Die Kernmotive der Oktoberrevolution: Frieden, Brot und Freiheit (Anarchie)

Im Prozess der Oktoberrevolution, der ein Prozess des Hinüberwachsens der bürgerlichen Februarrevolution in eine proletarische war und die die Völker des Ostens in die Weltgeschichte hineingerissen hatte, bildeten sich drei Kernfragen heraus, auf die Antworten gefunden werden mussten. Brot ! Frieden ! Freiheit ! Mit diesen drei Schlagworten endet Stalins Aufruf an alle Werktätigen, an alle Arbeiter und Soldaten Petrograds vom 17. Juni 1917. (Vergleiche Josef Stalin, Aufruf an alle Werktätigen, an alle Arbeiter und Soldaten Petrograds, Werke Band 3, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,92). Obwohl eine marxistische Analyse einer Revolution nach dem Lehrbuch genuin die Frage nach der Stellung dieser zum Privateigentum an den Produktionsmitteln zu stellen hat, möchte ich doch mit der Frage des Friedens beginnen, denn die Oktoberrevolution war unmittelbar an den ersten Weltkrieg gebunden und dessen Beendigung war für Millionen und Abermillionen Menschen zur Schicksalsfrage schlechthin geworden. Stalin sprach von einem Blutrausch, aus dem die Bourgeoisie Millionenprofite herausschlägt (Vergleiche Josef Stalin, Zwei Resolutionen, Werke Band 3, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,29) und davon, dass die Frage des Krieges die Kardinalfrage sei, „um die sich alle anderen Fragen des innen- und außenpolitischen Lebens des Landes drehen“ (Josef Stalin, Reden auf der außerordentlichen Konferenz der Petrograder Organisation, Werke Band 3, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,109). So auch Lenin: „Die Frage des Friedens ist die aktuellste, die alle bewegende Frage der Gegenwart“. (Lenin, Zweiter Gesamtrussischer Kongress der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, Rede über den Frieden, Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin, 1960,239). 

In der Friedensfrage hatte die singulär gebliebene Oktoberrevolution das Tor zu einer neuen weltgeschichtliche Epoche aufgestoßen: In Russland hatte sich zum ersten Mal in der Weltgeschichte die grosse Masse der einfachen Soldaten und Matrosen gegen einen imperialistischen Krieg erhoben und zum ersten Mal in der Weltgeschichte das Gewehr umgedreht, ihre Offiziere ausgeschaltet  und das Gewehr  auf die imperialistischen Kriegsbrandstifter und Völkermörder gerichtet. Die Oktoberrevolution hatte den Schleier des Geheimnisses von der Außenpolitik gerissen. Die Partei der Bolschewiki hatte die Geheimverträge der Imperialisten der Weltöffentlichkeit unterbreitet und allen Völkern den FRIEDEN vorgeschlagen. „Die erste bolschewistische Revolution hat die ersten Hundert Millionen Menschen auf der Erde dem imperialistischen Krieg, der imperialistischen Welt entrissen“. (Lenin, Zum vierten Jahrestag der Oktoberrevolution, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag, Moskau, 1975,713).

Marx hatte wissenschaftlich geklärt, wie die Arbeit der Vielen über die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft in den Reichtum der Wenigen mündet. Es versteht sich von selbst, dass der Wohlstand des Volkes nur im Frieden gedeihen kann. Mit der Vergesellschaftung des Privateigentums an den Produktionsmitteln zunächst nur in der Industrie hatten die Bolschewiki den Grundstein zum Aufbau des Sozialismus / Kommunismus gelegt. Damit gingen sie über die Pariser Communarden hinaus, die 1871 lediglich leerstehende Fabriken beschlagnahmt und diese ‚Arbeitergenossenschaften‘ unter dem Vorbehalt von Entschädigungen übergeben hatten. Marx sah in der Rätedemokratie der ‚Pariser Commune‘ die endlich entdeckte politische Form, unter der allein  die ökonomische Emanzipation der Arbeit sich vollziehen und aus einer Last zu einer Lust umschlagen könne.

Wie schon in der bürgerlichen russischen Revolution von 1905 kam es auch im Februar 1917 aus der Entwicklung der Klassenkämpfe heraus zur Bildung von Sowjets, die nach Lenin „Vorboten des Absterbens jedes Staates“ (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1960,72) darstellten.  An die Entwicklung der Sowjets war der Prozess gebunden, den Engels als das ‚Einschlafen der Demokratie‘ bezeichnet hatte. Ist in politischer Hinsicht der Akzent auf die Diktatur des Proletariats zu legen, so in theoretischer auf die Anarchie, in die diese Diktatur untergeht. Die Sonderrolle der Arbeiterklasse in der kapitalistischen Gesellschaft kam in der sozialistischen dadurch zum Ausdruck, dass sich ihre Diktatur unmittelbar auf die Gewalt, auf die bewaffneten Massen stützte und an keinerlei Gesetz gebunden war. „Die Diktatur wird durch das in den Sowjets organisierte Proletariat verwirklicht, dessen Führer die Kommunistische Partei der Bolschewiki ist … Keine einzige wichtige politische oder organisatorische Frage wird in unserer Republik von irgendeiner staatlichen Institution ohne Direktive des Zentralkomitees unserer Partei entschieden“, (Lenin, Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1960,32). Damit war das politische Lebenswerk Lenins vollendet.

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