Die Oktoberrevolution und die Frage der Mittelschichten

 

Es war eines der Verdienste Lenins, der mit seinen Aprilthesen als Einzelgänger dastand, seine Bolschewiki auf die Notwendigkeit der Verbindung von Prolet und Bauer, von Stadt und Land aufmerksam gemacht zu haben, eine Verbindung, der sowohl die russischen Menschewiki als auch die westlichen Sozialdemokratien relativ gleichgültig gegenüberstanden. Ihre Fixierung auf Urbanität ist urbürgerlich. Die meisten menschewistisch geprägten Abhandlungen über die russische Revolution leiden an dieser Einseitigkeit, die großen Städte und den Gegensatz zwischen Stadt und Land nicht aufheben zu wollen. Die Schlüssel zum Verständnis dieser  Fundamentalrevolution liegt im Grunde nicht in Petrograd – dort fanden lediglich die politischen Haupt- und Revolutionsaktionen statt. Die Bourgeoisie hat das Land der Herrschaft der Stadt unterworfen, heißt es im Kommunistischen Manifest. Viele Ausfälle Lenins gegen Sozialdemokraten sind auf dem Hintergrund dieser für den Sieg der Revolution unbedingt notwendigen Konjunktion zu sehen, die erkannt zu haben seine theoretische Überlegenheit ausmachte. Die revolutionsschwangeren Monate des Jahres 1917 zeigten neben der wahren Natur der verschiedenen Gesellschaftsklassen, wie grau alle Theorie ist und wie grün und vielsprießig die Keime einer neuen sozialistischen Welt das Licht der roten Sonne suchen. Als Lenin aus dem Exil zurückkam und seine Aprilthesen verkündete, da musste er auch verkünden, dass seine Partei in den meisten Sowjets der Arbeiterdeputierten in einer schwachen Minderheit gegenüber dem kleinbürgerlichen Block war. Die Lage war zu diesem Zeitpunkt so, dass die Sowjets die Staatsmacht freiwillig an die Provisiorische Regierung abgetreten hatten. Ein Mathematiker hätte ob dieser Marginalität resigniert, ein Dialektiker weiß, dass das momentan Schwache triumphieren wird, wenn es das entsprechende Entwicklungspotential in sich birgt. 1. Aus dem bolschewistischen Kampf gegen die Volkstümler war dies bekannt, die in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts die im Vergleich zum zahlenmäßig schwachen Proletariat die Mehrheit der Bevölkerung repräsentierten. Lenin und seine Bolschewiki setzten damals auf das Proletariat und 1917 auf die Aufklärung der Volksmassen, nach Lenins Worten auf die „Erhellung der Köpfe“und das heißt Entwicklung des proletarischen Klassenbewußtseins, damit diese „sich durch die Erfahrung von ihren Irrtümern befreien“. 2. Und schwerpunktmäßig kamen diese durch den Einfluss des zahlenmäßig mächtigen Kleinbürgertums. Angesichts dieser Lage: ungenügende zahlenmäßige Stärke des Proletariats, sein ungenügend entwickeltes Klassenbewusstsein und seine ungenügende Organisiertheit, kam alles auf den ideologischen Sieg über das kleinbürgerliche Bewusstsein und den kleinbürgerlichen Taumel an. Wieder einmal mussten die Marxisten gegen den Strom der Ereignisse anschwimmen. Das Kleinbürgertum, die schwankende Klasse, war in Russland, im Revolutionsjahr 1917, im Februar und im Oktober, das Zünglein an der Waage. Stalin hat sich diesem Thema im November 1923 in einem Artikel in der Prawda angenommen: „Die Oktoberrevolution und die Frage der Mittelschichten“, in dem er die Frage der Mittelschichten als eine fundamentale Frage der Arbeiterrevolution bezeichnete. Zumindest müsse deren Neutralisierung erreicht werden. Er führte die 48er Revolution, die Pariser Commune und die russische Revolution von 1905 an, um zu belegen, dass ihr Scheitern darin zu suchen sei, dass der Widerstand der Mittelschichten gegen die Roten zu groß gewesen sei. Aber die russische Revolution von 1905 hat im russischen Volk, das den Blutsonntag nicht vergessen hatte, unterschwellig weitergewirkt. Schon am Blutsonntag wurden Weichen gestellt in ‚Richtung Oktoberrevolution‘ und in dieser sprach Stalin von einer glücklichen Verbindung von ‚Bauernkrieg‘ und ‚proletarischer Revolution‘. 3. Im Prozess der Vorbereitung der Oktoberrevolution kommt es zu einer entscheidenden Spaltung der Bauernschaft. Die Bauernschaft als Ganzes hatte unter Führung der proletarischen Kampfpartei die demokratische Revolution vollbracht, die ein Nebenprodukt der sozialistischen war. Zugleich war aber die Vollendung der bürgerlichen Revolution eine Hauptaufgabe der sozialistischen. Die bürgerliche und die proletarische Revolution waren sonderbar verflochten und entscheidend in diesem Prozess war die Entwicklung der Bauernschaft. Man verfehlt das Wesen der Oktoberrevolution, wenn man nicht die Vollendung der gesamten bürgerlich-demokratischen Revolution durch die proletarisch-bäuerliche begreift und die dazu notwendige Abspaltung der armen Bauernschaft von der Mittelbauernschaft nach der Februarrevolution. Die Bauernschaft schwankte und paktierte 1917 zunächst mit dem Großbürgertum, dann nach Abspaltung der armen Bauernschaft war die Mittelbauernschaft neutral und das ergab die entscheidende Weichenstellung. Die Komplexitiät dieser Prozesse innerhalb der Bauernschaft und ihre Verflochtenheit mit dem Gesamtprozess hat Stalin in zwei diesbezüglich wichtigen Briefen beleuchtet, die im Zusammenhang mit der Oktoberrevolution zu wenig zur Kenntnis genommen worden sind, es sind dies die Briefe an Jan-Ski im „Bolschewik“ Nummer 7/8 vom 15. April 1927 und an S. Pokrowski vom 20. Mai 1927. Stalin verteidigt in diesen Briefen die drei Grundlosungen der bolschewistischen Partei in der Bauernfrage und diese beiden Briefe bringen mit ihren Korrekturen an den fehlerhaften Auffassungen von Jan-Ski und Pokrowski entscheidendes Licht in die schwankenden Haltungen der Bauernschaft in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche. Betrachten wir die drei Grundlosungen im einzelnen: Die erste bereits von Lenin in der Schrift ‚Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution‘ dargelegte lautete: Zusammen mit der gesamten Bauernschaft gegen den Zaren und die Gutsbesitzer bei Neutralisierung der Bourgeoisie für den Sieg der bürgerlich-demokratischen Revolution. Das galt für die erste Periode der russischen Revolution von 1905 bis zur Februarrevolution einschließlich und enthält die Eigenart, dass die Bourgeoisie für den Sieg der bürgerlichen Revolution neutralisiert werden musste. Die russische Bourgeoisie war über ein Stadium der politisch-revolutionären Verkrüppelung nicht hinausgekommen, war in klassenkämpferischer Hinsicht ganz einfach unfähig, in ihrer eigenen Revolution eine positive Rolle zu spielen, sie stand bereits daneben. Wir finden die Eigenart vor, dass eine bürgerlich-demokratische Revolution durch eine Paralyse des Bürgertums stattfinden muss und dass sich das im Vergleich zur bäuerlichen Masse des Volkes quantitativ sehr kleine Proletariat als revolutionäre Ersatzklasse zur Übernahme der Haupttriebkraft der bürgerlich-demokratischen Revolution gezwungen sieht. Das sollten vor allem die Ideologen berücksichtigen, die von einer politisch-ideologischen Unreife des russischen Stadt- und des russischen Landproletariats, ja des ganzen Landes selbst ausgehen und von einer angeblich fortschrittlichen Warte die Leninisten kritisieren. Die bürgerlichen Ideologen wollen sich die Krüppelgestalt der russischen Bourgeoisie nicht eingestehen, die im Februar 1917 noch nicht so weit waren wie die französische Bourgeoisie am 21. Januar 1793, als ein Königskopf in einem Korb unter der Guillotine fiel. Um Schlimmeres zu verhindern, trägt die russische Bourgeoisie dem Bruder des abgedankten Zaren gleich nach Ausbruch der Februarrevolution monarchische Würde an. Haben wir es mit einer derart impotenten Bourgeoisie zu tun, so führen sich eine bürgerliche – und dann auch proletarische Revolution – auch mit Beisatz von Analphabeten durch. Die Sünden der alten Klassen werden in einer Revolution eingeholt. In hochindustrialisierten Ländern ist eine grosse Masse von Analphabeten ein Hemmschuh für eine proletarische Revolution. 4. Die zweite Losung, die für die Periode der Vorbereitung der sozialistischen Revolution, lautete: Zusammen mit der armen Bauernschaft, gegen den Kapitalismus in Stadt und Land, bei Neutralisierung der Mittelbauernschaft, für die Macht des Proletariats. In dieser Losung drückte sich der Kurs auf die Oktoberrevolution aus. Es fällt auf, dass das bäuerliche Potential in der Vorbereitung und bei der Durchführung der Oktoberrevolution, sein Anteil, geringer ist als beim Sieg der bürgerlich-demokratischen Revolution und auch geringer ist als beim Aufbau des Sozialismus. Denn auf dem VIII. Parteitag, also nach dem Sieg der Oktoberrevolution, gab Lenin die Losung aus: Gestützt auf die Dorfarmut und im festen Bündnis mit dem Mittelbauern vorwärts für den sozialistischen Aufbau. Es ist die Tatsache festzuhalten, dass in einem stark kleinbürgerlichen Land wie Russland die erfolgreiche proletarische Revolution gerade die Neutralisierung des Mittelbauern zur Voraussetzung hatte. Es fällt weiterhin auf, dass Neutralisierungen der Bauern, einmal eine größere Neutralisierung, dann eine kleinere, nur in Sinne und zum Nutzen der beiden Revolutionen, der Doppelrevolution, stattfinden, so dass die Revolutionen sich zueinander in Affinität und Entgegensetzung halten. Fahren wir fort, die drei Grundlosungen untereinander zu betrachten, so ergibt sich als Brennpunkt die Abspaltung der armen Bauernschaft bzw. die Neutralisierung der Mittelbauernschaft als Vorbedingung für den Sieg der Oktoberrevolution. Also nur zur Vorbereitung der Oktoberrevolution nach dem Sieg der bürgerlich-demokratischen Revolution im Februar gab es eine Neutralisierung der Mittelbauernschaft, vor und nach der Oktoberrevolution einen Schulterschluss mit der Mittelbauernschaft. Die Neutralsisierung des Mittelbauern gab es nur einmal, in der zweiten Periode vor dem Oktoberumsturz, eine Neutralisierung des Mittelbauern gab es nicht nach der Oktoberrevolution, wie es Jan-Ski behauptete und einen Schulterschluss mit dem Mittelbauern durchzog den Revolutionsprozess auch nicht bis zur Oktoberrevolution als ihre Vorbedingung, wie es Kamenjew sah, im Gegenteil, es musste sich vor der Oktoberrevolution ein Prozess einer sich mehr und mehr verschärfenden Polarisierung der Klassenkräfte eingesetzt haben.

Das Ende der Neutralisierung nahm Jan-Ski als ihren Anfang und Kamenjew verstand nicht das Neue: die fundamentale Bedeutung der Abspaltung der armen von der mittleren Bauernschaft nach der Februarrevolution im Prozess der Vorbereitung der Oktoberrevolution. Die proletarische Partei darf jetzt (kursiv/H.A.) nicht ihre Hoffnungen auf die Gemeinsamkeit der Interessen mit der Bauernschaft setzen“. 5. Bedarf es näherer Ausführung, dass sich das widersprüchliche bzw. schwankende Wesen der Mittelbauernschaft besonders vor und im Zuge einer proletarischen Revolution hervorkehrt ? Die Mittelbauernschaft gerät ins Grübeln, nach welcher Seite der Würfel denn fallen wird ? Jan-Ski verfehlt das Wesen der Oktoberrevolution, indem er sie nur als Vollendung einer bürgerlichen Revolution deutet. Er verwechselt die Substanz der Oktoberrevolution mit einer ihrer Hauptaufgaben, die aber vom revolutionären Inhalt her eine Nebenerscheinung blieb. Das Wesen der Oktoberrevolution wäre bürgerlich gewesen, wenn die Leninisten die nach der Machtergreifung der Räte gewählte Konstituante nicht auseinandergejagt hätten, diese ihre unvermeidbaren Dominanzansprüche gegenüber den Räten angemeldet und durchgesetzt hätte, kurz: wenn es zu einem Machtzustand gekommen wäre wie in der Kerenski-Periode. Die Geschichte hat sich aber nicht im Kreis bewegt, weil sich in der Phase der Doppelherrschaft eine  sich mehr und mehr vertiefende Kluft zwischen armen und besitzenden Bauern aufgetan hatte, ohne die es nicht zu einer erfolgreichen Revolution im Oktober gekommen wäre. Zur Bauernschaft nahm also die Partei nacheinander folgende Positionen ein: sie ging mit der ganzen Bauernschaft zusammen zum Sturz der Selbstherrschaft, sie stürzte mit der armen Bauernschaft bei Neutralsierung der Mittelbauernschaft die Bourgeoisie und sie stützte sich auf die arme Bauernschaft, um im festen Bündnis mit den Mittelbauern den Sozialismus aufzubauen. Sowohl der Zarismus als auch die russische Bourgeoisie mussten in einer Doppelrevolution sukzessive gestürzt werden, in der es zwischendurch zu einer eigentümlichen Doppelherrschaft gekommen war. In der Zeit zwischen den Revolutionen gab es eine Doppelherrschaft, die, was nur allzu oft übersehen wird, zugleich keine war, nur eine auf dem Papier: Die zaristischen Machtapparate wurden ungesäubert einseitig von der der Hand der russischen Bourgeoisie übernommen und nach dem rasch gescheiterten Kornilowputsch, durch den die Möglichkeit einer friedlichen Revolution suspendiert wurde,  wurden die fortschrittlichen Kräfte von der Bourgeoisie und ihren Paktiererparteien (Sozialrevolutionäre und Menschewiki) politisch verfolgt. Sind die sich verlagernden Bündnisse vor der Februar- und vor der Oktoberrevolution explizit Kampfbündnisse, die Februarrevolution hat selbstverständlich eine andere Grundlage für den Klassenkampf gelegt als die Oktoberrevolution, so heißt das nicht, dass die dritte Grundlosung: „Gestützt auf die Dorfarmut und im festen Bündnis mit der Mittelbauernschaft vorwärts für den sozialistischen Aufbau“ nicht auch Kampfbündnisse enthält, denn die Dialektik von Revolution und Konterrevolution wird in einer Revolution in aufsteigender Linie nicht blasser, sondern sie nimmt schärfere Konturen an. Die Geschichte nicht nur der Sowjetunion bestätigt hier Lenins in die Diktatur des Proletariats eingebrannten Gedanken, dass sich nach einer Revolution, und in diesem Fall nach einer zum Aufbau des Sozialismus in einem zunächst agrarwirtschaftlich dominanten Land führenden, der Klassenkampf verschärft.

1.“Es kommt nicht auf die Zahl an, sondern auf den richtigen Ausdruck der Ideen und der Politik des wirklich revolutionären Proletariats“. (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1978,68).

2. Lenin, Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1978,5. Es ist bemerkenswert, wie Lenin den Zustand des russischen Proletariats 1917 zur Zeit der Aprilthesen einschätzte: „Das Proletariat ist unorganisiert, schwach, nicht klassenbewußt“. (Lenin, Entwurf eines Artikels oder einer Rede zur Verteidigung der Aprilthesen, Werke Band 24, Dietz Verlag 1978,14). Die Loslösung des Proletariats von der kleinbürgerlichen Bevormundung, die sich in den Machtproportionen in den Sowjets widerspiegelte, war oberste Pflicht.

3. Vergleiche Josef Stalin, Die Oktoberrevolution und die Mittelschichten, Werke Band 5, Verlag Roter Morgen, Dortmund, 1976,301

4. Es ist in diesem Zusammenhang auf den bekannten Hinweis Lenins im ‚Linken Radikalismus‘ aufmerksam zu machen, dass es in Russland relativ leicht war, die politische Macht gegen Idioten wie Nikolaus und Rasputin zu erobern, während in den hochindustrialisierten Ländern Westeuropas eine wirkliche Elite der Bourgeoisie die Macht vertritt und es deshalb dort viel schwieriger für die Arbeiterklasse werden wird, die politische Macht zu erobern. Auf der anderen Seite würde der gesunde Menschenverstand eine große Masse von Analphabeten in hochindustrialisierten Ländern für gar nicht mehr möglich halten, aber es gibt diesen groben und schweren Hemmschuh des Fortschritts. In der BRD gibt es noch heute 7,5 Millionen funktionale Anaphabeten. Bei einer solchen Quote kann nicht das Volk  in einem hochindustrialisierten Land im Mittelpunkt der Bildung stehen, es sind die Profitinteressen der Kapitalisten, die die Bildung des Volkes steuern. Es gibt eine industrielle und eine ungebildete Reservearmee.

5. Lenin, Referat zur poltischen Lage am 24. April 1917, zitiert nach: Josef Stalin, Über die Losung der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft in der Periode der Vorbereitung des Oktober, Antwort an S. Pokrowski, in: Josef Stalin, Über den Grossen Oktober, Kleine Bücherei des Marxismus-Leninismus, Verlag Rote Fahne, Kiel, 1974,153 . Frida Rubiner arbeitet ungenau, wenn sie in ihrer Broschüre zum 30. Jahrestag der Oktoberrevolution schreibt, dass Lenin und seine Partei uns lehrten, „daß die Arbeiterklasse nur im Bündnis mit der Bauernschaft (kursiv/F.R.) zum Sieg gelangen konnte“ (Frida Rubiner, Eine Wende in der Menschheitsgeschichte, Zum 30. Jahrestag der Oktoberrevolution, Dietz Verlag Berlin, 1947,17). Welcher Sieg ist gemeint ? Der im Oktober kann es nicht sein! Das Kursive ist folglich ganz unangebracht. Auch macht sie es sich zu einfach, das Problem der Reife der russichen Völker für den Sozialismus mit folgenden Sätzen zu lösen: „Es gibt Sozialisten, die glauben, zuerst müssen die Volksmassen für den Sozialismus ‚reif‘ gemacht werden, und dann könne man erst an die Abschaffung des Kapitalismus denken. Der Sowjetstaat ist das umgekehrte: zuerst das Volk von den Fesseln des Kapitalismus befreien und damit ihm die Möglichkeit geben, für den Sozialismus reif zu werden“. (a.a.O.,22f.). Abgesehn davon, dass die angesprochenen Sozialisten nicht behaupten, dass das Volk reif gemacht werden muss, sondern dass es reifen müsse, knirscht es erheblich im marxistischem Gebälk: das Volk ist in beiden Fällen ein Spielball fremder Mächte. Beachtenswert im negativen Sinn ist auch der Schlusssatz ihrer Broschüre zum 30. Jahrestag der Revolution: „Wir müssen lernen, die Sowjetunion zu verstehen und müssen alles tun, um für alle Zeiten in der Sowjetunion einen Bundesgenossen zu gewinnen (a.a.O.,64). Und was ist mit Lenins Bestimmung der Sowjets als Keimformen des Absterbens jedes Staates ? Zu viele Sozialisten galten im realen Sozialismus durch das Parteibuch automatisch als Meister der Dialektik, für die es aber ein „Für alle Zeiten“ nicht gibt ! Was ist aus der „Ewigen Freundschaft UdSSR-DDR“ geworden ? xx Bedarf es näherer Ausführung, dass sich das widersprüchliche bzw. schwankende Wesen der Mittelbauernschaft besonders vor und im Zuge einer proletarischen Revolution hervorkehrt ? Die Mittelbauernschaft gerät ins Grübeln, nach welcher Seite der Würfel denn fallen wird ? Jan-Ski verwechselt das Wesen der Oktoberrevolution, indem er sie nur als Vollendung einer bürgerlichen deutet. Er verwechselt die Substanz der Oktoberrevolution mit einer ihrer Hauptaufgaben, die aber vom revolutionären Inhalt her eine Nebenerscheinung blieb. Das Wesen der Oktoberrevolution wäre bürgerlich gewesen, wen



 
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