Wie kommt der Affe zu einem Personalausweis ?

Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen 
Landes. Michail P. Gerasimow, ein Künstler des 'Proletkultes', 
schrieb: 'Das Herz in der Brust eines Bauern … eine elektrische 
Birne'. So plump dieses Bild ist, so hölzern es klingt, richtig ist, 
dass durch eine Revolution alles pervertiert wird. Das zunächst 
an den französischen Arzt und mechanischen Materialisten La 
Mettrie erinnernde Bild verweist auf die Schwierigkeit des 
Revolutionärs, dass er sozusagen die Natur des Menschen 
austauschen muss, um aus dem verdorbenen Alltagsmenschen 
einen neuen Menschen zu formen, der jenseits steht. Der 
Revolutionär muss dem Menschen die ihm eigenen Kräfte 
rauben, um ihm fremde zu geben. Rousseau sah dies im 
'Gesellschaftsvertrag' als Aufgabe des Gesetzgebers an: aus 
einem natürlichen autonomen Anarchisten macht er einen 
Staatsbürger, einen künstlichen Menschen. „Mit einem Wort, 
es ist nötig, dass er dem Menschen die ihm eigenen Kräfte 
raubt, um ihm fremde zu geben, von denen er nur mit Hilfe 
anderer Gebrauch machen kann“. (Jean Jacques Rousseau, 
Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag, Stuttgart, 2011,45).  
An die Stelle des Herzens setzt der revolutionäre Gesetzgeber 
eine Glühbirne ein, der Affe hat jetzt einen Personalausweis. 
Es ist doch eine interessante anthropologischeFrage,  wie  wohl 
der zunächst in der Baumwelt sich fortschleudernde Affe
 zu einem Personalausweis kommt ? Zwar war der Marxismus 
auch wie die bürgerliche Aufklärung fasziniert vom technischen 
Fortschritt, Engels ist bei seinem ersten Besuch in Manchester 
überwältigt von der 'Großen Industrie', Marx von der ersten 
Weltausstellung der Industrie in London und Lenin schwört 
auf die Elektrifizierung des Sowjetlandes, aber das 
Hineinprojizieren technizistischer Modelle in den Marxismus, 
wie es etwa eine Zeitlang Mode war, ihn kybernetisch 
umzustylen, ist zurückzuweisen. Wo bürgerliche Wissenschaftler 
ein Verhältnis von Dingen sahen, besonders in einer 
austauschfixierten warenproduzierenden Gesellschaft ist das der 
Fall, ein Fetischfall, in dem das Nicht-Ich das Ich bestimmt,  
da sah Marx unter der Oberfläche ein Verhältnis von Menschen 
und räumte Ballast beiseite ähnlich wie Fichte mit seinem Ich=Ich. 
Die Menschen ersticken, wenn sie sich ihr Selbstbewusstsein über 
etwas ihnen Fremdes, über Waren, Geld und Kapital holen müssen. 
Dialektik erinnert, dass sich das Mechanische aus lebenden Leichen 
konstituiert, aus Menschen mit Glühbirnen statt Herzen, aus 
Menschen als Maschinen. Für Lenin war keineswegs die 
Elektrifizierung das Nonplusultra, der Sozialismus kein 
Technikproblem, vielmehr müssen  wir fragen, was denn für Lenin 
zu seinen Lebzeiten das sichtbarste Zeichen des Kommunismus war ? 
Es waren dies die kommunistischen Subbotniks, die er als den 
„faktischen Beginn des Kommunismus“ (Lenin, Die Große Initiative, 
in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,536) wertete: 
Kollektives Arbeiten mit Gattungsbewusstsein ohne Geld. Das 
Gattungsbewusstsein muss nicht unbedingt immer ganz klar sein, 
Keimformen von Subbotniks gibt es auch im Spätkapitalismus unter 
der Oberfläche zu Hauf, sie betreiben nur keine Werbung, denn es 
widerstrebt ihrem humanistischen Ansinnen, sich vor anderen 
herauszuputzen. Dem Kapital und seinem Werbeterror kann es gar 
nicht gelingen, die Gesellschaft zu einer reinen Ware-Geld-
Beziehung, also zu einer völlig entsoldarisierten deformativ zu 
totalisieren.

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