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Die russische Revolution von 1905 ohne Sowjets und die russische Februarrevolution ohne Frauen – Wie die MLPD zwei russische Revolutionen darstellt

20. Februar 2017

Ausgerechnet in der Ausgabe der ‚Roten Fahne‘ vom 17.2. 2017, die cirka 20 Tage vor dem Internationalen Frauentag 2017 erschien, fällt eine Merkwürdigkeit bezüglich der Bedeutung revolutionärer Frauen für ein historisches Ereignis auf, das Lenin als weltgeschichtlich gewertet wissen wollte. Dieses Ereignis war die russische Februarrevolution 1917. „Solche Etappen wie der Oktober 1905, der Februar und Oktober 1917 haben welthistorische Bedeutung“. (Lenin, Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht, Werke Band 27, Dietz Verlag Berlin, 1960,262). Auf Seite 38 ist in der ‚Roten Fahne‘ ein schwarz-weiß Bild einer Massenversammlung mit dem Untertitel „Arbeiter der Putilow-Werke demonstrieren am 23. Februar 1917“ bedacht worden. Nur – auf dem Bild sind fast ausschließlich Frauen und Kinder abgebildet. Die Februarrevolution war keine „reine Männersache“, wie es der Artikel unterstellt.

Im Gegenteil: Der Ursprung der auf acht Tage zu begrenzenden Februarrevolution, der ersten siegreichen Volksrevolution in der Epoche des Imperialismus, war feminin: Die von Männern dominierten Arbeiterkomitees, einschließlich der bolschewistischen, hatten sich gegen Streiks ausgesprochen, aber am 8. März, am Internationalen Frauentag, hielten sich die Frauen aus Brotknappheit nicht mehr daran. Die Februarrevolution, die sich nach westlichem Kalender im März vollzog, begann unter dem Schatten des Weltkrieges, der für Russland erhebliche militärische Niederlagen und von allen kriegführenden Ländern die größten Erschütterungen brachte, durch Streiks von Textilarbeiterinnen, Müttern und Hausfrauen, also von den am meisten Ausgebeuteten, unter der Lebenmittelkrise am meisten Leidenden, im Petrograder Stadtteil Wyborg. Am nächsten Tag entbrannte der Protest auch in andern Stadtteilen. 1917 verdienten die Frauen nur halb so viel wie die Männer. Lenin hatte Recht, dass die Revolutionäre tiefer in die Gesellschaft eindringen müssen, zu den Untersten der Unteren. Diese Arbeiterinnen initiierten alles und schickten Delegationen zu den schlagkräftigen Metallarbeitern, die sich überzeugen ließen. So kam die Lawine von unten in Gang, am Nachmittag des 8. März streikten 90. 000. Es liegt eine eindeutige Revolution von unten, eine spontane gegen die eigenen revolutionären Organisationen vor, die Fahnen der Frauen und des Frauentages rissen die rote Fahne mit sich, und insofern gebührt den vom Kapital exzessiv ausgebeuteten Beginnerinnen der Februarrevolution ein Ehrenplatz in der Geschichte der sozial ausgerichteten Revolutionen. Die Februarrevolution kam für die Berufsrevolutionäre überraschend. Der Stein war ins Rollen gekommen … hin zur Februarrevolution … hin zu Oktoberrevolution … hin zur Weltgeschichte. Ohne die Frauen hätten wir nicht gesiegt, wird Lenin später sagen.

Schon in der Ausgabe vom 20.1.1917 brachte die ‚Rote Fahne‘ einen Artikel zur russischen Revolution von 1905. Diese war für Lenin nicht nur ein weltgeschichtliches Ereignis (siehe oben), sondern die Generalprobe für die Oktoberrevolution. Und mit wieviel Sätzen wird die Arbeiterklasse abgespeist ? Mit 14 Sätzen ! Man stelle sich das einmal vor: Menschen, die sich dem Anspruch verpflichtet wissen, den wissenschaftlichen Sozialismus weiterzuentwickeln, handeln im 100. Jahr des Ausbruchs der Oktoberrevolution deren Generalprobe mit 14 Sätzen ab. Das wirkt für jede kritische und wissenschaftlich gebildete Arbeiterin, für jeden kritischen und wissenschaftlich gebildeten Arbeiter wie dahingeschissen. Was sind 14 Sätze mehr als eine Kalendernotiz ? Für dieses komplexes Thema stellte die ‚Rote Fahne‘ eine Seite zur Verfügung ! Und die eine Hälfte der Seite nahm noch ein Bild von Lenin in Anspruch ! Wohlgemerkt, also ein halbe Seite für die erste Volksrevolution unter imperialistischen Bedingungen im 20. Jahrhundert. Es gibt einen komplexen inneren Zusammenhang zwischen dem Oktober 1905, der Februar- und der Oktoberrevolution, der auch bereits bei der wissenschaftlichen Behandlung der ersten Revolution aufgezeigt werden muss. Zum Beispiel bilden die Sowjets einen roten Faden, der in allen drei Revolutionen gefasst werden muss. Das Wort „Sowjet“ kommt in dem Artikel gar nicht vor, gerade der russische Sowjet aber war die wichtigste, über die Pariser Commune hinausgehende politische Errungenschaft des Massenkampfes gegen den Zarismus, das reaktionärste und das demokratischste Organ Europas standen nebeneinander, mehr noch: antagonistisch blutsonntaglich gegeneinander, die Doppelherrschaft nach der Februarrevolution 1917 im Keim enthaltend.  Auch das Wort ‚Februarrevolution‘ kommt in dem Artikel über die Revolution von 1905 nicht einmal vor, kein Wunder, wenn man nur eine halbe Seite zur Verfügung hat. Und doch haben wir es hier nicht nur mit Weltgeschichte zu tun, sondern auch  mit Kettenglieder eines Prozesses, in dem kein Kettenglied ausgelassen werden darf, mit welcher der drei Revolutionen man sich inhaltlich auch auseiandersetzt. Schon allein dadurch, dass Lenin allen drei Revolutionen eine weltgeschichtliche Bedeutung bescheinigt, liegt zwischen ihnen ein innerer Zusammenhang vor, die weltgeschichtliche Bedeutung ist die markanteste, aber man muss wesentlich tiefer gehen. Die bürgerliche Revolution wächst in die proletarische hinüber, und gerade den Aprilthesen Lenins (ein weiteres Kettenglied) und den Sowjets kommen in diesem Prozess eine ganz wesentliche Rolle zu.

In dem Artikel über die Februarrevolution vom 17.2.1917 scheint sich die Verfasserin/der Verfasser nur auf ein Buch gestützt zu haben. Am Schluss des Textes heißt es: „Alle Zitate Lenins und Stalins sind dem 1939 im Verlag für fremdsprachige Literatur Moskau erschienenen Samelband ‚Lenin, Stalin – das Jahr 1917‘ entnommen“.  Zitate von anderen Autoren gibt es nicht. Das ist natürlich auch eine Masche: Im Text keine Seitenzahlen zu den Zitaten, aber am Ende das Buch angeben. So wird wissenschaftlich nicht gearbeitet. Die Leserin/der Leser, der einen bestimmten Zusammenhang nachlesen will, ist gezwungen, das Buch von Anfang an zu lesen, bis er die entsprechende Stelle gefunden hat !! Man stelle sich einmal diese Vergeudung wissenschaftlicher Kapazitäten vor ! Dahin ist es also gekommen: Eine Darstellung der russichen Revolution von 1905 ohne Sowjets und eine der russischen Februarrevolution ohne Frauen !! Dafür Bilder, Bilder, Bilder … Kurz: Im Mittelalter verdummten die katholischen Pfaffen die Bauern, indem sie ihre Predigt in lateinischer Sprache hielten, die niemand verstand, heute wird die ‚Rote Fahne‘ durch eine Bilderflut auf das Niveau einer Illustrierten, einer BILD-Zeitschrift herabgewürgt, der Arbeiterklasse wird der wissenschaftliche Sozialismus in Diätform verabreicht, als ob es sich um eine kranke, siechende, geistig minderbemittelte Klasse handelt. Ohne Zweifel reiht sich die ‚Rote Fahne‘ der MLPD ein in die Reihe kleinbürgerlicher Massenmedien, die auf die Köpfe der Arbeiterklasse einprügeln.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit im 100. Jahr des Ausbruchs der Oktoberrevolution

15. Februar 2017

Die ganze fortschrittliche Menschheit feiert am 8. März 2017 den internationalen Frauentag im 100. Jahr des Ausbruchs der russischen Oktoberrevolution. Diese Revolution war die erste Revolution in der Geschichte der Menschheit, die die volle Gleichberechtigung der Frauen durchsetzte. Die Pariser Commune, die 72 Tage währte, hatte diesbezüglich fruchtbare Ansätze, die französische Konterrevolution im Pakt mit Bismarck ließ ihr aber nicht die Zeit, diese zu entwickeln. Lassen wir kurz einmal die sozialen Errungenschaften der Oktoberrevolution Revue passieren. 

Zunächst brachte die Revolution rasch per Dekret des Rates der Volkskommissare  eine Erhöhung des Arbeitslohns für alle Werktätigen und den gleichen Lohn für alle Frauen analog dem Lohn der Männer. Eine Verkürzung des Arbeitstages wurde beschlossen, gearbeitet werden durfte in gefährlichen und gesundheitsschädlichen Produktionszweigen nur vier bis sechs Stunden. Bereits 1923 gab es  in der Sowjetunion  weltweit den kürzesten Arbeitstag und die Wohltaten der Kranken- und Rentenversicherung.  Eine Verkürzung des Arbeitstages ist immer ganz wichtig für die wissenschaftliche und kulturelle Weiterentwicklung der Arbeiterklasse. Sodann brachte die Revolution das Verbot der Nachtarbeit, was einer Maßnahme der Pariser Commune entsprach. War Nachtarbeit unumgänglich, so durfte sie vier Stunden nicht überschreiten, das völlige Verbot der Überstundenarbeit, das Verbot, Kinder unter sechzehn Jahren in Arbeitsverhältnisse zu zwingen, die Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Kindern, das Verbot der Frauenarbeit in jenen Wirtschaftszweigen, in denen die Arbeit für den weiblichen Organismus schädlich ist, das generelle Verbot der Nachtarbeit für Frauen, Freistellung der Frau von der Arbeit für die Dauer von acht Wochen vor und acht Wochen nach der Niederkunft unter Fortzahlung des vollen Lohnes für die gesamte Zeit bei unentgeltlicher ärztlicher Hilfe und Versorgung mit Arzeneimitteln, nach dem Aufbau eines Netzes von Entbindungsheimen die Einrichtung von Kinderkrippen, von 1917 bis 1927 stieg die Zahl um das Zwölffache, sowie besonderer Räume für stillende Mütter. Eine Folge der Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Kindern war die steil auf Null sinkende Kurve der Kindesmörderinnen. Auch saßen keine ‚unbefugten Geburtshelferinnen‘ mehr in den Gefängnissen, weil Schwangerschaftsunterbrechungen jetzt in den Kliniken vorgenommen wurden. Homosexualität war als Sexualpraktik gesetzlich anerkannt. 1. Sofort durchgesetzt wurde auch die  vollständige Sozialversicherung der Arbeit und das Verbot für Unternehmer, vom Lohn Abzüge in Form von Geldstrafen, abzuzweigen. 2.  Es war vorgekommen, dass Kürzungen vorgenommen worden waren wegen Fehlens beim Gottesdienst. Stalin sagte, dass eine charakteristische Besonderheit der Oktoberrevolution darin bestand, dass sie dem Volk nicht nur die Freiheit, sondern auch die materiellen Güter und die Möglichkeit gab, ein wohlhabendes und kluturvolles Leben zu führen. 3.

Wie hatte die Oktoberrevolution Russland in kurzer Zeit verwandelt ! Die Mutter Josef Stalins war noch eine Leibeigene gewesen, der Scholle des Kulaken verhaftet. Bis 1897, zwanzig Jahre vor der Oktoberrevolution, waren Frauen vom Universitätsstudium ausgeschlossen. 4. Erst 1913 war der Zar so gnädig zu erlauben, dass auch Frauen in Agraruniversitäten lehren dürfen, ohnehin befasste sich in diesem riesigen Agrarland die Staatsduma erst im Dezember 1910 mit der Frage, ob an den Universitäten selbständige landwirtschaftliche Fakultäten eingerichtet werden sollen ? 5. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten nur zehn Prozent der Frauen unter der Landbevölkerung lesen, noch 1913 waren 79 Prozent der Farbrikarbeiterinnen Anaphabetinnen. 6. Es gab im zaristischen Russland in sechzehn Städten nur 91 Universitäten, 1939 konnten in den kulturellen Zentren 750 Universitäten registiert werden, 1952 880. Auf einen Wissenschaftler im Oktober 1917 kamen am 30. Jahrestag der Oktoberrevolution 3 000. 7.  Einige Völkergruppen wie zum Beispiel die Mari, Kirgisen, Kasachen und Tadshiken waren durchweg des Lebens und Schreibens unkundig, bei den jakutischen Frauen waren es 99,3 Prozent. Auf diesem Feld konnten nur die Unkräuter der Religion, des Aberglaubens und der patriarchalischen Deformierung blühen. Fünfzig Jahre später konnten die Früchte der sowjetischen Kulturrevolution geerntet werden.  Am 16. Juni 1963 flog die 26jährige Kosmonautin Valentina Tereschkowa, Tochter eines im zweiten Weltkrieg gefallenen Traktoristen und gelernte Näherin, die am 6. März dieses Jahres 80 Jahre alt wird, als erste Frau in den Weltraum. Chrutschow ließ sich mit Juri Gagarin, sein Flug fand 1961 statt, und Valentina Tereschkowa dutzendemal ablichten, aber die Weichen für diese Jahrhundertaten wurden von den Arbeitskollektiven der Sowjetunion zusammen mit Lenin und Stalin gestellt und ohne die sozialen Errungenschaften der Oktoberrevolution, ohne Verbindung der Universitäten mit der Produktion, ohne ständig steigende Bodenfruchtbarkeit, ohne moralisch-politische Einheit der sich im Sozialismus entwickelnden Sowjetvölker, ohne die bahnbrechenden Rekorde der Stachanow-Aktivistinnen und ohne den Sieg im ‚Großen Vaterländischen Krieg‘, in dem über 600 000 Frauen mit Orden und Medaillen ausgezeichnet wurden, wäre es zu diesen Flügen nicht gekommen. Durch die Flüge von Gagarin und Tereschkowa hatte der Faschismus nicht nur den Wettlauf um Stalingrad, sondern der US-Imperialismus auch den Wettlauf in den Weltraum verloren, denn die Weltraumexperten der USA um den Faschisten Wernher von Braun guckten dumm aus der Wäsche, als am 4. Oktober 1957  die Meldung um die Welt ging, der erste vom sowjetischen Boden abgeschossene künstliche Erdsatellit habe eine Erdumlaufbahn erreicht.  Die Eliten der USA erlebten ihren sogenannten Sputnikschock.

Die Oktoberrevolution hatte für alle Bereiche des menschlichen Lebens neue Maßstäbe gesetzt. Jetzt gilt es, sein Haupt mit Scham abzuwenden, wenn wir etwa den Maßstab des gleichen Lohnes für gleiche Arbeit an die soziale Wirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland anlegen. Es gibt ihn nicht. Das, was die Sowjetregierung in wenigen Tagen schaffte, hat die SPD in 154 Jahren nicht geschafft. Noch immer verdienen sich die kapitalistischen Blutsauger an der Ausbeutung der weiblichenn Arbeitskraft dumm und dämlich. Die Sozialdemokratin Manuela Schwesig hat jüngst ja nicht den gleichen Lohn für gleiche Arbeit gefordert, sondern ein „Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern“ angeleiert. Vergleicht man diese Sozialdemokratin mit Lenin und seinen  präzisen, zügigen, einheitlichen, in klare Worte gefassten Dekreten zur Gleichberechtigung der Frau, so ist das, was Schwesig abliefert und den Frauen des deutschen Volkes vorsetzt,  auf den ersten und auf den letzten Blick Pfusch. Das Prinzip ‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ wird gar nicht bzw. immer noch nicht angestrebt. In Firmen mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollen die Frauen anklopfen dürfen und Auskunft über die Lohnlage verlangen. Aus Datenschutzgründen sollen dann aber nur Durchschnittsgehälter genannt werden. Firmen mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollen zudem regelmäßig einen Bericht zur Lohngleichheit vorlegen. Wir müssen dieser Ministerin jedoch in einem Punkt dankbar sein. Sie trägt erheblich dazu bei, richtig zu verstehen, was in der russischen Oktoberrevolution unter der bolschewistischen Losung ‚Rechnungsführung und Kontrolle über die Produktion‘ zu verstehen ist.  Die Unterdrückung der Frau ist in den kleinen und mittleren Betrieben ja noch viel intensiver als in den kapitalistischen Großunternehmen. Die in diesen konzentrierten Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter bilden zwar den sozialen Kern einer sozialen Revolution, dieser Kern wird aber keine Frucht um sich bilden können, wenn nicht die Geschundenen und Getretenen in den Zuliefererbetrieben aus ihrer Schattenwelt heraustreten und von der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit weiter zum Licht der Befreiung von der Lohnarbeit streben. Sind denn diese Frauen Frauen zweiter Klasse ? Wir müssen zunächst auf den Ausgleich der finanziellen Schäden pochen, die den Frauen durch den grundgesetzwidrigen Lohndiebstahl entstanden sind. Bei den Finanzämtern ist alles registriert, wir dürfen keineswegs den Fehler begehen, diese in einer Revolution in Brand zu stecken, das würde nur den Beifall der kapitalistischen Blutsauger finden, im Gegenteil, wir brauchen diese Unterlagen, um das Ausbeuterpack vor die Revolutionstribunale zu zerren. Denn man wird nicht sofort nach einer proletarischen Revolution einen Wirtschaftsorganismus haben, in dem es keine Lohnarbeit mehr gibt und das Geld der Welt von gestern angehört.

1848 hatten Marx und Engels im ‚Kommunistischen Manifest‘ bereits herausgearbeitet, dass die Prostitution ein elementarer Bestandteil der kapitalistischen Gesellschaft ist und dass sie innerhalb dieses Systems nicht zur Auflösunge gebracht werden kann. An diesem Punkt müssen wir besonders sensibel sein, denn die Kapitalisten und die Zuhälter versuchen uns zusammen mit den Massenmedien ins Bewußtsein einzuimpfen, Prostitution sei etwas Natürliches. Sexualität ist nichts Widernatürliches, aber ihre kapitalistische Form ist es schon. Auch hatten Marx und Engels im Manifest bereits festgestellt, dass der Preis einer Ware, also auch der Arbeit, später korrigierte dies Marx zum Preis der Arbeitskraft, gleich ihren Produktionskosten ist. „In demselben Maße, in dem die Widerwärtigkeit der Arbeit wächst, nimmt daher der Lohn ab“. 8. Gerade Frauen verrichten widerwärtige Arbeiten, schuften sich im sogenannten Niedriglohnsektor kaputt. Der deutsche Bundestag hält sich Saaldienerinnen und Putzfrauen. Schon die Bezeichnungen ‚Saaldienerin‘ und ‚Putzfrau‘ bzw. ‚Reinigungskraft‘ sind entwürdigend und menschenverachtend. Da sitzen sie nun, die Linken und die Sozialdemokraten, und diese feudalen Institutionen bleiben unberührt wie  die Unberührbaren in Indien. Immer schön den Blick zur Regierungsbank richten, gelle ! Man stelle sich mal einen sozialistischen Rätekongress vor, der sich Saaldienerinnen und Putzfrauen hält. Das hat mit Sozialismus nichts zu tun. Friedrich Engels wies uns schon im Zuge der 48er Revolution darauf hin, dass die Mehrzahl der Abgeordneten in der Frankfurter Paulskirche einen obskuranten Lebenslauf aufweise. Die Abgeordneten des ‚Deutschen Bundestages‘, dieser asoziale Abschaum des deutschen Volkes, sollen ihre Sitze selber sauber machen, selber den Plenarsaal fegen und selber die Toiletten im ‚Deutschen Bundestag‘ reinigen, das dürfte doch bei den fetten Diäten (9 500 € im Monat) drin sein. Allzu schmutzig wird es sowieso nicht sein, denn die sogenannten Volksvertreter glänzen in der Regel durch Abwesenheit.

Die fürwahr notwendige Kritik am Parlamentarismus verläuft in der Regel nur auf abstrakt-theoretischer Ebene. Kleinbürgerliche Akademiker und Akademikerinnen schreiben ganze gelehrte Abhandlungen über die einst und auch heute noch politisch fortschrittliche Bedeutung des Parlamentarismus, ganz im Geiste Kautskys, der 1918 gegen die Bolschewiki wegen ihrer angeblichen Verletzung der Demokratie polemisierte. Für ihn war der bürgerliche Parlamentarismus das Kostüm, das Russland nach der Oktoberrevolution am besten stehen würde. Unser Blickwinkel auf den Parlamentarismus muss ein anderer sein. Wir behalten den Niedriglohnsektor des ‚Hohen Hauses‘ im Auge gemäß Lenins Hinweisen:  „Die Frau bleibt nach wie vor Haussklavin, trotz aller Befreiungsgesetze, denn sie wird erdrückt, erstickt, abgestumpft, erniedrigt von der Kleinarbeit der Hauswirtschaft … Die wahre BEFREIUNG DER FRAU (kursiv von Lenin), der wahre Kommunismus wird erst dort beginnen, wo und wann der Massenkampf … gegen diese Kleinarbeit der Hauswirtschaft, oder richtiger, ihre massenhafte Umgestaltung zur sozialistischen Großwirtschaft beginnt.“ 9.  Es versteht sich von selbst, dass in einer sozialistischen Großwirtschaft für ein Parlament kein Platz mehr sein kann. Parlamente haben die Arbeit nicht erfunden und Marx hob hervor, dass die Pariser Kommune gerade im Gegensatz zu bürgerlichen Parlamenten eine arbeitende Körperschaft war, gesetzgebend und vollziehend in einem Akt.

1. Vergleiche Timothy Bay, Die Oktoberrevolution und der Kampf für LGBT-Rechte, Der Funke, siehe (google): Die Oktoberrevolution und der Kampf für LGBT-Rechte.

2. Vergleiche Lenin, Materialien zur Revision des Parteiprogramms, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1960,476f.

3. Vergleiche Josef Stalin, Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin, 1952,604

4. Vergleiche Laura Engelstein: Zwischen alt und neu, Russlands moderne Frauen, in: amazonen der avantgarde, Deutsche Guggenheim, Berlin, 1999,64

5. Vergleiche Alexander Alexandrowitsch Nikonow / Eberhard Schulze, Drei Jahrhunderte Agrarwissenschaft in Russland: Von 1700 bis zur Gegenwart, Studies on the Agricultural and Food Sector in Central and Eastern Europe, Iamo Verlag, Halle (Saale), 2004,44 

6. Vergleiche Jane Mc Dermid und Anna Hillyar, Women and Work in Russia 1880 – 1930. A Study in Contiuity through Change, Logman Verlag, London und New York, 1998,35. Die Autorinnen stützen sich auf statistisches Material, das A.P. Korelinin in ‚Rossia 1913 god, Statistiko-dökumental’nji sprawotschnik‘ 1995 veröffentlicht hat. Smirnin gibt sogar noch einen höheren Prozentsatz an, nach ihm waren 87 % der russischen Frauen vor dem ersten Weltkrieg Analphabetinnen.(Vergleiche I. Smirnow, Lenin und Stalin über die Kultur und Kulturrevolution, Dietz Verlag Berlin,1952,13

7. Vergleiche I. S. Smirnow, Lenin und Stalin über die Kultur und Kulturrevolution, Dietz Verlag Berlin, 1952,25

8. Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,469

9. Lenin, Die Große Initiative, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,538

 

 

 

 

 

 

 


1789 und 1917

12. Februar 2017

 

Die menschliche Erkenntnis geht den Weg vom Nichtwissen zum Wissen, allerdings nicht linear. Aufklärung wäre sinnlos, ginge sie nicht diesen Weg. Kant hielt es allerdings für vermessen, ein totales Weltwissen anzustreben, das in Frankreich die Enzyklopädisten zumindest ebenso anvisierten wie Condorcet in seinem Plan der Entfaltung der menschlichen Vernunft. Hegel steht den Enzyklopädisten viel näher, er spricht vom Weltwissen, vom absoluten Wissen und von der Weltvernunft. Der Marxismus steuert keine absolutes Weltwissen an, obwohl dieses ihm besser zu Gesicht stehen würde als das absolute Wissen Hegel, also schon ein erreichtes Weltwissen, der partiellen Revolution von 1789. Eine in der politischen Praxis beschränkte, ideologisch überhöhte (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) bürgerliche Revolution, in der das Kapital aus allen Poren bluttriefend zur Welt gekommen war, wurde vollzogen im Licht einer absoluten Erkenntnis und im Namen des ganzen Volkes. Eine totale kommunistische kam ohne eine solche aus und vollzog sich im Namen einer besonderen Klasse, die wie die kapitalistische eine Sonderstellung in der modernen Gesellschaft einnimmt. Die Sonderstellung der Kapitalisten und die Sonderstellung der Proletarier in der bürgerlichen Gesellschaft sind antagonistisch entgegengesetzte Stellungen. Nimmt man die Parole der französischen Revolution „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ an, nimmt man sie plakativ, so hätte es auf den ersten Blick einer Oktoberrevolution nicht mehr bedurft. Aber die Bürgerlichen legten diese Parole primär politisch aus, nicht primär sozial. Der bürgerliche Vernunftstaat endete in der Anarchie der Produktion, aus der die Sozialisten einen Ausweg suchten. Eine soziale Revolution, noch notwendig, die letzte der Weltgeschichte, schleudert, wie es Marx formulierte „die politische Hülle fort“. Jeder Klassenkampf ist ein politischer Kampf und es galt, die Gesellschaft von den Klassenkämpfen zu befreien durch Abschaffung der Klassen selbst. Man kann das Wesen des Marxismus und das Wesen des Leninismus nicht erfassen, wenn man nicht die ausgesprochene Sonderrolle des Proletariats in der bürgerlichen Gesellschaft berücksichtigt. Lenin hat diese schon sehr früh erkannt, im Alter von 27 Jahren. Noch im 19. Jahrhundert hatte er eine kleine Schrift verfasst, die mit Bedacht gelesen sein will und die zwei Elementarien des Leninismus enthält, sie trägt bezeichnenderweise den Titel: „Die Aufgaben der russischen Sozialdemokratie“. In Weiterführung der Gedanken von Karl Marx und Friedrich Engels aus dem Kommunistischen Manifest, dass die Kommunisten „theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus“ (Karl Marx,  Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1977,474) haben, pocht Lenin vehement auf die proletarische Sonderrolle (Vergleiche Lenin, Die Aufgaben der russischen Sozialdemokratie, Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1960,337), zugleich betont er vehement die Hauptwaffe des Proletariats, seine Organisation. (Vergleiche a.a.O.,332). Schon 1897 zeichnet sich im Denken Lenins, Marx und Engels gedanklich fortsetzend, Sozialismus als Parteidiktatur ab, eine gesellschaftliche Formation geführt von einer Kaderpartei, die gegenüber allen anderen Organistionen des Proletariats einen Sonderstatus einnimmt, denn nur diese Partei hat auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus die Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung inne. Die Matrosen von Kronstadt hatten 1921 diese Entwicklungsgesetze nicht präsent und das Fatale an der Perestroika war, dass diejenigen, die nicht richtig und scharf genug hinschauten, Gorbatschow als wissenschaftlichen Sozialisten fassten, während er nur eine peinliche Zwergmißgeburt war. Er war am 2. März 1931 zur Welt gekommen und hatte den Marxismus-Leninismus schon in der Dekadenzphase der Sowjetunion zu sich genommen, als dieser zum Fusel verkommen war. Was für eine praktische Politik aus diesem folgte, haben die Älteren unter uns noch alle erleben müssen. Gorbatschow hat dreimal den Lenin-Orden erhalten, angebrachter wäre ein Orden für hervorragende Verdienste bei der Verstümmelung der materialistischen Dialektik gewesen.