vor allem die Niederlage der Pariser Revolution verschoben den Schwerpunkt der europäischen Arbeiterbewegung von Frankreich nach Deutschland und die deutsche sozialdemokratische Partei wurde so ein Muster einer disziplinierten und organisierten Kampfpartei.

In jeder Revolution werden eine Menge Dummheiten gemacht, so auch in der Commune, obwohl für Karl Kautsky die Pariser Arbeiter die intelligentesten der damaligen Welt waren (Karl Kautsky, Terrorismus und Kommunismus, Ein Beitrag zur Naturgeschichte der Revolution, Verlag Neues Vaterland, Berlin, 1919,69). Die Commune blieb ja nicht nur auf Paris beschränkt, auch in Marseille, Lyon, Dijon, Toulouse, Narbonne, Le Creusot  und in Limoges hatte es Arbeitererhebungen gegeben, die aber rasch niedergeworfen wurden. Die „Kommune von Marseille“ konnte sich 17 Tage halten, Lyon drei, Toulouse vier, Narbonne acht, Le Creusot zwei und in Limoges nur einen Tag.  Dieses rasche Scheitern verdeutlicht den großen Gegensatz zwischen der Metropole und der agrarischen Provinz in Frankreich. Da sich in der Provinz keine Bauernräte gebildet hatten, war die Commune eine singuläre Diktatur einer revolutionären Metropole über ‚ihr‘ bäuerliches Land.  Und die bürgerliche Regierung hatte ihre Agenten in Paris. Schon in der klassischen bürgerlichen Revolution hatten die Anhänger des Royalismus über die Frage, ob Ludwig guillotiniert werden soll oder nicht, einen Volksentscheid gefordert, wobei sie auf die rückständigsten Provinzen Frankreichs spekulierten, um eine Todesstrafe abzuwenden. Am 8. Mai 1870 hatte ein Volksentscheid über Napoleon III., der seinen Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 hin- und wieder plebiszitär untermauern lassen musste, ergeben, dass in der Provinz die Ja-Stimmen für ihn überwogen und ein günstiges konterrevolutionäres Milieu schufen, in Paris aber die Ablehnung des Kaisertums (184 000 Stimmen gegen 138 000 Ja-Stimmen). Die Niederlage der Pariser Commune war ein Sieg der französischen Provinz, ein Sieg des Kleinbürgertums, dessen Theoretiker Rousseau bereits im 18. Jahrhundert provokativ Partei für die Provinz gegen das Paris der Künste und Wissenschaften ergriffen hatte. Er gab in einem Land, das wie kein anderes auf seine Hauptstadt fixiert war und ist, dem föderalistischen Gedanken den wohl mächtigsten Impuls mit seinem Vorschlag im ‚Contrat social‘ von 1762, sich nicht auf eine Hauptstadt mit ihrem ganz eigenen Rhythmus zu verständigen, sondern diese im Land zu den Bezirksstädten rundumgehen zu lassen, so dass es zu keinem zentralistischen Gleichklang der Dynamik mehr kommen konnte. 2. Die Communarden verließen sich noch auf diesen von Paris ausgehenden Gleichklang der Dynamik, 1789 hatte ihnen gezeigt, dass der Sieg der Revolution in Paris zugleich den Sieg der Revolution in Frankreich (mit einigen Hochburgen der Konterrevolution) bedeuten kann.

Überhaupt werden wir Zeuge eines verkehrten Schauspiels: Ohne Zweifel ist die Pariser Commune noch ganz der prä-imperialistischen Phase zuzuordnen, der Epoche des klassischen Kapitalismus, durch den die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker durch die Gleichförmigkeit der industriellen Produktion mehr und mehr verschwinden. (Vergleiche Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1974,479). Gerade in ihr sollten doch die internationalen Aspekte einer proletarischen Erhebung die nationalen Belange überwiegen, jedenfalls mehr als im Imperialismus, der geschichtlich mit Lenins auf Grund der Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ausgearbeitetem national-sozialistischem Konzept in der Hinterhand eine stärkere nationale Motivierung zeitigt und zulässt, und doch löste gerade der Oktoberaufbruch eine viel tiefere Debatte über seine internationalen Auswirkungen aus als die Pariser Commune. Ein Sechstel der Erdoberfläche hat offensichtlich mehr weltrevolutionäres Gewicht als die klassische Hauptstadt der Revolution.

Durch die Commune wurden die Reaktionäre Frankreichs Anti-Pariser, Provinzler im wahrsten Sinne des Wortes, ebenso wie 1917 die russischen „Patrioten“ Petrograd, die eigene Hauptstadt hassten, denn entscheidend für die Oktoberrevolution waren die Kräfteverhältnisse in der Petrograder Garnison.  Es war nicht auszuschließen, dass es einer Hauptstadt gelingen kann, von sich aus das ganze Land zu revolutionieren. 1. Durch die Commune wurde deutlich, dass die französische Bourgeoisie ‚ihren 1789er Parzellenbauern‘ immer noch politisch führen kann. In Westeuropa hatten ja die Bauern ihre primitive Scholle bereits aus der Hand bürgerlicher Revolutionäre erhalten, in Russland weigerten sich selbst die Sozialrevolutionäre in der Kerenskiperiode, auch die in den Sowjets, praktisch, nicht theoretisch (leere Versprechungen), den Bauern Land zu geben, was Lenins Revolutionskonzept sehr entgegen kam, das immer von der Notwendigkeit einer Führung des vom Arbeiter in revolutionärer Hinsicht aufgewerteten Bauern durch den Arbeiter ausging. Und die Eigenart der Oktoberrevolution bestand gerade darin, dass in ihr zum ersten Mal in der Weltgeschichte Arbeiter Bauern politisch führten, während der Pariser Commune funktionierte dies gerade nicht. Die Provinzbauern halfen der urbanen Großbourgoisie, dem Pariser Proletriat die rote Fahne aus der Hand zu schlagen. Die Klasseninteressen der Arbeiter und der Bauern werden nach der Revolution nicht gleich kongruent sein, aber der diese Beziehung belastende Schatten wird heller in dem Maße, indem der Bauer ein sozialitischer Industriearbeiter wird bei gleichzeitger allmählicher Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land und der Auflösung eines spezifischen agrarindustriellen Sektors. „Vereinigung des Betriebs von Ackerbau und Industrie“, hieß es schon im Kommunistischen Manifest (Vergleiche Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,481). Ohne Aufhbebung des idiotischen Landlebens wird der Bauer immer eigentumsbesessen bleiben und aus diesen Eigentümertendenzen können jederzeit Feindseligkeiten gegenüber dem Proletraiat erwachsen.

Der Revisionismus rieb sich immer an dem vom ‚Sicherheitsminister‘  Raoul Rigault streng angewandten Dekret über die Geiseln, das erlassen worden war, nachdem die Versailler Truppen mit der willkürlichen Erschießung gefangener Kommunarden begonnen hatten: für jeden getöteten Revolutionär oder Anhänger der Kommune sollten drei bürgerliche Geiseln erschossen werden. Der Feind im Inneren von Paris hatte stets gute Verbindung zu den Versaillern. In diesem ‚Feingefühl des Revisionismus‘ für Konterrevolutionäre kommen schädliche, bürgerliche Neigungen zum Vorschein. Wir müssen davon ausgehen, uns aber nicht damit abfinden, dass in einer Gesellschaft mit repressiven Strukturen und Untertanenmentalitäten die Mehrheit der ’staatlichen Gewalt‘ immer eine Art selbstverständlicher Narrenfreiheit zubilligt, Untertanen zu mißhandeln, als gottgegeben oder im Weltlauf der Geschichte liegend.  Es ist in der 48er Revolution in Frankreichs Metropole  beobachtet worden, dass Ärztinnen und Ärtze sich weigerten, im Aufstand verwundete Arbeiterinnen und Arbeiter zu versorgen. Sie ließen sie einfach liegen, aber wehe, bei einem bürgerlichen Offizier war Blut zu sehen, da wurden sie sofort sehr diensteifrig. Rigault hat also richtig gehandelt im Sinne eines Umbiegens einer gesellschaftlichen Entwicklung zur Ungerechtigkeit.

Die Commune von Paris scheiterte aus miteinander verbundenen objektiven und subjektiven Bedingungen: Der Grad der ökonomischen Entwicklung Frankreichs (die objektive Bedingung) und der Grad des Klassenbewußtseins, das Wissen von den materiellen Bedingungen der Revolution und von den Zielen des Sozialismus und den Mitteln zu seiner Verwirklichung und der Organisation  der breiten Massen des Proletariats (die subjektive Bedingung) ließen 1871 eine Befreiung der Arbeiterklasse noch nicht zu. Die Macht in Paris war zunächst der Nationalgarde zugefallen, die für Trotzki dem Sowjettypus sehr ähnlich war (Vergleiche Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Oktoberrevolution, Mehring Verlag, Essen, 2010,78), die sich aber nicht als ‚Bollwerk der Revolution‘ begriff, was sie effektiv hätte sein müssen, sondern als provisorisch betrachtete und rasch die Macht an die nach dem Wahlgesetz des Kaiserreichs gewählte Commune abgeben wollte.  Hier liegt vielleicht die tiefste Ursache der Niederlage. Kautsky spricht von einer “ … in militärischer Hinsicht gefährlichen Doppelherrschaft“ (Karl Kautsky, Terrorismus und Kommunismus, Anti-Kautsky, Prinkipo Verlag, Hamburg, Reprint Verlag Olle & Wolter, EDITION PRINKIPO, Berlin, o.J.,62) und Stalin preist unter Verweis auf dieses Kardinaldefizit der Commune als eine Leistung des Leninismus an, dass durch ihn die Revolutionspartei als ein monolithischer Block geschmiedet wurde und 1917 als solcher dastand (Josef Stalin, Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten, Stalin Werke Band 6, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,342).  Die tiefste Ursache der Niederlage, denn mit der Machtübertragung war der Kommune sofort die revolutionäre Spitze abgebrochen worden und eine Haltung der Liberalität gegenüber dem Feind wirkte sich schädlich auf den im Hinterkopf zu behaltenden, für die politische und militärische Kriegführung wichtigen Klassenantagonismus aus. Lissagaray zieht das Fazit, dass der Fehler darin bestand, dass die Commune sich als eine Verwaltung und nicht als eine Barrikade verstand. Schöpfte in der Pariser Comunne die Nationalgarde also ihre Macht nicht voll aus, so taten es 1917 in Russland die Sowjets ihr am Anfang der Februarrevolution nach.Sie verzichteten auf ihre militante Macht und überließen der liberalen Bourgeosie das politische Feld. Durch die Februarrevolution war zwar der Zar gestürzt worden, aber die Demokraten gingen in dieser demokratischen Revolution dem Volk nicht voran, sondern begriff sich als linker Flügel der Bourgeoisie. Sowohl 1871 in Paris und im ersten Halbjahr 1917 in Russland können wir verfolgen, wie die Massen davor zurückschrecken, den Entscheidungskampf als Bruderkrieg zu führen. Die Commune scheiterte an einer Unterschätzung der Gewaltfrage und der Gegensatzfrage der Hauptklassen der bürgerlichen Gesellschaft. Das ‚Journal Officiel‘ hat es in seiner Ausgabe vom 30. März selbst auf den Punkt gebracht, Longuet verglich die Revolution von 1848 mit der von 1871 und kam zu dem fatalen Schluss, dass 1848 zwei Gesellschaftsklassen gegeneinander bewaffnet waren und der Klassenantagonismus jetzt aufgehört habe, zu existieren. Vier Tage später, am 3. April schrieb er: “ … niemals war der soziale Haß geringer“ und mit dem Klassenhass beginnt doch das Aufbäumen der unterdrückten Klassen. Die Pariser Commune war eine Revolution, die einen Purzelbaum rückwärts vollzogen hatte und auf dem Kopf zu stehen kam. Die rasche Durchführung von Wahlen ohne Einschränkungen für Ausbeuter verwies auf den Willen einer Verständigung mit der bürgerlichen Administration. Am 30. März 1871 konnten die Pariser in Longuets ‚Journal Offiziel‘ lesen, dass im Vergleich zur Konfrontation der 48er Revolution der Klassenantagonismus nicht mehr existiere. Zu Beginn der Revolution wurde also formuliert, was erst an ihrem Ende stehen kann. Rosa Luxemburg sieht die Commune nicht als eine sozialistische Revolution an, für sie haben die russischen Bolschewiki „zum ersten Mal die Endziele des Sozialismus als unmittelbares Programm der praktischen Politik“ (Rosa Luxemburg, Die russische Revolution, in: Rosa Luxemburg, Schriften zur Theorie der Spontaneität, Texte des Sozialismus und Anarchismus, Rowohlt Verlag, Hamburg, 1970,171) proklamiert.

Eine große soziale Maßregel war das Nachtarbeitsverbot für Bäcker, aber während die Internationale 1866 auf ihrem Kongress einen Acht-Stunden-Tag gefordert hatte, versah sich die Kommune auf zehn Stunden, Überstunden waren mit Zustimmung des Betriebsrates ohne Lohnerhöhung möglich. Ganz merkwürdig war auch, dass sie keinen Mindestlohn, sondern einen Maximallohn festgesetzt hatte. (Vergleiche Karl Kautsky, Terrorismus und Kommunismus, Verlag Neues Vaterland, Berlin, 1919,65). Sie war von der gesamten militärisch-geographischen Lage her von vornherein zum Scheitern verurteilt und es gebrach ihr an einer inneren Logik der gewaltsamen Revolution.  Ich möchte von einer spezifischen Blauäugigkeit der Commune sprechen, aus der sich die revolutionäre Ineffizienz  ableitete;  folglich hatte Marx Recht: Ihr verliert euch in Kleinkram und persönlichen Querelen, so sein Vorwurf in einem Brief an Leo Fränkel und Eugène Varlin vom 13. Mai 1871, obwohl er die Communarden am Ende doch  als ‚Himmelsstürmer‘ feierte. Unter denen es laut Kautsky keinen gab, den man als Marxisten hätte bezeichnen können, vielmehr ist den Communarden eine theoretische Unwissenheit in ökonomische Problemstellungen zu attestieren. (Vergleiche Karl Kautsky, Terrorismus und Kommunismus, Ein Beitrag zur Naturgeschichte der Revolution, Verlag Neues Vaterland, Berlin, 1919,70). Die Pariser Communarden erstarrten zum Beispiel in Ehrfurcht vor der Bank von Frankreich, anstatt sie zu besetzen, wie es 1917 in Petrograd geschah. Am 25. Oktober 1917 hatte zum Vergleich die Rote Garde morgens um sechs die Staatsbank in Petrograd besetzt. In Russland war mit  der Nationalisierung der Banken  das Heiligtum des Kapitals zerstört worden. Während des Oktoberaufstandes hatten cirka vierzig Matrosen der Gardeequipage widerstandslos das Gebäude der Staatsbank am Jekaterinski-Kanal umstellt, aus dem Bewußtsein heraus, den Fehler der Pariser Commune nicht zu wiederholen. Es folgte darauf das Dekret über die Nationalisierung der Banken in ganz Russland.In Paris dagegen  konnten die Bankiers, die natürlich auf Seiten der Weißen, der Versailler standen (die bürgerliche Regierung war auf Anraten von Thiers nach Versailles geflohen, womit er sich in eine bestimmte historische Tradition stellte und wo sich auch ab dem 5. Oktober 1870 das deutsche Hauptquartier befand: die Proklamation des ‚Deutschen Kaiserreichs‘ erfolgte am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Versailler Schlosses), hohe Geldsummen nach Versailles überweisen, mit denen ganze Bataillone von in preußische Krieggefangenschaft geratene bonapartistische Soldaten, insgesamt zirka 100. 000 Mann, von Bismarck freigekauft werden konnten, um sie in Wellen gegen Paris zu hetzen. Die Truppenstärke der Versailler vervierfachte sich in kurzer Zeit, nach Angaben von Thiers von 40 000 Mann auf 130 000, sodann auf 170 000. Schaffte die Bank von Frankreich 250 Millionen Franc nach Versailles, so hatte sie für die Plebejer in Paris nur 16 Millionen übrig. (Vergleiche Thankmar von Münchhausen, 72 Tage, Die Pariser Kommune 1871 – die erste ‚Diktatur des Proletariats‘, Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2015,157). Streng die Kapitalisten enteignend ist die Commune nicht vorgegangen, sie hat sich nicht am Eigentum vergriffen, lediglich leerstehende Fabriken wurden beschlagnahmt und Arbeitergenossenschaften vorbehaltlich einer Entschädigung übergeben. Sie hat mit der Einführung des Sozialismus zu sehr gezögert (Vergleiche Lenin, Briefe über die Taktik, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1960,35f.). Es kann auch nicht unerwähnt bleiben, dass ein Teil der Pariser Arbeiter und Arbeitervertreter wie Louis Blanc mit den Versaillern gingen. „Welch ein Mangel an kritischem Verstand, wenn man die Commune buchstäblich heilig spricht“, so polemisierte Engels 1874 gegen die Blanquisten. (Vergleiche Friedrich Engels, Flüchtlingsliteratur, II. Programm der blanquistischen Kommuneflüchtlinge, Werke Band 18, Dietz Verlag Berlin, 1960,534).  Aber richtig war, dass die Pariser Commune in der Tradition von 1792 neben dem bereits erwähnten Nachtarbeitsverbot für Bäcker den Brotpreis fixiert  hatte. Und das Brot ist bekanntlich nach St. Just das „Recht des Volkes“. Die Communarden waren durch ihre Rückbesinnung auf die Traditionen der bürgerlichen Revolution von 1792 jedoch noch uneins mit sich, vollzogen mehr die demokratische denn die sozialistische Diktatur: „In der Commune gab es keinen Bourgeois, keinen Arbeiter, es gab nur Delegierte des Volkes, die nur im Namen des Volkes wirkten oder wirken wollten“ (Arthur Arnould, Histoire populaire et parlamentaire de la Commune de Paris, Band 3, Brüssel, 1878,93f.), so urteilte der aktive Kämpfer Arthur Arnould (1833 bis 1895), Sohn eines Professors. Die Einheit des politischen Willens der Commune durch die Fraktionen hindurch ergab sich auch aus der Bedrohung durch die  innere Konterrevolution und aus der preußischen Okkupation, so dass die Kommune, obwohl Mosaikstein einer Weltrepublik, starke patriotische Züge aufweisen musste. Und Patriotismus und Sozialismus beißen sich. Dennoch kann die rote Fahne der sozialen Revolution der Pariser Commune zugeeignet werden, denn der Kampf für den Demokratismus und für eine provisorisch revolutionäre Regierung als Kampforgan für die Abwehr der inneren und äußeren Konterrevolution ist zugleich immer auch ein Kampf für den Sozialismus, auch wenn der Demokratismus die Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmitteln nicht akzentuiert, wohl aber den gleichen Lohn für gleiche Arbeit für Mann und Frau.  Obwohl der Demokratismus die unmittelbare Vorstufe zum Sozialismus ist, fehlen ihm noch die Einsicht in die klassenbedingte Sonderfunktion der Kapitalisten in der bürgerlichen Gesellschaft, die in die Sonderstellung der Proletarier und die in die Notwendigkeit der Vergesellschaftung des Privateigetums an Produktionsmitteln.  Die Communarden hatten im revolutionsinternen, strategisch-taktischen Sinn nach ihrem Historiker Lissageray keine klaren Ziele, nach Bebel, der im Kommuneaufstand ein Vorpostengefecht für die große europäische Erhebung des Proletariats sah, kein klares Wollen, nach Lenin keinen klaren Plan, kein klares Programm und nach Vandervelde war sie ungenügend vorbereitet, ein Vorwurf, den er auch gegenüber der Leninschen Oktoberrevolution erhob. Es fehlten in der Arbeiterklasse noch konkrete Vorstellungen über den wahrscheinlichen Verlauf der Revolution, obwohl die große Intention als eine antibürgerlich ausgerichtete begriffen wurde.  Die Arbeiterinnen und Arbeiter hatten in Paris trotz aller umherschwirrenden Theorien der politischen Sekten den richtigen Instinkt. Das Pariser Proletariat konnte aber aus Mangel an Einsicht in seine Sonderfunktion auf der damaligen Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung weder einen ausgeprägten Kampf gegen das Kleinbürgertum führen noch den Sozialismus verwirklichen, aber nachholen, was die demokratischen Revolutionen seit 1830 versäumt hatten. Dafür mag der Sturz der Vendome-Säule „als Symbol für viehische Gewalt und falschen Ruhm“ (Proklamation der Kommune vom 13. Mai 1871) und die Sprengung des Privathauses des Napoleon-Verehres Adolphe Thiers stehen. Marx kritisierte die 89er-Revolutionsnostalgie, die besonders der Neojakobiner Pyat mit der Herausstreichung der Bedeutung der Worte Wohlfahrtsausschuß, Republik und Kommune vertrat, denn die Pariser Commune wies inhaltlich auf die Zukunft hin, auf eine vom Joch des Kapitals befreite Menschheit, das durch das von der französischen Nationalversammlung am 14. Juni 1789 beschlossene Gesetz ‚Le Chapelier‘, das über die Arbeiterklasse ein Koalitionsverbot verhängte, erst richtig geschmiedet worden war. „Die Gegenwart gehört Ihnen, der sie die Macht vertreten. Aber wir Arbeiter vertreten die Gerechtigkeit und die Solidarität, und uns gehört die Zukunft“, mit dieser Voraussage konfrontierte Benoit Malon (1841 bis 1893) in der L’Internationale vom 24. April 1870 den französischen Stahlbaron Eugène Schneider. Eine Folge der Niederlage der Commune war die Auflösung der ersten Internationale 1872. Lenin ermahnte seine Bolschewiki, nicht jede Losung der Kommune blind zu wiederholen, wiederholte selbst aber oft eine generelle  Vorbildbedeutung der Kommune für die Rätedemokratie, aber nicht für das Konzept einer revolutionären proletarischen Kampfpartei, an der es der Kommune gebrach. Ohnehin war für Lenin das Rätekonzept der Kommune in Paris nicht völlig identisch mit der Sowjetbewegung: es gab für Lenin eine proletarische Revolution nach dem Pariser Modell, nach dem sowjetischen, „oder, sagen wir, von irgendeinem dritten Typus“ (Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin,1960,324). 

Hatte die bürgerliche Revolution noch nicht einmal das Wahlrecht für Frauen gebracht, so stellte die Commune sowohl Männer und Frauen als auch eheliche und uneheliche Kinder sofort gleich und die Frauen standen auf den Barrikaden gegen die Konterrevolution ‚ihren Mann‘, sehr wohl begründet: unter Napoleon III. verdienten sie für die gleiche Arbeit nur halb soviel wie die Männer. Die Londoner ‚Times‘ hatte angesichts des weiblichen Kampfgeistes geschrieben: „Wenn die französische Nation nur aus Frauen bestehen würde, was wäre das für eine schreckliche Nation !“ Vor den Kriegsgerichten der Konterrevolution wurden zum Beispiel 206 Schneiderinnen verurteilt. Die Frauen der Commune, die eine eigene Organisation. „Union des Femmes pour la défense de Paris et les soins aux blessés“ gegründet hatten, sorgten sich um die Einrichtung von Kindergärten und um die Berufsausbildung für Mädchen, am 12. Mai 1871 wurde die erste Industrieberufsschule für Mädchen eröffnet, in der sie sich auch wissenschaftlich und literarisch weiterbilden konnten. Die Sieger des Bürgerkrieges in Frankreich, die am 28. Mai 1871 feststanden, zerstörten das alles wieder, denn die Geschichte war wieder auf die Parole zurückgefallen, die der reaktionäre General Trochu schon vor der Commune nach der Niederlage der französischen Armee bei Sedan als Leitmotiv der III. Republik verkündet hatte: Gott, Familie, Eigentum. Das war herausgekommen aus einem Aufbruch, der in der französischen Revolutionsgeschichte mit der Parole: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit anhob.

Ein Vergleich stimmt zumindest optimistisch: Hielt die erste proletarische Kommune 1871 der alten Welt nur 72 Tage stand, so sind 74 Jahre doch schon eine andere Dimension. Marx verwies in seiner Analyse des Bürgerkrieges in Frankreich auf das unvermeidliche Übel einer Revolution hin, dass sich in ihr „bloße Schreier“ einschmeicheln, die ihre Entwicklung hemmen: „ … mit der Zeit schüttelt man sie ab, aber gerade diese Zeit wurde der Kommune nicht gelassen“ (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,310). Die Kommune Lenins hatte die Zeit, Trotzki abzuschütteln. Auch an die Türe der Pariser Commune pochen bereits die Sätze von Marx aus dem ‚Achtzehnten Brumaire‘:

Marx kritisiert die Kommune: Man hätte sofort nach Versailles ziehen sollen. In Russland wurde das gemacht. 1917  Sturm auf das Winterpalais. Unter den russischen Bedingungen von 1917 hätte Paris 1871 siegen können. Es gab 1871 keinen Bauernkrieg.

Paris: halb auf Handwerk fußendes Proletariat in engen Straßen

1. In der russischen Februarrevolution 1917  fanden nur in der Hauptstadt Petrograd bewaffnete Kämpfe statt, nach dem Fall des Zarismus hatte sich nach der Deutung Leo Trotzkis ganz Russland seiner Metrople „angeschlossen“. „Wenn man will, kann man sagen, der größte demokratische Akt vollzog sich auf die undemokratischste Weise. Das ganze Land war vor einer vollendeten Tatsache gestellt“. (Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Februarrevolution, Mehring Verlag, Essen, 2010,123). Im September 1917erschien im Namen der Bolschewiki eine Zeitung für das Dorf, die Bauernzeitung ‚Bednota‘ (‚Armut‘). 

2. Man sieht, dass Rousseau an dieser Stelle nicht nur ein Theoretiker der Jakobiner war. Diese waren im Gegensatz zur Gironde Zentralisten: der Wohlfahrtsausschuss als Mittelpunkt Frankreichs. Eine „girondistische“ Favorisierung des Föderalismus sprach auch Bernstein dem Marx’schen Kommunekonzept zu, eine klare Entstellung, denn Marx war Zentralist, Zentralismus bedeute immer mehr Freiheit als der Föderalismus. Ab 1899 forderte Bernstein, die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei auf, sich von der Kommune zu distanzieren.

Hannah Arendt: traurige Geschichte des Rätesystems – M & E: Die Kommune-Verfassung – als „Der einzigen Staatsform, die unmittelbar aus dem Geist der Revolution entstanden ist“. (Hannah Arendt, Über die Revolution, München 1963,327). „Der große Enthusiasmus für das Rätesystem lässt sich in der Tat nur dadurch erklären, dass jeder Einzelne sich hier mithandelnd findet und seinen Beitrag in den Ergebnissen des Tages gleichsam vor Augen sieht“.(Max Adler, Demokratie und Rätesystem, Wien, 1919). Unmittelbarkeit Luthers Thesen Keine Priester Feuerbachthesen PRAXIS Aprilthesen

Lincoln Definition der Demokratie als Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk, das ist Anarchie, Regierung erübrigt sich.

 




 

 

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