18. September 1970: Jimi Hendrix ist Janis Joplin zuvorgekommen Heute vor 46 Jahren starb Jimi Hendrix

Jimi Hendrix gehört in die Reihe der großen Popmusiker der ‚Roaring Sixties‘, der wilden 60er Jahre. Diese wurden und werden oft als „Jahre der Revolution“ interpretiert, wenn man/frau denn in einem Minirockfummel den Ausdruck eines gesellschaftlichen Fundamentalwandels sehen will.   Dass aber diese sogenannte Revolution nur eine in Äußerlichkeiten war, eine sehr oberflächliche – daran sind viel Künstler oft im Alter unter 30 zerbrochen. Roger Waters, der Bassist der Pink Floyd wollte politisch aufrütteln („Welcome to the machine“, er meinte die Maschine, die Geld macht), erreichte aber die Jugendlichen nicht wirklich inhaltlich. Man war in eine Sackgasse geraten, Musik ist nicht das Medium der Emanzipation, sondern ihr Ziel. Musik konnte nur das Heil versprechen, selbst heilen konnte sie nicht.

Im Vergleich zu Waters war Jimi Hendrix ein unpolitischer Künstler, der sich ganz auf sein Instrument konzentrierte und auf dem er es zu einer einmaligen Meisterschaft gebracht hatte.  Sein Gitarrenspiel hatte eine spezifische erotische Ausstrahlung erreicht. Der am 27. November 1942 in Seattle / Washington als Sohn eines Soldaten der US-Army geborene James Marshall kam aus zerrütteten Verhältnissen, seine Mutter war labil und Alkoholikerin. Hendrix war acht Jahre alt, als die Mutter nach der Scheidung das Haus verließ. Der kleine James flüchtete sich aus dem Ekel des Alltags in die Welt der Musik und hörte wie besessen Blues-Platten aus der Sammlung seines Vaters, die er nach Gehör nachspielte, Hendrix hat auch später nie Noten gebraucht. Man kann diesen Griff zu den Blues-Platten des Vaters bereits als fatal bezeichnen, denn der Blues zeigt das Elend nur auf, bietet aber keine Lösungen an. Auf der Garfield High School hatte der depressive und stark introvertierte Jugendliche im Alter von 17 Jahren versagt und es blieb ihm nur noch der Weg in die US-Army.  Er kam zu den Fallschirmspringern der U.S. Airborne Paratroopers,  musste aber alles auf Grund einer Fußverletzung abbrechen. Nunmehr war der Weg zum Musizieren frei und er konnte seiner wirklichen Begabung folgen. Der Durchbruch gelang Hendrix, der in den USA in der Band von Little Richard gespielt hatte, nachdem ihn der Ex-Bassist der Animals, Chas Chandler, nach London lotste, wobei Linda Keith, die ehemalige Freundin von Keith Richard, ihre Händchen im Spiel gehabt hatte, und Noel Redding und Mitch Mitchell an seine Seiten stellte. Die Legende begann mit dem von William Moses ‚Billy‘ Roberts junior gecovertem Song „Hey Joe“, das auch das letzte Lied war, das in Woodstock gespielt wurde.

Sowohl in den USA als auch in England wollte man mit den geldgeschäftsuntauglichen und naiven Jimi Kohle machen und an diesen ihn umschwirrenden Kriminellen ist er dann auch zerbrochen. Am 15. Oktober 1965 hatte der „Manager“ Ed Chalpin dem Musiker einen Plattenvertrag aufgeschwatzt, aus dem ihm ein Dollar Vorschuß zustand und ein Prozent der Einnahmen aus Plattenverkäufen. Die Depressionen von Hendrix nahmen zu und paarten sicht bei ihm mit Aggressionen, die im Zertrümmern von Musikinstrumenten auch auf der Bühne ihren Ausdruck fanden.  Und er war sensibel genug, seine Situation als Weltstar richtig zu erfassen, er schon nahm das Wort „Popsklaverei“ in den Mund. Hendrix hatte Recht, die Sklaverei verschwand keineswegs 1865 mit dem Ende des US-amerikanischen Bürgerkrieges vom Erdball, es gibt sie noch heute. Als Chandler die Nachricht vom Tode der Ikone erfuhr, war dies eine Nachricht, auf die er gewartet hatte. Auch er war daran beteiligt, den Musiker, der die goldenen Eier legen sollte, in den Tod zu hetzen. „Erstickt war Jimi Hendrix…wohl auch an der gnadenlosen Vereinnahmung durch eine zynische und sensationsgeile Musikbranche, die ihren Goldesel nicht mehr aus den Fängen entlassen wollte und konnte“ (Ernst Hofacker, Giganten, die legendären Baumeister der Rockmusik, Hannibal Verlag Höfen, 2011 ,198).

Es gab kein Licht mehr im Tunnel; von Jimi Hendrix stammt einer der deprimierendsten Sätze, die je ein Mensch gesprochen hat: „Traurigkeit ist, wenn ein Baby in diese häßliche Welt hineingeboren wird – und Freude sollte herrschen, wenn jemand stirbt“. Als Janis Joplin von seinem Tod erfuhr, stammelte sie nur: „Verdammt, er war schneller als ich….“. Die sogenannte Kulturrevolution der 60er Jahre war wie Saturn, sie fraß ihre eigenen Kinder. 2013 brachte die Halbschwester von Hendrix, Jamie, eine dvd auf den Markt ( Hear My Train A Comin‘), in der uns ihr Halbbruder unbefleckt und unschuldig wie ein Engel ohne Triebe erscheinen soll. Er wird als steriler und reiner Musikheld präsentiert, ohne Drugs und ohne Sex, ohne die aber in den 60er Jahren nichts lief.  Man berauschte sich an Subjektivität, hielt diese fatalerweise für den Dreh- und Angelpunkt einer Revolution, ohne zu bedenken, dass eine genuin soziale Revolution immer kollektivistische Wurzeln und eine Politisierung der Massen zur Bedingung hat. Ohne diese ist jede gesellschaftliche Bewegung zum Scheitern mit unnötigen Opfern verbunden. Betrachten wir kurz, wie sich Mick Jagger, der Frontmann der Rolling Stones 1968 auf einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg in London, verhielt, die vor der Botschaft der USA endete. Mit sich unschlüssig, floh er dieser, bevor das Gebäude der USA überhaupt in Sichtweite war. (Vergleiche Tony Sanchez, Up and Down with the Rolling Stones, Signet Verlag, New York, 1980,127f.). Er lief nach Hause und komponierte unter den frischen Eindrücken der Demo ein Lied, das unter dem Titel „Street Fighting Man“ berühmt wurde. Aber was war das Fazit, das Jagger aus der Demo gezogen hatte ? „But what can a poor boy do / Except to sing for a rock ’n‘ rollband …“. What can a poor boy do ? Für Bruce Springsteen ist dieser Schwachsinn „eine der größten Rock ’n‘ Roll-Zeilen aller Zeiten“. Wieder so eine Peinlichkeit, denn Jagger bebrütet doch nur sein eigenes Ego darin, er spritzt sein eigenes Sperma auf seinen eigenen Bauch, weiter reicht es bei ihm nicht.

Wenn selbst Jahrzehnte nach seinem Tod Hendrix noch auf den Markt geworfen wird, kann man ermessen, wieviele Millionen den Kriminellen in der Popmusikbranche durch seinen frühen Tod durch die Lappen gegangen sind. Dass man mit ihm das schnelle Geld machen wollte, rächte sich wie sich jedes Unterfangen im Kapitalismus rächt. Denn es kommt beim Handeln der Individuen in der Anarchie der Produktion noch etwas anderes heraus, als sie unmittelbar wollen. Geld fixiert auf eine Monobesessenheit, die allerdings temporär bleibt, und durch musikalischen Einfluß ihr Ende finden kann. Für die literarische Darstellung dieses Umstandes erhielt Thomas Mann 1929 den Nobelpreis für Literatur. In den „Buddenbrocks“ thematisiert er die enge Affinität zwischen Tod und Musik. Seine für es charakteristische Besessenheit im Jetzt gibt dem Gedanken, dass die Geburt eines Kindes eine traurige Angelegenheit sei, Substanz. Pete Townshend von ‚The Who‘  war nie neidisch auf Jimi, er empfand, dass er ihm als Gitarrenspieler nicht annähernd das Wasser reichen konnte.  Townshend hatte die Worte gefunden, die die Pseudorevolution der 60er Jahre fast schon klassisch ausdrücken:  „Man zertrümmert eine Gitarre, geht von der Bühne und sagt: „Fuck it ! Es ist sowieso alles nur Mist“. „Die Geburt eines Kindes ist eine traurige Sache“ und „Alles nur Mist !“ – hier haben wir die Quintessenz und zugleich die Sackgasse der kapitalistischen Lohnsklaverei vor uns, die mit Feuer und Schwert zu durchbrechen die weltgeschichtliche Sache der Lohnsklavinnen und Lohnsklaven ist.

Kurz nach Mitternacht, am 18. September 1970 nahm Hendrix in einem Hotelzimmer  im Londoner Stadtteil Kensington eine Überdosis Schlaftabletten, als Todesursache wird offiziell angegeben: „Inhalieren von Erbrochenem, ausgelöst durch eine Barbituratvergiftung“. Das ist die offizielle Version, es versteht sich von selbst, dass bei einer so schillernden Figur wie Jimi Hendrix die Versionen über die Todesursachen ins Kraut schießen.

 

 

 

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