Das sozialitische Kuba geht seinem Abgrund entgegen oder Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik

Der Marxismus lehrt uns, dass man die Quelle der Erfolge und der Tragödien in der Geschichte in der Ökonomie zu suchen habe, aber auch Elemente des Überbaus können befördernd auf postive oder negative historische Entwicklungen einwirken. Neben der Religion generell ist auch die Musik generell eine Art geistiger Fusel, mit dem der Lohnsklave sein Sklavendasein heute betäuben soll. Allein auch die Musik wird zur materiellen konterrevolutionären Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Vergegenwärtigen wir uns, was Lenin zur Musik gedacht hatte: Lenin hielt die Musik stets auf Distanz, sie wirke auf die Nerven und beeinträchtige die revolutionäre Wachsamkeit. Für ihn besaß die proletarische Revolution, die tiefste Revolution in der Weltgeschichte,  einen zu hohen Schwierigkeitsgrad, um von ihr Entspannung im Irrationalen suchen zu dürfen. Gegenüber der Objektivität revolutionärer  Politik ist das Dionysische Hochverrat. Erst Generationen, denen die Entstehung der kapitalistischen Mehrwertrate nicht mehr ständig präsent zu sein braucht, mögen sich den Genüssen hingeben, denen der Leninsche Berufsrevolutionär sich entsagt. Entsagen muss. Nicht so der Weltverbesserer, dem es nicht um die Gründung einer neuen Gesellschaft geht. Es versteht sich von selbst, dass eine Leninsche Revolution auch diesen narzistischen Philanthropen hinwegspülen wird. Gorki hat die Szene festgehalten, in der der Pianist Isaay Dubrowen Lenin Beethovens Appassionata vorspielte: „Ich kenne nichts Schöneres als die Appassionata und könnte sie jeden Tag hören. Eine wunderbare, nicht mehr menschliche Musik ! Ich denke immer mit vielleicht naiv kindlichem Stolz; daß Menschen solche Wunder schaffen können !“ Dann kniff er die Augen, lächelte und setzte unfroh hinzu: „Aber allzu oft kann ich Musik doch nicht hören. Sie wirkt auf die Nerven, man möchte lieber Dummheiten reden und Menschen den Kopf streicheln, die in einer schmutzigen Hölle leben und trotzdem solche Schönheit schaffen können. Aber heutzutage darf man niemandem den Kopf streicheln – die Hand wird einem sonst abgebissen. Schlagen muß man auf die Köpfe, unbarmherzig schlagen – obwohl wir im Ideal gegen jede Vergewaltigung der Menschen sind, Hm Hm – unser Amt ist höllisch schwer.“ (Lenin, in: Georg Lukács, Lenin, Luchterhand Verlag, Neuwied und Berlin, 1969,91f.). Wie erbärmlich nimmt sich doch neben dieser Genialität die Anarchistin Emma Goldman aus, die zu vertreten pflegte: „Wenn ich nicht dazu tanzen kann, ist es nicht meine Revolution !“. In einer wirklich tiefen Revolution ist niemanden nach Tanzen zumute, denn sie ist ein Bürgerkrieg der schrecklichsten Art, und nur auf diesen haben wir uns zu konzentrieren. Eugen Kogon, den die Nazis bis zu ihrem Ende ins KZ Buchenwald eingesperrt hatten, nannte Lenin einmal einen  ‚Mönch des Marxismus‘, ich halte das für eine gute Beobachtung. Wer die Menschheit vom Joch des Kapitals befreien will, für den kann es nur ein eindimensionales Leben geben, aber in dieser Eindimensionalität wissenschaftlich multidimensional, ein Leben, das gleichwohl oft ‚grau in grau‘ ist. Lieber einen kleinen harten Kern grauer Revolutionäre als ein Gewimmele von Pseudomarxisten der buntscheckigsten Art.

Zum Beispiel muss man heute in Kuba auf die Köpfe der ‚Damas de Blanco‘ schlagen. Schon von der Überlegung Lenins her ist das Konzert der Rolling Stones auf Kuba nichts anderes als ein konterrevolutionäres Spektakel, durch das die kubanische Jugend ihr noch vorhandenes marxistisches Klassenbewußtsein betäuben soll. Es ist kein Zufall, dass der Welthauptkriegsverbrecher Nr. 1 und die Popgruppe, die durch Musik am meisten Schaden am fortschrittlichen Denken angerichtet hat, fast gleichzeitig ihre Füße auf die Insel setzten. Hier passt ein Stein zum anderen, der Krieg der Konterrevolution gegen die Völker der Welt ist als ein Puzzlespiel zu betrachten.  Ein kleiner popmusikgeschichtlicher Abstecher zum ersten Konzert der Rolling Stones in den USA mag hier aufschlußreich sein: Das war 1967. 1967 hatten Studenten in San Franzisco ein sogenanntes Rolling-Stones-Manifest verfasst, in dem der Frontmann der Stones, Mick Jagger, der US-amerikanischen Jugend als ein anarchistischer Partisan gegen den Weltkapitalismus präsentiert wurde. Ideologische Verwirrung kann kaum größer sein. Als Ziel der ‚anarchistischen Revolution‘ wird ausgegeben, die „befreite“ Fabrikarbeit durch Musik der Stones begleiten zu lassen … (Die frotschrittlichen Arbeiter und Arbeiterinnen werden sich bedanken !) „Rolling Stones ! Die Jugend Kaliforniens hört eure Botschaft ! Es lebe die Revolution !“ Das ist nur peinlich ! Zumal der Multimillionär Jagger doch öfters betont hatte, dass er gar kein Rebell sein möchte. So war dann auch sein Verhalten 1968 auf einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg in London, die vor der Botschaft der USA endete. Mit sich unschlüssig, floh er dieser, bevor das Gebäude der USA überhaupt in Sichtweite war. (Vergleiche Tony Sanchez, Up and Down with the Rolling Stones, Signet Verlag, New York, 1980,127f.). Er lief nach Hause und komponierte unter den frischen Eindrücken der Demo ein Lied, das unter dem Titel „Street Fighting Man“ berühmt wurde. Aber was war das Fazit, das Jagger aus der Demo gezogen hatte ? „But what can a poor boy do / Except to sing for a rock ’n‘ rollband …“. What can a poor boy do ? Für Bruce Springsteen ist dieser Schwachsinn „eine der größten Rock ’n‘ Roll-Zeilen aller Zeiten“. Wieder so eine Peinlichkeit, denn Jagger bebrütet doch nur darin sein eigenes Ego, er spritzt sein eigenes Sperma auf seinen eigenen Bauch, weiter reicht es bei ihm nicht. Und eine solche Canaille wird am Karfreitag 2016 mit seiner musikalischen Zigeunerbande nach Kuba eingeladen ! Auch der Pfaffe auf Kuba, der Drahtzieher der weißen Konterrevolutionärinnen,  ist jetzt noch hellhöriger geworden und greift zu einem unter dem Einfluss der Musik Wagners stehendem Buch von Nietzsche, das den Titel trägt: „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Kuba vollends in den Schlund der Konterrevolution hinabgezogen wird, wie auf den anderen Kontinenten schläft der kapitalistische Wolf auch in Amerika nicht.

Am 19. April 2016 ist der siebente Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas in Havana zu Ende gegangen. Im Gegensatz zum sechsten Parteitag 2011 wurden zu diesem Parteitag die auf dem Parteitag zu diskutierenden Dokumente dem Volk nicht (!!) vorab zur Diskussion vorgelegt ! Auf Kuba läuft zur Zeit ein sehr gefährliches Programm, das „Aktualisierung des kubanischen Sozialismus“ genannt wird und es scheint ein aktuelles Gebaren zu sein, dass die Partei mittlerweile meint, dem Volk nicht mehr aufs Maul schauen zu müssen. Zudem und vor allem aber ermuntert die Partei zur anti-leninistischen Gründung von kleinen Privatunternehmen auf dem Sektor der Kleinproduktion, ohne die Warnung Lenins zu berücksichtigen, dass dieser eine Tendenz zur Großproduktion innewohnt, dass die Kleinproduktion täglich, stündlich, elementar und im Massenumfang  Kapitalismus und Bourgeoisie erzeugt (Vergleiche Lenin, Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1960,8). Besonders erfolgreich operieren mittlerweile die ausländischen Investitionen auf Kuba, besonders aus den USA, und das, obwohl diese völkerrechtswidrig einen kubanischen Militärstützpunkt besetzt halten, in dem Kriegsgefangene gefoltert werden.“Im Lande selbst sind Kooperativengründungen begünstigt worden, die zu selbstverwalteten Initiativen in den nicht zentralen Sektoren anreizen sollen“ (Günter Pohl, Große Herausforderungen erfordern Augenmaß, in: unsere zeit, Sozialistische Wochenzeitung der DKP, 29. April 2016, Nr. 17 / 48. Jahrgang, Seite 6). Also in der Ökonomie liegen die Ursachen einer kapitalistischen Restauration und aus der Musik entwinden sich Blumengirlanden, um sich um die Ketten der Sklaverei, diese verbergend, ranken.   

 

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